| wenn aus filmen leidenschaft wird

Abgerissen

Abgerissen - Blu-ray Packshot
© 2019 Capelight Pictures

Ich liebe Weltuntergangsstimmung, ich mag Katastrophenfilme und ich spiele unendlich gerne im Areal von Angst, Unvorhergesehenheit und horröser Zerstörung. Im Film.

Umso befriedigender, wenn diese Filme dann auch noch unglaublich nah am Realismus entlang schrammen, dann wird der Nervenkitzel auf der Leinwand erst recht richtig geil.

Abgerissen kommt aus Russland – und wir wissen spätestens seit Hardcore Henry, dass die Russen diesbezüglich ziemlich krassen Scheiß drauf haben. Umso mehr verwundert mich die selige Ruhe, mit der man hier in die Geschichte eintaucht: Kein forsches Vordringen in charakteristische Persönlichkeiten, kein großes Aufhalten mit In-Szene-bringen, keine Stimmungsbarrieren, die man der Reihe nach umstößt, um den Zuschauer so richtig fett ins Geschehen zu treiben – nichts.

Viel mehr das Ansinnen, alles möglichst unspektakulär über die Bühne zu bringen. Das Cover weckte in mir den Wunsch, irgendwas in Richtung Open Water geliefert zu bekommen, nur eben in den Bergen mit sehr viel Tiefe und anderen Urängsten, denen der Mensch sich immer wieder zu stellen hat. Als jemand, der zeitweilig fast täglich Seilbahnen „beritten“ hat, kenne ich mich in diesem Metier auch ein wenig aus und weiß um so manches Hintergrundwissen, das man im Laufe der Jahre halt einfach mit aufschnappt. Gerade deshalb hatte ich mich unfassbar auf ein wenig Grusel innerhalb dieses Spektrums gefreut – und umso größer war die Enttäuschung.

Die Situation punktet anfangs zwar mit sehr viel Natürlichkeit und gut gemachter Unaufgeregtheit, mündet dann aber sehr schnell in solch kruder Absurdität, die den Zuschauer teilweise sehr fordert. Kein Mensch würde an gewissen Stellen so reagieren, wie dies die Protagonisten im Film tun – schon allein im Affekt oder aus reiner Unwissenheit würde nahezu jeder gegenteilig agieren. Und je weiter die Laufzeit tickt, umso schlimmer wird es, bis man sich am Schluss teilweise nur noch an den Kopf fasst. Sehr viel schlimmer an den Haaren herbeigezogen kann der Plot gar nicht sein, der jedwede Möglichkeit für Spannung und Überlebensdrang mit Füßen tritt und stellenweise binnen Sekunden komplett in sich zusammenkrachen lässt.

Schön wäre gewesen, wenn dies mit dem Material in der Geschichte und nicht den Emotionen der Menschen vor dem Bildschirm passiert wäre. So bleibt dies einfach nur ein Film, der eine einzige Vorahnung bestens erfüllt: Dass das nur ein billiges B-Movie ist mit dem Hang zu echtem Trash.

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man Spannung und Nervenkitzel erwarten, wird man hier leider enttäuscht: Die Kulisse ist zwar atemberaubend und auch die Grundidee lässt auf mehr hoffen, der Hang zum Surrealismus zerstört aber jeglichen Filmspaß und hinterlässt einen eher mit Kopfschütteln statt mit Gänsehaut auf dem Rücken. Schade, daraus hätte man viel mehr machen können.

Nachspann: Anfänglich noch mit Bildern unterlegt, enthält dieser keine weiteren Szenen. Abwarten ist also unnötig.

Streaming auf Amazon Prime: 29. November 2019

Original Title: Отрыв
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16


Little America (Season 1)

Little America Serienplakat
© 2020 Apple TV+

Apple – ansässig im amerikanischen California – repräsentiert schon seit jeher den amerikanischen Traum: Aus dem dreckigen Slum eines verarmten, belächelten Landes irgendwo im Nirgendwo aufbrechen, nach Amerika kommen und dort zu etwas werden.

Was ich als Kind mit der hiesigen Flagge dieses Landes kombiniert habe, konnte man im Verlaufe der Zeit immer wieder in Präsentationen zwischen den Zeilen vernehmen, z.B. anhand der Auswahl der Bilder, die in verschiedenen Keynotes preisgegeben wurden.

Little America ist nun eine Zusammenstellung von acht kleinen Geschichten, die eben jenen amerikanischen Traum repräsentieren und dabei ebenso beispiel- wie klischeehaft darstellen, wozu dieses “großartige Land” alles in der Lage ist.

Das Augenmerk sollte man als Zuschauer hierbei vielmehr auf die unterhaltenden Komponenten als die geistige Reife richten, denn die Geschichten basieren zwar allesamt auf wahren Begebenheiten, wurden jedoch durch die übliche “Für’s Kino tauglich machen”-Maschine gefleischwolft.

Auch hier erkennt man wieder, dass in punkto Medien, Musik und Ästhetik bei Apple gewisse Vorstellungen und Standards existieren, von denen man kaum abweicht. Davon zeugt nicht zuletzt die angebotene Medialwucht in Form von 4K, Dolby Vision™ und Dolby Atmos™. Auch mit der Kamera hat man sich wieder wunderbar durch die Szenen bewegt, was in meinen Augen im Entertainment-Sektor jedoch keinerlei Bedeutung hat, sofern ein wichtiger Bestandteil nicht funktioniert: Die Erzählung.

Hier stottert man gehörig und hapert mit dem eigenen Wunsch, aus dem Boden hervorzubrechen und in voller Blüte aufzugehen: Die Dialoge sind langsam, die Emotionen fast statisch und so mancher Darsteller erinnert in seinem Handeln einem duschästhetisierten Roboter, der seine genauen Anweisungen präzise erfüllt.

Dies sorgt im Bauch des actioneifrigen, emotionsbeeinflussbaren Cineasten für reichlich bürokratische Kälte und macht das alles ein wenig überflüssig: Man sieht sich diverse Male dem Wunsch gegenüber, einfach abzuschalten und es als “belanglos” abzutun.

Geschichten dieser Art kennt man inzwischen zur Genüge, also muss etwas her, das den einzelnen Episoden Spitzigkeit und frischen Pep einverleibt, damit der Zuschauer nicht müde drauf rumkaut, sondern es kaum erwarten kann, endlich die nächste Folge zu starten.

Die einzige Episode, die mich wirklich einigermaßen unterhalten hat, war Nr. 4 “The Silence”: Hier konnte ich viele Male echt lachen und hatte meinen Spaß dabei. Der Rest war so la la und in meinen Augen keiner großartigen Erwähnung würdig. Jedoch läuft die Serie anscheinend so gut, dass Apple bereits eine zweite Staffel angekündigt hat. Na mal sehen, ob das dann besser wird.

.kinoticket-Empfehlung: Wer nicht absolut patriotisch besessen von konservativen Länderklischees ist, wird hierbei nicht so recht seine Freude finden: Die Charaktere sind zwar alle den echten Vorbildern nachempfunden, agieren aber zu statisch und unwirklich, um ihren Handlungen echten Glauben abzuverlangen. Die Optik ist herausragend, inhaltlich bewegen sich die einzelnen Folgen aber eher auf niedrigem Niveau.

Nachspann: Braucht man nicht abzuwarten, es kommen keine weiteren Szenen.

Streaming auf Apple TV+: 17. Januar 2020

Original Title: Little America
Length: 8 Episodes à 32 Min.
Rated: FSK 12


The Elephant Mother

© 2019 Apple TV+

Über Apple TV+

Angesichts der sonstigen Streaming-Riesen ist Apple TV+ ein Angebot, dass seit seinem Start nicht so richtig aus dem Boden raus kriechen möchte und mit bislang nur sehr wenigen Inhalten punktet.

Derzeit erhält jeder, der sich ein neues Apple-Gerät zulegt, für 1 Jahr kostenlos Apple TV+ und kann sich somit einen Einblick verschaffen, was ihm dann in Zukunft für 4,99 € im Monat geboten werden wird.

Das Angebot ist befristet und Apple behält sich vor, es jederzeit wieder zu beenden. Gleichermaßen muss man aufpassen, sofern man diese Chance genutzt hat, es nicht vorzeitig zu kündigen: Der Zugang endet dann nämlich direkt und nicht erst nach Ablauf des Jahres.

Gestreamt werden kann auf allen üblichen Apple-Geräten (AppleTV, iPhone, iPad, Mac und via AirPlay) sowie am PC und diversen Fernsehern (Roku Players & TVs, fireTV, Samsung Smart TV sowie LG Smart TV).

Apple bietet zudem die Möglichkeit, den Zugang mit bis zu 5 Familienmitgliedern innerhalb der Apple-Family zu teilen und wirbt damit, dass die Angebote immer werbefrei sind.

Grund genug, sich die dort inzwischen angebotenen Inhalte einmal vorzunehmen und hier zu bewerten.

The Elephant Mother

Es war das Aushängeschild vor Start, es war das Bild, das anfangs immer mit dem Portal verknüpft wurde, wenn jemand darüber schrieb. Und tatsächlich: The Elephant Mother wirbt mit Bildern, die eine der Qualitäten zum Vorschein bringt, für die man Apple sowieso kennt: Foto-Markanz.

Angeboten in 4K in Dolby Vision™ und Dolby Atmos™ überzeugt man in dieser Geschichte tatsächlich mit berauschenden Bildern, die einen in die Savanne Afrikas entführen und somit anderen Dokumentationen dieser Art durchaus Konkurrenz machen.

Im Original von Chiwetel Ejiofor gesprochen laggt die deutsche Variante wieder an einer etwas unrühmlichen Synchro und entfernt sich damit von dem hierzulande angelegten Standard-BBC-Maß. Das ist anfangs zwar etwas enttäuschend, aber die gezeigten Bilder mit Kameraeinstellungen, die man als Apple-Kunde inzwischen von den Screensaver-Aufnahmen aus AppleTV gewöhnt ist, verwöhnen auch hier optisch und sorgen damit für einen Ausgleich.

Auch die Kamerawinkel und Bokeh-Aufnahmen zeugen davon, dass man weiß, was man tut und sich die ganze Zeit über hammerhart an den Standards der Marke orientiert, die bekanntermaßen ja relativ hoch angesetzt sind.

Im Verlauf des Films wird man dann auch wirklich in diese Welt gerissen und kann sich einen wunderbaren Einblick in das Leben der Natur und der Zusammenhänge des Lebens verschaffen. Dabei wird die ganze Zeit über sehr darauf wertgelegt, dass die gezeigten Szenen permanent familientauglich bleiben, aber dennoch unschöne Aspekte nicht außen vor lassen.

Die Laufzeit von 1:36h ist in meinen Augen etwas zu lang, da zwar die Story durcherzählt wird und man sich hierbei auch genügend Zeit lässt, um die Bilder auf sich wirken zu lassen, der anfänglich noch existente Überraschungseffekt bei manch tatsächlich herausragenden Blickwinkeln und Nahaufnahmen verliert gegen Ende aber ein wenig seinen Reiz.

Auch insgesamt fehlt mir hier ein Stück weit der Bombast des Erstaunens, den man in den BBC-Dokumentationen sonst immer vorgelegt bekommt. Insgesamt wirkt es – so wie das Portal selbst auch – eben dennoch ein wenig, als würde man nicht richtig aus sich rauskommen wollen und die ganze Zeit mit angezogener Handbremse vor sich hin traben.

.kinoticket-Empfehlung: Am besten auf einem großen Fernseher streamen, der die angebotenen Features auch wirklich unterstützt: Die Bilder sind teils tatsächlich atemberaubend und der ganze Film betört mit einer optischen Ruhe und sanften Ausstrahlung. Die Synchronisation ist für mich das am wenigsten Gelungene des Films, denn die Stimme und auch der Text zeugen nicht von Anmut und Eleganz, sondern eher von Unbeholfenheit. Das stört ein wenig – und auch am Schluss driftet man eher zu Wiederholungen als zu berauschenden Ergebnissen. Im Großen und Ganzen dennoch brauchbar, sofern man auf Dokumentationen dieser Art steht.

Nachspann: Braucht man nicht aussitzen, es folgen jedoch noch zwei Bilder.

Streaming auf AppleTV+: 1. November 2019

Original Title: The Elephant Queen
Length: 96 Min.
Rated: FSK 6


News: AMC als größte Kinokette kündigt an, Universal-Produkte zukünftig zu boykottieren

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Nun ist es soweit und wir starten den Kleinkrieg, den ich nach “Beendigung” der Krisenzeiten eigentlich erwartet hatte: AMC Theatres als weltweit größte Kinokette kündigt an, zukünftig alle Filme aus dem Hause Universal Pictures International zu boykottieren und auf ihren 11.091 Leinwänden weltweit nicht mehr zu zeigen.

Ursache des Streits ist das Vorhaben des Studios, seine Filme zukünftig zeitgleich zum Kino-Release auch im Video on Demand-Markt online zu bringen und somit die Exklusivität des Kinos zu beschneiden.

Genau dies war vor einigen Jahren schon einmal Thema, als Apple versucht hatte, Kinofilm-Releases in iTunes zu integrieren und damit böse auf die Schnauze gefallen ist. Gut so – dachte ich damals. Gut so – denke ich heute.

Die sich inzwischen immer mehr als übertrieben herausstellende Corona-“Krise” sorgte in den vergangenen Monaten für ein Umdenken in vielen Bereichen, so auch im Kino. Studios ließen verlautbaren, dass man seine Filme nun exklusiv on Demand rausbringen würde und Universal tat dies als großangelegtes Experiment mit Trolls World Tour.

Diesen Weg möchte man nun zukünftig weiter beschreiten und es ist nur logisch, dass nun die Kinos auf die Barrikaden gehen, denn damit findet ein weltweit einzigartiger Einschnitt in die Veröffentlichungspolitik der Filme statt, der den Kinos als “Hort des Films” ihre Exklusivität abspricht und sie somit “bloß” zu einem weiteren “Big Player” am Filmmarkt macht.

Ich sehe diese Entwicklung auch sehr problematisch, da es immer noch viele Menschen gibt, die der Meinung sind, Filme müsse man nicht zwingend auf einer großen Leinwand zu Gesicht kriegen. Als jemand, der sein Leben darauf verkauft, eben dies zu tun, weiß ich, dass das in sehr vielen Fällen eben sehr wohl einen Unterschied macht und viele Filme auch exklusiv für die Leinwand geschaffen wurden.

Wir alle spüren während der Ausgangsbeschränkungen, wie sich dies nun zu einer inflationären Egalität entfacht und man das Medium “Film” irgendwie nicht mehr so richtig genießen kann. Es ist vielmehr einfach nur “viel”, “unübersichtlich” und kein Monitor dieser Welt kann die Exklusivität eines Kinosaals tatsächlich ersetzen. Die schwer auf dem Saal liegende Ruhe, das Anmutige, der Teppich-Flair und die große Leinwand sorgen eben dafür, dass gerade Filme wie die Fast and the Furious-Reihe zu etwas Besonderem werden und ich kann mir schwerlich vorstellen, dass dieser Erfolg ebenso strahlen wird, wenn diese Titel auf irgendwelchen verstaubten, halbgaren Heim-Monitoren mit unterschiedlichen Bildeinstellungen und grottigem Sound abgespielt werden. Ganz von den sonstigen Ablenkungen einmal abgesehen, die man in einem Kinosaal einfach nicht hat und sich somit voll und ganz auf das Werk einlassen kann.

AMC hat sich auch weiterhin zu Gesprächen mit Universal bereit erklärt, sollten diese ihr Vorhaben überdenken und zur alten Cinema-First-Publikation zurückkehren wollen.

Es bleibt zu hoffen, dass dies kein kaltschnäuziger Kapitalismus-Krieg werden wird, denn Krieg fordert bekanntlich immer Opfer auf allen Seiten und ist somit niemals für jemand ein Gewinn.

Möge am Ende die Macht des Kinos siegen, VoD kriegt es im Anschluss ja dann trotzdem. Mit dem Unterschied, dass so manch sowieso schon (jetzt durch Corona erst Recht) gebeuteltes Kino anfänglich eben die einzige Möglichkeit für die Zuschauer bleibt, wenn sie “mitreden wollen”.

Zeitgleich “zwingt” dieses Verhalten nämlich die Studios, Filme auch auf der Leinwand abzuspielen. Wie viel gutes Material geht in den Untiefen von VoD-Plattformen wie Netflix unter, weil es niemals das Licht einer Leinwand erblicken durfte?

In meinen Augen sollten sich Studios und Kinos nicht als Konkurrenz betrachten, sondern gemeinschaftlich zusammen arbeiten, da Studios das Material und Kinos den Ort liefern, um beides zur Vollendung zu bringen. Und mit dem “Hier, du auch noch”-Zweig des VoD und Heimkino-Markts am Schluss kriegt so jeder sein Stück vom Kuchen ab. Haben wir in Zeiten von Corona nicht gelernt, dass Dankbarkeit für Vorhandenes das Maß aller Dinge sein sollte?

Geschrieben aus dem emotionalen Herzen eines einfühlsamen Kinogängers und -liebhabers, der nicht den Kapitalismus, sondern das human-emotionale Empfinden in den Vordergrund stellt und dabei den Machern ebenfalls ihre Einnahmen gönnt, jedoch nicht auf Kosten der Filmexperience.

Hoffen wir, dass der Schachzug von AMC von vielen (großen) Kinos nachgeahmt wird und sich dieses Vorhaben von Universal als einmaliger Versuch enttarnt, dessen Beispiel anschließend niemand mehr folgen möchte. Es wäre ein herber Verlust für die Kinolandschaft.


But Beautiful (inkl. Gewinnspiel)

But Beautiful Filmplakat
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem die DVD von But Beautiful verlost wird.

Es gibt derzeit gerade keine Branche, die so unter den Einschränkungen leidet, wie „Kunst und Kultur“. Die Menschen ringen ums Überleben in ihren Köpfen und vernachlässigen alles, was ihrer Meinung nach nicht zwingend zum „Atmen und am Leben bleiben“ notwendig ist.

Leuten wie mir fällt dies extrem auf: Mir fehlt der geistige Anspruch, mir fehlt die designerische Liebe, mir fehlt der tägliche, kulturelle Kick. Derzeit ist alles anders und man kann sich nicht mehr in eines der gemütlichen kleinen Kinos zurückziehen und in Ruhe eine anspruchsvolle Dokumentation ansehen.

Wenn‘s nach Erwin Wagenhofer geht, ist dies ja gar keine Dokumentation, sondern einfach ein Feature Film … für mich ist es eine erquickliche Perle, die die artistische Trockenheit in diesen Tagen mit sprudelndem Quell erfrischender Wohltat beseelt und dem Zuschauer etwas wundervolles näher bringt.

Wer möglicherweise seine vorherigen Werke kennt (We Feed the World, Let‘s Make Money oder Alphabet), der mag sich jetzt denken: „Großer Gott, nicht schon wieder so ein depressives Anprangerungswerk, bei dem üble Missstände offengelegt werden“. – Ich kann euch beruhigen: Genau das Gegenteil ist der Fall: Wagenhofer hat beschlossen, positiv zu sein und sich deshalb in langjähriger Recherche nach Geschichten und Menschen umgesehen, die er in einer absolut beruhigenden, seelenschmeichelnden und wohltuenden Weise in diesem Werk zusammenflicht und dem Zuschauer damit die Kunst auf dem goldenen Tablett nach Hause serviert.

Ich selbst wünsche mir oft dieses Gefühl, welches der Film vermittelt, die einkehrende Ruhe, die eben nicht der Zwangsquarantäne und -tatenlosigkeit entspricht, die viele momentan empfinden.

But Beautiful führt euch genau dort hin und gib euch die Möglichkeit, es in „fertiger Montur“ zu genießen und entführt euch an die Orte, zu Momenten zu den Menschen, die diesen harmonischen Frieden bereits leben und ein Stück davon weitergeben.

Ein Film, den man viele Male sehen und dabei immer wieder neue Schönheiten entdecken und auf sich wirken lassen kann.

Gewinnspiel

But Beautiful DVD Packshot
DVD Packshot
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Und weil ich derzeit niemanden von euch ins Kino schicken kann, drehen wir auch hier einmal den Spieß um: Es mag einige geben, die den Film bereits gesehen haben, denn der ursprüngliche Kinostart war am 14. November 2019 – und gestern feierte das Werk seine Heimkinopremiere und ist ab sofort auf DVD bzw. VoD zu haben.

Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG war deshalb so spendabel und hat mir eine niegelnagelneue DVD des Films But Beautiful zur Verfügung gestellt, die ich euch hiermit weiterverlosen möchte.

Die enthält neben dem Film in Originalfassung (Deutsch, Englisch & Hindi mit Untertiteln) zudem noch eine Fassung für Hörgeschädigte und liefert ca. 30 Minuten weitere Einblicke in die kommenden Filme aus dem Haus Pandora.

Die DVD besitzt außerdem ein Wendecover, so dass kein störendes, unschönes FSK-Logo auf der Front in der Vitrine zu sehen ist.

Schreibt bis zum Samstag, den 25. April 2020 unter diesen Beitrag, worauf ihr euch am meisten freut, wenn die Ausgangssperren wieder gelockert sind und das „normale Leben“ weitergehen kann.

Was ist das erste, das ihr dann tun werdet? Worauf fiebert ihr hin? Worauf freut ihr euch?

Unter allen Kommentaren, die bis zum besagten Zeitpunkt eingehen, wird anschließend die Gewinnerin bzw. der Gewinner ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Gebt bitte diesbezüglich eine gültige E-Mail an, damit ich euch im Gewinnfall erreichen und nach der Adresse fragen kann.

Nun wünsch ich euch viel Glück, natürlich weiterhin viel Gesundheit und bleibt in all dem weiterhin gelassen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine emotionale Perle, die reichhaltig Kultur nach Hause spült und einen tiefsitzenden Frieden vermittelt – pure Schönheit und Eleganz, Vorwärtsstreben und ein durch und durch von Gesundheit und Lebensfreude durchzogener Blick in eine perspektivische Zukunft.

Nachspann: Abwarten, nach dem Endscroll folgen noch weitere Aufnahmen und Szenen.

Heim-Kinostart: 17. April 2020

Original Title: But Beautiful
Length: 116 Min.
Rated: FSK 0


Ausblick auf kommende Kinostarts

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Zeiten wie diese forcieren quasi den Shutdown des kulturellen – und somit auch cineastischen – Alltags vieler Menschen. Als Fan von Filmen ist dies natürlich ein herber Schlag in die Fresse, aber: Es gibt Hoffnung.

Mit diesem Beitrag möchte ich euch ein klein wenig an dieser Hoffnung teilhaben lassen, denn inzwischen haben einige Verleihe neue Starttermine preisgegeben und diverse Dinge finden in ungewöhnlich neuen Varianten statt.

Der Deutsche Filmpreis

Angesetzt auf den 24. April 2020 wird der Deutsche Filmpreis dieses Jahr in einem neuen Gewand verliehen: live im Ersten, aber ohne Gala und mit einem völlig neuen Konzept, an dem – im HomeOffice – gerade hart gearbeitet wird.

Das heißt, dass man sich trotz all der widrigen Umstände nicht davon abhalten lassen möchte, die Preisträger/-innen auch in diesem Jahr mit der renommiertesten und höchstdotierten Auszeichnung des deutschen Films zu ehren und es zeigt, dass das Leben in anderer Form dennoch weitergeht.

Das COSMIC CINE Filmfestival 2020

Die Festival-Woche findet in diesem Jahr vom 22. bis 26. April 2020 statt. Wer jetzt glaubt, dass „Festival“ und „Corona“ sich gegenseitig ausschließen, der irrt: Auch hier wurden neue Möglichkeiten geschaffen, so dass diese wunderbaren, lösungsorientierten, motivierenden und zukunftsweisenden Filme einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können – und zwar online.

Der Ticketverkauf ist ab dem 09. April 2020 unter www.cosmic-cine.com und www.pantaray.tv eröffnet. Auf letzterer Website findet das Festival dann statt.

Neue Starttermine für kommende Movies & Blockbuster

Ein Film, auf den viele warten: Wonder Woman 1984.

GAL GADOT as Wonder Woman in Warner Bros. Pictures‘ action adventure „WONDER WOMAN 1984,“ a Warner Bros. Pictures release.

© 2018 Warner Bros. Entertainment Inc. | Clay Enos

Dieses Werk soll das Licht der Welt in einem großen Kinosaal erblicken und der aktuelle Starttermin ist von Warner Bros. Ent. derzeit auf den 13. August 2020 festgesetzt worden.

Paramount Pictures Germany GmbH hat bekanntgegeben, dass der heißersehnte A Quiet Place 2 am 03. September 2020 nun auch in die deutschen Kinos kommen soll.

Top Gun Maverick startet am 23. Dezember 2020 und die Kids und Freunde von Spongebob Schwammkopf können sich schon mal den 30. Juli 2020 rot anstreichen: Hier soll aktuell der neue Film Spongebob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung an den Start gehen.

Und nicht zuletzt versprüht auch Walt Disney Hoffnung am Horizont und lässt euch die aktualisierten Kinostartdaten für folgende Filme wissen:

23. Juli 2020: Mulan
15. Oktober 2020: The French Dispatch
05. November 2020: Black Widow
10. Dezember 2020: Free Guy

Andere Produktionen in kommenden Jahren hat man ebenfalls nach hinten geschoben, u.a. Doctor Strange in the Multiverse of Madness (Starttermin: 28. Oktober 2021), Thor: Love and Thunder (Starttermin: 17. Februar 2022), Captain Marvel 2 (Starttermin: 07. Juli 2022) und auf das nächste Indiana Jones-Abenteuer könnt ihr euch für den 28. Juli 2022 freuen.

Natürlich ist klar, dass dies alles „unter Vorbehalt“ entschieden ist, denn noch haben höhere Gewalten das Sagen über unser aller Normalität, aber auch ich bin guter Dinge, dass das in absehbarer Zukunft unter Kontrolle gebracht wird – und selbst wenn: Sich jetzt schon mal zu freuen bringt positive Stimmung, und davon können wir alle ja grad mächtig viel gebrauchen, right?

So long, #stayhome, bleibt gesund und haltet weiter durch: Das Kino wird wiederkommen!


Der Schwarze Diamant

© 2020 Netflix

In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

.kinoticket-Empfehlung: Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16


#HilfDeinemKino

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Hallo zusammen,

Nachdem ich mich kürzlich schon in meinem neuen YouTube-Kanal zu der weltweiten Pandemie geäußert habe und in einem (zugegeben viel zu langen) Video ein paar Hinweise und Gedanken dazu präsentiert, was man Vernünftiges dagegen tun kann, möchte ich euch heute noch einen weiteren, fantastischen Tipp mit auf den Weg geben, wie ihr nachhaltig und effektiv für die zukünftige Kinolandschaft Sorge tragen könnt – völlig easy und von zu Hause aus.

Gestern Nacht gab es in Bayern bekanntermaßen den berühmten Shutdown: Ausgangssperren, die nur noch das Nötigste erlauben und sämtliche öffentlichen und freizeitlichen Aktivitäten auf ein Minimum herunterschrauben.

Der Flickenteppich in Deutschland kriegt am Samstag seine letzte Chance und ich vermute, dass spätestens Montag eine bundesweite Ausgangssperre verhängt wird, weil‘s immer noch Deppen in der Republik gibt, die nicht verstanden haben, worum es geht.

Ich konnte gestern bereits unfassbare Szenen auf den Straßen auf meinem Weg zum Arzt beobachten, wie Leute teilweise auf dem Segway zu den Einkaufsläden rasten, um möglichst schnell Lebensmittel und andere Dinge zu hamstern, obwohl die Bundesregierung eindeutig darauf hingewiesen hat, Hamsterkäufe bitte zu unterlassen und auch Familien nicht in Gänze in die Supermärkte rennen sollten.

Das Gebot der Stunde lautet: Abstand und Vermeidung. Und ja, es ist nur auf Zeit.

Ihr könnt eure Langeweile gerne dazu nutzen, euch das Video von mir anzusehen – auch deshalb bin ich mit dieser Länge an den Start gegangen. Alles Zukünftige bleibt unter 10 Minuten – versprochen 😉

Inzwischen gibt‘s auch genügend Podcasts und Themenreihen, die für Ablenkung zu Hause sorgen, da das Hauptproblem vieler in den kommenden Tagen wohl sein wird: „Was mach ich nun?“

Auf diese Frage hätte ich eine wunderbare Antwort für euch: #HilfDeinemKino

Wie das geht? Ganz einfach.

  • Besucht diese Seite: http://hilfdeinemkino.de
  • Wählt über die Landkarte euer Kino aus.
  • Schaut euch ein paar Spots an, die Erlöse davon halten euer favorisiertes Kino am Leben.

Das tolle daran: Man kann es völlig easy von zu Hause aus machen, braucht dafür nicht raus, kann sich an die Regeln der Gemeinschaft halten und trotzdem dafür sorgen, dass den Kinos nicht so hart der Boden unter dem Arsch weggezogen wird.

Man kann völlig einfach ohne Ortswechsel auch mehrere Lichtspielhäuser innerhalb kürzester Zeit unterstützen und somit z.B. neben dem favorisierten Kino, in das man sonst immer geht, auch kleinere Labels unterstützen und findet so vielleicht noch das ein oder andere Independent-Kino in seiner Nähe, dem man nach der Corona-Pause dann mal live einen Besuch abstatten könnte.

Und ihr zeigt, dass ihr trotz allem treue Kunden seid und tragt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass das normale Leben nach all dem Chaos in halbwegs geordneten Bahnen weiter gehen kann.

Bleibt weiterhin ruhig, haltet Abstand voneinander und lasst uns diese Pause professionell bewältigen.

Hab euch lieb 🥰

Euer Ben

P.S: Vielen Dank an Petra Schönberger, die mir diesen Tipp weitergeleitet hat.


Brittany Runs A Marathon

Brittany Runs A Marathon - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Es ist Sonntag. Für alle Nicht-Bäcker, Nicht-Gastronomen, Nicht-Kranken- oder Altenpfleger ein Tag, um sich gemütlich aus dem warmen Bett zu schälen und mit einem Heißgetränk auf der Couch niederzulassen und irgendwas anzuschmeißen.

Am besten erst den Kamin, dann irgendeins der gefühlten Milliarden Streamingportale, die es bald überall geben wird. Mal ehrlich: Muss damit eigentlich neuerdings jeder seine Kohle machen? Geht das nicht auch irgendwie bedienerfreundlicher, ohne dass man in ein paar Jahren dann für jeden Film ein extra Jahres-Abo abschließen muss?

Der Zeitpunkt, als Brittany Runs A Marathon up to date war, ist inzwischen auch vergangen. Die Zeit, in der ich “up to date” war, erkämpfe ich mir grad irgendwie zurück. Doch mit einem etwas anderen Fokus: Man sollte manche Dinge vielleicht einfach mal entspannter angehen, nicht immer nur schreien und jagen, sondern manchmal ist die Decke auf der Couch genau das richtige, um einen sonnigen Tag gemütlich zu starten.

Und manchmal sind Streamingportale auch nicht das schlechteste, selbst bei Kritiken, die eigentlich aus dem Kinosaal heraus geschrieben werden. Wenn’s euch also nichts ausmacht, werden hier ab und zu immer wieder mal ein paar Sichtungen von mir kommentiert werden.

Warum ich das alles erzähle? Brittany Runs A Marathon hört sich erstmal unglaublich sportlich und anstrengend an … ist in meinen Augen aber genau die Art Film für einen dieser Sonntag-Morgen, denn das städtisch-verliebte New Yorker-Flair gepaart mit der etwas trapsigen, unbeholfenen Art von Jillian Bell passt hier genau rein.

Wer den Film genießen will, sollte am besten vorher keinen Trailer schauen und sich glücklich schätzen, das automatische Abspielen von “Vorschautrailern” in seinen Accounts deaktiviert zu haben. Der nämlich verrät vieles und deutet dabei in eine völlig andere Richtung, die der Film am Ende geht. Dabei werden wieder künstliche Erwartungshaltungen aufgebaut, an denen die Vorfreuden-Einsteiger am Ende zerbrechen und eher enttäuscht sind.

Und grundsätzlich kann es meiner Meinung nach auch nicht schaden, wenn man das Sex and the City bzw. Friends-Gen ein wenig in sich trägt – genau das ist in meinen Augen die Zielgruppe für diesen Film.

Und da ich früher weder das eine, noch das andere gesehen habe (Friends hole ich gerade nach) und nie so wirklich ein Fan dieser skurrilen Großstadt-Wir-lieben-uns-alle-und-findens-toll-Dinger war, hat mich dieser Film auch nicht so richtig abgeholt.

Vielleicht war es auch einfach nur die große Komödien-Erwartungshaltung, die der Trailer geschürt hat und die der Film einfach viel zu wenig befriedigt. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist angesichts diverser (klischeeuntermauerter) Tatsachen auch soweit nachvollziehbar und schlussendlich denke ich, dass darum der Griff zur Fernbedienung hier eher die richtige Wahl ist denn ins Kino zu gehen.

Und wer von euch hätte in all den Jahren gedacht, dass ich das an dieser Stelle – auf dieser Website – einmal sagen würde? Wer? 😉

.kinoticket-Empfehlung: Für einen gemütlichen Sonntag-Morgen zum Wachwerden und geistig nicht gleich überfordert zu sein, genau das richtige.

Nachspann: Kommt nichts weiter, man kann zum nächsten Titel springen.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Brittany Runs A Marathon
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6


Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn

Birds of Prey - The Emancipation of Harley Quinn Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Das Ding läuft nun ja mittlerweile schon eine Weile im Kino (und ist fast schon wieder raus?) und hatte so diverse kleine Schwierigkeiten im Flow der „Superhelden-Action“.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Hollywood kränkelt seit jeher bei der Namensgebung von Filmen. Nicht nur, dass die Biester manchmal sogar beim Drehen schon geilere Fake-Titel angedichtet kriegen, sondern die Übersetzungen sind ein Horrorkabinet für sich.

Hier haben wir nun wieder einen Reigen an Fehlentscheidungen: Birds of Prey war der ursprüngliche Titel, etwas frischer und nicht so abgekocht wie die üblichen „Wir nennen einfach den Titelhelden beim Namen“-Dinger, die an Einfallsreichtum kaum mehr zu unterbieten sind teilweise.

Damit konnte aber das nicht so kinoversierte Publikum scheinbar nichts anfangen, weswegen man schnell eine Umbenennung vornahm, um irgendwie „Harley Quinn“ in den Titel zu kriegen: Die kennen vornehmlich ja inzwischen ein paar Leute und damit sollte die Kasse dann besser klingeln. Scheinbar ist das Publikum selbst wohl zu doof, die Persönlichkeiten auf dem Plakat der richtigen Superhero-Chronologie zuordnen zu können und man muss extra dazu schreiben, wer das nun ist.

„Und noch ein Löffelchen für Omi…“ … na gut, lassen wir das.

Dann aber hierzulande noch eine andere Übersetzung an den Start zu bringen – und die dann englisch zu lassen (was ich ja ausnahmslos begrüße eigentlich) – ist in meinen Augen in diesem Zusammenhang dann die größte Dummheit ever.

Der Film heißt nun also in Englisch schlicht: Harley Quinn: Birds of Prey (Vorschlag: Wie wäre der Titel für das deutsche Pendant gewesen? Ich mein ja nur …) und in Deutsch bekanntlich Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn. Großartig. Das hat nun endgültig alle Verwirrung … äh … beseitigt … oder so.

Dann kommen wir mal zum Inhalt. Dass sich in jüngster Vergangenheit so manche Szene zwischen den Geschlechtern abgespielt hat: Keine Neuigkeit. Dass „Frauen erobern die Welt und zeigen‘s allen“ das neue „Wir sind cool“ ist: Auch bereits kapiert. Zumindest einige.

Dass dann aber in einem Film, der so unglaublich geiles Potenzial dazu hat, hier draus etwas zu machen … und charakteristisch schon von Beginn an darauf ausgelegt ist, mal die Sau rauszulassen und auf diese ganzen gesellschaftlich-verzogenen Gepflogenheiten gepflegt zu scheißen und einfach wirklich geil zu sein … so armselig darauf verzichtet wird, cool zu sein: Ein Trauerspiel. Diese „Frauen sind die Überkönner und wirklich alle Männer absolute Dummpfeifen“ ist nicht die Antwort, die an der traurigen Vergangenheit irgendwie konstruktiv etwas ändern würde. Damit nährt man eher die falsche Fraktion, die nun wieder ein Argument mehr in der Tasche hat, warum besser Männer… und so … ihr versteht?

Und das zerreißt nicht nur den Film, sondern stößt Kritikern und „Normalpublikum“ gleichermaßen übel auf.

Ein weiteres Problem, was ich mit diesem Streifen hatte: Irgendwie kommt keine Fahrt auf. Erinnert ihr euch an die Szenen in The Dark Knight, wo einfach minutenlang nur gefahren wurde, Speed, Einstellungen, Musik, dumpfe Bässe, Lachen, Drive … es war großartig. Birds of Prey hat hier zwar unglaublich geile Ansätze, bricht die dann aber Sekunden später durch miese Schnitte und absolut dumme Dialoge wieder selbst ein, bevor überhaupt so etwas wie „Stimmung“ entstehen kann.

Man merkt nämlich deutlich, dass (und das ist das größte Plus des Films überhaupt) die Musik hier einfach strahlt. Die Stücke wurden so exzellent ausgewählt und der Soundtrack ist Oberbombe. Immer, wenn die Musik anfängt zu spielen, fängt auch der Film an, Spaß zu machen … und hört dann beim nächsten abrupten Schnitt schlagartig wieder auf. Und somit „steht er auf der Stelle“, statt sich vorwärts zu bewegen und etwas tatsächlich ins Rollen zu bringen und die Gewaltigkeit und den Extremismus von Quinn tatsächlich zu verkörpern.

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn der Versuch gut gemeint war: Die Chance, Suicide Squad zu toppen wurde durch eine miese Gender-Politik im Film und durch unbedarfte Schnitte und nicht aufkommende Action hart ausgebremst. Damit reiht sich auch dieser Teil in die leider immer noch nicht glänzende Riege von DC‘s Superheldensaga ein. Wir müssen also weiter hoffen, dass zu unseren Lebzeiten nochmal etwas besseres kommen wird …

Nachspann: Hier zahlt sich nun endgültig aus, wenn man – passend zum englischen Titel – dann wirklich die OV gewählt hat: Wer bis ganz zum Schluss hocken bleibt, kann nur im Original über die Jokes lachen, die dann noch kommen.

Kinostart: 06. Februar 2020

Original Title: Harley Quinn: Birds of Prey
Length: 109 Min.
Rated: FSK 16