| wenn aus filmen leidenschaft wird

The Outpost – Überleben ist alles

The Outpost - Überleben ist alles - Filmplakat
© 2020 Telepool

First things first: Lass uns mal ein paar Dinge grundlegend klassifizieren, damit es hier zu keinen dümmlichen Diskussionen kommt.

Es gab mal eine Zeit (meine Kindheit), da waren auf der Leinwand Freiheiten vorhanden, die es im regulären Leben niemals gegeben hätte: Dass kleine Kinder z.B. großen Kriegsaktionen zuschauen dürfen (Nachrichten) oder dass man Menschen in Stücke säbelt (Horrorfilme), oder dass man dumme Ideen mit einem seriösen Touch als künstlerischen Erfolg auf die Leinwand bringt und es öffentlich gewürdigt und mit Preisen übersät wird … Damals war es noch ein niemals Wahrheit werdender Traum, darüber nachzudenken, dass man „großartige Monsterreihen“ mal gegeneinander antreten lässt.

„Uhhhh geil, Predator kämpft gegen Alien – was ist das für eine filmische Ehre und was für ein Meilenstein in der Geschichte… wuuuuhhh“

Inzwischen ist alles passiert. Die „shocking moments“, wenn man nach einem Film Marke „unbelievable“ dann „basierend auf wahren Begebenheiten“ gelesen hat, sind längst Geschichte und ziehen heute niemanden mehr hinter dem Sofa vor den Bildschirm.

Durch die immense Vielfalt und das schiere Überangebot an Filmmaterial und „Geschichten“, die im Verlaufe der Jahre wieder und wieder runtergerattert werden, fing man auch ganz unverblümt und unbemerkt an, sich mit den Dingen einfach abzufinden. War es damals noch gravierend, wenn die Dorfschänke die Öffnungszeiten um 30 Minuten anpasste, würde ein Journalist, der heute solch einen Artikel verfassen würde, wegen Belanglosigkeit wahrscheinlich auf die Straße gesetzt werden.

Natürlich hat man inzwischen auch alle möglichen Schandtaten von „Neeeeeeeeein, das ist die Regieeeeeeeerung, die würde doch NIEEEEEEEEEEMALS sowas zulassen, immerhin werden die von Hunderten von Leuten gesehen, das ist Quatsch, was du da erzählst“ aus allen möglichen Perspektiven auserzählt und mit eindringlichen Movies glaubhaft und zur Genüge dargestellt, so dass auch da ein gewisser Interessensabflau an der Tagesordnung ist, getreu dem Motto: „Nee, das ist zwar exakt die selbe Story wie der andere Film da, AAAAABER der Typ heißt Mave und nicht Conrad!!!!!!111“

Als Kind hab ich immer den Standpunkt vertreten: Lasst auf der Leinwand passieren, was immer ihr möchtet – genau das ist eure Spielwiese, bei der niemand irgendeinen Schaden erleidet, sondern alles fiktiv, alles machbar und selbst die absurdesten Fantasien und Gedankenausflüchte kann man dort völlig schadenfrei ausleben.

Wer also gern mal einen Menschen zerstückeln will: Rein in die Movies, anschauen, wie sie der Reihe nach wie die Fliegen niedergemetzelt werden, dann wieder rausgehen, brav seine Limo austrinken und ab ins Bett.

Passt – und funktioniert perfekt.

Inzwischen … ja, inzwischen sind wir im Kollektiv bei so ziemlich jeder Abnormität aus dem Alltag eines ganzen unüberschaubaren Planeten mit Livestream dabei und daher übersättigt von „Millionen von Leichen“ und die üblichen Mahnmähler von Kriegsfilmen verfehlen inzwischen vollständig ihre Wirkung.

Unter politischen, ethischen oder belehrenden Aspekten also inzwischen ein völlig nutzloses Genre, das keinerlei Mehrwert im bildungstechnischen Sinne mehr aufweist, und dennoch kein Griff ins Klo.

Tatsächlich ist The Outpost – Überleben ist alles super ehrlich mit seinem Publikum – und das fängt schon beim Plakat an: Es ist drin, was drauf steht, es wird geliefert, was erwartet wird und die Zuschauer werden bereits nach einer Sekunde auf das Genre vorbereitet, was dafür sorgt, dass hier wirklich nur die Leute rein gehen, die genau so etwas sehen wollen.

Warum mein kranzlanger „Vorspann“ dazu?

Weil hier nämlich dann die „Wertung“ keine Rolle mehr spielt. Man muss diesen Film nicht mehr unter political correctness oder ethischen Standpunkten bewerten und sich dann darüber aufregen, wie heroisch patriotisch diese „meist ausgezeichneten Soldaten“ doch ihren unglaublichen Kampf für das Wohle der Menschheit geleis….. – nein: Es geht um etwas völlig anderes.

Inzwischen ist mir persönlich (der dieses Genre defacto ziemlich liebt) diese schnulzige Moralapostel-Komponente bei solchen Streifen nämlich auch in Galle und Leber übergelaufen und stimmt mich säuerlich, weil so etwas in heutiger Zeit einfach nicht mehr sein muss.

Damals hat man Kriegsfilme gesehen mit Jahreszahlen wie 1979 – und dachte sich (als deppertes Kind): Mei, die haben’s halt nicht besser gewusst, aber nun ist man ja schlauer und würde so etwas Wahnsinniges nie wieder Wirklichkeit werden lassen. Passt – Film, andere Zeit – abgehakt.

Inzwischen lesen wir andere Jahreszahlen, die eben nicht aus düsterer Vergangenheit mit Schrammen am Mittelalter markiert sind, sondern 2009 oder höher ausfallen, und denkt sich: Ähm… Was ist kaputt bei denen, die so etwas beginnen und durchziehen?

Yo, genau das sind die Bilder des Krieges, der euch in den Medien als abendfüllende Unterhaltung mit tageschau-Logo verpackt serviert wurde – und das ist hässlicher Scheiß, den man auch im Nachgang nicht zwingend huldigen muss – wir hätten andere Optionen…. AAAAABER wollten an dieser Stelle ja nicht diskutieren.

Wieso also der Film?

Weil Freunde dieses Genres einfach ne geile Schlacht sehen wollen. Weil man ins Kino geht, um es ordentlich rummsen zu hören, um zu testen, was die alten Bassboxen im hinteren Eck noch alles so drauf haben und zu spüren, dass irgendwie alles eskaliert, bis am Schluss dann alles in Rauch und Flammen aufgeht und man vorher möglichst lange etwas von diesem irrsinnigen Schauspiel genießen konnte.

Und genau das bringt dann die Frage auf: Was ist euch Soldaten das wert? Euer Leben für so einen …. Bullshit … zu riskieren, nur damit wir Idioten hinterher im Kino sitzen und uns von euren toten Kameraden unterhalten lassen können? Muss man dafür heute noch Krieg spielen?

Der Effekt des vernichtenden Schauspiels funktioniert hervorragend, zieht mächtig an, sorgt für selten Langeweile und rummst ordentlich und durch die Bank weg, so dass Freunde dessen tatsächlich auf ihre Kosten kommen.

Der „Moraleffekt“ wird am Schluss jedoch auch geholt – und in meinen Augen völlig übertrieben. Natürlich ist es ganz nett, die wahren, echten Personen vor die Kamera zu holen und ihre echten Gesichter zu zeigen, auch in Kriegsfilmen ist dies eine hohe Würdigung, die durchaus auch funktionieren kann (Stichwort: Clint Eastwood). Hier wird’s jedoch vollständig übertrieben und immer wieder noch einer oben drauf gesetzt, dass man als Zuschauer – ohne oben besagten Anspruch – auf einmal das Gefühl hat, man will einem doch verkaufen, wie geil die Army ist und dass es sich lohnt, dort einzutreten, weil all der Schmerz und die zerbrochenen Seelen am Schluss keine deutliche Sprache sprechen.

Das Ding funktioniert in Amerika, dort haben sie einfach eine völlig andere Grundeinstellung zu solchen Dingen und sind damit im Alltag völlig anders verankert (dort wird der Film auch hoch gelobt und gefeiert), stößt hierzulande aber wieder auf völliges Unverständnis und macht im Prinzip den „Gaudi“ von vorher dann vollständig kaputt.

Und über all diese Dinge muss man mit einem mega dicken Fell hinwegsehen, dann hat man einen großartigen Film, der gut unterhält, der eine wahre Geschichte erzählt (die in Wahrheit eines der größten Fiaskos in der Geschichte der amerikanischen Kriegsführung ist) und der damit extrem mies umgeht, wenn’s um die Aufarbeitung der Geschehnisse geht, um der Sache doch wieder etwas Ernsthaftigkeit abzugewinnen.

Da diese Tatsache wiederum aber diejenigen kaum stören dürfte, die sich aufgrund des Plakats für den Film entscheiden, siegt hier wieder die unverdrossene Ehrlichkeit der Gesamtpackung: Das Konzept geht auf und die Zuschauer des Films dürften zufrieden wieder von dannen ziehen.

Auf dass alle in unserer Realität damit aufhören, solche Kriege weiterhin existieren zu lassen.

Es kracht, es pfeift, es scheppert und unterhält auf einem Niveau, bei dem man nicht werten darf, und bastelt sich am Ende ein paar Fallstricke, indem man doch noch versucht, ernsthaft zu werden – in dieser Kombination nicht wirklich gelungen. Als Genrefilm für Liebhaber von „Guns and Ammo“ allerdings wahnsinnig gutes Fressen, das solche Triebe ausgiebig und perfekt befriedigt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Kann man getrost komplett aussitzen, da passiert noch so viel, dass der Text quasi völlig in Vergessenheit gerät.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: The Outpost
Length: 123 Min.
Rated: FSK 16

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/2Ru91CK
DVD: https://amzn.to/33tjfIU


Lord und Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken

Lord und Schlumpfi - Filmplakat
© 2020 24 Bilder

Was erwartet ihr beim Anblick des Plakats, wenn ihr tatsächlich absolut null Vorwissen mitbringt?

Ich dachte mir: „Schon wieder ein Musikfilm, irgendwas mit Metal, halt wieder ne Band, die als Film auseinandergepflückt wird, kann man sich anschauen, muss man aber vielleicht gar ned.“

Dann kam das Wort „Kultserie“ und „Episoden“ in den Vordergrund und es wandelte sich eher zu Binge-Watching im Kino um: Eine Serie, die als Film in zusammenhängender Länge auf die große Leinwand kommt… und es wird noch viel besser.

2016 startete Tobias Oller, der sich auf Bühnen und im Kabarett zu Hause fühlt, mit der Show auf YouTube, und die fand – verständlicherweise – total Anklang und baute sich eine große Fangemeinde auf.

Nun hat man die bestehenden 6 Folgen zusammen geschnitten und ihnen eine weitere Staffel spendiert, die es in gesamter Länge ab 17. September 2020 auf der Leinwand zu bestaunen gibt.

Und ich muss sagen: Großartig – es wäre ein herber Verlust, wenn ich meinen anfänglich negativen Gefühlen nachgegeben hätte, denn diese Art von Humor ist grandios!

Abgesehen davon, dass ich diesen Musikstilen auch etwas abgewinnen kann, findet sich hier eine urkomische, lokalangeheftete und wunderbare Parodie des Lebens in einer mit viel Liebe, Inbrunst und Hingabe zum Detail gestalteten Variante wieder, in die man sich auch als Nicht-Metal-Fan augenblicklich verliebt.

Die Ideen und Twists jeder einzelnen Episode sind herrlich schräg, unterhaltsam und sorgen für immense Kurzweil und viele Lacher. Solltet ihr es bereits von YouTube kennen, ist das kein Grund, sich nicht doch ins Kino zu setzen – und wenn ihr bis heute gar nichts damit anfangen konntet, dann wird’s höchste Zeit: Das ist pure Unterhaltung auf hohem Niveau mit etwas Anspruch und viel Freiraum für gute Laune, die Kino wieder zu einem Ort macht, an dem sich das Leben lohnt.

Definitiv ansehen: Wer’s schon kennt, kriegt eine weitere Staffel – und beides auf der großen Leinwand, wer noch nie etwas davon gehört hat: Kennenlernen – ihr werdet es nicht bereuen!

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Man bleibt spaßig auch beim Abspann, also gehts geschmeidig an 😉

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Lord & Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken
Length: 93 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: (folgt in Kürze)
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Hello Again – Ein Tag für immer

© 2020 Warner Bros. Ent.

Es gibt in der Filmwelt solche ikonischen Momente, die unvergessen bleiben werden, die einmal da waren und bei denen alle Nachäffer, Huldiger, Parodisten und Hommagen niemals in Frage stellen würden, wer das Original geliefert hat. Es ist jeweils ein Kniefall vor dem Moment. Etwas, das jeder kennt und das niemals – auch über Generationen hinweg – in Vergessenheit geraten wird.

Die „Ich bin der König der Welt“-Szene bei Titanic z.B., oder die Hebefigur aus Dirty Dancing, oder aber auch verbale Äußerungen wie „I’ll be back“ von Arnold Schwarzenegger aus den Terminator-Filmen. „Ich bin dein Vater.“ – merkt ihr?

Diese Dinge gehören dem Original.

Nun haben wir einen Film, der sich an einem Genre orientiert, das für sich – und zwar in seiner vollkommenen Gänze – ein ikonischer Moment ist: Und täglich grüßt das Murmeltier. Da gibt es keine speziellen Szenen, oder Aussprüche, oder Dinge, die man einzeln herausnehmen und woanders einpflanzen kann, sondern die Zusammenstellung der einzelnen Plotstränge aneinandergereiht ist selbst der „ikonische Moment“, weswegen man entweder den kompletten Film kopieren kann … oder eben etwas völlig anderes macht.

Hello Again – Ein Tag für immer lässt schon im Titel einiges vermuten… und wer beim Trailer richtig aufpasst, spürt auch sehr schnell, dass es sich hier um einen Zeitschleifenfilm – also um Und täglich grüßt das Murmeltier handelt… und da dies ein „ikonischer Moment“ ist, kriegt man das aus dem Schädel beim Schauen auch nicht raus. Niemand denkt bei der Hebefigur NICHT an Dirty Dancing.

Dieser aufgedrückte, unweigerliche Vergleich schraubt die Erwartungen immens hoch und so etwas geht meist in die Hose.

Muss ich weiter reden? 😉

Meine Generation ist geprägt von Bill Murrays legendärem Auftritt in diesem Film … wir haben ihn unzählige Male gesehen, geliebt, wieder geschaut … und schon im Trailer des „Remakes“ spürt man: Daran kommt die Schauspielerei definitiv nicht ran. Hier ist wieder viel zu viel „eingedeutscht“ worden … und man verhaspelt sich an der kruden Macherei der Filmförderungen, die – wie die Lobbyisten im fernen Amerika bei der Gesetzgebung – auch hierzulande den Autoren und Regisseuren so lange reinreden, bis alles einheitlicher Mist ist, den man dann abliefert.

Dass es im Film um eine Hochzeit geht, verrät das Plakat bereits. Dass es die „traurigste Hochzeit überhaupt“ ist, die ich je in der Filmgeschichte gesehen habe, verrate ich euch jetzt. Die Farben irgendwie trist und kaputt, die Kulisse so la la, alles irgendwie ohne Seele und ohne Herzblut … einfach armselig. So etwas stimmt einen natürlich wahnsinnig traurig und liefert keinen guten Nährboden für einen fantastischen Film, sondern schrammt eher permanent an der Grenze zum Flop.

Dass dies aus plottechnischen Gründen gewollt ist, mag nun als plausible Ausrede herhalten können, jedoch wissen wir anhand des Originals, dass das auch besser geht.

Jemand muss rausfinden, was er zu tun hat, um aus der Schleife wieder zu entkommen? Hier werden allerlei Einfälle durchprobiert, die den Vielsehern im Kino eigentlich von Anfang an klar sind, weil man sich die Auflösung schon nach 10 Minuten zusammenreimen könnte und es im Endeffekt auch genau so passiert („Laaaaangweilig!“).

Eine gute Sache hat der Film: Die Auswahl der Musikstücke. Hier hat man echt Einfallsreichtum und Vielfalt bewiesen und immer neue Varianten herbeigeholt, die den ganzen Film über bestens unterhalten und auch so ziemlich jeden Musikgeschmack abdecken dürften. Genau das fühlte sich aber auch oft aus dem Zusammenhang gerissen an, da die Melodien so weit entfernt von dem Alter der jeweiligen Protagonisten entfernt waren, dass es fast schon unglaubwürdig erschien, dass eine solche Person tatsächlich diese Musik hören würde.

Sei’s drum: Der Versuch zählt.

Und eine Sache ist auch noch spannend: Es gibt Menschen, die den Murmeltier-Film tatsächlich nicht kennen. Und ich habe welche von ihnen gefunden. Die haben Hello Again gesehen und fanden ihn super gelungen, weil er eine große Bandbreite an Emotionen und Möglichkeiten abdeckt und es ihrer Meinung nach um „multiple Universen“ geht… dazu fallen mir aber unglaublich viele Hinweise und Argumente ein, die das widerlegen.

An dieser Stelle schick ich euch dann einfach ins Kino, denn gespoilert wird immer noch nicht – und dann können wir uns gern drüber unterhalten. Am besten, wenn ihr beide kennt: Das Original … und diesen Film hier.

Eine deutsche Kopie von Und täglich grüßt das Murmeltier mit grandioser Musikauswahl, trauriger Kulisse und einem Plot, der sich nach 10 Minuten selbst enträtselt. Menschen, die selten ins Kino gehen, haben daran gewiss Freude.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Bringt noch einige Szenen am Anfang, danach ist Schluss.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Hello Again – Ein Tag für immer
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/3mgmM66
DVD: https://amzn.to/2FwkYVQ


Kase-san and Morning Glories

Screenshot Kase-san and Morning Glories
© 2020 Kazé

Dass sich die Filme hierzulande in Sachen kulturellen Eigenschaften nahezu alle gleichen, ist ja kein Geheimnis. Auch wenn es von Land zu Land kleine Unterschiede gibt: Im Großen und Ganzen bewegt man sich mit geringen Abweichungen auf dem selben Level. Und dabei ist es auch egal, ob man über den großen Teich schaut oder sich im europäischen Raum bewegt: Ja, die einen können bessere Plots, die anderen besseres CGI, von der Art der Herstellungsweise benutzen aber alle irgendwo die selben Mittel.

Auf unserer Erde gibt es da eine riesige Ausnahme: Japan. Die Filme dieses Landes sind ein Genre, das so weit weg allem Europäischen oder Amerikanischen ist, dass ein Vergleich nahezu ausgeschlossen ist.

Auch über die Filme hinaus lassen sich die Animes nicht auf anderes Kulturgut ein: Auch in gezeichneten Werken kann man sich nicht mit „Comics“ hierzulande messen, sondern hat mit Manga eben auch einen unverkennbaren Stil geschaffen. Und nicht nur das: Um die Sache vollkommen abzurunden, finden sich auch in den Tonspuren keine vergleichbaren Elemente mehr, sondern selbst die japanische Musik ist etwas völlig eigenständiges.

Dass dann in den Plots oftmals noch völlig schrille Ideen und diverse Verrücktheiten angenommen und umgesetzt werden, entfernt selbst die Inhalte noch von allem, was wir hierzulande als „normal“ bezeichnen würden.

Umso mehr Spaß macht es mir, mich immer wieder mal in diese völlig fremde Kultur niederzulassen und einen Anime im Kino zu bestaunen, weil’s eben etwas völlig anderes ist.

Kase-san and Morning Glories wurde kürzlich im Rahmen einer Girls Love Anime Night in den Kinos gezeigt.

Wer an dieser Stelle an romantische Schnulzenopern denkt, liegt völlig falsch: Mit dem üblichen Anime-Biss und japanischer Ausgefuchstheit bezieht man einmal mehr Stellung und kümmert sich um gleichgeschlechtliche Liebe. Und das in so einer wunderbaren und liebevollen Atmosphäre, dass man sich auch als Kerl darin wunderbar aufgehoben fühlt.

Sehr zu empfehlen (bei Animes übrigens grundsätzlich) ist es, die Streifen im Original mit Untertiteln anzusehen, denn auch die Sprechweise von japanischer Filmkost geht weit über das hinaus, was sich z.B. Deutsche in der Öffentlichkeit trauen würden.

Insofern hatte man hier die Chance, sich einen Abend lang mit dem Thema Girls Love auf sehr gemütliche und unterhaltsame Weise auseinanderzusetzen.

Animes haben generell einen unfassbar anziehenden Charme und beleben die inneren Gefühle eines Menschen auf einzigartige Art und Weise – hier mit einem soliden Titel über Girls Love, mit der bekannten Witzigkeit und umfassend berührenden Elementen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Grundsätzlich: Bei Animes immer hocken bleiben. Die hören selten beim „Schluss“ auf.

Kinostart: 25. August 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Asagao to Kase-san
Length: 58 Min.
Rated: FSK 0

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
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Manga: https://amzn.to/2ZtzLaY


Artemis Fowl

Artemis Fowl - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mit Kreativität sind nicht alle Menschen gesegnet. Auch in der Filmwelt lässt der Einfallsreichtum oftmals zu wünschen übrig, daher ist es Gang und Gäbe, sich an anderen Kreativen zu bedienen und beispielsweise eine Buchreihe als Vorlage für kommende Kinofilme herzunehmen.

So auch hier passiert: Der Autor nennt sich Eoin Colfer und ist mit weltweit 25 Mio. verkauften Exemplaren dieser Reihe nun kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Seinen Büchern sagt man bereits vom 1. Band ab Parallelen zu Harry Potter nach, was er jedoch vehement abstreitet, da er (angeblich) zum Zeitpunkt, als die Bücher entstanden, Harry Potter nicht gelesen hatte. Lassen wir das mal so stehen.

Tatsächlich wusste ich beim Schauen des Films absolut gar nichts darüber, dass dies eine Buchreihe ist und dachte mir des öfteren: Naaaaa, braucht Disney nun sein eigenes Harry Potter-Universum, um damit auch Kohle zu machen?

Es macht nämlich auch im Film unglaublich den Eindruck: Man wird geflutet von fabelhaften Normalitäten, die weder ausgearbeitet, noch irgendwie anständig zelebriert werden, viele merkwürdige Dinge werden – genau wie in Rowlings Universum – einfach als gegeben hingenommen und das Drehbuch mit seinen Dialogen und Ausarbeitungen zeugt nicht sonderlich von einem Welterfolg, sondern eher von stümperhaften Versuchen, irgendetwas „Großartiges“ zu vollbringen und damit vollkommen zu versagen.

Ich dachte zwischendurch manchmal an ein Mix zwischen Green Lantern, Anflügen aus Riddicks Welt – gepaart mit der miesen Kindervariante von Harry Potter, dazu haben u.a. auch die deutschen Synchronisationsstimmen ihren Anteil getragen: Man kann‘s schwerlich ernst nehmen.

Durch das „Wir machen alles einfach, und zwar zackig“ wirkt es auch nicht so, als wolle man die Zuschauer hier verzaubern und in eine völlig magische Welt entführen, sondern man hastet das wie einen ungeliebten Vokabeltest alles schnell runter, um möglichst schnell fertig zu werden. Hier hätte man von dem üppigen Budget in Höhe von 125 Mio. $ ruhig den ein oder anderen davon in vernünftige Inszenierung und bessere Dialogschreiber investieren können.

Nun kennen wir ja einige Science Fiction-Flops dieser Größenordnung, die grafisch und mit CGI durchaus etwas hermachen, dann aber mit so dermaßen dämlichen Handlungen und teils unfähigen Schauspielern „begeistern“, dass es ein Millionengrab geworden ist – Jupiter Ascending zum Beispiel, den ich von der Komplexität der Welt eigentlich gar nicht so schlecht fand, der beim Gesamtpublikum aber unfassbar gefloppt ist.

In diese Reihe münden auch Werke wie Percy Jackson, wobei ich Artemis Fowl noch niedriger ansetzen würde, da das Zielpublikum hier scheinbar noch jünger sein darf.

Und dann kommen wir zur sensationellen Veröffentlichungspolitik, mit der sich Disney bei Mulan ja gerade eine Lorbeere nach der anderen einheimst: Ja, wir haben COVID-19 und irgendwie gab‘s kurz Pausen, in denen Kinos geschlossen und Geldverdienen nicht so einfach war. Alles gut und schön.

Dass solch eine Megaproduktion wie Artemis Fowl in dieser Budget-Klasse dann aber klammheimlich den Kinostart entzogen kriegt und auch wieder süß und leise auf Disney+ veräußert wird, spricht eigentlich schon wieder Bände. Da hatte man noch keine großartigen PR-Aktionen gefahren, sondern ein, zwei Trailer präsentiert und war direkt wieder weg vom Fenster.

Der eigentliche Grund, weswegen man sich erneut „elegant aus der Affäre zieht“, wird vermutlich eher die harsche Kritik an dem Film sein, der so eben nicht zu einem Kinoflop mutiert, der dann für ewig in den Geschichtsbüchern der Moviekreation stehen wird, immerhin kennt niemand genaue Zahlen über den Erfolg eines einzelnen Films innerhalb dieses Portals.

So kann man den eigentlich völlig in den Sand gesetzten Monsterfilm ästhetisch als … äh …. „und das haben wir auch noch für euch“ seinen zahlenden Streamern verkaufen und versuchen, zu verhindern, dass es ein Vollfiasko wird, von dem sich Disney dann nicht mehr so schnell erholen wird.

Hätte man sich hier etwas mehr Zeit genommen, mehr Liebe in die Produktion eines Films investiert und nicht mit Dollar-Augen auf die Scheinchen gegeiert, wie man das mittlerweile leider von Disney kennt, dann wäre den Menschen dieser Streifen wohl auch nicht so mies aufgestoßen, wie er das momentan tut: 9% auf Rotten Tomatoes spricht ja eigentlich an dieser Stelle auch eine mehr als deutliche Sprache.

Schade eigentlich, denn das Potenzial, mit diesen Welten etwas zu machen, scheint ja definitiv gegeben zu sein, denn ohne selbiges wären die Bücher wohl kaum so ein Welterfolg geworden, wie sie heute sind.

Disney, wie wäre es, wenn eure Absichten, Filme zu machen, in Zukunft wieder an die Idee (nur ne Idee…) geknüpft sind, sie tatsächlich irgendwie auf so großen weißen Dingern zu zeigen? So Leinwand? Kino? Dings? Saal? Dunkel und so… mit äh Vorspann und Popcorn und das alles? Irgendwer? 🤷🏼

Ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür, wie man 125 Mio. $ grandios versenken kann: Erinnert an schlechte John Travolta-Filme und kaum an einen Megablockbuster aus der Wizard World, der dieser Film irgendwie gerne sein würde. Spart‘s euch.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht auszusitzen, hier kommt nichts weiter.

Kinostart: 14. August 2020 (exklusiv auf Disney+)

Original Title: Artemis Fowl
Length: 95 Min.
Rated: FSK 6

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


The Photograph

The Photograph - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Was fällt mir als Fotograf und Ästhet sofort ins Auge? Dass das Plakat ein Negativ ist – also die Dinger, auf denen früher unsere Fotos „zwischengespeichert“ wurden, bevor man sie zum Entwickeln brachte. Namen der Schauspieler, die berühmten „Schnittpunkte“ etc. – alles da. Die Plakat-Macher haben also den Filmtitel gehabt und daraus etwas brauchbares gestaltet, was sich deren Meinung nach an „Fotografie“ orientiert.

The Photograph macht als Titel ja auch eigentlich den Anschein, als ob es in dem Film möglicherweise um Fotografie gehen könnte … also jemand, der oder die sich mit Kameras irgendwo rumbewegt und etwas fotografiert, oder sich mit dem Thema auseinandersetzt … oder irgendwas … mit Negativ, Bild, Abzug, aufhängen, Kunst oder dergleichen.

Dass es in dem Film eigentlich gar nicht um Fotografie geht (Titel: The Photograph, Plakat: Foto-Negativ, Filminhalt: was völlig anderes – macht Sinn!) konnte ja keiner ahnen. Wer sich ein wenig in Kritiken verfängt, findet auch hier und da das Wörtchen „Smooth Jazz“, und das führt mich zu einer elitären Eliten-Elite, die sich für so etwas interessieren könnte … und tatsächlich finden sich dafür auch wahnsinnig viele Anzeichen im Film wider.

a) die Protagonisten müssen rein überhaupt nichts tun, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sind einfach. „Ich bin, also existiere ich. Stößchen.“ – Klingt nach elitärer Bewegung. Cool.

b) Wenn man genügend Geld hat, sich um existenzielle Dinge einen Scheißdreck scheren muss und zu viel Zeit und Unfug im Schädel hat, dann kommt man ganz schnell in diese Langeweile-Areale, in denen auf einmal völlig andere Dinge wichtig sind: Wer fickt mit wem, wer ist wieder wo mit wem ausgegangen, wer verkehrt mit wem, wer verdient wo wann wieviel Geld … auf Deutsch: tratschen. Auch davon finden wir unfassbar viel in diesem Film wieder.

c) Die Ästhetik. Im Ernst: Schaut euch allein mal den Trailer an und seht dabei genau hin: Das Trägerchen von ihr ist farblich exakt auf das Oberteil von ihm abgestimmt, eine Sekunde später sitzen sie im Restaurant und sind völlig anders gekleidet (macht keinen Sinn, weil es wirklich nur ein harter Schnitt war, aber in solch elitären Kreisen wechselt man natüüüüüürlich die Garderobe vorher), und zwar genau so, dass es auf die Hintergründe und die Pflanzen auf dem Fensterbrett im Bokeh im Restaurant passt – und die Grundierung der Flasche Wein sich exakt in dem Schatten ihrer Ohrringe widerspiegelt…

Ja, der Film trieft vor Ästhetik und jede einzelne fucking Szene ist PERFEKT optisch abgestimmt und ästhetisch so dermaßen ausgewogen, dass es scheppert.

Leider hat man deswegen kaum Zeit gehabt, sich irgendwie um den Plot oder irgendwelche „Vorwärtsbewegungen“ erzählerischer Komponenten zu kümmern, weswegen das Gros der menschlichen Gesellschaft (alles Idioten, dieser Pöbel!) sich mehr oder weniger angewidert und gelangweilt durch diese Scheiße kämpft und selbst meine langjährigen und hartgesottenen Kinofans das Weite suchen, während ich mich brav bis zum Abspann da durch quäle und die Ziffernblätter meiner Apple Watch interessanter finde, als das, was da auf der Leinwand vor sich geht, denn: Dort bewegt sich wenigstens was.

Im Ernst: Es können doch nur solche elitären Vollpfosten sein, die so dermaßen viel Zeit übrig haben, um sich diesen „Ist-Zustand“ über anderthalb Stunden reindröhnen zu können, allen anderen ist die Zeit etwas zu schade dafür.

Und die Plakat- und Titelverarsche obendrein noch ein Kick ins Schienbein.

Naja, irgendwen wird’s freuen. Mich (und eine Menge anderer Leute) definitiv nicht.

Ein Film für elitären Ästhetik-Überschwang, der sich so weit von „Normal“ und „Mensch“ entfernt hat, dass es allen anderen einfach nur weh tut, diesen Film zu sehen. Wenn’s ne Top 5 der schlechtesten Filme dieses Jahres gibt: Dieser hat den Hauptgewinn eingefahren. Sorry – geht gar nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The Photograph
Length: 107 Min.
Rated: FSK 0

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)

Soundtrack: https://amzn.to/3m7I85y


The New Mutants

The New Mutants - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

The New Mutants waren meine große Hoffnung, die X-Men irgendwann mal in düster zu erleben und sie im Verlaufe ihres Erwachens irgendwie mit Deadpool zu verheiraten, denn bei dieser Kombination kriege nicht nur ich Gänsehaut. Tatsächlich hat uns der Teaser – und in Folge auch der Trailer – so richtig auf Horror-Franchise gebürstet und die Erwartungen dabei nicht zwingend im unteren Bereich angesiedelt.

Nun startet der Film ganz unverhohlen und man spürte schon im Vorfeld irgendwie, dass manche Dinge im Busch zu sein scheinen. Die Presse schweigt sich aus (okay, das liegt am Embargo – was aber nicht zwingend ein gutes Zeichen sein muss), aus Amerika, wo der Film unlängst gestartet ist, hört man auch nicht überschwelende Reden und auch hier verpufft die Wirkung des „ganz großen Blockbusters“ irgendwo in den kleinen Sälen – zwar vorhanden, aber nicht wirklich präsent.

Alles in Allem sehr schlechte Vorzeichen. Insofern war ich froh, die Pressevorführung zu diesem Streifen in einem größeren Kino präsentiert zu bekommen in Erwartung, dass all die schlechten Anzeichen sich nicht bewahrheiten würden und ich anschließend zu meinen Kinojungs gehen und sie darum anflehen kann, den Film prominenter im Programm zu platzieren.

Tja (und jetzt lest bitte weiter): Das ist tatsächlich nur in Teilen Wirklichkeit geworden. Zugegeben, die X-Men-Reihe war schon immer eher an jüngeres Publikum adressiert und tummelt sich daher eher mit Filmen wie The Darkest Minds oder Die 5. Welle im Konkurrenzkampf um die Heranwachsenden, lediglich Logan war dann doch mal ein etwas erwachsenerer Ausreißer erfreulicher Natur… wenn man sich jedoch mal die ersten Filme von X-Men anschaut (und auch deren Effekte), stellt man sehr schnell fest, dass hier kein Allround-Publikum gebraucht wird.

Dementsprechend hätte es mich gefreut, wenn man sich jetzt nun vollständig in die Nische des Horrors zurückzieht und daraus endlich etwas vernünftiges bastelt … und der Beginn des Films schreit auch förmlich nach großen Leinwänden und guten Boxen… aber dann mündet es eher in eine Love-Story und weniger in einen Action-Horror-Bombast, der einen so richtig wegtrommelt.

Co-Autor Knate Lee zufolge sind die Vorgeschichten der Kids in The New Mutants wesentlich verkorkster und schräger, weswegen eine Tendenz ins Horrorgenre quasi vorgeschrieben war… in meinen Augen hat man im Film dafür dann aber viel zu wenig geliefert und sich relativ unscheinbar von den X-Men-Filmen unterschieden.

Zwar machen die Autoren immer wieder deutlich, dass deren Geschichte zwar bekannt und Verbindungen dazu auch gewollt sein dürfen, jedoch möchte man sich ebenfalls von den X-Men absetzen und eben etwas anderes, düstereres, boshafteres sein … und dazu gibt man dem Entfalten des comic-liken Horrors im Film viel zu wenig Raum.

Dass die Charaktere solcher Filme schon immer unrealistisch viel emotionalen Schwachsinn mit sich ausbrüten und stundenlang nicht darüber hinweg kommen, endlich mal auf die Kacke zu hauen und es einfach nach allen Formen der Kunst brezeln zu lassen, ist ja hinlänglich bekannt. Im Zuge der „Horror-PR“ im Vorfeld bin ich davon aber eher enttäuscht, denn man unterscheidet sich quasi so überhaupt nicht von bisher bereits häufig schon dagewesenem.

ABER:

Dann kommt das Finale. Der Schluss. Während es im Verlauf des Films immer gemütlicher und „richtiger“ in dem angedachten kleinen Kino zu werden scheint, bereut man am Schluss diese Entscheidung wieder, wenn man zum finalen Showdown anschlägt und dann zeigt, dass hier eben doch Geld verbraten und fähige Künstler ans Werk gelassen werden: Hierfür muss die Leinwand wieder groß und die Boxen laut genug stellt sein, um diese Elemente in dem Umfang erleben zu können, wie man sie sich gedacht hat.

Wenn ich jetzt also zurück blicke und tatsächlich die Blu-ray von X Men 1 wieder ins Laufwerk einlegen würde, dann hätten wir hier ein würdiges Pendant, dass danach tatsächlich doch noch alles anders werden lassen kann… wenn man an dieser Sache nun dran bleibt und das Zielpublikum mitzieht, statt immer wieder zurück auf die 14jährigen zu fallen.

Und vielleicht erleben wir es ja eines Tages doch noch, dass die New Mutants und Deadpool auf der Leinwand heiraten, kleine Kinder kriegen und in eine gemeinsame, große Schlacht ziehen. Wir wollen’s hoffen.

Der Anfang ist cool, der Mittelteil eher mit leisen Tönen und verliebt, am Schluss trägt man dann tatsächlich auf, was aber nicht zwingend den Film rettet, jedoch sehr viel Hoffnung auf kommende Teile macht. Ein solider Start.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die Schauspieler werden nochmal schön gezeigt, danach dürft ihr dann raus gehen.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The New Mutants
Length: 93 Min.
Rated: FSK 16

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Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt

© 2020 Telepool

Da sagt man immer, die Deutschen könnten keine Filme machen. Haben kein Talent beim Drehbuchschreiben, können nicht „vernünftig“ sprechen, überzeugen mit ihren Arbeiten immer so halblebig und sorgen dafür, dass Worte wie „Bullshit“ eher in meinen Kritiken zu lesen sind, die sich über solche Filme auslassen und nicht im Titel selbst.

Tja, und dann finden sich ein paar fähige Menschen zusammen, nisten sich in der Stadt Ahlen ein und fangen an, ihr Ding zu drehen … und raus kommt diese Wundertüte an empfehlenswertem, deutschen Humor, der so unterhaltsam, lustig und in sich stimmig ist, dass es lautschreienden Kritikern wie mir tatsächlich die Sprache verschlägt.

Jeder weiß, dass ich mich oft durch mieses Filmmaterial quäle und mir daher alles anschaue … und man kennt meine Voreingenommenheit, wenn schon die ersten Minuten eines Films nicht passen und ich merke: „Ok, deutsch“, dass es dann meist schon rum ist.

Faking Bullshit fängt an, knipst irgendwie einen Schalter um und dann ist man auf so hohem, professionellen Level, dass ich mich frage: Wieso kommt so ein Streifen erst jetzt auf die Leinwand?

Genau das hätten wir seit Jahren gebraucht, um im internationalen Wettstreit ebenfalls Dinge abzuliefern, die man auf Showbühnen der Welt präsentieren kann, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen … und ohne Hitler drin zu haben (wofür deutsche Filme nunmal hinlänglich bekannt sind… leider).

Ganz im Ernst? Das Ding hat mich voll abgeholt, mir unzählige Lacher entrungen und durch seine liebenswürdig-nonchalante Art ein Momentum auf der Leinwand kreiert, in das man nur zu gerne abtaucht und das eigentlich viel zu schnell endet.

Die Atmosphäre im Film ist geladen von prunkvollen Ideen, der Cast ist mega aufeinander abgestimmt, die Running Gags zünden jedes Mal und die Portionen Schalk und Humor sind fantastisch abgestimmt, so dass am Ende ein Komplott voller Energie, filmischen Tatendrangs und empfehlenswerter Kost herauskommt, bei dem ich nicht – wie üblich – sage: „Ganz okay, kann man sich anschauen“… nein, ich sage: Zimmert euch diesen Film zwingend in einem möglichst vollen Kinosaal rein, denn zusammen hat man dabei noch viel mehr Spaß als ohnehin schon.

Was bleibt einem da noch weiter übrig, als ein Chapeau auf das Drehbuch, die Idee und die wunderbare Umsetzung zu sagen, den Drink zu kippen und sich dann mit dieser herrlich schrägen Erzählung unterhalten zu lassen?

Wischt jegliche Ideen, die euch beim Besehen des Plakats oder lesen des Titels in den Kopf kommen sollten, behände beiseite und löst absolut entspannt euer Kinoticket für diesen wunderbaren Streifen: Selten hat man in deutschen Filmlanden so wunderbare Kost vorgesetzt bekommen, die ich euch an dieser Stelle uneingeschränkt empfehlen kann. Habt Spaß – und sagt mir gerne in den Kommentaren, wie euch der Titel gefallen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Petla

Petla - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Hallo Geheimdienste, macht’s euch gemütlich… Kaffee?

So, da wir nun alle so hübsch beieinander sitzen ein paar kurze Worte über ähm… Realität.

Petla ist ein Film, wie damals Snowden, der voller Wahrheit und krasser Ungeschöntheit glänzt und deswegen im Hauptpublikum so richtig schön derb tief untergeht.

Warum? Denkt nach. Niemand möchte, dass Wahrheiten ans Licht kommen. Keiner möchte, dass Leute Zusammenhänge herstellen und niemand möchte für irgendwelchen Bullshit in der Öffentlichkeit grade stehen.

Und dennoch wundern wir uns an manchen Stellen immer wieder, warum so überdeutlich etwas schief zu laufen scheint, weshalb Menschen auf einmal ganz seltsam reagieren, warum manche (politische) Entscheidungen so völlig skurril und zusammenhanglos getroffen werden … und die Medien berichten darüber, kassieren ihren Lohn und interessieren sich 5 Stunden später nicht weiter dafür.

Das Volk übrigens auch nicht, das wird seit Jahren mit Informationen und Material geflutet, das hat gar keine Zeit und keinen Überblick mehr, um hier irgendwelche Korrelationen herstellen zu können.

Aber wir haben ja Petla. Der kümmert sich hervorragend darum. Zwar nicht um das Zeitproblem (so krass viel, wie da reingepackt werden musste, da ist auch in keinem anderen guten Film genügend Zeit), also hetzt man förmlich durch die Phasen und befindet sich nach der Geburt in Minute 1 bereits im Erwachsenenalter in Minute 5 und es wird dennoch nicht zwingend beruhigender.

Antoni Królikowski und Piotr Stramowski spielen mit einer derart harten Konfrontations- und Brutalitätstour auf, dass man meinen könnte, FSK 18 wurde nicht zu unrecht vergeben… ABER: Es ist viel viel schlimmer, als ihr alle denkt.

Der Film bricht richtig heftig in den Sumpf von blutiger Grausamkeiten, erzählt in kurzen Stücken, wie ein Mensch an gewisse Grenzen geführt werden kann und ist insofern ein unfassbar unterhaltsamer, fresher, über alle Maßen witziger Film, der das Publikum sofort mitreißt und sein Genre total unterhält.

Uns taten die Bauchmuskeln weh vom vielen Lachen, von der Heftigkeit der „Jokes“ und dem ganzen grausamen Brimborium … und ich muss euch an dieser Stelle ein klein wenig spoilern:

Der ganze Shit wird immer abgefuckter und ist einfach mal fucking real.

Es ist wahr.

Facepunch.

Die Welt ist grausam? Irgendwas schlimmes passiert? Blabla – alles schon mal gehört.

Geht fucking nochmal in diesen Film und schaut einmal hin. Glaubt mir, es ist witzig … und gleichzeitig ein heftiger Schlag in die Fresse.

Denn: Anschließend geht ihr ins Netz und schlagt nach, recherchiert einige Zeitungsbeiträge von seriösen Medien (und damit meine ich keine BILD-Pendants aus der Schweiz) und dann fällt euch einiges auf.

Patryk Vega ist in Polen mittlerweile ein gefeierter Regisseur (verdient!) und hat im Presseheft zum Besten geben, dass er Einblicke in die Materialien hatte – also das Originalmaterial … und daraus einen Film gemacht, der einem den „Spielfilm“ nur vorgaukelt, weil so eine Scheiße sowieso niemand glauben würde.

Und nachdem ihr dann aus dem Film raus seid, fragt ihr euch mal, wieso die beiden sich auf der öffentlichen Bühne immer so „seltsam“ begegnen…

Wer?

Russland.

Und die USA.

Und dann zählt 1:1 zusammen und legt euch den Film in euer Regal. Ist quasi ne „Gebrauchsanweisung“, um heutige Korrelationen zu verstehen, die sich da draußen abspielen. Alles deutet darauf hin, dass genau die beiden gemeint sein könnten.

Der witzigste Facepunch, den ich je in meine Cinema-Fresse gekriegt habe… mit einer unerträglichen Dosis Wahrheit: Noch nie haben menschliche Abgründe so viel Spaß gemacht und gleichzeitig so heftig weh getan.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht weiter abgewartet zu werden, irgendwann reicht’s.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Pętla
Length: 105 Min.
Rated: FSK 18

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Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas

Ausgrissn! - Filmplakat
© 2020 Majestic Sunseitn

Es läuft nicht immer alles nur so, wie’s einem die Alten vorgeben … genau das beweisen Julian und Thomas Wittmann in ihrem neuen Film: Ausgrissn! auf valide Art und Weise, und zwar vor und hinter der Kamera.

Die beiden haben sich nämlich eines Tages auf den Weg gemacht und wollten einfach die Freiheit finden… daraus wurde ein Filmprojekt, über das die „Großen der Filmindustrie“ bereits gesagt haben: „Lasst den Schmarrn“ – und die Jungs haben sich geantwortet: „Naa, des machmer jetz oifach.“ – und BÄM, steht auf einmal ein Movie auf der Leinwand, von dem sich die big productions ne fette Scheibe runterschneiden können.

Ausgrissn! ist nicht nur ein Film, sondern wird förmlich zu einem Kult, da hier nicht nur eine Geschichte der zwei Buam erzählt wird, sondern man auch eine gewisse Weltanschauung in Frage stellt und sich auf die Suche nach Alternativen begibt. Dabei werden die konservativ-kritischen Eigenschaften der ländlichen Bevölkerung genauso ins Boot geholt, wie die draufgängerischen Verrücktheiten der Gestörten-Fraktion, die aus altbekannten Weltbildern ausbrechen und einfach die Dinge anders machen wollen. Und da sage ich mal schlicht und einfach: Willkommen im Club.

Gedanken wie „Boah, noch ein Reisefilm“ etc. könnt ihr euch direkt stecken, auch wenn die anfangs vielleicht vorhanden sein sollten: Dieser Sache nehmen sich die Zwei in ihrem neu erschaffenen Genre „Spielfilmdokumentation“ direkt an und bilden hier einen wunderbaren Rahmen aus erzählerischen und fiktiven Elementen, die miteinander verflochten etwas in Perfektion erledigen: Den Nagel auf den Kopf treffen.

Noch nie hat man ganze Landstriche durch ein paar Protagonisten so perfekt beschrieben und ist dabei so immens schnell in einer ergreifenden Story gelandet, die tatsächlich die richtigen Fragen stellt und dabei niemals vergisst, übermäßig viel Herzblut, Seele und Leben in ihre Arbeit zu stecken: Man kümmert sich nicht mehr um die bekannten Instagram-Klischees, sondern fängt wunderbar an zu leben, zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und aus all dem auszubrechen, was einem oftmals von „Omi und Opi“ mitgegeben wurde.

Dass dabei jetzt kein Generationenkonflikt-Gespräch entsteht, sondern auch die Sorgen der „Niedergelassenen“ berücksichtigt werden, zeigt, mit wie viel Umsicht die beiden während ihrer physischen und mentalen Reise umgegangen sind.

Wie sagte mir die Dame vom Verleih? „Die Zwei sin der Kracha“ – und davon durfte ich mich längst persönlich überzeugen, als sie in München im Kino Mond und Sterne-Freilichtkino ihren Streifen vorgestellt haben.

Thomas Wittmann (links), Ben von .kinoticket-blog.de (Mitte) und Julian Wittmann (rechts) auf der Präsentation von Ausgrissn! im Kino, Mond und Sterne in München | © 2020 https://www.kinoticket-blog.de | Andrea Hailer

Wie man am tosenden Applaus nach der Vorstellung bemerken konnte: Die Movie-Obermacker hatten Unrecht: Diese Kombination funktioniert hervorragend und hat das gesamte Publikum begeistert!

Also tut euch selbst einen Gefallen, sucht euch die Tourdaten auf der Homepage des Films raus oder schaut, in welchem Kino ihr den Streifen abgreifen könnt – und gönnt euch die Tour und den ganzen Spaß auf der großen Leinwand: Selten hat es sich so sehr gelohnt, ins Kino zu gehen, wie hier.

Das Herzblut und die Filmseele triefen aus allen Poren und verpacken diese neue Idee in frische Gewänder: Bayerisches Dokutainment mit viel Innovationsgeist und Mut zu neuen Ideen und Lebensweisen.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Es lohnt sich, bis ganz zum Schluss sitzen zu bleiben!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)

Soundtrack: https://amzn.to/3bzTV7Z