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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tea with the Dames – Ein unvergesslicher Nachmittag

Tea with the Dames

© 2019 KSM

Ich bin am Ende all meiner Worte!

Wie beschreibt man ein Werk, dass sich im reißerischen Kampf des gegenseitig konkurrierenden Unterhaltungskapitalismus als eigenständige Filmperle aus der Masse emporhebt ohne dabei viel Aufhebens um sich selbst zu machen, sondern demütig einfach nur “da ist”?

Was euch bei Tea with the Dames geboten wird, ist wahrlich eine Filmperle – ein Must See, das sich keiner von euch im Kino entgehen lassen sollte. Ganz gleich, welche Fehler die Plakatgestalter, Plot-Beschreiber oder PR-Agenturen gemacht haben: Jedwede Logik, mit der man nicht angesprochen werden könnte, schädigt nur das Werk – was mich zurück zu “Ich bin am Ende all meiner Worte” führt: Ich möchte mit meinem Gerede nichts kaputt machen, sondern hoffe nur inständig, dass ihr euch von dem famosen Positiv-Bombardement anstecken lasst und dabei ganz nebenbei in die britische Film- & Theatergeschichte abtaucht, die euch vier wirklich hochkarätige Damen zum Besten zu geben.

Dies ist eine besondere VIP-Einladung, an einem ganz gemütlichen Nachmittags-Tee teilzuhaben und ich bin mir sicher, jeder, der sich darauf einlässt, weiß hinterher, welchen Wert diese Einladung hatte und dass die mit dem Erlös des .kinotickets längst nicht vergolten ist. Man bekommt so viel mehr und ist einfach nur überwältigt.

Lange nicht mehr so großartige, beflügelnde und positivstrebende Lebenskraft erlebt wie in diesem Stück.

Bestraft euch nicht damit, es nicht zu erleben, sondern geht rein!

.kinoticket-Empfehlung: Ohne Worte!

Rein! Gar nicht drüber nachdenken – Rein! Was anderes gibt’s nicht! Egal, wirklich egal, was irgendwas sagt – auch dein Bauchgefühl … REIN!

Nachspann
❌ muss man nicht zwingend abwarten, es folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 25. April 2019

Original Title: Tea With The Dames
Length: 84 Min.
Rated: FSK 0

Avengers: Endgame (3D)

Avengers - Endgame

© 2019 Marvel Studios

Es ist das heiß erwartetste Filmevent des ganzen Jahres überhaupt: Avengers: Endgame stellte bereits in Sachen Marketing Weltrekorde auf. So wurde beispielsweise der .trailer innerhalb von 24 Stunden über 289 Millionen mal aufgerufen. Auch in Deutschland feiert man einen Rekord: Innerhalb der ersten 24 Stunden waren bereits 105.000 Tickets im Vorverkauf an Zuschauer weitergegeben worden. Und das, obwohl nicht mal alle Kinoketten bis zu dem Zeitpunkt überhaupt in der Lage waren, Tickets für den Film anzubieten, da diese noch in den Verhandlungen mit Disney steckten.

Das Ausmaß ist irre – und der Run auf den Film wird mit Sicherheit weitere Rekorde brechen und auf ein Niveau steigen, dass so schnell nicht zu überbieten ist.

Ich denke, auch bei Marvel war man sich dieser Tatsache bewusst und hat deshalb mit nichts gespart: Avengers: Endgame, den ich bereits gestern vormittag sichten durfte, bricht tatsächlich Grenzen und kommt an ein Oberniveau, das ich fast schon als “final” bezeichnen möchte: Hier wissen alle, dass man nun nicht weiter braucht, dass dieses epische Finale tatsächlich ein Abschluss bildet und der Einschlag ist phänomenal!

Ich erspare euch an dieser Stelle eine erneute Aufzählung der Avengers-Filme und verweise dezent auf die kürzlich erschienene Captain Marvel-Kritik, in der ich die Phasen bereits schon einmal aufgelistet habe: Nach 21 Filmen in diesem Universum arbeitet man nun auf einen epischen Abschluss hin und beendet anschließend mit Spider-Man: Far From Home die dritte Phase.

Und ja, hier bleiben dir wirklich Mund, Augen und Ohren offen stehen und die ganze Zeit rinnen Tränen über dein Gesicht: Das Versagen aus Avengers: Infinity War sitzt tief in den Knochen und es ist überwältigend, mit welcher dramaturgischen Bedeutsamkeit man hier auffährt und sich wirklich für alles und jeden Zeit nimmt, um die Bedeutungsschwere auch ausreichend zu zelebrieren.

182 Minuten ist nicht nur der längste Marvel-Film überhaupt, sondern stellt für viele Kinobesucher selbst eine große Herausforderung dar, zumal bislang in keinem Kino bekannt ist, dass der Film mit Pause gezeigt werden soll. Diese Entscheidung, die ich bereits von einigen im Vorfeld verurteilt gehört habe, ist in meinen Augen absolut richtig: Man kann hier keine Pause machen, ohne den Film maßgeblich zu zerreißen und auch die Produzenten haben sich dazu schon geäußert: Man möchte keine unnötig in die Länge gezogenen Filme generieren, sondern Spannung liefern, die es dem Zuschauer unmöglich macht, irgendwann aufs Klo zu gehen, da er dann maßgebliche Teile des Films verpasst.

Genau dies ist bei Avengers: Endgame auch der Fall: Es fühlt sich längst nicht nach 3 Stunden an, sondern ist in meinen Augen viel zu schnell vorbei: Diese monströse Laufzeit entpuppt sich viel mehr als “ganz normaler Film”, bei dem man einfach weniger trinken sollte bzw. ganz auf Flüssigkeiten verzichten, sofern dies keine gesundheitlichen Probleme bereitet.

Achja: Verzichtet auf Popcorn. Und schaut mich nicht so komisch an, weil ihr gerade bei diesem Event so richtig “ins Kino eintauchen wolltet mit allem, was dazu gehört”: Tut’s einfach. Nehmt irgendwas “geräuschloses” mit in den Saal, wenn ihr unbedingt futtern möchtet. Spätestens nach der ersten Stunde werdet ihr wissen, warum.

Ich bin immer noch maßlos beeindruckt über die Tragweite und Bedeutsamkeit, mit der hier auf emotionaler Basis ein Superhelden-Machwerk an seine Grenzen geführt wird, ohne irgendwelche nennenswerten Nachteile zu generieren: So viele Momente epischen Ausmaßes, so viele Tränen, so viel Glück, so viel Superlative, so viel technisch beeindruckende Perfektion in einem Movie vereint: Dieser krönende Abschluss ist der legendäre Beweis dafür, dass sich Blockbuster und erzählerischer Tiefgang nicht ausschließen!

Ich predige seit Jahren, dass Marvel eines der wenigen Studios ist, die alles vollkommen richtig gemacht haben und halte an diesem Satz auch nach diesem Film weiterhin fest: Alles komplett richtig gemacht!

Die Enttäuschung vieler, die bei Captain Marvel aufkam, weil man sich aus den Comics über die Stärke des Charakters im Klaren war und eben jene Epicness nicht in dem Film zu finden schien, unterstreicht meine Vorstellung erneut, dass der Charakter nur für Endgame eingeführt wurde und als “Lückenfüller” galt – und somit nachträglich bewiesen ist, dass auch hier alles richtig gemacht wurde und nicht schon vorher das halbe Feuerwerk verschossen.

Diese Show ist wirklich einzigartig und sie zerbricht fast an ihrer Größe und heroischen Macht, stellt gleichzeitig aber auch herausragende Vorbildfunktionen auf die Bildfläche und liefert somit eben keinen “blöden amerikanischen Übertreibungsfilm”, sondern setzt sich mit Story auseinander und ergründet nachahmenswertes menschliches Verhalten, das in diesen Situationen aus jedem einen Superhelden machen kann.

Genau diese Momente sind es, die Avengers: Endgame zu einem wertvollen Meilenstein der Kinogeschichte werden lassen: Wenn man keine Worte mehr braucht, um die Dinge zu erklären. Es ist so überwältigend, diesen omnipräsenten Schmerz zu spüren und die Kriegsmüdigkeit auf der Leinwand zu sehen, die viele in heutigen Zeiten auch im echten Leben verspüren: Dabei gibt dieser Film Kraft, baut auf und zeigt, dass es aus der ganzen Sache ein Entrinnen gibt … auf tragische Art und Weise.

So schnell wird der Film garantiert nicht aus den Kinos verschwinden: Nutzt eure Chancen und sucht euch bewusst einen großen, lauten, breiten Saal aus und bucht Plätze in der Mitte: Je größer, desto besser. Alles andere nimmt dem Film die Macht, die er braucht, um sich wahrhaftig zu entfalten.

Und nehmt Taschentücher mit. Ihr werdet sie brauchen!

.kinoticket-Empfehlung: Episch, episch, episch.

Mir fällt kein anderes Wort ein, um das zu beschreiben: Der Beweis, dass sich Blockbuster und epischer Tiefgang nicht ausschließen, dass man trotzdem eine tiefgreifende Geschichte erzählen kann und heroische Action um sich rum toben lassen darf: Marvel hat alles richtig gemacht und führt seine 21-Filme-Vorarbeit nun zu einem gigantischen Finale, dessen ruhmreiche Tragweite noch sehr lange nachhallt und jede einzelne Minute wertvoll lässt.

Nachspann
Ratet mal … und diesmal ist bewusst kein Bildchen da. Oder anders gesagt: ✅ ❌ – eins von beiden ist richtig 😉

Kinostart: 24. April 2019

Original Title: Avengers: Endgame
Length: 182 Min.
Rated: FSK 12

Lloronas Fluch

Lloronas Fluch

© 2019 Warner Bros. Ent.

Poster anschauen – checken, dass das hier “Horror” ist … in Verbindung mit “Kino” und wir sind raus. Richtig?

Jap – Horror hat es als Genre ungemein schwer in den großen Sälen, obwohl diese sich so perfekt für Grusel eignen und man durch schreckhafte Handlungen und unkontrolliertes “Knacken” aus den dunklen Reihen irgendwo sogar noch perfekt von anderen beeinflusst werden könnte – und dennoch schreibt man grandios miese Zahlen, was den “Erfolg” dieses Genres auf der großen Leinwand angeht.

Dazu gesellt sich das neue Phänomen, dass nicht mehr nur ein einziger Film präsentiert wird und man bombastischen Erfolg einerntet, sich dann irgendwann ein zweiter dazu gesellt, der den Hype wieder aufleben lassen, sondern man gleich ein ganzes Universe erschaffen möchte, das bereits dafür ausgelegt ist, Stoff für die nächsten Jahrzehnte zu haben und man eben gleich nach Serien-Manier jeden einzelnen möglichen Handlungsstrang mit einem eigenen Movie ausschlachtet.

Mit Conjuring startete ein solches Universe, das weltweit mit einem Einspielergebnis von lächerlichen 1,57 Milliarden US-Dollar zu den erfolgreichsten Horror-Franchises ever zählt. Im Vergleich dazu: Marvel zählt mit seinem Marvel Cinematic Universe und einem Einspielergebnis von ca. 18,6 Milliarden US-Dollar ebenfalls zu den “weltweit erfolgreichsten” und liefert hierbei schon sechs (!) Filme, die alleine jeweils über 1 Milliarde Dollar einspielten – fast so viel, wie das komplette Conjuring-Universe insgesamt.

Daran merkt man, wie schwerfällig sich dieser eigentlich so wunderbare Unterhaltungszweig im Kino tut und ich verstehe bis heute nicht, warum eigentlich. Normalerweise dürften genügend Horror-Liebhaber da draußen rumlaufen, denn sonst würden FSK-18-Fansites nicht blühen und grünen und der Verkauf von “Unter der Hand”-VHS damals, VoD heute dürfte nicht so gut von statten gehen. Schämen sich die Leute so sehr, sich in der Öffentlichkeit zu fürchten und zu erschrecken, dass dies wirklich einzig aufs Heimkino beschränkt bleibt, wo der meiste “Horror” tatsächlich anhand mangelhafter Technik schon von allein verpufft?

Aber zurück zum Conjuring-Universe und einer für euch liebevoll zusammengetragenen Zusammenfassung der bisherigen “Stars” dieser “Reihe”:

James Wan startete mit Conjuring – Die Heimsuchung und lieferte ebenfalls Conjuring 2, was von Annabelle und Annabelle 2 begleitet wurde. Anschließend startete man den “Siegesfeldzug” mit dem legendären The Nun, der bislang als der erfolgreichste Film dieses Universums galt, gefolgt von Michael ChavesLloronas Fluch, der sich ebenfalls in das Dämonoligium einreiht. Selbiger Regisseur soll übrigens in Zukunft für Conjuring 3 verantwortlich sein, dem aber noch Annabelle 3 als “Begleiterscheinung” folgen wird… der Zug nimmt also langsam Fahrt auf.

Wen das alles verwirrt: Merkt euch einfach: Dämonen, böse Geister, allerlei dunkles Gestaltenzeugs und jede Menge Schreckmomente. Genau das ist es auch, was Lloronas Fluch ausmacht und (zumindest anfangs) tatsächlich wieder den guten klassischen Jump-Scare neu belebt. In Folge wird der Film dann zwar stellenweise langweilig, weil der eigentlich perfekte Nährboden von Angst und Schrecken mit den immergleichen Mythen und Funktionsweisen gefüllt wird, die in den 90ern tatsächlich funktioniert haben und die insofern fast schon ein bisschen Horror-Nostalgie hervorrufen und eben jene Fraktion begeistern dürften.

Ein abwechslungsreiches Filmplädoyer liefert aber auch dieser Teil der Reihe nicht, sondern verlässt sich zu sehr auf bereits Dagewesenes und statt der willkommenen Befreiung eines ganzen Genres übt man sich wieder in Enthaltsamkeit in punkto Kreativität und Freiraum.

Dabei ist hier ganz viel Luft nach oben, denn die alleinige Befriedigung alter Tage allein reicht heute für den Gang ins Kino kaum noch aus. Fürs Übersehen werden liefert der Film aber trotz allem zu viel Atmosphäre, als dass man sich den Besuch dann doch entgehen lassen sollte.

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nicht zu viel, sondern stellt euch auf gemütlichen, klassischen Horror ein, der die Jump Scares neu belebt, sie funktionieren lässt und dann durch immerdare Wiederholungen zurück in den Tod schickt.

Atmosphäre ist da, die Bilder reizen auch, aber man kränkelt an zu viel Klassischem, als dass man hier von dem Revival traditionellem Horrors sprechen könnte – dafür muss in Zukunft einfach mehr kommen.

Nachspann
❌ Muss man nicht zwingend aussitzen, auch wenn der Glaube daran groß ist: Er wird enttäuscht werden.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: The Curse of La Llorona
Length: 94 Min.
Rated: FSK 16

Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit

Van Gogh

© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Hier schrieb ich einst über den Künstler Julian Schnabel und war begeistert von seinen Werken und dem Schaffen, dem er sich verpflichtet hat. Nun ist “Kunst” immer so etwas, das fern irgendwo in angestaubten Museen oder auf irgendwelchen historischen Vergangenheitsausstellungen bewundert werden durfte und dem die aktuelle Zeitgesellschaft nie so richtig die Würde abverlangt, die es auch verdient.

Oftmals gelangen Worte wie “Ja, das hätte ich damals machen müssen, als es aktuell war” ins Hirn, wenn man sich dann Abhandlungen und Gedankengänge darüber durchliest und fühlt sich einfach der Sache so fremd wie eh und je. Außer, man ist Kunstliebhaber und macht den ganzen lieben langen Tag nichts anderes, als sich in diesen Gefilden rumzutreiben.

Nun: Time has come … ihr könnt einem aktuellen Kunstwerk Schnabels beiwohnen, indem ihr eure müden Gebeine in einen der kunstvoll ausgestatteten Kinosäle hievt und euch dort niederlasst – mit einem Papierschnipsel in der Hand, auf dem Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit steht.

Aber lasst euch gesagt sein: Dies hier ist Kunst, keine entartete Unterhaltungsform des spielerischen Entertainments: Ihr werdet gequält. Irgendwo auf positive Art und Weise.

Es geht – ihr habt es unlängst erraten – um Van Gogh und dessen Machenschaften, ebenfalls ein nicht unbekannter Künstler, der es in der Geschichte der Menschheit zu zweifelhaftem Ruhm brachte und oft auf das Abtrennen eines Körperteils reduziert wird – dabei bewegte diesen Mann so viel mehr.

Schnabel hat hier gewissermaßen die Befangenheit, den gequälten Geist in seiner Machform auf den Zuschauer gelegt und quält ihn damit durch die Zeit, ohne dabei von gutem Stil und gekonnten Bildern loszulassen: Dieses Werk ist überragend in seiner vereinnahmenden Klasse und zugleich enorm kräftezehrend und tragend: Nicht umsonst hat man diese Fügung mit einer Oscar-Nominierung bedacht.

Und ich stelle mir vor, wie schwierig es für Ausnahmetalent Willem Dafoe gewesen sein muss, dieser absurden Persönlichkeit solches Leben einzuhauchen und dabei nicht selbst kaputt zu gehen. Es ist definitiv ein sehenswertes Momentum, bei dem niemals vergessen werden darf: Ihr seid in einer Kunstausstellung – nicht im Kino.

.kinoticket-Empfehlung: Großartig gespielt, zu Recht von der Academy nominiert und mit unglaublich übertragensreicher Gestik aufs Publikum gestülpt: Man spürt förmlich die geistige Kaputtheit durch unerträgliche Schwere und intellektuelle Qual – was das Werk an sich trotz allem meisterlich emporhebt und ein großartiges Kunstwerk darstellt: Einer Zusammenfügung animierter Bilder, die das Porträt eines Künstlers wiedergeben – geschaffen von einem Künstler.

Schnabel genießt auch bei mir hohes Ansehen – und trotzdem hatte ich enorme Probleme damit, diese Krudheit auf der Leinwand zu ertragen – genau das Gefühl, das er vermutlich ausdrücken wollte.

Nachspann
✅ bleibt sitzen – es hat einfach eine faszinierende Wirkung.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: At Eternity’s Gate
Length: 111 Min.
Rated: FSK 6

Der Fall Collini

Der Fall Collini

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Es soll der Film sein, der Elyas M’Barek aus seiner schauspielerischen Nische reißt und für ihn die große Kehrtwende bedeutet, doch der Film macht in meinen Augen einige Dinge grundlegend falsch.

Punkt 1: Heiner Lauterbach. Versteht mich nicht falsch: Dieser Kerl ist DER Hauptgrund überhaupt, um in den Film zu gehen. Angesichts der “Ich befreie mich von meinem Image”-Aktion, die M’Barek aber starten möchte, ist es ziemlich … naja … ungelegen, dass ein so großartiger und grandios exzellent spielender Heiner Lauterbach an seiner Seite spielt – und einfach alles und jeden im Film an die Wand zimmert!

Leute: Egal, was ich über diesen Streifen sage: Geht in den Film – nur Heiner Lauterbachs wegen! Im Ernst: Solch eine hohe Kunst der Darstellung habt ihr von noch keinem deutschen Schauspieler je gesehen!

Punkt 2: Der Film kommt vieeeeel zu spät auf den Punkt, was überhaupt Sache ist und worum es eigentlich geht – und zieht sich damit zu Beginn einfach unglaublich in die Länge. Man wird hingehalten, die Dialoge sind fad, es ist alles viel zu langsam und zähfließend und kommt nicht voran. Die Spannung wird erst in den letzten 20 Minuten aufgebaut, in denen der Film dann tatsächlich komplett großartig wird – aber bis dahin vergeht viel zu viel Zeit und man verspielt viel zu viel Sympathie des Publikums.

Punkt 3: Das Setting, die Kamera, die “Boxed Pictures”, die uns hier präsentiert werden, lassen mich das Ding eher als ARD-Themenabend erleben als als wirklich Kinofilm wahrnehmen: Hier fehlen viel zu viele 16:9-Shots, die einen tatsächlich glauben lassen, man wäre im Kino und die Blickfläche oder Totale dementsprechend erweitern, als dass man aus dem TV-Kasten heraus- und wahrhaftig die Bühne der Big Screens betritt: All dies findet nicht statt und man bewegt sich damit zu wenig weg vom Fernsehgut und zu wenig in Richtung Kino. Auch hier: Potenzial unglaublich verschenkt.

Punkt 4: Sidecasts und Nebenrollen wurden meiner Meinung nach “schlecht vergeben”: Es hat den Anschein, als lebe man in seiner eigenen kleinen Blase von Welt, aus der man nicht heraus möchte und in der alles gefälligst so zu sein hat, wie wir es aus den öffentlich-rechtlichen Krimis kennen: Auch hier ist mir zu wenig Weitblick für ein breiteres Publikum im Kino und zu sehr fixierte TV-Affirmationen gemacht worden, als dass ich das Werk in seiner Gänze lobpreisen würde.

Aber es gibt auch Punkte, die den Film absolut sehenswert machen:

Heiner Lauterbach!

Serious, ich mein das todernst: Geht da rein und lasst euch das nicht entgehen! Der Hammer!

Das Thema an sich – sofern es denn endlich zum Tragen kommt, gehört angesprochen, gehört diskutiert und reißt eine Schneise von Diskussionsbedarf und Aufarbeitung in die Luft, wo hier tatsächlich Kino wieder als richtiger “Ansprechpartner” genutzt wurde. Die sich aus dem Kontext ergebende Moral des Films ist absolut zu würdigen und bedarf noch mehr solcher Kinofilme, um vielleicht sogar echte Fälle auszugraben und zu verfilmen, damit darüber endlich gesprochen wird.

Was hier aufgedeckt wird, ist tatsächlich skandalös und eben keine “reine Fiktion”, sondern basiert auf unzähligen Fällen, die vor Ungerechtigkeit seit Jahren zum Himmel schreien.

Und neben all dem geht M’Barek halt irgendwie sang- und klanglos unter, obwohl er eigentlich keinen schlechten Job abliefert und am Ende sogar gut in der Kamera aussieht und man vergisst, wer er jemals war: Das Ding hapert an zu großen Spannweiten zwischen der Exzellenz von Lauterbach und dem kompletten Rest und einem zu schlecht geschriebenen Dialoge-Drehbuch, dass sich der Story allgemein einfach zu stümperhaft und damit viel zu spät annimmt, um hier wirklich eine weitreichende Tragweite auszubauen, die dem Zuschauer auch danach noch jahrelang im Hirn haften bleibt.

.kinoticket-Empfehlung: Heiner Lauterbach ist großartig und liefert alle Gründe, in diesen Film zu gehen.

Der Rest scheitert ein wenig vor sich hin, man kommt zu spät auf den Punkt, M’Bareks große Wende geht vor vielen kleinen Misserfolgen des Films ein wenig unter und die magnetische Anziehungskraft des Fernsehens hat noch eine zu große Wirkung, als dass man hier wirklich von einem großartigen Kinofilm sprechen kann – auch wenn das Thema löblich gewählt und am Schluss auch hervorragend ausgearbeitet und umgesetzt wird.

Dies hätte man aber schon viel eher beginnen müssen, was trotzdem kein Grund ist, nicht in diesen Film zu gehen – denn (say it with me): Heiner Lauterbach!

Nachspann
❌ muss nicht abgewartet werden, nach den Abspann-Sätzen folgt nichts weiter.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: Der Fall Collini
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12

Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

Alfons Zitterbacke

© 2019 X Verleih

Alfons Zitterbacke kennen wohl viele DDRler noch aus Kinderzeiten. Einst von Gerhard Holtz-Baumert erfunden, erfreute er seit 1956 die heranwachsenden Generationen mit seinen Lausbubenstreichen in Buch- und später auch Filmform und repräsentiert damit die Kultur der “Generation Ost”. Ein Thema, das durch sehr subjektive und lückenhafte Wahrnehmung heute vielerorts als “Kult” gefeiert wird, von dem viele Fans gar keine Ahnung haben, wie es wirklich war.

Natürlich wird erzählt, wie schön man damals gemeinsam zusammengesessen hat, wie Familie und Werte gelebt wurden, wie niedrig die Arbeitslosenquote war und dass die Kinder romantisch verträumt gemeinsam auf Bäume geklettert sind und gespielt haben, aber kurioserweise grenzt man all die tödlichen Fakten dabei immer aus, die ebenfalls zu diesem Regime und dieser Zeit gehörten und zu denen Florian Henckel von Donnersmarck sich hervorragend in Das Leben der Anderen geäußert hat.

Doch all dies soll die in der Ost-Kultur ertrunkenen Nostalgiker nicht weiter beschäftigen, denn hier wird diese Tradition hoch gehoben und erneut auf die Leinwand gebracht: Und der Osten feiert es.

Ich war als Gast zugegen, als der Film im CinemaxX Halle seine Premiere feierte und alles, was Rang und Namen hat, auflief – inkl. einem Ministerpräsident, dem auch im Saal das Wort gegeben wurde und der sich dabei höchst peinlich blamierte. Gerade von Regierungsbeamten erwartet man eigentlich, dass der Wille zur Vereinigung und der Schub in Richtung “Einheit” gesprochen wird und keine Aussagen à lá “Die da drüben denken nämlich immer, das waren sie, dabei waren wir das!” vor tausenden von Menschen ausgesprochen werden – der pure Hass, bei dem eigentlich nur noch die physische Mauer fehlt, um das geteilte Deutschland wieder in Vollendung vor sich zu haben. Sorry, aber sowas ist komplett daneben und einfach die vollkommen falsche Botschaft – und ein lebhaftes Zeugnis davon, dass die Mauer in den Köpfen vieler Menschen eben immer noch existiert und keinesfalls vollständig abgeschafft wurde.

Damit verratet ihr übrigens euer Land und großartige historische Errungenschaften – das aber nur am Rande. Sowas geht gar nicht! T’schuldigung.

Doch mal zurück zum Film: Zitterbacke wurde mit Tilman Döbler konsequenterweise neu besetzt, der erneut den kleinen Lebemann spielt, der sich durch nichts und niemand unterkriegen lässt. Dabei werden ihm prominente Menschen aus allen Erdteilen und sogar dem All an die Seite gestellt, was das Unterfangen grad für die jüngere Riege im Kino echt sehenswert macht: Die Inszenierung wirkt nämlich alles andere als billig und gedreht wurde tatsächlich mit dem echten, wahren und sich wirklich ohne Green-Screen im All befindlichen Alexander Gerst von der Raumstation ISS.

Eine logistische und terminliche Meisterleistung, die tatsächlich gewürdigt werden darf und der ich großen Respekt abzolle, denn die Jungs haben da oben sicherlich besseres zu tun als Spielfilme zu drehen. Umso cooler, dass man den Kids nun so etwas vorsetzt und hier eine eigentlich echt tolle Story erzählt, die sich tatsächlich mit familiären Werten schmückt und anständige Moral in sich trägt.

Mir persönlich gefällt nur der zu sehr auf Ost-Mentalität ausgerichtete Wertefokus nicht so sehr, der zwar sehr herkunftsgetreu ist, aber in einer global agieren-müssenden Welt eher fehl am Platze ist und für Disharmonie sorgt, statt für gutes Beisammensein. Und damit sind die Dinge allenfalls fragwürdig, die hier gepredigt werden … und wie das dann von Erwachsenen aufgenommen und weitergegeben wird, sieht man an dem unglaublich traurigen Bild dieses Ministers.

.kinoticket-Empfehlung: Alte Ost-Tradition und Kultfigur aus der Kindheit vieler DDRler zurück ins Leben gerufen um mit neuen Abenteuern die Leinwand zu beleben.

Die Frage ist, was genau das bringt, wenn man wieder beginnt, sich so hermetisch abzuschotten und gegen den Rest der Welt kämpft, während überall die Grenzen aufgehen und wir damit beginnen sollten, gemeinschaftliche Werte zu erarbeiten, in denen eine zukünftige Gesellschaft leben kann.

Für Nostalgiker perfekt, als Lehrbuch für die Zukunft eher weniger zu gebrauchen.

Nachspann
✅ Bitte nicht rausgehen, hier folgt noch ein ziemlich cooles Musikvideo und ein saftiger Abspann.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0

Und abschließend noch ein paar Eindrücke von der Premiere des Films im CinemaxX Halle vom 6. April 2019.

After Passion

After Passion

© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Jetzt wird’s hart: Wie soll ich euch nichts verraten und gleichzeitig beibringen, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr hier rein geht?

Das Ding wurde u.a. in der BRAVO Preview released – und genau da gehört es meiner Meinung nach auch hin: Fifty Shades of Grey gepaart mit Twilight für Kinder. Ehrlich gesagt hab ich den ganzen Film drauf gewartet, dass entweder dem Typen endlich Vampirzähne wachsen oder sich der Cast kolossal verspricht und auf einmal Edward/Christian und Bella/Anastacia sagt.

Ist nicht passiert, keine Sorge – jedoch habe ich mir von Leuten, die die Bücher kennen (ja, es gibt mehrere [insgesamt 7!!! Sieben!!! 😳😳😳] – ihr wisst, was das heißt), bereits sagen lassen, dass die filmische Umsetzung im Vergleich zu dem lüsternen Verlangen zwischen den beiden einfach grottig sein soll und somit absolut nicht an die “literarische Vorlage” heranreicht.

Tatsächlich befriedigt man hier auch die Maximal-14-jährigen und darüber hinaus absolut niemanden mehr: Die finden den Typen süß, die finden das Girl “familiar” und können sich mit den Gefühlen und Elementen sehr gut identifizieren, insofern sie nicht bereits mit “Bildung” infiziert wurden. Aber da kommt dann die Fifty Shades of Grey-Komponente ins Spiel…

So arglistig, wie man hier mit Begriffen wie “Bad Boy” um sich wirft, obwohl es einfach nur ein absolut realitätsferner Schnuckel ist, so falsch liegt man, was den Bezug zu realen Gefühlen und Optionen angeht. Und ich habe noch niemals so eine unrealistisch schlechte Mutter spielen gesehen – noch nicht mal im schlimmsten Assi-TV.

Und das soll was heißen, wenn selbst meine Lieblingsdeutschsprechdarsteller niveautechnisch noch darüber stehen!

Was man dem Film lassen muss: Er funktioniert (in seiner Altersklasse sogar genauso gut wie bei unsereiner damals besagter Sadomaso-Film) und Mr. Hero Fiennes Tiffin (ja, der heißt wirklich so!) spielt seine Sache absolut überzeugend und unglaublich gut! Dass der Film um ihn herum so scheiße gebaut ist, dafür kann er ja auch nix und wer als Eltern sein Kind zwingend “Hero” nennt, der muss ihn quasi schon an solche Produktionen abgeben (Hallo, Ralph Fiennes ;-)).

Damit landen wir bei einem Versprechen meinerseits: Ich werde mir das erste Buch kaufen und es lesen (!) und dann meine Meinung zu den Büchern eventuell revidieren, der Film selbst landet aber womöglich nur in jedem Teenie-Regal aus den gleichen Gründen, weshalb dort auch die Shades-Trilogy gelandet ist: Keine Ahnung!

Also geht ruhig ins Kino, dann habt ihr wenigstens gemeinsam Spaß. Aber gevögelt wird erst zu Hause. Klar?

Danke!

.kinoticket-Empfehlung: Nach dem durchschlagenden Erfolg von “Fanfiction-Twilight-FiftyshadesofGrey-Schnuckels” sind nun die Kinder an der Reihe und bekommen ihre Lustdrüsen aufgepumpt: Hier wird auf BRAVO-Niveau aufgefahren, was man unsereiner damals als Sadomaso-Orgie im Kino verkauft hat: Pure Lust (schlecht gespielt)!

Damit müsst ihr leben, denn die Kids schauen’s sich begeistert an und machen euch damit genau das nach, was ihr mit Christian und Anastacia praktiziert habt. Retourkutsche auf die sexuelle Art.

Über “Plot” brauchen wir nicht reden, Hardin spielt seine Rolle extrem überzeugend, den Rest kann man quasi per se in die Tonne kloppen – aber auch da holen die Kids es wieder raus und stellen’s zurück ins Regal.

Pech gehabt – damit müsst ihr nun leben. Und wenn’s ein Erfolg wird (und das ist es quasi jetzt schon) warten bereits 6 (Sex!) weitere Bücher darauf, verfilmt zu werden. Hoffentlich werden die Darsteller dafür nicht zu schnell zu alt 😉

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: After
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0

Christo – Walking on Water

Christo

© 2019 Alamodefilm

Christo – In der Kunstszene ein bekannter Hund, der schon vielerorts für Aufsehen mit seinen Kunstwerken gesorgt hat und den man auch als Szene-Nicht-Insider schon mal durch irgendein Projekt zu Gehör bekommen haben dürfte. Und der Typ ist es leid, auf seine Reichstagsverhüllung reduziert zu werden, sondern er möchte mit seiner Kunst viel mehr ausdrücken.

Und dabei spielt er alles aus, was man akribischen Künstlern so gerne vorwirft: Er ist menschlich oftmals gelinde gesagt einfach ein “Arsch” und gibt dabei der Menschheit so viel, dass sie zu Millionen Scharen anreisen, um seine Kunstwerke zu bestaunen und zu erleben.

Christo – Walking on Water fängt dabei das Bild Christos sehr realistisch und naturnah ein und spiegelt wieder, wovon viele eben nichts mitkriegen: Den Hintergrundabläufen und der vollständigen Persönlichkeit, auch den Momenten, wenn keine Kameras laufen und kein Massenpublikum auf irgendwelchen Gala-Dinners zugegen ist.

Genau das macht den Film – und auch den Menschen – dann doch wieder sympathisch: Man taucht langsam, teils qualvoll, aber auch sehr inbrünstig und intensiv in seine Aussagen und seine Kunst ein und beginnt, das große Ganze dahinter zu verstehen. Genau so erlebt man auch den Film: Anfangs sehr distanziert und seltsam, teils unerträglich entwickelt sich das Werk im Fortgang zu einem wahnsinnig spannenden, beeindruckenden Spektakel, das wiederum nicht nur das Kunstwerk selbst repräsentiert, sondern auch den Umgang unzählig vieler Menschenbeispiele dazu: Von Hass, Liebe, Gier, Ignoranz, Begeisterung, Andrang, Sturm, Drohung, über Verzweiflung und einfach dem Wunsch, den Menschen etwas erleben zu lassen – alles dabei.

Der Punkt ist schnell erreicht, wo man einfach nicht mehr damit aufhören kann, hinzusehen und spannend mitfiebert, weil es einfach irrsinnig interessant und faszinierend ist, was man sich hier in den Kopf gesetzt hat und nach jahrelanger Idee und Planung endlich umsetzt.

Regisseur Andrey M. Paounov hat dieses Werk aus 700 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten und damit ein Projekt begleitet, das 16 Tage lang geöffnet war und letztendlich 1,2 Millionen Zuschauern Freude bereitet hat. 11.000 Menschen konnten sich gleichzeitig darin aufhalten, 500.000 Besucher waren von den Schöpfern angedacht, diese Zahl wurde weit übertroffen.

Für die Region war es ein Segen: Alle Hotels waren über Monate hinweg komplett ausverkauft, die Herstellungskosten selbst beliefen sich auf 15 Millionen Euro, die Christo persönlich aus Verkäufen seiner Kunst finanzierte, um den Besuchern wie immer freien Eintritt zu gewähren.

Insgesamt wurden drei Kilometer Strecke verlegt, 16 Meter breit, 30 cm hoch und 2,5 km zusätzlich Strecke an Land ausgebaut. Die “Floating Piers” bestanden aus 220.000 verbundenen Polyäthylen-Würfeln, die von Tauchern mit Ankern am Boden des Sees festgetäut wurden.

100.000 m2 Stoff (insgesamt 20 Tonnen) wurden dabei verwertet – und für die Umweltfanatiker unter euch: Christo ist bekannt dafür, dass er alles aus seinen Kunstwerken anschließend immer wieder recycelt und wiederverwertet, um keinen “Müll” zu hinterlassen. Darauf legt er bereits bei der Planung großen Wert, dass die verwendeten Arbeitsmaterialien hinterher weiter sinnvoll verwendet werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film gibt Einblick in die Verwirklichung einer Kunstidee aus dem Jahr 1969 – mit allen Strapazen und Hürden, die dabei zu überwinden waren.

Was anfangs etwas träge und teils ermüdend beginnt, entwickelt sich schnell zur rasanten Faszination und man schafft es nicht, den Film frühzeitig zu beenden und wieder aus dem Saal zu gehen. Dafür ist es viel zu spannend!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Walking on Water
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

Hellboy – Call of Darkness

Hellboy

© 2019 Universum Film GmbH

Die Welt muss brennen … Hellboy erzürnt jegliche konservativ-christlichen Gemüter mit puren Schlägen in die Fresse. Und es tut soooooo unglaublich gut. Also mir. Ich sitze da, schau mir dieses apokalyptisch-selbstironische Wunderwerk des Bösen an und stelle fest, wie mich meine reale Wut endlich ein Stück weit wieder in Frieden lässt und die Wogen der inneren Selbstzerstörung und des puren, allgemeinen Hasses langsam abklingen, während ich dabei zusehe, wie man on screen die Welt in Schutt und Asche legt.

Schläge in die Fresse? Läuft.

Blut? Nicht zu wenig.

Zerfetzte Leichen, abgetrennte Körper, zerschlissene blutrünstige Monster, die sich über den Erdball hermachen und alles zerstören und vernichten, was ihnen unter die Finger kommt? Läuft.

Irgendeine Liebe da drin? Glänzt durch Abwesenheit. Es ist das pure Böse – und es tut so gut, dass es brüderlich Hand in Hand mit Sarkasmus und Zynismus geht – eben typisch Hellboy, wie man ihn aus den beiden vorherigen Teilen bereits schon kannte.

Selbst die Angst um das “Verschandelt werden” durch die Abwesenheit eines eigentlich ihm auf den Leib geschriebenen Rollen-Ron Perlman verklingt nach 10 Minuten, weil die Macher hier der Marke Hellboy treu geblieben sind und an seinen Charakter- und Wesenszügen kein einziges Stück gefeilt haben. Wenn man’s nicht zwingend weiß, fällt’s erstmal gar nicht groß weiter auf.

Alle Elemente, die in einem Hellboy-Film sein müssen, wurden aufgegriffen – bis hin zur bewusst miesen Grafik, die irgendwo fast schon zu einem Markenzeichen dieser Reihe geworden ist.

Und es ist eine bestialische Schlacht, gegen die die ersten beiden Filme wie ein billiger Haustier-Kindergarten wirken: Diese brachiale Gewalt und Zerstörungswucht auf die Leinwand loszulassen und dann mit solchen Bildern zu füttern… Ein Traum für jeden, der um sich rum einfach nur Rache und Gerechtigkeit will. Das „Justice“-Gefühl in boshafter Vollendung.

Und warum kotzt jetzt jeder darüber ab und beschwert sich, dass der Teil scheiße ist?

Weil‘s funktioniert. Hellboy war niemals für die Masse gedacht. Wenn er der Masse gefällt, dann hat man irgendwas grundlegend falsch gemacht. Hellboy ist Nischenlektüre und gehört auch da hin. Hier geht es darum, etwas todernstes in den sarkastischen Dreck zu ziehen, sich über alles und jeden an den falschen Stellen lustig zu machen und eine Welt voller Boshaftigkeit und Höllenqualen zu manifestieren mit einem „Aaaaaaach leck mich doch, kein Bock“-„Superhelden“ am Start, der in den absolut falschen Momenten das absolut falsche sagt und dabei nur sich selbst treu bleibt. Und nicht um Sonnenschein-Spider-Man-Blondchen am Sonntag bei Oma am Kuchentisch.

All dies wurde auch vom „Neustart“-Dritten Teil exakt richtig gemacht und meine tiefsten Befürchtungen, dass man erneut eine Filmseele der reinen Remake-Geldgier opfern würde, wurde gottseidank nicht bewahrheitet. Stattdessen hat man grandiose Boshaftigkeit, satte Action, vieeeeeel Blut und Horror, wenig „Wert von Menschenleben“ und die typische Frage von „Was ist gut und böse und was eigentlich nicht“ gestellt und damit das Hellboy-Universum mit allen Faktoren gefüllt, die es braucht, um in sich geschlossen perfekt zu funktionieren.

Und die Szenen wirken – sind in meinen Augen auch nicht übertrieben, sondern „zeitgemäß“ (das Wort ist pervers an dieser Stelle aber ja, ich stehe dazu!) und erfordern, dass der Kinozuschauer sich darauf einlässt und aus dem Mainstream heraustritt. Der wird einem nämlich sonst mit Gedärmen und spritzenden Venenflüssigkeiten aus den Augen gewaschen.

Was mich zu meiner beliebten FSK führt: Abgebissene Köpfe und zerrissene Körper? Seriously? Und offen darüber schreiben?

Ich darf! Denn das Ding ist: FSK 16. Juchee – denn ab sofort gilt: Wir brauchen das rote Logo nicht mehr. Nicht nach diesem Film.

In meinen Augen hätte man zwischen FSK 18 und indiziert schwanken sollen, mit Tendenz zu „indiziert“, weil‘s hier richtig zur Sache geht – aber stattdessen „Naja, 16 ist ja fast wie 12, kauft euch ein bisschen Popcorn und viel Spaß Kinder!“ 😉 Und damit seid ihr am Arsch! Richtig am Arsch!

Die Hölle regiert.

Und ich bin wahrscheinlich einer der wenigen, die das zur Zeit so richtig abfeiern.

.kinoticket-Empfehlung: Thanos braucht nicht mehr mit dem Finger schnippen zu wollen, man lässt einfach diese Inhalte auf die Menschheit los, setzt sich dabei auf einen Berg und schaut der Apocalypse beim Gedeihen zu.

Einer meiner wenigen, nicht erfüllten Lebensträume. Bis jetzt. Hellboy ist diesbezüglich extrem befriedigend und in meinen Augen „Index“-würdig. Selbst 18 ist grenzwertig. Dafür wurde dem Plot, den Inhalten, den Markenzeichen und dem ganzen Universe treu geblieben, was sich inzwischen daran abzeichnet, dass der Mainstream es hasst. Also: Alles richtig gemacht – ich kann‘s euch nur empfehlen.

Und danach dürft ihr mich steinigen. 🙂 I‘m prepared.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben! Und nein, nach dem Abspann-Abspann ist es nicht vorbei, also: Sitzen bleiben! Bis. Ganz. Zum. Schluss. – Danke.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Hellboy
Length: 121 Min.
Rated: FSK 16

Berlin Bouncer

Berlin Bounce

© 2019 farbfilm verleih GmbH

Ich möchte euch gar nicht zu viel verraten, am liebsten noch nicht mal, woher ihr David Dietl zuletzt kennen solltet: Denn das würde eure Wahrnehmung und Einschätzung schon wieder viel zu sehr in die falsche Richtung beeinflussen. Zumindest, was diese “Dokumentation” angeht: Die ist fürstlich komisch, seelennah und spiegelt ein originelles, authentisches und liebevolles Porträt einer Stadt und deren Menschen wieder.

Und nein, es liegt ganz sicher nicht an meiner sowieso bestehenden “Berlin”-Macke, dass ich zu dieser Stadt ein favorisiertes Verhältnis habe und die schönsten Stunden meines Lebens mit ihr verbinde. Die Pressevorführung wurde u.a. in München abgehalten und den Münchnern hat dieses Werk genauso positiv zugesagt wie mir.

Es liegt ganz sicher an den Menschen. Das hier sind Originale. Nicht austauschbare Originale – und damit wertvolle Leinwandfracht, die es selbst in den bestbezahltesten Hollywood-Blockbustern so nicht mehr gibt. Doch nicht nur das macht Berlin Bouncer zu einem einzigartigen Stück, sondern auch die Kulturdurchzogenheit und Einblicke in vergangene Zeiten, Sehnsüchte, Persönlichkeiten – eine Sparte, die man zwar kennen kann, aber von der in den Tagesthemen niemals die Rede sein wird und die damit dennoch gewissermaßen einem Underground-Kult angehört, der in dieser Stadt exzessiv gelebt wurde und wird.

Und ob ihrer unvergleichlichen Art schließt man die Darsteller/Protagonisten auch komplett in sein Herz und erlebt diesen leichten Frohsinn und das Zukunftsstrebende, eine Lebensweise, die man nicht so häufig im stressbehafteten Alltag antrifft und die darum umso mehr Freude bereitet.

.kinoticket-Empfehlung: Nach diesem Ding ist man irgendwie beflügelt, positiv überschüttet und mit Freude und Heiterkeit gesegnet, wenn man das Kino wieder verlässt.

Die Berliner Kulturabgründe, die sich im Rahmen diverser Geschichten hier auftun, befriedigen Nostalgie, Zeitwert-Gefühle und sind informativer Neugier-Natur, die ein unvergleichbar wunderbares und herrliches Bild einer Stadt und ihrer Menschen abzeichnet.

Definitiv sehenswert!

Nachspann
❌ muss man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Berlin Bouncer
Length: 87 Min.
Rated: FSK 12

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