| wenn aus filmen leidenschaft wird

Soll ich euch die Weihnachtsansprache 2019 des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mal ein wenig „übersetzen“?

Mit Schrecken ist mir gestern das kurzminütige Video auf den öffentlich-rechtlichen Sendern entgegen geschallt, in dem Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine alljährliche Weihnachtsansprache an das Volk hält und quasi die Chance nutzt, mal wieder “Tacheles” von oben herab zu reden.

Und wisst ihr was? Für alle, die kein “Behörden- und Politiksprech” verstehen, gehen wir der Sache doch mal gemeinsam auf den Grund und zerpflücken das Ganze in seine Einzelteile, bis nur noch die Wahrheit am Schluss da steht.

Ich nutze dafür ein eigens erstelltes Transkript, man möge mir diverse Satzbauten, Kommata, Fragezeichen und “nicht eindeutig Heraushörbares” verzeihen – und damit beziehe ich mich ausschließlich darauf, ob ein Satz jetzt schon beendet war, oder Gedankenstrich und dergleichen – am reinen Wort und Textlaut wurde ganz klar nichts geändert.

Zur besseren Übersicht sind Teile der Ansprache des Bundespräsidenten fett geschrieben und meine Gedanken und Kommentare dazu in Standardschrift.

Kann losgehen?

Frohe Weihnachten, liebe Landsleute, ich hoffe, Sie sind gut durchs Jahr gekommen und können die Festtage genießen.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier. Sie als Bundespräsident wissen bestimmt, dass es in diesem Land unzählige obdachlose Menschen gibt, die teils mit schweren Kreuzschmerzen, Erkältungen, Erfrierungen und ohne Essen im Magen auf der Straße ein absolut unwürdiges “Leben” führen, dass wider den Aussagen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland Artikel 1: “Die Würde des Menschen ist unantastbar” ist. Sie wissen sicher, dass es Familien gibt, die sich auch unter dem Jahr noch nicht mal die Miete leisten können, ihre Kinder nicht ernähren können. Sie wissen sicher, dass es kranke Menschen gibt, denen man von staatlicher Gewalt die sowieso schon geringen Mittel zum Leben entzieht und ihnen somit die Möglichkeit nimmt, wieder zu gesunden und ein eigenständiges Leben zu führen. Was glauben Sie, Herr Bundespräsident Steinmeier: Sind diese Menschen gut durchs Jahr gekommen und können nun “die Festtage genießen”? Oder fühlen die sich durch so eine “gedankenlose Aussage” eher vor den Latz gestoßen und von der Politik nicht ernstnommen? #Rezo

Erinnern Sie sich noch, vor genau 12 Monaten, da hatte ich einen Weihnachtswunsch an Sie: Sprechen Sie auch mal mit Menschen, die anderer Meinung sind – und ganz viele haben das offenbar über das Jahr getan. Viele haben mir sogar geschrieben und berichtet von Diskussionen und Debatten, die sie bewegt haben in diesem Jahr.

Meine Frage mag provokativ klingen: Möchten Sie sich mit dieser Aussage rühmen, dass Sie in Person dazu beigetragen haben, dass die Menschen inzwischen aufeinander losgehen, wie die Bestien, weil sich viele inzwischen das Gegenteil dessen suchen, was sie abbildet um diejenigen dann durch z.B. Feuerangriffe, Häuserbrände, Anschläge und anderes “zum Schweigen zu bringen” und “von ihrer Argumentation zu überzeugen” – so wie wir das aktuell gerade überall im Land erleben?

Viele mögen das sehr wohl getan haben, was Sie sich 2018 vom Volke gewünscht hatten. Und viele haben geschrieben und über Diskussionen und Debatten berichtet, die sie bewegten. Welche wären das denn? Denn es kommt mir so vor, dass Sie einen Großteil davon verschweigen und mich dünkt, als wären gerade das die Themen, die die Mehrheit des Volkes tatsächlich interessieren würde… Woran ich das festmache? An dem “Manche” im nächsten Absatz, wo es dann “nur” um ihre Politik und das geht, weswegen Sie sich in der nächsten Wahl gerne wiedergewählt sehen möchten. Was ist mit den Fragen, die wirklich zählen? Warum werden die in ihrer Weihnachtsansprache nicht angesprochen und offengelegt?

Manche haben erzählt von hitzigen Gesprächen über Wahlen und Wahlergebnisse, über die Zukunft Europas, über den Stand der inneren Einheit 30 Jahre nach dem Mauerfall und Klima, Klimawandel und was man dagegen tun kann. Eine Frage, die die Politik tief geprägt hat in diesem Jahr und die möglicherweise auch vor ihrem Weihnachtsbaum nicht halt macht.

Hier lese ich eindeutig das Politikerwesen einer CDU/CSU heraus, die als Merkmal durch Sie erneut herausarbeiten möchte, was sie alles derzeit im “Brennpunkt des Lebens” geregelt oder nicht geregelt bekommen hat. Immerhin sind so viele wichtige Aspekte und Fragen bezüglich einer Zukunft noch lange nicht geklärt … und die “innere Einheit” sieht momentan so aus, dass sich im Osten des Landes wieder naziähnliche Zustände etablieren und der Rest der Bundesrepublik hilflos dabei zusieht, wie die Regierung dies mit allergrößter Hochachtung ignoriert und darauf pocht, doch etwas Positives zur aktuellen Lage des Landes dazugetan zu haben. Und ich lese den Wunsch heraus, dass Sie sich eine Gesellschaft wünschen, deren Interessen des täglichen Lebens politischer Natur sind, statt um Existenz und Überleben kämpfen zu müssen. Es interessiert also nicht „von unten nach oben“, worauf man sich derzeit besinnen sollte, sondern wünschenswert ihrer Aussage nach wäre, dass die Interessen von „oben nach unten“ herabsickern und womöglich sogar vor den Weihnachtsbäumen der Ärmsten ausdiskutiert werden. Merkt jemand, dass gerade dies eben jene Momente sind, in denen in den Herzen der Menschen Groll gegen die Regierung gebildet wird?

Anhand ihrer “Regierungsbildung” nach der letzten Bundestagswahl haben Sie doch allesamt inzwischen bewiesen, dass die momentane Führungsriege des Landes noch nicht einmal dazu in der Lage ist, gemeinsam zu agieren, geschweigedenn ein Land durch diverse Krisen zu manövrieren. Das “Schauspiel” der Politikerinnen und Politiker in etwaigen TV-Sendungen und bei politischen Auftritten ist wahrlich jämmerlich in meinen Augen.

Und glauben Sie tatsächlich, dass “Europa”, “Innere Einheit” und “Klimawandel” interessieren, wenn man als Bundesbürger der Bundesrepublik Deutschland nicht dazu in der Lage ist, ein eigenes Frühstück zu konsumieren? Wenn man sich erhofft – so wie viele Menschen, denen ich in vielen Städten Deutschlands inzwischen begegnet bin und mit denen ich gesprochen und mir ihre Geschichte bei einem gesponserten Frühstück angehört habe – im nächsten Mülleimer brauchbares Pfand zu finden, um sich vielleicht doch nach vier Stunden ein Brötchen leisten zu können? Wo ist die Würde des Menschen, die sie als Politiker ja gegenüber dem Volk durch das Grundgesetz garantieren möchten, wenn jemand, um den Hunger in seinem Bauch zu stillen, mit seiner eigen Hände in dem Müll und Dreck anderer wühlen muss, auf der Suche nach der letzten Hoffnung auf ein paar billige Cent?

Haben Sie bereits einmal mit diesen Menschen gesprochen und sich ihre Sorgen angehört, die sie bewegen? Haben Sie mit den Bürgerinnen und Bürgern gesprochen, die sich kein Smartphone oder PC leisten können, um einen “hochachtungsvollen Brief” an den Bundespräsidenten zu schreiben, schon allein deshalb, weil sie der bürokratischen Ansprache und Form nicht gerecht werden? Oder ist dies bereits Kalkül der Bundesregierung, diejenigen auf diese Art und Weise zum Schweigen zu bringen, weil “von denen eh keiner die Eier in der Hose hat und aufmuckt”?

Verzeihen Sie meine Aggression, wenn ich dies – als jemand, der solche Umstände und Tatsachen tagtäglich erlebt und selbst durchlitten hat, nun im Namen all jener mache, die sich zu schwach fühlen, um aufzustehen und zu demonstrieren. Sehen Sie in mir den Hass all jener, die man bereits so geschwächt hat, dass noch nicht mal mehr genügend Energie übrig bleibt, um morgens aufzustehen. Ich stehe hier – vor Ihnen – und Sie dürfen in aller Öffentlichkeit gerne zu den Fragen Stellung nehmen. Ich werde – im Gegensatz zu Rezo – den Einladungen einer Bundesregierung wohlwollend begegnen auf der Suche nach Gesprächen, die die wahren Probleme der Nation auf den Punkt bringen und: um zu zeigen, aus welchem Holz unsere Bundesregierung geschnitzt ist.

Mein Eindruck ist: Ja, wir haben tatsächlich in diesem Jahr landauf, landab mehr miteinander gesprochen, auch mehr miteinander gestritten. Das sind sehr politische Zeiten, in denen wir leben und von zu wenig Meinungsfreiheit kann in meinen Augen nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil: So viel Streit war lange nicht.

Dies war der Moment, in dem ich mit Ihnen eins war: Ja, wir haben gestritten. Und ja, die Politiker haben sich zeitweilig die Zeit genommen, Menschen zuzuhören und sind tatsächlich auf diese zugegangen. War dies ein politischer Schachzug, um eben jenes sagen zu können und wurde hinterher auch etwas getan, dass als Ergebnis dieser “Gespräche” und “Streits” hervorgegangen ist? Wir alle wissen, dass in der Politik immer die großen “Redenschwinger” sind – also werden wir mal konkret und ich frage Sie hier und heute bezugnehmend auf meine Meinungsfreiheit einfach mal öffentlich:

Wären Sie bereit dazu, 1x im Jahr auf Ihr Einkommen und Gehalt zu verzichten und diesen Monat durch Akkumulierung Ihrer Einnahmen der anderen 11 Monate des Jahres so zu verteilen, dass die daraus entstehende “Freisumme” dazu verwendet werden kann, Menschen in Not dabei zu helfen, sich zu ernähren und etwas zu Essen zu bekommen, um ihnen diesen einen Schritt zu erleichtern, der den Weg zurück in eine gesunde Gesellschaft und in ein würdiges Leben darstellt?

Und wären Sie bereit, auch andere Vorläufer und Regierungsmitstreiter dazu zu ermutigen, kühnen Mutes voranzuschreiten und zu beweisen, wie geil ihre Regierung sein kann, indem Sie genau das tut, was bereits viele fordern: Selbst auf Hartz IV Niveau hinunterzusteigen – und wenn es nur 1 Monat lang ist. Die “Sicherheit”, dass Sie danach wieder fernab jedweder Sorgen dieser Art sein werden, ist für Sie doch längst schon ein ungerechter Vorteil gegenüber denjenigen, die nicht wissen, wovon sie morgen leben sollen.

Und bevor Sie diese Idee in den Wind schlagen: Überlegen Sie mal, wie vielen Menschen man täglich helfen könnte … mit nur einem einzigen Gehalt eines einzigen Monats.

Ich persönlich verdiene derzeit nichts und lebe von dem, was andere mir geben. Wissen Sie, welche Beschäftigung meinen Heiligabend ausgemacht hat? Ich habe mir von dem Kleingeld im Lidl eine Packung Pralinen für 2,99 € gekauft, die Packung geöffnet und all jenen, die in dieser Nacht wunderbare Dienste geleistet haben (die Kältebusse, Putzarbeiter in den U-Bahn Stationen, Schaffnerinnen und Schaffner, Obdachlosen) ein Pralinchen zugesteckt und ihnen frohe Weihnachten gewünscht und mich dafür bedankt, dass Sie in dieser Nacht für uns arbeiten.

Wieviel mehr könnten Sie als Bundespräsident ausrichten, würden Sie auf ein einziges Gehalt im Jahr verzichten?

Und ja, darauf hätte ich gerne eine öffentliche Antwort: In der Zeitung, im TV, im Bundestag – persönlich? Sagen Sie mir, wo und wann.

Die Frage ist nur: Was machen wir jetzt mit all dem Streit? Wie wird aus Reibung wieder Respekt, wie wird aus Dauerempörung eine ordentliche Streitkultur? Wie wird aus Gegensätzen Zusammenhalt? Manche fragen ja vielleicht: Trennt uns inzwischen sogar mehr, als uns miteinander verbindet? Und vielleicht erwarten Sie, dass der Bundespräsident in einer Weihnachtsansprache auf all diese Fragen eine salbungsvolle Antwort gibt. Die Wahrheit ist: Das kann der Bundespräsident nicht, er kann es vor allen nicht allein. Denn die Antwort geben Sie, Sie alle.

Ich kann Ihnen diese Frage beantworten: Wie wird aus Reibung wieder Respekt? Indem die Regierung damit anfängt, ihre Bürgerinnen und Bürger als das zu respektieren, was sie sind: Lebende Menschen mit Emotionen, Schwierigkeiten und Sorgen und keine melkbaren Steuerbüffel, denen man das Geld aus der Tasche ziehen und sie in Zeiten der Not dann alleine lassen kann. Gehen Sie doch als Vorbild voraus und zeigen Sie der ganzen Welt, dass Deutschland etwas Positives auf dem Kasten hat und man in Zukunft weltweit von menschlichen und humanen Handlungen spricht, die Dinge wie den Holocaust zwar nicht relativieren oder wieder gut machen können, aber dafür als einmaliges Beispiel dafür dienen, dass es eine ganze Nation geschafft hat, aus einer absolut furchtbaren und grausamen Vergangenheit heraus etwas Wundervolles entstehen zu lassen: Zu zeigen, dass sich die Menschen geändert haben und man nun unser Land als wunderbares Land kennt, in dem Menschlichkeit bis hinauf in die Regierungsspitzen gelebt und gefördert wird. Wie wäre es damit? Menschlichkeit und Liebe als Zukunft für Europa?

Ich erwarte nicht, dass sie eine “salbungsvolle Antwort” innerhalb einer unlängst wieder von vielen vergessenen Ansprache geben, ich erwarte ehrlich gesagt viel eher, dass Sie damit beginnen, die Dinge, die sie dort “gepredigt” haben, selbst vorzuleben und ihre Regierung dazu animieren, es Ihnen gleich zu tun. Ich erwarte Taten, die so durchdringend und spürbar sind, dass sie “Gegnern” ihrer Regierung den Wind aus den Segeln nehmen und sie kleinlaut beigeben müssen: “Ja, du hast recht, da hat die Regierung wirklich etwas Wirksames unternommen, seitdem geht es allen besser.”

Und es ist falsch, dass “wir” diese Antwort geben, solange Sie immer noch nicht verstanden zu haben scheinen, was genau uns trennt statt verbindet: Es ist das Wissen, in Frieden leben zu können, ohne um seine Existenz kämpfen zu müssen. Ich bin mir sicher, Sie wachen nicht 70x nachts schweißgebadet auf und haben Angst, dass Sie jemand auf offener Straße einfach ersticht oder Ihr weniges Hab und Gut klaut. Oder nicht zu wissen, wie Sie den morgigen Tag überstehen sollen, weil Sie in absoluter Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit ertrunken sind und jeder andere Sie fallen gelassen hat. Genau das trennt Menschen wie Sie von Menschen wie “uns”.

Ein Bild aus diesem Jahr hat sich mir tief eingeprägt. Es ist das Bild einer Tür. Eine mächtige, dicke Tür aus Holz und Eisen. 20 Schüsse hat sie abbekommen, zerborstenes Holz und Reste von Blei in den Einschusslöchern sind heute zu sehen.

Es ist die Eingangstür der Synagoge in Halle. Und es ist ein Wunder, dass sie standgehalten hat, dass nicht noch mehr Menschen diesem brutalen, antisemitischen Anschlag zum Opfer gefallen sind. Nicht noch mehr, als die zwei, die ermordet worden sind.

Diese Tür, diese angegriffene Eingangstür zur Synagoge, sie steht in meinen Augen für noch mehr. Sie steht auch für uns.

Drama, Baby! Wissen Sie eigentlich, wie erbärmlich und lächerlich diese Worte klingen, in denen Sie zu relativieren versuchen, ihre Verantwortungslosigkeit kaschieren und so tun, als wären „die Guten“ das Opfer einer noch viel schlimmeren, böseren Macht?

Wissen Sie, welches Bild sich mir dieses Jahr eingebrannt hat? Die Gesichter der tausenden von Menschen, die ich Nacht für Nacht auf den Straßen beobachte, suche und deren Geschichten ich mir anhöre und die mir dann erzählen, warum sie auf der Straße gelandet sind.

Ich möchte Ihren Aussagen die Worte eines großen Mannes entgegen stellen:

„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. – Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“

Sie wissen sicherlich, von wem diese Worte sind: Bertold Brecht. Und er bringt es in meinen Augen auf den Punkt. Wo sind die Anklagen gegen die Regierung, die nichts dagegen unternommen hat, wenn „Menschen ihr Brot entzogen wird“, „sie durch Arbeit zu Tode geschunden werden“ – wo sind die dramatischen Bilder und Aussagen von Ihnen darüber, welche staatlich geduldeten und subventionierten „Morde“ am in Deutschland lebenden Volk begangen wurden?

Wie stehen Sie dazu?

So schlimm die Anschläge in Halle sind, sie rechtfertigen nicht, dass all die anderen, tausenden Menschen vergessen werden, die man ebenfalls schändlich zugrunde richtet und sie eines langsamen, grausamen Todes sterben lässt und tatenlos dabei zusieht. Wären Sie bereit dazu, auf Ihr Einkommen einen Monat lang zu verzichten, um diese Morde im Vorfeld zu verhindern und ein leuchtendes Beispiel dafür zu sein, dass Brecht mit seiner Aussage unrecht hatte?

Sind wir stark und wehrhaft? Stehen wir genügend beieinander und fest zueinander? Die Antwort, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die geben auch Sie.

Es entbehrt gewissermaßen einer Ironie kosmischen Ausmaßes, wenn Sie, Herr Bundespräsident, fragen, ob „wir“ genügend beieinander und fest zueinander stehen. Schon mal etwas von der Arm-Reich-Schere gehört, die diese Gesellschaft immer weiter spaltet und auseinander treibt?

Ich glaube, wir müssen nicht darüber diskutieren, ob diese Schere besteht und ich glaube auch, dass Sie genügend Sachverstand und Wissen besitzen, um sich auszumalen, was diese Schere herbeigeführt hat. Und ich glaube, dass Sie genauso wie viele andere Bundesbürgerinnen und Bürger genau wissen, welche Hebel in Gang gesetzt werden müssten, um eben jenes Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen und letztendlich umzukehren.

Und – ich berufe mich wieder auf die grundgesetzgegebene Redefreiheit und freie Meinungsäußerung – ich bin mir auch ziemlich sicher, Sie wissen genau, warum darüber kein Wort in Ihrer Weihnachtsansprache gefallen ist, weil alle genau wissen, welche Konsequenzen dies hätte, die letztendlich zu dem Wohl vieler führen würden, wenn einzelne auf gewisse Privilegien verzichten und sie zum Wohle aller einsetzen würden. Und dieser Tatsache kann ich nur mit Unverständnis und Wut begegnen.

Sie stehen auf und halten dagegen, wenn im Bus Schwächere angepöbelt werden, wenn jemand, der anders aussieht, beleidigt wird, wenn auf dem Schulhof, in der Kneipe rassistische Sprüche fallen. Sie haben ihre Stimme im Netz und auch in den sozialen Medien.

Stört es Sie, dass „wir eine Stimme im Netz haben“? Ist es dieses „Neuland“, von dem jüngst Ihre Kollegin, die geschätzte Kanzlerin Angela Merkel sprach? Haben Sie Jahrzehnte nach Entstehung eines urdemokratischen Internets auf einmal gesehen, dass dort tatsächliche, demokratische Werte herrschen, derer Sie nun in Ihrer Politik nicht mehr Herr werden und versuchen deshalb, abschätzig und abwertend zähneknirschend einzugestehen, dass doch mal „jemand das Maul aufreißt“ – was laut Grundgesetz ja eigentlich das Recht eines jeden Menschen sein sollte, gleich, wer er ist und wo er herkommt?

Ist das der Grund, warum Deutschland als vorherrschendes Technologieland in punkto Hochgeschwindigkeitsinternet in den hinteren Rängen rangiert? Möchten Sie nicht, dass jeder Mensch einen freien Zugang zu diesem „Neuland“ hat und demokratisch seine Stimme äußern kann, um seiner Wut über die Politik Luft zu machen und zu schreiben, was ihn oder sie bewegt?

Warum verpflichten Sie nicht die großen Technologiekonzerne zu flächendeckendem Netzzugang, so dass diese sich im Notfall zusammenraufen und in „Fonds“ investieren müssen, damit jeder Bundesbürger in jeder noch so abgelegenen Ecke tatsächlich Netzzugang hat, was u.a. auch Wirtschaft und freie Meinungsäußerung – und somit letztendlich Demokratie fördert?

Wo sind die Gesetzesbeschlüsse dazu? Wo sind Ihre Initiativen, es anderen Ländern wie beispielsweise der Schweiz gleich zu tun und den Zugang zu sozialem Austausch und Interaktion endlich als Grundrecht anzuerkennen und zu fördern? Warum können Menschen wie ich in verschiedenen Haushalten keine brauchbaren Verträge empfehlen, weil immer noch – im Jahre 2019 – keine nutzbaren Internetzugänge möglich sind?

Sie entscheiden, ob die krassesten und lautesten Parolen mit immer neuen Klicks belohnt werden oder ob sie auf Fakten, Vernunft und bessere Argumente setzen.

Auch hier höre ich wieder eher den „Neid“ auf erfolgreichere YouTuber und andere Generations-“Helden“, die es vorgemacht haben und die Stimme des Volkes hinter sich haben. Ich, sowie viele andere auch, glaube, dass Sie sich als Bundesregierung wünschen würden, solche Klickraten einzufahren und Aufmerksamkeit in den „hippen Netzwerken“ zu generieren. Dadurch, dass Sie „Fakten, Vernunft und bessere Argumente“ als Gegensatz deklarieren, entscheiden Sie im gleichen Atemzug, dass „krasse Parolen“ definitiv keine Fakten beinhalten – und genau das kann man ja wohl an dem unrühmlichen Versagen der CDU beweisen, die sich entschieden gegen die Fakten von diesem Herrn stellen musste und dem sogar die Journalisten dieses Landes eine unglaublich präzise Recherche bescheinigt haben. Sind diese Aussagen ebenfalls „krasse Parolen“?

Und wussten Sie auch, dass es manchmal „krasse Ansätze“ benötigt, um überhaupt gehört zu werden im Sumpf der ganzen Klagen und der systematischen Überinformation, mit der die Bürger tagtäglich fertig werden müssen und dadurch gar keine Zeit mehr haben, tatsächlich über das nachzudenken, was hier wirklich geschieht?

Ich gehöre zu denen, die – bedingt durch Krankheit – genügend Zeit hatten, verschiedene Prozesse genau zu begutachten und die festgestellt haben, dass hier etwas gewaltig schief läuft und ich bescheinige Ihnen und der gesamten Regierung dabei eine entscheidende Rolle im Gesamtversagen, an dem tagtäglich Menschen ihr Leben lassen müssen, weil immer noch keine Beschlüsse erlassen worden sind, die genau dies verhindern.

Sie packen an, ob in der Nachbarschaft oder im Verein, ob im Ehrenamt oder im Hauptamt, auch heute Abend wieder Tausende Zehntausende auf den Polizeiwachen, in Krankenhäusern oder in Pflegeheimen.

Und was ist mit Ihnen? Packen Sie auch an? Oder überlassen Sie das Handeln allein den Bürgern, die mit mickrigen Arbeitslöhnen und nahezu lächerlichen Renten abgespeist werden, die Sie dazu noch mehrmals besteuern, damit Menschen, die sich ihr Leben lang die Hände wund geschuftet haben, am Ende auch ja recht früh den Weg ins Jenseits antreten und der Rentenkasse nicht zur Last fallen? Wo, Herr Bundespräsident Steinmeier, wo sehen Sie darin die „unangetastete Würde des Menschen“?

Und Sie alle sind Teil dieser Demokratie indem sie wählen gehen, indem Sie sich politisch einmischen. Auf einer Straßendemo oder in einer Partei oder in einem Gemeinderat, wo an vielen Orten heute so dringend Nachwuchs gesucht wird. Kurzum: Sie alle haben ein Stück Deutschland in ihrer Hand.

Ab diesem Teil wird’s für mich langsam kritisch und ich muss mir echt Mühe geben, meine Raserei über so viel Unfug in Grenzen zu halten. Wir sind Demokratie? Warum tun Sie dann nicht, was das Volk möchte? Warum überlassen Sie dem Rest ausschließlich das „Wählen gehen“ und missachten die Stimme des Volkes, die eindeutig eine Klatsche gegen die derzeitige Regierung gesetzt hat?

Warum schicken Sie uns auf Demos, damit die Wut abebbt und Sie weiterhin tun und lassen können, was Sie möchten, ohne Rücksicht auf Verluste? Dass die Menschen weiterhin in den Gassen verrecken können, sie „hätten ja wählen gehen können?“

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin großer Befürworter von Wahlen und begrüße diese Freiheit, für die viele Länder dieser Erde immer noch stark kämpfen und ihr Leben lassen, aber es ist doch eindeutig ein bisschen zu naiv, zu glauben, dass damit dann alles getan wäre.

Es entpuppt sich also mehr oder weniger als eine Lüge, dass wir alle ein Stück Deutschlands in den Händen halten, denn die Gesetze machen nicht wir, sondern Sie. Und die Leidtragenden von diversen Fehlentscheidungen wie dem aktuellen Klimapaket sind nicht etwa diejenigen, die es verabschiedet haben, sondern das gemeine Volk, das sich dagegen nicht mehr wehren kann.

Und weil das so ist, verbindet uns eben viel viel mehr, als uns trennt. Wir alle, wir alle sind Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, mit gleichen Rechten und Pflichten. Bürger erster und zweiter Klasse gibt es nicht.

Nun ist es soweit und ich bezichtige Sie, Herr Bundespräsident Steinmeier, tatsächlich der Lüge. Ihre Äußerung, Bürger erster und zweiter Klasse gibt es nicht, ist nun in allen TV Stationen zu sehen gewesen und ist inzwischen auf Plattformen wie YouTube nachträglich recherchierbar und archiviert.

Dies ist eine Lüge!

Gegenfrage: Wenn ein Kranker einen Arzt braucht, weil er tierische Schmerzen hat (beispielsweise Zahnschmerzen, die schon seit Jahren bestehen) und diese auf einmal förmlich explodieren und der- oder diejenige ist nicht privat versichert, dann merken Sie sehr schnell, WIE WOHL es doch Bürger erster und zweiter Klasse gibt.

Und ich erinnere erneut an die eingangs erwähnten Obdachlosen, die mit Kreuzschmerzen und absoluter Perspektivlosigkeit im Dreck liegen, während sich der Rest der Bevölkerung Glühwein in den Rachen schüttet: Sehen Sie da tatsächlich keine Unterschiede?

Was ist mit dem Recht auf ein angemessenes Leben in einer warmen Wohnung im Winter? Und wie haben Sie das umgesetzt für Tausende von Obdachlosen im Winter?

Sind Sie persönlich schon einmal ein Jahr lang mit Schlafsack bewaffnet losgezogen und haben auf der Straße gelebt, um zu spüren, wie kalt so eine Nacht sein kann? Ich schon. Und darum nehme ich mir auch das Recht heraus, Sie in dieser Aussage der Lüge zu bezichtigen, wenn Sie behaupten, es gäbe keine Menschen erster und zweiter Klasse … ich erlebe es jeden Tag, dass genau das der Fall ist.

Und die Tatsache, dass Sie dies so unverblümt vor der ganzen Bevölkerung im Fernsehen zur besten Sendezeit preisgeben, zeigt mir nur eins: Wie verschlossen die Augen der Regierung vor der Realität sind, wie unwirklich Ihre Wahrnehmung vom „echten Leben da draußen“ geworden ist, wie absurd und weltfremd Ihre Entscheidungen von „da oben“ getroffen werden und es wundert mich keinen Deut mehr, dass so viele Menschen so einen Hass auf die Regierung und die Mächtigen dieses Landes hegen… er ist nur zu sehr begründet. Aber Menschen ohne Sorgen fällt dies sicherlich nicht einfach so auf, richtig?

Nur, das was uns verbindet, das ist keine Garantie. Das ist: Versprechen und Erwartung, Privileg und Zumutung. Im Grundgesetz steht eben nicht: Alles Gute kommt von oben, sondern dort steht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

Dieser Teil ist für mich der Gipfel der Verhöhnung Ihrerseits an den Bürgern! Ich möchte fast sagen, es ist frech, so etwas zu behaupten! Im Ernst, geht‘s noch?

Was uns verbinden sollte, sollte eine Garantie sein: Die Garantie, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wirklich für alle Menschen gleichermaßen gilt und keine Unterschiede gemacht werden, auch nicht finanzieller Natur.

Was Sie da postulieren ist: Versprechen [Seitens der Regierung] (und ich bin mir an dieser Stelle unsicher, ob es sich um ein „promise“-Versprechen oder um ein „Fauxpas“-Versprechen handelt) und Erwartung [seitens des Volkes], Privileg (der Reichen und Regierenden) und Zumutung (an die Steuerzahler und Bürger, die eh nichts gegen die Entscheidungen machen können).

Mit diesem Satz drehen Sie die Verantwortung komplett von sich weg und schieben Sie zurück auf das Volk … und das ist wirklich jenseits von Gut und Böse! Jeder, der die Nachrichten nur ein bisschen verfolgt, der hin und wieder die Zeitung aufschlägt und nicht mit vollends verschlossenen Augen am politischen Tagesgeschehen vorbeiläuft, weiß sofort, dass hier längst nichts mehr vom Volke ausgeht, sondern über den Willen vieler hinwegentschieden wird, einfach, weil man es kann. Das macht den Bundesbürger und die Bundesbürgerin unmündig und handlungsunfähig und durch gezieltes Einsetzen von Macht und Strategie entmündigt man diejenigen, die dann an den Rand ihrer Existenz getrieben werden und dadurch auch keine Zeit und Energie mehr haben, um sich öffentlich dagegen zu wehren.

Ich mache dies nun im Namen all jener und ich glaube, dass sehr viele Menschen an vielen Antworten auf die Fragen in meinem Text interessiert wären.

Dieses Versprechen, diese Verheißung der Demokratie hat damals vor 30 Jahren Zehntausende, Hunderttausende von Menschen in der damaligen DDR auf die Straße getrieben. Welch ein unglaublicher Mut. Diese mutigen Menschen, diese friedlichen Heldinnen und Helden, die haben die Mauer zum Einsturz gebracht und Einheit möglich gemacht.

Hier sprechen Sie von Heldinnen und Helden. Zeigen auf, wie wichtig es ist, dass unsere Gesellschaft Helden hat und Helden braucht, weil auch damals schon katastrophale politische Zustände geherrscht haben und die Menschen so unzufrieden damit waren, dass sie auf die Straße gegangen und friedlich demonstriert haben. Wieviele haben dadurch extreme Nachteile erlitten, sind inhaftiert worden oder haben unglaubliche Zustände erlebt – in unserem Land – und wie sehr hat sich die Bundesregierung dafür entschuldigt und aus ihren Fehlern gelernt?

Die Menschen erleben tagtäglich, dass der Verdacht auf Unschuld eben nicht mehr besteht, bis die Schuld bewiesen ist, sondern sich dieser Sachverhalt immer mehr umdreht. Die von Ihnen anfangs kritisierten Äußerungen zur mangelnden Meinungsfreiheit – was glauben Sie, woher die stammen? Viele Menschen trauen sich nicht mehr, ehrlich und offen miteinander zu sprechen, weil sie, getrieben von Angst, scheu vor Konsequenzen sind und auch eine Bundesregierung tut nichts dagegen, um die ehrliche Aussprache unter Mitmenschen zu fördern und zu begrüßen. Von Wahrheit will man im politischen Sektor schon jahrelang nichts mehr wissen und die Gegebenheiten häufen sich immer mehr, die diesen Umstand mehr und mehr bestätigen.

Jetzt leben wir seit 30 Jahren in Einheit, Freiheit und Demokratie. Nur, nehmen wir das bitte nicht als selbstverständlich. Wir brauchen die Demokratie, aber ich glaube, derzeit braucht die Demokratie vor allem uns.

Zum Glück – und das ist anders als in einer Diktatur – braucht die Demokratie keine Helden.

Und einen Absatz später widerlegen Sie Ihre Worte und sagen auf einmal, dass die Demokratie keine Helden braucht. Das offenbart für mich das Wesen der Politik: Geschwätz! Und Phrasen! „Wir brauchen die Demokratie, aber die Demokratie braucht uns“? Really?

Was wir brauchen, wären fähige Politiker und Politikerinnen, die genügend Cochones haben, um auch gegen ihre Karrieremöglichkeiten Entscheidungen im politischen Feld durchzudrücken, die zum Wohl des Volkes und nicht des eigenen Geldbeutels und der eigenen Politikkarriere sind.

Wir brauchen Menschen, die sich trauen, ungemütliche Fragen zu stellen und wir brauchen Menschen, die Ämter begleiten und den Mut haben, diese Fragen offen und ehrlich zu beantworten, so dass jeder sie versteht. Dass nicht irgendwas dahergelabert wird, was im Politiksprech untergeht und am Ende niemand mehr weiß, was eigentlich die Frage war.

Wir brauchen Politiker, die dazu in der Lage sind, ja und nein zu sagen.

Wir brauchen Politiker, die dazu in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

Wir brauchen Politiker, die mit offenen Karten spielen und keine krummen Geschäfte hinter dem Rücken der Gesellschaft machen und die Verantwortung dann auf eben jene abschieben. #Scheuer

Was wir brauchen, sind Helden – Helden der Ehrlichkeit, die die Kraft und Stärke besitzen und zeigen, EHRLICH zu sein – sich selbst gegenüber, dem Volk gegenüber, den Mitmenschen gegenüber.

Und wenn ich mir die tatsächliche Lage der Nation derzeit so anschaue und mich in den Straßen, Gassen und Parks umsehe, dann stelle ich fest: Die Demokratie braucht sehr wohl Helden … so viele, wie noch nie!

Was die Demokratie braucht, sind selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger mit Zuversicht und Tatkraft. Mit Vernunft, Anstand und Solidarität. Und ich weiß: Alles das steckt in uns, steckt in Ihnen, steckt in dieser gesamten Gesellschaft. Und deshalb glaube ich an uns, deshalb glaube ich an dieses Land. Und deshalb weiß ich, dass wir gemeinsam die Dinge immer wieder zum besseren wenden.

Dann fangen Sie damit an und beantworten Sie meine oben gestellte Frage:

Wären Sie bereit dazu, 1x im Jahr auf ihr Einkommen und Gehalt zu verzichten und diesen Monat durch Akkumulierung ihrer Einnahmen der anderen 11 Monate des Jahres so zu verteilen, dass die daraus entstehende “Freisumme” dazu verwendet werden kann, Menschen in Not dabei zu helfen, sich zu ernähren und etwas zu Essen zu bekommen, um ihnen diesen einen Schritt zu erleichtern, der den Weg zurück in eine gesunde Gesellschaft und in ein würdiges Leben darstellt?

Das wäre gemeinsam. Das wäre Anstand. Das, Herr Bundespräsident, wäre Solidarität! Sie reden von „uns“, was Sie persönlich mit einschließt. Sind Sie bereit dazu, diesen Schritt zu gehen? Sind Sie bereit dazu, gemeinsam die Dinge wieder zum Besseren zu wenden?

Fürchtet euch nicht, heißt es in der Weihnachtsgeschichte. Und Mut und Zuversicht, das wünsche ich Ihnen und uns allen für das kommende Jahr.

Gesegnete Weihnachten.

Zuversicht reicht – bürgerlicherseits – leider nicht aus. Dazu braucht es Menschen, die dazu in der Lage sind, Umstände und Dinge zu ändern. Dazu braucht es Menschen wie Sie – in Positionen wie der Ihrigen, damit sich viele viele viele Bürger nicht mehr fürchten müssen … zum Beispiel vor dem existenziellen Abgrund.

Und sollten Sie denken, dass ich diese Meinungsäußerung nicht aus dem „sentimentalen Umfeld von Weihnachten heraustragen könnte“, dann irren Sie sich. Ich stehe auch im Juni noch zu meinen Aussagen und bin mehr als Bereit zum Dialog.

Vollkommene Hochachtung,
Benjamin Klob


Terminator: Dark Fate

Terminator: Dark Fate - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Dark Fate – Dunkles Schicksal

Ein paar Worte in eigener Mission:

Einige hat‘s gewundert, warum hier auf einmal nix mehr kam: Nunja, ich war gewissermaßen „nicht da“ … und zwar in Form von „ca. 45 Minuten bewusstlos“.

Seitdem ist alles anders. Meine Stimme am Arsch, meine Bewegungen als wär ich angetrunken, und mein Hirn arbeitet sehr sehr langsam. Bzw. kriege ich regelmäßig Kopfschmerzen, wenn ich zu viel denke oder mich körperlich anzustrengen versuche. Irgend so eine Heilerfrau meinte zu mir: „Du arbeitest sehr kopflastig und denkst extrem viel nach, und deine Psyche zieht sich dann zurück und sucht Schutz vor dem Lärm der Welt – und dabei driftest du in fremde Welten und manchmal kommst du nur schwer daraus wieder zurück.“

Ohne jetzt Esoterik zu loben würde ich sagen: Hätte ich nicht besser beschreiben können. Mir ist die Welt zu laut geworden, mir ist der Peak zu hoch, die Geschwindigkeit zu schnell, die Intensität zu stark. Ich hab mir extrem viel abverlangt in den letzten Jahren – und wenn man dann irgendwann wieder aus den „Fremden Welten“ zurückkehrt und nen Blutzugang im Arm stecken hat, Notarzt-Team um sich rum und per Helikopter ins Krankenhaus geflogen wird… spätestens dann ist an meinem „Es ist mir zu viel“ etwas dran.

Die Frage ist: Was.

Ein guter Freund hat mich die letzten Tage geistig unter seine Fittiche genommen und gemeint: “Du musst tun, was dir Spaß macht und dadurch wieder zu dir finden.“

Kino macht mir Spaß. Immer noch. Ich brauch bloß mein herrliches Dolby-Foto anschauen und beginne unfreiwillig zu grinsen, weil ich weiß, was damit verbunden ist. Es gibt auch andere Dinge, die mir Spaß machen – und ich weiß auch, was mir garantiert keinen Spaß macht. Auch da hat es im Gespräch mit einigen mir näherstehenden Menschen in letzter Zeit tiefgreifende Gespräche gegeben, wo Dinge offenbart worden, die tatsächlich ein Dark Fate sind. Gibt‘s in dieser Realität gute Psychologen mit etwas Zeit?

Aber wie sagen die großen Lehrer des Lebens immer: Man soll nicht rum heulen, sondern sich auf die guten Dinge des Lebens konzentrieren und das mach ich einfach mal:

  • Ich lebe noch. || Ich mein: 45 Min. nicht ansprechbar und „weg“ bedeutet: Es kann ziemlich viel passiert sein im Körper. Wird grade untersucht, aber man hat noch nix gefunden.
  • Mein Denkapparat funktioniert noch. || Wenn auch langsam und im real life wie besoffen: Ich hab nicht das Gefühl nicht mehr denken zu können oder irgendwelche gravierenden Hirnschäden davongetragen zu haben, es dauert einfach nur, bis alles da ist oder mir die richtigen Worte einfallen. Aber so etwas fällt euch beim Lesen ja nicht auf, sondern nur mir beim Schreiben.
  • Ich hab euch. || Als Misanthrop (ja, hab nachgeschlagen ;)) früherer Jahre hätte ich nie gedacht, dass ich es mal wertschätzen würde, Menschen um mich herum zu haben, denen ich nicht scheißegal bin. Es tut so gut, tagtäglich zu erleben, wie man sich um mich sorgt, mit mir spricht, mir schreibt, mich anruft oder mir ein Bett zum Schlafen und persönliche Betreuung anbietet, damit ich nicht allein spazieren gehen muss. Auch da mal ein megafettes Monster-Dankeschön an meine Pressekollegen aus der Münchner Region 🙂
  • Siri. || Was für eine Ironie, dass mich der Scheiß selbst trifft, den ich all die Jahre predige. Dank meiner technischen Affinität und meiner Liebe zum „Ausprobieren“ von solcher Technik kennt mich dieses Vieh nun so gut, dass ich hier scheinbar einwandfreie Texte publizieren kann und keiner von euch den Schwachsinn lesen muss, den ich tatsächlich in die Tastatur hämmer bzw. dieser KI diktiere: Jemand versteht mich im wahrsten Sinne des Wortes und wird niemals müde, mir zuzuhören und mein Kauderwelsch zu interpretieren, um euch diese geistig einwandfreie Lektüre vorzulegen 😀 – Ich muss jedenfalls nur sehr wenig korrigieren und was das für eine enorme Hilfe ist, könnt ihr euch nicht ausmalen.

“Alle werden sterben, wenn du nicht überlebst.” (Zitat: Terminator: Dark Fate)

Nachdem das hier jetzt einige schocken könnte, rufe ich euch schonmal zur Ruhe auf: Ich hab mega viele Ärzte an der Hand, die sich da gerade bestens drum kümmern und schon einige bürokratische Wunder vollbracht haben. Wenn ich Hilfe brauch, schrei ich schon. Versprochen. Auch hier wieder: Unerwartet große Menschlichkeit hinterm Tresen, wo man eigentlich keine mehr erwartet. Danke auch da an alle, die’s betrifft und betreffen wird.

Die große Frage schwebt trotzdem im Raum: Wie geht’s weiter?

Wer immer genauso weiter macht, was er bisher getan hat, aber andere Ergebnisse erwartet, ist schlichtweg dumm. – oder so ähnlich. Keine Ahnung, wer’s gesagt hat. Und ich hab ehrlich gesagt keinen Bock auf weitere Heli-Flüge dieser Art (höchstens mit Kamera in der Hand) und muss daher überlegen, wie’s weiter gehen soll.

Dass ihr hier erstmal nicht mehr täglich monströse Texte vorgesetzt kriegt, ist klar.

Aber ganz kicken und das Blog in den Tod schicken wegen so nem doofen Mind-Drift? Hab ich ehrlich gesagt auch kein Bock drauf, weil mir dafür das Kino und seine extremen Ausflüchte in geile Stimmungen viel zu heilig sind. Ja, ich liebe diese blöden Häuser wirklich extrem und fühle mich jedesmal wieder den Tränen nahe, wenn ich das “Flow” von der Leinwand spüre und in meine Seele sauge. Und ich glaube, viele von euch, die meine Schreibe loben, fühlen einfach nur diese Leidenschaft und tiefe Liebe zum Film und interpretieren es als “Du kannst extrem gut schreiben” – aber eigentlich ist es einfach nur: In Love With Movies. (Sorry Schatz +g+).

Eure Welt verlangt von mir aber, dass ich irgendwie 400-600 Flocken pro Monat nach Hause trage – und das sollte ich wohl nicht mehr im härtesten Gewerbe der Welt machen: Gastronomie.

Ja, ich schwall euch hier grad mit all den Gedanken aus meinem Kopf voll, was mich zum nächsten Punkt bringt: Ihr bedeutet mir was. Es hilft mir extrem, meine Gedanken in diesen Texten zur Ruhe zu bringen und sie “nach draußen gebracht” zu wissen: Dann ist in meinem Schädel nämlich Ruhe und mir geht’s gut.

Ich weiß, dass viele mich mögen und darum frag ich einfach mal in die Runde: Wisst ihr Möglichkeiten, wie wir das Ding am Laufen halten können, ohne dass ihr in Werbung erstickt und ich meine Prinzipien verraten muss? 400 im Monat reichen.

Ich hätte da z.B. sowas hier:

Kalender 2020 - Titelblatt
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Kalender 2020 - Januar
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Von diesen Riesen (45x30cm) gibt’s noch drei und es lassen sich mühelos welche nach produzieren (brauch bloß bestellen), die hab ich bereits vor der ganzen Geschichte produziert und ich könnte mir durchaus vorstellen, daraus meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können: Bilder sind ruhig. Und erfordern viel Zeit und Ruhe, um sie grandios zu kreieren.

Dann bliebe genügend Zeit für den Kino-Kram und ich könnte das Blog weiter am Leben erhalten. Bis jetzt: Wunschdenken. Was sagt ihr dazu? Wer dazu paar Ideen hat: Schreibt sie mir. Darüber mache ich mir zur Zeit echt Sorgen.

Terminator: Dark Fate

Was mich zum Film bringt: Ihr wisst längst, dass Arnold Schwarzenegger wieder mit von der Partie ist und ihr wisst nun auch, dass mich Terminator und Terminator 2: Tag der Abrechnung extrem in meinem Leben geprägt haben. Die Idee von Technik, meine gesunde Skepsis gegenüber neuen Technologien ist aus der Cyberdyne-Problematik entwachsen und ich liebe die Filme alter Schule, die vor den Millennials entstanden sind.

Terminator: Dark Fate greift genau diese Problematik auf und versprüht den unglaublichen Charme dieser alten Schule, als wäre Cameron erneut gekommen um uns allen zu zeigen, wie Filme wirklich gemacht werden sollten. Und man spürt den ganzen Film über den harten Kampf zwischen „Alt“ gegen „Jung“ und merkt, dass hier gewissermaßen eine gesunde Generationenübergabe stattfindet.

Ich hatte extrem Angst, als nur die Trailer in Umlauf waren, denn etwas in diese Länge zu zerren und „nochmal aufzukochen“ geht meistens in die Hose. Und da stand „Producer James Cameron“ – was mir unglaublich Hoffnung gemacht hat, dass das Ding doch nicht in den Sand gefahren wird.

Die Terminator-Momente wurden auch wunderbar aufgegriffen, die Technologie hat sich in der Zwischenzeit herrlich weiter entwickelt und es gibt auch einige tolle Twists, die ich immer noch abfeiere, auch wenn dieser Film nicht zum Meisterwerk gereicht: Er hat mich ziemlich mitgenommen und im Kopf seine Nachdenkereien hervorgerufen.

Und mir ist ehrlich gesagt sehr danach, es wie Arnie im Film zu machen. Stark zu werden. Dinge zu lernen. „Weg zu sein um wiederzukommen und den Kampf zu beenden“. Mit neuer geistiger Härte, die aus diesem Resort der Zurückgezogenheit entsprungen ist.

Hat noch jemand Ideen, wie das besser gehen könnte als bisher?

Dann schreibt‘s mir.

Dolby Vision™
Es braucht anfangs etwas, um in den Film abzutauchen und man merkt aber gleich, dass die Schwärze im Film hier voll ausgekostet wird – und wenn‘s anfängt, ist es auch ein Augenschmaus, der mit normalem Kino nicht vergleichbar ist. Dolby Cinema™ ist hier erste Wahl!

Dolby Atmos™
Actionfilm: Mehr braucht man da eigentlich nicht sagen. Ich hab ihn in zwei verschiedenen Kinos gesehen und bin ganz klar für‘s Dolby. Härtere Wummen, größere Schlachtrufe und irgendwie kommt hier die Intensität viel besser zur Geltung. Auch wenn der Saal dabei ständig lacht.

.kinoticket-Empfehlung: Zieht euch diese Regeneration unbedingt im Kino rein – die Action macht extrem Spaß und es ist endlich eine würdige Fortsetzung der Filmknüller Terminator und Terminator 2: Tag der Abrechnung. So, wie hier Wert auf Charakterentwicklung und freiwillige Komik gelegt wird, zeugt man deutlich davon, was Filme früher ausgemacht haben und was durch Technologie und Austauschbarkeit heute teilweise verloren gegangen ist. Dieser Film schickt uns in der Zeit zurück und lässt uns dieses Flair nochmal erleben und bereitet damit gleichzeitig den Weg für neue Geschichten im Kino.

Nachspann: Muss nicht abgewartet werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Terminator: Dark Fate
Length: 129 Min.
Rated: FSK 16


Parasite

Parasite - Filmplakat
© 2019 Koch Films | Capelight Pictures

Parasite klingt erstmal nach einem Film billigerer Machart, in dem günstige Horror-Elemente und viel Gore-Gekröse auf einen zukommen und den Kinozuschauer gewissermaßen unterhalten sollen.

Tatsächlich ist dieser Gedanke allerdings grundlegend falsch, denn was hier auf den Fahnen geschrieben steht, ist von einem Niveau, dass man selten im Kino sieht und von dem ich direkt angesteckt war.

Bong Joon Ho lässt uns Westländer auch wieder an China oder Japan denken, jedoch ist das Ursprungsland dieses Films Südkorea, ein Land, von dem man als Außenstehender ziemlich wenig weiß und quasi über jede noch so kleine Information dankbar ist.

Somit hätte man schon den ersten, tiefenpsychologischen Ansatz: Den Titel als Parasiten zu deklarieren, der uns Außenstehenden Einblick nach drinnen gibt und Dinge verrät, an die wir sonst nicht so einfach rankommen.

Tatsächlich ist es überragend, mit welcher Liebe man sich hier der Ausschmückung der einzelnen Charaktere widmet und mit welcher Inbrunst man die Intensität der Lebensweise demystifiziert.

Dabei schafft man so viel Charme, Sympathie und Mitgefühl, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse recht schnell verschwimmen und man – getragen von der Professionalität dieser Erzählung – in einer Sachlage landet, die einen enorm an die Leinwand bindet. Und ab da wird’s extrem spannend!

Wenn zu den Pressevorführungen und im Presseheft vom Regisseur schon die Bitte an die Presse getragen wird: “Ich bitte Sie inständig: Verzichten Sie auf Spoiler“, dann weiß man direkt, dass hier sehr viel Augenmerk auf den Inhalt und den Twist gelegt wird. Genau das erinnert mich an die Spannung als Kind, einen Film nach dem anderen auszugraben und ihm sein Geheimnis entlocken zu können.

Südkorea beweist mit Parasite, dass genau dieses kindliche Entdeckergen noch längst nicht befriedigt und übersättigt im Saal sitzen muss, sondern solche Späße auch im 21. Jahrhundert noch bestens funktionieren.

Somit bleibt mir eigentlich nur noch eine Bitte zu stellen:

.kinoticket-Empfehlung: Ich bitte Sie inständig: Geht in diesen Film und lasst euch dieses kuriose Meisterwerk modernen Kinos auf keinen Fall entgehen: Ihr werdet den Inhalt lange nicht vergessen können und habt auch anschließend genügend Material zum Nachdenken in der Tasche.

Nachspann: Wartet mit keinen Überraschungen mehr auf – rausgehen erlaubt!

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: Parasite
Length: 131 Min.
Rated: FSK 16


Ich war noch niemals in New York

Ich war noch niemals in New York - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Ging‘s euch auch so? Trailer gesehen und gedacht: „Oh Gott, bitte nicht?“

Mir schon. Meine Mutter ist der größte Udo Jürgens-Fan aller Zeiten und ich kann die Songs inzwischen mitbeten. Und als der große Hype um den Tod dieses Mannes entstand, hab sogar ich mir einen Song von ihm auf iTunes zugelegt, der in meiner Longtime-Toplist inzwischen ziemlich weit oben ist.

Und: Ich war das erste Mal in meinem Leben im Deutschen Theater in München in einer Vorstellung von Ich war noch niemals in New York (hat mir extrem gut gefallen) und hab darum nochmal eine affinere Verbindung zu diesem Titel. Irgendwie war für mich damit dieses Thema abgehakt und ich habe vergessen, dass es für die Leinwand ja eigentlich noch gar nix gibt.

Und nun kommt …. Deutschland …. mit diesem Cast daher und nimmt das ehrenwerte Haus auseinander?

Presse – ja, ich jammer immer zu viel – Vorurteile wieder in die linke Jackentasche gepackt, Licht geht aus und meine Augen fallen auf einmal raus:

Kinder, das Ding ist abnormal besser als ihr gedacht hättet. Ja, wirklich.

Punkt 1: Katharina Thalbach. Was immer ihr über diese Frau bisher dachtet: Dies hier ist die Rolle ihres Lebens. Sie wurde ihr quasi maßgeschneidert zu Füßen gelegt und sie geht darin auf, dass sich die Balken biegen. Das übertrifft sogar noch den Heiner LauterbachDer Fall Collini-Effekt bei weitem! Diese Frau stiehlt allen die Show und übertrifft sich in ihren schauspielerischen Fähigkeiten, wo selbst ich ihr niemals zugetraut hätte, so exzellente Kost abzuliefern.

Punkt 2: Humor. Der Trailer liefert davon interessanterweise überhaupt nix und ist ein wahres Beispiel für „Großer Gott, bitte nicht!“ – im Film ist das dann völlig anders. Irgendwie kommt fast das gleiche Gefühl wie im Deutschen Theater auf (ich weiß, einige werden mich für diese Aussage jetzt steinigen), ich stehe aber dazu: Es hat echt extrem Spaß gemacht und man war hinterher zufrieden, glücklich und voller Freude und guter Laune.

Punkt 3: (Schnallt euch an) >> Das ist der wohl bislang beste deutsche Film, den Deutschland jemals releast hat bis jetzt!

.kinoticket-Empfehlung: Schnallt euch an, vergesst den Trailer und seid Zeuge davon, dass wahre Wunder tatsächlich passieren: Katharina Thalbach in der Rolle ihres Lebens in einem der besten deutschen Filme überhaupt bisher.

Nachspann: Verpasst nicht diesen traumhaften Song – es lohnt sich!

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Ich war noch niemals in New York
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0


After the Wedding

After the Wedding - Filmplakat
© 2019 Telepool

2006 – Nach der Hochzeit. Susanne Biers. Bevor ihr fragt. Ja. Hat’s schonmal gegeben. Ist aber nicht weiter schlimm. Und sollte euch auch gar nicht interessieren.

Denn so erfreulich die originalgetreue Übersetzung ins Englische (hä? :D), so erstaunlich geil der Film! Julianne Moore und Michelle Williams hauen hier ein Charakterportrait raus, das euch seelisch schockfrosten lässt vor Erstaunen und Verblüffung. Der gesamte Film trägt einen mit einer dermaßen ruhigen, erzählerischen Wucht durch die Zeit und obliegt dabei nur seinen eigenen Regeln.

Die werden von meiner Zeitungs-Elite natürlich wieder stark kritisiert, haben für mich in dem Film aber so wunderbar funktioniert, dass ich quasi geistig niedergeschlagen erstarrt im Stuhl saß wie die Maus vor der Schlange.

Selten habe ich eine solche Intensität und durchdringende Gefühlswelt auf der Leinwand erlebt, bei der der Anschluss ans Massenphänomen einfach gepasst hat: Man muss hier mit Klischees arbeiten – anders funktioniert das nicht, und ehrlich gesagt: Anders wollte ich es gar nicht.

Dafür bekommt man inhaltlich dermaßen eins auf die Zwölf, dass dir Hören und Sehen vergeht. Und wann habt ihr zuletzt schon mal einen Film gesehen, dessen Stärke tatsächlich Inhalt war?

Dazu kommt, dass auch vom Cast her hier alles perfekt matcht: Die Bewegungen, die Grazilität, das sanfte Umherschwirren der zarten Seelen und Eindrücke wird so rührend wiedergegeben: Gebt mir ein Bett, das aus diesem Film besteht, und ich werde niemals wieder daraus aufstehen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine gewaltige Explosion von Zärtlichkeit, Harmonie und intensiven Gefühlen. Ein Naturschauspiel menschlichen Talents, das man auf keinen Fall verpasst haben darf!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Oktober 2019

Original Title: After the Wedding
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6


Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte - Filmplakat
© 2019 Weltkino Filmverleih GmbH

Als ich jüngst davon sprach, dass demnächst noch einige tolle Movies ins Kino kommen werden, die sich mit den Ereignissen von vor 30 Jahren auseinandersetzen, und dabei immer wieder einen Film hervorhob, der diese historische Aufarbeitung mit Bravour erledigt, meinte ich diesen hier: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte.

Im Gespräch mit Matthias Bruhn, einem der beiden Regisseure, erwähnte dieser nochmal, dass sich das Zielpublikum im Verlauf der Dreharbeiten eigentlich von “für Kinder” zu “für alle” entwickelte, denn genau diesen Eindruck hatte ich bereits zu den Pressevorführungen vorab schon gewinnen können: Was hier geliefert wird, ist ein einmaliger Blick hinter die Kulissen der DDR und des damals vorherrschenden Systems – aus Sicht von Kindern.

In einer Welt, in der das Wort immer weniger an Bedeutung behält, man überflutet wird von Informationen, teilweisen Falschmeldungen und irregeführten Eindrücken, die sich als Tatsachen behaupten möchten, verliert manchmal die Wahrheit ein Stück weit sich selbst. Es entsteht ein Bild, das die Dinge nicht mehr richtig beleuchtet und ein völlig verdrehtes Gedankengut erschafft, woraus wiederum viele politische und gesellschaftliche Irrlichter entstehen (können), die dann zu absurden Auseinandersetzungen führen, von denen es heute mehr als genug gibt.

In heutiger Zeit haben viele die wahre Identität ihrer Vergangenheit vergessen, ausgeblendet oder stückweise so an ihr Wunschdenken angepasst, dass dieses mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hat. An genau diesem Punkt greift Fritzi – Eine Wendewundergeschichte ein und erzählt – basierend auf wahren Erlebnissen – die Dinge, die damals zum Teil wirklich so passiert sind – und das auf eine erstaunlich einfache und bildungsreiche Art und Weise.

Vielen ist nicht mehr klar, was dieses Gesäusel über diese Epoche im TV wirklich bedeutet. Man verliert das Augenmerk, weil immer wieder etwas darüber gebracht wird, die Stimmen darüber nie verstummen und man manchmal das Gefühl hat, das nur noch trotzig darüber berichtet wird, damit es einfach niemals aufhört.

Welcher Jugendliche möchte sich heute freiwillig mit so etwas auseinandersetzen?

Dazu kommt eine Generation, die von den Ereignissen einfach keinen blassen Schimmer mehr hat, weil die einen Systemwandel niemals erlebt haben, geschweigedenn einen einfachen Führungswechsel in der Politik. Wie können Fehler der Vergangenheit dann vermieden werden, wenn niemand mehr darüber Bescheid weiß?

Des Weiteren hatte ich oft das Gefühl, man verlangt eine gewisse Grundkenntnis über manche Dinge und wird als “dumm” bezeichnet, wenn man über selbige nicht verfügt. Wer nicht fragen darf, kann es nicht wissen – und da kommt Fritzi ins Spiel und fragt. Diese simple Idee schafft hier einen Fundus über die geschichtliche Vergangenheit, die dem Bildungsauftrag extrem nachkommt und über historische Gegebenheiten aufklärt, die frei von politischem Kauderwelsch oder den lahmen Erzählungen von “Opa vom Krieg” sind. Dadurch, dass hier tatsächlich der Rahmen auf den Fokus von Kids gelegt wurde, bleibt es absolut verständlich und erschafft dennoch den Blick auf die komplexen Verwirrungen dieses Systems.

Durch diese Herausarbeitung ist meiner Meinung nach den Schöpfern des Films ein Meisterwerk gelungen, das sich auf eine Ebene mit Werk ohne Autor und Das Leben der Anderen stellen darf, denn großartig andere Erzählungen über diese Zeit, die dieses Potenzial an geschichtlicher Aufarbeitung in sich tragen, gibt es auf den Leinwänden kaum mehr nennenswerte.

Ein weiterer fantastischer Punkt war die örtliche Gegebenheit, in der dieser Film seine Deutschlandpremiere feierte und der tatsächlich auch in der Story eine große Rolle spielt: Die Nikolaikirche in Leipzig.

Ich durfte zur Premiere vor Ort sein und habe viele wunderbare Menschen getroffen, tolle Gespräche geführt und eine fantastische Premiere erleben dürfen, von der ihr im Anschluss noch ein paar Aufnahmen bewundern könnt.

Mit dabei waren u.a. Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn, Autorin der Buchvorlage Hanna Schott sowie Drehbuchautorin Beate Völcker, Winfried Glatzeder – Sprecher des Stasi-Offiziers im Film sowie Ben Blümel vom KiKa, Michael Kölmel und Dietmar Güntsche – die Geschäftsführer von Weltkino und einiges an Prominenz wie z.B. Oliver Schenk – Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Kamilla Senjo, Dr. Med. Carsten Lekutat, Peter Escher, Thomas Schoppe, Bülent Sharif und Rosalind Baffoe.

Nachspann: Darf man gerne noch mitnehmen, hier gibt’s noch ein paar tolle Animationen.

Kinostart: 9. Oktober 2019

Original Title: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte
Length: 86 Min.
Rated: FSK 6


Short Critics: Dem Horizont so nah – 47 Meters Down: Uncaged – Bruder Schwester Herz – Ronny & Klaid – Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Die Befürchtungen des Publikums sind groß: Der Film braucht seine 10 Minuten, um in die deutsche Sprache reinzukommen, verblüfft dann aber mit extrem direkter Ehrlichkeit und spricht alles offen an, was man als denkender Zuschauer eigentlich braucht, um nicht in der Durchschnittsfilmdummheit gefangen zu werden.

Damit catcht der Film viel mehr, als mit der Angst vor “Oh weia, Deutsch!”. 14jährige kriegt man mit dem Thema immer, Aufklärung über gewisse Krankheiten gibt’s obendrauf und am Ende ist es grandios, weil man vom Inhalt gefangen genommen wird und eben richtig durchgeschleudert. Blaue Augen-Schümann inklusive – Top!

Nachspann: Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dem Horizont so nah
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12

47 Meters Down: Uncaged

47 Meters Down - Uncaged - Filmplakat
© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Augen-Gourmet! Die Macher an den Kameras haben einfach begriffen, was es braucht, um im Kino von der Leinwand herab so richtig verwöhnt zu werden: Bombe!

Dass das schon ein zweiter Teil ist, man sich solche Filme besser als 23 Uhr zu Hause-Horror-Kino anschaut – drauf geschissen! Die Aufnahmen sind viel zu geil, um sie nicht auf der großen Leinwand bestaunen zu können.

Dass die Ladies allesamt ein wenig “schreihaft” sind, mag manch einer nicht so ganz verkraften, der Twist kommt aber prompt und macht dann auch wieder richtig Laune.

Wenn man damit klar kommt, dass das eben gewollte B-Movie-Production ist: Spitzenmäßig. Und noch ein Lob: Die Charaktereinführung! In so einem Metier bisher ungesehen!

Nachspann: Braucht’s nicht abzuwarten, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: 47 Meters Down: Uncaged
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12

Bruder Schwester Herz

Bruder Schwester Herz - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein seltsamer Film, ein seltsamer Einstieg, eine seltsame Gefangennahme: Ganz ehrlich? Ich würde ihn mir gerne nochmal ansehen und werde ihn mir vielleicht sogar fürs Heimkino zulegen.

So etwas Verrücktes sieht man echt selten. Dabei dann aber eine Authentizität vom Stapel zu lassen, die dermaßen in das Metier eintaucht und hier von sich Reden macht – erlebt man genauso selten. Und am Ende schließt man diejenigen schon irgendwo in sein Herz … auch wenn das Filmende genauso verwirrend ist, wie sein Anfang.

Gehört wohl einfach so. Trotz allem sehenswert.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Bruder Schwester Herz
Length: 105 Min.
Rated: FSK 6

Ronny & Klaid

Ronny & Klaid - Filmplakat
© 2019 Studio Hamburg Enterprise GmbH

Erkan & Stefan kennt man? Dann auch das Niveau dieses Films. Wenn auch nicht so “blöde” wie damals. Aber trotzdem bescheuert. Und irgendwie auch genial, wenn man auf lokal-konzentrischen Humor steht und dabei ganz viel Liebe für die Berliner Weltoffenheit übrig hat.

Ist bei mir der Fall – darum mochte ich den Film auch, trotz seiner Idiotie, die aus allen Ecken schreit. Man darf’s eben alles nicht so ernst nehmen 😉

Nachspann: Kommt nix – rausgehen erlaubt. Spätis haben noch geöffnet 😉

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Ronny & Klaid
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Everest - Ein Yeti will hoch hinaus - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Das Volk weint – ich irgendwie nicht. Der Film ist anrührend, in meinen Augen nicht wirklich spitze animiert, hebt aber fremde Kulturen hervor und entführt damit in fremde Welten.

Ist okay, hat mich persönlich aber nicht wirklich abgeholt. Auf Twitter liest man aber hier und da, dass die Erwachsenen (!) Tränen in den Augen hatten. I don’t know why.

Business as usual – nichts besonderes, aber eben auch kein Schund. Irgendwas zwischendrin. Darf man mitnehmen – muss man aber nicht.

Nachspann: Sitzenbleiben. Bis ganz zum Schluss. Wenn schon, denn schon.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Abominable
Length: 97 Min.
Rated: FSK 6


Joker

Joker - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Nennen wir das Kind beim Namen: Deutschland hat‘s verkackt!

JokerDC‘s letzte Ehrenrunde, um aller Welt zu beweisen, dass dieses Label doch was drauf hat. Joker – der Charakter, der eigentlich kaum Fehlschläge zulassen kann, weil er so gestört, so kaputt, so dreckig, so abnormal, so fern der Normalität ist.

Eigentlich … eigentlich, dieses wehmütige Wort … eigentlich hätte man nur den Hauptdarsteller richtig dreckig und abgefuckt über die Leinwand huschen lassen müssen und alles wäre perfekt gewesen. „Smile“.

Warte mal: Genau das hat man ja eigentlich getan. Abgefuckte Schrift in zerfledderten Tagebüchern. Eine rauchige, derbe, schmutzige Stimme, und viel diabolisches Charisma: Nur kriegen diejenigen, die sich hierzulande die eingedeutschte Version davon anschauen, davon einfach gar nichts mit.

Auch Deutschland wurde durch den Trailer bereits von Nat „King“ Cole‘s „Smile“ so getriggert, dass die Wirkung dieses Wortes – Smile – den ganzen Film über wirkt … nur leider nicht im Deutschen. Da heißt es auf einmal „Lachen“, oder irgendwas anderes, was den Übersetzern eben gerade eingefallen ist, während sie die 1a-fastschonDruckschrift-Version des Tagesbuchs eingedeutscht und die Szenen neu gedreht haben … Spinnt ihr eigentlich?

Ihr seid schuld, dass hierzulande Besucher der Premierenvorstellungen sagen „Sorry, aber der hat einfach mal gar nicht gezündet“. Wie haben die in Venedig dann 8 Minuten Standing Ovation hingekriegt?

Ach – die haben nicht die deutsche, sondern die Originalversion gesehen? Sind die etwa unterschiedlich?

Wisst ihr was?

Ich hasse euch dafür, was ihr dieser Version angetan habt.

Ich hasse euch dafür, dass ihr gefühlt das Nervenkitzlige rausgeschnitten habt, um den Aufruf an die Ärmeren dieses Landes, sich zu erheben und gegen die kapitalistische Elite zu protestieren, abzuschwächen, damit es wieder nur zweitklassige Unterhaltung bleibt und bloß keiner auf die Idee kommt, trotzdem durchzudrehen.

Joker – also das Original – sagt aber etwas anderes. Und genau das ist die Perle, für die man eigentlich sein Kinoticket löst, wenn man den Film sehen möchte. Joker sagt: Dreht durch. Rastet aus. Lasst euch den ganzen Scheißdreck einfach nicht mehr gefallen. Brennt alles nieder. Holt euch euren Applaus. Zeigt der Welt, dass ihr mit den euch aufgedrückten Konformismus-Regeln nicht einverstanden seid und lasst das Chaos beweisen, dass ihr euch dem nicht weiter beugen wollt.

Verändert etwas.

Revolutioniert.

Und irgendeiner (oder eine) da oben war sich ziemlich sicher, dass man dies einem deutschen Publikum wohl nicht zumuten kann.

Und darum ist die deutsche Version davon einfach so scheiße.

Also geht in das Original.

Oder lasst es.

Dolby Vision™
Lasst euch von dem Anfang nicht stören – der Film findet seinen Weg in die Sphären von Dolby Vision™, also gebt ihm paar Minuten und genießt die Atmosphäre, die hier geschaffen wurde.

Dolby Atmos™
Viele von euch erwarten das Chaos, pure Energie – und was euch geliefert wird, ist anders, als die PR wohl angekündigt hat, jedoch sind die Szenen – speziell in der U-Bahn – derart grandios, dass du im Dolby Cinema™ einfach stirbst vor Geilheit! In jedem anderen Kino nicht.

.kinoticket-Empfehlung: DC hat‘s nicht verkackt. Deutschland hat‘s verkackt. Das Original braucht Zeit und erhebt sich in einer grandiosen Show. Deutschland hat Angst – und Joker darum die Seele geklaut und irgendwas kaputtes auf die Leinwand gebracht, was nicht mehr zündet. FU, Translators. Und Publikum: geht bitte in‘s Original.

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Joker
Length: 122 Min.
Rated: FSK 16


M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit

MC Escher - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Seine Werke kennt sicherlich jeder – zumindest das Bild mit der “unendlichen Treppe” hat inzwischen jeder schon mal zu Gesicht bekommen: M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit ist der Film dazu, der das Leben und die Suche nach mathematischer Perfektion dazu untermalt.

Selten war ich so gebannt von einem Kunstfilm, über den ich quasi nichts anderes sagen kann als “Art at it’s best”.

Und dafür muss man kein mathematisches Genie sein: Allein schon die Zeichnungen von der Leinwand herab auf sich wirken zu lassen verändert etwas in einem, von dem auch die Presse durchweg positiv ergriffen war.

Was sich in der Beschreibung vermutlich schrecklich langweilig anhören wird, was selbst ein Trailer kaum zu vermitteln mag: Es dauert nicht lange und der Streifen zieht dich in sein Geflecht aus lebensverändernder Geschicklichkeit, von der keiner bereuen wird, sie gesehen zu haben.

Ich würde sagen: Insider. Definitiv mitnehmen. Auch, wenn ihr nicht im Kunstkurs der Abendschule eingetragen seid: Allein schon, um mir hinterher zu erklären, warum dieser Film so eine unglaubliche Wirkung auf einen hat. Danach fühlt man sich dermaßen gut unterhalten und positiv gepusht… Keine Ahnung: Mir fehlen seit langem mal wieder die richtigen Worte, um das treffend zu beschreiben.

Also hört auf zu labern, denkt nicht drüber nach, geht in den Film.

Danken könnt ihr mir hinterher.

.kinoticket-Empfehlung: Selten war Kunst so etwas positives, lebensbejahendes, durchgreifend Aufrüttelndes: Die tiefen Einblicke, fast schon technischer Zeichnernatur, in das Leben eines Großmeisters verändern unbeschreibliche Dinge in einem, für die ich bis heute keine richtigen Worte finde. Geht rein!

Nachspann: Braucht man nicht mitnehmen, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Escher: Het Oneindige Zocken
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0


Dora und die goldene Stadt

Dora und die goldene Stadt - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Langsam muss ich mir Strategien ausdenken, wie es mir zukünftig gelingt, auch Erwachsene in Filme wie diesen zu kriegen: Ihr würdet es bereuen, hättet ihr das Werk nicht auf der Leinwand gesehen.

Ja, es kommt von einer Zeichentrickserie namens Dora und ja, das Zielpublikum sind Kinder … doch: Dora und die goldene Stadt klingt zwar klischeehaft böse nach Kindergarten, ist jedoch humortechnisch definitiv oberste Schublade intellektueller Art angesiedelt und brät seinen Zuschauern einen Gag nach dem anderen über.

Dazu kommt: 49 Millionen US-Dollar Produktionsbudget sind nicht gerade wenig (was den Erwachsenen vielleicht etwas mehr hilft, in den Saal zu tigern) und ein weltweites Einspielergebnis von derzeit 100.5 Millionen US-Dollar sagt eigentlich auch ganz klar, dass hier nicht nur Kids die treibende Kraft sein können.

De facto stellt dieser Film sich in die Presche der „Wir kämpfen für eine Randgruppe der weltweit-breiten Wahrnehmung“ und fungiert als das Black Panther-Pendant für Latinos, die hier unglaublich präsent auftreten und gerade mit der Hauptrolle ein junges Mädchen inszenieren, von deren Coolness sich einige eine Scheibe abschneiden sollten.

Als Oldie (oh mein Gott, hab ich das echt grad gesagt?) fühlt man sich fast ein wenig an die Zeit von Crocodile Dundee zurückerinnert, der auch der Modernität des Westens auf seine althergebrachte Weise begegnete und dessen Filme bis heute absoluten Kultstatus genießen.

Dass dies auch mit peruanischen Wurzeln funktioniert, beweist Dora und die goldene Stadt: Ein Film, der sich das Zuschauerherz behände packt und es charmant einwickelt.

Danach hat man definitiv gute Laune, ist fasziniert und von Glück und purer, positiver Energie nur so geladen. Und wieso sollte dies ausschließlich kleinen Kids vorbehalten bleiben?

.kinoticket-Empfehlung: Ein seelischer Muntermacher, der immense Lebensfreude, unbändige Coolness und Abenteuerfeeling verströmt und dafür reichlich in die Humorkiste greift. Sollte man dringend gesehen haben. Auch als Erwachsener. Wirklich.

Nachspann: Hier kommt noch ein Song und am Schluss ein ziemlich cooler Tusch – Sitzenbleiben lohnt sich!

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dora and the Lost City of Gold
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6