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wenn aus filmen leidenschaft wird

Beautiful Boy

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© 2019 NFP marketing & distribution

Sich mit den Dingen einfach mal auseinanderzusetzen, ohne dabei auf bekannte Ansichten und Gedankenprogrammierungen zurückzugreifen … eine Aufgabe, der sich viele überhaupt nicht stellen wollen, weil sie schon mal gar nicht wissen, dass das überhaupt geht. So viele Menschen haben ihr vorgefertigtes Bild, was bestimmte Menschen und Dinge angeht und sie lassen sich davon auch überhaupt nicht abbringen.

Dabei geht völlig unter, dass nie jemand gefragt hat, woher diese Ansichten überhaupt kommen, wer sie in die Welt gesetzt hat, ob sie heute noch gültig und überhaupt gerechtfertigt sind oder nicht, sondern völliger Humbug. Stichwort: Vorurteile.

Aktuell erleben wir immer noch, wie berühmte Vorurteile sich die Wege durch die Gehirnbahnen verschiedener Menschen graben und dort jede Menge Unfug und Dummheiten verzapfen, die sich dann als geistiger Dünnschiss den Weg zurück in die verbale Welt erkämpfen und überall ihre dünnflüssige Suppe an Idiotie verbreiten und permanent die Wahlergebnisse beeinflussen.

Dass so etwas Schaden anrichten kann und sogar Menschen das Leben kosten, haben wir aktuell alle schon erlebt und gesehen. Dass man diese Richtung auch ändern und alles zu etwas Positivem entwickeln kann, wisst ihr spätestens jetzt, denn: Man kann, darf und sollte solche Einstellungen und Gedanken hinterfragen und ihre Richtigkeit anzweifeln, um zu erfahren, ob die eigene innere Einstellung tatsächlich so unangreifbar korrekt ist, wie man bisher immer geglaubt hat.

Das beste Anzeichen dafür, dass irgendetwas faul an einer Sache ist, ist: Die Verantwortlichen mögen nicht, wenn man zweifelt. Geht in irgendwelche christlichen Ligen, hört ihnen zu und zweifelt dann an, was sie sagen. Je nachdem, wie sie reagieren, werdet ihr merken, wieviel Wahrheitsgehalt in ihren Lehren steckt und ob eigentlich alles nur eine große Lüge ist und jeder von vornherein verdammt wird, der es nicht kommentarlos schluckt.

Genau das gleiche betrifft nicht nur Religion, sondern auch Menschengruppen, Kulturen, Verhaltensweisen, gesellschaftliche Rituale usw. – und eben auch das, was in Beautiful Boy thematisiert und in eine völlig neue Korrelation gestellt wird. Mir haben die Ansätze, derer man sich hier bedient, unglaublich gut gefallen, weil das tatsächlich Fragen sind, die selbst ich mir niemals gestellt habe und die den Horizont und das Denken derart erweitern, dass die Erkenntnisse förmlich ins Hirn sprudeln und man als geistig bereicherter Mensch den Kinosaal wieder verlässt.

Mit solch einer positiven Inbrunst und strebender Energie an ein so düsteres Thema heranzugehen und dabei diesen Film hervorzubringen … der Wahnsinn. Und damit meine ich nicht nur das Schauspiel von Steve Carell, der hier mit seinem Charakter ein Vorbild liefert, von dem ich mir extrem viele Nachahmer in der Gesellschaft wünsche.

.kinoticket-Empfehlung: Wer bei den Twist-Erleuchtungen dieses Films keine feuchten Augen kriegt, dem kann ich auch nicht weiter helfen.

Gegen die offensichtliche Inbrunst, jedwede Vorurteile des Menschen anzugehen und sie mit Vernunft, Klarheit und aufstrebendem Willen zu besiegen, kommt auch kein Kritiker an: Steve Carell liefert hier Vorbildfunktion und erzählt eine dramatische Geschichte, die aus den tiefsten Höllen des Menschen die besten Seiten hervorkehrt.

Beautiful Boy ist ein leuchtendes Beispiel dafür und sollte von euch bis ganz zuletzt ausgesessen werden.

Nachspann
✅ So poetisch war garantiert noch kein Abspann – bleibt sitzen, auch wenn nicht gleich was passiert!

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: Beautiful Boy
Length: 121 Min.
Rated: FSK 12

Maria Stuart, Königin von Schottland

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© 2019 Universal Pictures International

Saoirse Ronan und Margot Robbie dienen schon längst der elitären Vorstellung von damhaften Rollen in Kinofilmen, die eine gewisse Präsenz ausstrahlen und somit zur Oberschicht weiblichen Kinos zählen. Diesbezüglich haben sie sich in der Vergangenheit einen Ruf aufgebaut, der heute kaum noch Einsatz und Leistung erfordert, sondern oftmals das bloße Erscheinen ausreicht, um von aller Welt gefeiert zu werden und einen Hype auszulösen, der quasi nichts anderes als den puren Erfolg zulässt.

Diesen Trend empfinde ich persönlich als sehr gefährlich, weil dadurch nicht mehr Leistung anerkannt wird, sondern unspezifische Gegebenheiten als „persönliche Leistung“ deklariert werden und die ganze Welt förmlich Amok läuft, obwohl überhaupt gar nix ist.

Auf deutsch: Dass diese beiden Damen schauspielern können, haben sie längst bewiesen. Dass deshalb jetzt jedes Werk unreflektiert abgefeiert werden und ihrer „Größe und Brillanz“ keinerlei Zweifel mehr anhaften dürfen, ist deswegen längst nicht richtig. Maria Stuart – Königin von Schottland ist einer dieser Filme, die berechtigte Zweifel für die Eignung zum großartigen Leinwand-Event aufkommen lassen dürfen, zumal hier vielmehr Theater-Einspieler und bühnenhafte Inszenierung richtig wäre und man deutlich spürt, dass reines Kino nicht Sinn und Zweck dieser Darstellung ist.

Unlängst hat es einen Film mit dem exakt gleichen Titel gegeben … und auch, wenn hier jetzt die Vorgeschichte erzählt werden will, reicht dies noch längst nicht, um vor Entzückung alle seelischen Hüllen fallen zu lassen und sich der spielerischen Ekstase hinzugeben. Natürlich: Darbietung, Ankleidung und Make-Up sowieso alles Textilgesteuerte rund um den Film haben ihre Berechtigungen für Auszeichnungen im Vorfeld längst passiert, dass deshalb der Kinoabend für den Zuschauer ein Stimmungsgarant wird, steht wiederum auf einem völlig anderen Blatt.

Hier muss man schon gewisse Avancen für Theaterliebe mitbringen, um vollends in der Erzählung aufzublühen und sich in den Anblicken dieser beiden Damen und deren Welt um sie herum zu verlieren. Die ist nämlich völlig anders, als der Kinogänger sie bisher kennt: Irische Härte, brutale Kämpfe, Braveheart-Blut und dramatische Moral: All dies entfernt sich still und heimlich aus Maria Stuart und überlässt das Feld einer überhypten Selbstverständlichkeit, die meiner Meinung nach bestenfalls zweifelhaft ist.

.kinoticket-Empfehlung: Sieht gut aus, wird auch gut gespielt, bedeutet aber noch lange nicht, dass daraus auch ein guter Film entsteht: Theater ist hier das Maß aller Dinge.

Ob dies zwingend auch immer auf einer Kinoleinwand funktionieren muss, ist deshalb nicht zweifelsfrei erwiesen. Man muss aufpassen, dass man den Damen nicht per se eine herausragende Schauspiel-Leistung deklariert, sondern ob ihrer hohen Qualität auch immer neu hinterfragt, ob dies nun tatsächlich oscarwürdig ist oder nicht. Nur, weil‘s früher mal unangefochten war, bedeutet ja noch lange nicht, dass dies auch heut noch der Fall ist.

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Mary Queen of Scots
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Polaroid

© 2019 Capelight Pictures

Mit brauchbarem Horror im Kino ist das so eine Sache: Als Grusel-Liebhaber hat man oft das Gefühl, dass dieser schlichtweg nicht existiert. Dabei eignen sich doch gerade die großen, teils unübersichtlichen und von vielen fremden Menschen bevölkerten Kinosäle als brauchbarer Nährboden für Angst und Schrecken, der dazu von der Leinwand herab gefördert und gefüttert wird und den Menschen mal wieder so richtig das Adrenalin in die Blutbahn und das Herz in die Hose schießen lässt.

Horror steht schon mal von Anfang an in der eigenen Verdammnis, im breiten Publikum nicht funktionieren zu können, da es ein Genre ist, dass sich schon seit jeher an einer Nieschen-Fangemeinde erfreut und solche Filme einfach nicht jedermanns Ding sind. Hier steht man als Zuschauer eben nicht vor der Entscheidung, ob die Komödie jetzt herausragend oder nur mittelmäßig war, sondern: Ob man in den kommenden Nächten noch schlafen kann oder sich aus Angst kaum noch vors Haus zur Mülltonne traut – schon gar nicht nachts. Da hört bei vielen der Spaß auf, weswegen sie sich grundsätzlich solcher Filme verweigern.

Die Toleranz-Hemmschwelle ist also sehr engmaschig gesetzt und ein „naja – ja, geht so – doch, geil“ weicht einem „Go – No Go“. Das viel brutalere Urteil über einen Film und die meist aberwitzigen Werbemaschen solcher Produktionen („Basiert auf einer wahren Begebenheit“) sorgen zusätzlich für abnormale Annahmen und garantieren förmlich fast, dass hier kein einziges wahres Wort mehr gesprochen wird. Aus einem vergleichsweise lahmarschigen Paranormal Activities wird ein medialer Hype, der unvoreingenommenen Menschen einen Heidenrespekt einflößt und sie einen weiten Bogen um diesen Titel machen lässt, der zuweilen bei Horrorfilmschauern nur ein müdes Gähnen verursacht – und manchmal noch nicht einmal mehr das.

So kommt es, dass medial gefeierte „Horror-Sensationserfolge“ wie The Fog von John Carpenter als Allzeitklassiker gelten, die es zwar teils schon intus haben, aber in meinen Augen noch lange nicht als Alleinstellungsmerkmal funktionierenden Horror-Genres stehen.

Oft werde ich als Kritiker gefragt, welche Horrorfilme denn wirklich gut sind … und oft beantworte ich diese Frage zu gerne mit einer Gegenfrage: „Welche kennst du denn?“

Tatsache ist, dass wahrlich gute, mit einheitlicher Bejahung abgesegnete Horrorfilme fast schon an einer Hand abgezählt werden können. Die Frau in Schwarz finde ich persönlich sehr berauschend und atmosphärisch, The Boy spielt auch definitiv in den höheren Rängen mit, der von vielen dank seiner unverantwortlichen FSK-12-Freigabe aber längst nicht als Horror gewertet wird, bei A Quiet Place kann man fast schon nicht mehr von Horror sprechen, wenn auch dieser Film unsägliche Spannungsmomente aufbaut und eine Atmosphäre des Schreckens kreiert. Und dann landet man direkt wieder in dem Metier verblichener 80er Jahre-VHS, in denen Effekte noch mit schleimiger Gallert-Masse und Farbstoff konstruiert wurden und der Zuschauer so mit explodierenden Mägen und allerlei Gekröse unterhalten wurde – und befindet sich direkt wieder im allerletzten Winkel einer totgeglaubten Nische.

Wenn also im kapitalgeführten 2019 nun ein Autor einen Horrorfilm erschaffen soll, möge er vom Verleih aus doch bitte möglichst viel Geld einspielen und darum möglichst viele Menschen ansprechen und darum möglichst Mainstream-geeignet sein, also möglichst viele Spitzen abgeschnitten wissen, um möglichst wenig Leute zu enttäuschen oder gar zu provozieren. Genau das macht Horror aber aus, der sich also schon in seinen Grundfesten dagegen wehrt, vom Massenpublikum akzeptiert zu werden und darum auch niemals als Massenprodukt vermarktet werden kann.

Tut man‘s doch, landet man schnell im 14-Jahre-Schulhof-Horror-Verriss-Eck, bei dem alles vorhersehbar ist, die Handlung selten-dämlich, die Darsteller mit geistiger Umnachtung gesegnet und der einigermaßen denkende Zuschauer konsequent mit einer Logikfehler-Keule geschlagen wird und während des Films aus dem Facepalmen nicht mehr raus kommt. Oder dazu übergeht, permanent alles und jeden zu kommentieren und am Ende lautstark darüber diskutiert, ob die kommende Vorstellung nun 23:00 Uhr oder bereits 22:55 Uhr anfängt und man sich nach viertelstündiger Diskussion schlussendlich darauf einigt, dass dies doch eigentlich völlig egal sei und man sowieso noch in die untere Etage muss, um Popcorn zu kaufen, wenn die Gastro noch offen hätte.

Was das mit dem Film zu tun hat? Nichts. Genauso wie Polaroid nichts mit echtem Horror zu tun hat, sondern eher eine herbe Enttäuschung für jeden ist, der mit Interesse einmal in solch eine Richtung geblickt hat. Hier ist wirklich ALLES vorhersehbar, unendlich langsam und quälend in die Länge gezogen mit Botox-Püppchen und dummen Schulkindern ausgestattet, denen man den Tod nahezu wünscht, einfach nur, damit deren Dummheit endlich ein Ende findet. Und wenn der Film dann endlich (1,5 Stunden nachdem du selbst auf die Lösung gekommen bist) auf die Lösung kommt, auf die du bereits seit 1.5 Stunden wartest, und diese in einigermaßen brauchbaren Effekten als „Big Invention“ zu verkaufen versucht, weißt du selbst nicht mehr, ob du mehr über das streitende Ehepaar, das inzwischen bei „Wo ist mein Handy jetzt?“ angekommen ist oder über den Tathergang auf der Leinwand lachen oder weinen sollst.

Wieder einmal hat man also eine glorreiche Idee an den Höchstbietenden verschachert und damit quasi manifestiert und in Ungnade gestürzt, statt sie in vollen Zügen auszukosten und daraus etwas unglaubliches zu gestalten. Das hätte wiederum dann so viel Aufmerksamkeit verdient, dass man sich ans Massenpublikum wenden könnte, ihnen gleichermaßen aber auch erklären müsste, dass hier immer noch Horror im Vordergrund steht und damit ein Genre bedient wird, dass ihnen normalerweise nicht zusagt.

Den Schritt geht Polaroid aber nicht und fällt so – wie fast alle materialisierten Horrorfilme – in die Grube des Vergessens und Ausgelacht-Werdens und sorgt einheitlich für bitterböse Enttäuschungen im ganzen Kinosaal. Selbst die Twists kann man nicht als solche bezeichnen, weil man sich währenddessen nur „Echt jetzt?“ fragt und auch hier von vornherein klar war, dass so etwas kommen musste.

Und würde jetzt noch irgendein Schauspieler oder -in durch extravagante Darstellungen glänzen oder in irgendeiner Form positiv herausstechen, hätten wir doch schon etwas, das ich an diesem Film loben könnte.

So bleibt leider nur das prähistorische Design der Polaroid-Kamera, das tatsächlich unsäglich gut ist und in jedem nostalgischen Fotografenherzen für mehr Blutfluss sorgt, cineastisch aber nichts an der Leichenstarre ändert, die vor der Leinwand bereits vor der 22:55-Uhr-Diskussion eingetreten ist.

.kinoticket-Empfehlung: Holt euch den Titel in eure Non-Mainstream-Home-Pyjama-Party-Sammlung und genießt ihn mit ein paar Molchaugen und unerlaubtem Alkohol auf eurer Teen-Home-Party, nachdem ihr in den Dorf-Club gar nicht erst reingelassen wurdet und gruselt euch – denn nur da könnte das Ding evtl. funktionieren.

Im Kino läuft da eher nix und von Horror-Fans braucht der Film gar nicht erst angeschaut zu werden. capelight ist auch bekannt dafür, nicht unbedingt von der breiten Masse akzeptierten Content zu verbreiten, sondern eher nieschiges Klientel zu bedienen – aber auch dafür war mir das einfach viel zu schlecht.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Polaroid
Length: 88 Min.
Rated: FSK 16

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

The Favourite

© 2019 Twentieth Century Fox

The Favourite zählt zu den Filmen, wo der Untertitel erstmalig echt hilfreich ist, damit man so ein wenig abschätzen kann, worauf man sich da einlässt. Tatsächlich hat die Welt nämlich längst genügend „Kostümfilme“ gesehen und niemand drängt danach „just another one“ zu besichtigen.

Tatsächlich spreche ich aber hierbei vorab schon mal eine Sichtungsempfehlung aus, denn dieser Titel hat‘s echt in sich und räumt mit sämtlichen „edlen Gepflogenheiten“ auf, die man diesbezüglich gerne vorurteilsmäßig im Kopf haben könnte. Und genau das ist herrlich: Man verwindet sich in einem kruden Kampf aus bitterbösem Humor, schwarzer filmischer Magie und einer Unerwartbarkeit, die im Hinblick auf seine Royalness tatsächlich herzlichst unterhaltsam ist und aus diesem Stück fast schon Kunst werden lässt.

Und dabei stoße ich jetzt höchstwahrscheinlich schon die ersten vor die Brust: Als „Bürger zweiter Klasse“ mag man solche Gedanken hegen und sich fragen, was da hinter verschlossenen Türen abgeht, und das Werk erhebt auch zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf irgendeine Wirklichkeit. Wir befinden uns hier im Reich der Fantasie in einem völlig obskuren Umfeld, das die Gedanken anspornt und einfach mal nur völlig über die Stränge schlagen will.

Und damit geht man am Ende wieder aus dem Saal und ist nicht etwa enttäuscht oder verwirrt, sondern einfach gut unterhalten, weil das, was man gesehen hat, wunderbar aussieht und der Sinn darin so gänzlich fehlt, sondern einfach nur skurril ist.

Und waren Filme nicht schon immer dafür da, mit der Realität zu brechen und einfach alles anders zu machen, damit der Kinogänger die Chance hat, eine Welt zu betreten, die in dieser Dimension nicht besteht?

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, verwirrend seltsam und wunderbar gespielt: Die Welt der Könige aus einem völlig neuen Blickwinkel.

Wer auf Kostümbälle steht, kommt hier auf seine Kosten und wer Kostümbälle hasst, hat eine mega Freude an dem schrägen Plot – hier werden beide Klientel bedient und nicht einfach nur eine weitere Schneider-Belegschaft abgefeiert. Definitiv anders als man denkt.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: The Favourite
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12

Chaos im Netz (3D)

Chaos im Netz

© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Ehrlich gesagt hat es mich schon ein wenig gewundert, als im vergangenen Jahr auf einmal Oscar-Gewinner Clark Spencer die Bühne betrat und uns ein Projekt von Disney vorstellte, das zu dem Zeitpunkt noch weit entfernt vom finalen Stadium war.

Ich hätte verstanden, dass man sich all die Mühe gibt, wenn es sich hierbei um ein monströses Megaprojekt handeln würde, dass schon per Definition zum Erfolg verdammt wäre und man auf keinen Fall verpassen dürfte – aber ein Animationsfilm? Und dazu noch ein zweiter Teil? Serious?

Den Aufwand steckte Disney aber nicht nur in die Promo-Tour quer durch Europa, sondern vielmehr in das Schaffen vor dem Film, indem sich die Crew echt hingesetzt und ernsthafte und kreative Gedanken gemacht hat, wie man das Internet für einen Film möglichst gut einfangen und beschreiben kann.

Man wollte etwas zeitloses, etwas einprägsames, etwas, dass sowohl die Geeks als auch die völligen Nullchecker verstehen würden und das zudem lustig und unterhaltsam ist und dazu eine bombastische Story liefert.

Ihr merkt was?

Oscar®-Gewinner Clark Spencer auf der Promotion-Tour von Ralph reichts 2: Chaos im Netz in München

Genau den Punkt, den man dem Konzern jahrelang vorwerfen konnte, ist man angegangen: Man hat keine alten Geschichten neu aufgewärmt, man hat keine Fremdfirmen für sich arbeiten lassen und heimst nun nur die Lorbeeren ein, man hat den kreativen Schwachsinn ad Acta gelegt und sich darum bemüht, etwas Neues zu schaffen, dass tatsächlich aus eigener Feder kommt und mit frischem Spirit und unglaublicher Unterhaltsamkeit punktet.

Dabei wird die gesamte Palette an Emotionen vielseitig eingesetzt und das Wesen und der Geist vieler Jahrzehnte im Verlauf der digitalen Technik eingefangen und herrlich porträtiert. Man ist historisch und gleichzeitig zeitlos.

In meinen Augen ist Disney damit ein Meisterwerk gelungen, das einerseits den ersten Teil weit in den Schatten stellt und andererseits seit Jahren endlich mal ein Film ist, den man definitiv uneingeschränkt empfehlen kann und bei dem garantiert kein Auge trocken bleibt.

Selbst im Hintergrund, wenn wir wieder zu den kritischen Fragen kommen, z.B. der Finanzierung bestimmter Marken, die zwangsweise auftauchen müssen, wenn man ein ehrliches Bild vom Internet wiedergeben möchte, ist alles richtig abgelaufen: Niemand durfte sich hier einkaufen, sondern die dargestellten Elemente wurden von Disney frei gewählt und hängen nicht mit Sponsorengeldern oder Korruptionsverdächten zusammen.

Spürt ihr, wie mein Mund immer weiter offen steht und offen bleibt?

Das Ding ist – offen gesagt – der absolut krasse Oberhammer und für mich DER Film des neuen Jahres.

.kinoticket-Empfehlung: Clark Spencer hat zu Recht Werbung für das Ding gemacht: Für mich DIE Errungenschaft des beginnenden Jahres 2019.

Hier steckt so viel positive Recherchearbeit drin, so viel liebevolle Details und Umsetzungen und nicht zuletzt eine amüsante, herzzerreißende Geschichte, die aus Chaos im Netz ein Kinoerlebnis der Extraklasse machen.

Geht rein und lasst euch bombastisch gut unterhalten!

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben – bis ganz zum Schluss!

Kinostart: 24. Januar 2019

Original Title: Ralph Breaks the Internet
Length: 113 Min.
Rated: FSK 6

Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers

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© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Bei Pferdefilmen ist es genau wie bei Tanzfilmen: Hast du einen gesehen, kennst du alle. Der Plot ist immer der gleiche: Am Anfang ist ein Hof. Irgendein Konkurrent möchte dem Hof böses und sorgt deshalb dafür, dass er garantiert und ohne Umschweife komplett untergeht! Nicht Teile des Hofs müssen geschlossen werden oder bestimmte Bereiche verkauft oder vermietet oder umstrukturiert, nein – der komplette Hof muss schließen!

Dann gibt es da noch das Pferd. Und eine “sie”, die irgendwie mit dem Pferd verbandelt ist. Sie kann den Hof retten. Die Eltern und Erwachsenen mit Finanzhoheit und Lebenserfahrung haben rein gar keine Chance, es müssen (!) die Kinder machen, denn die Erwachsenen sind in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit vollkommen außer Gefecht gesetzt und dadurch absolut handlungsunfähig. Wären nicht die Kinder, wäre alles verloren!

Irgendein “Eindringling”, der anfangs rein gar keine Beziehung zu Pferden und dem Hof hat, sorgt für Ideen, gilt als Motivator oder Antrieb, der die Kinder dazu befähigt, weit über sich hinaus zu wachsen und im besten Falle mit einem groß angelegten Rennen ein Preisgeld zu kassieren, das den Hof komplett rettet und alle glücklich in den Sonnenuntergang reiten lässt.

Achja, und das Mädchen küsst den Jungen. Abspann.

Wahlweise macht man aus “Hof” eine “Tanzschule”, aus “Pferd verbandelt” ein “Junge verbandelt” und aus “Rennen” ein “Street Dance Event mit Preisgeld” und man hat den Plot für Tanzfilme.

Das garniert jede Fanbase dann mit ihrem eigenen Logo, tut so, als ob es außer ihrer Marke rein gar nichts gibt, was auf diesem Gebiet das Wasser reichen könnte und lebt so, als wäre es immer schon so gewesen. Dazu ein paar rührselige Landschaftsbilder und viel Pferdegetrappel und fertig ist der tolle, atemberaubende Pferdefilm, der das Millionenpublikum begeistert!

Boah … ertrinkt ihr auch gerade so in diesem Kitsch-Schleim?

Yes – der .trailer zu Immenhof hat genau das vermittelt: Just another one … dazu mit den wahnsinnig innovativen, mutigen, aus der Reihe tanzenden Einfällen der Öffentlich-Rechtlichen inkl. Filmförderung, die ja bekannt für “neue Ideen” sind, und … äh ja, die Ironie merkt ihr oder?

Meine Fresse, was hab ich wochenlang abgekotzt und mir gedacht: Lasst es doch einfach sein! Wer braucht das? Immenhof, da hat’s mal irgendwas im Fernsehen gegeben, was dich damals schon nicht interessiert hat und wenn “kleine Mädchen” und ARD/ZDF in einem Atemzug genannt werden, brauch ich per se direkt einen Eimer.

Und dafür hat mich Immenhof – Abenteuer eines Sommers echt überrascht. Positiv. Ja, Ostwind – Aufbruch nach Ora ist für mich immer noch das Maß aller Dinge, weil dieser Film endlich aus dem üblichen Schemata ausbrach und etwas lieferte, was ich bis dato noch nie in einem Pferdefilm gesehen habe: Einen Charakter, der mehr war, als das üblich-schmonzige ARD-Geraffel und etwas, das bereits weit in die Erwachsenenwelt hineinreicht und Avancen hat, größer zu werden, als es jemals war.

Und auf diesen Zug springt Immenhof gewissermaßen auf. Die Szenerien und Landschaftsauswahl gehört zur Kategorie “großartige Bilder” genau wie auch der Soundtrack vermittelt, dass man sich eben von der TV-Serie abwendet und tatsächlich ins Kino möchte. Auch beim Plot spürt man deutlich, dass Kino hier das Maß aller Dinge sein sollte, auch wenn hier und da noch ein wenig die Fernsehlandschaft durchblickt, diese Momente sind ganz schnell wieder vorbei und man entwickelt sich so, dass am Ende tatsächlich der Gang in den Saal von Nöten ist und man das Ding nicht einfach nur auf dem Bildschirm abspulen kann.

Auch charaktertechnisch hat man einiges aufgefahren, was sich eben von dem üblichen Standards abhebt und in einer sehr einfühlsamen Weise zum Ausdruck verhilft, so dass man die Story, wenngleich sie oben beschriebene Elemente enthält, dennoch glaubhaft akzeptiert und hier einen Film erhält, der meiner Meinung nach zwar noch nicht an mein Vorbild heranreicht, jedoch nicht mehr weit davon entfernt ist.

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v.l.n.r. Benjamin Trinks, Rafael Gareisen, Leia Holtwick, Ella Päffgen, Sharon von Wietersheim, Laura Berlin, Moritz Bäckerling auf der Premiere von Immenhof – Abenteuer eines Sommers

© 2019 Petra Schönberger

Vielen Dank an Petra Schönberger für das Bereitstellen des Fotos. Schaut auch mal auf ihrer Seite vorbei: www.events-for-you.eu.

.kinoticket-Empfehlung: Viel positiver, als ich anfangs gedacht habe: Man distanziert sich fast schon aus dem eigenen Genre und liefert Bilder, Soundtrack und Charaktere, die sich vom restlichen Genre deutlich abheben und ein viel “gesünderes Bild” zeichnen als andere Filme dieser Gattung.

Damit kommt man zwar nicht ganz, aber fast an mein Allzeitvorbild Ostwind – Aufbruch nach Ora ran. Der Gang ins Kino ist damit von mir freigegeben 😉

Nachspann
❌ kann man hocken bleiben und den Pferdchen beim Springen zusehen, weiterführende Szenen gibt es aber keine mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers
Length: 105 Min.
Rated: FSK 0

Glass

Glass

© 2018 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

M. Night Shyamalan‘s Filme gehören zu denen, die man eigentlich verbieten müsste zu erklären: Sämtliche Über-Unter-Erklärbär-Texte machen alles nur noch schlimmer. Dabei sind seine Filme gar nicht so übel, wie man ursprünglich denkt – sie passen schlichtweg nur nicht in das Mainstream-Denken aktueller Generationen, weil sich Shyamalan darum ganz bewusst nicht schert.

Ich selbst liebte seine alten Werke und habe sie als Kind auf DVD hoch und runter gespielt und konnte mit den aktuellen Dingen auch weniger anfangen. Split war bis heute für mich der Tiefpunkt des Regisseurs, da hier einfach viel zu viele Logikfehler gemacht wurden, was die komplette Story an sich unglaubwürdig erscheinen ließ und man danach einfach gar nichts mehr ernst nehmen konnte und alles irgendwo nur noch lachhaft erschien.

Von diesen Logikfehlern hat er sich in Glass nicht vollständig getrennt, sie aber zumindest auf ein übersehbares Maß heruntergespielt, so dass man jetzt schon genauer hinschauen muss, um noch gravierende Fehler zu entdecken.

Allerdings hat mich der Film in der Tat völlig positiv überrascht: Irgendwie schafft man es, eine faszinierende magische Anziehungskraft zu entwickeln, die den Zuschauer schon irgendwo in seinen Bann zieht und einen die Story miterleben lässt.

Steven Gätjen bei der exklusiven Preview von Glass im Mathäser Filmpalast in München

Der eigentliche Hauptgrund, sich den Streifen im Kino anzuschauen, ist allerdings James McAvoy! Und ja, jetzt heulen wieder alte Split-Freunde auf, dass dies ja damals schon der Grund war, weshalb Split so gut ist etc. Blabla … jedoch gibt es hier einen wesentlichen Unterschied: Im alten Film hat er auch schon unterschiedliche Charaktere auf beeindruckende Weise authentisch verkörpern können, jedoch immer mit Schnitten drin, bei denen keiner von uns Zuschauern weiß, wieviel Zeit McAvoy hatte, um sich auf die neue Rolle vorzubereiten und diese anschließend im nächsten Take glaubhaft zu verkörpern.

Glass zieht hier gänzlich andere Saiten auf und holt ein förmliches Lebens-Meisterwerk aus diesem Schauspieler heraus, für das er eigentlich schon jetzt den Oscar® verdient hätte! Hier zu erleben, wie er in mehreren Minuten langen, schnittfreien Shots einfach zig mal die Persönlichkeit wechselt und tatsächlich völlig ohne Pause auf die nächste Person umschaltet, ist gleichermaßen faszinierend wie beängstigend: Probiert es vorm Spiegel mal selbst, wie schwierig es schon ist, mit zwei unterschiedlichen Stimmlagen zu sprechen und dann auch noch völlig anders dabei auszusehen … Das, was McAvoy hier abliefert, ist Kino der Meisterklasse und nahezu alleiniger Hauptgrund, sich Glass definitiv anzusehen!

Dazu wartet der Film mit einem genüsslichen Reigen an diversen Plot-Twists auf, die teilweise zwar vorhersehbar, dadurch aber nicht minder spannend sind und dem Film einen Charme verleihen, der wiederum zur magischen Anziehungskraft beiträgt. Man spürt, dass hier mit „guten alten Mitteln“ gearbeitet wurde und die Chemie zwischen dem Regisseur und Schauspielern stimmt.

Dominik Porschen im Gespräch mit Regisseur M. Night Shyamalan bei der exklusiven Preview von Glass im Mathäser Filmpalast in München

Ich persönlich habe Mitte des vergangenen Jahres bereits das Vergnügen gehabt und durfte M. Night Shyamalan persönlich im Kino kennenlernen und dabei seinen Ausführungen über das neueste Projekt lauschen, bei denen er u.a. erzählte, welche Schwierigkeiten er als Filmemacher hat, sich bei den großen Studios durchzuboxen, um überhaupt gezeigt zu werden.

Es ist gleichermaßen faszinierend, dass gerade Disney als Publisher in Erscheinung tritt, die mit der Tochterfirma Marvel ja nun an der gänzlich gegenteiligen Erzählweise und Film-Form arbeiten und quasi hier etwas präsentieren, das vollständig aus ihrem Portfolio ausbricht und alle Regeln und Gesetze verwirft. Shyamalan mag kein CGI, dreht lieber „analog“ und verzichtet auf so viele Computer wie nur irgend möglich: Sämtliche Szenen im Film sind tatsächlich so dargestellt und wurden auch im Kameraverlauf so durchchoreografiert, dass am Ende ein schlüssiges Bild entsteht und man als Zuschauer wieder mal verwundert sein darf über die ein oder andere Szene.

Diese teils trockene und subtile Erzählsprache ist heute nahezu ausgestorben, da man andernorts fast vollständig auf überbordende Special Effects setzt und mit Gigantismus einander auszustechen versucht, während Shyamalan dies hier mit einigen wenigen Sätzen andeutet und fast förmlich abarbeitet.

Damit zeugt man einmal mehr davon, dass seine Filme nichts im Mainstream verloren haben und immer noch zum Nischenkino gehören, Disney als weltweit führendes Label aber einen Massenmarkt damit erobern möchte und für komplett andere Absichten steht. Auch hier findet man sich in teils unerklärlichen Gefilden wieder, die so typisch für Shyamalans Filme sind.

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: James McAvoy haut einen hier vom Hocker, dass sich die Balken biegen und lässt dabei sogar Split wie ein Kindergartenfest aussehen!

Er allein ist DER Grund überhaupt, in den Film zu gehen, der desweiteren aber ebenfalls positiv überrascht! Plot, Twists und der fein abgestimmte Weg, den man damit einschlägt, überzeugen durchaus und präsentieren quasi den Gegenteils-Marvel-Superhelden auf eine völlig eigene Art und Weise. Damit ist für mich der Tiefpunkt seiner Karriere beendet und Shyamalan wieder voll im Rennen!

Nachspann
✅ Bei Split hat sich schon angedeutet, dass hier kleine Gimmicks versteckt werden und auch damit hat man bei Glass ganze Arbeit geleistet: Neue Szenen kommen zwar keine, jedoch ist der Abspann bis zum Schluss nett anzusehen.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Glass
Length: 130 Min.
Rated: FSK 16 | PG-13

Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn

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© 2019 Filmperlen

Christian Bruhn – Hand aufs Herz – wer kennt ihn? Eine Persönlichkeit wie ich, deren Haupt-Playlists aus Scores und Original Soundtracks bestehen, kennt Namen wie Hans Zimmer oder Alexandre Desplat aus dem FF, aber auch ich tu mich mit Musikgrößen – und dazu noch deutschen Legenden – schwer, die Christian Bruhn heißen.

Man kennt seine Werke – das durchaus. Stücke wie Timm Thaler, Captain Future, Alice im Wunderland, Heidi oder berühmte Werbejingle wie Milka, Zott, McDonalds, Maggi und Co. und dazu … und da kommt der Haken: Jede Menge Schlager.

“Marmor, Stein und Eisen bricht”, “Liebeskummer lohnt sich nicht”, “Zwei kleine Italiener”, “Wunder gibt es immer wieder”, “Ein bisschen Spaß muss sein”, “Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”, “Er ist wieder da” und und und …

Hat’s jetzt geklingelt? Dacht’ ich’s mir. Unterbewusst kennt ihn jeder … und das macht ihn zum heimlichen Star, der selbst niemals Wert auf Presse-Aufmerksamkeit gelegt hat und dennoch so viel Künstlerisches in seinem Leben verbrochen hat, dass ihn wahrscheinlich auch noch 1000 Generationen später jeder kennen wird. Unterschwellig. Versteht sich.

Meine unbewusste “Abneigung” gegen ihn kann ich mir selbst auch erklären: Ich arbeite in der Gastronomie und habe das, was andere 1 Wochenende im Jahr machen – einmal ausgelassen irgendwo in den Bergen feiern – quasi fast jeden Tag um mich rum. Nüchtern. Im Dienst.

Test gefällig?

“Wuuuunnder gibt es immer wieeeeeder ….”
“Wuuunder gibt es immer wieeeder….”
“Wunder gibt es immer wieder …” “Wunder gibt es immer..” “WUUUUNDER gibt es immer WIEEEEDERRRRRR” “Wunder gibt es immer…” “Wun….” “WUNDER gibt es immer wieeeed.” “Wunder gibt es immer wieeeeeder…”

Nervt’s schon? Wir sind erst beim ersten Abend. Geht man mal von durchschnittlichen 20 Tagen im Monat aus und rechnet das hoch auf die Zeit, die ich das schon mache, landen wir irgendwie bei 2400-2500 …

Irgendwann KANNST du den Scheißdreck nicht mehr hören und die ewig gleichen dämlichen Songs kotzen dich einfach nur noch an. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die 1 Milliardste Wiederholung es eben auch nicht noch besser macht. Und just kündigt sich ein neuer „Musiker“ an und spielt auf: „WUUUUNDER GIBT ES IMMER WIEEEEEEDER….“ 😉

Okay, jetzt vielleicht nicht zwingend mit diesem Song, aber unter den 2500 Schlagern, die Christian Bruhn verbrochen hat, sind genügend dabei, mit denen es mir da so geht.

Erstaunlicherweise ist die Dokumentation über sein Leben deshalb aber nicht minder unspannend: Sehr viel mehr braucht es einfach seine Zeit, bis dich der Film in seinen Bann zieht. Und ein klein wenig Nachwirkzeit ebenfalls. Mit seinen 80 Minuten gehört der jetzt nicht zwingend zum mittlerweile überbotenen 120-Minuten-Standard, was einerseits ziemlich erfrischend ist, andererseits dennoch Phasen auftauchen, wo man meint: „Okay, was willst du eigentlich sagen?“

Man sieht minutenlang dabei zu, wie sie durch irgendwelche Gegenden spazieren, Dinge erzählen, dass sie hier früher mal gewesen sind oder uns ein „alter Mann“ einfach sein Dasein zeigt. Der Clou kommt eigentlich erst mit der Musik: Hier wird‘s spannend … und zwar trotz dass du die Titel einfach nicht mehr hören kannst.

Wer was wann wie wo und warum löst tatsächlich irgendwie Hysterie aus. Dazwischen merkt man aber auch leichte Unbeholfenheit und Figuren, die in dem Film einfach nichts zu suchen hätten. Und einen großartigen Höhepunkt hat der Film auch, mit dem ich viel mehr Sendezeit gefüllt hätte… da wir hier aber vom Metier Hofer Filmtage und somit absoluten Beginnern sprechen, sei euch verziehen 🙂

.kinoticket-Empfehlung: Am Ende macht‘s alles Sinn, dass man diesem Mann ein filmisches Porträt gespendet und ihn ein wenig vor die Kamera geholt hat: Nicht zuletzt deshalb, weil man dann eine Vielzahl an Titeln wesentlich besser versteht und ihre Entstehungshintergründe kennt.

Viele teils unwichtige Belanglosigkeiten hätte ich aber weggelassen: Hier kommt oft das Gefühl auf, man hat nichts zu sagen und muss es künstlich auf VIP bügeln, um irgendwie Relevanz zu erlangen. Der Schuss geht nach hinten los, der Film – mit etwas Bedenkzeit danach – bleibt aber in Erinnerung.

Nachspann
✅ Ihr seid in einem musikalischen Film, dann nehmt auch die Musik am Ende mit – auch wenn keine weiteren Bilder mehr folgen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0

Underdog

Im Film dauerte es genau 4 Minuten, bis ich das erste Mal Gänsehaut verspürte. Die größte Überraschung des Abends: Der Film wurde im polnischen Original gezeigt mit … englischen Untertiteln! Ein schöneres Geschenk kann man mir eigentlich gar nicht machen.

Da ich für polnisch normalerweise nicht so viel übrig habe (liegt vermutlich an den nicht vorhandenen Sprachkenntnissen und damit der absoluten Unverständlichkeit) und somit auch dem „polnischen Charme“ wenig abgewinnen kann, ist es mehr oder weniger ein Wunder, dass mir dieser Film echt gut gefallen hat: Man spürt nämlich die zumindest hierzulande bekannten Klischees aus jeder Pore tropfen, was in mir manchmal die Frage auslöste, ob da nun wirklich etwas dran ist oder nicht.

Erschwerend dazu kommt noch eine Form des Sports, bei der ich ebenso liebend gern wegschalte … die Chancen, mich hier zu begeistern, liegen also tendenziell bei … wie gesagt: 4 Minuten und die Gänsehaut war da!

Dank des polnischen Publikums im Saal habe ich erlebt, dass der Film auch einige „Insider-Gags“ gebracht hat, die übersetzt wohl nicht soooo lustig (oder klassisch: verloren gegangen) sind, allerdings saalweit für Lachen gesorgt und somit im Original durchaus spaßiges Ambiente hervorgerufen haben.

Was mir unglaublich gut gefallen hat: Die gemütliche Lebensweise der beiden Hauptdarsteller und das eine einzige Wort, für das ich sterben würde: Ehre!

Ja, die Botschaft des Films ist zum Knutschen und ich mochte das Ende so dermaßen, dass ich lächelnd den Saal verlassen habe (als letzter, klaro!) und Underdog damit den besten Schlussstrich unter ein tolles Wochenende von mir gezogen hat und mir den Sonntagabend versüßte.

Durch die polnischen Eigenheiten ist dieses Werk auch nicht mit anderen Filmen dieses Genres vergleichbar, sondern schafft für sich ein eigenes Umfeld und lebt sich darin bestens aus: Als Event-Sondervorstellung im Kino durchaus zu gebrauchen und laut Aussagen der Kinobetreiber auch prächtig bis ausgebucht besucht.

.kinoticket-Empfehlung: Eine tolle Botschaft in einem Filmuniversum, dass dir ein ganzes Land vorstellt und dabei den Geist des Sports beflügelt: Selten wurde so eloquent an ein Mysterium herangeführt, wie hier.

Durch seine landestypischer Eigenheiten nicht zwingend vergleichbar mit anderen Filmen dieses Genres und darum als „Kinoevent“ sehr gut zu gebrauchen: Nutzt die Möglichkeiten, die sich euch noch bieten, gerne aus: Auch Polen kann Kino!

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. Januar 2019

Original Title: Underdog
Length: 116 Min.
Rated: FSK 16

Heavy Trip

Headbangen … bei Heavy Metal denk ich sofort an Schweden, Dänemark und Finnland… Wikingerlanges Haar, schrammelige Gitarren und grölende Laute, die irgendwie „Musik“ abgeben.

Wenn man genauer hinhört, entdeckt man ziemlich bald eine zarte Liebe zu diesen durchdringenden Tönen und – sofern es nicht ausschließlich Geschrei ist, sondern hier und da etwas Melodisches abgespielt wird – zählt diese Musikrichtung bald zu den öfters gehörten Stücken in der hauseigenen Playlist.

Seitdem ist „Heavy Metal“ bei mir irgendwie finnisch.

Heavy Trip ist nicht etwa irgendeine Band-Doku, sondern das klamaukbehaftete Beispiel eines „Blödheini-Films“, der für ziemlich viel Furore sorgt und im Kinosaal kein Auge trocken bleiben lässt. Tatsächlich ist man hier weit entfernt von Seriösität, Anstand und moralischen Werten und haut auf deutsch gesagt einfach mal richtig mächtig auf die zwölf. Dabei zählen Dummheit, Übertreibungen, und skurrile Momente, die immer wieder von boshaftem Humor untermalt werden und rein gar nichts mit political correctness zu tun haben.

Und damit macht dieser Film zwischen „wahren Begebenheiten“, tiefgründigem Arthouse-Kino und anspruchsvoller Kostümlektüre als geistige Entspannung zwischendurch richtig Laune.

.kinoticket-Empfehlung: Befreit euren Geist … und habt einfach mal wieder ausgelassen Spaß im Kino: Bitterböser Humor, Galgen-Klamauk und das tief-dunkle, finnische Böse in einem Film über Heavy Metal und seine nicht ganz ernstzunehmende Genre-Politik dazu.

Macht Spaß, ist herrlich politisch-unkorrekt und spiegelt einfach mal die pure unterhaltsame Blödheit wider.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Hevi reissu
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

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