An alle, die jetzt denken: “Oh mein Gott, jetzt gräbt der noch so einen Musik-Kram aus” – falsch. Die Geschichte von Tupac Shakur in einem Film verpackt, der sich nicht an den Musik-Dokus orientiert, die seit ein paar Jahren blühend aus dem Boden sprießen, nenne ich nicht Musik-Kram.
Hier geht es um viel mehr. 2Pac war schon zu Lebzeiten eine Persönlichkeit, die nicht nur in Sachen Rassenhass einiges in der Gesellschaft auslöste, sondern der auch von seinen eigenen Leuten nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen wurde und darum weitreichende Diskrepanzen verursacht hatte. Sei es durch seinen Lebensstil, durch seine Musik, durch seine Aussagen, mit denen er in der Gesellschaft definitiv für Diskussionsstoff sorgte und den Menschen einen Spiegel vorhielt.
Ein Bild der Gesellschaft, dass er zum einen kritisiert, zum anderen selbst lebte, spiegelt sich in seiner Musik wider. Beim Schauen hatte ich das Gefühl: Immer dann, wenn er mal nicht anders weiter kam, gab es einen Song, in dem er seine Gefühle und das, was er zu sagen hatte, ausdrücken wollte.
Sein Erfolg in den 25 Jahren, die er auf der Erde verweilte, sollte ihm Recht geben.
All Eyez On Me veröffentlicht nun tiefe Einblicke in sein Leben, sein Wirken, seine Absichten und die Hintergründe seines Lebens, wobei es hier nicht in erster Linie um die Musik, sondern vielmehr um das Drumrum geht.
Ich persönlich konnte zu damaligen Zeiten seiner Musik wenig abgewinnen. Kann es heute auch nur bedingt. Finde die Aussage des Films aber immens wichtig für ein friedvolles Zusammenleben in einer Gemeinschaft, die sich durch Globalisierung zu einer unglaublich großen Community entwickelt hat, in der auch ganz andere Probleme entstehen, wie zu damaligen Zeiten, wo es rein ums Ghetto oder den Bezirk ging.
Der einzige Kritikpunkt meinerseits wäre die immens lange Laufzeit von 140 Minuten. Klar, die Szenen sind wertvoll, es gibt keine langatmigen Sequenzen oder andere Gähn-Momente. Aber inwieweit schafft man es damit, in einer “Scroll-und-weg”-Zeit der Unaufmerksamkeit, eine Generation mit etwas zu begeistern, für die ein Zeitungsartikel allein aus der Überschrift besteht?
Gerade die Generation Facebook sollte sich hierfür Zeit nehmen. Und die werden wohl die ersten sein, die sich gelangweilt umdrehen und den Saal verlassen. Die Fans seiner Person haben sich sowieso längst mit den Themen auseinandergesetzt und damals Stellung bezogen, was die Macher des Films hier weitestgehend offen lassen.
Und genau da besteht so großes Potenzial, denn die Problematik ist auch 2017 immer noch aktueller denn je und sollte öffentlich diskutiert werden. All Eyez On Me liefert hierfür den passenden Start-Thread.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan seiner Person ist dieser Film sowieso Pflicht, alle anderen finden hier wichtige Erkenntnisse und aufschlussreiche Momente über eine Person, die die Gemüter spaltet.
Die Laufzeit ist extrem lang gehalten und stellt einen vor wahre Herausforderungen, die Aussage lohnt sich aber, auch wenn es einiges an Durchhaltevermögen kostet.

 
Nachspann
ist gespickt mit Konzertausschnitten (endlich) und einigen Auftritten des originalen 2Pac. Also: Sitzenbleiben.
Kinostart: 15. Juni 2017

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