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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Niemandsland – The Aftermath

Niemandsland - The Aftermath

© 2019 Twentieth Century Fox

Das Plakat gibt einen wunderbaren Vorgeschmack davon, wie sehr einen Vorurteile täuschen können. Worauf habt ihr Bock, wenn ihr derartige Bilder seht und wieder mal (wie so oft in Deutschland) nicht wisst, was “The Aftermath” bedeutet?

Ich verrat’s euch nicht, schick euch aber zwingend in den Film, der wartet nämlich mit einer wunderbaren Bildprofessionalität auf und erzählt eine sagenhafte Geschichte, die man so ganz sicher nicht erwartet hätte. Wie ich zu Jason Clarke stehe? Schaut bei Friedhof der Kuscheltiere nach. Und der Rest vom Titel-Fest arbeitet genauso abartig, dass man im Kino sitzt und die Show einfach feiert.

Es ist der Hammer, wie man so eine Zeit, so ein Thema mal so ganz und vollkommen anders anpacken kann und dem Zuschauer nichts aus der Klischee-Mottenkiste liefern braucht, sondern hier einen Titel vorstellt, der seine Aufmerksamkeit redlich verdient hat.

Würdigt sie … indem ihr ein .kinoticket besorgt, eure Freunde schnappt und diesen wunderbaren Film in einem Kino eurer Wahl genießt.

.kinoticket-Empfehlung: Eine Sichtweise, die so allein auf weiter Flur steht, dass man sie einfach ansehen muss: Wie hier an das Thema rangegangen wird, ist überaus beeindruckend.

Eingebettet in tragreiche Geschichten und eine ansonsten hervorragend umgesetzte Bild-Pracht bekommt ihr hier genau das, was niemand erwartet hätte.

Reingehen!

Nachspann
❌ man rennt nicht gleich aus dem Kino, wenn die Schwarzblende einsetzt, es kommen aber auch keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: The Aftermath
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Birds of Passage

© 2019 MFA+ FilmDistribution

Birds of Passage hört sich erstmal nicht wirklich spektakulär an, hat mich aber zutiefst beeindruckt und fast wortlos zurückgelassen.

Dieser Film erzählt eine Story, die große Anfänge beschreibt, von denen Hollywood und die Allgemeinheit nicht sonderlich viel wissen (wollen), die aber so epischen Ausmaßes sind, dass sie zurecht als “indigener Pate” beschrieben werden: Hier kracht eine monumentale Erzählerwucht auf die Zuschauer ein, die verblüfft und entsetzt.

Dabei werden tiefe Wahrheiten ausgegraben, historische Gegebenheiten beleuchtet und Licht in dunkle Ecken gebracht, aus denen direkt das Quell allen Übels hervorgeht und weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden können, die verwurzelt bis in die heutige Zeiten ihr Unwesen treiben und die Menschheit in Ketten legen.

Und nicht nur im Plot liegt eine tragreiche Schwere, sondern auch in punkto Kameraarbeit hat man sensationelle Arbeit geleistet, die wirklich zutiefst beeindruckt: Die Bilder betören schon fast und muten mit einer faszinierenden, fesselnden Eleganz an, die in höchstem Maße bestaunenswert ist. Birds of Passage ist hohe Kunst, die das pure Gen der Wahrheit in sich birgt und verstörende und zugleich bildungsreiche Einblicke in das Wesen der Menschheit liefert.

Hier sollte man zwingend zuschlagen, ganz gleich, welches Kino ihr dafür ins Visier nehmt – Hauptsache der Film steht auf dem .kinoticket.

.kinoticket-Empfehlung: Monumental erzähltes Epos historischer Beginne einer krankhaften Kultur, die bis in die heutige Zeit reicht.

Dabei verblüfft nicht nur der Inhalt, sondern auch Bild, Kameraführung und das gesamte Setting drumrum: Hier wurde sagenhafte Arbeit geleistet, die zumindest mit einem .kinoticket honoriert gehört.

Reingehen!

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pájaros de Verano
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Friedhof der Kuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere

© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Stephen King – entweder man liebt ihn, oder hasst ihn, oder neuzeitlich: Kennt ihn nicht. So unvorstellbar das klingt – auch das gibt’s mittlerweile. Womöglich einer der Gründe, weswegen man das grandiose Original seines beliebten Klassikers Pet Sematary neu auflegt und somit einer völlig neuen Generation verfügbar machen möchte.

Ohhhhh My Gosh … sooooo unnötig …. Blabla bla. Bla.

Fertig?

Cool.

Friedhof der Kuscheltiere gehört nämlich zum ersten Mal in meinem Leben zu den Remakes, die neben dem Original bestehen können und die man am besten in ein Double Feature packt und optimalerweise im Kino bestaunt. Keiner der beiden Filme macht dem anderen jeweils Konkurrenz, auch wenn die Story sich in Teilen gleicht: Irgendwie hat man es meiner Meinung nach wunderbar hin bekommen.

Und sowas ist höchst selten.

Ja, jeder erwartet die typischen Szenen, Momente, Elemente und möchte innerlich den Film einfach nur abhaken. Und kommt dann wahrscheinlich nicht so ganz klar, weil hier nämlich in zwei völlig unterschiedlichen Macharten gearbeitet wurde. Wo der eine auf Emotionen und Gefühle, Werte und Familie setzt, zielt der andere auf völlig neue Elemente ab und möchte nicht kopieren, sondern liefert seinen eigenen Stil.

Wow!

Was mich zudem unfassbar beeindruckt hat: Die ruhige, konsequente und elegante Kameraführung … Immer im richtigen Winkel, immer im richtigen Blickfeld, immer mit der richtigen Einstellung – hier hat man so akkurat und präzise geplant und überlegt und dann durchgezogen, da steckt sicherlich eine unglaublich hohe Menge an Vorarbeit dahinter, um das so perfekt hinzubekommen.

Das gleiche bei den berühmten “Jump Scares” – die sind soooo ausgelutscht mittlerweile, dass selbst die “Inception“-Variante davon nicht mehr wirklich funktioniert.

Warum zuckt dann auf einmal plötzlich wieder der Großteil im Saal rum? Großes Kino.

Und diese bedrohliche Ruhe dabei … da fängt man sogar an, mit John Lithgow seinen Frieden zu schließen und Jason Clarke ist schauspielerisch sowieso ne Bombe.

Alles in allem hat mich der Film sehr begeistert, weil er eben eines nicht tut: Kopieren. Und sowas in einem Remake eines so weltbekannten Klassikers zu schaffen – großartig!

.kinoticket-Empfehlung: Am besten im Double Feature mit dem Original genießen!

Findet seinen eigenen Stil, legt auf völlig eigene Dinge wert, liefert exzellente Kameraeinstellungen und perfekte Bilder und interpretiert so das Werk von Stephen King völlig neu.

Einziger Kritikpunkt: Ich hätte mir eine Blutspur gewünscht. Wenigstens eine kleine. Ihr wisst, wo.

Nachspann
❌ Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Pet Sematary
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16

Monsieur Claude 2

Monsieur Claude 2

© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Christian Clavier ist das Aushängeschild Frankreichs fürs Kino und mittlerweile ein Garant für lustige Unterhaltung. Filme mit ihm treffen normalerweise immer voll ins Schwarze und sorgen breitflächig für Belustigung und gute Laune.

Monsieur Claude war damals ja bereits ein Überraschungserfolg sondergleichen und ich habe es tatsächlich irgendwann geschafft, mir die Blu-ray zu organisieren und ihn mir angeschaut und war … mäßig begeistert. Kein Plan – irgendwie absolut nicht mein Humor. Ich fand es zu schräg, zu langatmig, zu aufgebläht, zu wüst, zu viel.

Teil zwei knüpft nun an den Erfolg an und ändert wesentliche Charakterprinzipien, hat dadurch aber nichts von der Grundidee aufgegeben: Irgendwie bekommt jeder seine zwei Minuten und Ende. Genau das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg des Ganzen: Da sind so viele … eigentlich alle Konstellationen, Optionen, Möglichkeiten zusammengerissen, dass sich jeder da drin wiederfindet – wenn auch nur ganz kurz. Und genau da fehlt mir ein großer, roter Leitfaden dahinter: Irgendwie werden Szenen gebracht, dann ist direkt Schluss und andere Szenen werden gebracht. Grad so, dass du in manchen Szenen dann verschiedene Leute nochmal wieder siehst und daran merkst, dass doch alles irgendwo eine Geschichte sein soll.

Es sind aber viele. Zu viele. Und die sind so wild zusammengeschnitten, dass es einfach keinen Spaß macht, dem Strang zu folgen und man sich irgendwann nur noch auf “kommen da noch lustige Witze” konzentriert – die der Film gegen Ende aber immer weniger liefert, was auch zu immer mehr “Stimmungsruhe” im Saal führt. Kein Wunder also, wenn selbst die Sneak-Gemeinde diesen Film fast zur Hälfte bloß mit “mittelmäßig” bewertet und sogar einige “schlecht”-Stimmen in der Abstimmungsbox liegen.

Hier hätte man sich nicht auf “Wir hauen nochmal richtig drauf”, sondern lieber auf einen lustigen Plan konzentrieren sollen, entweder mehr Gagdichte oder mehr Kameraspielraum schaffen müssen, damit der Zuschauer nicht so wild vor sich hergetrieben wird. Und dann den Film in den Sneaks im Original mit Untertitel zu zeigen, wo die Darsteller alle dermaßen schnell sprechen (und dementsprechend schnell untertitelt werden) … denkt euch selbst, wie viel Freude das bereitet. Und sprecht dabei leise 3x hintereinander superschnell “Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?” aus 😀

.kinoticket-Empfehlung: Zu wild durcheinandergeschnitten, zu zerrissen, kein richtiger, durchgehender Plot, sondern einfach nur viel, laut und schräg: Absolut nicht mein Humor.

Hier hätte es etwas mehr Kamera-Ruhe oder als Ausgleich gegen Ende etwas mehr Gagdichte getan, um den Film noch einigermaßen zu retten. Jeder bekommt halt seine zwei Minuten, in denen er sich absolut wiederfindet – die werden aber durch abrupte Schnitte direkt beendet.

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, das Lied ist ganz cool – aber nicht zwingend nötig, hier sitzen zu bleiben. Es kommen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu?
Length: 99 Min.
Rated: FSK 0

Unheimlich perfekte Freunde

Unheimlich perfekte Freunde

© 2019 SquareOne Entertainment

Fangen wir mal mit den positiven Dingen an: Die Jungdarsteller und -darstellerinnen überzeugen durch die Bank weg mit ihrer Performance und gehören damit nicht der typischen Nerv-Kind-Sorte an, sondern liefern hier erstklassige Arbeit ab.

Auch die Idee des Films kann sich sehen lassen und ist meiner Meinung nach exzellent umgesetzt.

Problematisch wird’s eher beim Inhalt. Irgendwie hapert es da ein bisschen an der Gesamt-Schnittigkeit und dem überzeugenden Etwas, das keiner so richtig benennen kann. Nach dem Film kam ich aus dem Kino, hatte immense Schwierigkeiten, mich damit anzufreunden, hab ein wenig drüber gesprochen und beim Reden dann erst gemerkt, wie tiefgründig und geil die Botschaft des Films eigentlich ist.

Und da sind wir wieder beim Positiven: Die Moral von der Geschicht’ ist über alle Maßen toll – und irgendwie verreckt dabei auf der Strecke eigentlich nur das Wesentliche.

Na toll, mag jetzt jemand sagen – genau das sollte doch eigentlich passen und überwiegend überzeugen … tut es auch, halt nur indirekt, danach … irgendwie. So ganz rund ist das Konzept eben nicht, aber genau das gehört dann wahrscheinlich auch dazu.

So wie ich manchmal die innere Zerrissenheit und Zerstörung in Form von schrecklichen Texten in eine Rezension einbaue – quasi als “Stilmittel”, so wurde hier an Perfektion und Durchgestyltheit rumgekraxelt, dass am Ende eben das komische Gefühl bleibt, einen nicht so tollen Film gesehen zu haben – der, je länger man darüber nachdenkt, geiler eigentlich nicht sein kann.

Und das nenn ich doch mal eine interessante Mischung, die den Gang ins Kino wiederum rechtfertigt. Doch nicht nur das, auch die beiden Hauptdarsteller sind es wert, sich das Ding zu besehen, selten hab ich so viel Coolness und Schlagfertigkeit in einer so jungen “Krass, mich gibt’s doppelt!”-Rolle gesehen, wie hier.

Und das allergeilste ist irgendwie, dass das zwar ein Kinderfilm ist, der sich aber auch in Richtung Erwachsenen-Dasein räkelt, denn die Gedanken, die man hier hervorruft, sind in vielerlei Hinsicht sehr bemerkenswert und in unzähligen Erziehungsmodellen dringend notwendig, um den Heranwachsenden wieder ein lebenswertes Dasein zu verschaffen, fernab von jedweder skurril-kranker Wahnvorstellungskraft der “Erwachsenen”, die sonst was im Kopf haben außer das Wohl des Kindes.

Uh, böses Thema … sollte am besten gar nicht angeschnitten werden, schon gar nicht von einem kinderlosen Typ in weiß … ich weiß 😉 Also, lasst den Film sprechen, denn die Aussagen da drin gefallen mir über die Maßen gut und ich finde, man darf sich davon gerne eine dicke Scheibe abschneiden – auch wenn der Film komisch ist.

.kinoticket-Empfehlung: Seltsam, irgendwie nicht ganz rund und dennoch mit einer großartigen Pointe, die den Film tiefsinnig und damit doch wieder höchst wertvoll macht.

Die Kids überzeugen, die Erwachsenen werden zur Diskussion gebeten und dieses Thema wird endlich mal wieder exzellent beleuchtet und von jeglichen Skurrilitäten befreit, obwohl alles doch etwas sehr befremdlich ist da drin.

Interessante Mischung, lasst sie euch in einem Kino eurer Wahl munden 😉

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, wenns auf Schwarz geht kommt nichts weiter.

Kinostart: 04. April 2019

Original Title: Unheimlich perfekte Freunde
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

Dumbo (3D)

Dumbo

© 2019 The Walt Disney Company (Germany) GmbH

Seit Monaten reißt es mich hin und her, wenn im Kino der Dumbo.trailer gespielt wird und das Kinopublikum vor Unlust auf noch ein Remake laut das Keuchen anfängt. Ja, auch ich hasse das ständige Wiederaufwärmen alter Themen, das inzwischen genauso viel Spaß macht, wie eine 341mal aufgewärmte Suppe, die man mit Freuden und Gekreisch auf dem Tisch präsentiert.

Dann steht da aber noch der Name Tim Burton – der Typ hat doch längst bewiesen, dass er gute Filme kann … dazu der furchtbare .trailer, den Disney da abliefert … eine Emotions-Achterbahnfahrt, die nun endlich ihr Ende gefunden hat: Der Film ist auf dem Screen.

Und wir dürfen reden.

Also tu ich’s.

Ja, man fährt hier harte Geschütze auf und lässt die “Neuen” (dafür werden die Remakes ja eigentlich ausschließlich produziert) richtig schön auf Grundeis gehen: Das, was uns am Anfang nämlich gezeigt wurde, ist hier … weg.

Tatsächlich wartet dieser Streifen mit einer düsteren Härte auf, der ich den “Kinderfilm” glatt aberkennen würde: Was hier gezeigt wird, grenzt an sämtliche kindlichen Nahtoderfahrungen, die mir dabei einfallen. Tierschützer sollten sich dem Werk gütlich fern halten und auch meine Empfehlungen für einen “schönen Familiennachmittag” landen direkt wieder im Schredder: Leute, überlegt euch, wen ihr als Zielpublikum haben wollt, denn das kommt hier nicht so wirklich ganz raus.

Fakt ist: Die Technik, die bei Disney zum Einsatz kommt, ist mittlerweile so perfekt, dass man keinen Unterschied mehr sieht zwischen “das Tier ist echt” und “das ist animiert”. Und dann dabei zusehen, wie hier mit Viechern umgegangen wird, ist einerseits extrem schmerzhaft, andererseits kein guter Lehrmeister und dazu auch plottechnisch fragwürdig, denn: Wenn Kinder die Zielgruppe sein sollen, wieso zeigt man ihnen, wie es nicht geht?

Natürlich hat der Streifen eine wunderbare Moral und räumt ein für alle Mal mit dem Thema auf, jedoch kommt diese “Erkenntnis” in meinen Augen viel zu spät, als dass diese Hinarbeit noch Sinn hätte, denn Kids jüngerer Generationen haben bis dahin längst den Anschluss verloren oder sinnieren immer noch in ihrer psychischen Schockstarre darüber, was man den Viechern den ganzen Film über antut.

Und ja, man konnte mir nicht genau benennen, was davon nun alles animiert, und was echt ist. Wieder einmal muss man dem “No Animals were harmed during the making of this film”-Zertifikat am Ende des Abspanns vertrauen, was in heutigen Zeiten ja immer schwerer fällt.

Es ist auf alle Fälle anratsam, seine Kinder nicht in diesem Film zu parken, sondern sich ein .kinoticket mit zu lösen, um während des Films Rede und Antwort stehen und ggfs. seelischen Beistand leisten zu können, mit “harmonischer Familie” hat das nämlich längst nichts mehr zu tun.

Und noch ein P.S: Irgendwie hat sich Disney thematisch hier selbst vorgeführt … mehr dazu verrate ich aber mal nicht. Schaut halt selbst im Kino nach.

.kinoticket-Empfehlung: Hart, brutal und technisch so einwandfrei perfekt, dass das Unterscheiden zwischen “digital” und “echt” nicht mehr möglich ist – was zu Verwirrungen und Schockzuständen bei kleinen Kids führen könnte.

Die Härte und Bosheit, die man hier präsentiert, widerspricht dem üblichen Familienfilm und braucht dazu noch viel zu lange, um endlich zu der redlichen Moral zu kommen, auf die man eigentlich von Anfang an nur wartet. Daher: Für Erwachsene perfekt, für Kids eher unbrauchbar.

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. März 2019

Original Title: Dumbo
Length: 112 Min.
Rated: FSK 6

Beach Bum

Beach Bu

© 2019 Constantin Filmverleih

Bevor alle rum meckern, zäumen wir das Pferd doch mal von unten auf: Hat sich einer von euch schon mal die Mühe gemacht und nachgesehen, was “Bum” überhaupt bedeutet?

Beach mag man noch übersetzt kriegen, aber ich schätze, bei “bum” hört bei den meisten das Englisch der Schule insofern auf, dass sie sich denken: “Ach, irgend ein Mist, der mich sowieso nicht interessiert” und dann lieber doch woanders rein gehen.

Schlägt man in einschlägigen Nachschlagewerken nach, entdeckt man Wörter wie “Gammler”, “Penner”, “Faulpelz”, “Pospalte” (schon irre, welche Unterschiede zwischen Amerika und Großbritannien herrschen) und ist direkt auf dem Trip (Hint), wo es in diesem Fall hingehen soll.

Dann muss ich zusätzlich noch etwas sagen: Durch meine leidenschaftliche Filmkunst bin ich mittlerweile einigermaßen des Englischen mächtig und habe festgestellt, dass ich das Original ohne Untertext-Ablenkung so arg schätze, dass mich deutsche Pendants oftmals nur noch ärgern. Und dieses Juwel der Filmkunst habe ich bereits lange vorab gesehen – und zwar in OV – also der Original Version ohne Untertitel, dafür mit dem perfekt-nuschelnden Englisch eines grandiosen Matthew McConaughey, der hier eine Persönlichkeit zum besten gibt, die in sich absolut stimmig ist.

Nun stehen wir also hier und haben einen Film, der einen erstmal sehr lange Zeit absolut im Dunklen lässt und überhaupt nicht weiß, was er den Zuschauern mitgeben soll. Story? Fehlanzeige. Irgendeine Richtung? Fehlanzeige. Deswegen absolut mies? In meinen Augen genauso Fehlanzeige.

Man fährt irgendwann genauso auf dem Trip mit, der einem hier geboten wird – und der Film glänzt bereits von Beginn an mit ganz anderen Dingen: Einer absoluten Farbenpracht und einem grandiosen Beat, der besser kuratiert nicht sein könnte.

Dazu kommt irgendwann dann auch noch so etwas wie ein “Plan”, der diesem Stück dann doch noch gewisse Relevanz verleihen möchte – und man badet sich förmlich in einer Persönlichkeit, die eines definitiv vorweist: Einzigartigkeit.

Nun schreien doch immer alle danach, dass Hollywood längst nicht mehr in der Lage dazu ist, Originale zu liefern, sondern alles nur noch aufgebrühte Kacke ist, man von Special Effects und Dummheiten vollgesülzt wird und empört sich über fehlende Tiefgründigkeit und Genialität. Wenn sich dann aber jemand auf den Weg macht und eben jene Originale bringt, soll’s auch wieder nicht recht sein?

Warum muss denn alles so durch und durch feuilletonisiert sein, dass man darin immer eine subtile, wissenschaftlich fundierte Kritik an Politik und System erkennt, die dann gleichermaßen auch noch die richtige Richtung einschlägt und den Zuschauer definitiv befriedigt?

Dieser Film will das nicht – und braucht das nicht, sondern er stellt einfach eine völlig absurde, farbenprächtige und dadurch definitiv interessante Welt und Lebensweise vor, die meiner Meinung nach sehr wohl ein .kinoticket wert ist: Denn anders geht eben anders und nicht gleich.

Meine größte Angst ist und bleibt deshalb nur: Womöglich ist die Übersetzung hier absolut kacke und macht den Film gänzlich kaputt. Ja, ich habe noch nicht die Chance gehabt, irgendwelche Synchron-Interpretationen zu sichten und konnte mir schon bei der OV redlich vorstellen, wie jemand McConaughey verständlich übersetzt und dadurch den Charakter killt – und genau das macht diesen Film dann einfach nur scheiße.

Was ich von Probanden der (deutschen) Sneak Preview dazu schon vernommen habe, geht zumindest befürchteterweise direkt in diese Richtung und genau das macht es noch viel schlimmer: Dadurch werden wohl noch weniger Kinos den Film überhaupt bringen … und schon gar nicht im eigentlich völlig coolen Original.

Solltet ihr also erwägen, ihn euch trotzdem anzuschauen, sucht danach, oder beißt in den sauren Apfel und stellt hinterher auf Blu-ray die Original-Tonspur ein und schaut ihn da. Wobei die Tragweite und das “Nicht Ergreifbare” dieses Films sehr wohl wesentlich heftiger auf dem Big Screen zur Geltung kommt.

Your Choice.

.kinoticket-Empfehlung: Im Original gesehen und absolut stimmige Charaktere mit subtilem Witz gepaart gefunden – jedoch in der Befürchtung, dass die deutsche Synchro das ganze Ding allein durch “es ist anders” kaputt machen wird.

Erste Anzeichen lassen genau dies vermuten, dabei strotzt der Film vor Farbenprächtigkeit, einem sensationell guten Soundtrack und einer völlig neuen, einzigartigen Art, die endlich mal frischen Wind in die Filmlandschaft bringt. Wenn genau dies untergeht, wäre das in meinen Augen sehr schade, denn hier ist die Diversität, nach der alle gerade so lauthals schreien.

Und McConaughey spielt so gnadenlos gut … auch wenn ihr nix versteht … der Typ ist Bombe in dieser Rolle!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. März 2019

Original Title: The Beach Bum
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16

Unser Team – Nossa Chape

Unser Tea

© 2019 Weltkino Filmverleih

Wenn ich jetzt sage “Fußball”, rennt wahrscheinlich die Hälfte der Leser gleich wieder von dannen. Darum sag ich’s nicht 😉

Im Ernst: Ich bin auch kein Fan dieser Spielformen, hab keinen Verein, werd nicht ekstatisch, wenn irgendeine Mannschaft in irgendeinem Tabellenplatz aufsteigt und fahre nicht wild schreiend durch die Straßen, wenn irgendwo in einem Teil der Erde jemand irgendwas Rundes oft genug in was Eckiges geschmissen hat.

Ich hab dieses Phänomen tatsächlich nie wirklich verstanden, fand es aber immens schön, als die WM in Deutschland stattfand und man gewissermaßen ein wenig Selbstwertgefühl gelebt und diese temporäre Aufatmungs-Entspannung der Menschen gleich welcher Kultur gespürt hat. Dem kann ich wiederum sehr viel abgewinnen.

Und nun kommt Unser Team – Nossa Chape und erklärt uns, was Fußball wirklich ist. Glaubt mir, auch wenn ihr diesem Sport nichts abgewinnen könnt (darum geht’s in dem Film nämlich überhaupt nicht), wisst ihr danach, warum es so entscheidend ist, dass diese Sportart vorhanden ist und auf der ganzen Welt durchgeführt wird, weil hinten so enorm viel mehr dran hängt, was Menschen, Städte, Kulturen und Freundschaften zusammenhält – oder auseinander bringt.

Diese Geschichte hat sich durch alle Medien gezogen und wird hier so wunderbar kritisch, reflektiert und beidseitig beleuchtet aufgezeigt – immer mit dem Fokus auf die liebevolle Ausrichtung, den Menschen klar zu machen, was an dieser Stelle bewusst oder unbewusst angerichtet wurde – dass selbst ich als Fußball-Nichtmöger diesen Film so immens wichtig erachte, dass er den Spitzenplatz meiner Wochen-Top-5 belegt.

Seitdem verstehe ich so vieles besser und sehe, welch wunderbaren Grundzüge dieser Sport eigentlich hat – und gleichermaßen, wieviel Schaden man durch den Missbrauch dieser Ursprünglichkeit anrichtet, ich kann all dies sehr viel besser einschätzen. Es ist das emotionalste Werk, was ich in diesem “Genre” je erlebt habe und ich war von mir selbst fasziniert, wie toll dieser Film geworden ist, obwohl ich immer dachte, dass ich “damit sowieso nix anfangen kann”.

Also gebt euch einen Ruck, sucht euch besondere Events oder Vorstellungen raus, geht in Independent-Kinos, die das Werk regulär zeigen und schaut ihn euch an – es lohnt sich definitiv!

.kinoticket-Empfehlung: Eine sensible, spürbar mit sehr viel Feingefühl aufgearbeitete Analyse menschlicher Interaktion am Beispiel eines Sports, mit dem nicht jeder konform geht.

So herrlich selbstreflektiert, kritisch und nicht-sensationsgeil etwas derartiges zu verfilmen ist in meinen Augen sehr große Kunst und sollte definitiv gesehen werden.

Nachspann
✅ lohnt sich, anzusehen, rennt also nicht gleich raus.

Kinostart: 28. März 2019

Original Title: Nossa Chape
Length: 101 Min.
Rated: FSK 12

Willkommen in Marwen

Willkommen in Marwen

© 2019 Universal Pictures International

Dieser Film schmeichelt der Fotografie: Die Kameraeinstellungen und das technische Setting im Hintergrund ist große Klasse und zeugt von vielen Überlegungen im Vorfeld und einer präzisen, liebevollen Auseinandersetzung mit dem Thema an sich.

Inhaltlich wird wohl nicht jeder gleich verstehen, worum es geht, und die “Sprünge” sind für manch einen wohl auch eher befremdlich als angenehm, allerdings empfand ich genau das als einer der wertvollen Punkte des Films, da diese “Sprünge” extravagant und gleichzeitig subtil eingesetzt wurden und man hier mit viel Liebe hin und her geht, ohne dabei die Story an sich zu zerreißen.

Steve Carell spielt natürlich großartig und gibt dem Film einen Charakter, der gleichwohl die Zerrissenheit, als auch die Selbstfindung und heroische Rebellion deutlich auf den Punkt bringt – und dass all das einer wahren Tatsache entnommen ist, zeugt einmal mehr davon, dass das Leben die besten Geschichten schreibt.

Vom unterhaltungsverwöhnten Publikum wird Willkommen in Marwen wohl auch nicht so abgefeiert werden, da viele einfach die Langsamkeit des Films nicht zu schätzen wissen und hier wahrhaftig “Fotografen” angesprochen werden, deren täglich Brot solches “sich Zeit nehmen” ist. Diese Attitüde zieht man den ganzen Film über durch, was eben dafür sorgt, dass der Plot nicht als schnelllebiges Abarbeiten durchexerziert und vom Zuschauer als “Kurzweil” interpretiert wird, sondern man nimmt sich wirklich Zeit für Settings nimmt und hier genügend Spielraum bietet, um sich dieser sehr ästhetischen Auseinandersetzung zu widmen und sie in allen Maßen zu genießen.

Dass am Schluss nicht die tränenreiche Moral über den Tisch hinweg fegt, zeigt einfach noch einmal, dass man nicht im “Superheldenmodus” irgendwas wahnsinnig tolles erzählen wollte, sondern man sich hier einer dramatischen Sache widmet, sie mit genügend emotionalen und humoresken Momenten füttert und dabei der Kamera allen Freiraum bietet, den man nur herschenken kann.

.kinoticket-Empfehlung: Langsam, ästhetisch und fotogen: Dieses Werk schmeichelt den Linseneinstellungen und nimmt sich genügend Zeit, um diese Augenweide auch ausreichend zu zelebrieren.

Steve Carell spielt klasse, die Story basiert auf wahren Begebenheiten und der Film reißt nicht durch Entertainmentkracher vom Hocker, sondern widmet sich eher den sanften Bildern und einem wunderbaren Setting, dass sich mit diesen Welten auseinandersetzt.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. März 2019

Original Title: Welcome to Marwen
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12

Ein Gauner und Gentleman

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© 2018 DCM Film Distribution GmbH

Robert Redford möchte abtreten – und zielt dabei nochmal auf nostalgische Kino-Momente und lässt “seine Zeit” ein letztes Mal auf der großen Leinwand aufleben. Rausgesucht hat er sich dafür einen Stoff, der auf wahren Begebenheiten beruht und irgendwo auch perfekt zu seiner Persönlichkeit passt. Und er spielt seine Rolle herausragend gut!

Generell hat man es geschafft, hier einen Film zu etablieren, der in all seinen Facetten stimmig ist und das saubere, ordentliche und “ruhige” Bild vergangener Tage vermittelt – in sich ausgeglichen mit dem Design, den Charakteren und der Verrücktheit, die Filmen damals angediehen war, die das besondere Etwas ausgemacht haben, das Filme von der Wirklichkeit unterschied.

Und damit verkörpert man ein reelles Werk, dass sich fernab von CGI, Tech-Drogen und SciFi-Hysterie aufstellt und zeugt trotz der wahnsinnigen Attitüden von charmanter Eleganz, die einerseits Unglaubhaftigkeit heraufbeschwört, andererseits aber auch den spannenden Kick liefert, den ein Film braucht, um unterhaltsam und kurzweilig zu sein.

Wer sich also noch ein letztes Mal in dem Bad der historischen Gefühle wälzen und alten Zeiten frönen möchte, sollte Ein Gauner & Gentleman unbedingt ansehen: Frisch, authentisch und nostalgisch, aber deshalb noch lange nicht altbacken oder ausgedient.

Ein würdevoller Abtritt zur richtigen Zeit im richtigen Moment. Danke für die gute Zeit!

.kinoticket-Empfehlung: Liebevoll arrangiert, sympathisch gespielt und authentisch & verrückt: Eine wahre Geschichte als letztes Werk von Robert Redford.

Nostalgie kommt auf, die Würde der schauspielerischen Leistungen, die damals noch den Inhalt des Films bestimmt haben und eine vollkommen effektbefreite Leinwandumgebung lädt Filmkonsumenten ein, nochmals in vergangene Tage abzutauchen und ein letztes Mal Robert Redford auf der Leinwand zu bestaunen.

Lasst euch das nicht entgehen!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. März 2018

Original Title: The Old Man & The Gun
Length: 93 Min.
Rate: FSK 6 | PG-13

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