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… und ohne den Spaß am Film zu nehmen.

Under the Silver Lake

© 2018 Weltkino Filmverleih

Under the Silver Lake, was an sich schon als Verschwörungsklausel gelten könnte, ist der neue Titel des It Follows-Regisseurs, der sich abermals in langatmiger Erzählweise ertüchtigen möchte.

Ich hatte mit dem viel gepriesenen Horror-Stück schon meine lieben Schwierigkeiten, weil die Spannung einfach viel zu früh aufgelöst und der Film damit bereits in den ersten Minuten jeglichen Sinn für Gänsehaut und authentische Momente aufgegeben hatte. Und ich verstehe bis heute nicht, wieso dieses Ding überhaupt jemand feiert. Zu deutsch: Es war das langweiligste und langatmigste, das mir je untergekommen ist.

Under the Silver Lake lässt deutlich spüren, dass hier der gleiche Kerl am Werk war, hat aber in vielen Punkten seine Hausaufgaben gemacht: Die Zeichnung und Optik des Films ist erstklassig und zerberstet fast vor unermesslichem Erzählpotenzial. Was hier grafisch aufgefahren wird, ist einfach viel zu schade, um an so einen Film verschwendet zu werden.

Das gleiche gilt für den Soundtrack: Technisch haben die Macher wahrhaftig Ehre verdient und einen Film gezaubert, der schöner kaum sein könnte.

Was mir – wieder einmal – mies aufstößt, ist die Undurchdachtheit des Plots, der zwar in allen Maßen seltsam und durch und durch verhangen ist, jedoch keine Brillanz aufweist, die ihn zum Meisterwerk emporsteigen ließe. David Robert Mitchell verheddert sich in seiner eigenen Abstrusität und erzählt somit ein Potpourri von verwegenen Verschwörungsfetzen, die zwar für sich interessant erscheinen, sich aber während der überlangen Laufzeit nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen und somit Keime der “Sinn-Frage” durchscheinen lassen.

Und damit entblößt man sich als Luft-Heini, der nichts zu sagen hat und die Welt nur durch “komische Atmosphäre” unterhalten kann – das ging bei It Follows bereits schief und haben andere Regisseure vorher schon wesentlich besser auf die Reihe gekriegt.

Und dabei hätte man mit dieser Grafik so viel geiles anstellen lassen können … Und es bleibt mir weiterhin schleierhaft, warum das Publikum diesen Film jetzt erneut so abfeiert…

.kinoticket-Empfehlung: Grafisch und akustisch eine absolute Augen- und Ohrenweide 🙂

Der Plot mäkelt vor sich hin und macht das Werk zu einer genauso harten Zeitaufgabe, wie es schon bei It Follows der Fall war: Die Länge wird unerträglich, weil man einfach nicht aus der Hütte raus will, sondern immer nur den Kopf durchsteckt – und das für die endgültige Befreiung halt leider nicht reicht.

Nachspann
✅ ist animiert, darf man also gerne noch mitnehmen.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Under the Silver Lake
Length: 139 Min.
Rate: FSK 16

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Tabaluga

© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Peter Maffay zählt zu den Miterfindern der Zeichentrickfigur Tabaluga, die seit 1983 die Kinder begeistert und dadurch Generationen durch ihre Kindheit half.

Kein Wunder, dass diese Erfolgsgeschichte nun auch einen eigenen Kinofilm bekommt: Tabaluga – Der Film mit Michael Bully Herbig, Wincent Weiss, Rufus Beck, Heinz Hoenig, Yvonne Catterfeld und Rick Kavanian in den Hauptrollen.

Nun scheiden sich bei solchen Großprojekten, die so viele Generationen umfassen, meistens die Geister: Die älteren bejammern, dass nicht alles gleich ist wie damals, dass man auf neue Technik setzt oder verschiedene (elementare) Dinge anders ausgestaltet und eben vom Original abweicht, während jüngere eine oftmals weniger kritische Meinung äußern, oft wegen Nichtwissens älterer Fakten oder weil sie den Film eben einfach unvoreingenommener bewerten als die, die damit groß geworden sind.

Und das ist (und wird vermutlich) auch immer ein “Problem” bleiben, was ich aber gar nicht mal so dramatisch auffasse: Tatsache ist, dass Tabaluga – Der Film als eigenständiges Projekt eine tolle Geschichte erzählt, die Kinder als Neulinge gefangennehmen kann und trotzdem genügend Nostalgie-Essenz enthält, damit sich die Älteren nicht gänzlich verloren im Kino fühlen.

Dass dabei auch auf die Songs von Peter Maffay gebaut wird und man quasi das Musical verfilmt, ist für mich ein weiterer Meilenstein der “Andere-Kunstformen-auf-die-Leinwand”-Anstrengungen, die seit geraumer Zeit bemüht werden.

Die Animationen, auf die man hier gesetzt hat, sehen top aus und zeugen tatsächlich von Können und bereichern dadurch die Geschichte durch die Prise Professionalität, die anderen Kinderfilmen oft noch fehlt.

Lobenswert erwähnt werden muss auch: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH und die Produzenten des Films spenden 10% der Leihmiete an die Peter Maffay Stiftung und setzen sich damit gemeinsam für Werte wie Freundschaft, Empathie und Respekt ein und fördern Kinder mit schwierigen Vergangenheiten, damit diese zu neuem Selbstwertgefühl finden.

Damit schafft man einen Kinofilm, der sowohl diese Werte präsentiert und gleichzeitig auch Taten im Hintergrund, die das Gesagte vorleben und jedem dabei helfen, aktiv etwas zu tun… einfach, indem man ins Kino geht und sich diesen Film anschaut.

Und so etwas ist großartig! Wer gerne mehr darüber wissen möchte, findet hier nähere Infos: https://petermaffaystiftung.de/.

.kinoticket-Empfehlung: Ein mittlerweile 35jähriges Projekt erhält seinen eigenen Kinofilm und begeistert damit die neuen Generationen.

10% der Leihmiete (Einnahmen durch die Kinos, die an den Verleih gehen) gehen via Sony & Produzenten an die Peter Maffay Stiftung und kommen somit Kindern erneut zugute – und damit tut der Film, was er auf der Leinwand selbst lehrt, direkt schon im Hintergrund – ein tolles Unternehmen, vor dem ich auf jeden Fall meinen Hut ziehe!

Nachspann
❌ ist zwar cool in 3D, braucht aber nicht ausgeharrt zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Tabaluga – Der Film
Length: 90 Min.
Rate: FSK 0

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Widows

© 2018 Twentieth Century Fox

Twentieth Century Fox hat euch für diesen Film wieder ein Gewinnerpaket geschnürt bestehend aus 3×2 Freikarten sowie 3x Kinoplakaten, die ich unter dem Beitrag an meine Leser weiterverlosen darf!

Der Rachefeldzug gegen die männliche Dominanz im Kino geht weiter – und erbt inzwischen ertragreiche Früchte, die nichts mehr mit Gender-Gerede zu tun, sondern den Absprung zum ernsthaften und wahnsinnig unterhaltsamen Kino-Entertainment-Abenteuer längst vollzogen haben.

Widows – Tödliche Witwen ist das geistige Erbe eines Fans der TV-Serie von damals, der die geballte inhaltliche Power auf die neuzeitliche Gegenwart und damit eine völlig andere Gesellschaft projizieren wollte und in meinen Augen einen großartigen Coup gelandet hat.

Gleichzeitig berührt der Film abseits der Action auch sensible Parts des Lebens und liefert übersetzbare Vorbildpraktiken für ein gemeinschaftlicheres Ziele-Erreichen, das jeder auf seine Art in den Alltag interpretieren und (ohne Waffen & Gewalt) umsetzen kann.

Steve McQueens Werk steht dabei aber in keinem Schatten und muss sich durch irgendetwas behaupten, sondern er wartet mit starken, überzeugenden und inhaltlich tragbaren Elementen auf, die am Ende einen unglaublich sehenswerten Streifen auf die Leinwand gebracht haben, der für einen gemeinschaftlichen Kinoabend lässig taugt.

Das Metier, in dem man sich hier bewusst bewegt, grenzt an das Plot-Genre des Actionkinos heran und trumpft hier und da mit ein paar tollen Überraschungen auf, die aus dem Gesehenen definitiv keine Enttäuschung werden lassen.

Damit schafft McQueen ein vorzeigbares Neuzeitelement von Lynda La Plantes Miniserie und liefert als Oscar-Gewinner für 12 Years A Slave erneut einen Titel für die große Leinwand ab, den man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox hat wieder zugeschlagen und euch ein Bundle geschnürt, bestehend aus 3×2 Freikarten für den Film sowie insgesamt 3 Kinoplakaten, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Beantwortet diesmal einfach folgende Frage:

Welche Filme mit starken Frauenrollen habt ihr bereits im Kino gesehen und welcher hat euch davon am besten gefallen?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich Sonntag, 16. Dezember 2018 unter diesem Beitrag im Blog eingehen, werden die Gewinne verlost. Bitte gebt hierfür bitte dringend eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann.

Nach Abfrage eurer Adresse wird euch im Falle des Gewinns dieser postalisch zugeschickt und alle Daten anschließend wieder gelöscht.

Ich wünsche euch viel Glück und natürlich – wie gehabt – mega viel Spaß in den gemütlichen Sesseln der Kinos.

.kinoticket-Empfehlung: Starke Geschichte über extrem starke Frauen!

Steve McQueens Filmwerk ist eine Hommage an die Londoner TV-Serie und trägt deren Inhalte ins moderne Chicago, was an der kraftvollen Aussage dieses Werks rein gar nichts ändert und definitiv für einen gelungenen Kinoabend steht.

Nutzt die Chance auf die Freikarten und bevölkert die Kinos – dieser Titel lohnt sich definitiv.

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Widows
Length: 129 Min.
Rate: FSK 16 | R

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Anna und die Apokalypse

© 2018 Splendid Film GmbH

 

Ernsthaft? Die Idee ist großartig! Alljährlich wird man zugemüllt mit Weihnachtsmovies der immer gleichen Sorte und ertrinkt fast in Romantik und Kitsch! Anna und die Apokalypse wartet als Musical mit einer total verblödeten Story auf, die aber zusätzlich ein Genre ins Spiel bringt und damit als “Zombie-Weihnachts-Musical” auf dem Plan steht.

Dafür? Chapeu!

Zombiefilme sind inzwischen genauso Massen-Mainstream, den niemand mehr sehen will und kann und jetzt mit Konstrukten wie “Rom-Zom-Com” um sich werfen zu können ist derart verrückt, dass es fast schon wieder Spaß machen könnte.

Für meinen Teil dauerte es ein wenig zu lange, bis der Titel den roten Kleister ausgepackt hat und den letzten ernsthaften Zombie-Movie habe ich vor meiner Reinkarnation gesehen, ergo sollten die Erwartungen ebenfalls in Grabesnähe dümpeln und keineswegs emporsteigen.

Tatsache: Das Ding ist so dämlich, dass man tatsächlich mehrfach damit beschäftig ist, ob der Dummheit zu lachen und sich insgeheim richtig geil unterhalten fühlt. Dabei wartet man mit typischen La La Land-Manieren auf und bringt dabei den obskuren Witz eines 90er Jahre Zombieslashers mit ins Spiel, was absolut absurd wirkt und der Geschichte ein wenig Würze verleiht.

Dazu entwickelt der Streifen in den ersten Folgeminuten einen tiefschwarzen Humor, der förmliche Lachsalven in den Kinosaal wehte und sowohl jung als auch alt dazu zwang, Zwerchfelltraining zu betreiben! Diesen Humor hätte ich mir ausgebaut gewünscht und dabei noch ein zwei Spitzen mehr in den Plot eingebaut. Jedoch merkt man sehr schnell, dass die Luft ziemlich dünn wird und anschließend nicht mehr viel zu erwarten ist.

Damit pendelt sich das Niveau im ersten Teil schon ziemlich ein, was sich dann bis zum Schluss durchträgt und weder besser noch schlechter wird. Wer damit kein Problem hat, darf sich dieses Jahr zu Weihnachten mal über einen abnormalen Film freuen, der von Weihnachtskitsch nicht viel übrig lässt und eine völlig neue Humbug-Variante ins Spiel bringt, die als Idee – wie anfangs schon erwähnt – echt grandios ist.

 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Idee mit teils grandiosen Gags, die aber relativ schnell absacken und gegen Ende des Films nichts mehr wirklich vorhalten.

Man könnte meinen, es handelt sich um ein wahnsinnig professionell gestaltetes Studentenprojekt, zumindest, was das Plotniveau angeht, auch wenn die Optik dazu viel zu geil aussieht. Die Jokes sind neu und die Idee ist zum Abfeiern, jedoch hätte ich mir wesentlich mehr zynischen Humor gewünscht und vor allem zum Ende viel mehr Biss.

Als Weihnachts-Alternative auf jeden Fall zu gebrauchen, schraubt eure Erwartungen aber nicht höher als die Leichen in den Gräbern.

 

Nachspann
✅ ist animiert, man braucht also nicht gleich raus rennen.

Kinostart: 6. Dezember 2018

Original Title: Anna and The Apocalypse
Length: 92 Min.
Rate: FSK 16 | R

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Climax

Climax

© 2018 Alamodefilm

Climax – in einer Zeit der immer böseren Vorhersagen über das Klima, CO2 und Polkappenschmelzungen evtl. noch eine Doku über den Zerfall unseres Planeten?

Ja, aber völlig anders, als ich erwartet hatte – und zehntausendmal geiler!

Climax – dieser Begriff beschreibt nicht etwa das Klima oder irgendeinen Zenitpunkt im Erreichen eines bösartigen Zustands, sondern steht tatsächlich für die absolute Ekstase, in die man im Rausch gelangt: Der Moment des Abspritzens, der Moment, in dem man kommt, die unkontrollierbare und absolut hemmungslose Spitze eines Gefühls, dem man sich vorher intensiv hingegeben hat.

Richtiger Titel. Hammerharter Film.

Wenn du Kinder hast, geh zu ihnen und sag ihnen, dass du ein Leben lang finanziell dafür sorgst, dass ihnen niemals die Drogen und der Stoff ausgehen – wenn sie sich vorher diesen Film ansehen und verinnerlichen.

Ich persönlich glaube, danach rührt nie wieder jemand Rauschmittel an, der noch ganz bei Trost ist. Dieses Werk startet relativ harmlos und erliegt dann einem filmischen Rausch, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe: Die Münder der Presse standen offen, ich selbst hatte meine großen Abnormitätsmomente und musste eigentlich während des gesamten Films nur noch mit offenen Mund grinsen und dachte mir: WTF! Richtig so! Einfach richtig so – direkt in die Fresse der konservativen Arschlöcher und immer schlimmer werden lassen. Mal sehen, wieviele rausrennen.

Und ja – das begann bereits bei den ersten Pressevorführungen. Die Menschen können Dinge wie diese nicht ertragen und brechen ihren Coolness-Status lieber, bevor sie sich das zu Ende ansehen und begreifen, worauf man eigentlich hinaus wollte.

Gaspar Noé ist bekannt dafür, die Dinge einfach zu zeigen und keine Wertungen in seinen Filmen zu präsentieren – eine Eigenschaft, von der sich viele Medien ein Stück abschneiden sollten. Diese Wertungsfreiheit macht aus diesem Movie ein einzigartiges Kunstwerk, das eine tatsächlich realisierbare Situation aufstellt und im Blutrausch zerpflückt: Die humanoide Spezies wird in ihre Einzelteile zerlegt, man nimmt ihnen Normalität und Alltag weg und schaut dann einfach, was übrig bleibt. Ein hemmungsloses Bild einer verwüsteten Krankheit in betörend schönen Bildern und einer absurd-geilen Kameraführung, die ebenfalls Blut geleckt hat und aus sich raus will. Und kommt.

Hier sind bereits zu Beginn unverwüstliche Hinweise vergraben, denen man Zeit gibt, sie zu entdecken, bevor es dann im big train auf die Reise geht und man schlussendlich in einer Hölle wieder zu sich kommt, die mehr Wahrheit beinhaltet, als man anfangs glauben mag.

Nach The House That Jack Built der nächste kranke krasse Film, der tiefe Aufrichtigkeit mit sich bringt und den Zuschauer komplett verstört, darum aber umso wichtiger ist und eine immens geile Botschaft beinhaltet.

Ja, ich hab es tierisch gefeiert und dachte mir: Wie kann man nur so etwas krankhaft geiles ins Kino bringen und keiner weiß davon? Es ist hammerhart, wie absurd, weltfremd, gestört, verherrlichend und abnorm die gezeigten Szenen hier sind und mit welcher grazil-evilenten Anmut man dabei an das Zerstörungswerk herantritt, um letztendlich alles bis auf die Knochen abzuschaben und den Menschen in seiner völlig entblößten Psycho-Nacktheit zu zeigen.

Ein Meisterwerk des Nischenkinos, das man gut genug verstecken sollte, damit nur diejenigen Zugriff darauf kriegen, die sich den Inhalt auch geistig verdient haben: Hier mit Unterhaltungswünschen reinzuspazieren wäre der völlig falsche Ansatz und wird mit bloßer Entrüstung bestraft.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Blutrausch psychedelischer Ekstase, die keine Grenzen kennt und keine Wertungen aufstellt: Mit dieser Offenheit kann kaum jemand umgehen.

Gaspar Noé entführt die Menschen in eine durchaus reelle Situation und überlässt sie dann ihrem eigenen Schicksal, in das sie unweigerlich rennen, sobald man ihnen Normalität entreißt: Das Ergebnis ist ein filmischer Rausch, der extrem in seinen Bann zieht und mit Bildern verstört, die sich lange und dauerhaft ins Hirn einbrennen und einen nicht mehr loslassen.

Unbedingt ansehen, wenn man dazu in der Lage ist, diesen Film nicht als “Entertainment” abzutun, sondern sich ausgiebig damit befassen kann. Etwas geileres gibt es derzeit kaum!

Nachspann
❌ hält keine weiteren Szenen bereit.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Climax
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16

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Astrid

Astrid
© 2018 DCM Film Distribution GmbH

 

Pippi Langstrumpf, Ronja RäubertochterAstrid Lindgren hat sich weltweit einen Namen gemacht und ist aus dem Kinderbuchsektor nicht mehr wegzudenken. Und da wir uns zur Zeit in der Phase von “Wir verfilmen, wie alles entstand” befinden, war es nur absehbar, dass über diese Koryphäe im Literatursegment auch früher oder später ein Film entstehen wird, der die “Geschichte dahinter” erzählt.

Und hier ist er: Astrid.

Das Movie zeigt das trostlose, erbitterte Leben der Schwedin und bringt eine zutiefst depressive Struktur zum Vorschein, die entgegen jeder Lebensfreude und all dem, was aus ihren Büchern bekannt ist, steht: Es ist nahezu ein Wunder, was diese Frau vollbracht hat und aus welchem Sumpf sie sich dafür gezogen hat. Wir kennen die bunten Bilderbücher, wir kennen das glückliche Leben, wir kennen das Streben nach vorn und die Lebensenergie – und der Film spendet von all dem … nichts.

Es ist beinahe eine Qual, sich durch die ermüdend lange Spielzeit zu kämpfen und die tristen Momente zu durchleben, durch die diese Frau exakt so gegangen ist. Das macht nicht den Film schlecht, sondern zeugt eher von der Kraft, die Astrid Lindgren auf die Bildfläche warf und damit ein Vorbild für viele wurde: Immerhin steht sie mit so vielen Projekten und Motivationen dafür ein, dass Kinder ein glücklicheres Leben auf Erden haben und aus all der Trostlosigkeit herauskommen.

Dafür hat sie selbst mit einer Gesellschaft brechen müssen, die Normen und Werte vorgegeben hat, denen sie sich nicht beugen wollte. Es war ein Kampf, der teils bis heute andauert und immer noch nicht zu Ende gekämpft ist. Was das alles für Kraft gekostet hat, davon ist dieser Streifen ein leuchtendes Beispiel: Der Zuschauer sieht nicht nur durch ein Fenster in die damalige Zeit, sondern spürt am eigenen Leib den Energieverlust, indem er sich durch den sehr langatmigen und traurigen Film durchkämpft.

Man kann dies als Motivation ansehen, für mich war es einfach nur beschwerlich.

 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film offenbart die Stärke einer Frau in einer trostlosen Dimension sondergleichen.

Der Zuschauer erlebt die gleichen Leiden wie diese Frau in einem langatmigen und tristen Ausmaß. Es ist ein Trauerspiel und gleichzeitig das größte Wunder, welche Werke daraus erwachsen sind. Diese Mutation auch im Kino zu erleben ist den Besuch durchaus wert, man sollte aber etwas eigene Kraft dafür mitbringen, um hier heil wieder raus zu kommen.

 

Nachspann
✅ liefert noch ein Liedchen, lasst den Rausgang aus dem Saal also gemütlich angehen.

Kinostart: 06. Dezember 2018

Original Title: Unga Astrid
Length: 123 Min.
Rate: FSK 6

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The House That Jack Built
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Zuallererst mal eine Warnung: Dieser Film hat von der FSK eine “FSK 18”-Auszeichnung bekommen, was bedeutet, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht ins Kino gelassen werden. Und zwar ohne Ausnahme.

Der Grund: Es werden extreme Gewaltszenen gezeigt, die fernab von “filmischer Freiheit” fungieren und somit verstörend für “Fast-Erwachsene” wirken können. Dazu mal ein paar Gedanken:

Es ist nun schon ewig her, dass wir im quasi frei zugänglichen Kino wieder mal etwas mit dem roten FSK-Label beschauen durften. Unsere Zeit ist so dermaßen verroht, dass von den Verantwortlichen dieser Selbstkontrollfirma per se eher der blaue “FSK 16” vergeben wird und man munkelt in einigen Kreisen, dass es auch hier an Korruption und “Gelddruckerei” nur so grünt und blüht.

Es ist also von Natur aus schon “schwer”, ein FSK-18-Rating zu erhalten und in den Kinos wird man quasi damit dann auch gar nicht groß auf die Leinwände gelassen. Bringt zu wenig ein und ist nicht in der 7-49-Zielgruppe. Schade für die Zuschauer, denen zielgerichteter Inhalt verweigert wird, gut für die Industrie: Denn mit wesentlich weniger Aufwand erhält man wesentlich mehr Zuschauerspektrum und landet daher einen “Hit” nach dem anderen.

Nun ist ja weithin bekannt, dass Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen böses Blut verstreut hat und niemand auf der ganzen Welt sieht in ihm einen Liebesromanautor, sondern quasi jeder weiß, dass er sich als “Skandalregisseur” – wie er von der Presse gerne genannt wird – einen Namen gemacht hat und Dinge auf die Leinwand bringt, die sich andere schlichtweg nicht trauen oder nicht verfilmen möchten.

Und über sein neuestes Werk ist ebenfalls kein Geheimnis, dass über 100 Personen beim Festival in Cannes den Saal angewidert verlassen haben. Und die Presse stürzt sich auch hier wieder drauf – ganz klar: Gefundenes Fressen. So etwas wollen die Menschen lesen, so etwas verkauft sich.

Und dabei übersieht man gerne, dass eben jene Reaktionen von der Presse gänzlich ausblieben und an der “Angewidertheit” eigentlich erstmal gar nichts dran ist – zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es in den Medien behauptet wird.

Der Grund? Ganz simpel: Lars von Trier steht für etwas. Seine Filme proklamieren Unangepasstheit. Eine gewisse Offenheit. Aus ihm sprudelt in vielen Dingen eine bösartige Ehrlichkeit, mit der Menschen nicht umgehen können. Weder im Kleinen, noch in solch monströsen Werken wie seinen Filmen. Und wenn Szenen auf dem Tisch landen, in denen Menschen übel zugerichtet werden, dann passt das so ganz und gar nicht auf ein Festival, in denen Feuilleton-Damen in festlicher Opernball-Abendkleidung im Kino sitzen und sich etwas “Wunderbares” besehen wollen: Die vertragen solchen Stoff nicht, verstehen ihn wohl auch nicht und rennen dann eben aus dem Saal, weil sie sich als “Konsumenten” von Menschenabschlachtungen verraten fühlen und nicht zu der “Oberschicht” gehören wollen, die für das voyeuristische Beschauen von humanistischen Zerstückelungen Geld bezahlt und von uns allen in Hostel so sehr gehasst wurde.

Logische Folge: Diese Herr-, Dam- und Es-schaften (ja, Genderfreunde – es wird immer kränker!) verlassen angewidert den Saal und machen ihrem Ärger offen Luft.

Logische Folge 2: Die Presse hat Futter und schreibt darüber, verdient damit Geld und ist glücklich.

Logische Folge 3: Lars von Trier ist Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Filmfest in Cannes und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und sein Werk und kompensiert damit ein wenig die verlorene Zuschauerschaft durch das FSK-Rating.

Wenn man so möchte, ist also allen damit geholfen, außer dem Kinogänger selbst. Der wird von voreingenommenen Vorurteilen überschüttet und womöglich in der freien Entscheidung seiner Filmwahl extrem manipuliert. Auch ich gehöre dazu, nicht umsonst “werbe” ich damit, dass meine Meinungen in diesem Blog durchweg subjektiv sind und ausschließlich zu meinem Geistesfundus gehören und niemals als “allgemeingültige” Aussage angesehen werden sollten, sondern allenfalls als “Erfahrungsrichtlinie”, an denen sich zukünftige Filmbesucher orientieren können, um grobschlächtige Fehlentscheidungen bereits im Vorfeld zu vermeiden.

So etwas wird hier extrem schwierig.

Kommen wir also mal zu dem Teil, der meine persönliche Meinung über den Film darstellt:

Ich finde es grundsätzlich erstmal absolut löblich, dass endlich mal FSK 18 auf einer Kinoleinwand zu sehen ist, bei dem diese Freigabe sehr wohl gerechtfertigt ist und man auf ein ganz spezielles Publikum abzielt und keinen Hehl daraus macht, dass hier abartige Dinge passieren: Jeder .kinoticket-Käufer weiß im Vorfeld, worauf er sich da ungefähr einlässt und ist somit schonmal vorsorglich gewarnt. Durch die FSK. Das ist nämlich der wirkliche Zweck dieser Einrichtung, die hier endlich mal vernünftige Arbeit geleistet hat.

Und somit kann man sich ENDLICH mal etwas anschauen, dass diese Auszeichnung auch verdient hat und eben jene Triebe und Wünsche auf der Leinwand befriedigt. Willkommen im “Horror”-Genre.

Lars von Trier hat in seinen Vorgängerwerken bereits den Pfad zur Hölle beschritten und spielt förmlich mit seinem Lebenswerk Dante‘s Göttliche Komödie nach, indem er sukzessive immer tiefer in die Kreise der Hölle steigt und den Zuschauer einfach mitnimmt. Wer sich dann nach dem gefühlt 1000sten Film dieses Regisseurs auf einmal wundert, dass es hier nicht ganz alltäglich zur Sache geht, der hat meiner Meinung nach etwas Maßgebliches einfach nicht richtig verstanden und den bedauere ich dann auch nicht, wenn er Geld für ein Ticket zahlt und nach wenigen Minuten angewidert rausrennt.

Was mich zu dem nächsten Punkt führt: Die FSK-18-Freigabe bezieht sich ursprünglich auf das Alter von Personen, die mit heranwachsenden Jahren eben auch eine gewisse Reife mit sich bringen, die früher irgendwann mal mit verschiedenen Alterszahlen festgesetzt wurde. Gefühlt kann man dies heute nicht mehr so einfach mit einer Alterszahl über den Kamm scheren, sondern müsste genauer differenzieren, in welchem geistigen Zustand derjenige ist und ob die Psyche und das Weltverständnis ebenfalls schon aus der Pubertät entwachsen sind oder man eben einfach nur “dumm” ist und “angeekelt den Saal verlässt”.

Das würde bedeuten, dass in einem Fall dann auf einmal 14jährige im Saal sitzen würden und das zu Recht tun dürften. Und das würde bedeuten, dass manch angegrauter Greis des Saales verwiesen würde, weil er oder sie in ihrem Kopf einfach noch nicht über das Niveau eines 17jährigen hinausgewachsen ist und die Dinge grundsätzlich völlig daneben einschätzt und bewertet. Ich meine – hallo? Lars von Trier! Allein das ist heute bereits eine Aussage. Man braucht nicht viel Recherchearbeit auf sich zu nehmen, um die kaputten Lebensumstände und offen kommunizierten Psychosen dieses Mannes zu kennen und sich dann einen Reim darauf bilden zu können, dass dieser gebildete Herr diese Dinge in seinen Filmen auf eine markante Art verarbeitet und sogar noch zugibt, dass während der Drehs oft Drogen im Spiel sind, die ihn seinen Aussagen nach “produktiver machen”.

Und da wären wir bei dem Punkt, der mir an The House That Jack Built eine unnachahmliche Achtung abverlangt hat: Die gnadenlose, kompromisslose und lückenlose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Welt.

von Trier geht hier auf Umstände und Dinge ein, die einerseits erfordern, dass man sich lange (und das lässt die Laufzeit sehr gut zu) damit auseinandersetzt, um überhaupt erstmal in solchen Sphären anzukommen und sich danach umzusehen und am Ende sogar zurechtfinden zu können. Und andererseits werden hier (wieder einmal) Zustände unserer Welt so simpel und aufrichtig gezeigt, dass es einfacher eigentlich gar nicht wäre: Man müsste einfach nur eines tun: Hinsehen.

Diese Aufforderung hat Florian Henckel von Donnersmarck seinen Zuschauern bei Werk ohne Autor bereits offensichtlich gestellt und ist damit erneut in die Riege der Oscar-Nominierten eingestiegen und der Zuschauer hat’s kapiert und macht es?

Nein! Er rennt raus und ekelt sich vor widerwärtigen Darstellungen.

Überraschung: Unsere Welt ist widerwärtig und eklig. Und zwar nicht in Lars von Triers neuestem Film, sondern da draußen – außerhalb der Leinwand, im Sonnenlicht, in der Nacht. Da, wo Menschen sind, geht es übel zu. Es herrschen Kriege, es herrscht Gewalt, Korruption, Ärger, Tötung, Abschlachtung und Verletzung und eine ganze Welt schnappt sich allmorgendlich das Zeitungsblatt in analoger oder digitaler Form und konsumiert diesen Schwachsinn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

von Trier macht keinen Hehl daraus und zeigt dies auf. In seinem neuen Film. Und dieser Umstand ist genial!

Und er bringt weitere geniale Geniestreiche, die zwar nicht an die Härte und Verbissenheit älterer Werke von ihm heranreichen und böse Zungen behaupten lassen, er versuche nun etwas gequälter auf Provokation zu gehen und den Menschen einfach nur widerwärtig anzufahren – ich denke aber, er hat etwas Grundsätzliches verstanden und einen skurrilen Weg gefunden, dies auch an andere Menschen herantragen zu können, ohne sie einfach nur niederniveaulastig mit dem Kopf in die Scheiße zu drücken.

Auch hier beweist der Regisseur auf eine perverse Art und Weise Respekt gegenüber seinen Zuschauern und führt sie elegant den Weg in die dunkelsten Tiefen der Hölle und darüber hinaus.

Ja, das Ding geht ewig und es braucht einfach seine Zeit, um den Geist zu brechen und den Zuschauer da zu haben, wo er sein muss, um die gegebenen Umstände akzeptieren und “mit ihm leiden” zu können. Und es bräuchte sekundenweise Analyse, um all die verstecken Hinweise, Botschaften und Offensichtlichkeiten herausarbeiten zu können, die in diesem dann doch extrem schnellen Werk verborgen sind: Es ist eine Bibel, dem man ein Lebenswerk verschreiben könnte und immer noch nicht in die Tiefen vorgedrungen wäre, die hier angeteasert werden.

Als ich in den Film bin, wollte ich einfach nur wissen, warum die Leute in Cannes “geflohen” sind. Als ich raus bin, habe ich verstanden, warum er bei den meisten nicht gut ankommt: Sie vertragen diese ungefilterte Ehrlichkeit nicht, die von Trier zu lieben scheint und sie kommen mit den Direktaussagen dazu komplett nicht klar. Das tun Menschen nie. Ein Grund, warum ich diese Spezies selbst oft genug hasse: Weil diese ganzen verdammten Verletzungen nicht wären, wenn manche sich einfach bemühen würden und der Ehrlichkeit im Alltag etwas mehr Freiraum und Bühne einräumen würden, um ihre Wirkung zu tun.

Und wenn man dann nämlich der ganzen Geschichte etwas Zeit gibt, wenn man sich anfängt, darauf einzulassen, wenn man seine dreckigen Vorurteile vom Tisch knallt und die Geschichte erstmal zu Ende erzählen lässt, bevor man urteilt, dann stellt man schnell fest, dass dieser Film sehr wohl etwas zu sagen hat und einfach nur darauf wartet, bis all jene aus dem Saal verschwunden sind, die diese Wahrheiten nicht verdient haben.

Gegen Ende des Werkes wird es dermaßen … mir fällt kein Wort dafür ein …, dass ich fast die Tränen in den Augen hatte und mir dachte: Wie zur Hölle kann es sein, dass so ein kranker Typ es tatsächlich verstanden hat und uns allen eine so präsentable und simple Lösung vor Augen führt und bis heute noch niemand drauf gekommen ist, dass hier tatsächlich ein vollkommener Weg zur vollkommenen Erlösung zu finden ist?

Und damit wandert The House That Jack Built für mich in den Majestäten-Olymp auf und zählt zu den Werken, die definitiv den Weg als Scheibe in die Sammlung finden, denn ich will die restlichen Rätsel ebenfalls noch lösen. So etwas geniales – in so einer genialen Art – hab ich tatsächlich noch nie im Kino gesehen.

In diesem Sinne: Danke für die FSK 18, danke für die Offenheit und danke dafür, was du uns mit diesem Film näher bringen wolltest. Mich hast du erreicht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Wie bricht man 1832 Wörter in einen Satz runter?

Gar nicht. Nehmt euch die Zeit und lest den Text, dann wollt ihr den Film entweder garantiert nicht sehen oder das komplette Gegenteil tritt ein: Fakt ist, ihr habt danach definitiv eine Entscheidung getroffen und sie wird die richtige sein.

Ist er für jedermann etwas? Klares nein.

Ist er für niemanden etwas und nur scheiße? Klares nein.

Für mich ein geniales Werk, dass tiefe Wahrheiten ans Licht führt und dabei kompromisslos vorgeht und auch soweit keine erkennbaren Fehler gemacht hat. Die Welt spricht eine andere Sprache und dass heutzutage niemand die ungeschönte Wahrheit hören will oder gar verträgt, ist ja längst bekannt. von Trier spricht sie – und mir hat das außerordentlich gut gefallen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: The House That Jack Built
Length: 153 Min.
Rate: FSK 18

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Peppermint - Angel of Vengeance
© 2018 Universum Film GmbH

 

Jennifer Garner als Racheperson: Ich hab nach Himmelskind immer noch meine Zweifel, dass diese liebenswürdige, zerbrechliche Frau mit Waffen wirklich umgehen könnte und eine solide Figur in einem Streifen wie diesem hier abgeben wird.

Tatsächlich hapert der Film aber weniger an ihrem Können als vielmehr dem unbeschreiblich kranken Plot, der von Vorhersehbarkeit durchkämmt ist und so ziemlich jedes Klischee einliest, das dabei auf dem Weg liegt.

Die Idee dahinter ist vielleicht ganz witzig, mündet aber in einer nahezu lächerlichen Farce, die nichts mehr mit ernstzunehmendem Actionkino zu tun hat. Angesichts der PR rund um diesen Streifen war vorher sogar fälschlicherweise fast anzunehmen, dass es hierbei um eine dieser wüsten Schlachten aus dem japanischen Anime-Sektor geht, das man nun vermenschlicht neu interpretiert – selbst, wenn dem so wäre, ging der Schuss extrem nach hinten los.

Was man geboten bekommt, ist mit viel Liebe allerhöchstens gutes Mittelmaß und reicht für einen „Film zwischendurch“, wenn man eh grad nichts zu tun hat – und davon dürfte derzeit da draußen kaum jemand reden.

Dass die Idee eigentlich gar nicht so übel klingt, ist deshalb erstaunlich, weil mir auch bei längerem Überlegen kein Film einfällt, der so in der Art schon mal etwas aufgegriffen und richtig überzeugend umgesetzt hätte: Fast schon, als läge auf dieser Thematik ein cineastischer Fluch, den es bis heute immer noch zu brechen gilt. Peppermint – Angel of Vengeance hat das aber auch nicht geschafft. Leider, denn Jennifer Garner ist tatsächlich mit Abstand noch das allerbeste am ganzen Film.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Erwartungen waren da und wurden in meinem Fall gänzlich enttäuscht: Die Drehbuch- und Plotarbeit ist in meinen Augen ganzheitlich misslungen.

Jennifer Garner macht trotz allem eine super Figur, kann in dem Film aber nicht richtig aufgehen, was permanent ein „Handbremse angezogen“-Gefühl auslöst, aus dem der Streifen zu keiner Zeit wirklich raus kommt. Schade, Potenzial wäre nämlich auch hier viel vorhanden.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Peppermint
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16

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© 2018 Universum Film GmbH

 

Frei nach Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens
inszeniert von der Augsburger Puppenkiste

Alle Jahre wieder … je älter man wird, umso trübseliger wird es, wenn das Jahresende neigt und man sich mit all den tausend mal erzählten Geschichten erneut rumplagen muss. Wieder und wieder … ein Jammer!

Das ist genauso, wie als Kind: Wenn man Fernsehen das erste Mal entdeckt, ist alles neu, alles spannend, es gibt unzählige neue Dokus, Filme, Shows, Dinge, die man noch nicht kannte und zum ersten Mal sieht – das Entdecker-Gen läuft auf Hochtouren und es gibt nichts spannenderes, als diesen Kasten einzuschalten und alles aus ihm rauszusaugen, was er hergibt. Zu viele Sender, zu wenig Zeit.

Dann – später – stellt man fest, dass all dies eigentlich nur eine Lüge ist. Schein. Dass zwar viel vorgegaukelt wird, aber im Grunde genommen doch alles das gleiche ist. Hat man eines gesehen, hat man alle gesehen. Man merkt, wie sich die Sender gegenseitig mit Wiederholungen überbieten, wie die immergleichen Filme wieder und wieder runtergespielt werden, als gäbe es nichts neues, das man dem Konsument vorsetzen könnte.

Ich für meinen Teil habe dann Kino entdeckt und stecke mittlerweile so tief drin, dass ich weiß, wieviel neues produziert wird und das eines der größten Probleme für kleinere Produktionen tatsächlich ist, dass zu viel existiert für zu wenig Leinwände in diesem Land und man deshalb – wenn überhaupt – nur kurz gespielt wird, um den Saal für das nächste Projekt wieder freizugeben. Es sei denn, man liefert Mainstream und produziert damit unchristlich viel Geld.

Dann gibt es diese Zeit im Jahr – Weihnachten – wo sich freiwillig jeder auf die traditionellen Geschichten beruft und quasi kaum jemand etwas Neues sehen möchte. Man spielt einen Dreck … das Öffentlich-Rechtliche kann man quasi am besten schon vorzeitig nicht mehr einschalten und man kommt trotzdem nicht um die ewigen Dauer-Repeats drumrum. Und zu allem Überfluss landen die Dinger dann auch noch überteuert in den DVD-Regälen, als ob sich jemand die Mühe machen müsste, um so endlich an diese Inhalte zu gelangen.

Also ab ins Kino. Und was läuft da?

Seit neuestem hat sich die Augsburger Puppenkiste zur Aufgabe gemacht, den weihnachtlichen Kruscht neu aufzumischen und mit ihren eigenen Puppen darzustellen, um kindgerechte Unterhaltung zu liefern, die eben nicht nur in Augsburg gezeigt wird, sondern landesweit auf den Leinwänden angespielt werden kann.

So auch dieses Jahr. Muss man, nur weil alle Erwachsenen den Kram nicht mehr sehen können, nun damit aufhören, ihn zu erzählen?

Dann könnten wir auch gleich die Lügen vom Weihnachtsmann und Christkind beenden und den Babys bereits aufgeklärte Psychoanalytik vorlesen, solang sie noch im Mutterleib sind und das Fest einfach sofort abschaffen und es zur „längere Ladenöffnungszeiten“-Phase deklarieren – das wäre wenigstens ehrlich und konsequent.

Ich finde nicht. Man sollte den Kindern zumindest ein paar Jahre die Illusion lassen, dass es etwas besseres gibt als die Realität. Vielleicht finden sich dann ja irgendwann mal einige, die den Mut in der Hose haben und daran tatsächlich nachhaltig etwas ändern wollen.

Und so lange erzählen wir Ihnen einfach die alten Geschichten.

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Projekt der Augsburger Puppenkiste geht weiter: Man frisch alte Weihnachtsstories im Marionettentheater auf und serviert sie ganz Deutschland alljährlich zur Weihnachtszeit in Sonder-Events.

Das ist zumindest im Ansatz anders als der Mist, den sich der Rest der Mediencliquen zu dieser Jahreszeit gegenseitig verabreichen und somit tatsächlich einen Blick ins Kino wert. Auch wenn sich die Inhalte deshalb nicht erneuern: Die Erzählungen sind dennoch gut aufgemacht und bieten einen gewissen Unterhaltungswert.

 

Nachspann
✅ ist liebevoll animiert und bei der kurzen Laufzeit kann man das ruhig noch mitnehmen.

Kinostart: 1. Dezember 2018: An allen Adventswochenenden, an Nikolaus und an Weihnachten als großes Sonderevent im Kino.

Original Title: Geister der Weihnacht
Length: 64 Min.
Rate: FSK 0

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Alexander McQueen
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

 

“Man muss die Regeln kennen, bevor man sie bricht. Dafür stehe ich: Die Regeln zerstören, die Tradition bewahren.“
(Alexander McQueen)

Mit diesem wunderbaren Zitat bringt es der Modeschöpfer quasi schon auf den Punkt: Dieser Film ist ein extravagantes Beispiel eines Wesens, dass nicht in die üblichen Klischeeschubladen dieser Welt passt und sich daher zur Aufgabe gemacht hat, über „Enfant terrible“-Avancen die Welt zum Hinschauen zu bewegen: Seine Shows stehen für Ausgefallenes, Provokation, Schock.

Sein Leben passt wunderbar in den „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“-Slogan, seine Werke erinnern an Punk innerhalb einer morbiden, unerreichbaren und völlig abgehobenen Welt, in die diese schockierende Andersartigkeit eigentlich nicht rein gehört.

Und genau das war sein Ziel: Die Menschen zu verstören, ihnen etwas zu bieten, das gleichermaßen anziehend und distanziert wirkte und eines garantierte: Aufmerksamkeit. Nicht umsonst gehört die Spätausstellung über sein Lebenswerk heute zu den erfolgreichsten Installationen aller Zeiten.

In der Kinowelt verbindet man „Laufsteg“ wahrscheinlich immer noch mit den Strichmännchen aus Heidi Klum‘s Show auf ProSieben und dem dazugehörigen Niveau, von dem sich viele bereits abgewendet haben.

Alexander McQueen – Der Film beweist, dass es nicht überall so zugehen muss und zieht relativ schnell in seinen Bann: Dieser Mann war außergewöhnlich und der Film ist ein Versuch, dem gerecht zu werden, der das Publikum in meinen Augen definitiv erreicht.

Das bedeutet: Auch wenn man für Mode und derlei Shows sonst nichts übrig hat, bietet dieser Streifen unfassbares Unterhaltungspotenzial und zeigt Stücke, die durch Ausgefallenheit begeistern. Der Gang ins Kino ist also auf jeden Fall lohnenswert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Mode-Banausen können ihren Spaß an diesem Werk finden: Die Geschichte um diesen Mann erzählt viel über die Gesellschaft, in der er aufwuchs und lebte.

Dieses Portrait über ihn versucht sich an genauso stilbrecherischen Methoden, wie er es seinerzeit mit Mode tat und ist damit auch für Freunde des Kinos ein optisches Schmankerl, dass den Eintrittspreis definitiv wert ist.

 

Nachspann
✅ darf man noch mitnehmen, hier werden noch einige krasse Schöpfungen von Alexander gezeigt.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: McQueen
Length: 111 Min.
Rate: FSK 12

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