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… und ohne den Spaß am Film zu nehmen.

Alexander McQueen
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

 

“Man muss die Regeln kennen, bevor man sie bricht. Dafür stehe ich: Die Regeln zerstören, die Tradition bewahren.“
(Alexander McQueen)

Mit diesem wunderbaren Zitat bringt es der Modeschöpfer quasi schon auf den Punkt: Dieser Film ist ein extravagantes Beispiel eines Wesens, dass nicht in die üblichen Klischeeschubladen dieser Welt passt und sich daher zur Aufgabe gemacht hat, über „Enfant terrible“-Avancen die Welt zum Hinschauen zu bewegen: Seine Shows stehen für Ausgefallenes, Provokation, Schock.

Sein Leben passt wunderbar in den „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“-Slogan, seine Werke erinnern an Punk innerhalb einer morbiden, unerreichbaren und völlig abgehobenen Welt, in die diese schockierende Andersartigkeit eigentlich nicht rein gehört.

Und genau das war sein Ziel: Die Menschen zu verstören, ihnen etwas zu bieten, das gleichermaßen anziehend und distanziert wirkte und eines garantierte: Aufmerksamkeit. Nicht umsonst gehört die Spätausstellung über sein Lebenswerk heute zu den erfolgreichsten Installationen aller Zeiten.

In der Kinowelt verbindet man „Laufsteg“ wahrscheinlich immer noch mit den Strichmännchen aus Heidi Klum‘s Show auf ProSieben und dem dazugehörigen Niveau, von dem sich viele bereits abgewendet haben.

Alexander McQueen – Der Film beweist, dass es nicht überall so zugehen muss und zieht relativ schnell in seinen Bann: Dieser Mann war außergewöhnlich und der Film ist ein Versuch, dem gerecht zu werden, der das Publikum in meinen Augen definitiv erreicht.

Das bedeutet: Auch wenn man für Mode und derlei Shows sonst nichts übrig hat, bietet dieser Streifen unfassbares Unterhaltungspotenzial und zeigt Stücke, die durch Ausgefallenheit begeistern. Der Gang ins Kino ist also auf jeden Fall lohnenswert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Mode-Banausen können ihren Spaß an diesem Werk finden: Die Geschichte um diesen Mann erzählt viel über die Gesellschaft, in der er aufwuchs und lebte.

Dieses Portrait über ihn versucht sich an genauso stilbrecherischen Methoden, wie er es seinerzeit mit Mode tat und ist damit auch für Freunde des Kinos ein optisches Schmankerl, dass den Eintrittspreis definitiv wert ist.

 

Nachspann
✅ darf man noch mitnehmen, hier werden noch einige krasse Schöpfungen von Alexander gezeigt.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: McQueen
Length: 111 Min.
Rate: FSK 12

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Der Grinch
© 2018 Universal Pictures International

 

Disney hat’s vorgemacht, der Rest tut ihnen gleich: Vor dem Hauptfilm werden ab jetzt immer öfters Kurzfilme gezeigt, die sowohl in der Presse als auch in allen regulären Vorstellungen eingespielt werden. Coole Sache, denn diesmal trifft es mit Illumination natürlich die Minions auf der Flucht – ein Hochkaräter, der das .kinoticket bereits lohnenswert macht und für die richtige Stimmung vor dem Hauptfilm sorgt.

Dies wäre aber gar nicht nötig, denn Der Grinch erzeugt nur in vorurteilsbehafteten Köpfen lautstarkes Gähnen… Ich mein: Klar, es ist Weihnachten, was auch immer mit diesem Miesepeter verbunden ist, grün, Jim Carrey und allerlei Blödelei, die man nicht mehr sehen kann und wer dann noch Benedict Cumberbatch weiß und auf den deutschen Plakaten Otto liest, dem dürfte der letzte Appetit auf dieses Filmhäppchen auch noch vergangen sein.

Kein Ding – ging mir genauso. Ich hörte schon Ottos markante Lache den ganzen Film über in meinem Kopf nachhallen und dachte mir: Wieso?

… bis ich dann den Streifen tatsächlich sah und vor Lachen nicht mehr konnte.

Illumination ist kein Label, dass bislang keine Erfolge vorweisen kann, sondern die Jungs haben’s immer noch extrem drauf. Die Jokes sind teilweise so erstklassig, dass man sich zwanghaft beruhigen muss, um nicht die drei Nachfolgenden zu verpassen. Und wenn man jemanden rein schleppt, der absolut keine Ahnung hat, dann fällt gar nicht großartig auf, dass Otto das Ding synchronisiert hat: Der Mann hat dermaßen Eier bewiesen, wofür ich ihm riesigen Respekt zolle. Sich so “normal” verstellen zu können und sämtliche Typus-Markanzen von sich abzulegen ist eine Meisterleistung, die hier sagenhaft funktioniert hat! Großartig!

Doch nicht nur dies, sondern auch die altbekannte Animationszeichnung, die aus dem Hause Illumination bekannt ist, sorgt für jede Menge Heiterkeit und die Einfälle, mit denen hier groß und klein unterhalten werden, gehören auch in die Top-Schubladen, die dieses Filmbusiness hergibt.

Das Schöne ist: Man kann ihn sich wieder und wieder ansehen – es bleibt einfach spannend und macht auch beim vierten Mal immer noch ungemein Spaß, die Feldzüge gegen den weihnachtlichen Irrsinn in diesem bunten Motzgewitter untergehen zu sehen.

Dass dabei auch noch emotional getanzt wird, man sich zeitweilig vor Rührung kaum bewegen kann, gehört nebenbei noch zu den Gewinnen, die die Eltern erziehungsmäßig für ihre Kinder miteinkaufen: Die Moral von der Geschicht’ glänzt nämlich mit vorbildlichen Zügen – nicht umsonst hat dieser Film das Prädikat “wertvoll” eingeheimst!

 

.kinoticket-Empfehlung: Lirum, larum – wer schon kennt und was befürchtet – dem sei gesagt: Alles ist anders und zehntausendmal besser!

Versteckt die Vorurteile gegenüber der Geschichte, dem “immergleichen Erzähltsein” und den angeblich falsch gewählten Synchronisationstalenten: Hier wird hochkarätige Arbeit abgeliefert, die in meinen Augen DEN Film für diese Jahreszeit schlechthin auf die Leinwand bringt: Besser geht’s grad nicht!

Moral, Emotion, Miesepetrigkeit und Otto als Sychnronstimme: Illumination packt wieder ein großes Geschenk auf den Tisch und sorgt für jede Menge Spaß und Freude bei groß und klein. Geht bedenkenlos rein, eure Kinder werden “gesünder” wieder aus dem Saal rauskommen.

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben, der ist nämlich wunderbar animiert.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Dr. Seuss’ The Grinch
Length: 89 Min.
Rate: FSK 0

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© 2018 Twentieth Century Fox

 

Twentieth Century Fox hat für euch wieder fette Gewinne klargemacht, die unter diesem Beitrag verlost werden!

Agatha Christie dürfte selbst modernen Leuten ein Begriff sein: Mit über zwei Milliarden verkauften Werken im letzten Jahrhundert hat sie Maßstäbe gesetzt und zählt seither zu den erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen aller Zeiten.

Bislang wurde ihr Können in TV und Theater sowie auf dem Buchmarkt frenetisch gefeiert, doch komischerweise hat ihre Brillanz jüngst nicht mehr den Weg ins Kino gefunden. Also haben sich Produzent Joe Abrams und Produktionspartnerin Sally Wood hingesetzt und alle 66 Romane durchpflügt, die noch nie verfilmt wurden. Beide schrieben ihren Favoriten auf ein Stück Papier und zeigten es sich gegenseitig: Es war… Das Krumme Haus.

Was dann kam, kann sich jeder denken und gleichzeitig ab sofort in Deutschland auf den Leinwänden ansehen.

Und das Ergebnis kann sich sehr wohl sehen lassen: Man spürt, dass hier ein professionelles Verständnis guter Geschichten im Hintergrund wirkt und der Film auch überdeutliche Anzeichen der typischen Agatha Christie-Merkmale hat, die man aus ihren früheren Verfilmungen so kennt. Das Krumme Haus bringt aber nicht nur die jüngst neu verfilmte Nostalgie-Modernitätssymbiose wieder auf den Plan, die viele schon bei Mord im Orient Express geliebt haben, sondern führt tatsächlich auch beim Erzählstrang mal neue Blüten aus, die traditionelle Leser ebenfalls etwas fordern und somit eben nicht den typischen Baustein klassischer Literatur in sich tragen, sondern mit trickreichen Wendungen punkten und somit ein Spannungselement auf die Leinwand schießen, das viele in solchen Filmen oft vermisst haben.

Dies stieß bei einigen Presse-Vertretern sauer auf und war einer der Punkte, der mir besonders gefallen hat, weil man ein Überraschungsmoment erlebt, das in so einer klassischen Tradition nahezu ausgeschlossen erscheint. Womöglich wurde aus diesem Grund dieser Stoff bislang filmisch nicht angetastet.

Man begeht auf jeden Fall einen Fehler, wenn man sich das Ergebnis nicht auf der großen Leinwand besieht. Und damit das für einige noch etwas leichter wird, gibt‘s hier und heute nun das große…

 

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox hat mir nämlich 5×2 Freikarten sowie 5 Kinoplakate für Das Krumme Haus zur Verfügung gestellt, die ich unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlose.

Um teilzunehmen, beantwortet bis einschließlich Freitag, 7. Dezember 2018 die folgende Frage in den Kommentaren und gebt dabei eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich im Gewinnfalle eure Adressdaten abfragen kann, um euch den Gewinn postalisch zukommen lassen zu können.

Welche Werke von Agatha Christie kennt ihr, habt ihr gelesen, im Theater gesehen oder im Fernsehen geschaut und gibt es evtl. sogar Bücher, die ihr gerne in den kommenden Jahren verfilmt sehen möchtet?

Unter allen Kommentaren entscheidet das Los über die Gewinner/innen. Eure Daten werden nur von mir persönlich ausgewertet und zur Sendungsübermittlung verwendet und anschließend wieder gelöscht.

Ich drücke jedem die Daumen und wünsche viel Glück und natürlich: Viel Spaß und gute Unterhaltung im Kino!

 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man gesehen haben, da selbst die nostalgisch-moderne Symbiose, die man derzeit mit Agatha Christie im Kino vollzieht, hier völlig neue Wege geht.

Die Story enthält alle typischen Merkmale ihres Schreibkönnens, punktet aber mit einem grandiosen Twist und vollzieht bis zum Schluss perfekte Filmkunst, die den Gang ins Kino sehr wohl rechtfertigt.

 

Nachspann
❌ muss man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Crooked House
Length: 115 Min.
Rate: FSK 12

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So viel Zeit
© 2018 Universum Film GmbH

 

So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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Jupiters Moon
© 2018 NFP marketing & distribution

 

Wenn man den Sternenhimmel besieht, hatten es Planeten wie der Jupiter schon immer schwierig in der Filmwelt: Jupiter Ascending war auch bereits ein visuell betörendes Werk, dass in seiner Geschichte die Allgemeinheit auch auch nicht überzeugen konnte, obwohl das Ding optisch wirklich absolut erstklassig umgesetzt war. Aber allein dies reicht eben nicht, um einen wirklich erfolgreichen Film auf die Leinwände zu bringen und dann vom Volk den Erfolg beklatscht zu bekommen, den man verdient hätte.

Jupiter’s Moon klingt nun irgendwie wie eine Fortsetzung davon und hat doch rein gar nichts mit dem oben genannten Titel zu tun. Zwar sind die Ansätze und Denk-Hintergründe vom ungarischen Drehbuchautor und Film- sowie Theaterregisseur gut gemeint, meiner Meinung nach aber doch zu abstrakt, als dass ein breites Publikum sich damit abfinden und “von allein” drauf kommen könnte, welche verzweigten Hinweise sich dahinter verbergen.

Im Kino selbst wirkt es, als säße man in einem verspätet eingereichten Film, der sich zwingend mit der Flüchtlingskrise – und ganz im Speziellen mit den Problemchen Ungarns dabei – auseinandersetzt und eben auf den Zug aufspringen möchte, dann jedoch sehr eigenartige Wendungen annimmt und die politische Ernsthaftigkeit in ein ad Absurdum führt, dass den gemeinen Zuschauer ziemlich verschrecken könnte.

Stilistisch lässt man sich genügend einfallen, dass mit dem Überraschungsmoment über die relativ lange Laufzeit hinweg keine Langeweile aufkommt, die Frage nach dem “Warum” und einem höheren Sinn stellt sich aber dennoch und gibt dem Film dabei einen komischen Beigeschmack. Mundruczó versucht hier, in eine fantastische Metaebene vorzudringen und es hat den Anschein, als ob er auf diesem Plateau dann überhaupt keine Ahnung mehr hat und sich mit Merkwürdigkeiten über die einzelnen Etappen hangelt und darauf hofft, dass niemandem auffällt, dass die notwendige Essenz dahinter jetzt gänzlich fehlt. Genau die wäre aber dringend von Nöten, um diesem Stoff dann eine gewisse Glaubwürdigkeit abringen zu können, damit überhaupt je die Lust dazu entsteht, sich weiterhin ernsthaft damit auseinandersetzen zu können.

Alles in allem bleibt also ein Gefühl der Merkwürdigkeit, mit dem man anschließend den Saal auch wieder verlässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer einen seltsam anmutenden Film erleben möchte, ist hier genau richtig: Die Ideen sind gut, der Weg, den man dann ins Fantastische beschreitet, eröffnet aber einige Fragen, die auch bis zum Schluss irgendwie unbeantwortet bleiben.

Die Frage nach dem höheren Sinn des Films hat sich mir nicht ganz erschlossen, obwohl es visuell tatsächlich spannend gemacht und auch unterhaltsam war. Zu viel erwarten sollte man sich davon aber nicht, dann kommt auch keine Enttäuschung dabei auf.

 

Nachspann
❌ lohnt sich nicht, auszusitzen, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: Jupiter holdja
Length: 123 Min.
Rate: FSK 12

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Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
© 2018 KSM

 

Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

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© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Von Gänsehaut war ich seinerzeit ja schon sehr begeistert und der tristen Enttäuschungsmanier, die sich pressetechnisch bei den meisten in der Fortsetzung eingenistet hat, kann ich dennoch wenig abgewinnen: Für mich besteht dieser Film nicht ausschließlich aus Jack Black (der zugegeben viel zu wenig Screentime hat), sondern immer noch aus diesem grenzgenialen Humor, der für Sony fast schon außergewöhnlich gut ist, auch wenn man nun Nuancen eines “Zweit-Teilers” spürt und hier nicht mehr mit der spritzigen Frische und dem “Neugeruch” aufgefahren wird, den man im ersten Teil noch hatte – aber das ist irgendwo auch selbstverständlich.

Dennoch ist Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween jetzt nicht der Totalabsturz, als der er von vielen dargestellt wird, sondern durchaus wert, sein .kinoticket zu lösen. Und beachtet man, was sich derzeit sonst noch so auf den Leinwänden tummelt, sollte man womöglich seinen Terminkalender ausleeren und schnellstmöglich noch eine der bestehenden Vorstellungen aufgreifen, um nicht gänzlich im Sumpf der Trostlosigkeit an Alternativen zu versinken. Da sieht es nämlich vergleichsweise tatsächlich mau aus.

Ich finde, für eine Fortsetzung eines Teenie-Films ist dieses Werk mehr als gelungen und man hat sich im Hintergrund genügend Mühe gemacht, um die Einzigartigkeit dieses Filmdoubles in seinen Wurzeln zu erhalten und das, wofür er sich bekannt gemacht hat, weiter mit kreativen Ideen zu füttern – und das ist dem Werk durchaus gelungen.

Auch der sonst so vielbeklagte Wiederkehrmoment erlebt hier eher einen erneuten Einschlag als einen Revival-Moment: Man sprüht durchaus noch mit frischen Ideen und hat auch designtechnisch wieder einiges aufgefahren, was es durchaus wert macht, den Film anzusehen.

Lasst euch also von den bösen Botschaften der unkindischen Erwachsenen nicht abschrecken, sondern lieber von dem einzigartigen Flair verzaubern, für das die Goosebumps-Reihe steht: In freudiger Erwartung, dass hier noch einiges kommen möge.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bin mit unterirdischen Erwartungen in die Vorstellung rein und super positiv überrascht worden: Ich finde, man hält seiner Linie Treue und führt auch die Fortsetzung wieder gewohnt spritzig und mit diesem tollen Humor weiter, der schon im Vorgänger verzaubert hat.

Design, Sprüche, Vorantrieb und Optik sehen nach wie vor großartig aus – nur Jack Black hätte es etwas mehr sein dürfen. Ansonsten passt aber soweit alles.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Goosebumps 2: Haunted Halloween
Length: 90 Min.
Rate: FSK 12

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© 2018 farbfilm verleih GmbH

 

“Hobalala” … und man fragt sich, was das bedeutet… Joao Gilberto – wer ist das überhaupt? Was machst du hier? Und was soll das?

Ja, ich hab mit dem Film meine riesigen Probleme gehabt. Ich saß im Kino und dachte mir: “Ernsthaft?”

Alles ist so langsam, so unfassbar seltsam, so … keine Ahnung … schlecht?

Dieser Typ, der da erzählt, ging mir irgendwann gewaltig auf die Nerven. Nicht Gilberto, der andere. Gilberto ist ja nicht da. Zum Glück? Oder leider?

Und warum zur Hölle empfiehlst du dann allen anderen, sich den Dreck auch anzutun, wenn du doch genau weißt, dass der Film kacke ist? Hä?

Je länger du darüber nachdenkst, umso mehr packt es dich. Ja, es ist ewig her, dass ich diese Pressevorführung durchlitten habe. Die teils schlechten Ideen, die komische, seltsame Art … aber eines an diesem Film ist packend: Hobalala. Es lässt dich nicht mehr los. Es hat eine Faszination, die du (oder in dem Fall ich) nicht erklären kann. Es ist, als hättest du dich mit etwas infiziert, das keine Krankheit und gleichermaßen unheilbar ist. Hobalala, genauso heißt auch das Buch. Oder der Titel. Oder … ich verrate zu viel.

Darum hat er’s auf die Liste geschafft. Und ich wünsche euch viel Spaß beim gezielten Erkunden dieses Phänomens, dass seit drei Tagen in Deutschland in ausgewählten Kinos möglich ist. Vertraut mir – auch, wenn es etwas Zeit braucht: Das Virus wirkt.

Hobalala.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nach Unterhaltungswerten gemessen ein schrecklicher Film, der eine ungemein gutartige Faszination ausübt und somit das krudeste Projekt überhaupt ist, dass ich je gesehen habe: Während der Erstvorstellung hab ich das Ding gehasst und Wochen danach auf einmal geliebt.

Man muss zwar viel Geduld mitbringen, aber danach, sobald die Krankheit richtig ausgebrochen ist, lässt es dich nicht mehr los.

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: Where Are You, Joao Gilberto?
Length: 106 Min.
Rate: FSK 0

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© 2018 Neue Visionen

 

Cold War – Kalter Krieg, Russland, unverständliche Sprache, Vodka und eine uns völlig fremde Kultur, die so fern dessen ist, was in Europa und im westlichen Teil der Welt stattfindet, dass man quasi schon das kalte Schaudern kriegt, wenn man das Wort allein liest und auf den Film schon mal vorab keinen Bock hat.

“Der Breitengrad der Liebe” – hört sich ebenfalls nach nem schmalzigen Titel der neuen Baronin-Sissy-Filme an, also ist die gesamte Fraktion der Nicht-Schnulzgestörten auch aus dem Zielpublikum weg… Was bleibt? Kucken wir lieber was anderes.

Und nun soll es meine Aufgabe sein, euch allen einen Arschtritt zu verpassen, auf dass ihr in den Sälen in eben jenem Film landet?

Schritt eins war die Platzierung in meiner Top 5 of the Week: Dort kommen tatsächlich die Filme rein, auf die ich so stolz bin respektive die so gut sind, dass ich es selbst als quälende Herausforderung ansehe, auf den regulären Kinostart zu warten, um sie mir endlich noch 2-3x ansehen zu können.

Und da rauf hat es dieser Film geschafft! Vergesst also das Russlandgequatsche. Vergesst den kalten Krieg. Vergesst sämtliche Assoziationen, die ihr mithilfe des Plakats vornehmen könntet: Sie sind allesamt gnadenlos falsch!

Was euch hier erwartet ist ein Reigen voller blühender Kunst und brachialer Intelligenz, die zu einem formschön-vollendeten Werk zusammengebündelt wurde und im Vorbeigleiten die Schönheit einer ganzen Kultur offenbart: Zu Zeiten des kalten Krieges! Allein für diese Perversion sollte man ein .kinoticket lösen.

Man verliert sich nicht in slawischer Manier, man sieht keine neunmalklugen Hitler-Bilder oder ergießt sich im trist-schnöden Grau der lasziv vollzogenen künstlerischen Härte eines untergehenden Landes, sondern fokussiert sich auf etwas, womit ganz sicherlich niemand das Wort “Krieg” in Verbindung bringen würde.

Und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass dieses Phänomen so ergreifende Wirkung zeigt, dass es eine Schande wäre, wenn Filme wie dieser im Sumpf der Masse an Filmen untergehen, nur weil nicht Disney als Präsenter oben drauf steht.

 

.kinoticket-Empfehlung: Sämtliche Assoziationen zu jedem Wort aus dem Titel sind falsch: Es gibt nämlich nur eine richtige Reaktion => Reingehen!

Cold War spricht eine glamouröse Sprache und zeugt von hohem Niveau, das es mit Leichtigkeit fertig bringt, die verborgensten Winkel der Seele zu packen und mit Schönheit zu umspülen. Auch, wenn man es nicht glauben mag: Nach diesem Film ist man verliebt in selbigen. Also geht unbedingt rein!

 

Nachspann
❌ nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: Zimna Wojna
Length: 89 Min.
Rate: FSK 12

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Verschwörung
© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Verschwörung hat marketingtechnisch einiges verkehrt gemacht in meinen Augen: Das Label The Girl in the Spider’s Web gehört irgendwo aufs Cover – allein, um sich irgendwie von einer möglichen Bourne-Assoziation zu distanzieren, man hätte vielleicht etwas publiker machen müssen, dass es sich hierbei auch um einen Teil von Stieg Larsson’s Millennium-Reihe handelt und man damit begonnen hat, die Saga insofern fortzuspinnen, indem man ihr ein Prequel schenkt, das quasi die “Geburtsstunde” all dessen einläutet und mainstreamtauglich auf die Leinwand bringt.

Und genau da sind wir beim Publishing-Fehler: Man hätte diesen Teil als erstes bringen müssen. Der versierte Kinofreak darf nun Daniel Craig‘s Verblendung à lá Planet der Affen (2001) ausblenden und als nicht-existent werten, um dann evtl. den süßen Vorgeschmack einer USA-fizierten Variante des schwedischen Klassikers zu erleben, die sich sehr wohl sehen lassen kann.

Sony hat hier nämlich alle Pauken geschlagen, die man in den Räumlichkeiten der nicht häufigen Gebräuchlichkeit gefunden hat: Die Action des Films ist absolut gelungen, die Farbgebung und das Kolorit ist ein Augenschmaus sondergleichen und – obgleich man hier etwas von der Buchvorlage abweicht – der optische und klangliche Anreiz des Films zeugt von wahrem Können, das definitiv eines garantiert: Verdammt gute Unterhaltung auf hohem Blockbuster-Niveau!

Und das wirklich ausnahmslos! Es gibt keine Pausen dazwischen, keine Actionszenen, die nicht absolut gelungen sind und für sensationelle Unterhaltung grade stehen. Und damit gehört dieser Teil für mich zu den besten, die sich außerhalb der Original-Trilogy bewegen. Geht man jetzt den Schritt weiter und verfilmt quasi die Original-Story auch nochmal in diesem Style, hat man eine amerikawürdige Version dessen geschaffen, in die sich zwar die eingeschworene Fangemeinde nicht so sehr verlieben wird, die aber marketingstrategisch abräumen könnte, denn schlecht ist wirklich etwas völlig anderes.

 

.kinoticket-Empfehlung: Schaut den Film, organisiert euch den Soundtrack und hofft auf weitere “Fortsetzungen”, denn die Kapitel dieser Story sind noch längst nicht ausgeschrieben.

Soundtrack, Optik, Action, Unterhaltungswert, Spannung: In dem Film passt alles. Man liefert einen Mainstreamkracher, der sich gewaschen hat und einfach unfassbar gut den Abend füllen kann. Also haut rein und betet mit mir, dass es damit dann auch weiter geht.

 

Nachspann
❌ muss nicht zwingend ausgesessen werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story
Length: 116 Min.
Rate: FSK 16

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