Christo

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Christo – In der Kunstszene ein bekannter Hund, der schon vielerorts für Aufsehen mit seinen Kunstwerken gesorgt hat und den man auch als Szene-Nicht-Insider schon mal durch irgendein Projekt zu Gehör bekommen haben dürfte. Und der Typ ist es leid, auf seine Reichstagsverhüllung reduziert zu werden, sondern er möchte mit seiner Kunst viel mehr ausdrücken.

Und dabei spielt er alles aus, was man akribischen Künstlern so gerne vorwirft: Er ist menschlich oftmals gelinde gesagt einfach ein “Arsch” und gibt dabei der Menschheit so viel, dass sie zu Millionen Scharen anreisen, um seine Kunstwerke zu bestaunen und zu erleben.

Christo – Walking on Water fängt dabei das Bild Christos sehr realistisch und naturnah ein und spiegelt wieder, wovon viele eben nichts mitkriegen: Den Hintergrundabläufen und der vollständigen Persönlichkeit, auch den Momenten, wenn keine Kameras laufen und kein Massenpublikum auf irgendwelchen Gala-Dinners zugegen ist.

Genau das macht den Film – und auch den Menschen – dann doch wieder sympathisch: Man taucht langsam, teils qualvoll, aber auch sehr inbrünstig und intensiv in seine Aussagen und seine Kunst ein und beginnt, das große Ganze dahinter zu verstehen. Genau so erlebt man auch den Film: Anfangs sehr distanziert und seltsam, teils unerträglich entwickelt sich das Werk im Fortgang zu einem wahnsinnig spannenden, beeindruckenden Spektakel, das wiederum nicht nur das Kunstwerk selbst repräsentiert, sondern auch den Umgang unzählig vieler Menschenbeispiele dazu: Von Hass, Liebe, Gier, Ignoranz, Begeisterung, Andrang, Sturm, Drohung, über Verzweiflung und einfach dem Wunsch, den Menschen etwas erleben zu lassen – alles dabei.

Der Punkt ist schnell erreicht, wo man einfach nicht mehr damit aufhören kann, hinzusehen und spannend mitfiebert, weil es einfach irrsinnig interessant und faszinierend ist, was man sich hier in den Kopf gesetzt hat und nach jahrelanger Idee und Planung endlich umsetzt.

Regisseur Andrey M. Paounov hat dieses Werk aus 700 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten und damit ein Projekt begleitet, das 16 Tage lang geöffnet war und letztendlich 1,2 Millionen Zuschauern Freude bereitet hat. 11.000 Menschen konnten sich gleichzeitig darin aufhalten, 500.000 Besucher waren von den Schöpfern angedacht, diese Zahl wurde weit übertroffen.

Für die Region war es ein Segen: Alle Hotels waren über Monate hinweg komplett ausverkauft, die Herstellungskosten selbst beliefen sich auf 15 Millionen Euro, die Christo persönlich aus Verkäufen seiner Kunst finanzierte, um den Besuchern wie immer freien Eintritt zu gewähren.

Insgesamt wurden drei Kilometer Strecke verlegt, 16 Meter breit, 30 cm hoch und 2,5 km zusätzlich Strecke an Land ausgebaut. Die “Floating Piers” bestanden aus 220.000 verbundenen Polyäthylen-Würfeln, die von Tauchern mit Ankern am Boden des Sees festgetäut wurden.

100.000 m2 Stoff (insgesamt 20 Tonnen) wurden dabei verwertet – und für die Umweltfanatiker unter euch: Christo ist bekannt dafür, dass er alles aus seinen Kunstwerken anschließend immer wieder recycelt und wiederverwertet, um keinen “Müll” zu hinterlassen. Darauf legt er bereits bei der Planung großen Wert, dass die verwendeten Arbeitsmaterialien hinterher weiter sinnvoll verwendet werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film gibt Einblick in die Verwirklichung einer Kunstidee aus dem Jahr 1969 – mit allen Strapazen und Hürden, die dabei zu überwinden waren.

Was anfangs etwas träge und teils ermüdend beginnt, entwickelt sich schnell zur rasanten Faszination und man schafft es nicht, den Film frühzeitig zu beenden und wieder aus dem Saal zu gehen. Dafür ist es viel zu spannend!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Walking on Water
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

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