Die Alten werden älter, vergangene Zeiten reihen sich in die Geschichtsbücher ein und manche begehren davon nochmal auf und rufen historische Erinnerungen wach, um damit zu signalisieren, dass sie noch nicht untergegangen sind.
Dieses Gefühl hatte ich, als Sylvester Stallone mit seiner The Expendables-Reihe anfing und so ziemlich alle bekannten Helden vergangener Jahrzehnte zusammentrommelte, um nochmal einen großen Coup zu landen.
Was daraus geworden ist, ist längst Filmgeschichte. Jedoch denkt man bei Stallone nicht nur an seine heldenhaften Zeiten im Wettstreit mit Arnold Schwarzenegger, sondern verbindet ihn auf jeden Fall mit einem: Rocky.
Die inzwischen in die Jahre gekommene Filmreihe umschließt neben vier Rocky-Fortsetzungen und Rocky Balboa nun noch einen weiteren Teil, der sich geschichtlich mit in die Story einreiht, in dem Stallone sein Vermächtnis nun nicht im Nirgendwo enden lässt, sondern ruhmreich an die Spielerschaft unseres Jahrzehnts abgibt.
Man merkt, dass dieser Mann alt geworden ist und fühlt sich als Zuschauer direkt zurück in die 90er versetzt, wo er die Glanzblüte seiner Zeit feierte. Ganz im Sinne der “old school”-Methoden gibt er seinen Namen nun nicht für billige Cremes oder Weichspülmittel her, sondern übergibt innerhalb der Filmwelt seine Berühmtheit an neue Schauspieler, die von ihm lernen und in seine Fußstapfen treten sollen.
Somit hat man nicht das Gefühl, einem Reboot erlegen zu sein, sondern empfindet es eher als eine Art Staffelstabweitergabe, die die Geschichte zwar erneut aufzurollen versucht, dabei aber nicht in Nostalgie schwelgt oder Altbekanntes wiederkäut.
Sehr bewundernswert fand ich die klare Struktur, mit der man sich auch hier keineswegs von neuartigen Methoden hat beeindrucken lassen, sondern nicht nur wörtlich, sondern auch faktisch hinter den Kulissen nach den klassischen Motiven gedreht und somit eine Geschichte erzählt hat, die zwar ganz klar im Box-Genre anzusiedeln ist, jedoch nicht – wie bei Tanzfilmen oft der Fall – das Schema F hirnlos abfrühstückt um möglichst vorhersehbar zur Ziellinie zu kommen.
Klar darf man hier keinerlei Vergleiche zu z.B. Southpaw ziehen, der storytechnisch wesentlich brutaler und eindringlicher von der Leinwand herunterpolterte, sondern sollte eher einen Hauch von Spectre in die Wertung einfließen lassen, denn Rocky ist in diesem Genre fast schon das Maß der Dinge und somit einer von den Großen. Dementsprechend viel Ruhe und Bodenständigkeit findet sich hier wieder.
Es geht eben nicht im klassischen Sinne um die Ziel- und Sinnfindung eines Lebens, sondern die Erzählung wird mit sehr viel Ruhe, Ausgeglichenheit und Zeit zum Nachdenken in den Saal getragen und schwängert dort vor sich hin. Sollte man sich also auf die heiße Action freuen, die frenetisch zum Mitjubeln aufruft, ist man mit dem Griff zu Southpaw wesentlich besser bedient. Hat man Zeit für eine Story, die auf Bodenständigkeit und Niveau setzt, dann ist Creed – Rocky’s Legacy die richtige Wahl. Fans von Boxsport kommen hier definitiv auf ihre Kosten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die alten Filme aus der Rocky-Reihe mochte, sollte sich auf jeden Fall den neusten Teil nicht entgehen lassen.
Freunde von Boxsport und Nostalgiker der 90er kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Sympathisanten von Sylvester Stallone und Michael B. Jordan.
Die Geschichte wird nicht wiedergekäut, sondern differenziert-perspektivisch neu überarbeitet und somit gelungen in unser Jahrzehnt transportiert. Dabei fallen die unübersehbaren Trends der 90er schwer ins Gewicht und hauchen dem Gesamtwerk eine nostalgische Frische ein.

 
Nachspann
darf man gemütlich über sich ergehen lassen, da hier nicht nur mit Buchstabensalat gearbeitet wird. Also ganz gelassen, genau wie vorher in dem Film.

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