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Iran im Jahr 2018 – wir müssen, wenn wir wirklich ehrlich uns gegenüber sind, zugeben, dass wir eigentlich rein gar nichts über das Land wissen außer dem Schrott, der uns in den sensationsheischenden Medien über den Krieg zwischen den USA und dem Iran erzählt wurde (oder war‘s Irak – selbst das können die wenigsten auseinanderhalten).

Dieses Land hat auch Filme? Auch Kultur? Dort leben Menschen Tag für Tag, die an etwas anderem interessiert sind, als den Amis irgendwelche Waffen vorzuenthalten?

Ja! Über die Kultur und das „Innenleben“ dieses Staates wissen nur sehr wenige – und in meinem Umfeld und Einflusskreis rein gar niemand etwas drüber. Tatsächlich ist es aber so – manche mag das verwundern – dass dieses Land sehr viel mehr zu bieten hat, als das Paradebeispiel für die Achse des Bösen für den Rest der Welt darzustellen.

Im Iran gibt es auch viele Probleme und das alltägliche Leben ist für die meisten kein Zuckerschlecken. Und darüber erzählt Jafar Panahi etwas, der Buch geschrieben und Regie geführt … und als Besetzung auftritt, gemeinsam mit Behnaz Jafari, der gefeiertsten und berühmtesten Schauspielerin des Landes.

Ja, sie treten gemeinsam selbst auf und erzählen gewissermaßen „ihre eigene Geschichte“ anhand eines Portraits, das sehr tiefe, ehrlich-authentische und beeindruckende Einblicke in ein Land gewährt, das für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Cannes hat das Werk bereits anerkannt und die Goldene Palme für die beste Regie überreicht, jedoch ist dieses Stück so viel mehr! Unsereiner sieht vielleicht einen Film, der „echt ganz gut ist“, aber wenn man überlegt, wieviel Arbeit da dazugehört, in einem Land wie diesem als Frau in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen und welche kulturelle und politische sowie geistig-gesellschaftliche Vorarbeit notwendig ist, um erstmal für uns völlig banale Alltäglichkeiten herzustellen, dann ist es in tiefstem Maße beeindruckend, so etwas hergestellt zu haben.

Panahi mögen einige kennen über seinen vorherigen Film Taxi Teheran und mit Drei Gesichter zeichnet er erneut das Bild eines Landes in völlig verständlichen Farben auf einem hoch ansehnlichen Niveau für den Kinogänger in einer Weise, die im Gedächtnis haften bleibt und die es deshalb für mich zu den Filmen geschafft hat, die man definitiv gesehen haben sollte, um seine kulturelle Allgemeinbildung dahingehend erweitert zu haben.

Und hier zählt wirklich viel mehr als das wirklich rühmliche Offensichtliche – nämlich, welche künstlerischen Möglichkeiten und „Ausflüchte“ jemand in einem Land nehmen muss, um einfach „frei sprechen“ zu können: Vor diesen Schachzug verneige ich mich in Ehrfurcht und lege allen ans Herz: Besorgt euch .kinotickets, auf denen Drei Gesichter aufgedruckt ist – egal, wo. Hauptsache, der Titel stimmt!

.kinoticket-Empfehlung: Ein intimer Einblick in eine völlig unbekannte Wahrheit und Kultur eines Landes, über das nur sehr wenige genaueres wissen.

Die Figuren spielen sich alle selbst und dringen dabei in Gefilde vor, die wohl kaum jemand aus unseren Kreisen je erreichen dürfte: So präzise, fein austariert und künstlerisch auf höchstem Niveau hat mir bisher noch nie jemand einen kompletten Staat beschrieben. Großartig und zu Recht in Cannes ausgezeichnet! Rein da!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. Dezember 2018

Original Title: Se rokh
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

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