Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie es mir vor zwei Jahren mit Mad Max: Fury Road ergangen ist?
Dieser durchschlagende Film war für mich der absolut unerreichbare und Oscar-gekrönte Höhepunkt des Jahres. Bereits im Mai!
2017 geht es mir genauso – und der Titel diesmal lautet: ES.
Ich habe den Film bereits im Rahmen des Fantasy Film Fest auf der Pressevorführung sehen können und danach fieberhaft die ersten Reaktionen aus den USA abgewartet, die ja bekanntermaßen durchschlagend sind. Und das zu Recht!
ES in der Neuverfilmung ist das erste Mal ein Film, der die Bezeichnung “Horror” wirklich verdient! Und ich schaue viel Horror und rege mich schon gar nicht mehr über die weichgespülte Seichtheits-Scheiße auf, die uns in den Kinos ständig als “Horror” verkauft werden will. Man hat sich irgendwann einfach daran gewöhnt, dass man eben nicht mehr zusammenschreckt, keine Angst mehr hat, alles in üblichen Mustern abläuft. Von Anmut und Stil ganz zu schweigen.
Andy Muschietti ändert einfach alles! Dieses Mal landest du nicht in einem Film, bei dem die ganzen “Na, wer hat Angst vorm bösen schwarzen Mann”-Versprechen auf den Plakaten und in den Facebook-Posts eher wie zerplatzende Luftballons auf einem Kinderspielplatz wirken, sondern das Grauen kommt von ganz unten, setzt sich nistend in dein Gehirn und spielt da frei und fröhlich einfach mal extrem mit dir rum.
Und du zitterst im Kino – als absolut ausgetrockneter Horrorfilmfetischist – und hast Angst. Und zwar richtig.
Dieses Mal läuft die Gänsehaut nicht den Rücken runter, sondern schüttelt dich komplett konstant durch – und zwar nicht durch aufregende Szenen, die an Spannungsmoment kaum zu überbieten sind, sondern vor allem mit dem, was sich in deinem Kopf manifestiert und eigentlich der wahre Horror ist: Das nicht Sichtbare, das Unerwartete, das Unvorhersehbare. Und da werden keine billigen C-Movie-Tricks mit aufklappenden Spiegeln oder sonstigen billigen Taschenspieler-Filmtricks verwendet, sondern man fährt eine grausame Würde auf, die im Zuge der ganzen grausamen Rahmenbedingung das eigentlich Furchtbare ist: Wenn diese eine Erkenntnis sich langsam, unnahbar und unaufhörlich in dein Gewissen gräbt und kein Entrinnen mehr zulässt. Du mit Dingen konfrontiert wirst, die du nicht sehen willst. Die du nicht erträgst.
Und gleichzeitig kannst du nicht wegsehen. Du musst. Weil du mit ihnen sympathisierst. Sie sind dir wichtig. Du magst sie. Und hasst sie. Und hast eigentlich gar keine Ahnung.
Hinter all dem steckt eine technische Meisterarbeit, die an Professionalität und Können kaum zu überbieten ist. Allein schon die Kameraführung an den Anfängen des Films spricht hier deutlich davon, dass ES keineswegs mit früheren King-Verfilmungen verglichen werden kann und darf. Und auch das Budget der Effekte, der ganze Look, die kristallscharfe und unfassbar durchcolorierte Variante dieser Coming-of-Age-Welt zeugt deutlich davon, dass dieser Film seine Konkurrenz weit abgeschlagen hinter sich lässt – egal, aus welchem Genre.
Und dabei zittern die Gemüter bereits allein bei der Vorstellung davon, sich diesen Film im Kino zu besehen – zu recht!
Was wir hier vor uns haben, ist ein grandioses Meisterwerk, dass es endlich wieder einmal versteht, der Angst einen Namen zu geben und ihn ungezähmt auf die Besucher loszulassen. Diese erhalten seit langem wieder einen nennenswerten Gegenwert für ihr .kinoticket und erleben etwas im Kino, das lebensverändernde Auswirkungen hat! Danach im Wald übernachten ist einfach erstmal ein paar Wochen lang nicht mehr!
Und um nochmal auf die Klischee-Sparte “King-Verfilmung” sprechen zu kommen:
Man kann ES absolut nicht vergleichen. Nicht mit dem “Horror”, den man aus alten King-Filmen gewohnt ist. Nicht mit dem Maß an Technik, dass man hier aufgeboten hat, um den Zuschauer nicht zu unterfordern. Nicht mit der Professionalität, die man in Specials und Effekte gesteckt hat, um über die Borden des Blockbuster-Movies der Generation A hinauszuklettern.
Generell haben King-Filme einen unfassbar schlechten Ruf, weil es bislang noch nie jemand geschafft hat, eines seiner Werke auch nur annähernd ansehnlich in ein Bewegtbild-Kunstwerk zu stecken und den Leuten als das zu präsentieren, das die Bücher in den Köpfen der Menschen hervorrufen.
Der generelle Buch-Film-Buch-Vergleich sollte also auch hier nicht angestrebt werden. Ein Autor schreibt SEINE Welt. Der Leser interpretiert seine eigene und somit ist jeder zu 100% zufrieden.
Der Film beschneidet dieses Recht der Eigeninterpretation und bricht 1 Million Varianten und Vorstellungen auf die einzige des Regisseurs runter und muss daher Milliarden enttäuschen.
Und jetzt geht ins Internet und lest Rezensionen zu ES aus Amerika, aus demnächst Deutschland, aus aller Welt. Wie krass gut muss ein Werk sein, wenn es trotz dieser fatalen Tatsache, dass eine Buchverfilmung eigentlich nur in die Hose gehen kann, dennoch so unfassbare Kritiken bekommt? Wenn man es trotzdem schafft völlig unabhängig von Vorkenntnissen sowohl Lesern des Buches als auch absoluten Neueinsteigern ein Werk vorzusetzen, dass weltweit bereits jetzt applaudierend gefeiert wird und schon jetzt auf einige Rekorde blicken darf? Und das mit einer quasi “Neuverfilmung”, die in meinen Augen das Original sang- und klanglos absaufen lässt?
Die Fortsetzung mit der im Buch vermischen Ko-Relation zur fortgeschritteneren Variante ist bereits für 2019 angekündigt und ich kann es derzeit kaum erwarten, dieses Werk möglichst bald in meinen Händen zu halten, weil ich sonst in irgendeinem Kino einziehen und die Theaterleitung bestechen müsste, damit dieser Film auch noch nach Betriebsschluss weitergezeigt wird, denn:
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist das krasseste, härteste, ernsthafteste, erbarmungsloseste, Seelen zerfetzendste, brachialste und furchterregendste Werk, dass ich jemals in diesem Genre gesehen habe!
King-Fan oder nicht: Das hier ist ein epischer Meilenstein, der alles andere konkurrenzlos hinter sich lässt und Maßstäbe etabliert, die nicht von dieser Welt sind!
Grandioses Meisterkino, zurecht von aller Welt gefeiert – und seit gestern auch bei uns in den Kinos zu bestaunen. Also zieht euch warm an und dann ab in die Dunkelheit!

 
Nachspann
Sitzenbleiben! Draußen ist es eh dunkel.
Kinostart: 28. September 2017

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