Irgendwo hatte ich es bereits einmal erwähnt, dass die Filme, die man uns im Rahmen der Queerfilmnacht präsentiert, immer massentauglicher werden und längst nichts mehr mit der provokanten Abgeschiedenheit und Randszenen-Rebellion zu tun haben, die man früher aus dieser Genrebranche kannte.
Handsome Devil liefert hierfür ein brillantes neues Beispiel, das wieder einmal zeigt, dass man in Sachen Filmtechnik, Kameraführung, Optik und Design sowie Castauswahl und Plot durchaus verstanden hat, dass man sich gerne in den üblichen Bahnen Hollywoods bewegen darf, auch wenn man einen schwulen Plot zu bieten hat.
Und hier von “Oh mein Gott, Jungs lieben Jungs” zu quatschen, finde ich mittlerweile in vielen Fällen ebenfalls überzogen, da es gar nicht so sehr darauf hinausläuft, dass eben die Kerle schwul sind, sondern ganz andere Momente und Ebenen in den Vordergrund treten und die gleichgeschlechtliche Liebe nur noch ein Randfakt ist, der halt hier und da mal um die Ecke lugt.
Und damit hat man die eigentliche Eingrenzung in Queer-Cinema durchaus bereits verlassen und liefert Filme, die sich gekonnte Kinobetreiber auch gerne in die Wochenplanung einbauen können, ohne dabei auf großartigen Widerstand zu stoßen – mein Gott, hier und da ist halt mal eine Szene, wo darüber gesprochen wird – selbst gezeigt wird in diesem Fall kaum noch etwas.
Und darauf meinen großartigen Applaus! Genau so habe ich es mir schon seit Jahren gewünscht. Wenn man von Integration, Toleranz und diesem ganzen Quatsch spricht, den einige so dermaßen übertreiben, wie es bei Biofanatikern oft der Fall ist, dann löst man damit keine positiven Emotionen bei den anderen aus, sondern schürt eher neuen Hass – und genau das Gegenteil möchte man ja eigentlich erreichen.
So ist es auch kaum verwunderlich, dass neben mir eine Frau im Schwulenfilm sitzt und sich diese Thematik zu Gemüte führt – denn Handsome Devil ist nicht nur ein Parade-Vorzeigebeispiel für einen tatsächlich absolut gelungenen Gay-Film, sondern schafft auch in vielen Rollen und Nebenrollen zusätzlich absolut nachahmenswerte Perfekt-Beispiele für großartiges Verhalten in punkto Stereotype und Klischees.
Hut ab – so etwas dermaßen gelungenes hätte ich gestern Abend im Kino tatsächlich nicht erwartet!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier haben wir endlich DAS Paradebeispiel für einen absolut gelungenen, mainstreamtauglichen Genrefilm, der sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe beschäftigt, ohne irgendwelche Ekelgefühle bei Konservativen auszulösen.
Lange haben wir darauf gewartet. Das Kino ist mittlerweile soweit und nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese liebenswürdige Normalität der Darsteller auch in der Gesellschaft heimisch wird und mehr Menschen so sind, wie z.B. dieser Lehrer.
Respekt – Hut ab – definitiv sehenswert. Notfalls halt auf Netflix.

 
Nachspann
kommt keiner, ist aber grafisch genauso hervorragend ausgemalt wie die restliche Optik des Films.
Kinostart: 16. November 2017

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