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Zum Geburtstag gibt’s bekanntlich ja für das Geburtstagskind immer Überraschungen. Und wie wir in Zeiten der Kapitalisierung schon lange von Großkonzernen beigebracht bekommen haben: “Wir feiern Geburtstag, Sie kriegen die Geschenke!”.

Eure Überraschung diesmal: Blumhouse kanns doch!

Ja, wir sprechen von dem Label, das uns in den vergangenen Jahren mit dem Instant-Horror-Bockmist die Kanäle vollgepumpt hat und das immer nach dem gleichen Schema arbeitet: Bauklötzchen durchschütteln, Titel dazu, fertig ist der neue Film, der entweder 100% ein Erfolg wird oder 100% scheitert – die Budgets sind derart irrelevant, dass das eine das andere mit subventioniert. Strategischer Plan geht auf. Der einzige, der auf der Strecke bleibt: Der Kunde, denn der kriegt Scheißdreck vorgesetzt und ihm wird beigebracht, dass das “Horror” ist.

Falsch. Der wahre Horror ist, dass dieses Kino geschlossen werden soll, weswegen an dieser Stelle einfach mal jeder diese Petition unterzeichnen sollte, und zwar unabhängig davon, ob er Münchner|in ist oder nicht und das Kino kennt oder nicht – hier geht Kultur verloren und den finanzversessenen Medien scheint es vollkommen egal zu sein. DAS ist Horror.

Aber zurück zu Blumhouse und deren Gebaren, dem ich in der Vergangenheit immer mit Unwohlwollen begegnet bin: Sie können’s doch! Sie übertreffen sich in einem Maße, dass mir (!) (jaahaaa) der Mund offen stehen bleibt !!! Was ist auf einmal los?

Ich hab nun irgendwie verstanden, warum zweite Teile immer so mies sind, wie zweite Teile immer sind. Man fährt irgendwas geiles hoch, stellt unglaublich sympathische Charaktere dazu, lässt eine bombastische Geschichte auf sie nieder, regnet mit sensationellen Twists auf die Zuschauer runter und gipfelt in einem Finale, das jeder feiern muss.

Zweiter Teil? Bedeutet für die meisten einfach: “Okay, nochmal.” Also: Kuchenform raus, wieder mit Teig füllen, wieder mit gleichen Zutaten bestücken, wieder mit dem selben Bockmist in den Ofen, garen und fertig ist … langweilige Sülze, denn Kinofilme funktionieren immer nur einmal. Und die Hauptdarsteller von Teil 1 sind ja bereits “gegessen” – ergo lässt man das Ganze jetzt – auch aus Kostengründen – mit dermaßen unsympathischen Arschlöchern nachstellen, damit man a) verdient (rennt ja eh jeder rein, weil man wissen will, wie’s geworden ist) und b) niemandem höhere Gagen zahlen muss, weil sie durch Bekanntheit und Erfolg diese auch verlangen könnten und verdient hätten.

Raus kommt ein dermaßen mieser Abklatsch, der nicht selten das Wort “Cash Cow” nicht verdient hätte, denn Kühe sind etwas wunderbares und dieser Beleidigung eigentlich absolut unwürdig.

Nun zurück zu Blumhouse: Die Jungs können’s doch!!!

Hier wird uns eben nicht ein zweiter Teil vorgesetzt, sondern eine FORTSETZUNG der Geschichte, die mit dermaßen viel Selbstironie und Marvelscher Eigenverarsche vollgepackt ist, dass du während der Vorstellung lachst, klatschst und es so dermaßen feierst, wie du sonst eigentlich nur Tony Stark feierst! Blumhouse… Dieses Label … wirklich!

Was ich da in der Pressevorführung gesehen habe, hat meine Pupillen rausgewaschen! Der .trailer hat sanfte Andeutungen gemacht, dass hier mal so in Nebelbuchstaben ganz unscheinbar das Wörtchen “Konzept” ins Räumchen schwebt und man sich womöglich tatsächlich mal Gedanken gemacht hat, BEVOR man die Kamera anschmeißt … und der Film lässt diese Letter in Beton gießen und mit harter Wucht auf den Boden krachen: Es ist da! Ein Konzept! Ein Drehbuch! Eine Geschichte, die mit so viel Genialität begeistert und damit auf Teil 1 aufbaut, OHNE uns zu erklären, wie dumme Lämmchen, was wir nicht wissen können, weil ja eh niemand Teil 1 gesehen hat.

Also: Hausaufgabe: Happy Deathday schauen! Pflicht! Ohne das Ding funktionieren 67% der Gags nicht und das ist gut so. Und dann raus aus dem miefigen Zimmer und rein ins Kino – Popcorn in großen Eimern auf den Schoß, Handys aus und Happy Deathday 2U auf die Leinwand: Es gibt endlich wieder etwas zu feiern: Mein Hasslabel kann’s doch!!!

Es ist unglaublich! Erstmal eine Idee nach der anderen, die sensationelle fortsetzende Umsetzung, die nicht einfach stupide wiederholt, sondern anknüpft und so großartig weitermacht, dass es einfach zum Schreien geil ist und dann: Comedy! Horror ist Comedy. Das wissen wir spätestens seit den 90ern und wer das in seinem Masterplan nicht bedenkt, der macht Grundsatzfehler.

Blumhouse macht keinen Grundsatzfehler, sondern setzt zum ersten Mal, seit ich sie kenne, auf die vollkommen richtigen Karten und liefert ein Fest von einem Film ab, bei dem manchmal keine Zeit zum Lachen bleibt, denn die Show ist dermaßen leinwandwürdig, dass ich’s auf den Pflichtunterricht setzen muss und es keine freiwillige Option mehr sein darf: Schaut diesen Film! Bitte! Ihr krieg auch Kuchen dafür!

Etwas besseres hat dieses Label in meinen Augen bislang noch nicht geliefert – und ich hoffe schwer, dass sie kapiert haben, was sie da getan haben und es nicht einfach nur Zufall war, der später kläglich reproduziert werden will.

Happy Deathday 2U funktioniert sowas von und ich hoffe, ihr haltet euch an die Spielregeln:

  1. Happy Deathday schauen.
  2. kinoticket für Teil 2 lösen.
  3. Spaß haben und alle Gags verstehen!

Geiler kann’s eigentlich kaum noch werden!

.kinoticket-Empfehlung: Whoah!

Muss ich mehr sagen? REIN! Und zwar sofort! Jeder, der Happy Deathday schon gesehen hat.

Alle anderen: Ab auf die Couch, 1. Teil schauen und dann: REIN! Kapiert?

Nachspann
✅ Ja, es lohnt sich mal wieder, nicht gleich aufzuspringen, hier kommt noch eine mächtige Sequenz, bevor es dann in den endlos langen Abspann geht, der nichts weiter bringt.

Kinostart: 14. Februar 2019

Original Title: Happy Death Day 2U
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12

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