Hellboy

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Die Welt muss brennen … Hellboy erzürnt jegliche konservativ-christlichen Gemüter mit puren Schlägen in die Fresse. Und es tut soooooo unglaublich gut. Also mir. Ich sitze da, schau mir dieses apokalyptisch-selbstironische Wunderwerk des Bösen an und stelle fest, wie mich meine reale Wut endlich ein Stück weit wieder in Frieden lässt und die Wogen der inneren Selbstzerstörung und des puren, allgemeinen Hasses langsam abklingen, während ich dabei zusehe, wie man on screen die Welt in Schutt und Asche legt.

Schläge in die Fresse? Läuft.

Blut? Nicht zu wenig.

Zerfetzte Leichen, abgetrennte Körper, zerschlissene blutrünstige Monster, die sich über den Erdball hermachen und alles zerstören und vernichten, was ihnen unter die Finger kommt? Läuft.

Irgendeine Liebe da drin? Glänzt durch Abwesenheit. Es ist das pure Böse – und es tut so gut, dass es brüderlich Hand in Hand mit Sarkasmus und Zynismus geht – eben typisch Hellboy, wie man ihn aus den beiden vorherigen Teilen bereits schon kannte.

Selbst die Angst um das “Verschandelt werden” durch die Abwesenheit eines eigentlich ihm auf den Leib geschriebenen Rollen-Ron Perlman verklingt nach 10 Minuten, weil die Macher hier der Marke Hellboy treu geblieben sind und an seinen Charakter- und Wesenszügen kein einziges Stück gefeilt haben. Wenn man’s nicht zwingend weiß, fällt’s erstmal gar nicht groß weiter auf.

Alle Elemente, die in einem Hellboy-Film sein müssen, wurden aufgegriffen – bis hin zur bewusst miesen Grafik, die irgendwo fast schon zu einem Markenzeichen dieser Reihe geworden ist.

Und es ist eine bestialische Schlacht, gegen die die ersten beiden Filme wie ein billiger Haustier-Kindergarten wirken: Diese brachiale Gewalt und Zerstörungswucht auf die Leinwand loszulassen und dann mit solchen Bildern zu füttern… Ein Traum für jeden, der um sich rum einfach nur Rache und Gerechtigkeit will. Das „Justice“-Gefühl in boshafter Vollendung.

Und warum kotzt jetzt jeder darüber ab und beschwert sich, dass der Teil scheiße ist?

Weil‘s funktioniert. Hellboy war niemals für die Masse gedacht. Wenn er der Masse gefällt, dann hat man irgendwas grundlegend falsch gemacht. Hellboy ist Nischenlektüre und gehört auch da hin. Hier geht es darum, etwas todernstes in den sarkastischen Dreck zu ziehen, sich über alles und jeden an den falschen Stellen lustig zu machen und eine Welt voller Boshaftigkeit und Höllenqualen zu manifestieren mit einem „Aaaaaaach leck mich doch, kein Bock“-„Superhelden“ am Start, der in den absolut falschen Momenten das absolut falsche sagt und dabei nur sich selbst treu bleibt. Und nicht um Sonnenschein-Spider-Man-Blondchen am Sonntag bei Oma am Kuchentisch.

All dies wurde auch vom „Neustart“-Dritten Teil exakt richtig gemacht und meine tiefsten Befürchtungen, dass man erneut eine Filmseele der reinen Remake-Geldgier opfern würde, wurde gottseidank nicht bewahrheitet. Stattdessen hat man grandiose Boshaftigkeit, satte Action, vieeeeeel Blut und Horror, wenig „Wert von Menschenleben“ und die typische Frage von „Was ist gut und böse und was eigentlich nicht“ gestellt und damit das Hellboy-Universum mit allen Faktoren gefüllt, die es braucht, um in sich geschlossen perfekt zu funktionieren.

Und die Szenen wirken – sind in meinen Augen auch nicht übertrieben, sondern „zeitgemäß“ (das Wort ist pervers an dieser Stelle aber ja, ich stehe dazu!) und erfordern, dass der Kinozuschauer sich darauf einlässt und aus dem Mainstream heraustritt. Der wird einem nämlich sonst mit Gedärmen und spritzenden Venenflüssigkeiten aus den Augen gewaschen.

Was mich zu meiner beliebten FSK führt: Abgebissene Köpfe und zerrissene Körper? Seriously? Und offen darüber schreiben?

Ich darf! Denn das Ding ist: FSK 16. Juchee – denn ab sofort gilt: Wir brauchen das rote Logo nicht mehr. Nicht nach diesem Film.

In meinen Augen hätte man zwischen FSK 18 und indiziert schwanken sollen, mit Tendenz zu „indiziert“, weil‘s hier richtig zur Sache geht – aber stattdessen „Naja, 16 ist ja fast wie 12, kauft euch ein bisschen Popcorn und viel Spaß Kinder!“ 😉 Und damit seid ihr am Arsch! Richtig am Arsch!

Die Hölle regiert.

Und ich bin wahrscheinlich einer der wenigen, die das zur Zeit so richtig abfeiern.

.kinoticket-Empfehlung: Thanos braucht nicht mehr mit dem Finger schnippen zu wollen, man lässt einfach diese Inhalte auf die Menschheit los, setzt sich dabei auf einen Berg und schaut der Apocalypse beim Gedeihen zu.

Einer meiner wenigen, nicht erfüllten Lebensträume. Bis jetzt. Hellboy ist diesbezüglich extrem befriedigend und in meinen Augen „Index“-würdig. Selbst 18 ist grenzwertig. Dafür wurde dem Plot, den Inhalten, den Markenzeichen und dem ganzen Universe treu geblieben, was sich inzwischen daran abzeichnet, dass der Mainstream es hasst. Also: Alles richtig gemacht – ich kann‘s euch nur empfehlen.

Und danach dürft ihr mich steinigen. 🙂 I‘m prepared.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben! Und nein, nach dem Abspann-Abspann ist es nicht vorbei, also: Sitzen bleiben! Bis. Ganz. Zum. Schluss. – Danke.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Hellboy
Length: 121 Min.
Rated: FSK 16

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