Der Film spaltet in vielerlei Hinsicht. Zum einen warten wir seit dem bitteren Abgesang Fifty Shades of Grey‘s immer noch auf einen Film, der sich endlich anständig und ernstzunehmend mit dem Thema der Unterdrückung und Machtverteilung zwischen den Menschen beschäftigt und dies auf spielerische Weise dem Publikum näher bringt, zum anderen enthält auch dieses Werk wieder jede Menge Ansatz-Denkstoff, um sozial- sowie gesellschaftskritisch bewertet zu werden. Das Problem ist jedoch: Die Schaffensaufgabe liegt allein beim Zuschauer – selbst der Denkanstoß fehlt – was diesen Film zu nichts weiter als einer Lächerlichkeit verkommen lässt, die weder provokativ genug ist, um zu spalten, noch lustig genug, um als Unterhaltung angesehen zu werden.
HERRliche Zeiten ist irgendetwas dazwischen. Und dieses Wanken ist grausam, weil es dem Film jedwede Schärfe nimmt, die aus diesem Material etwas durchaus Bissiges und Nachdenkenswertes hätte machen können. Die Art und Weise, wie man sich hier dem scheinbaren Klischee der Subs widmet, schreit förmlich zum Himmel und ist ein grandioser Faustschlag ins Gesicht all derer, die sich gesellschaftlich immer noch nicht ordentlich vertreten sehen und ihre Vorlieben und Ängste, Wünsche und Sehnsüchte fernab der Öffentlichkeit ausleben müssen, immer mit der Angst, entdeckt zu werden.
Den großen Bogen hin zum gesamtsituierten Gesellschafts-Drama sieht man zwar willentlich gespannt, will man dran packen und ihn auf Echtheit prüfen, stellt man aber schnell fest, dass hier eigentlich gar nichts ist. Jede Form ernstzunehmender Kritik mündet in mies geschriebenen Dialogen, die einem schlechten SM-Roman entsprungen sein könnten. Tatsächlich ist dies auch eine Buchverfilmung, die ich selbstverständlich wieder mal nicht gelesen habe, um hier weitere Ausführungen machen zu können.
Dass sich dann aber ein Regisseur namens Roehler einem solchen Stoff annimmt und diesen – für seine Verhältnisse – Mist abliefert, verwundert nicht nur mich. Mit viel Mut und geistiger Schaffenskraft könnte man sich jetzt innerhalb eines philosophischen Stuhlkreises darüber unterhalten, welche Auswirkungen diese Methoden in und auf unsere Gesellschaft nehmen und die Unterwürfigkeit und Versklavung genauso in das großartige Bild des Menschen reininterpretieren, der sich auch an allen Ecken und Enden abhängig macht (von Strom, Politik, Mobilität, Erreichbarkeit etc.) – diese Ansätze werden aber nicht mal angerissen, sondern nur platt widergespiegelt.
Hier fehlt mir eindeutig der Mut, mit diesem schwierigen Thema ohne Hemmungen vorwärts zu preschen um dem Zuschauer wirklich die ganze Soße vorzusetzen und nicht nur ansatzweise den Geruch über den Kopf zu schütten, der dann entweder wahrgenommen wird oder eben nicht.
Klassische, deutsche Produktion – muss ich mehr sagen?
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Schauspieler agieren großartig im Rahmen ihrer Möglichkeiten und liefern auch ein gekonntes Bild dieser plattgewälzten Charaktere ab, der Plot gehört allerdings eher verboten als gefördert.
Man hätte hieraus ein kunstübersätes Stück Gesellschaftskritik machen können, das weiträumige Fragen aufwirft und Diskussionen über die Unterdrückung und Bevormundung respektive den faden Überfluss einiger ausgelöst hätte, so aber hat man sich wieder für die traurige, gehemmte Variante entschieden, um ja nicht aus dem üblichen Konservativ-Muster deutscher Filmemacher auszubrechen.
Schade eigentlich.

 
Nachspann
Sitzenbleiben lohnt sich auch diesmal wieder nicht, es kommt nichts mehr.
Kinostart: 3. Mai 2018

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