Dennis Quaid erinnert mich immer ein bisschen an die unzähligen Nächte, die ich mit dem wiederholten Schauen von The Day After Tomorrow verbrachte: Er fühlt sich an wie ein Vater. Und gehört heute schon fast zum alten Eisen. Leider.
Ich finde, er spielt gut. Und übermittelt dabei das solide Filmgefühl, auf das man sich als Kind damals noch wunderbar stützen konnte, ohne dabei von der Tischkante zu fallen. Aber um ihn geht’s hier gar nicht, sondern um einen Song. Und den Jungen, der diesen erfand.
Das wäre der Part, mit dem mich I Can Only Imagine vollkommen gepackt hat: Die Story. Sie ist spannend, unterhaltsam, trägt eine unglaublich positiv-vorantreibende Würde in sich und erzählt etwas wunderbares, dass gar nicht so sehr auf’s christliche manifestiert ist, sondern sich sogar auch als Atheist oder Andersgläubiger gut aushalten lässt.
Tatsächlich ist dieses Vieh in den USA unfassbar erfolgreich gewesen und man erlebt auch in den Kritiken, dass die Amis darauf ganz anders reagieren, als die Europäer. Und ehrlich gesagt hat mich als Musikliebhaber in dem Film auch so ziemlich jeder Song fast schon tiefgreifend berührt … außer eben der, um den es geht. Ich fand diese unglaubliche Fokussierung auf dieses “Mega-Erfolgshit”-Gefühl am Schluss einfach nur enttäuschend, denn bei allem, was darüber gesprochen wird, hätte da dann tatsächlich der bahnbrechende Wahnsinn kommen müssen – und der blieb eben aus. Oder meine Erwartungen waren schlicht viel zu hoch.
Das ändert aber nichts daran, dass ich euch trotzdem eine Schauempfehlung ausspreche, denn der Film schafft es, einen in samtweiche Watte einzupacken und wohlbehütet und berührt wieder aus dem Kino zu entlassen. Die Story schafft es tatsächlich, einen unglaublich inspirierenden Geist auf die Menschheit loszulassen, der einen auch im Nachgang noch beschäftigt, obwohl eigentlich “gar nicht so viel los gewesen ist”. Und daran trägt der Hauptcharakter große Anteile, was diesem Film zu dieser enormen Sympathie verhilft: J. Michael Finley hat es in dieser Hinsicht einfach drauf und überzeugt vollends mit der von ihm gespielten Rolle.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Sonntag gehört ProSieben , auch wenn dort dieser Film gar nicht läuft. Also zurück in die Kirche.
Doch so schlimm, wie ihr vermutet, ist es gar nicht: I Can Only Imagine kümmert sich quasi um einen Charterfolg christlicher Güte und breitet nebenher mal eine inspirierende und faszinierende Geschichte aus, die vom eigentlichen Thema fast ablenkt, aber dabei einen wunderbaren Film auf die Plattform schmeißt.
Schaut ihn euch an und freut euch nicht zu sehr aufs Ende, sondern genießt einfach den Weg dahin: Immerhin ist der sprichtwörtlich bereits das Ziel.

 
Nachspann
✅ Hier bekommt ihr nochmal den Song auf die Ohren, man braucht aber deshalb nicht zwingend sitzen bleiben.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: I can only imagine
Length: 110 Min.
Rate: FSK 6 | PG

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