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wenn aus filmen leidenschaft wird

I, Tonya

Fangen wir mal mit dem Titel an: Der führt zurück auf das Werk “I, Caesar – The Rise & Fall of the Roman Empire“, was bereits viel über das hier vorliegende Werk aussagt – und zwar nicht nur in punkto zynischer Schärfe, die man grundsätzlich und allgegenwärtig im Film spürt.
Regisseur Craig Gillespie, der sich eigentlich schon aus dem Filmbusiness verabschieden wollte, gelangte an die wahre Story über die Eiskunstläuferin, die als erste amerikanische Athletin den Dreifach-Axel gesprungen ist und war fasziniert von ihrer Geschichte, die damals von den Medien bis zum Tode ausgeschlachtet wurde.
Er begab er sich nicht nur auf die Suche nach den wahren Persönlichkeiten, um sie allesamt vor der Kamera zu interviewen, sondern durchstöberte auch die zahlreichen Quellen auf YouTube und online, die ihm quasi als Quell freudiger Erinnerungen gefüllt mit jeder Menge authentischer Beweise zusprudelten.
Margot Robbie ihrerseits hatte – wie ich im Übrigen auch – von der Originalstory recht wenig mitbekommen und dachte beim Lesen des Drehbuchs an eine fiktive Geschichte und war fasziniert über die skurrilen Zusammenhänge und Kreativität, der sich die Drehbuchautoren scheinbar bemächtigten.
Tatsächlich ist bei ihnen aber rein gar nichts aus den Fingern gesaugt, sondern basiert alles auf den Erzählungen dieser Interviews und kommt damit quasi aus erster Hand. Gut so, denn hier sollte nicht einmal mehr der mediale Schlachtruf posaunt und daraus noch eine Melk-Kino-Kuh zum Tode geführt werden, sondern man wollte dem Zuschauer die Möglichkeit geben, die Sachlage nicht durch die Brille der Medien bewerten zu müssen, sondern sich ein eigenes Bild davon verschaffen zu können, was damals wirklich passiert ist.
Die echte Tonya Harding war in den Dreh bereits involviert und lobte u.a. Margot Robbie für ihre natürliche und realistische Darstellung ihrer Person – was ja auch schon viel heißt. Unsereiner kennt sie vielleicht eher als Harley Quinn aus Suicide Squad oder aus dem Film The Wolf of Wall Street, der sie zu internationaler Bekanntheit führte.
Man sagt – und das zu Recht – dass diese Rolle hier die ihres Lebens sei. Und man spürt es. Ich habe nach der Vorstellung mit einem Eiskunstschnellläufer gesprochen, der mir die Szene und den Sport an sich etwas beschrieb und er meinte, dass alles, was im Film gezeigt wird, tatsächlich sehr nah an der Realität ist und in diesem Sport genau so vorgegangen wird, wie im Film gezeigt.
Meine Frage, was er als “inszeniert” bezeichnen würde, beantwortet er damit, dass die echte Harding wohl eher weniger provokativ gewesen sei und nicht ganz so forsch in ihrem Auftreten, es Robbie aber sehr gut geschafft hätte, ihre Persönlichkeit zu imitieren.
An den Regeln und dem Drumrum würde er gar nichts ändern, denn das sei genau so, wie es damals gewesen ist. Und tatsächlich hat der Regisseur auch auf sehr viele Originale zurückgegriffen und konnte sich viele Dinge aus den Aufzeichnungen zusammenholen, um sie anschließend in diesen Film zu packen, der sich von menschlicher Seite aus an die Story annähert und damit ein wunderbares Bild – ja fast schon den Traum einer Berichterstattung – liefert, dass wir wohl in den Medien auch in 100 Jahren nicht zu sehen kriegen werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: In meinen Augen ist der Coup definitiv gelungen und es ist keine breiige Aufwärm-Gülle, die uns hier vorgesetzt wird, sondern erstklassige Kunst, ein so ausgeschlachtetes Thema oscarwürdig zu präsentieren.
Auch wenn man dem Sport nichts abgewinnen kann, sollte man sich die Mühe machen und den Film sehen, denn schon der Sarkasmusanteil ist allein einen Besuch im Kino wert – und bislang hat noch niemand gesagt, dass ihn dieser Film enttäuscht hätte.

 
Nachspann
Zeigt die echten Szenen von damals und beweist, wie akkurat und präzise sich Robbie dieser Thematik gewidmet hat.
Kinostart: 22. März 2018

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1 Comment

  1. Mir hat der Film auch sehr gut gefallen, auch wenn er zwischenzeitlich seine Längen hatte. Robbie war mir ein wenig zu alt für die Rolle, wenn man bedenkt, wie alt Tonya zum Zeitpunkt der Ereignisse war. Ich fand es erneut erschreckend zu sehen, wie ein junger Mensch in den Medien zerrissen wurde.

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