Ich mag Franz Rogowski. Ich habe ihn durch Lux – Krieger des Lichts kennengelernt und finde, er ist endlich mal wieder eine Persönlichkeit auf der deutschen Leinwand, die unverwechselbar und einzigartig ist. Er genießt dadurch einen enorm hohen Stellenwert bei mir, weil ich es liebe, wenn Schauspieler nicht beliebig austauschbares Beiwerk und die heimlichen Größen eines Films ganz andere Dinge sind.
Rogowski verkörpert für mich daher etwas, dass vielen Filmen mittlerweile abhanden gekommen ist: Seele. Und genau davon bringt In den Gängen sehr viel mit. Man sollte sich innerhalb dieser Welten allerdings ein Stück weit auskennen, um wirklich alle Hintergründe zu verstehen und die Tragweite der Story zu begreifen.
Um was es im Film geht, haben inzwischen ja hunderte Beiträge schon längst verraten, und wer immer noch keine Ahnung hat, braucht nur noch kurz aufs Plakat zu schauen und hat im Prinzip alles wichtige in einem Rutsch verinnerlicht. Und gleichzeitig gar nichts davon.
Böse Zungen könnten meinen, es handelt sich hierbei um einen Glanzwerbefilm des Kommunismus, der das utopische Prinzip der Brüderlichkeit und Gemeinschaft in einem Jahr teilt, dass von ganz anderen Sachen durchzogen ist und quasi mehr oder weniger im Kapitalismus erstickt. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich z.B. ein Münchner an den Kopf greift und fragt, wo denn bitte in der Welt solche Zustände herrschen, wie die im Film, dass dem das alles fremd vorkommt und der damit nichts verbinden kann.
Diejenigen, die das jeden Tag so erleben und in ihrer Trostlosigkeit versinken, möchten vielleicht auch nicht zwingend in einen Film gehen, der ihnen diese teils deprimierende Lebensweise dann so unter die Nase reibt – und gleichzeitig ist es ein Film, der einen fesselt, bannt und eine ganz eigene Geschichte in einer Form erzählt, die es so lange nicht im Kino gegeben hat und die von Filmemachern auch ungern aufgegriffen wird: Der poetische Realismus.
Thomas Stuber hat es geschafft, eine vollkommen alltägliche Situation so einzufangen, dass man hart an der Dokumentation vorbei schrammt und sich wirklich sicher ist, dass man hier in einem Film sitzt und gleichzeitig das Gefühl vermittelt bekommt, aus dem Alltag und Leben eines anderen so nah berichtet zu bekommen, als wäre man live dabei.
Und die Protagonisten sind allesamt durchweg authentisch in ihrer Rolle und verkörpern diese Epoche so glaubhaft, dass man stellenweise vergisst, was vor dem Kinoeingang in dieser Realität wirklich los ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film deprimiert und verzückt zugleich und schafft es, durch sein gewieftes Abtauchen in einen Kosmos, etwas ganz Besonderes zu vermitteln.
Rogowski strahlt erneut in einer top besetzten Rolle. Einzige die Länge hätte man etwas runterbrechen können, hier hätten es 10-20 Minuten weniger auch getan. Dennoch würde ich wieder reingehen.

 
Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, es folgt nichts weiter.
Kinostart: 24. Mai 2018

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