Lloronas Fluch

© 2019 Warner Bros. Ent.

Poster anschauen – checken, dass das hier “Horror” ist … in Verbindung mit “Kino” und wir sind raus. Richtig?

Jap – Horror hat es als Genre ungemein schwer in den großen Sälen, obwohl diese sich so perfekt für Grusel eignen und man durch schreckhafte Handlungen und unkontrolliertes “Knacken” aus den dunklen Reihen irgendwo sogar noch perfekt von anderen beeinflusst werden könnte – und dennoch schreibt man grandios miese Zahlen, was den “Erfolg” dieses Genres auf der großen Leinwand angeht.

Dazu gesellt sich das neue Phänomen, dass nicht mehr nur ein einziger Film präsentiert wird und man bombastischen Erfolg einerntet, sich dann irgendwann ein zweiter dazu gesellt, der den Hype wieder aufleben lassen, sondern man gleich ein ganzes Universe erschaffen möchte, das bereits dafür ausgelegt ist, Stoff für die nächsten Jahrzehnte zu haben und man eben gleich nach Serien-Manier jeden einzelnen möglichen Handlungsstrang mit einem eigenen Movie ausschlachtet.

Mit Conjuring startete ein solches Universe, das weltweit mit einem Einspielergebnis von lächerlichen 1,57 Milliarden US-Dollar zu den erfolgreichsten Horror-Franchises ever zählt. Im Vergleich dazu: Marvel zählt mit seinem Marvel Cinematic Universe und einem Einspielergebnis von ca. 18,6 Milliarden US-Dollar ebenfalls zu den “weltweit erfolgreichsten” und liefert hierbei schon sechs (!) Filme, die alleine jeweils über 1 Milliarde Dollar einspielten – fast so viel, wie das komplette Conjuring-Universe insgesamt.

Daran merkt man, wie schwerfällig sich dieser eigentlich so wunderbare Unterhaltungszweig im Kino tut und ich verstehe bis heute nicht, warum eigentlich. Normalerweise dürften genügend Horror-Liebhaber da draußen rumlaufen, denn sonst würden FSK-18-Fansites nicht blühen und grünen und der Verkauf von “Unter der Hand”-VHS damals, VoD heute dürfte nicht so gut von statten gehen. Schämen sich die Leute so sehr, sich in der Öffentlichkeit zu fürchten und zu erschrecken, dass dies wirklich einzig aufs Heimkino beschränkt bleibt, wo der meiste “Horror” tatsächlich anhand mangelhafter Technik schon von allein verpufft?

Aber zurück zum Conjuring-Universe und einer für euch liebevoll zusammengetragenen Zusammenfassung der bisherigen “Stars” dieser “Reihe”:

James Wan startete mit Conjuring – Die Heimsuchung und lieferte ebenfalls Conjuring 2, was von Annabelle und Annabelle 2 begleitet wurde. Anschließend startete man den “Siegesfeldzug” mit dem legendären The Nun, der bislang als der erfolgreichste Film dieses Universums galt, gefolgt von Michael ChavesLloronas Fluch, der sich ebenfalls in das Dämonoligium einreiht. Selbiger Regisseur soll übrigens in Zukunft für Conjuring 3 verantwortlich sein, dem aber noch Annabelle 3 als “Begleiterscheinung” folgen wird… der Zug nimmt also langsam Fahrt auf.

Wen das alles verwirrt: Merkt euch einfach: Dämonen, böse Geister, allerlei dunkles Gestaltenzeugs und jede Menge Schreckmomente. Genau das ist es auch, was Lloronas Fluch ausmacht und (zumindest anfangs) tatsächlich wieder den guten klassischen Jump-Scare neu belebt. In Folge wird der Film dann zwar stellenweise langweilig, weil der eigentlich perfekte Nährboden von Angst und Schrecken mit den immergleichen Mythen und Funktionsweisen gefüllt wird, die in den 90ern tatsächlich funktioniert haben und die insofern fast schon ein bisschen Horror-Nostalgie hervorrufen und eben jene Fraktion begeistern dürften.

Ein abwechslungsreiches Filmplädoyer liefert aber auch dieser Teil der Reihe nicht, sondern verlässt sich zu sehr auf bereits Dagewesenes und statt der willkommenen Befreiung eines ganzen Genres übt man sich wieder in Enthaltsamkeit in punkto Kreativität und Freiraum.

Dabei ist hier ganz viel Luft nach oben, denn die alleinige Befriedigung alter Tage allein reicht heute für den Gang ins Kino kaum noch aus. Fürs Übersehen werden liefert der Film aber trotz allem zu viel Atmosphäre, als dass man sich den Besuch dann doch entgehen lassen sollte.

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nicht zu viel, sondern stellt euch auf gemütlichen, klassischen Horror ein, der die Jump Scares neu belebt, sie funktionieren lässt und dann durch immerdare Wiederholungen zurück in den Tod schickt.

Atmosphäre ist da, die Bilder reizen auch, aber man kränkelt an zu viel Klassischem, als dass man hier von dem Revival traditionellem Horrors sprechen könnte – dafür muss in Zukunft einfach mehr kommen.

Nachspann
❌ Muss man nicht zwingend aussitzen, auch wenn der Glaube daran groß ist: Er wird enttäuscht werden.

Kinostart: 18. April 2019

Original Title: The Curse of La Llorona
Length: 94 Min.
Rated: FSK 16

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