Als ich damals im Internet auf die Suche nach ein paar Vorabinformationen zu Kinofilmen ging, die ich plante, mir im Kino anzusehen, traf ich auf extrem viele Spoiler, aggressive Meinungen und jede Menge Rücksichtslosigkeit, was das Verraten von Detailinformationen zur Handlung betrifft und mir damit den Genuss komplett zerstörte, weil ich mich jetzt während des Films nicht mehr von interessanten Wendungen überraschen lassen konnte.
Damals dachte ich mir: Warum jetzt eigentlich darüber aufregen, dass niemand so etwas schreibt? Schreib es doch einfach selbst und sei du der Unterschied, den du dir in der Welt wünschst. Gesagt – getan. Fortan habe ich zu jedem Kinoticket, das man mir verkauft hat, eine Rezension geschrieben: .kinoticket-blog.de war geboren.
Steven Soderbergh erging es mit den großen Studios genauso – und ich denke, man kann aus so manchem Interview herauslesen, dass die kreativen Ausflüchte und Risiken, die man als Künstler gerne eingeht, oft (immer?) von den geldeintreibenden Großmächten wieder zurückgestutzt werden und so das geistreiche Schaffen der Regisseure mächtig beschränkt wird. Also warum noch länger damit rumärgern und nicht einfach selbst den Unterschied machen?
Gesagt – getan: Er gründete seinen eigenen Verleih Fingerprint Releasing, dass derzeit in den Kinos mit seinem ersten Großprojekt Logan Lucky am Start ist, dem man diese schöpferische Freiheit vollkommen anmerkt.
Das Bild von traditionell zurechtgestutzten Charakteren fehlt völlig und man verzichtet auf den ganzen massentauglichen Mist zugunsten von Ideen, die spürbar nicht in der Allgemeinheit verankert sind, sondern sich wieder der überaus schwierigen Aufgabe widmen, dem Zuschauer eine neue Form der Unterhaltung zu bieten und ihn gleichzeitig dafür zu gewinnen, so dass er mit einem großen Maß an Befriedigung wieder aus dem Kino raus kommt.
Meiner Meinung (und den Lachern meiner Mit-Zuschauer) nach zu urteilen ist dies auch völlig gelungen. Die schroffe, unnatürliche Art, in unerklärten Gesichtsausdrücken und Handlungsoptionen zu verharren, sie als gegeben zu präsentieren und deren Beweggründe vielleicht auch im kommenden Abschnitt nicht hinreichend (oder auch gar nicht) zu erklären, bezeugt für mich wieder den Mut, den Zuschauer durchaus für fähig dafür zu halten, die logischen Lücken der Profile der Protagonisten durch Eigeninitiative zu füllen und somit für sich selbst ein schlüssiges und funktionierendes Gesamtbild zu erschaffen.
Damit schlägt Soderbergh gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er erspart sich das BILDhafte Idiotenerklärungssystem, dass sich neuerdings in Blockbustern eingeschlichen hat und nutzt zugleich das biologische Belohnungssystem des Zuschauers, um positive Emotionen zu bilden. Und das ist – neben der Geschichte an sich – für mich der eigentliche Coup dieses Films: Der gewagte und lohnenswerte Schritt neben die Spur und damit endlich wieder mal auf erzählerisches Neuland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schon der .trailer war seltsam und der Film offenbart dann, warum: Hier waren kreative Kräfte am Werk, die ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept präsentieren, dass einen Besuch im Lichtspielhaus definitiv sinnvoll erscheinen lässt.
Die Konzeption von Offenlegung der Profile im gleichen Atemzug mit den Stichpunkten der Handlung einhergehend legt man hier eine völlig neue Erzählweise auf den Tisch und schafft es, die Kundschaft von diesem zu überzeugen.
Für mich einen Besuch im Kino definitiv wert.

 
Nachspann
hat leere Taschen und braucht deshalb nicht ausgesessen zu werden.
Kinostart: 14. September 2017

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