Ja, ich mochte die bisherigen Filme auch schon sehr. Diese schöne, kranke, gestörte Welt in ihrem ganz eigenen Universum, weitab von allem, das sonst so befilmt wird… Ein Augen- und Ohrenschmaus, der Mel Gibson damals berühmt gemacht hat.

Umso beflügelter war ich, als das erste Mal der Trailer von Mad Max: Fury Road im Kino lief. YES – Neuauflage. In 3D. Dass in Trailern mit

Übertreibung nicht gegeizt wird, ist mir ja auch mittlerweile klar. Und dass man seine Erwartungen runterschrauben sollte, wenn der echte Film dann anfängt, ist auch eine längst bekannte Filmweisheit, an die es sich zu halten gilt.

Nun: Schon der Trailer in 3D schlug ein und machte mich noch ein kleines Stück geiler auf den Film selbst. Der wiederum… Sagen wir es so: Ich habe in meinem Leben schon zehntausende Filme gesehen – allein bis jetzt 54 Stück im Jahr 2015 im Kino, die Blu-rays und DVDs nicht mitgezählt. Ich darf also von mir behaupten, so einiges zu kennen. Was hier abgeht – toppt einfach alles.

Ich wusste nicht, ob ich lachen, schreien, weinen oder alles gleichzeitig tun soll. Wie verfilmt man eine Story von jemandem, der nicht redet, sondern tut? Wie kriegt man es auf die Reihe, etwas auszusagen ohne Worte dafür zu benutzen und dem Zuschauer das Gefühl zu geben, dass 5 Meter unter dem Boden erst der Anfang von dem Schlag ist, mit dem der ganze Film hier ausholt?

Der .trailer zeigt noch die ruhigeren Szenen. Die Musik: Wucht ist hier kein Ausdruck mehr. Hier prallen keine Planeten aneinander, sondern ganze Universen. Hier wird nichts totgelabert, sondern man dialogisiert ausschließlich mit Zwischen-den-Zeilen. Der Hass, diese tiefe, innere Zerstörtheit, das krankhafte Bild einer verrotteten Welt, in der nichts außer Tod, Trockenheit und Zerstörung besteht, drückt momentan so sehr mein inneres Weltbild aus, wie es in meinem ganzen Leben noch kein anderer Film je geschafft hat.

Der Saal bebt. Und das meine ich wörtlich. Es gibt kaum Sekunden, in denen nicht nur die kompletten Stuhlreihen, sondern auch die Böden, Wände und Mägen aller Zuschauer mal nicht vibrieren. DAS hätte ich von Avengers: Age of Ultron erwartet. Mad Max liefert es. Und zwar in einer Perfektion, die Kino in die heutige Zeit katapultiert, dass einem schlecht wird vor Freude.

Ich finde keine Worte dafür, um zu beschreiben, was mir nach dem Film durch die Birne ging. Ich fühlte mich so sehr verstanden. So aufgehoben. So … geliebt. Bin durch die Straßen gelaufen und hab den Tränen freien Lauf gelassen und dabei keinen einzigen Ton rausgekriegt.

Mad Max: Fury Road 3D ist für mich DER Kinofilm des Jahrtausends. Eine Säule, deren Umfang F5-Tornados weit in den Schatten stellt. Dessen Größe ausreicht, um seine komplette Sammlung unter dieses Label zu stellen.

Hier wird nicht mit Superlativen gespielt, hier werden exponentielle Supernova-Lativen erschaffen und auf einem Niveau gehalten, dass keinen einzigen Moment zurückweicht, sondern nur vorwärts kennt. Stahl, Blut, Tod und dazwischen die herzzerreißende Liebe für neues Leben – ein Gedicht, das mit seinen Worten erschlägt und tiefe Löcher in deine Seele bohrt, um sie mit etwas zu füllen, mit dem die Masse nicht zurechtkommt.

Der Film schafft es auf eine perverse Art, die Geschwindigkeit in wütende Raserei ausarten zu lassen, genährt von der immerwährenden Schwere.
Ich hab ein neues zu Hause gefunden. Sei mein Zeuge.

.kinoticket-Empfehlung: Wer Referenz-Material für ein Kino sucht, ist hier richtig. Wer wissen will, wie sich epische Musik in riesigen Sälen anhört, ist hier richtig. Wer Unterhaltung will, die abseits vom Mainstream stattfindet, ist hier richtig. Wen Worte stören, wer tiefer will, wer so richtig wahnsinnig werden will, der sollte sich diesen Film auf jeden Fall antun.

Eine Hommage an das Kino der Neuzeit, das neue Maßstäbe setzt und beweist, das eben doch möglich ist, was viele an Hollywood verkennen: Großartige Unterhaltung mit irren Ideen umgesetzt in glorreichem 3D, das selbst Avatar ganz leicht in den Schatten stellt. Wir haben wieder eine Messlatte, an der künftig andere Filme Maß nehmen müssen. Und das wird für zukünftige Meisterwerke richtig richtig schwer, denn hier stimmt einfach alles: Story, Geschichte, Score, 3D und der ganze Rest.

Wer sich dieses Schlachtfest epischer Momente entgehen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen. Was besseres hab ich mein ganzes Leben lang noch nicht gesehen! Hut ab – so überrascht hat mich bisher noch kein anderer Film.

Nachspann
✅ Sitzen bleiben. Der Score kommt erst am 29. Mai 2015 in die Regale, das ist lang genug.

Kinostart: 14. Mai 2015

Original Title: Mad Max: Fury Road
Length: 120 Min.
Rate: FSK 16

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