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Christian Bruhn – Hand aufs Herz – wer kennt ihn? Eine Persönlichkeit wie ich, deren Haupt-Playlists aus Scores und Original Soundtracks bestehen, kennt Namen wie Hans Zimmer oder Alexandre Desplat aus dem FF, aber auch ich tu mich mit Musikgrößen – und dazu noch deutschen Legenden – schwer, die Christian Bruhn heißen.

Man kennt seine Werke – das durchaus. Stücke wie Timm Thaler, Captain Future, Alice im Wunderland, Heidi oder berühmte Werbejingle wie Milka, Zott, McDonalds, Maggi und Co. und dazu … und da kommt der Haken: Jede Menge Schlager.

“Marmor, Stein und Eisen bricht”, “Liebeskummer lohnt sich nicht”, “Zwei kleine Italiener”, “Wunder gibt es immer wieder”, “Ein bisschen Spaß muss sein”, “Wärst du doch in Düsseldorf geblieben”, “Er ist wieder da” und und und …

Hat’s jetzt geklingelt? Dacht’ ich’s mir. Unterbewusst kennt ihn jeder … und das macht ihn zum heimlichen Star, der selbst niemals Wert auf Presse-Aufmerksamkeit gelegt hat und dennoch so viel Künstlerisches in seinem Leben verbrochen hat, dass ihn wahrscheinlich auch noch 1000 Generationen später jeder kennen wird. Unterschwellig. Versteht sich.

Meine unbewusste “Abneigung” gegen ihn kann ich mir selbst auch erklären: Ich arbeite in der Gastronomie und habe das, was andere 1 Wochenende im Jahr machen – einmal ausgelassen irgendwo in den Bergen feiern – quasi fast jeden Tag um mich rum. Nüchtern. Im Dienst.

Test gefällig?

“Wuuuunnder gibt es immer wieeeeeder ….”
“Wuuunder gibt es immer wieeeder….”
“Wunder gibt es immer wieder …” “Wunder gibt es immer..” “WUUUUNDER gibt es immer WIEEEEDERRRRRR” “Wunder gibt es immer…” “Wun….” “WUNDER gibt es immer wieeeed.” “Wunder gibt es immer wieeeeeder…”

Nervt’s schon? Wir sind erst beim ersten Abend. Geht man mal von durchschnittlichen 20 Tagen im Monat aus und rechnet das hoch auf die Zeit, die ich das schon mache, landen wir irgendwie bei 2400-2500 …

Irgendwann KANNST du den Scheißdreck nicht mehr hören und die ewig gleichen dämlichen Songs kotzen dich einfach nur noch an. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die 1 Milliardste Wiederholung es eben auch nicht noch besser macht. Und just kündigt sich ein neuer „Musiker“ an und spielt auf: „WUUUUNDER GIBT ES IMMER WIEEEEEEDER….“ 😉

Okay, jetzt vielleicht nicht zwingend mit diesem Song, aber unter den 2500 Schlagern, die Christian Bruhn verbrochen hat, sind genügend dabei, mit denen es mir da so geht.

Erstaunlicherweise ist die Dokumentation über sein Leben deshalb aber nicht minder unspannend: Sehr viel mehr braucht es einfach seine Zeit, bis dich der Film in seinen Bann zieht. Und ein klein wenig Nachwirkzeit ebenfalls. Mit seinen 80 Minuten gehört der jetzt nicht zwingend zum mittlerweile überbotenen 120-Minuten-Standard, was einerseits ziemlich erfrischend ist, andererseits dennoch Phasen auftauchen, wo man meint: „Okay, was willst du eigentlich sagen?“

Man sieht minutenlang dabei zu, wie sie durch irgendwelche Gegenden spazieren, Dinge erzählen, dass sie hier früher mal gewesen sind oder uns ein „alter Mann“ einfach sein Dasein zeigt. Der Clou kommt eigentlich erst mit der Musik: Hier wird‘s spannend … und zwar trotz dass du die Titel einfach nicht mehr hören kannst.

Wer was wann wie wo und warum löst tatsächlich irgendwie Hysterie aus. Dazwischen merkt man aber auch leichte Unbeholfenheit und Figuren, die in dem Film einfach nichts zu suchen hätten. Und einen großartigen Höhepunkt hat der Film auch, mit dem ich viel mehr Sendezeit gefüllt hätte… da wir hier aber vom Metier Hofer Filmtage und somit absoluten Beginnern sprechen, sei euch verziehen 🙂

.kinoticket-Empfehlung: Am Ende macht‘s alles Sinn, dass man diesem Mann ein filmisches Porträt gespendet und ihn ein wenig vor die Kamera geholt hat: Nicht zuletzt deshalb, weil man dann eine Vielzahl an Titeln wesentlich besser versteht und ihre Entstehungshintergründe kennt.

Viele teils unwichtige Belanglosigkeiten hätte ich aber weggelassen: Hier kommt oft das Gefühl auf, man hat nichts zu sagen und muss es künstlich auf VIP bügeln, um irgendwie Relevanz zu erlangen. Der Schuss geht nach hinten los, der Film – mit etwas Bedenkzeit danach – bleibt aber in Erinnerung.

Nachspann
✅ Ihr seid in einem musikalischen Film, dann nehmt auch die Musik am Ende mit – auch wenn keine weiteren Bilder mehr folgen.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn
Length: 80 Min.
Rated: FSK 0

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