Mortal Engines Movie Poster

© 2018 Universal Pictures International

Peter Jackson… was kommt euch in den Sinn, wenn ihr diesen Namen lest? Richtig: Der Herr der Ringe gefolgt von Der Hobbit. Mittelerde – das ist sein Ding, war es und wird es immer bleiben.

Eigentlich ja nur HdR, weil schon die Hobbit-Trilogie bei vielen Fans für angehende Antipathie sorgte und sich der eingeschworene Fankreis langsam begann, aufzulösen und in alle Winde zu verstreuen. Selbst jetzt, wenn man sich geschlagene 17 Jahre (!!!) nach dem Kinostart von Der Herr der Ringe – Die Gefährten wieder dazu entschließt, eben jenen zurück auf die Leinwand zu bringen und man beim Buchen der Tickets auf einmal auf ausverkaufte Säle stößt, merkt man, dass Jackson damals alles richtig gemacht und sich einen unvergessenen Namen damit erschaffen hat.

Wenn ich also Mortal Engines – Krieg der Städte lese, dazu Peter Jackson präsentiert-.trailer vor die Nase gesetzt kriege und feststelle, dass es hierbei um SciFi geht, dann schlackern meine Ohren und ich bekomme Kopfweh.

Serious? Jackson im Zukunftsfilm-Fieber? Gut, er ist nicht der Regisseur und fungiert “nur” als Produzent, allerdings weiß doch eh kein Schwein, wer den Film nun letztendlich gemacht hat, weil man unterbewusst ihm das Werk zuschreibt. Und überhaupt, wer ist Christian Rivers eigentlich?

Unsereiner dürfte ihn hierzulande allerhöchstens von King Kong kennen, den allerdings Jackson mit dem Regisseurs-Part besetzt … ergo: Unbekannt. Und genau das wird diesem Film wohl zum Verhängnis.

Mortal Engines strotzt geradezu vor Jackson‘schen Merkmalen: Man spürt eben jene Elemente, die man aus den beiden alten Trilogien bereits tief verwurzelt hat und da passt das Zukunfts-Element überhaupt nicht dazu, sondern wirkt irgendwie albern.

Yes, das 3D des Films ist überragend und spielt auf Avatar-Liga und auch die Weta-Optik strotzt vor Professionalität und Würde, die ganzen Welten wirken, als ob jemand, der Ahnung hat, im Hintergrund sitzt und das produziert hat, jedoch stolpert der Erfolg über eine ganz miese Kiste: Das Dialogdrehbuch.

Ich sollte langsam mal eine Strichliste anfangen, damit in Zukunft nur noch “|” hingemalt werden muss und ich mir den ganzen Schabernack sparen kann, aber ja: Die Dialoge sind dermaßen mies, dass damit der komplette Filmspaß in die Tonne gekloppt wird.

Was hier als Pluspunkt an Optik, Räumlichkeit und dem verheerend geilen Soundtrack von Mad Max: Fury Road-Legende Tom Holkenborg auf den Screen befeuert wird, gepaart mit den Einfällen der Städte sowie deren technischer Umsetzung, wirkt im Gegenlicht dieses absolut dämlichen, unausgereiften und albernen Sprech-Plots nahezu wie ein gigantisch verschenktes Versagensbeispiel: Man kauft keiner der Figuren wirklich ab, was sie da darstellen wollen und auch bekannte Gesichter wie Hugo Weaving reißen hier den Riegel nicht rum: Früher gab es schon mal so seltsame Titel, die Mortal Kombat hießen und den unrühmlichen Schadensruf einer Computerspieleverfilmung in sich trugen – und in eben jenes Versagen reiht man auf pompöse Weise nun auch Mortal Engines ein.

Liest man dazu noch ein paar Hintergrundinfos des Films (gedreht in Neuseeland, mit einheimischen Personen, den gleichen Studios und Produktionswerkstätten im Hintergrund), könnte man meinen, Jackson hatte einfach nochmal Lust, etwas mörderisch großes zu generieren und Herr der Ringe zu wiederholen, nur dass diesmal eben nicht Fantasy und Mittelalteranschein den Reigen anführt, sondern man diese gewaltige Wucht mit Stargate: Atlantis gepaart hätte – und diese Kombination geht einfach nicht auf.

Die Frage, die euch nun alle quält (sofern ihr nicht sowieso schon drin gewesen seid – wenn ja, kommentiert mir doch mal eure Meinungen hier drunter): Sollte man nun jetzt in den Film gehen oder nicht?

Definitiv ja!

Denn jetzt ist die Chance, das ganze Schauspiel auf der großen Leinwand zu entdecken und dabei hoffentlich (!) weit vorne im Saal zu sitzen vor einer hoffentlich (!) großen Leinwand in einem Kino, auf dessen Außentüren hoffentlich (!) dick und fett Dolby Atmos steht, was man grade noch so erkennt, während man hoffentlich (!) seine 3D-Brille auspackt und vorsichtig versucht, auf dem Weg zum Sitzplatz nicht das Popcorn zu verschütten, weil man über jemandes Tasche gestolpert ist.

Alles andere würde dazu führen, dass man ne ziemlich langatmige To-Do-Liste hätte, weil man wieder 17 Jahre warten muss, bis jemand auf die Idee kommt, diesen Film zurück auf die Leinwand zu bringen.

Solltet ihr nämlich nicht zufälligerweise ein Kino euer eigenen nennen und in der Lage sein, die Verleih-Codes so zu knacken, dass ihr euch das Ding außer der Reihe anschauen könntet, dann hättet ihr keine Chance mehr, dem Film das abzugewinnen, was ihn großartig macht: Das wuchtige Brüllen gigantischer Optik und ein mega faszinierendes und sau-räumliches 3D!

Alle anderen Screens, die diese Welt ansonsten zu bieten hat, reißen es nicht raus und legen viel zu viel Wert auf das Geschehen im Film … und selbst mit nem guten 3D-Fernseher zu Hause wäre es enttäuschend.

Ihr spürt: Man kann heftig viele Fehler machen und ich verspreche euch: Jeder einzelne “hoffentlich”-Punkt ist enorm wichtig dabei! Dann wird’s ne gigantische Optik-Schlacht, die das alte Mittelerde-Gefühl ansatzweise nochmal hochreißt und ob der ganzen guten Restfaktoren ist der Plot leichter vernachlässigbar und reißt nicht solche Kerben in das Enttäuschungsholz im Kopf.

Und wenn ich euch jetzt verrate, dass in den Regalen jedes gut bestückten Zeitungsladens bereits die nächsten Romane von Mortal Engines stehen, dann wisst ihr, was in den nächsten Jahren auf euch zukommen wird:

Mortal Engines: Jagd durchs Eis
Mortal Engines: Der Grüne Sturm
Mortal Engines: Die verlorene Stadt

Und wer auf einem bekannten Buchverkaufsportal in den Rezensionen nachschlägt und gleich als erstes etwas von “Plattes Kinderbuch mit eindimensionalen Charakteren und einem Leichenberg” (Quelle: BücherKriegerin via Amazon.de) liest, der weiß, wo die Reise hingeht.

Und nun sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt …

.kinoticket-Empfehlung: Man entferne das Fantasy-Gen aus den alten Herr der Ringe-Erfolgen und werfe es einige tausend Jahre weiter in die Zukunft.

Was dabei rauskommt, wirkt grafisch, optisch, akustisch und technisch wie der alte Ruhm von Peter Jackson, birgt aber eine absolut dümmliche Story und zweibeinige Wesen, denen man keinen Deut abkauft, was sie einem vorsetzen wollen.

Wer das sehen will, sollte ins Kino und sich vollständig auf die Special Effects und das 3D fokussieren, das ist nämlich tatsächlich so gut wie lange kein Konkurrenzfilm mehr, die Story und “Buchvorlage” kann man aber vollständig vergessen.

Nachspann
❌ braucht man nicht zwingend mitnehmen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 13. Dezember 2018

Original Title: Mortal Engines
Length: 129 Min.
Rate: FSK 12

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