Unsereiner wird mit Monica Bellucci vor die Leinwände gelockt, Emir Kusturica inszeniert den Rest der Show und katapultiert sich dabei gleich selbst in die Hauptrolle. On the Milky Road trifft dabei die Wurzeln des Balkan-Films und schleudert eine dermaßen überdrehte Story auf den Tisch, dass einem so manches Mal der Atem im Hals stecken bleibt.
Dabei findet man sich nicht etwa in einer billigen Aufopferung anhimmelnd an die westliche Hemisphäre von unten her angreifend wieder auf dem Tableau internationalen Filmkönnens, sondern produziert hier mit Vorwärtsgang eine Ballade bildreicher Humorgewalt, der man beim Hinsehen trotz inneren Anspannungen kaum widerstehen kann.
Obwohl ich von dem netten Herrn bislang noch überhaupt nichts gehört habe, grenzt dieses Werk schon jetzt individual an cineastische Höchstleistung und portiert damit eine völlig neue Produktionsweise auf unsere heimischen Kinoleinwände.
Und ich sage vorab schon mal: Recht herzlichen Dank für diese irre Erfahrung, die damit am 7. September auch hierzulande die Independent-Kinos füllen wird.
Natürlich gibt es im Film genügend Beispiele dafür, die durchaus breitere Recherchen erforderlich machen würden, würde man sich an den Szenen in ihrer Echtheit und Arroganz stören und dennoch gehört genau diese Stimmung absolut in diesen Film, der damit eine hauseigene Marke seiner selbst präsentiert und auf absolut gar nichts aus dem Rest der Bewegtbild-Dimension zurückgreift.
Und wie hat man mir so schön gesagt: “Protestierende PETA-Befürworter sind doch auch eine schöne PR für diesen Film.”
An dieser Behauptung ist wohl was dran, auch wenn ich nicht umhin komme, die Genialität dieser Darstellung auch trotz der möglichen Anschuldigungen hier uneingeschränkt zu loben. Natürlich ist es grotesk, was man dem Zuschauer hier stellenweise zumutet, doch in Vereinigung mit dem Rest der einmalig erzählten Geschichte macht auch das ein umfassendes Bild aus, das man ob seiner skurrilen Darstellungsweise dennoch bewundern darf.
Also von mir aus: Gerne mehr davon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bewunderer auswärtigen Kinos finden hier eine Schlachtplatte burlesker Kinoerfahrung, die es genüsslich zu verspeisen gilt.
Insgesamt mutet das Werk als perfide Erfindung der Andersartigkeit an und erzählt in flottem, unterhaltsamen Tempo eine einmalige Geschichte, die in wundersame und zugleich bildschöne Szenen gepackt wurde.
Ich würde wieder rein gehen und empfehle euch, selbiges ebenfalls zu tun. Mit oder ohne Protest-Pulk an den Kinoeingängen.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, den Film sollte man aber unbedingt sehen!
Kinostart: 7. September 2017

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