| wenn aus filmen leidenschaft wird

Gemini Man

Gemini Man - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Will Smith ist in aller Munde und hat zuletzt mit Aladdin‘s Neuverfilmung gezeigt, dass er sich perfekt als „digitales Opfer“ eignet, den man durch die KI jagen und auf der Leinwand zu jeder Menge digitalen Wundern herausfordern kann.

Und: Er hat bis heute hart an seinem Körper gearbeitet und wartet immer noch mit einer Fitness auf, die ihn zu einem Jungbrunnen-Nutzer abstempelt, der in Hollywood wenig Konkurrenz fürchten muss. Unglaublich, wie man in diesem Alter noch so aussehen und körperlich so fit sein kann.

All dies gelangt ihm zum Vorteil, da das filmische Interesse an seinem Charakter dadurch kaum abgeschwächt wird. In Gemini Man ist – wie der Name bereits deutlich vermuten lässt – sein Gegenspieler eine um 27 Jahre verjüngte Alter-Ego-Version seiner selbst.

Dolby Vision™
Zudem trumpft Ang Lee mit einer filmischen Sensation auf: 3D+ in HFR (High Frame Rate).

Um das technisch zu verstehen, ganz kurz eine (hoffentlich verständliche) Erklärung:

Das Bild im Kino wird über UHD-Projektoren auf die Leinwand geworfen, ist also im Volksmund als „4K“ auf der Leinwand sichtbar. Bislang war das Problem bei 3D Filmen jedoch, dass die Bilder einmal fürs rechte und einmal fürs linke Auge projiziert werden mussten, weshalb technisch also sozusagen 8K-Projektoren notwendig wären, die es de facto aber noch nicht in den Kinos gibt.

Dieses Problem hat man inzwischen durch Doppelprojektoren gelöst, die – z.B. im Dolby Cinema™ quasi eine 8K-Projektion ermöglichen.

Das herkömmliche Bildmaterial wird bislang mit 30 Bildern pro Sekunde, die schnell hintereinander ablaufen, auf die Leinwand geworfen, so dass der Eindruck von Bewegung entsteht, indem einfach unfassbar schnell viele aneinanderhängende Bilder gezeigt werden.

Peter Jacksons Der Hobbit-Trilogie war damals die erste, die HFR genutzt, also mit 60 Bildern pro Sekunde gearbeitet und damit ein „flüssigeres“ Bild erzeugt hat, als es bisher üblich war.

Diese Technik hat man inzwischen übertroffen und einen Master generiert, der mit 120 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet wurde und aus dem man anschließend eine 60 Bilder pro Sekunde-gerenderte Version erstellt hat, die nun in 3D-Doppelprojektion auf die Leinwand gebracht wird.

Das Ergebnis: „8K“ in 3D mit einer Bildrate von runtergerechneten (also saumäßig präzisen) 60 Bildern pro Sekunde. Damit ist man nahezu an dem Standard, den das menschliche Auge realistisch wahrnimmt und kann ein Leinwanderlebnis generieren, dass zu dem Besten gehört, was derzeit möglich ist.

Die Pressevorführung des Films hat tatsächlich in meinem neuen Lieblingskino stattgefunden und wurde mir somit auf dem weltweit besten Standard vorgeführt – und tatsächlich: Das Ergebnis ist überwältigend!

Die Präzision und das „Eintauchen“ ins 3D funktioniert nun auf eine völlig neue, steuerbare Art und Weise, die eben nicht nur durch Klang und Fokus, sondern auch durch Tiefe und Räumlichkeit den Zuschauer zu lenken weiß und hier glasklare Bilder abliefert, die man so noch nicht auf diesem Planeten gesehen hat.

Dolby Atmos™
Dazu gesellt sich ein hervorragender Soundtrack von meinem neuen Lieblingskomponist Lorne Balfe (God, I love you!), der sich in den Ohren festbeißt und nicht mehr so schnell loslässt.

Auch hier spielt man wieder alle Trümpfe aus und bestätigte meine Vermutung: Diesen Film bitte ausschließlich im Dolby Cinema™ und nirgends anders schauen – es kann nur noch schlechter werden.

Der Film als solches entpuppt sich für Smith als ein sehr einfühlsamer und geerdeter Streifen, der weniger auf Action setzt – wie der Trailer vermuten lässt – sondern vielmehr auf seelisch-psychologischer Tiefe arbeitet und inhaltliche Interpretationen liefert, die ihn zu einem sehenswerten Stück machen.

.kinoticket-Empfehlung: Das, was einen tatsächlich irre umhaut: Das Bild und die technischen Möglichkeiten, die hier wieder eine Art „neues Zeitalter“ einläuten: Man fragt sich die ganze Zeit: Ist das wirklich grad real, was ich hier erlebe? – Nehmt den Film unbedingt mit!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Gemini Man
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12


Eine ganz heiße Nummer 2.0

Eine ganz heiße Nummer 2.0 - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Eine ganz heiße Nummer feierte bereits im Oktober 2011 einen grandiosen Erfolg und sagenhafte acht Jahre später entschließt man sich nun, das Trio Infernale der bayerischen Ländlichkeit wieder auf die Kinoleinwände loszulassen und bringt mit Eine ganz heiße Nummer 2.0 erneut ein Schmuckstück des Humors in die Kinos, das sich den Weg in die Herzen ländlicher Heimatliebe schwer erkämpft hat.

Als Zielpublikum würde ich mich jetzt nicht mal mehr konsequent auf‘s ARD– und ZDF-Publikum festlegen wollen, denn den Film habe ich nun schon mehrfach gesehen und bin selbst tatsächlich genüsslich davon angetan.

Man ist witzig, urig, bayerisch zünftig, kommt mit der seit Eberhofer gängigen bayerischen Mundart gut zurecht und liefert hier ein humorvolles Ensemble, das sich gewissermaßen thematisch an die Moderne angepasst hat.

In einer Welt des Stresses und der unablässigen Reizüberflutung tut es einfach gut, in einem Film zu landen, in dem alles noch normal scheint, gerade deshalb aber zu unüberwindbaren Problemen führt, die die Frage nach Modernität und Aktualität stellen.

Der Zustand, den man sich als moderner Bürger kaum noch vorstellen kann, wird hier einfach vorausgesetzt und man beschäftigt sich rückwirkend wieder mit der Meisterfrage: Ja oder nein?

Dieses „back-to-the-roots“-Gefühl, die Simplizität des Lebens nochmal genießen zu können und gleichzeitig mit neuen Gedanken und aktualisierten Einstellungen die Dinge des Alltags völlig neu bewerten zu dürfen, macht nebenbei im Kino richtig Spaß.

Dazu gibt‘s tolle Musik, heimatliche Szenen und Bilder und jede Menge Spaß im Kino, der sich durchaus auch für Zielgruppen-Fremde lohnen kann.

Just give it a try.

.kinoticket-Empfehlung: Herzlich, urig, witzig, voll sprühender Lebensfreude und Tatendrang, um den Anschluss nicht zu verlieren: Diese Komödie ist nicht nur für die Generation 50+ gedacht – reingehen!

Nachspann: Der Song ist ziemlich cool, es folgen aber keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Eine ganz heiße Nummer 2.0
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12


Zwischen uns die Mauer

Zwischen uns die Mauer - Filmplakat
© 2019 Alpenrepublik GmbH

Erinnert ihr euch, dass ich kürzlich erwähnte, dass der Mauerfall sein 30jähriges feiert? Im Zuge dessen macht man viel in den Kunstschmieden der Welt und ich finde es toll, wie qualitativ hochwertig die diesjährigen Filme über die Zeit der Grenze und -öffnung tatsächlich sind.

Ich höre schon landesweites Stöhnen darüber, weil keiner mehr mit dem Thema mitziehen möchte, es niemanden interessiert und quasi kaum eine Minute im Leben vergeht, in der nicht irgendwo irgendwas über diese Epoche ausgestrahlt wird – vergesst all das.

Trinkt ein Glas Wasser, zieht euch was warmes an, sucht das nächstbeste Kino auf und löst ein Kinoticket für Zwischen uns die Mauer. Ja, vielleicht blöder Titel, der einige Vermutungen anstellen lässt, aber ihr wisst ja: Vorurteile = böse. Also lasst es.

Tatsächlich hat mich in den vergangenen Jahren oft die nostalgisch-schwelgende Art von Menschen gestört, die vermutlich keine Minute in der DDR gelebt haben und sich nun nach einem System sehnen, in dem angeblich alles so viel besser war: Das Bild, das von der DDR gezeichnet wurde, war in meinen Augen romantisch verklärt und keinesfalls korrekt und wahrheitsgemäß.

Dies holen Filme wie dieser nun mit Bravour nach und eröffnen, unter welch schwierigen Bedingungen Freigeister und Menschen mit ganz normalen Sehnsüchten leben mussten und wie abnormal der Alltag „drüben“ gewesen ist.

Genau diese Entwicklung sehe ich in vielen der Titel, die zum diesjährigen Jubiläum gestartet werden und es freut mich ungemein, dass der Wahrheit nun endlich Genüge getan wird. Vorbei mit falschen Behauptungen, vorbei mit selektiver Wahrnehmung, rein in die Wirklichkeit – basierend auf dem autobiografischen Roman von Katja Hildebrand, den zu lesen ich seitdem auf meiner To-Do-Liste habe.

.kinoticket-Empfehlung: Endlich spricht man breitflächig die Wahrheit über das System „DDR“ und zeigt anhand einer wunderbaren wahren Begebenheit, was damals wirklich Sache war. Kein „Just another … movie“, sondern absolut positiv überraschend – geht unbedingt rein!

Nachspann: Muss man nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Zwischen uns die Mauer
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6


Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Enzo und die wundersame Welt der Menschen - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Die Übersetzungs-Titel-Problematik hatten wir ja schon oft thematisiert: Englische Originale, die inzwischen von immer mehr Deutschen ebenfalls verstanden werden würden, erfahren üble Sprachverbrechen, wenn es darum geht, sie in die jeweilige Landessprache zu transportieren.

Die Folge: Im Titel landet meist irgendwas mit „Tod“ (verkauft sich anscheinend besser) und unfassbar viel sprachliche Ästhetik geht verloren – und mit ihr oft gleich ein großes Stück Sinn hinter den sicherlich weise gewählten Worten.

Schaut man sich The Art of Racing in the Rain einmal genauer an, merkt man sofort, dass hier nahezu romantisches Potenzial steckt und dies keins der üblichen Billigheimer sein kann, die bei solchen Titelbildern in dieser Kategorie Film normalerweise zu erwarten wären.

Und ja, ich bin immer noch kein Hundefreund und habe immer noch nicht wirklich meinen Frieden mit eben jenen Filmen geschlossen, die auf den „Oh Tier – süß“-Button drücken und damit Emotionsdrüsentränen verströmt sehen wollen. Funktioniert bei mir nicht.

Und ich liebe Enzo und die wundersame Welt der Menschen. Das liegt jedoch nicht (nur) daran, dass Patrick Dempsey Produzent der ganzen Sache ist, sondern schlichtweg daran, dass die Macher en gros verstanden haben, wie man Geschichten erzählt.

Das hier ist eine. Eine die packt, eine die wunderbar ist, eine, die man gerne anschaut bzw. liest. Nicht umsonst war die Buchvorlage dazu 3½ Jahre auf den Bestsellerlisten und wurde in 38 Sprachen übersetzt: Das schreit förmlich nach Kino!

Und voilà: Hier ist es. Großartig gecastet, großartig gefilmt mit einer Stärke, auf die immer mehr Filme verzichten: Einen sensationellen Plot, der Wert auf Inhalt und nicht auf Kitsch legt und damit allen anderen seines Fachs weit voraus ist.

Dass es hier nicht zwingend um den Hund geht (wie man es z.B. von Bailey kennt), sondern tatsächlich The Art of Racing in the Rain gezeichnet wird, zeugt von künstlerischem Charakter und wartet mit viel Liebe, Gefühlsdetailreichtum und jeder Menge großartiger Szenen und Momenten auf, die herzerwärmend sind und keinerlei Aggression hervorrufen.

.kinoticket-Empfehlung: Ihr müsst nicht schon wieder durch einen Tierfilm, ihr solltet stattdessen aufgebaute Vorurteile ablegen und euch auf diese großartige Geschichte einlassen, deren Stärke intensiver Inhalt ist und die von dramatischem Kitsch nichts wissen möchte. Wenn Hundefilme (falsches Wort!), dann so hier!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: The Art of Racing in the Rain
Length: 109 Min.
Rated: FSK 6


Deutschstunde (inkl. Gewinnspiel)

Deutschstunde - Filmplakat
© 2019 Wild Bunch

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem ein Fanpaket bestehend aus 2x Freikarten sowie das Buch zum Film verlost werden.

Gute Geschichten zu erzählen ist mittlerweile eine große Kunst geworden: Aufgrund der Vielzahl an Movies existiert inzwischen so ziemlich jede menschliche Erzählung mindestens in einer Form bereits für die Leinwand und es wird immer schwerer, neuen Stoff zu finden, der den Zuschauer inhaltlich packt und an die Leinwand fesselt. Aus diesem Grund feiern Filme wie Avengers: Endgame auch derzeit einen großartigen Boom, weil man neue Felder zu entdecken versucht, die Kino und seine Inhalte völlig neu definieren und entdecken müssen und man mit technischen Raffinessen wie exzellentem CGI versucht, neue Begeisterungsareale zu erschließen.

Deutschstunde punktet ganz nach klassischer Manier nicht mit dem Brimborium drumrum, sondern verblüfft durch eine unglaublich spannende, atemberaubende und in sich funktionierende Story – setzt also völlig auf das „Inhalte“-Pferd und wiehert damit einem Welterfolg entgegen!

Hierbei bedient man sich einer Weisheit aus dem Kybalion: “Wie oben, so unten, wie außen, so innen.“ und reduziert abermals ein komplexes Systemgeflecht auf einzelne Charaktere, die sinnbildlich für eine ganze Gesellschaft stehen und historische Öffentlichkeitsarbeit leisten, die jung wie alt bestaunen kann.

Der Titel hört sich für die Schulfraktion eher nach „Warum haben wir keine Freistunde“ an und macht so überhaupt kein Bock aufs Ansehen – aber ich verspreche euch: Dieser Film hat‘s in sich und es dauert keine paar Minuten und ihr vergesst sogar, aufs Klo zu müssen.

Deutschstunde zählt zu den Produktionen, die einem hinterher erstmal für ein paar Stunden das Maul verschließen und dafür sorgen, dass man kein Wort mehr raus bringt, weil‘s einfach flasht und auf einer tieferen Ebene berührt und umhaut. Genau das sind die Filme, die noch lange im Gedächtnis nachhallen und die man kaum vergessen kann und immer wieder aus den Regalen hervorkramt, um sie noch einmal zu sehen.

Umso bildgewaltiger stellt sich das Epos dann aber auf der Leinwand dar: Hier wirkt das Geschehen nochmal eine Spur härter und man wird noch tiefer in die Trostlosigkeit vergangener Epochen geschmissen. Dies hat ein Florian Henckel von Donnersmarck schon einmal mit Das Leben der Anderen geschafft, und dies führt ein Christian Schwochow ebenfalls authentisch und einzigartig zu einem Erfolg, der sich in Buchform bereits weltweit mit Bravour verkaufte.

Gewinnspiel

Deutschstunde - Fanpaket
© Benjamin Klob | .kinoticket-blog.de

Und damit euch die Entscheidung hierfür etwas leichter fällt, wurde mir von Wild Bunch und Atlantik in Kooperation ein Fanpaket zum Film bereitgestellt, das ich an euch weiter verlosen möchte. Enthalten sind zwei Gutscheine für den Film, die ihr in einem Kino eurer Wahl innerhalb Deutschlands gegen Freikarten eintauschen könnt, sowie das Buch zum Film, der Weltbestseller von Siegfried Lenz, der auch danach bei gemütlichem Tee und eingemummelter Decke auf der Couch für atemberaubende Unterhaltung sorgt.

Was müsst ihr tun, um in den Lostopf zu gelangen?

Schreibt bis einschließlich Dienstag, 8. Oktober 2019 in die Kommentare, welchen Film ihr zuletzt im Kino gesehen bzw. welches Buch ihr zuletzt gelesen habt und was euch daran begeistert hat.

Unter allen Kommentaren wird anschließend per Random der oder die Gewinner/in ausgelost und von mir benachrichtigt – gebt im Zuge dessen also bitte – wie gehabt – eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch zwecks Adressabfrage erreichen kann.

Der Gewinn wird der oder demjenigen dann von mir persönlich zugesandt und die Adressdaten wieder gelöscht. Anspruch auf den Gewinn besteht nicht, Barauszahlung ist ebenfalls nicht möglich und es gelten nach wie vor die vernunftbasierten Regeln für Gewinnspiele.

Ich wünsche euch wie immer viel Glück dabei – und lege euch dringend ans Herz:

.kinoticket-Empfehlung: Schaut diesen Film, egal, wie! Er wird euch auf einer intensiven Ebene erreichen und garantiert verändert wieder von dannen ziehen lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies irgendjemanden unberührt lässt.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Deutschstunde
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12


Skin

Skin - Filmplakat
© 2019 24 Bilder

In meinen Augen gibt es kaum ein Thema, das wichtiger wäre, um darüber zu reden. Und weil keiner mehr zuhört, braucht es Mittel, die Menschen wenigstens für ein paar Minuten … oder wenige Stunden zur Räson zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich etwas erzählen zu lassen.

Wer könnte so etwas besser, als Kino?

Skin handelt nicht etwa von Skinheads, sondern erzählt eine wahre Geschichte eines Mannes, der einen weitreichenden Wandel hinter sich hat und u.a. mit dafür verantwortlich war, die Welt zu großen Teilen besser zu machen.

Skin spricht über das getrübte Bild, das in den Medien verbreitet, in Social Media verwüstet und in den Köpfen der Leute zu irrsinnigen Monstren gesponnen wurde.

Skin erzählt etwas, womit sich heute jeder einmal auseinandersetzen sollte.

Skin ist ein Film, den man zwingend mindestens 1x gesehen haben muss. Auch aus entertainment-technischen Gründen: Es fängt krass an, es ist krass zwischendurch und es endet krass. Nicht nur die Bedeutsamkeit ist hier von enormer Wichtigkeit, sondern auch für den geneigten Kinogänger ist dies gefundenes Fressen – mit einem grandiosen Jamie Bell, den so mancher eventuell noch aus Billy Elliot kennt.

Was mich besonders begeistert, ist die unverblümte Art, wie man hier in ein dreckiges Element menschlichen Niedergangs eingeführt wird und geschichtliche, hochaktuelle und -brisante Entwicklungen quasi am “lebenden Objekt” präsentiert bekommt. Niemals wurde etwas so schleierhaft Mystisches derart einfach und verständlich durchleuchtet und von seiner Unkenntlichkeit bereinigt.

Wer das System dahinter verstehen möchte, wer wissen will, wie “die” arbeiten, wer verstehen möchte, wie es “dazu kommen konnte”, der kommt um diesen Film schlichtweg nicht drum rum.

Und damit gilt Skin fast schon als ein Meisterstück deutscher Enthüllungsgeschichte, der zur Grundlektüre eines jeden Staatsbürgers gehören muss, denn wir haben diesen Schwachsinn verzapft und sind verantwortlich für die weltweite Epidemie, die dadurch ausgebrochen ist.

Hier folgt nun die Heilung des Geistes.

Nehmt sie. Schluckt sie. Und verbreitet sie weiter.

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Also rein!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr. Außer, dass du geschockt bist!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Skin
Length: 117 Min.
Rated: FSK 16


Short Critics: Der Distelfink – Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm – Gelobt sei Gott – Gut gegen Nordwind

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Regelbruch

Zeiten ändern sich – und wer jetzt glaubt „Oh mein Gott, er will doch Geld damit verdienen…“ >> Falsch! Das wird niemals mit diesem Blog passieren. Promised.

Was aber tatsächlich Fakt ist: Früher wurde einfach weniger publiziert und veröffentlicht – und zwar von Seiten der Studios. Deshalb hatte ich damals meine eigene Regel aufgestellt: Maximal 1 Beitrag pro Tag, um niemandem auf die Eier zu gehen und die Leser/innen nicht mit zig E-Mails am Tag zuzuspammen.

Das Ganze hat auch wunderbar funktioniert: Gab es mal eine Woche mit mehr Filmstarts als Tage, konnte man dies galant in die nächste fließen lassen, wo dann vielleicht nur drei oder vier Neustarts waren – und hatte dort auch genug Material zum Schreiben.

Inzwischen sind es aber pro Woche 11-18 Filme, die neu starten – und ich habe nur 7 Tage für mein „Ein Beitrag pro Tag“-Ding, was schlussfolgernd bedeutet: Ich werde niemals auf den grünen Zweig kommen und pünktlich alle Filme bewerten können, sondern permanent nachhängen und dabei mindestens die Hälfte der Filme verlieren, weil die so weit in die Vergangenheit rutschen würden, dass es niemanden mehr interessiert.

Mein Bestreben ist stets, dem Kinozuschauer die Chance zu geben, sich ein individuelles Bild vom aktuellen Programm bilden zu können, ohne dabei gespoilert zu werden und ohne von der medialen Marktmacht abhängig zu sein, die eben nur auf Filme hinweist, die im Hintergrund gut und gerne zahlen (oder bestechen).

Wie korrupt die Medienlandschaft inzwischen ist, merke ich immer wieder, wenn es darum geht, dass man ohne Geldverdienen eben doch immense Vorteile genießt, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind.

Darum habe ich mir überlegt, euch diese neue Kategorie hier vorzustellen: Short Critics – die alles enthält, was nicht mehr in die Woche gepasst hat.

Erstes Kriterium, einen Film zu bewerten, ist also folglich: „Hab ich dem Film einen Tag dieser Woche spendiert? Dann ist er besser als der Rest.“ – oder ich hatte einfach immens Bock, über diesen Film zu schreiben. Immerhin richtet sich die Leserschaft ja schon seit jeher an meinem individuellen Filmgeschmack aus.

Und alles, was eben sonst noch so am Start ist und nicht mehr genügend Tage hatte, folgt in Zukunft in Kürze hier.

Natürlich freu ich mich über Rückmeldungen eurerseits – gern in den Kommentaren oder weiterhin – wie üblich – via Messenger, die Daten dazu habt ihr.

Der Distelfink

Der Distelfink - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Der Film hat eine zu lange Einstiegszeit mit viel zu vielen Sekunden Wartezeit pro Schnitt, schafft es dann aber doch, dich richtig zu packen und in die Geschichte zu reißen.

Das goldfarbene Bild und die warme Atmosphäre zielen auf den originalen Buchtitel „The Goldfinch“ ab, an dessen Vorlage man sich teils zitatgenau gehalten hat, wenngleich die Erzählung im Buch chronologisch und im Film mit Rückblenden aufgearbeitet wurde, was es aber nicht weniger spannend macht. Großartig: Ansel Elgort mit exzellentem Charme und ruhiger Ausstrahlung!

Nachspann: Muss nicht abgewartet werden.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The Goldfinch
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12

Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm

Shaun das Schaf 2: Ufo Alarm - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Altbekannt, wie man es von Aardman gewöhnt ist, unglaublich lustig, herzlich und liebevoll gestaltet. Shaun-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten.

Der Film ist besser, als der Trailer verspricht und macht mit der gesamten Familie definitiv richtig Spaß. Mitnehmen!

Nachspann: Bitte bis ganz zum Schluss sitzen bleiben, hier kommt noch einiges – und zwar auch ganz am Ende!

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0

Gelobt sei Gott

Gelobt sei Gott - Filmplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Verstörend, schockierend, aufklärend: Auch wenn man vorher eigentlich gar keinen Bock auf das Thema hat, fesselt dich der Film sofort und bricht mit Schweigetabus rund um das Thema Kirche: Französisches Machwerk abseits des Humors, das extrem packt und kräftig in der Gefühlswelt rührt.

Genauso wichtig wie seinerzeit Spotlight gehört auch dieses Werk auf alle Leinwände, um das Thema nie zum Erliegen kommen zu lassen, bis jedes einzelne Opfer seine Gerechtigkeit bekommen hat.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Grâce à Dieu
Length: 137 Min.
Rated: FSK 6

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Daniel Glattauer ist ein hervorragender Schreiber und Kolumnist, dessen Bücher auch ich schon mit Vorliebe verschlungen habe.

Seine Stärke liegt meiner Meinung nach in dem Ausbilden der Fantasie des Lesers, eine Eigenschaft, die einem der Film vollständig nimmt. Darum ist das Medium „Kinofilm“ an dieser Stelle wohl absolut ungeeignet, um diesen Stoff zu vermarkten. Daran hinkt auch der Streifen, der einfach nicht zünden will und jeglichen Charme aufgrund der Unzulänglichkeiten einbüßt. Aber ich wüsste selbst auch nicht, wie ich das filmisch besser hingekriegt hätte – also einfach: falsches Medium. Bleibt beim Buch!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Gut gegen Nordwind
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0


Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot!

© 2019 Twentieth Century Fox

Tipp: Schaut euch nicht den Trailer an: Der verrät nahezu alles … auch, dass dieser Titel ein Heidenspaß auf der Leinwand werden wird, den man definitiv nicht verpassen sollte.

Kategorie: Horror >> Lasst euch davon nicht in die Irre leiten. Ich würde eher sagen: “Bride-Komödie blutigen Ausmaßes”. Denn tatsächlich erwirkt der Film sehr viel mehr Lachmuskeltraining, als er Schockmomente einsetzt – und selbst die sind wiederum in höchstem Ausmaß einfach witzig.

Allein für die Idee gehört den Machern eine Packung Kekse zugeschickt: So geil ausgedacht und inszeniert, dass man zwar froh ist, dass die FSK hier doch kein grünes Siegel vergeben hat, aber dennoch aus dem Spielewahnsinn nicht raus kommt und sich dabei fühlt wie ein kleines Kind: “Juppie – und noch einmal” 🙂

In der Sneak Preview kam bei einigen das Ende nicht ganz so gut an, aber auch das enthält Bilder majestätischen Ausmaßes, die fast schon an Tarantinos Grindhouse-Feature erinnern und somit absolut sehenswert sind. Und ich fand die “Wendung” persönlich auch allererste Sahne … weil’s Teil des ganzen Films ist, der damit am Schluss bestens aufgelöst wird.

Mit wehmütigem Herzen in die Zukunft blickend, da Twentieth Century Fox bald nicht mehr selbst produziert, sondern sich mit einem dieser karachoähnlichen Gongschläge ins Nirvana verabschieden wird … genießt die Show bis tief in die Nacht hinein.

.kinoticket-Empfehlung: Großartiger Spaß, der weit über die Stränge schlägt und damit Vernunft und Anstand hinter sich lässt, ohne dabei seine Contenance zu verlieren: Toll besetzt, grandios gespielt und für die Idee gibt’s noch nen Extrakeks! Reingehen!

Nachspann: Muss man nicht abwarten, Spiel beenden erlaubt.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Ready or Not
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16


Nurejew – The White Crow

Nurejew - The White Crow - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Schindler’s Liste, Der Englische Patient, Harry Potter und der Feuerkelch, Tödliches Kommando – The Hurt Locker, Der Vorleser, James Bond 007 – Skyfall, Hail, Caesar!, James Bond 007 – Spectre – seid ihr auf dem Niveau drauf?

Was haben all diese Filme gemeinsam?

Schauspieler Ralph Fiennes, der ebenfalls in Nurejew – The White Crow einen entscheidenden Part spielt: Als Darsteller und als Regisseur.

Wham!

Ich liebe diesen Typen für seine Ruhe, seine Aura, seine Captain Subtext-Schwere, die ihn einzigartig und erlesen macht – eine Koryphäe auf dem Gebiet des Schauspiels, sowohl im Theater als auch im Kino. Filme mit ihm zählen meist zu der hochwertigen Sorte – oder anders gesagt: Mir fällt auf Anhieb kein Streifen ein, den ich irgendwie als mittelmäßig abstempeln würde, auf dem vorne sein Name mit drauf steht.

Nun hat er selbst Hand angelegt und sein Regiekönnen erneut unter Beweis gestellt. Und was dabei rausgekommen ist, kann sich nicht nur sehen lassen, sondern bombt einen durch die Mauer nach hinten weg, dass dir erstmal nicht mehr ganz klar ist, wo du gerade bist.

Wanna prove that? Schaut euch den Trailer an – wenn ihr euch traut und euch nicht zu sehr spoilern lassen wollt. Der macht – mit richtiger Anlage und großem Bildschirm – nämlich schon einen kleinen Vorgeschmack fertig von dem, was im Kino auf euch zurennt.

Nurejew – The White Crow zählt für mich zu den größten Errungenschaften, die dieses Jahr hervorgebracht hat. Und dazu tragen enorme Tatsachen bei, die zu nennen man auf einen Schlag gar nicht in der Lage ist.

Das Thema zieht bei mir immer: Die letzte Bastion freien Willens und ungefilterter Aufklärbärmentalitäten in einer Welt voller Korruption, Verachtung, menschlichen Versagens als Stilmittel zu nutzen, um ein riesiges System anzuprangern und auf eine Weise Einblick zu schaffen in Tatsachen, die von eben jenen nicht mehr zu leugnen sind – großartig! Kein Verbrechen der Vergangenheit bleibt ungesühnt – und dieser Film schlägt gewaltig in die Presche politischer Ungerechtigkeiten hinein und steht damit stellvertretend für Millionen zahlreicher Opfer, die bis heute keinen Frieden darin gefunden haben. Er offenbart die erhabene Arschigkeit eines verlogenen Systems.

Der Cast – präzise gewählt, mit heroischer Eleganz und grazilem Anmut auf die Bühne geführt und sie einfach tun lassen: Die Art, wie man selbst Gegner hier an kunstfertige Handlungen heranträgt, ist so dermaßen charmant und unwiderstehlich, dass man eigentlich gar keine andere Wahl mehr hat, als danach vollkommen geflasht zu sein. Mehr davon!

Die Tragweite und -schwere reizt so ziemlich alles aus, was es auszureizen gibt: Man donnert mit grazilen Sprüngen so dermaßen wuchtig in die Plot-Autobahn, dass einem Hören und Sehen vergeht. Ja, es kracht gewaltig, was die “Handlung” angeht und man spürt – nicht zuletzt durch den Soundtrack – immens, welche weitläufigen Auswirkungen jedes einzelne Fingerschnippen in dieser Situation hat. Der Film versteht das Wesen der Kunst und ist so ausdrucksstark und bleibend mit seinem sensiblen Feingespür für die Seele der künstlerischen Ausdrucksstärke und Inspiration von Freiheit und dem Drang nach mehr, als das System um einen herum zulässt.

Ein Meisterwerk, das sich extrem von allem anderen absetzt und damit eine ganz eigene Ära kredenzt, die wieder einmal beweist: Kino kann eben doch gut und anspruchsvoll sein. Also fasst euch ein Herz und besät die Plätze der Säle dieses Landes, die diese Vorführung nicht abgewiesen haben. Es lohnt sich!

.kinoticket-Empfehlung: Großartig, einschlagend, politisch relevant und von grazilem Kunstverständnis durchzogen: Ein Film, der den Zuschauer auf allen Ebenen des Seins packt und kräftig durchschüttelt – muss man gesehen haben!

Nachspann: Anfangs sieht man noch präzise Bewegungen in einem Tanz, den man sehr wohl mitnehmen sollte, am Schluss folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The White Crow
Length: 122 Min.
Rated: FSK 6


Get Lucky

Get Lucky - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Als die Pressevorführung lief und ”das kleine ZDF Fernsehspiel” eingeblendet wurde, dachte ich mir: Geil, endlich hab ich euch im Sack! Unglaublich, dass so ein seriöser Sender sich dazu “herablässt” und dieses Kunstwerk königlichen Youth-Fucks inszeniert bzw. mit seinem Logo dafür geradestehen will.

ZDF? Meinen Respekt an euch dafür!

Mein zweiter Gedanke war: Zielgruppe: BRAVO. Und voila – diese Woche landet der Streifen auf den Screens und wird gezeigt in der BRAVO-Preview. Bam – schon wieder ein durchschlagender Erfolg.

Und getreu dem Motto dieser Klientel geht’s um Sperma, Vögeln, Frauen, Männer, Sex und jede Menge Klischees, die nach und nach abgebaut und durch instruierte Bildung ersetzt werden.

What? ZDF erfüllt auf einmal doch den Bildungsauftrag und bringt Oswalt Kolle in modern für die heutige Heranwachsendengeneration? Chapeau … again!

Und genau dafür feier ich dieses Werk. Der Sommer ist vorbei, die Sommer-Sonne-Strandgefühle neigen sich langsam dem Ende zu, man packt wärmere Klamotten aus und verabschiedet sich von dem freizügigen Gefühl tosender Liebe und sprudelnder, sexueller Energie … und darf im Kino mit Get Lucky genau dieser nochmal in aller Ausführlichkeit frönen.

Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass hier Palina Rojinski mit von der Partie ist … der Cast in sich ist ein grandioser Meisterschlag – und ja, das Team versucht, diese Harmonie zwischen den Kids auch in weiteren Projekten zu erhalten und dafür zu sorgen, dass diese Truppe noch die ein oder andere Leinwandstory durchexerzieren darf. Das Feeling zwischen den Kids ist nämlich allererste Sahne. Und da ist “Boysahne” durchaus auch mit gemeint 😉

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch darauf ein – ein wunderbarer Spaß, der nicht mit Humor geizt, gewissermaßen den Bildungsauftrag erfüllt und trotzdem partout unter der Gürtellinie stattfindet: Ein Experiment, das man gerne mitgemacht haben darf. Und immer dran denken: Schön mit Kondom 😉

Nachspann: Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Get Lucky
Length: 98 Min.
Rated: FSK 12