The House That Jack Built
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Zuallererst mal eine Warnung: Dieser Film hat von der FSK eine “FSK 18”-Auszeichnung bekommen, was bedeutet, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht ins Kino gelassen werden. Und zwar ohne Ausnahme.

Der Grund: Es werden extreme Gewaltszenen gezeigt, die fernab von “filmischer Freiheit” fungieren und somit verstörend für “Fast-Erwachsene” wirken können. Dazu mal ein paar Gedanken:

Es ist nun schon ewig her, dass wir im quasi frei zugänglichen Kino wieder mal etwas mit dem roten FSK-Label beschauen durften. Unsere Zeit ist so dermaßen verroht, dass von den Verantwortlichen dieser Selbstkontrollfirma per se eher der blaue “FSK 16” vergeben wird und man munkelt in einigen Kreisen, dass es auch hier an Korruption und “Gelddruckerei” nur so grünt und blüht.

Es ist also von Natur aus schon “schwer”, ein FSK-18-Rating zu erhalten und in den Kinos wird man quasi damit dann auch gar nicht groß auf die Leinwände gelassen. Bringt zu wenig ein und ist nicht in der 7-49-Zielgruppe. Schade für die Zuschauer, denen zielgerichteter Inhalt verweigert wird, gut für die Industrie: Denn mit wesentlich weniger Aufwand erhält man wesentlich mehr Zuschauerspektrum und landet daher einen “Hit” nach dem anderen.

Nun ist ja weithin bekannt, dass Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen böses Blut verstreut hat und niemand auf der ganzen Welt sieht in ihm einen Liebesromanautor, sondern quasi jeder weiß, dass er sich als “Skandalregisseur” – wie er von der Presse gerne genannt wird – einen Namen gemacht hat und Dinge auf die Leinwand bringt, die sich andere schlichtweg nicht trauen oder nicht verfilmen möchten.

Und über sein neuestes Werk ist ebenfalls kein Geheimnis, dass über 100 Personen beim Festival in Cannes den Saal angewidert verlassen haben. Und die Presse stürzt sich auch hier wieder drauf – ganz klar: Gefundenes Fressen. So etwas wollen die Menschen lesen, so etwas verkauft sich.

Und dabei übersieht man gerne, dass eben jene Reaktionen von der Presse gänzlich ausblieben und an der “Angewidertheit” eigentlich erstmal gar nichts dran ist – zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es in den Medien behauptet wird.

Der Grund? Ganz simpel: Lars von Trier steht für etwas. Seine Filme proklamieren Unangepasstheit. Eine gewisse Offenheit. Aus ihm sprudelt in vielen Dingen eine bösartige Ehrlichkeit, mit der Menschen nicht umgehen können. Weder im Kleinen, noch in solch monströsen Werken wie seinen Filmen. Und wenn Szenen auf dem Tisch landen, in denen Menschen übel zugerichtet werden, dann passt das so ganz und gar nicht auf ein Festival, in denen Feuilleton-Damen in festlicher Opernball-Abendkleidung im Kino sitzen und sich etwas “Wunderbares” besehen wollen: Die vertragen solchen Stoff nicht, verstehen ihn wohl auch nicht und rennen dann eben aus dem Saal, weil sie sich als “Konsumenten” von Menschenabschlachtungen verraten fühlen und nicht zu der “Oberschicht” gehören wollen, die für das voyeuristische Beschauen von humanistischen Zerstückelungen Geld bezahlt und von uns allen in Hostel so sehr gehasst wurde.

Logische Folge: Diese Herr-, Dam- und Es-schaften (ja, Genderfreunde – es wird immer kränker!) verlassen angewidert den Saal und machen ihrem Ärger offen Luft.

Logische Folge 2: Die Presse hat Futter und schreibt darüber, verdient damit Geld und ist glücklich.

Logische Folge 3: Lars von Trier ist Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Filmfest in Cannes und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und sein Werk und kompensiert damit ein wenig die verlorene Zuschauerschaft durch das FSK-Rating.

Wenn man so möchte, ist also allen damit geholfen, außer dem Kinogänger selbst. Der wird von voreingenommenen Vorurteilen überschüttet und womöglich in der freien Entscheidung seiner Filmwahl extrem manipuliert. Auch ich gehöre dazu, nicht umsonst “werbe” ich damit, dass meine Meinungen in diesem Blog durchweg subjektiv sind und ausschließlich zu meinem Geistesfundus gehören und niemals als “allgemeingültige” Aussage angesehen werden sollten, sondern allenfalls als “Erfahrungsrichtlinie”, an denen sich zukünftige Filmbesucher orientieren können, um grobschlächtige Fehlentscheidungen bereits im Vorfeld zu vermeiden.

So etwas wird hier extrem schwierig.

Kommen wir also mal zu dem Teil, der meine persönliche Meinung über den Film darstellt:

Ich finde es grundsätzlich erstmal absolut löblich, dass endlich mal FSK 18 auf einer Kinoleinwand zu sehen ist, bei dem diese Freigabe sehr wohl gerechtfertigt ist und man auf ein ganz spezielles Publikum abzielt und keinen Hehl daraus macht, dass hier abartige Dinge passieren: Jeder .kinoticket-Käufer weiß im Vorfeld, worauf er sich da ungefähr einlässt und ist somit schonmal vorsorglich gewarnt. Durch die FSK. Das ist nämlich der wirkliche Zweck dieser Einrichtung, die hier endlich mal vernünftige Arbeit geleistet hat.

Und somit kann man sich ENDLICH mal etwas anschauen, dass diese Auszeichnung auch verdient hat und eben jene Triebe und Wünsche auf der Leinwand befriedigt. Willkommen im “Horror”-Genre.

Lars von Trier hat in seinen Vorgängerwerken bereits den Pfad zur Hölle beschritten und spielt förmlich mit seinem Lebenswerk Dante‘s Göttliche Komödie nach, indem er sukzessive immer tiefer in die Kreise der Hölle steigt und den Zuschauer einfach mitnimmt. Wer sich dann nach dem gefühlt 1000sten Film dieses Regisseurs auf einmal wundert, dass es hier nicht ganz alltäglich zur Sache geht, der hat meiner Meinung nach etwas Maßgebliches einfach nicht richtig verstanden und den bedauere ich dann auch nicht, wenn er Geld für ein Ticket zahlt und nach wenigen Minuten angewidert rausrennt.

Was mich zu dem nächsten Punkt führt: Die FSK-18-Freigabe bezieht sich ursprünglich auf das Alter von Personen, die mit heranwachsenden Jahren eben auch eine gewisse Reife mit sich bringen, die früher irgendwann mal mit verschiedenen Alterszahlen festgesetzt wurde. Gefühlt kann man dies heute nicht mehr so einfach mit einer Alterszahl über den Kamm scheren, sondern müsste genauer differenzieren, in welchem geistigen Zustand derjenige ist und ob die Psyche und das Weltverständnis ebenfalls schon aus der Pubertät entwachsen sind oder man eben einfach nur “dumm” ist und “angeekelt den Saal verlässt”.

Das würde bedeuten, dass in einem Fall dann auf einmal 14jährige im Saal sitzen würden und das zu Recht tun dürften. Und das würde bedeuten, dass manch angegrauter Greis des Saales verwiesen würde, weil er oder sie in ihrem Kopf einfach noch nicht über das Niveau eines 17jährigen hinausgewachsen ist und die Dinge grundsätzlich völlig daneben einschätzt und bewertet. Ich meine – hallo? Lars von Trier! Allein das ist heute bereits eine Aussage. Man braucht nicht viel Recherchearbeit auf sich zu nehmen, um die kaputten Lebensumstände und offen kommunizierten Psychosen dieses Mannes zu kennen und sich dann einen Reim darauf bilden zu können, dass dieser gebildete Herr diese Dinge in seinen Filmen auf eine markante Art verarbeitet und sogar noch zugibt, dass während der Drehs oft Drogen im Spiel sind, die ihn seinen Aussagen nach “produktiver machen”.

Und da wären wir bei dem Punkt, der mir an The House That Jack Built eine unnachahmliche Achtung abverlangt hat: Die gnadenlose, kompromisslose und lückenlose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Welt.

von Trier geht hier auf Umstände und Dinge ein, die einerseits erfordern, dass man sich lange (und das lässt die Laufzeit sehr gut zu) damit auseinandersetzt, um überhaupt erstmal in solchen Sphären anzukommen und sich danach umzusehen und am Ende sogar zurechtfinden zu können. Und andererseits werden hier (wieder einmal) Zustände unserer Welt so simpel und aufrichtig gezeigt, dass es einfacher eigentlich gar nicht wäre: Man müsste einfach nur eines tun: Hinsehen.

Diese Aufforderung hat Florian Henckel von Donnersmarck seinen Zuschauern bei Werk ohne Autor bereits offensichtlich gestellt und ist damit erneut in die Riege der Oscar-Nominierten eingestiegen und der Zuschauer hat’s kapiert und macht es?

Nein! Er rennt raus und ekelt sich vor widerwärtigen Darstellungen.

Überraschung: Unsere Welt ist widerwärtig und eklig. Und zwar nicht in Lars von Triers neuestem Film, sondern da draußen – außerhalb der Leinwand, im Sonnenlicht, in der Nacht. Da, wo Menschen sind, geht es übel zu. Es herrschen Kriege, es herrscht Gewalt, Korruption, Ärger, Tötung, Abschlachtung und Verletzung und eine ganze Welt schnappt sich allmorgendlich das Zeitungsblatt in analoger oder digitaler Form und konsumiert diesen Schwachsinn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

von Trier macht keinen Hehl daraus und zeigt dies auf. In seinem neuen Film. Und dieser Umstand ist genial!

Und er bringt weitere geniale Geniestreiche, die zwar nicht an die Härte und Verbissenheit älterer Werke von ihm heranreichen und böse Zungen behaupten lassen, er versuche nun etwas gequälter auf Provokation zu gehen und den Menschen einfach nur widerwärtig anzufahren – ich denke aber, er hat etwas Grundsätzliches verstanden und einen skurrilen Weg gefunden, dies auch an andere Menschen herantragen zu können, ohne sie einfach nur niederniveaulastig mit dem Kopf in die Scheiße zu drücken.

Auch hier beweist der Regisseur auf eine perverse Art und Weise Respekt gegenüber seinen Zuschauern und führt sie elegant den Weg in die dunkelsten Tiefen der Hölle und darüber hinaus.

Ja, das Ding geht ewig und es braucht einfach seine Zeit, um den Geist zu brechen und den Zuschauer da zu haben, wo er sein muss, um die gegebenen Umstände akzeptieren und “mit ihm leiden” zu können. Und es bräuchte sekundenweise Analyse, um all die verstecken Hinweise, Botschaften und Offensichtlichkeiten herausarbeiten zu können, die in diesem dann doch extrem schnellen Werk verborgen sind: Es ist eine Bibel, dem man ein Lebenswerk verschreiben könnte und immer noch nicht in die Tiefen vorgedrungen wäre, die hier angeteasert werden.

Als ich in den Film bin, wollte ich einfach nur wissen, warum die Leute in Cannes “geflohen” sind. Als ich raus bin, habe ich verstanden, warum er bei den meisten nicht gut ankommt: Sie vertragen diese ungefilterte Ehrlichkeit nicht, die von Trier zu lieben scheint und sie kommen mit den Direktaussagen dazu komplett nicht klar. Das tun Menschen nie. Ein Grund, warum ich diese Spezies selbst oft genug hasse: Weil diese ganzen verdammten Verletzungen nicht wären, wenn manche sich einfach bemühen würden und der Ehrlichkeit im Alltag etwas mehr Freiraum und Bühne einräumen würden, um ihre Wirkung zu tun.

Und wenn man dann nämlich der ganzen Geschichte etwas Zeit gibt, wenn man sich anfängt, darauf einzulassen, wenn man seine dreckigen Vorurteile vom Tisch knallt und die Geschichte erstmal zu Ende erzählen lässt, bevor man urteilt, dann stellt man schnell fest, dass dieser Film sehr wohl etwas zu sagen hat und einfach nur darauf wartet, bis all jene aus dem Saal verschwunden sind, die diese Wahrheiten nicht verdient haben.

Gegen Ende des Werkes wird es dermaßen … mir fällt kein Wort dafür ein …, dass ich fast die Tränen in den Augen hatte und mir dachte: Wie zur Hölle kann es sein, dass so ein kranker Typ es tatsächlich verstanden hat und uns allen eine so präsentable und simple Lösung vor Augen führt und bis heute noch niemand drauf gekommen ist, dass hier tatsächlich ein vollkommener Weg zur vollkommenen Erlösung zu finden ist?

Und damit wandert The House That Jack Built für mich in den Majestäten-Olymp auf und zählt zu den Werken, die definitiv den Weg als Scheibe in die Sammlung finden, denn ich will die restlichen Rätsel ebenfalls noch lösen. So etwas geniales – in so einer genialen Art – hab ich tatsächlich noch nie im Kino gesehen.

In diesem Sinne: Danke für die FSK 18, danke für die Offenheit und danke dafür, was du uns mit diesem Film näher bringen wolltest. Mich hast du erreicht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Wie bricht man 1832 Wörter in einen Satz runter?

Gar nicht. Nehmt euch die Zeit und lest den Text, dann wollt ihr den Film entweder garantiert nicht sehen oder das komplette Gegenteil tritt ein: Fakt ist, ihr habt danach definitiv eine Entscheidung getroffen und sie wird die richtige sein.

Ist er für jedermann etwas? Klares nein.

Ist er für niemanden etwas und nur scheiße? Klares nein.

Für mich ein geniales Werk, dass tiefe Wahrheiten ans Licht führt und dabei kompromisslos vorgeht und auch soweit keine erkennbaren Fehler gemacht hat. Die Welt spricht eine andere Sprache und dass heutzutage niemand die ungeschönte Wahrheit hören will oder gar verträgt, ist ja längst bekannt. von Trier spricht sie – und mir hat das außerordentlich gut gefallen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: The House That Jack Built
Length: 153 Min.
Rate: FSK 18

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Peppermint - Angel of Vengeance
© 2018 Universum Film GmbH

 

Jennifer Garner als Racheperson: Ich hab nach Himmelskind immer noch meine Zweifel, dass diese liebenswürdige, zerbrechliche Frau mit Waffen wirklich umgehen könnte und eine solide Figur in einem Streifen wie diesem hier abgeben wird.

Tatsächlich hapert der Film aber weniger an ihrem Können als vielmehr dem unbeschreiblich kranken Plot, der von Vorhersehbarkeit durchkämmt ist und so ziemlich jedes Klischee einliest, das dabei auf dem Weg liegt.

Die Idee dahinter ist vielleicht ganz witzig, mündet aber in einer nahezu lächerlichen Farce, die nichts mehr mit ernstzunehmendem Actionkino zu tun hat. Angesichts der PR rund um diesen Streifen war vorher sogar fälschlicherweise fast anzunehmen, dass es hierbei um eine dieser wüsten Schlachten aus dem japanischen Anime-Sektor geht, das man nun vermenschlicht neu interpretiert – selbst, wenn dem so wäre, ging der Schuss extrem nach hinten los.

Was man geboten bekommt, ist mit viel Liebe allerhöchstens gutes Mittelmaß und reicht für einen „Film zwischendurch“, wenn man eh grad nichts zu tun hat – und davon dürfte derzeit da draußen kaum jemand reden.

Dass die Idee eigentlich gar nicht so übel klingt, ist deshalb erstaunlich, weil mir auch bei längerem Überlegen kein Film einfällt, der so in der Art schon mal etwas aufgegriffen und richtig überzeugend umgesetzt hätte: Fast schon, als läge auf dieser Thematik ein cineastischer Fluch, den es bis heute immer noch zu brechen gilt. Peppermint – Angel of Vengeance hat das aber auch nicht geschafft. Leider, denn Jennifer Garner ist tatsächlich mit Abstand noch das allerbeste am ganzen Film.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Erwartungen waren da und wurden in meinem Fall gänzlich enttäuscht: Die Drehbuch- und Plotarbeit ist in meinen Augen ganzheitlich misslungen.

Jennifer Garner macht trotz allem eine super Figur, kann in dem Film aber nicht richtig aufgehen, was permanent ein „Handbremse angezogen“-Gefühl auslöst, aus dem der Streifen zu keiner Zeit wirklich raus kommt. Schade, Potenzial wäre nämlich auch hier viel vorhanden.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Peppermint
Length: 96 Min.
Rate: FSK 16

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© 2018 Universum Film GmbH

 

Frei nach Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens
inszeniert von der Augsburger Puppenkiste

Alle Jahre wieder … je älter man wird, umso trübseliger wird es, wenn das Jahresende neigt und man sich mit all den tausend mal erzählten Geschichten erneut rumplagen muss. Wieder und wieder … ein Jammer!

Das ist genauso, wie als Kind: Wenn man Fernsehen das erste Mal entdeckt, ist alles neu, alles spannend, es gibt unzählige neue Dokus, Filme, Shows, Dinge, die man noch nicht kannte und zum ersten Mal sieht – das Entdecker-Gen läuft auf Hochtouren und es gibt nichts spannenderes, als diesen Kasten einzuschalten und alles aus ihm rauszusaugen, was er hergibt. Zu viele Sender, zu wenig Zeit.

Dann – später – stellt man fest, dass all dies eigentlich nur eine Lüge ist. Schein. Dass zwar viel vorgegaukelt wird, aber im Grunde genommen doch alles das gleiche ist. Hat man eines gesehen, hat man alle gesehen. Man merkt, wie sich die Sender gegenseitig mit Wiederholungen überbieten, wie die immergleichen Filme wieder und wieder runtergespielt werden, als gäbe es nichts neues, das man dem Konsument vorsetzen könnte.

Ich für meinen Teil habe dann Kino entdeckt und stecke mittlerweile so tief drin, dass ich weiß, wieviel neues produziert wird und das eines der größten Probleme für kleinere Produktionen tatsächlich ist, dass zu viel existiert für zu wenig Leinwände in diesem Land und man deshalb – wenn überhaupt – nur kurz gespielt wird, um den Saal für das nächste Projekt wieder freizugeben. Es sei denn, man liefert Mainstream und produziert damit unchristlich viel Geld.

Dann gibt es diese Zeit im Jahr – Weihnachten – wo sich freiwillig jeder auf die traditionellen Geschichten beruft und quasi kaum jemand etwas Neues sehen möchte. Man spielt einen Dreck … das Öffentlich-Rechtliche kann man quasi am besten schon vorzeitig nicht mehr einschalten und man kommt trotzdem nicht um die ewigen Dauer-Repeats drumrum. Und zu allem Überfluss landen die Dinger dann auch noch überteuert in den DVD-Regälen, als ob sich jemand die Mühe machen müsste, um so endlich an diese Inhalte zu gelangen.

Also ab ins Kino. Und was läuft da?

Seit neuestem hat sich die Augsburger Puppenkiste zur Aufgabe gemacht, den weihnachtlichen Kruscht neu aufzumischen und mit ihren eigenen Puppen darzustellen, um kindgerechte Unterhaltung zu liefern, die eben nicht nur in Augsburg gezeigt wird, sondern landesweit auf den Leinwänden angespielt werden kann.

So auch dieses Jahr. Muss man, nur weil alle Erwachsenen den Kram nicht mehr sehen können, nun damit aufhören, ihn zu erzählen?

Dann könnten wir auch gleich die Lügen vom Weihnachtsmann und Christkind beenden und den Babys bereits aufgeklärte Psychoanalytik vorlesen, solang sie noch im Mutterleib sind und das Fest einfach sofort abschaffen und es zur „längere Ladenöffnungszeiten“-Phase deklarieren – das wäre wenigstens ehrlich und konsequent.

Ich finde nicht. Man sollte den Kindern zumindest ein paar Jahre die Illusion lassen, dass es etwas besseres gibt als die Realität. Vielleicht finden sich dann ja irgendwann mal einige, die den Mut in der Hose haben und daran tatsächlich nachhaltig etwas ändern wollen.

Und so lange erzählen wir Ihnen einfach die alten Geschichten.

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Projekt der Augsburger Puppenkiste geht weiter: Man frisch alte Weihnachtsstories im Marionettentheater auf und serviert sie ganz Deutschland alljährlich zur Weihnachtszeit in Sonder-Events.

Das ist zumindest im Ansatz anders als der Mist, den sich der Rest der Mediencliquen zu dieser Jahreszeit gegenseitig verabreichen und somit tatsächlich einen Blick ins Kino wert. Auch wenn sich die Inhalte deshalb nicht erneuern: Die Erzählungen sind dennoch gut aufgemacht und bieten einen gewissen Unterhaltungswert.

 

Nachspann
✅ ist liebevoll animiert und bei der kurzen Laufzeit kann man das ruhig noch mitnehmen.

Kinostart: 1. Dezember 2018: An allen Adventswochenenden, an Nikolaus und an Weihnachten als großes Sonderevent im Kino.

Original Title: Geister der Weihnacht
Length: 64 Min.
Rate: FSK 0

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Alexander McQueen
© 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

 

“Man muss die Regeln kennen, bevor man sie bricht. Dafür stehe ich: Die Regeln zerstören, die Tradition bewahren.“
(Alexander McQueen)

Mit diesem wunderbaren Zitat bringt es der Modeschöpfer quasi schon auf den Punkt: Dieser Film ist ein extravagantes Beispiel eines Wesens, dass nicht in die üblichen Klischeeschubladen dieser Welt passt und sich daher zur Aufgabe gemacht hat, über „Enfant terrible“-Avancen die Welt zum Hinschauen zu bewegen: Seine Shows stehen für Ausgefallenes, Provokation, Schock.

Sein Leben passt wunderbar in den „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“-Slogan, seine Werke erinnern an Punk innerhalb einer morbiden, unerreichbaren und völlig abgehobenen Welt, in die diese schockierende Andersartigkeit eigentlich nicht rein gehört.

Und genau das war sein Ziel: Die Menschen zu verstören, ihnen etwas zu bieten, das gleichermaßen anziehend und distanziert wirkte und eines garantierte: Aufmerksamkeit. Nicht umsonst gehört die Spätausstellung über sein Lebenswerk heute zu den erfolgreichsten Installationen aller Zeiten.

In der Kinowelt verbindet man „Laufsteg“ wahrscheinlich immer noch mit den Strichmännchen aus Heidi Klum‘s Show auf ProSieben und dem dazugehörigen Niveau, von dem sich viele bereits abgewendet haben.

Alexander McQueen – Der Film beweist, dass es nicht überall so zugehen muss und zieht relativ schnell in seinen Bann: Dieser Mann war außergewöhnlich und der Film ist ein Versuch, dem gerecht zu werden, der das Publikum in meinen Augen definitiv erreicht.

Das bedeutet: Auch wenn man für Mode und derlei Shows sonst nichts übrig hat, bietet dieser Streifen unfassbares Unterhaltungspotenzial und zeigt Stücke, die durch Ausgefallenheit begeistern. Der Gang ins Kino ist also auf jeden Fall lohnenswert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Auch Mode-Banausen können ihren Spaß an diesem Werk finden: Die Geschichte um diesen Mann erzählt viel über die Gesellschaft, in der er aufwuchs und lebte.

Dieses Portrait über ihn versucht sich an genauso stilbrecherischen Methoden, wie er es seinerzeit mit Mode tat und ist damit auch für Freunde des Kinos ein optisches Schmankerl, dass den Eintrittspreis definitiv wert ist.

 

Nachspann
✅ darf man noch mitnehmen, hier werden noch einige krasse Schöpfungen von Alexander gezeigt.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: McQueen
Length: 111 Min.
Rate: FSK 12

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Der Grinch
© 2018 Universal Pictures International

 

Disney hat’s vorgemacht, der Rest tut ihnen gleich: Vor dem Hauptfilm werden ab jetzt immer öfters Kurzfilme gezeigt, die sowohl in der Presse als auch in allen regulären Vorstellungen eingespielt werden. Coole Sache, denn diesmal trifft es mit Illumination natürlich die Minions auf der Flucht – ein Hochkaräter, der das .kinoticket bereits lohnenswert macht und für die richtige Stimmung vor dem Hauptfilm sorgt.

Dies wäre aber gar nicht nötig, denn Der Grinch erzeugt nur in vorurteilsbehafteten Köpfen lautstarkes Gähnen… Ich mein: Klar, es ist Weihnachten, was auch immer mit diesem Miesepeter verbunden ist, grün, Jim Carrey und allerlei Blödelei, die man nicht mehr sehen kann und wer dann noch Benedict Cumberbatch weiß und auf den deutschen Plakaten Otto liest, dem dürfte der letzte Appetit auf dieses Filmhäppchen auch noch vergangen sein.

Kein Ding – ging mir genauso. Ich hörte schon Ottos markante Lache den ganzen Film über in meinem Kopf nachhallen und dachte mir: Wieso?

… bis ich dann den Streifen tatsächlich sah und vor Lachen nicht mehr konnte.

Illumination ist kein Label, dass bislang keine Erfolge vorweisen kann, sondern die Jungs haben’s immer noch extrem drauf. Die Jokes sind teilweise so erstklassig, dass man sich zwanghaft beruhigen muss, um nicht die drei Nachfolgenden zu verpassen. Und wenn man jemanden rein schleppt, der absolut keine Ahnung hat, dann fällt gar nicht großartig auf, dass Otto das Ding synchronisiert hat: Der Mann hat dermaßen Eier bewiesen, wofür ich ihm riesigen Respekt zolle. Sich so “normal” verstellen zu können und sämtliche Typus-Markanzen von sich abzulegen ist eine Meisterleistung, die hier sagenhaft funktioniert hat! Großartig!

Doch nicht nur dies, sondern auch die altbekannte Animationszeichnung, die aus dem Hause Illumination bekannt ist, sorgt für jede Menge Heiterkeit und die Einfälle, mit denen hier groß und klein unterhalten werden, gehören auch in die Top-Schubladen, die dieses Filmbusiness hergibt.

Das Schöne ist: Man kann ihn sich wieder und wieder ansehen – es bleibt einfach spannend und macht auch beim vierten Mal immer noch ungemein Spaß, die Feldzüge gegen den weihnachtlichen Irrsinn in diesem bunten Motzgewitter untergehen zu sehen.

Dass dabei auch noch emotional getanzt wird, man sich zeitweilig vor Rührung kaum bewegen kann, gehört nebenbei noch zu den Gewinnen, die die Eltern erziehungsmäßig für ihre Kinder miteinkaufen: Die Moral von der Geschicht’ glänzt nämlich mit vorbildlichen Zügen – nicht umsonst hat dieser Film das Prädikat “wertvoll” eingeheimst!

 

.kinoticket-Empfehlung: Lirum, larum – wer schon kennt und was befürchtet – dem sei gesagt: Alles ist anders und zehntausendmal besser!

Versteckt die Vorurteile gegenüber der Geschichte, dem “immergleichen Erzähltsein” und den angeblich falsch gewählten Synchronisationstalenten: Hier wird hochkarätige Arbeit abgeliefert, die in meinen Augen DEN Film für diese Jahreszeit schlechthin auf die Leinwand bringt: Besser geht’s grad nicht!

Moral, Emotion, Miesepetrigkeit und Otto als Sychnronstimme: Illumination packt wieder ein großes Geschenk auf den Tisch und sorgt für jede Menge Spaß und Freude bei groß und klein. Geht bedenkenlos rein, eure Kinder werden “gesünder” wieder aus dem Saal rauskommen.

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben, der ist nämlich wunderbar animiert.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Dr. Seuss’ The Grinch
Length: 89 Min.
Rate: FSK 0

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© 2018 Twentieth Century Fox

 

Twentieth Century Fox hat für euch wieder fette Gewinne klargemacht, die unter diesem Beitrag verlost werden!

Agatha Christie dürfte selbst modernen Leuten ein Begriff sein: Mit über zwei Milliarden verkauften Werken im letzten Jahrhundert hat sie Maßstäbe gesetzt und zählt seither zu den erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen aller Zeiten.

Bislang wurde ihr Können in TV und Theater sowie auf dem Buchmarkt frenetisch gefeiert, doch komischerweise hat ihre Brillanz jüngst nicht mehr den Weg ins Kino gefunden. Also haben sich Produzent Joe Abrams und Produktionspartnerin Sally Wood hingesetzt und alle 66 Romane durchpflügt, die noch nie verfilmt wurden. Beide schrieben ihren Favoriten auf ein Stück Papier und zeigten es sich gegenseitig: Es war… Das Krumme Haus.

Was dann kam, kann sich jeder denken und gleichzeitig ab sofort in Deutschland auf den Leinwänden ansehen.

Und das Ergebnis kann sich sehr wohl sehen lassen: Man spürt, dass hier ein professionelles Verständnis guter Geschichten im Hintergrund wirkt und der Film auch überdeutliche Anzeichen der typischen Agatha Christie-Merkmale hat, die man aus ihren früheren Verfilmungen so kennt. Das Krumme Haus bringt aber nicht nur die jüngst neu verfilmte Nostalgie-Modernitätssymbiose wieder auf den Plan, die viele schon bei Mord im Orient Express geliebt haben, sondern führt tatsächlich auch beim Erzählstrang mal neue Blüten aus, die traditionelle Leser ebenfalls etwas fordern und somit eben nicht den typischen Baustein klassischer Literatur in sich tragen, sondern mit trickreichen Wendungen punkten und somit ein Spannungselement auf die Leinwand schießen, das viele in solchen Filmen oft vermisst haben.

Dies stieß bei einigen Presse-Vertretern sauer auf und war einer der Punkte, der mir besonders gefallen hat, weil man ein Überraschungsmoment erlebt, das in so einer klassischen Tradition nahezu ausgeschlossen erscheint. Womöglich wurde aus diesem Grund dieser Stoff bislang filmisch nicht angetastet.

Man begeht auf jeden Fall einen Fehler, wenn man sich das Ergebnis nicht auf der großen Leinwand besieht. Und damit das für einige noch etwas leichter wird, gibt‘s hier und heute nun das große…

 

G E W I N N S P I E L

Twentieth Century Fox hat mir nämlich 5×2 Freikarten sowie 5 Kinoplakate für Das Krumme Haus zur Verfügung gestellt, die ich unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlose.

Um teilzunehmen, beantwortet bis einschließlich Freitag, 7. Dezember 2018 die folgende Frage in den Kommentaren und gebt dabei eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ihr erreichbar seid, damit ich im Gewinnfalle eure Adressdaten abfragen kann, um euch den Gewinn postalisch zukommen lassen zu können.

Welche Werke von Agatha Christie kennt ihr, habt ihr gelesen, im Theater gesehen oder im Fernsehen geschaut und gibt es evtl. sogar Bücher, die ihr gerne in den kommenden Jahren verfilmt sehen möchtet?

Unter allen Kommentaren entscheidet das Los über die Gewinner/innen. Eure Daten werden nur von mir persönlich ausgewertet und zur Sendungsübermittlung verwendet und anschließend wieder gelöscht.

Ich drücke jedem die Daumen und wünsche viel Glück und natürlich: Viel Spaß und gute Unterhaltung im Kino!

 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man gesehen haben, da selbst die nostalgisch-moderne Symbiose, die man derzeit mit Agatha Christie im Kino vollzieht, hier völlig neue Wege geht.

Die Story enthält alle typischen Merkmale ihres Schreibkönnens, punktet aber mit einem grandiosen Twist und vollzieht bis zum Schluss perfekte Filmkunst, die den Gang ins Kino sehr wohl rechtfertigt.

 

Nachspann
❌ muss man nicht zwingend aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: Crooked House
Length: 115 Min.
Rate: FSK 12

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So viel Zeit
© 2018 Universum Film GmbH

 

So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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Jupiters Moon
© 2018 NFP marketing & distribution

 

Wenn man den Sternenhimmel besieht, hatten es Planeten wie der Jupiter schon immer schwierig in der Filmwelt: Jupiter Ascending war auch bereits ein visuell betörendes Werk, dass in seiner Geschichte die Allgemeinheit auch auch nicht überzeugen konnte, obwohl das Ding optisch wirklich absolut erstklassig umgesetzt war. Aber allein dies reicht eben nicht, um einen wirklich erfolgreichen Film auf die Leinwände zu bringen und dann vom Volk den Erfolg beklatscht zu bekommen, den man verdient hätte.

Jupiter’s Moon klingt nun irgendwie wie eine Fortsetzung davon und hat doch rein gar nichts mit dem oben genannten Titel zu tun. Zwar sind die Ansätze und Denk-Hintergründe vom ungarischen Drehbuchautor und Film- sowie Theaterregisseur gut gemeint, meiner Meinung nach aber doch zu abstrakt, als dass ein breites Publikum sich damit abfinden und “von allein” drauf kommen könnte, welche verzweigten Hinweise sich dahinter verbergen.

Im Kino selbst wirkt es, als säße man in einem verspätet eingereichten Film, der sich zwingend mit der Flüchtlingskrise – und ganz im Speziellen mit den Problemchen Ungarns dabei – auseinandersetzt und eben auf den Zug aufspringen möchte, dann jedoch sehr eigenartige Wendungen annimmt und die politische Ernsthaftigkeit in ein ad Absurdum führt, dass den gemeinen Zuschauer ziemlich verschrecken könnte.

Stilistisch lässt man sich genügend einfallen, dass mit dem Überraschungsmoment über die relativ lange Laufzeit hinweg keine Langeweile aufkommt, die Frage nach dem “Warum” und einem höheren Sinn stellt sich aber dennoch und gibt dem Film dabei einen komischen Beigeschmack. Mundruczó versucht hier, in eine fantastische Metaebene vorzudringen und es hat den Anschein, als ob er auf diesem Plateau dann überhaupt keine Ahnung mehr hat und sich mit Merkwürdigkeiten über die einzelnen Etappen hangelt und darauf hofft, dass niemandem auffällt, dass die notwendige Essenz dahinter jetzt gänzlich fehlt. Genau die wäre aber dringend von Nöten, um diesem Stoff dann eine gewisse Glaubwürdigkeit abringen zu können, damit überhaupt je die Lust dazu entsteht, sich weiterhin ernsthaft damit auseinandersetzen zu können.

Alles in allem bleibt also ein Gefühl der Merkwürdigkeit, mit dem man anschließend den Saal auch wieder verlässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer einen seltsam anmutenden Film erleben möchte, ist hier genau richtig: Die Ideen sind gut, der Weg, den man dann ins Fantastische beschreitet, eröffnet aber einige Fragen, die auch bis zum Schluss irgendwie unbeantwortet bleiben.

Die Frage nach dem höheren Sinn des Films hat sich mir nicht ganz erschlossen, obwohl es visuell tatsächlich spannend gemacht und auch unterhaltsam war. Zu viel erwarten sollte man sich davon aber nicht, dann kommt auch keine Enttäuschung dabei auf.

 

Nachspann
❌ lohnt sich nicht, auszusitzen, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: Jupiter holdja
Length: 123 Min.
Rate: FSK 12

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Charles Dickens - Der Mann, der Weihnachten erfand
© 2018 KSM

 

Längst ist es in der Mode, nicht nur die Geschichten zu erzählen, die man sich schon seit Jahrhunderten erzählt, sondern auch die Hintergründe derart auszuschlachten, dass man als Leser und Konsument wirklich alles über die Begebenheiten weiß und es absolut kein Mysterium darum mehr gibt: Alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt, wird eben zu Geld gemacht.

War damals noch der Inhalt oder die Moral einer guten Erzählung das Hauptinteresse einer Geschichte, gehört es heut schon längst zum guten Ton, die traditionelle Geschichte mit neuen Moralansichten und Ausgängen zu schmücken, um mit bekannten Gesichtern neuen Stoff erzählen zu können.

Und wenn das eben nicht mehr reicht, dreht man einen Film darüber, wie die Geschichte geschrieben wird. Hierbei bedauere ich dann schon die nachfolgenden Generationen, die sich wahrscheinlich später im Kino besehen dürfen, wie im Jahre 2018 jemand Filme gedreht hat über jemand, der ein paar Jahrhunderte zuvor ein Buch geschrieben hat … Inception im negativen Sinne quasi.

Aber was soll’s: Es ist nunmal da und wir müssen wohl oder übel damit leben.

Charles Dickens, der bereits 1870 das Zeitliche segnete, gehört somit längst zu dem, was man Vergangenheit nennt, auch wenn seine Bücher bis heute gelesen werden und gerade zur Weihnachtszeit sein teuer erkauftes Werk zu den Klassikern überhaupt zählt. Die Frage bleibt, ob es darüber jetzt zwingend einen Film geben muss, der die Story darüber erzählt, wie dieses Werk entstanden ist, oder man sich einfach mit der Geschichte selbst zufrieden geben könnte und es dabei belässt.

Damit wäre dann alles, was ich negatives zu Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand zu sagen hätte, gesagt. Der Film an sich ist nicht von schlechten Eltern, gut erzählt, sympathisch ausgestattet und definitiv auch irgendwie unterhaltsam. Hier hat man sich auch reichlich Mühe gegeben bei Set-Dekoration, Kostümierung und der allgemeinen Arbeit, die nicht zwingend verbal benannt wird – wer also noch nie etwas von diesem Autor gehört oder gelesen hat, sieht hier einen super spannenden Film, der im Anschluss unfassbar Lust auf die Geschichte selbst macht.

Ich hab keine Ahnung, ob die Jugend und nachwachsende Generation schon so abgeflaut ist, dass ihnen Ebenezer Scrooge überhaupt kein Begriff mehr ist, denn so richtig empfehlenswert ist dieser Titel tatsächlich nur für jene. Alle anderen erleben dabei zwangsweise das Gefühl von erneut aufgebrühtem Kaffee, dass sämtliche Innovation und genialen Einfälle, die man als Kind so an der Filmwelt geschätzt hat, vermissen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsatzfrage: Braucht es eine Story darüber, wie eine Story erschaffen wurde?

Lässt man diesen Fakt außen vor, ist der Film absolut tauglich und erzählt gutes Mittelmaß ohne großartige Innovation und bahnbrechenden Einfälle. Die Tatsache, dass das Ding bereits 2017 in den USA gelaufen ist, spricht ja auch schon eine sehr deutliche Sprache.

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Erkenntnisse. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: The Man Who Invented Christmas
Length: 104 Min.
Rate: FSK 6

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© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Von Gänsehaut war ich seinerzeit ja schon sehr begeistert und der tristen Enttäuschungsmanier, die sich pressetechnisch bei den meisten in der Fortsetzung eingenistet hat, kann ich dennoch wenig abgewinnen: Für mich besteht dieser Film nicht ausschließlich aus Jack Black (der zugegeben viel zu wenig Screentime hat), sondern immer noch aus diesem grenzgenialen Humor, der für Sony fast schon außergewöhnlich gut ist, auch wenn man nun Nuancen eines “Zweit-Teilers” spürt und hier nicht mehr mit der spritzigen Frische und dem “Neugeruch” aufgefahren wird, den man im ersten Teil noch hatte – aber das ist irgendwo auch selbstverständlich.

Dennoch ist Gänsehaut 2: Gruseliges Halloween jetzt nicht der Totalabsturz, als der er von vielen dargestellt wird, sondern durchaus wert, sein .kinoticket zu lösen. Und beachtet man, was sich derzeit sonst noch so auf den Leinwänden tummelt, sollte man womöglich seinen Terminkalender ausleeren und schnellstmöglich noch eine der bestehenden Vorstellungen aufgreifen, um nicht gänzlich im Sumpf der Trostlosigkeit an Alternativen zu versinken. Da sieht es nämlich vergleichsweise tatsächlich mau aus.

Ich finde, für eine Fortsetzung eines Teenie-Films ist dieses Werk mehr als gelungen und man hat sich im Hintergrund genügend Mühe gemacht, um die Einzigartigkeit dieses Filmdoubles in seinen Wurzeln zu erhalten und das, wofür er sich bekannt gemacht hat, weiter mit kreativen Ideen zu füttern – und das ist dem Werk durchaus gelungen.

Auch der sonst so vielbeklagte Wiederkehrmoment erlebt hier eher einen erneuten Einschlag als einen Revival-Moment: Man sprüht durchaus noch mit frischen Ideen und hat auch designtechnisch wieder einiges aufgefahren, was es durchaus wert macht, den Film anzusehen.

Lasst euch also von den bösen Botschaften der unkindischen Erwachsenen nicht abschrecken, sondern lieber von dem einzigartigen Flair verzaubern, für das die Goosebumps-Reihe steht: In freudiger Erwartung, dass hier noch einiges kommen möge.

 

.kinoticket-Empfehlung: Bin mit unterirdischen Erwartungen in die Vorstellung rein und super positiv überrascht worden: Ich finde, man hält seiner Linie Treue und führt auch die Fortsetzung wieder gewohnt spritzig und mit diesem tollen Humor weiter, der schon im Vorgänger verzaubert hat.

Design, Sprüche, Vorantrieb und Optik sehen nach wie vor großartig aus – nur Jack Black hätte es etwas mehr sein dürfen. Ansonsten passt aber soweit alles.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Goosebumps 2: Haunted Halloween
Length: 90 Min.
Rate: FSK 12

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