Papst Franziskus ist seit dem 13. März 2013 der 266. Pontifex und Souverän des Vatikanstaates, der nach dem freiwilligen Abdanken von Papst Benedikt dem 16. seinen Platz im Vatikan einnahm und von nun an als geistliches Oberhaupt der katholischen Kirche gilt und im Amt seinen Dienst verrichtet. Die katholische Kirche und im speziellen der Vatikan sind dafür bekannt, sehr große, teils undurchsichtige Strukturen zu haben und es gibt genügend Kritikpotenzial, mit dem sich die Kirche in den vergangenen Jahren auch schon auseinandersetzen hat müssen.
Derzeit wohl noch am meisten in den Köpfen der Menschen ist die Aufdeckung des Missbrauchs-Skandals (Spotlight), bei dem reihenweise Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe von Priestern an Minderjährigen von einer Zeitung aufgedeckt wurden. Genau durch diese Dinge – diese Undurchschaubarkeit einer Institution wie der katholischen Kirche – erstarken in mir große Zweifel an der eigentlichen Intention einer solchen Einrichtung und lassen mich immer aufhorchen, wenn etwas darüber oder davon gebracht und gezeigt wird.
Interessant an Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes sind nämlich wieder die Hintergründe. Wim Wenders hat sich zur Aufgabe gemacht, als Regisseur einen Film mit dem Papst zu veröffentlichen und mit seinem Namen für dieses Projekt grade zu stehen.
Fakt ist, dass kurz nach der Ernennung des Papstes im Jahr 2013 im März bereits ein Anschreiben vom Vatikan im Büro von Wenders landete, in dem man ihn bat, einen Film über den Papst zu drehen. Allein diese Anfrage löst in mir bereits hunderte Fragen danach aus, wofür? Warum möchte man ausgerechnet jetzt einen Film über den Papst, der ja noch nicht einmal lange im Amt war? Kostenlose Propaganda? Ein filmisches Zurschaustellen seiner Werte und damit eine erleichterte Verbreitung seiner Ideen und Gedanken im Volk? Tatsächlich hat man seitens des Vatikans die Türen und Tore weit geöffnet und Wenders eine unbeschwerte Arbeit gewährleistet, der somit auch Einblicke in die riesigen Archive des Vatikans erhalten hat und im Jahr 2016 letztendlich damit begann, seinen Film zu drehen.
Wenders selbst entschied, keinen Film “über”, sondern “mit” dem Papst zu drehen, was eine Kritikfähigkeit dieses Werks von vornherein ausschließt und ggfs. Argumente gegen das Handeln und Wirken des Papstes von Anfang an nicht zulässt, da all das mit diesem einen Wort beseitigt werden kann.
Meinem Empfinden nach ist dieser Papst auch in Teilen anders als seine Vorgänger, er lebt öffentlich viel mehr Verzicht, achtet mehr auf die Armen der Welt und konzipiert einige gute Ideen in Sachen Umweltschutz und Naturverständnis, zeigt sich offener anderen Religionen gegenüber und lebt das, was er predigt, auch selbst insofern das möglich ist.
Dennoch stößt diese Kritiklosigkeit im Film zeitweilig bitter auf. Es wird eben einfach draufgehalten. Verbreitung der eigenen Gedanken quasi “zur besten Sendezeit” ohne jede Gegenüberstellung oder kritischen Fragen. Man hält die Kamera drauf und lässt den Papst höchstpersönlich einfach erzählen. Spickt hier und da mit Ausschnitten seiner Reisen, zeigt, was er öffentlich zu sagen hatte und lässt eben alles komplett unkommentiert stehen. Damit liefert man die Chance, seine Worte und Predigten einfach “wirken” zu lassen und den Zuschauer – speziell außerhalb der katholischen Kirche – durch ausgewählte “gute Taten” von einer Person zu überzeugen, die definitiv nicht nur schlechtes auf der Welt gemacht hat.
Stöbert man in einigen Archiven und Schriften über den Papst, findet man schnell Dinge wie “Schweigen über Entführungen und Morden an über 500 Kindern”, “Mitwissen und nichts dagegen unternehmen” (Quelle: Wikipedia), die zwar als Vorwürfe im Raum stehen, aber bis heute nicht abschließend geklärt sind.
Genau hier greife ein besonderes Potenzial an kritikübersäter Recherche, die erstklassigen Journalismus und Veröffentlichung von Wahrheiten und Fakten eine Leinwand böte, die man den kirchlichen Institutionen vorhalten und sie damit zur kompletten Wahrheit und Offenheit gegenüber der Welt verpflichten könnte, und nicht nur eine Plattform böte, um punktuelle Gedanken und Geistesgut an die Welt zu predigen und sie damit von der Gutmensch-Mentalität einer Kirche zu überzeugen. Aber Wenders dreht ja “mit” und nicht “über”.
Dieser Entzug aus der eigenen Verantwortung ist in meinen Augen in höchstem Maße schändlich. Auch wenn die im Film angesprochenen Punkte allesamt löblich sind und ein wunderbares Bild des Papstes zeigen, dessen Lehren und Wünschen man sich auch als Nichtgläubiger gerne anschließen würde – es ist eben nur die halbe Wahrheit und Halbwahrheiten sind ganze Lügen, die schlussendlich jede gute Absicht als Irrsinn erscheinen lassen, da es wieder auf einen einzigen Punkt hinausläuft: Verlogenheit.
Genau das merkt man auch deutlich an der Präzision seiner Worte bei verschiedenen Themen. Geht es um die Lehre oder das Leben als Gläubiger an sich, ist er höchst präzise und kommt sofort genau auf den Punkt, während es bei Fragestellungen, die eine konkrete Antwort wünschenswert scheinen lassen, sofort schwammig wird und er sich in Ausflüchte und “Generalitäten” verliert, die erkennen lassen, dass hier keine Aufklärung erwünscht ist und man sich auf die halbgaren Handlungen aus der Vergangenheit stützt und eben nicht weiter daran interessiert ist, dieses Thema noch länger als aktiv zu behandeln.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film lädt auf eine Reise ins Land der Liebe und christlichen Geborgenheit ein und verschweigt damit konsequent, dass auch in diesem Licht Schatten existieren, die angesprochen gehören und der Welt offen präsentiert werden müssen.
Die generelle Ausflucht in das Statement, dass “mit” und nicht “über” den Papst gedreht wird, entbehrt jedweder Logik und entmündigt sämtliche Kritiker von vornherein, was aus Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes ein reines Promotion-Werk der katholischen Kirche macht und rein gar nichts mehr mit Journalismus und Recherche zu tun hat.
Die Kritikfähigkeit muss der Zuschauer selbst mitbringen und im Suhl der Lobhudeleien und tatsächlich unverurteilbaren gezeigten Handlungen dann als Bürger noch einen kühlen Kopf zu bewahren und die Sache kritisch zu betrachten, wird einem hier sehr schwer gemacht.
Daher bitte nur die “außerkirchlichen Themen” ungefiltert übernehmen und in Glaubensfragen dann gerne sehr ergiebig das eigene Hirn nutzen und die Dinge ernsthaft hinterfragen, bevor man sie als gegebene Wahrheiten akzeptiert.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen. Hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 14. Juni 2018

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