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wenn aus filmen leidenschaft wird

Paris kann warten

Wenn der Name Coppola fällt, und damit nicht Francis Ford oder seine Tochter Sofia gemeint ist, dann wird es für mich ebenfalls außerordentlich interessant. Dass diese Familie im Filmemachen bereits eine gesegnete Grundeinstellung hat, dürfte ja hinreichend bekannt sein.
Diesmal macht sich Eleanor daran, ihren ersten Spielfilm zu inszenieren und betritt damit für sie völlig neues, ungewohntes Terrain. Dass sie sich dabei völlig anderen Herausforderungen stellen musste (zum Beispiel buchte sich ein arabischer Scheich mit 1000 Gästen in das gewünschte Hotel ein, weswegen der Drehort geändert werden musste), ist dabei nur eine Aufgabe, die sie im Verlauf des Drehs gemeistert hat.
Eleanor schrieb und filmte aus eigener Erfahrung heraus und machte so eine eigentlich persönliche Anekdote zu einer grandiosen Filmidee, die sie mit Paris kann warten hervorragend umgesetzt hat. Ihr Fokus auf die kunstvoll inszenierten Meisterwerke, die sich gerade im französischen Milieu verbergen, ist unverkennbar. Die Liebe zum Detailreichtum, die Hommage an die alten Baumeister und kreativen Schaffensprozesse in punkto Architektur, Kultur und Kulinarik ist eindeutig. Damit generiert sie ein Werk, das nicht von dem Prunk ihres Namens oder durch irgendwelche überdimensionierten Kritiken an Hollywood und der Filmindustrie lebt, sondern etabliert ein wunderschön-mümmeliges Stück, das anzusehen mehr als Pflicht ist.
Der französische Charme von Land und Leute erweist sich hier als absoluter Glücksgriff. Die teils immer morbider werdenden komisch anmutenden Präferenzen des diesländischen Kinos werden hier galant umschifft und sorgfältig neu erfunden.
Dabei bedient sie sich als Regisseurin nicht nur beispielloser Bilder und Impressionen, sondern gleichermaßen wunderschöner Charaktereigenschaften, die in einem sanften Stück über die Bildfläche schweben und der Zeichnung ihrer Darsteller immer mehr Profil verschaffen, bis es zum endgültigen Showdown kommt.
Gerade ihre Versessenheit darauf, der Kunst hier freie Bühne zu bieten, hat mich während der Vorstellung im Innersten getroffen und abgeholt.
Der spritzig-bunte Sommerflair eines verträumt-romantischen Teils dieser Erde gepaart mit der untypischen Geschichte erweckt nicht nur das Fernweh und Urlaubsfieber, sondern auch den emotionalen Part im Menschen und sorgt hier im Kino (und später hoffentlich auf arte) für jede Menge begeisterte Zuschauer, die sich an dem Können einer erfahrenen Frau laben dürfen, die hier eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit 92 Minuten Laufzeit ist diese Show viel zu schnell vorbei.
Die gekonnte, fein austarierte und liebevoll designte Hommage an Land, Kultur und Leute wird hier von einer Meisterin inszeniert, die sich damit auf dem Spielfilmmarkt ebenfalls ihre Lorbeeren abholen darf.
Paris kann warten besticht nicht nur durch seine immens verträumten Bilder, sondern vor allem auch durch den überaus charmanten Geist seiner Darsteller/innen. Ein Stück, dass man definitiv im Kino gesehen haben sollte.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Wer die Musik liebt (oder nicht will, dass es schon vorbei ist), der bleibt einfach bis zum Ende sitzen.
Kinostart: 13. Juli 2017

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1 Comment

  1. Und ich werde ihn irgendwo abgreifen Ich mag Frankreich und wenn dazu solch genialen Bilder zu leben erweckt werden noch 3x mehr.

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