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Es ist die heiß erwartete Filmfortsetzung aller Harry Potter-Fans: J.K. Rowling hat sich breitschlagen lassen und schreibt quasi für ihre Fans weiter: Phantastische Tierwesen ist entstanden.

Ich hab damit so meine lieben Schwierigkeiten. Fangen wir mal bei Potter an: Dort gab es einen Plan. In einem Film ist unglaublich viel passiert und wenn du quasi 30 Minuten zu spät ins Kino kamst, hast du dir den ganzen Film auch komplett schenken können. Die Dichte an Happenings ist unglaublich hoch und man hat gespürt, dass sie auf etwas ganz bestimmtes hinaus wollte. Auch, als in den späteren Teilen die Story dann erwachsener, düsterer wurde (was mir persönlich unglaublich zusagt), hat man gespürt, mit welchem Vorwärtsdrang und mit welcher intensiven Erzählkraft Rowling hier ans Werk geht um eben jenes zu vollenden.

Und es hat prima funktioniert. Die ganze Welt ist Amok gelaufen deshalb. Und tut es bis heute: Die Harry Potter-Wiederholungsvorstellungen sind fast gänzlich ausverkauft gewesen. Im Kino. Und das, obwohl die Teile schon jeder mitbeten kann und als VoD, Blu-ray, DVD und Buch zu Hause stehen hat.

Und das Teil hat ein fulminantes Ende und bricht damit den Stein und legt ein Siegel auf diese Geschichte. Fortsetzungen quasi unerwünscht.

Wie also soll man Phantastische Tierwesen etablieren, so dass der Zuschauer nicht vor den Kopf gestoßen wird?

Das hat beim ersten Teil noch wunderbar geklappt, da dieser für mich quasi mehr oder weniger den “Zusammenschnitt aller Zauberszenen der kompletten Harry Potter-Reihe” darstellt und somit einen immensen Unterhaltungswert hat. Das, was man in den Potter-Filmen teils noch vermisst, bekommt man in Phantastische Tierwesen mehr oder weniger am Stück geliefert und fühlt sich dadurch unterhalten, vergnügt und mit tollen Effekten und Einfällen geschmeichelt. Und es ging dabei mehr oder weniger genauso “schnell” zur Sache wie in den Vorgängerfilmen.

In der Fortsetzung spürt man jetzt, dass die Macher beginnen, jedes einzelne Zuckerkorn einzeln umzudrehen und quasi wirklich alles aus der Sache rausholen. Es wird gezaubert – und das auch mächtig und imposant, aber in meinen Augen eben viel zu wenig. Und viel zu langsam. Die Szenen füllen nicht mehr den kompletten Film, sondern sind selbst wieder nur solche “Drop-Elemente”, wie man sie aus anderen Filmen kennt: Anfangs-Swush, Mittelpunkt-Aufmerksamkeitssteigerung, Endkampf. Irgendwie fehlt dazwischen sehr viel und es fühlt sich trocken, roh, und langatmig an – und das sollte in einem grenzenlosen Zeitalter wie diesem mit derart viel Kohle in den Taschen eigentlich nicht passieren.

Der Film ist deshalb aber nicht schlecht, im Gegenteil: Er macht unglaublich Lust auf den Dritten Teil, der muss dann jedoch aber wieder liefern, damit die Leute nicht vom Zug abspringen, weil’s nur noch eine endlose Ausschlachterei von solchen Themen wird. Dieses bittere Gefühl, dass man diese Saga und Welt jetzt in Ketten zur Schlachtbank führt und quasi jeder einzelne 10-Minuten-Moment in einem 134-Minüter ausgeschlachtet wird, würde das Todesurteil für diese Art Filme bedeuten und aus ihnen genau das gleiche machen, was Twilight mit der Vampirszene angerichtet hat: Es wäre ihr gnadenloser Untergang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Die Fortsetzung ist für mich ein wunderbarer Auftakt für eine neue Zauber-Reihe, die jedoch bedingt, dass man ab dem dritten Film wieder etwas mehr Geschwindigkeit liefert und sich nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht: Die Schlachtbank, zu der man diese Welt ein wenig trägt, hat Blut an ihren Ecken und würde das Ende der Reihe bedeuten.

Dieser Teil macht unfassbar viel Lust auf eine Fortsetzung, fühlt sich selbst aber als eigenständiger Film etwas zu langatmig und “bürokratisch” an. So, als hätte man Rowling dazu gezwungen, weiterzuschreiben und sie übertüncht ihre Blockade, statt dass sie mit Lust und Hingabe ein Werk entwirft. Anschauen: Trotzdem im Kino im größten Saal den ihr finden könnt. Und unbedingt in 3D.

 

Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, ist wie in den alten Potter-Filmen auch.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald
Length: 134 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

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