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wenn aus filmen leidenschaft wird

Arrival

Beide Daumen gedrückt, hoffend darauf, dass exakt dieser Titel in die Kinos flattert, wenn es wieder heißt: Sneak Preview. Meine Erwartungen wurden … übertroffen.
Der Trailer mutete mit einigen Actionszenen an und sprach damit unverblümt die Riege Popcornkino an, die man aus der Masse rausholen und in die Kinosäle bringen wollte. Diesbezüglich wird Arrival wohl viel negative Kritiken ernten, denn der Film entbehrt jedweder aufgesetzter Durchschlagskraft und entfaltet seine Stärken ganz wo anders.
Sehr zur Freude meiner einer. Es wird schwer, nicht zu spoilern und euch trotzdem davon zu überzeugen, die Vorstellungen zu stürmen, denn der Lohn wird groß sein.
Die Power steckt hier abartigst in den Vorbereitungen zu diesem Film. Konkret in den Ideen, den Gedanken, dem Brainstorming, das man der Schaffenskunst hier vorauseilen hat lassen. Da hat sich jemand übelst Gedanken um etwas gemacht, die Dinge hinterfragt, Tellerränder überschritten und das gesamte Machwerk in seine Idee verpflanzt, damit es selbst das beste Beispiel für die Botschaft abliefert und quasi als Referenz der Moral herangezogen werden kann.
Nach dem Film spült man entspannt zum Ausgang hin mit dem Gefühl, absolut beruhigt und zufriedengestellt zu sein, nur um hinterher festzustellen, dass der Film mit einer immensen Geschwindigkeit abgespult wurde, die sich erst durch Nachdenken im Nachhinein ergibt.
Philosophischer Tiefgang auf Wunsch im Kopf des Zuschauers? Oh ja! Möglichkeiten zur Interpretation dieses absurden Themas, das vom Namen her zwar bekannt, von der Umsetzung so aber völlig neu ist? Oh ja! Ich sag nur: Bonusmaterial. Hoffen wir alle, dass das die Spielzeit des Films deutlich überschreitet.
Dennis Villeneuve schafft es hier, Spannung zu erzeugen, die teilweise sogar Gänsehaut auf dem Rücken entblättert, und verzichtet dabei auf jederlei ablenkende visuelle Eindrücke. Allein der Look des Films ist ein paar Diskussionen wert, denn hier wurde wirklich auf allerhöchstem Niveau gearbeitet. Ich war fasziniert von der einheitlichen und doch alles durcheinanderbringenden Art, die hier kongruent durch die Spielzeit durchgezogen wurde und in einem Finale gipfelt, dass niemanden enttäuschen dürfte.
Doch nicht nur die Kulissenbauer, Designfetischisten und Bühnenprofis haben hier ganze Arbeit geleistet, sondern alle Bereiche, die einem Film zuträglich sind, arbeiten hier in einer Synergie zusammen, die etwas oscarreifes produziert, das im Kino einfach nur eines macht: Begeistern.
Jóhann Jóhannsson zum Beispiel, der seinerseits auch schon verantwortlich für den Soundtrack von Sicario war, hat hier wieder einmal mit Selbstübertreffen gepunktet und einen Beat kreiert, der nicht nur in völlig andere Dimensionen entreißt, sondern als alleinstehendes Werk eine derartige Überzeugungskraft mitbringt, dass man zum Schauen des Films zusätzlich empfehlen kann, ein paar Euro für den Soundtrack hinzublättern.
Hier ein brachiales Ereignis vorzuführen, ohne dabei an die superlativen Exponate zu stoßen, die von Hollywood in derlei Situationen aufgefahren werden, sondern gegenteilig die Reize zu minimieren um dann einen Effekt zu erzielen, der um so vieles größer ist – wow!
Ihr merkt schon – ich komme ins Schwärmen, und das ist gut so. Arrival ist die Art Film, die es für mich dauerhaft geben könnte, bei der – realistisch betrachtet – der kreative Geist der Schöpfer jedoch zwingend an seine Grenzen kommt, bevor die Show überhaupt gestartet ist. Arrival gehört zu den Filmen, die man nicht einmal, nicht zweimal, sondern viele Male gesehen haben sollte, um alle Wesenszüge zu entdecken, die tief in den profilstarken Vorbereitungen drin stecken, die man vor dem ersten Paukenschlag gemacht hat.
Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg und andere Schauspielgrößen hier auflaufen zu lassen, zeigt, dass der Sinn für tiefgründiges Kino auch in Hollywood noch nicht ausgestorben ist und ich hoffe – ich bete – für viele Auszeichnungen, um genau diese Art Unterhaltung nach vorne zu pushen, die den Geist anspricht, das Denken erfordert und die Zuschauer dazu animiert, wieder selbst in die Materie einsteigen zu wollen und sich nicht nur mit plumpen Animationen und stupidem Geballer zufrieden zu geben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Absolutes Pflichtprogramm.
Dieser Film bringt alles mit, was ich von einem exzellenten Streifen erwarte. Hier wurde vor der Produktion an Details gefeilt, die sich erst im Nachhinein ergeben und in ihrer Intelligenz und Durchdachtheit derartig überzeugen, dass wir wohl lange auf “Nachahmerfilme” warten dürfen.
So viel exzessive Atmosphäre, so eindrückliches Entführen in eine Geschichte und deren Tiefe, so eine überzeugende Soundstärke und visuelle Bildgewalt, die auf ein Minimum reduziert ist, habe ich selten bis gar nicht erlebt.
Wenn es ein Wort geben müsste, dass diesen Film treffend beschreibt, dann: AbsoluteBegeisterung!
Geht rein und genießt die Show – endlich wieder mal eine Story, für die sich jeder einzelne Cent verdammt lohnt!

 
Nachspann
kommt keiner, allerdings erhält man hier nochmal eine heftige Dosis Sound, die man unbedingt mitgenommen haben sollte. Nicht umsonst ist das halbe Kino sitzen geblieben.

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2 Comments

  1. Das muss ein tolles Kino sein. Bei uns sind die Massen rausgelaufen, was sehr gestört hat und leider kein seltenes Phänomen ist. Schöne Kritik.

    • Ben

      Tja, nur noch wenige haben wirklich Anspruch und genießen ihn dann auch, wenn er geliefert wird. Dafür liebe ich die Sneak.

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