Nach ich glaube 100 Jahren verfliegt ja die Rechtebesessenheit von Werken, die dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Böse Zungen könnten behaupten, dass Hollywood sich nun aufrafft und kontinuierlich die Geschichte von vor 100 Jahren konsequent verfilmt und dabei kein Detail auslässt.
Mit Genius, wie der Titel im Original treffenderweise heißt, kommt erneut ein Stück Zeitgeschichte auf die Leinwand, dass sich diesmal einem Thema widmet, das nicht sehr viel Krach erzeugt und somit in meinen Augen sehr schwer verfilmbar ist, um die actiongesättigte Gesellschaft tatsächlich zu erfreuen.
Der Film war anfangs sehr anstrengend und erzeugte auch sehr viel Unruhe im Saal. Man hat seine lieben Schwierigkeiten, in die Art der beiden Hauptdarsteller reinzukommen und mit ihnen warm zu werden, obwohl beide schauspielerische Höchstleistungen bieten.
Salopp gesagt muss man die ersten 20 Minuten des Films überleben, bevor der dann richtig anzieht und verdammt gut wird. Künstler und Menschen, die sich nicht von der Allgemeinheit nähren, sondern ihre eigenen Wege gehen, finden sich ein Stück weit selbst in dem Geschehen wieder.
Die Schwierigkeit besteht tatsächlich darin, dass es hier um ein Medium geht, dem normalerweise sehr viel Zeit gewidmet ist und wir in einer Gesellschaft leben, wo man genau dies so absolut nicht mehr hat. Dann ein Publikum zu fangen, was mit Vollkaracho in den Saal stürmt, es abzubremsen und zur Ruhe kommen zu lassen, damit es sich dem Wesen dieses Mediums näher widmen kann und sich auch tatsächlich auf die Geschichte einlässt, ist schwierig und sorgt eben in der ersten halben Stunde auch für regen Unmut in den Gesichtern unserer rasenden Gesellschaft.
Den Bogen kriegt man aber raus und holt den Zuschauer dann auch mit neuen Thematiken ab, die hier etwas ganz besonderes erzählen und zudem auch Einblicke in eine Welt geben, die man als Normalsterblicher auf diese Art sicher weniger kennen dürfte – und allein das ist bereits spannend.
Lobenswert zu erwähnen ist hier auch die Musik, mit der man im Film spielt und sie als eigene Persönlichkeit innerhalb des Geschehens etabliert. Die Aufnahmen sind nicht nur herausragend, sondern fördern eine neue Art von Wesenszug, bei dem man sehr viel mehr Kunstverständnis entwickelt, als so manch einer erwarten würde.
 

.kinoticket-Empfehlung: Menschen mit Stil, einem gewissen Anspruch, aber auch Leute, die sich einfach mal für ein paar Stunden aus ihrer Welt entführen lassen wollen, finden hier einen Ort der Ruhe und Geborgenheit, der eine ganz besondere Geschichte birgt, die neben viel Stress auch ein neues Verständnis für Dinge hervorruft, die an Normalsterblichen ungesehen vorüberziehen.
Der Film portraitiert in faszinierenden Bildern eine Form von Leben, das nicht alltäglich ist und bietet den Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, mit Worten, Gestiken und Mimik zu arbeiten – und dass das den beiden nicht nur sichtlich Spaß bereitet, sondern auch tatsächlich gelungen ist, beweist Genius demnächst auf den Leinwänden eurer Kinos. Reingehen!

 
Nachspann
beherbergt keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen.

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