Es wäre nicht so jämmerlich, wenn es nicht so erbärmlich ernst wäre, so wie man da im Kino sitzt und sich diese unglaubliche (im negativen Sinne) Geschichte ansieht, die eigentlich förmlich dazu einlädt, im Saal seine Witze zu reißen und das Ding in den Dreck zu ziehen.
Haben einige auch getan und keiner kann es ihnen verdenken.
Dass ich’s aus persönlichen Erfahrungen (danke, liebe Christenheit) nicht so mit dem Glauben habe, zumindest nicht so, wie sich die anerkannten Kirchen das vorstellen, dürfte ja mittlerweile an einigen Stellen durchgesickert sein.
Dass mich diese heilige Frömmigkeit, die so ungeniert freizügig im Kino präsentiert wird, aus diesem Grund immer häufiger aufregt, wisst ihr nun auch.
Was also gibt es dieser lachhaften Nummer denn noch Positives abzugewinnen?
Wenn man täglich aufsteht und sich die Scheiße aus dem Leib kotzt und keiner der verfluchten Mediziner weiß, was Sache und was dagegen zu tun ist, dann fühlt man auf perverse Weise mit, was einem da als Geschichte im Film geboten wird – auch wenn der Ausgang hier völlig skurril und die Ursachen ganz woanders zu suchen sind.
Die Verzweiflung, in die die Protagonisten geraten, das Rumgerate, diese wahnwitzige Art und Weise, wie damit umzugehen versucht wird, erinnert einen allein nur daran, welche Strapazen man im Leben an eigener Haut durchmachen musste und lässt hier und da einen Funken Hoffnung aufkeimen, dass vielleicht andere auch eine etwas offenere Haltung zu Problemen bekommen, die eben nicht alltäglich und durch eine Aspirin wieder in den Griff zu kriegen sind.
Was man dann hier im Film allerdings für Lösungsapparate in den Raum wirft, ist nicht nur lächerlich, sondern grenzt schon fast an Gefährlichkeit, zumal weder im Abspann noch sonstwo aufgezeigt wird, welche Konsequenzen solch eine Haltung haben kann und welchen Gefahren man sich aussetzt, sollte man auf die Hinweise der Menschen hören, weil einem in seiner Verzweiflung einfach nichts anderes mehr einfällt.
Aus dem Grunde sind die witzig-gemeinten Einlagen der Zuschauer somit wahnsinnig wichtig, um Notleidende vielleicht doch bei Vernunft bleiben zu lassen und ihnen zu zeigen, dass das gewiss keine Lösung darstellt.
Auf der anderen Seite spendet diese “wahre Geschichte, die für Kinozwecke dramaturgisch aufgewertet wurde” unglaublich viel Hoffnung, in Situationen, in denen es gewissermaßen ausgeschlossen ist, Hilfe zu bekommen, vielleicht doch Hoffnungen am Horizont zu sehen, auch wenn man sie momentan nicht sieht und am Schluss auch nicht erklären kann.
Wie also soll man so eine Preview bewerten?
Gar nicht. War auch das erste Mal, dass mein Stammkino auf meine Bewertung im Kasten verzichten musste, denn ich weiß es schlichtweg einfach nicht.
Würde ich mir den Film deswegen nochmal ansehen?
Ja. Und zwar mit anderen. Um sie dafür zu sensibilisieren, wie es Menschen geht, die nicht nur unter einer Grippe leiden. Um zu zeigen, wie sehr man aufgerieben werden kann und welche Folgen das für einen hat – weil der Film diese innere Verzweiflung so wahnsinnig glaubhaft und gut rüberbringt und man das den Schauspielern wirklich abkauft, auch wenn die ganze Zeit über diese an Lachkrämpfe kratzende Lächerlichkeit im Raum mitschwingt.
Hier ist also unglaublich viel Vernunft und eingesetztes Hirn beim Schauen gefragt und ich bezweifel, dass das die Allgemeinheit pro forma mitbringt, wenn sie sich diesen Film auf gut Glück anschaut. Vielleicht hab ich auch deshalb bis zur Sneak selbst noch nie etwas von diesem Titel gesehen, gehört, oder gelesen?
P.S: Unglaublich gut: Die Darstellung der Mutter und das Wesen des Arztes – wo gibt es solche Spezialisten auf der Welt, die so viel Menschenverständnis mitbringen wie er?
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist: Wer diesen Film anschaut, sollte einen religiös-harten Magen mitbringen und nicht enttäuscht sein, wenn hier Dinge offenbart werden, die der Allgemeinheit so gar nicht schmecken dürften.
Was mich brennend interessieren würde: Wieviel von dieser ganzen Sache nun tatsächlich passiert ist und wo die Filmschaffenden alles die unterhaltsame Schere angesetzt haben, um hieraus verdauliche Kinokost zu gestalten. Aber diese Fragen werden wohl für immer unbeantwortet bleiben. Schade eigentlich. Denn unter “abartig” kann man das Geschehen nämlich tatsächlich einstufen.

 
Nachspann
Geht die Blende auf schwarz, darf man erlöst aus dem Saal spazieren und sich weiterhin mit den Dingen beschäftigen, die wichtig sind. Facebook zum Beispiel. Oder Bier. Oder vielleicht auch etwas ganz anderes.

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