“Das wär zu schön, um wahr zu sein” – meine Worte kurz vor der Sneak. Es war zu schön. Und wurde wahr.
Schon der Trailer hat prophezeit, dass man sich hier mit zwei hochkarätigen Schauspielern wieder in eine Zeit zurückkatapultiert, in der noch nicht die Technik das Sagen hatte und mit austauschbaren Plastikpüppchen dazwischen geklebt zu einem Film zusammengeschustert wurde, sondern hier zählt nur eins: Schauspielerisches Können.

Eben dieses beweisen Ryan Gosling und Russell Crowe einmal mehr in ihrem neusten Film The Nice Guys, in dem es nicht um hypermodernes Rumgeballer oder möglichst ekelhafte Actionszenen geht, sondern der Esprit des zeitgenössischen Verbalhumors gepaart mit einem Festival von Situationskomikmomenten förmlich durch die Decke schießt.

Ganz im Ernst: Da braucht gar nicht viel passieren, sondern es reicht ein klassischer Blick und hier und da ein paar zusätzliche Aktionen im Hintergrund, die aus dem Ding nicht nur die pure Unterhaltung, sondern ein Feuerwerk der guten Laune gedeihen lassen, obwohl das Thema durchaus ernst ist.

Und genau diese tragisch-komische Komponente sorgt hier für einen Film, der solide mit allen Wassern gewaschen ist und so genauso in den 80ern hätte laufen können, als die Vercomputerisierung innerhalb der Filme noch relativ verpönt war. Und damit so eine Kiste auch funktioniert, braucht es Talent, das derart Charme versprüht, damit der Zuschauer am Ball bleibt und sich nicht gelangweilt abwendet. Und glaubt mir: Man verfolgt das Geschehen und will keine einzige Sekunde davon verpassen.

Ob diese Geschichte nun zu den Höhepunkten der Schauspielkarriere eines Herrn Crowe oder Gosling zählen mag, darf jeder für sich selbst beurteilen. Die beiden sind in meinen Augen talentmäßig sowieso derart hoch angesiedelt, dass es allein schon eine Augenweide ist, sie zusammen auf der Leinwand zu erleben, wenn man vergleicht, was einem zeitgleich sonst noch so geboten wird.

Das übertrieben angestrengte Superheldentum, das in letzter Zeit abgöttisch und glanzvoll abgefeiert wird oder das bewusste Wegsehen mithilfe von Neuschauspielern verlässt hier kurzzeitig die Bühne und macht einer Sache Platz: Dem richtig guten, unterhaltsamen und absoluten Must-See-Film der 90er Jahre, in denen hollywoodtechnisch noch alles so war, wie man sich als Kind der 80er eine heile Welt vorstellt.

Klar existierten auch hier Probleme und klar werden die auch im Film thematisiert – und das sogar auf eine dialogreiche und ziemlich elegant eingeführte Art und Weise, so dass dem Zuschauer zwischen seinen Lacheskapaden immer noch genügend Möglichkeit bleibt, über den düsteren Ernst der Lage nachzudenken, die – aufs heutige Zeitalter betrachtet – immer noch hoch aktuell zu sein scheint.

Dennoch hat man als Filmemacher an diesem Punkt einfach alles richtig gemacht und liefert dem Kinobesucher einen Grund, wiederzukommen … um seinen Freunden den Film ebenso zu zeigen und einfach jeden reinzuschleppen, den man irgendwie an die Angel kriegt.

Dass uns so etwas in absehbarer Zeit nicht so schnell wieder von vorne anstrahlen wird, sollte Grund genug sein, seinen Arsch in Richtung Lichtspielhaus zu bewegen und ein .kinoticket für die Vorstellung zu lösen.

Und wer sich den doppelten Gang ins Vorführhaus sparen will, der nimmt einfach gleich all seine Freunde und Familie mit: Mega Spaß und wahnsinnig gute Laune sind bei diesem Streifen sowieso garantiert.

 

.kinoticket-Empfehlung: Nimmt man die ganzen Schundentwicklungen der aktuellen Kinozeit mal aus der Historie des Films raus, landet man ganz schnell wieder in einer Ära, in der Filme grundsätzlich Spaß gemacht haben und es so etwas wie Enttäuschungen nur sehr selten gab.

Und genau da platziert sich The Nice Guys und lässt es ordentlich krachen.

Wer einen Kinoabend plant, der sich mit allen Wassern gewaschen hat und bei dem absolut jeder auf seine Kosten kommt, der macht mit dem Kauf eines .kinotickets in diesem Fall absolut keinen Fehler.

Rein rein rein – dann erinnert man sich immer an den wundervollen Abend zurück, wenn man später beim Zappen mal auf den Film stößt und ihn freiwillig erneut im Fernsehen anschaut.

 

Nachspann
läuft nur in Ton und Buchstaben, Teaser auf Fortsetzungen fehlen, wären jedoch mega wünschenswert.

Kinostart: 2. Juni 2016

Social: www.facebook.com/TheNiceGuys.Film

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