Bryan Cranston ist spätestens seit Breaking Bad ein Publikumsmagnet und begeistert in seinen Rollen immer wieder eine Schar seiner Fans. Wo er früher in Malcolm Mittendrin noch eher die unsichere Rolle dargestellt hat, zeigt er in Why Him?, dass er längst aus dieser Unbeholfenheit entwachsen und in seiner Glaubwürdigkeit ungeschlagen ist (Ja, das hat er in Breaking Bad schon bewiesen …).
Das ihm hier aufgeschusterte Rollenbild stellt er nicht nur perfekt dar, sondern symbolisiert damit schon fast den rettenden Fels in der Brandung, den man im Verbalgaggewitter von James Franco und dessen absolut übertriebener Verrücktheit durchaus braucht, um diese zartlinige Odyssey humoristischen Ausmaßes heil zu überstehen.
Dabei schlägt sich Why Him? weit über dem Niveau deutscher Comedy, auch wenn die Ausflüge oberhalb der Grenzen des guten Geschmacks kaum dominieren. Gerade am Anfang des Films bombardiert man mit einem Gag-Feuerwerk, dass ebenso schrägt wie funktionell ist und damit garantiert die Masse erreicht. Und das erstaunlicherweise nicht auf Fremdschäm-Niveau, sondern durchaus mit Stil und Charme, während der Zuschauer auch hier wieder permanent aus der Wohlfühlzone gekickt wird.
Damit treffen die Macher durchaus den Nerv der Zeit und beweisen, dass selbst das rabiate Sprachbild unserer Generation mit Stil durchleuchtet und gewissenhaft wiedergegeben werden kann, ohne dabei den Intellekt älterer Zuschauer zu vergrämen.
Im weiteren Verlauf des Films verzahnt man sich dann hier und da mit ein paar Längen, wird zeitweise ernster und erinnert sich stellenweise wieder an das Cindy aus Marzahn-Niveau, das allerdings immer wieder abgefedert wird und somit nie richtig zur Geltung kommt. Der Film funktioniert, wenn auch nicht in der Oberklasse sehenswerter Filme.
Sei’s drum: Im Publikum kam er an und überzeugte mit einer überragenden Mehrheit bei den Bewertungen der Sneak-Preview und sorgte somit für positive Stimmung selbst außerhalb der Kinos. Denn: Sogar in den U-Bahnen wurde anschließend fröhlich weiter darüber diskutiert und Späße gerissen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mehr als einmal würde ich ihn mir jetzt auch nicht anschauen, die Witze sind aber durchaus gelungen und treffen moderat den Geist der Zeit.
Das Zusammenspiel zweier Extreme wurde hier wunderbar miteinander verwoben, endet schließlich aber in einer etwas ernstzunehmenderen Länge, die sich zeitweise wirklich zieht.
Das gibt dem Film jetzt nicht den Todesstoß, jedoch spürt man, dass zum Schluss die Luft irgendwie raus ist.
Nichtsdestotrotz ist der Ausflug in diese Welt durchaus als sehenswert zu bezeichnen und erfreut ab Donnerstag hoffentlich auch ein paar mehr Kinogäste.

 
Nachspann
sollte mitgenommen werden, denn hier kommt noch ein bisschen was.

0 votes