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Spider-Man beseelt seit 1962 unseren Planeten und wurde von Marvel-Ikone Stan Lee in Zusammenarbeit erschaffen. 1962 … der Junge ist jetzt also 56 Jahre alt und hat bereits einiges hinter sich: Eine megagroße Fanbase im Comic-Verein aufgebaut, tausende Anhänger, die ihn als Kinder vergöttern und mit ihm großgeworden sind und eine ellenlange Story von Misserfolgen, wenn es um großartige Leinwandkunst geht.

In meinen Augen hat man mit Tom Holland endlich einen vögelbaren Kerl auf die Menschheit losgelassen, der an der Hundeleine von Superstar Iron Man endlich einen vertretbaren Platz in der Arena der Superfighter bekommen hat, die ihn als „Kid“ in der Hero-Szene klar macht und das fiasköse Desaster beendet, was man da bislang angerichtet hat.

Als Musterknabe an den Händen der Avengers versucht man ihn ja seitdem irgendwie zu etablieren, denn: Marvel steht erstmalig vor dem großen Problem, die Scheiße ausbaden zu müssen, die andere angerichtet haben und einen Charakter auf der Leinwand und in den Köpfen der Menschheit zu reseten. Spider-Man ist somit die erste Figur, die man nicht vollkommen aus eigener Herrschaft heraus filmisiert, sondern quasi “eingekauft” hat, um daraus jetzt etwas episches zu gestalten und ihn endlich mit vielen anderen gemeinsam antreten zu sehen.

Und da der Mensch als Spezies dafür bislang einfach zu ungeschickt war, radiert man nun die letzte, störende Komponente noch aus der Rechnung aus: Alle Schauspieler => man gibt den Traum, daraus irgendwann tatsächlich Profit schlagen zu können, nun endgültig auf und versucht sich an den Wurzeln, aus denen Marvel heraus entstanden ist: Comics.

Oder – als Film gesehen – eben Animation. Lego Movie-Gestalter Phil Lord und Chris Miller stehen als kreative Köpfe hinter der Entscheidung, hier einen komplett neuen Animationsstil zu verewigen, der mir in der 2D-Fassung unendlich viel Sorgen bereitet.

Ganz ehrlich? Ich saß in der Pressevorführung und habe mit mir selbst gerungen, wenige Sekunden dieses wahnsinnig fesselnden Plots zu opfern für die Tatsache, nach draußen zu gehen und zu fragen, ob man für die Vorführung die 3D-Brillen vergessen hätte: Die Ränder sind teilweise so unscharf und seltsam gezeichnet, dass man meint, es handele sich hier um 3D – ohne Brille.

Fakt 2: Die Presseveranstalter haben auf die Plot-Sekunden verzichtet und 3D-Brillen ausprobiert und sagten mir hinterher, dass dies auch keinen Unterschied machen würde, was mich zu der dringenden Bitte führt: Verzichtet einheitlich auf die 2D-Fassungen des Films und schaut ihn euch ausschließlich in 3D an, alles andere ist in diesem Niveau eine einzige Zumutung! Dies sahen übrigens auch andere Teilnehmer der Veranstaltung so.

Aber mal davon ab: Der Film bügelt nun die unzähligen Fehler amüsant fröhlich und mit einer völlig neuen Form aus und bringt nun endlich mal charakteristische Ordnung in die verkümmerten Ansichten, die da bislang produziert wurden: Wer sich die unendliche Liste an möglichen Möglichkeiten (spoilerfrei zu bleiben ist manchmal gar nicht so leicht ;-)) auf Wikipedia mal so durchliest, der entdeckt auf einmal ein Potenzial an neuen Film-Chancen, die in mir leichtes Kribbeln hervorrufen und mich leise “Wann? Wann???” schreien lassen.

Die Ideen, mit denen man hier nun endlich mal auf den Tisch haut und Klarheit liefert, sind irgendwie grandios und – besonders hervorzuheben – die düsteren Elemente durch die Bank weg ein einziger Erfolg: Es hat in meiner Filmkarriere bisher noch NIEMALS existiert, dass ein Charakter tatsächlich mit jeder einzelnen Silbe vollkommen ins Schwarze trifft!

Die süffisante Amüsement-Bombe, die man von Marvel sonst so kennt, wurde hier erneut Venom-geprägt wieder aufgegriffen und damit ein Näherungspakt gegründet, der die ansonsten recht eigenständigen Sony-Werke sanft ins Marvel-Universum einbettet und damit großartige Vorarbeit für zukünftige Aufeinandertreffen liefert.

Die Idee, von der Schauspielerei jetzt auf Animation umzuschwenken und damit erstmal überhaupt ein Rahmenkonstrukt zu liefern, damit klar ist: Hier existiert noch viel mehr, als ihr bisher dachtet – und somit auch die Comic-Fangemeinde wieder einzusammeln, finde ich großartig – nur die 2D-Optik war tatsächlich zum Kotzen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine Entscheidung steht außer Frage ohne Diskussion im Raum: Nur in 3D und auf gar keinen Fall in 2D – die unbebrillte Version ist dermaßen zum Kotzen, dass jeder einzelne Cent dafür verschwendet wäre.

Die Großputzaktion, die Marvel als Hintergrundlabel hier durchführt, räumt endlich mit Halbwissen und irgendwelchen Seltsamkeiten rund um das Spider-Verse auf und beendet damit hoffentlich die Misserfolg-Ära dieser Superhelden-Epen und liefert ein amüsantes und vor allem unglaublich breites Feld an neuen Möglichkeiten für kommende Streifen.

Ich sag mal: Rein da, sich den Anfang besehen und hoffen, dass dieser Zug nun endlich vernünftig startet und nicht wieder mit vollem Karacho gegen die Wand fährt, wie es bisher mit Spider-Man-Filmen immer war.

Nachspann
✅ Auch wenn Sony drauf steht: Spider-Man ist ein Marvel-Produkt und ihr wisst, was das heißt: Ja, wirklich bis zum bitteren Schluss!

Kinostart: 13. Dezember 2018

Original Title: Spider-Man: Into the Spider-Verse
Length: 116 Min.
Rate: FSK 6

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