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wenn aus filmen leidenschaft wird

Split

M. Night Shyamalan ist und bleibt Streitpunkt, was die Hingezogenheit zu seinen Darbietungen regisseurhafter Art angeht. Wir alle haben irgendwo sein Debüt geliebt und er wurde von Hollywood danach auch hoch gehandelt, feierte jedoch einen Absturz nach dem anderen und erfreute sich großartiger Verrisse über seine Filmkünste.

Wikipedia lässt mich glauben, er habe sein Comeback mit dem letztjährig erschienenen The Visit gemacht, den ich persönlich aber alles andere als gut fand und der mich eher wissen ließ, dass ich Mr. Shyamalan trotz meiner anfänglichen Liebe nun vollends abschreiben kann und mit Split führt er diesen Weg konsequent fort. Nur, dass diesmal ein Schauspieler mit von der Party ist, den die meisten aus der X-Men-Saga kennen und der sich dort auch schon reger Beliebtheit erfreute.

James McAvoy, seines Zeichens Hauptdarsteller in Wanted, ist mir seit diesem Film auch ans Herz gewachsen, was die Bewertung dieser Sneak nicht unbedingt einfacher machte.

Der Film ist schlecht. Grottenschlecht. Der Plot besteht quasi aus einer Aneinanderreihung von Logiklücken, Filmfehlern, irrationalen Dummheiten, schlechten Schauspielern und: James McAvoy. Letzterer driftet hier mit Hochgeschwindigkeit auf seine Paraderolle zu und beweist einmal mehr die Wandlungsfähigkeit, derer er in seinem Beruf tatsächlich Herr geworden zu sein scheint und liefert ein beispielloses Vergnügen auf der Leinwand, dass scheinbar auch die Massen begeistert.

Jeden, den ich frage, nennt ihn als Grund dafür, dass der Film positiv bewertet wird, was ich anhand der ansonsten für Aufschrei sorgenden Spinnereien, die bei jedem anderen Film als Grund für den totalen Verriss hergenommen werden würden, absolut nicht verstehe.

Was mich daran am meisten gestört hat, war, dass der Film sich quasi von Anfang an permanent selbst spoilert. Die Auflösung kommt viel zu früh, man erfährt durch Andeutungen und direkte Besprechungen, was in der nächsten halben Stunde passieren wird und zeigt das dann einfach der Reihe nach ohne Abweichungen oder sonstige überraschende Wendungen. Der Umgang mit den Charakteren ist auch nicht wohldurchdacht, sondern eher stümperhaft umgesetzt, da die große Pointe sich auch bereits in der zweiten Minute des Films erschließt und somit der Spannung direkt zu Beginn der Kampf angesagt wird.

Aber die Zuschauer werten positiv. Würde ich das Beispiel mal auf Titanic anwenden, käme am Anfang eine Texttafel, auf der stünde:

Die Titanic ist ein großes Kreuzfahrtschiff, dass bei ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammt, in zwei Hälften bricht und anschließend vollends untergeht. Ein junger Mann aus der unteren Klasse lernt auf ihr ein Mädchen der Upper-Class kennen, verliebt sich in sie und stirbt am Schluss bei dem Versuch, sie zu retten.

Dies ist ihre Geschichte.

Hand aufs Herz: Wieviel Spaß würde der Film dann noch machen? Wenn dann alle 10 Minuten irgend ein Schiffsmitarbeiter sagt: “Hey, ich habe gehört, der Kapitän ordnet gleich an, dass die Titanic auf volle Kraft gefahren wird” – und man anschließend den Kapitän sieht, der anordnet, dass auf volle Kraft gegangen wird.

Genau so praktiziert man es bei Split und gibt dazwischen noch genügend Hinweise auf die Auflösung und das Ende, damit es quasi auch der letzte Depp garantiert kapiert.

Und so etwas finde ich nicht gut. Auch nicht sehr gut, sondern erbärmlich schlecht. Damit möchte ich James McAvoy‘s darstellerische Leistungen auch nicht schlecht reden oder klein machen, ihm sei der Erfolg durch diesen Film auch mega vergönnt. Besser wird der Streifen in meinen Augen damit aber trotzdem nicht.

.kinoticket-Empfehlung: Die auf dem Plakat angespoilerten 23 Persönlichkeiten werden von James McAvoy hervorragend umgesetzt und meisterhaft dargestellt.

Der Rest des Films ist ein einziges Desaster, wenn man von so kleinen Gimmicks wie im Nachspann mal absieht. Da ich hier nicht spoilern möchte, kann ich schlecht über die kompletten Dummheiten offen reden (vielleicht in den Kommentaren), jedoch war ich von der Gesamtleistung des Films einfach nur enttäuscht.

Nachspann
❌ Enthält keine weiteren Szenen oder Überraschungen. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 26. Januar 2017

Original Title: Split
Length: 117 Min.
Rated: FSK 16

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2 Comments

  1. Ich halte Titanic für kein gutes Beispiel, da man hier von vorneherein weiß, was passiert und durch die ersten Szenen auch direkt mitgeteilt bekommt, dass Rose überlebt. Also von dem her hat Titanic genau das gemacht, was du kritisierst. Und er hat trotzdem funktioniert.
    Aber ich weiß, was du meinst. Split macht (auch durch das Poster und den Trailer) nie ein Geheimnis daraus, wie er weiter- und ausgeht. Das könnte man aber auch als konsequent ansehen, meinste nicht? Ein Regisseur, der sich von dem Twist-Gelaber freischaufeln will.
    Fand ihn aber auch nicht so bahnbrechend. Wenn auch weit entfernt von grottenschlecht, da er zwar nicht spannend aber dafür unterhaltsam war.

    • Ben

      Twist hin oder her – hier wäre einer perfekt bzw. eignet sich das Material dafür hervorragend und genau dann kommt keiner. Das war enttäuschend.
      Titanic ist im Vergleich dazu auch “groß” genug um zu funktionieren. Diese Größe fehlt Split ganz einfach weswegen man dann mehr auf solche Kleinigkeiten achtet als woanders.
      Unterhaltung war schon da, allerdings fand ich da zB “Lady in the Water” um Klassen besser und unterhaltsamer. Dort wurde von vornherein eine Vorlage für die Ungewöhnlichkeiten geschaffen während man hier alles als natürlich verkaufen will, was so eben bei mir nicht funktioniert hat.

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