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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Adam Driver

The Man Who Killed Don Quixote

Fast 30 Jahre sind vergangen, seit die Arbeiten an The Man Who Killed Don Quixote begonnen haben und die Streitigkeiten und Sorgen rund um dieses Projekt haben immer noch kein Ende gefunden. Terry Gilliam durfte nach langem Hin und Her auf den 71. Filmfestspielen in Cannes sein neuestes Werk nun doch als Abschlussfilm präsentieren.
Auf Nachfrage von mir wurde geantwortet, dass es wohl rechtliche Streitereien unter den Produzenten geben würde, die sich um die Eigentumsrechte des kompletten Stücks drehen und dass bis dato wohl immer noch nicht final geklärt sei, ob Terry Gilliam nun endgültiger Besitzer dieser Klamauk-Kiste ist oder nicht. Bislang wohl schon, darum tourt er jetzt durch die Welt und stellt dieses Projekt im Rahmen von Festivals vor und bringt es demnächst dann auch ins Kino.
Es ist bezeichnend für die Filmbranche – und gerade für den Bereich “Comedy und Spaß” – dass um solche Projekte so ein Terz gemacht wird und man sich nicht einfach zurücklehnt und gemeinsam miteinander lacht.
Terry Gilliam ist unweigerlich verbunden mit Monty Python und zählt daher sowieso zu der verrückten Durchgeknalltheits-Sorte, die sich um schräge Sachen und aberwitzigen Humor kümmert und die Leute zum Lachen bringt. Ein schlechtes Beispiel dafür, wie sehr Kommerz und Geldverdienen die Leute kaputtmachen und etwas eigentlich wunderschönes in seiner Wurzel zerstören kann.
Aber kommen wir zum Film: Der erzählt die Bestsellergeschichte aus dem Jahr 1605 / 1615 und ist eben dort angesiedelt. Und zwar auf obskure Weise mit ein wenig Modernität verknüpft, aber genauso abgedreht und seltsam, wie wir es von der Monty Python-Gruppe gewöhnt sind: Man muss sich auf diese Schrägheit einlassen und darf nicht bei vollem Verstand in den Saal spazieren, sonst wird einem ganz schnell die Birne zu Matsch und der Verstand rausgevögelt.
Man kann also salopp sagen: Mochtest du Python, hast du damit kein Problem. Kennst du die Sketche davon nicht, ist es eine absonderliche Erfahrung, die dich zutiefst verstören und/oder begeistern kann und erwartest du einen ernsthaften Film über irgendwas, bist du an dieser Stelle vollkommen falsch.
Man muss das Buch nicht gelesen haben und auch kein größeres Verständnis für irgendwas mitbringen, sondern sich einfach nur auf diesen “Unsinn” einlassen und darf dabei dann mächtig lachen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es beinhaltet quasi einmal komplett alles, wofür man seinerzeit Monty Python kannte: Klamauk, Unsinn, Schrägheit und Absurdität.
Über diese Handschrift sollte man sich nicht aufregen und auch keine meisterhaften Darbietungen höchster Ebene erwarten, dann klappt’s auch mit dem gelungenen Kinoabend. Wer die damaligen Sketche der mittlerweile aufgelösten Truppe mochte, bekommt hier quasi nochmal eine wunderschöne Zusammenfassung ihres Lebenswerkes.

 
Nachspann
✅ ist durchanimiert, darf also bis zum Schluss genossen werden.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: The Man Who Killed Don Quixote
Length: 133 Min.
Rate: FSK 12

Blackkklansman (mit Gewinnspiel)

Man meint immer, das Leben böte einem unzählige Möglichkeiten und wenn man dann die Geschichte der Menschheit bestaunt, stellt man fest, dass sich irgendwie alles in einer sich immer wiederholenden Zeitschleife verheddert hat. So zumindest macht es mal den Anschein. Nichts aus der Geschichte gelernt, wie man so schön sagt.
Umso erschreckender, dass diese Ereignisse, die in den frühen 1970er Jahren in Amerika tatsächlich so passiert sind, heute immer noch brandaktueller denn je sind und von gefährlicher Brisanz zeugen. Dieses heiß diskutierte Thema jetzt aber unterhaltsam, urkomisch und mit einer Entertainment-Wirkung auf die Leinwand zu bannen, gehört zu den Mammutaufgaben, denen sich Spike Lee gestellt hat, was ihm in meinen Augen auch hervorragend gelungen ist.
Mein Problem damit ist folgendes: Ich habe selbst bei Facebook schon oft bemängelt, dass man mit dem Kritisieren und Zeigen von miserablen Zuständen in sozialen Netzwerken eben jene Zustände unterschwellig auch fördert, weil ihnen Plattformen geboten werden und diese Krankheiten öffentlich zur Schau gestellt werden. Wer also Bilder von Tierquälerei teilt, sorgt gleichzeitig auch dafür, dass der Pool solcher Grausamkeiten niemals aufhört, weil er sich selbst damit verantwortlich macht, diese Dinge zu verbreiten und ihnen Gehör zu schenken und damit eben auch zu “unterstützen”.
Geht man jetzt von der beschränkten Denkweise solcher Fanatiker aus, denen es scheißegal ist, in welchem Zusammenhang Dinge veröffentlicht werden, hat man hier ein wunderbares Werk, dass die Abarten dieses Klans öffentlich zur Schau stellt und man sich sabbernd davorstellen und “goiiiillll” lallen könnte.
Die denkende Bevölkerung wird dem zwar absolut nicht zustimmen, die Plastizität der dargestellten Weltanschauungen brennt sich allerdings extrem ins Hirn und sorgt hier für übermäßig viel Öffentlichkeit, auch wenn der Film dazu die richtigen Zusammenhänge herstellt und das Prädikat “besonders wertvoll” redlich verdient hat.
Manch einer bemängelte ebenfalls die Länge des Werks, die ich zwar auch leicht am oberen Limit reizend, jedoch nicht übertrieben fand, da die Menschen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten, auch gerne darin eintauchen und deshalb für sie der Film gerade lang genug ist.
BlacKkKlansman ist definitiv taugliches Unterrichtsmaterial, was den Verlauf der Geschichte unserer Welt angeht und sollte von vielen gesehen und diskutiert werden, damit derartige Abartigkeiten endlich verstanden und folglich ausgemerzt werden können. Und seinen Spaß hat man dabei auch noch, wenn auch etwas anders, als beim .trailer angenommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet keine Komödie, sondern einen bierernsten Film über eine wahre Begebenheit, der topaktuell ist.
Dann passt die Sache und macht auch im Kino richtig Spaß. Der .trailer verleitet ein wenig zu falschen Erwartungen und führt daher eher zu Enttäuschung, der Film an sich ist spitze gemacht und ob seiner Wahrheit auch erschreckend und offenbar.
Reingehen erwünscht, und darüber nachdenken natürlich auch.

 
Nachspann
❌ bietet keine weiteren Extras, das vorzeitige Verlassen des Saals wird also nicht bestraft.
Kinostart: 23. August 2018
 
G E W I N N S P I E L
Universal Pictures International hat für meine Leser ein kleines Giveaway zum Kinostart bereitgestellt, das ich nun unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlosen darf.
Es handelt sich dabei um zwei großartige DIN-A1-Plakate des Films.
Blackkklansman-1
Wer daran Interesse hat, darf bis einschließlich Mittwoch, den 29. August 2018 hier im Beitrag kommentieren. Die Plakate werden anschließend unter allen Kommentatoren per Zufallsauswahl via random.org verlost.
Gebt bitte hierzu eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch zum Zweck der Adressabfrage erreichen kann, um euch im Gewinnfall die Plakate zuschicken zu können. Alle erhobenen Daten werden nur zur Auswertung des Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und anschließend gelöscht.
Ich drück euch die Daumen und wünsche natürlich viel Spaß im Kino bei dieser unglaublichen Geschichte!

Star Wars – Die letzten Jedi (3D)

14. Dezember 2018 – der Tag, auf den viele Filmfans dieses Jahr hingefiebert haben: Heute ist es endlich soweit – das heiß ersehnte SciFi-Spektakel startet auch hierzulande in den Kinos.

Und dabei reden wir nicht einfach nur von einem Film. Ich meine, seien wir ehrlich: Man kann hinstellen, wen immer man will: Cameron, Nolan, Tarantino oder alle zusammen – kommt Star Wars um die Ecke, spürt jeder Cineast auch auf einmal die Macht, die nicht nur den Filmen innezuwohnen scheint, sondern auch unseren Planeten mächtig im Griff hat. Star Wars hat sich inzwischen zu einer dominierenden Marke etabliert, die nicht nur innerhalb des Kinos das Sagen hat und bestimmt, was um einen herum geschieht.
Wer, was, wieso, weshalb, wo jetzt dazwischen und wie überhaupt?
Fangen wir also mal mit ein klein wenig Erleuchtung für die Nicht-Kenner der Saga (gibt’s die eigentlich?) an und klären ein paar geschichtliche Reihenfolgen:
Alles begann im Jahre 1977 mit Episode IV, die dieses Jahr immerhin ihren 40. Geburtstag feiert und somit selbst schon ein halbes Leben auf dem Buckel hat – gefolgt von Episode V und VI.
Danach (komisch, ich weiß) folgen Episode I, II und III – die innerhalb der Star Wars-Welten allerdings tatsächlich vor Episode IV spielen, gefolgt von dem 2015 erschienenen Star Wars: Das Erwachen der Macht.
Jetzt war irgendwie klar, dass man die Nachfolge-Trilogie auch noch abschließen möchte und dafür braucht man bekanntlich Zeit – ergo schob man noch einen Zwischenfilm (Rogue One) ein, der sich geschichtlich zwischen III und IV bewegt, um jetzt mit Episode VIII zurückzukehren.
Ihr merkt schon: Verwirrung vorprogrammiert. Am einfachsten ist es wohl, sich die Filme in Star Wars-Abfolge anzusehen, dann kann man sich einfach episodenweise vorarbeiten:
Episode I – Die dunkle Bedrohung
Episode II – Angriff der Klonkrieger
Episode III – Die Rache der Sith

Rogue One – A Star Wars Story
Episode IV – Eine neue Hoffnung
Episode V – Das Imperium schlägt zurück
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Episode VII – Das Erwachen der Macht
Episode VIII – Die letzten Jedi
Episode IX
 (folgt noch)
Außerdem hat Disney-Chef Bob Iger bereits verlauten lassen, dass man nach Abschluss eben jeder dritten Trilogie erneut eine Trilogie in den Ring werfen wird, die das ganze Universum dann völlig neu aufarbeitet und quasi mit neuen Charakteren in neuer Umgebung neue Geschichten erfinden wird: Möge der Kapitalismus beginnen!
Aber keine Angst, das hier wird nicht schon wieder ein Disney-Bashing-Artikel, soll aber eine Sache trotzdem ein klein wenig beleuchten: George Lucas gilt allgemeinhin als Erfinder von Star Wars und wurde für sein Vermächtnis an die Filmwelt ja bereits seit Jahren durch Hyper-Fandom und unsäglichen Erfolg geehrt, den u.a. die für damalige Verhältnisse bahnbrechenden Effekte herbeigeführt haben, die heute eher nur unter nostalgischen Gesichtspunkten im Kino noch funktionieren würden (man erinnere sich an die Einmalvorstellungen von Terminator 2 – Tag der Abrechnung, die dieses 1984er Jahre-Gefühl sehr wohl wieder hervorrufen konnten).
Gleichzeitig besitzen die alten Star Wars-Filme von Lucas (also Episode I bis VI) aber auch einen nicht erklärbaren, mystifizierten Geschichtsteil, der durch unsere Hingespinste genährt am Leben erhalten wird und sich bis heute eine große Fangemeinde erkämpft hat. Dieses Fehlen von SciFi-Stumpfsinn, der eben nicht alles in banalen Gut-gegen-Böse-Schlachten enden lässt, hatte etwas Nichtgreifbares, in das wir alle hineingesogen wurden und wo sich jeder Sympathisant irgendwo wohl drin fühlt.
Und damit führt man das Kino seiner Bestimmung zu: Dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn aus seinem Alltag entreißt und in eine andere Welt wirft, die ihn von seinen aktuellen Sorgen erlöst oder ihm einfach unfassbar gute Unterhaltung bietet.
Und genau das konnte einem Episode VII nicht mehr in der Fassung liefern. Die Seele bekam Kratzer – das Unantastbare von Star Wars wurde heruntermoderiert und auf einmal salonfähig gemacht, kapitalverschlungen, seltsam. Und dieser Fakt machte mir unglaublich Angst.
Jetzt saß auf einmal nicht mehr Gründer, Erfinder und Genie am Drehbuchross, sondern die ganze Sache wurde an Disney über- und somit irgendwie dem Abschuss freigegeben. Die Tatsache, dass selbst der “Geduldet euch noch ein Weilchen, bis wir endlich mit dem Hauptfilm fertig sind”-Zwischenfilm Rogue One besser als der eigentliche Hauptfilm war, spricht eigentlich für ein erbärmliches Armutszeugnis, dass da veranstaltet wurde. Und tatsächlich erzählen mir so ziemlich alle Befragten in meinen unzähligen Kurzinterviews immer das gleiche: Der siebte Teil war definitiv der schlechteste.
Damit wäre Disney zu wünschen gewesen, sie hätten sich mit dem aktuellen Teil voll auf die Schnauze gelegt und den Verkauf von Lucas rückabgewickelt, um diese Legende in Ehren zu erhalten und nicht weiter dem cineastischen Tod zuzuführen – oder auf deutsch: Meine Erwartungen waren unterirdisch!
Überhaupt sind solche Reboots ein heikles Eisen, das in den meisten Fällen dafür sorgt, dass man sich als Veranstalter gehörig die Finger verbrennt. Selten geht so etwas tatsächlich gut, ohne alte Fans zu verärgern oder etwas Niedagewesenes zu egalisieren. Und obwohl die etablierte Presse die Nähe zu Teil 4 und 1 eher lobend erwähnt, ist eben jene Gleichstellung beim Volk negativ aufgestoßen, die hierin nur eine billige Kopie der einstigen Originale sahen und daher eher gelangweilt waren. Warum auch sollte man sich keinen Film ansehen, der heute (2017) immer noch genauso funktioniert wie 1977? Genau daran bemisst sich die Größe, die dem Urwerk angediehen ist und die es auch niemals verlieren wird.
Aber kommen wir zu den erfreulicheren Tatsachen: Die Tagespresse schreibt Scheiße über den neuen Film, was gleichermaßen bedeutet, dass der neue Teil absolut gelungen ist. Ehrlich gesagt ist er in meinen Augen so hervorragend gelungen, dass man auch als Nicht-Fan und bekennender Von-Star-Wars-Gelangweilter auf einmal mega Bock auf die Filme bekommt und sich schielend in Richtung Blu-ray-Regal bewegt, um doch einmal einen Blick darauf zu werfen: Er unterhält nämlich in einer unvergleichbar lockeren Art und Weise, die zwar hämisch und ironisch sein mag, diese Humorspitzen aber super ausgewogen mit der eigentlich niederdrückenden Atmosphäre vom Star Wars-Universum mischt und dem Zuschauer ein mehr als erträgliches Megaspektakel vor die Füße wirft, dass sich – im Vergleich zum Vorgänger – dann auf einmal doch wieder ernst nimmt und sehr viel Augenmerk auf die inhaltlichen Aspekte wirft.
Fraglich ist allerdings, ob diese Filme dann tatsächlich noch an Kids gerichtet sind oder man sich eher darauf besonnen hat, die Einstigen, die damit aufgewachsen sind, wieder abzuholen und ihnen etwas zu bieten, dass sie an ihre Zeiten erinnert und somit Versöhnung mit den Kindern der 80er schließt.
Hier steckt unfassbares Potenzial drin, dass man sehr austariert und optisch beeindruckend auf die Leinwand bringt und damit wieder zum Tummeln in den Foyers der Kinos einlädt, um seine Filme nicht nur lapidar auf Streaming-Portalen zu schauen, sondern tatsächlich im Kreise von anderen Fans zu feiern. Und diese Kultur ist es doch, die Cineasten das Herz aufblühen lässt und beweist, dass auch 2017 Kino noch zu den benötigten Orten gehört, die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz haben – trotz all des Onlinewahns, der sich in den letzten Jahrzehnten unter den Menschen so ausgebreitet hat.


Ich persönlich kenne kaum eine Filmreihe, die derlei Reaktionen beim Publikum auslöst, zumindest in regulären Kinos nicht. Das Feeling ist einfach gleich ein ganz anderes, wenn man umgeben von Filmfans ist, die nicht nur zum Schauen, sondern zum Zelebrieren ins Kino kommen und einem dann hinterher auch mitteilen, dass dies nicht die einzige Vorstellung gewesen sein wird, die sie besuchen werden.
In den hastig abgefragten Querschnittsmeinungen heute Nacht ergab sich ein deutliches Bild davon, dass der Film bei diesem Publikum (erste öffentliche Vorführung) sehr deutlich an Sympathien dazugewonnen hat und auch die immense Laufzeit von geschlagenen 152 Minuten wurde von keinem als zu lang empfunden. Im Gegenteil: Man will ja Star Wars und kriegt es auch – und dafür braucht es bekanntlich sehr viel Zeit.
Beim Humoranteil scheiden sich ein klein wenig die Geister: Einige sind der Meinung, man setzt damit zu früh ein, andere meinen, es ist zu viel und typisch Disney, würden sich den Film aber trotzdem nochmal anschauen und das höchstwahrscheinlich sogar gleich dieses Wochenende.
Man spürt deutlich, dass Disney damit das Unfassbare gelungen ist und das Publikum durchaus positiv auf den Streifen reagiert. Man weiß zu überraschen, hat unvorhersehbare Spannungsmomente und führt die Erzählung in Richtungen, die vielversprechend sind und damit Lust auf Kommendes säen. Das Mysterium ist wieder da und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Saat aufgehen wird und man den Bann erneut erweckt, der die Fans ins Kino zieht und damit über den Erfolg dieses Teils entscheiden lässt. Das kommende Wochenende wird genau das zeigen.
Und bevor ich’s vergesse: Laserschwert-Schlachten nicht in 3D anzuschauen ist ein Frevel!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Nicht-Fan empfiehlt es sich spätestens jetzt, in den Film zu gehen, denn der hat enormes Bekehrungspotenzial und kann einen mit der Saga wirklich anstecken: Meine unterirdischen Erwartungen wurden rigoros übertroffen und exorbitant getoppt.
Die nostalgische Note zur historischen Vergangenheit ist genauso gegeben wie der Schritt in neue Zeitalter, die früher oder später angetreten werden müssen. Man ist endlich wieder locker, offenbart sich in erzählerischen Stärken und liefert so endlich das, was Teil VII bisher nicht bieten konnte.
Star Wars: Die letzten Jedi macht Spaß und schürt unstillbare Gier nach weiteren Teilen. Weiter so!

 
Nachspann
bleibt After-Credits-Scene-frei, als Fan gehört es sich aber nicht, bei der Ausklangsmusik schon aus dem Saal zu rennen.
Kinostart: 14. Dezember 2017

Logan Lucky

Als ich damals im Internet auf die Suche nach ein paar Vorabinformationen zu Kinofilmen ging, die ich plante, mir im Kino anzusehen, traf ich auf extrem viele Spoiler, aggressive Meinungen und jede Menge Rücksichtslosigkeit, was das Verraten von Detailinformationen zur Handlung betrifft und mir damit den Genuss komplett zerstörte, weil ich mich jetzt während des Films nicht mehr von interessanten Wendungen überraschen lassen konnte.
Damals dachte ich mir: Warum jetzt eigentlich darüber aufregen, dass niemand so etwas schreibt? Schreib es doch einfach selbst und sei du der Unterschied, den du dir in der Welt wünschst. Gesagt – getan. Fortan habe ich zu jedem Kinoticket, das man mir verkauft hat, eine Rezension geschrieben: .kinoticket-blog.de war geboren.
Steven Soderbergh erging es mit den großen Studios genauso – und ich denke, man kann aus so manchem Interview herauslesen, dass die kreativen Ausflüchte und Risiken, die man als Künstler gerne eingeht, oft (immer?) von den geldeintreibenden Großmächten wieder zurückgestutzt werden und so das geistreiche Schaffen der Regisseure mächtig beschränkt wird. Also warum noch länger damit rumärgern und nicht einfach selbst den Unterschied machen?
Gesagt – getan: Er gründete seinen eigenen Verleih Fingerprint Releasing, dass derzeit in den Kinos mit seinem ersten Großprojekt Logan Lucky am Start ist, dem man diese schöpferische Freiheit vollkommen anmerkt.
Das Bild von traditionell zurechtgestutzten Charakteren fehlt völlig und man verzichtet auf den ganzen massentauglichen Mist zugunsten von Ideen, die spürbar nicht in der Allgemeinheit verankert sind, sondern sich wieder der überaus schwierigen Aufgabe widmen, dem Zuschauer eine neue Form der Unterhaltung zu bieten und ihn gleichzeitig dafür zu gewinnen, so dass er mit einem großen Maß an Befriedigung wieder aus dem Kino raus kommt.
Meiner Meinung (und den Lachern meiner Mit-Zuschauer) nach zu urteilen ist dies auch völlig gelungen. Die schroffe, unnatürliche Art, in unerklärten Gesichtsausdrücken und Handlungsoptionen zu verharren, sie als gegeben zu präsentieren und deren Beweggründe vielleicht auch im kommenden Abschnitt nicht hinreichend (oder auch gar nicht) zu erklären, bezeugt für mich wieder den Mut, den Zuschauer durchaus für fähig dafür zu halten, die logischen Lücken der Profile der Protagonisten durch Eigeninitiative zu füllen und somit für sich selbst ein schlüssiges und funktionierendes Gesamtbild zu erschaffen.
Damit schlägt Soderbergh gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er erspart sich das BILDhafte Idiotenerklärungssystem, dass sich neuerdings in Blockbustern eingeschlichen hat und nutzt zugleich das biologische Belohnungssystem des Zuschauers, um positive Emotionen zu bilden. Und das ist – neben der Geschichte an sich – für mich der eigentliche Coup dieses Films: Der gewagte und lohnenswerte Schritt neben die Spur und damit endlich wieder mal auf erzählerisches Neuland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schon der .trailer war seltsam und der Film offenbart dann, warum: Hier waren kreative Kräfte am Werk, die ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept präsentieren, dass einen Besuch im Lichtspielhaus definitiv sinnvoll erscheinen lässt.
Die Konzeption von Offenlegung der Profile im gleichen Atemzug mit den Stichpunkten der Handlung einhergehend legt man hier eine völlig neue Erzählweise auf den Tisch und schafft es, die Kundschaft von diesem zu überzeugen.
Für mich einen Besuch im Kino definitiv wert.

 
Nachspann
hat leere Taschen und braucht deshalb nicht ausgesessen zu werden.
Kinostart: 14. September 2017

Star Wars: Das Erwachen der Macht (3D)

Ich glaube, kein anderer Film hat je so tiefe Schneisen in den Köpfen der Menschen hinterlassen, wie die Star Wars-Filmreihe. Beginnend mit Episode IV, V und VI erzählt George Lucas eine Geschichte, die nicht nur Science Fiction-Fan-Herzen höherschlagen lässt, sondern selbst zu einem derart intensiven Kult wurde, der heute aus der Filmwelt kaum mehr wegzudenken ist.
Auf diesen Erfolg folgten drei weitere Filmteile, die geschichtlich vorangestellt die Vorgeschichte dessen erzählen sollten, was nunmehr überall bekannt war: Episode I, II und III. Danach war jahrelang Ruhe, zumindest was den Hauptfilmbereich angeht.
Klar ist, dass heutzutage Filme nicht mehr nur einzelne Werke sind, die künstlerisches Gut vermitteln oder wertvolle Botschaften an möglichst viele Menschen weitergeben wollen, sondern hinter jedem Kinobewegtbild-Werk auch ein riesiger Apparat aus Jobmöglichkeiten, Merchandising und anderweitiger Kapitalgenerierung steht.
Und da spielt Star Wars keine kleine Rolle dabei. Mit Lego-Bausets über T-Shirts hin zu Figuren, Taschen und allem, was man sich nur vorstellen kann, wird hier schon seit jeher Geld verdient. Und irgendwie brennt das Feuer des Geldverdienens seit Jahren weiter und weiter. Kein Wunder also, dass Star Wars eine der Filmreihen ist, die auch nach Jahrzehnten noch nicht im Preis gesunken sind, sofern man sich die Werke auf Blu-ray aneignen wollte.
Dazu kommt ein weiterer Meilenstein menschlichen Irrsinns mit auf den Plan: Rechte. Die Rechte an einem Werk innezuhaben ist heutzutage fast schon mehr wert, als irgendwelches Gold im Keller gebunkert zu haben. Warum? Weil mit den Rechten einfach alles möglich ist. Und die hat George Lucas nun irgendwie an Disney vermacht. Der Konzern, der dieses Jahr mehrfach unangenehm damit aufgefallen ist, die Geldpumpe bei kleinen Kinos so dermaßen überzustrapazieren, dass die Kunstkultur Film in punkto Vielfalt bald schwer zu kämpfen haben dürfte, sollten andere Studios ebenfalls auf den Zug aufspringen und die Kinoketten mit derartigen Auflagen belasten.
Dann nämlich stehen wir bald vor dem großen Problem, dass die Vielfalt schwindet und damit eine wunderbare Form von Unterhaltung, geistiger Nahrung und einfallsreicher Ideenvielfalt zerstört wird – zugunsten von … Geld.
Geld, dass von Disney verlangt wird, das kleinere Kinoketten in den Ruin treibt, da diese die mainstreamgeforderten Filme nicht zeigen können, da ihnen notwendige Kompensationsmöglichkeiten fehlen, um das Übermaß an Gier zu befriedigen, damit Disney auf seine Kosten kommt.
Macht dieser Schachzug nun in den kommenden Jahren die Runde, wird bald mehr und mehr auf Wachstum gesetzt und es passiert genau das gleiche wie in der Lebensmittelwirtschaft: Kleinere Betriebe verschwinden, größere Betriebe machen mehr Umsätze, das allseits gepredigte Wachstum macht Schule und die Studiobosse freuen sich ein Loch in ihren Bauch.
Daraus resultierend werden kleinere Filmideen gar nicht mehr umgesetzt, da waghalsige Schritte (die meist zu wahnsinnig spannenden und oft auch aufrüttelnden Filmen führen) gar nicht mehr erst angehört werden, weil mit groß angelegten Dumm-Blöd-Blockbustern viel schneller viel mehr Geld verdient werden kann, als ohnehin schon.
Und da lebt Disney dieses Jahr mit einem Mega-Blockbuster (Avengers – Age of Ultron) eine Unart aus, die ich an dieser Stelle ganz öffentlich mal kritisieren möchte und keinesfalls gut heiße. Gefolgt von erneuten Verhandlungsschwierigkeiten, die es sogar in die Presse geschafft haben bei einem Film, der eben nicht nur eine kleine Trilogie darstellt, sondern weltweites Ansehen genießt und damit wieder tiefe Furchen in die Zeitgeschichte des Films reißen dürfte.
Was erwartet uns nun also, angesichts der Tatsache all der oben genannten Fakten, wenn wir – recht früh – in einen Film spazieren, dessen Vorläufer uns früher mehr oder weniger seicht umschifft haben, da ich nicht einsehe, für 17 Jahre alte Filme knapp 90 € auf den Tisch zu legen?
Auf jeden Fall mal immense Erwartungen, denn allein die Produktionskosten in Höhe von 200 Millionen US Dollar sind ja nun auch kein kleiner Pappenstiel. Oder um es mal anders zu verdeutlichen: Würde man das Budget auf einzelne Personen aufteilen und sagen wir mal 2500 Dollar-Monatsgehalt-Pakete schnüren, könnte man damit sechstausendsechshundertsechsundsechzig Menschen ein komplettes Jahr lang sorgenlos durchs Leben schicken! Und all das für 135 Minuten Unterhaltung.
Rechtfertigt der neue Film nun in meinen Augen das, was dabei herausgekommen ist?
Fakt ist: Mit 200.000 vorverkauften Kinokarten stellt Star Wars: Das Erwachen der Macht mal eben einen neuen Rekord auf. Und ja, die Kinosäle sind tatsächlich voll, weil so ziemlich jeder im Verlauf seines Lebens mal mit Star Wars in Kontakt gekommen ist und – gleichsam mit Jurassic Park oder Bond – nun in Materie reinschnüffeln will, die nostalgisch an das eigene Leben erinnert.
Genau diese Nostalgie wird von der Presse bereits verschrieen, da die Erwartungen hier eben nicht erfüllt wurden. Zu simpel, zu altbacken, zu bekannt, zu vorhersehbar … bei einem solch großen Giga-Event auf der Leinwand sollten derartige Fehler nicht passieren.
Der Streifen vermittelt uns tatsächlich wieder die authentische Geschichte im bekannten Star Wars-Universum, wobei man hier auf bereits vorhandene Elemente verzichtet hat und sich nun tatsächlich wirklich dem Auftakt der nächsten Trilogie widmet: Episode VII, VIII und IX. Die Geschichte wird weitererzählt, damit einhergehend neue Charaktäre eingeführt (und alte in der Gunst der Zuschauer aussortiert) und somit im Prinzip nur der Boden für die Fortsetzungen geschaffen, die geschichtlich da weitermachen, wo Episode VI einst endete.
Betrachtet man die Story und Umsetzung nun aus Augen wie meinen, die weder Fanboy noch Hater repräsentieren, sondern möglichst neutral auf ein Filmwerk schauen, dann dürfte man von der Story leicht enttäuscht sein. Wie Spectre dieses Jahr schon vorgemacht hat, zielt man hier tatsächlich nicht darauf ab, selbst groß zu sein, sondern rollt einfach nur den roten Teppich aus für das, was in kommenden Jahren noch auf uns zuströmt. Und damit verschenkt man Potenzial. Potenzial, dass man für 200.000.000 $ erkauft hat und großangelegt in viele weitere Wirtschaftsbereiche streut.
Technisch ist an den Umsetzungen nichts auszusetzen, monumental und episch hätte ich mir durchaus etwas mehr gewünscht. Den Urtümlichkeiten anhängend in allen Ehren, aber bei diesem Gros an Staraufgebot und filmischer Bedeutsamkeit hätte man hier ruhig die alten Zeiten feiern können, dabei aber durchaus technische Neuerungen involvieren und somit auch hinter der Kamera neue Maßstäbe setzen. Diesbezüglich müssen wir wohl eher auf Avatar 2 hoffen.
In diesem Sinne: Schlecht gepokert.
3D hat der Film auch zu bieten, einige Szenen sind auch ganz hübsch anzusehen, jedoch wird das hier keine Effektorgie, sondern endet eher im mittelprächtigen Feld. Da haben andere Filmchen die Schnauze weitaus mehr am Puls der Zeit. Doch darauf baut man auch kein solides Unterhaltungsmachwerk, weswegen das noch als verzeihlich durchgeht.
Unverzeihlich hingegen finde ich die Tatsache, dass die Story eben nur so dahinplätschert und man nicht so wirklich vom Hocker gerissen wird. Wer nun also kein wahrer Fanboy ist, dem schon allein beim Anblick des Logos einer abgeht, der schaut faszinationsmäßig ziemlich blöd aus der Wäsche. Da wären wir nun also wieder bei der schrecklichen Vorhersehbarkeit, die die Presse unlängst kritisiert hat. Warum also nicht aus bekannten Mustern ausbrechen und selbst die Fans mit gigantisch-neuen Einfällen überraschen, die weder das alte Universum zerstören, noch sich panisch penibel in Zurückhaltung üben?
Ich weiß es nicht.
So bleibt Star Wars: Das Erwachen der Macht in meinen Augen eben nur ein monumentaler Film, der vielen eingefleischten Fans sehr viel bedeutet und dem Rest nicht wirklich etwas sinnvolles zu bieten hat. Die Aufmerksamkeit der Welt hätte man gehabt, das Potenzial aber leider verschenkt, denn herausgekommen ist nur ein weiteres Stück Star Wars-Geschichte ohne großartige Überraschungen oder technische Raffinessen, die einen dann tatsächlich vom Hocker gehaut hätten.
Zuletzt bleibt bei mir die Hoffnung, dass zwischen den Nachfolgern, die für 2017 und 2019 angekündigt sind, noch viele Nischenfilme produziert werden, die die intellektuellen Erwartungen und filmischen Überraschungen dann doch pflegen und somit auch noch Nährboden für etwas anderes als Geldgier vorhanden ist, auf dem sich der Kinogänger ausruhen darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wahre Fans der Star Wars-Filme braucht man sowieso nicht ins Kino schicken, die waren alle schon um 0:01 Uhr zugegen und haben sich den Streifen direkt am Starttag angesehen.
Alle anderen sollten sich überlegen, ob die mittlerweile gigantischen .kinoticket-Preise den Film wirklich wert sind, denn großartige Unterhaltung sieht in meinen Augen anders aus. Was hier geboten wird, ist solide SciFi-Action, die mit altertümlichen Nostalgie-Faktoren spielt und somit die Emotionen vieler Menschen anspricht, die sich im gegenwärtigen Sumpf stumpfsinnigen Fernsehens nicht zu Hause fühlen. Diejenigen sind es dann auch, die im Internet jubilieren und den Film gebührend feiern.
Ich für meinen Teil hätte wesentlich mehr erwartet, denn in meinen Augen ist die Handbremse in dieser Liga noch viel zu angezogen, um hier wirklich von einem bahnbrechenden Kinostück zu reden.

 
Nachspann
darf man sich schenken, hier folgt kein Teaser oder anderweitiger Kram mehr.

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