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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Afrika

Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.

Reiss Aus

© 2019 Abgefahren GbR

Der .trailer reißt einen absolut nicht vom Hocker, in die Vorstellung sollte man unbedingt komplett ohne Vorwissen gehen und anfangs auch ein klein wenig Geduld und Toleranz mitbringen, denn grade da ist es echt schwierig – von der “Einführung” her, die in Wirklichkeit gar keine ist. Man ist einfach sofort drin.

Aber so nach und nach beginnt der Film, tatsächlich die Herzen der Zuschauer zu erobern und man ist irgendwann dabei und fiebert mit, ist gespannt und freut sich über all die Eindrücke, Impressionen und Momente, die Lena und Ulrich hier zum Besten geben.

Man muss dazu sagen, dass dies niemals wirklich “geplant” war, sondern die beiden quasi einfach reisen und ihre Eindrücke – so wie es eigentlich jeder tut, der solche Unternehmungen durchzieht – festhalten wollten, um in erster Linie Bekannte und Familie auf dem aktuellen Stand zu halten. Dass dies dann immer größere Ausmaße angenommen hat, wussten sie anfangs ebenfalls noch nicht, aber genau das ist, was ich an dem Werk letztendlich perfekt finde.

Denn Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum zählt nicht zu den Filmen, die irgendeine Idee aufgreifen, planen und des Films wegen durchziehen, sondern man stellt unfassbar viele Fragen und bleibt einem die Antworten schuldig und filmt einfach nebenher mit. Dadurch wird im Kopf viel angeregt, man sieht einfach die Dinge, man erkennt irgendwann, was hier in Deutschland eigentlich für ein Reichtum und Glück besteht und fängt an, gewisse Dinge, Einstellungen und Gedanken zu hinterfragen und neu einzusortieren.

Genau das ist eigentlich immer ein Aspekt von Reisen: Man kommt hinterher als anderer Mensch wieder zurück. Nun wird sich nicht jeder für zwei Jahre in die Pampa irgendwo in Afrika zwischen Krieg und Terror setzen wollen und erleben, wie es ist, wenn man gebeutelt oder genervt ist – und trotzdem dabei die Schönheit des Landes und der Menschen dort entdecken wollen – dafür dürft ihr euch in ein sauberes, keimfreies, gesundes Kino setzen, euch mit Nahrung eindecken und dann gemütlich den Film genießen – denn die beiden sind bereits für euch ins Auto gestiegen und haben den ungemütlichen Part quasi für alle übernommen.

Doch das wichtigste daran: Auch hier werden unfassbar viele tolle, mutige, schwierige, aber mit Leidenschaft durchgeführte Projekte gefunden, aufgegriffen und die zwei haben bis heute zu allen Personen, die im Film gezeigt werden, regen Kontakt und unterstützen z.B. mit den Filmeinnahmen eben diese Projekte.

Und wie könnte man es schöner schaffen, Menschen in diesen Ländern zu helfen, als mit solch einem Projekt, wo kein Wasserkopf an Bürokratie im Hintergrund all die Spenden und Einnahmen schluckt, sondern direkt und unbürokratisch an Stellen unterstützt wird, die die beiden persönlich bereist und gesehen haben und damit in der Welt wirklich etwas gutes tun?

Hierfür haben sie bereits eine Kinotour in vollem Gange, die das Filmprojekt vorstellt und bei dem sie auch dem Publikum in einem Q&A Rede und Antwort stehen und man sie zu allen möglichen Fragen ausquetschen kann.

Nähere Infos dazu erhaltet ihr hier.

Unter anderem mit dabei sind:

  • Dresden (Schauburg) – 4. März 2019
  • Cottbus (Weltspiegel) – 5. März 2019
  • Berlin (DelphiLUX) – 6. März 2019
  • Potsdam (Thalia Programmkino) – 7. März 2019
  • Leipzig (Passage Kinos) – 8. März 2019
  • Halle (Luchs Kino) – 9. März 2019
  • Magdeburg (Moritzhof) – 9. März 2019
  • Braunschweig (C1 Cinema) – 10. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 11. März 2019
  • Bremen (Schauburg) – 12. März 2019
  • Hannover (Kino am Raschplatz) – 13. März 2019
  • Hamburg (Zeise) – 14. März 2019
  • Oldenburg (Casablanca) – 15. März 2019
  • Soest (Schlachthofkino) – 16. März 2019 (2 Vorstellungen)
  • Dortmund (Schauburg) – 17. März 2019
  • Oberhausen (Lichtburg) – 17. März 2019
  • Düsseldorf (Metropol) – 17. März 2019
  • Köln (Cinenova) – 18. März 2019
  • Marburg (Capitol) – 19. März 2019
  • Herzberg (Central Lichtspiele) – 20. März 2019
  • Jena (Kino im Schillerhof) – 21. März 2019
  • Bamberg (Lichtspiel Kino) – 22. März 2019
  • Schweinfurt (Filmwelt) – 22. März 2019
  • Marktheidenfeld (Movie im Luitpoldshaus) – 23. März 2019
  • Nürnberg (Casablanca) – 24. März 2019
  • … und viele mehr. Schaut einfach auf den Link.
Ulrich und Lena mit ihren beiden Hunden auf der Kinotour im City Kino in München

Im Zuge dessen durfte ich die beiden auch persönlich kennenlernen und möchte euch an dieser Stelle gerne die Projekte kurz vorstellen, die die zwei mit ihrem Tun unterstützen – und die ihr ebenfalls damit unterstützen könnt, euch diesen Film ab 14. März 2019 regulär im Kino zu besehen – oder eben auf der Kinotour zu erscheinen, denn der persönliche Kontakt mit den Hauptdarsteller ist das besondere Etwas, dass Kino eben vor alles andere stellt.

Da wären also die Morocco Animal Aid (Marokko), die sich zum Ziel gesetzt hat, viele Straßentiere zu impfen, zu kastrieren und so für eine gesunde Tierpopulation zu sorgen. Mehr Infos dazu gibt’s direkt hier.

Außerdem Mame Sy’s Kinderhort – La Porte de l’Espoir (Mauretanien), in der Kindern eine Ausbildung ermöglicht wird und dafür gesorgt, dass sie am Tag eine warme Mahlzeit erhalten. Mehr Infos zu diesem tollen Projekt findet ihr hier.

Ebenfalls schon durch den Film Female Pleasure bekannt ist das Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung, durchgeführt von der Target e.V. Rüdiger Nehberg, wo durch Aufklärung die Verstümmelung von weiblichen Körpern verhindert werden soll. Mehr zu diesem Thema findet ihr unter diesem Link.

Zu all den Projekten könnt und dürft ihr Lena und Ulrich auch gerne im Rahmen der Kinotour befragen, sie sind da sehr aufgeschlossen und dankbar für jede Hilfe, egal, in welcher Form.

.kinoticket-Empfehlung: Der Film braucht eine Weile, bis er auftaut und man wirklich drin ist und gespannt mitfiebert, schafft es am Ende aber, dass man sich fühlt, als hätte man die Reise selbst unternommen.

Hier werden extrem viele Projekte im Film gezeigt, die die zwei u.a. mit den Kinofilmeinnahmen weiter unterstützen wollen, um den Menschen auf diesem Kontinent ein besseres Leben bieten zu können und positive Handlungen zu unterstützen. Allein dafür lohnt sich das .kinoticket, dass man am Ende selbst die Erkenntnisse einer Reise mit aus dem Kinosaal trägt, ist quasi ein Geschenk für euch oben drauf.

Nachspann
❌ zeigt alle Sponsoren, Mitarbeiter und Beteiligte an, ist daher ganz interessant zu lesen, muss aber nicht zwingend abgewartet werden. Szenen oder Bilder folgen keine weiter.

Kinostart: 14. März 2019

Original Title: Reiss aus – Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum.
Length: 120 Min.
Rated: FSK 0

Mia und der weiße Löwe

© 2019 StudioCanal

Mia und der weiße Löwe bekam .trailer-Aufmerksamkeit, jede Menge Poster und somit jede Menge Vorschuss-PR mit auf den Weg, wurde dann in den Kinos aber relativ schnell an den Rand gedrängt und verschwindet jetzt fast schon wieder von der allgemeinen Bildfläche.

Ich habe es nun auch endlich geschafft, mir den Film anzusehen und bin mit gemischten Gefühlen wieder raus spaziert. Why?

Ganz einfach: Der offensichtliche Fokus liegt hier ganz klar darauf, Menschen wieder etwas mehr für die Natur und die Lebewesen darin zu sensibilisieren, verächtliche Dinge wie Wilderei oder Safaris zu unterbinden und somit den Lebensraum von teils gefährdeten Spezies wieder in den Köpfen als „unantastbar“ zu markieren.

Begleitet wird dieses Unterfangen von teils wirklich guten Darstellungen von Daniah De Villiers, die sich aus den sonst doch sehr kindhaften Dialogen durch ihre rebellische Art hervortut. Außerdem wird man betört von Bildern und Landschaften, die einem schlicht den Atem rauben und alles in einer goldenen Kulisse eingehüllt, die vor Romantik und Begehrlichkeit nur so strotzt.

Alles in allem also doch sehr positiv und ansehnlich. Warum also gemischte Gefühle?

Wenn zu Beginn bereits die Marken von Luxus-Uhrenlabels als Presenter aufgefahren werden und der ganze Film prinzipiell von Upper-Class-Kapitalismus gefördert und finanziert wird, fühlt sich die ganz Sensibilisiererei doch ein ganz klein wenig heuchlerisch an, da gerade diese Klientel doch diejenigen sind, die in der Regel den im Film verdammten Freizeitaktivitäten nachgehen.

Vorurteile hin oder her: Ein Hartz IV-Empfänger wird sich wohl kaum den Luxus gönnen (können), irgendwo die Big 5 zu schießen und der gemeine Schüler oder die Durchschnitts-Mama hat wohl auch weniger im Sinn, zwingend nach Afrika zu reisen und einem Löwen den Garaus zu machen … da spricht man moralisch tatsächlich diejenigen an, die Geld haben, Zeit haben und denen im Leben der gewisse Kick fehlt … und das sind dann eben auch diejenigen, denen diese Marken tagtäglich auf dem Tablett serviert werden, was nicht gleichbedeutend ist mit „Alle Kunden dieser Marken haben derartige Verlangen“.

Somit fährt man also eine eigentlich gute Absicht auf, und es fühlt sich bitter nach „Ja, schau mal, wir haben doch aber einen Film unterstützt, der …“-Ausrede an, die man zukünftig bei Diskussionen und Vorhaltungen gegenüber Kritikern auffahren kann. Grundsätzlich richtig – aber moralisch wirklich vertretbar?

Und damit verkommt Mia und der Weiße Löwe zu einem gut produzierten, gut geschauspielerten Werbe-Image-Film für die angebliche moralische Gesundheit teurer Luxus-Klientel, die – sofern sie derartigen Aktivitäten nachgehen und sie in Social Media Kanälen präsentieren – regelmäßig mit Shitstorms überhäuft werden.

.kinoticket-Empfehlung: Beeindruckende Landschaften, tolle Aufnahmen, solides Schauspiel und eine fragwürdige Produktionsmoral, die hinter diesem Film steckt: Hier haben meiner Meinung nach die Falschen die Strippen gezogen.

Alle guten Absichten in allen Ehren: Wenn man Dinge verdammt und selbst zu denjenigen zählt, die quasi mehr oder weniger allein dafür in Frage kommen, darf zumindest gezweifelt werden – was ich hiermit aufrecht tue.

Nachspann
✅ enthält tolle Landschaftsaufnahmen, die aber die Handlung nicht weiter vorantreiben. Darf also jeder selbst entscheiden, ob man sitzen bleibt oder geht.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: Mia et le Lion Blanc
Length: 97 Min.
Rated: FSK 6

Fly, Rocket Fly! – Mit Macheten zu den Sternen

Beim Plakat könnte man an einen zweitklassigen Film aus den 70ern denken, der Titel reißt vielleicht auch nicht jeden vom Hocker und wenn man beim näheren Hinsehen dann auf das Wort “Dokumentation” stößt, schreckt das die restlichen Interessenten wohl auch noch ab.
Habt ihr ein Glück, dass ich so kinoversessen bin und wirklich überall reingehe. Ich hab nämlich anfangs auch gedacht: “Naja, was soll da schon kommen” – saß dann drin und wurde sofort gepackt.
Leute? Das Ding steht in der Topliste diese Woche – und das nicht ohne Grund!
Fly, Rocket Fly schafft es, dem Zuschauer deutsche Raumfahrtgeschichte so packend zu verkaufen, als würde es gerade erst passieren. Man spürt förmlich den Drang und die Lust auf Abenteuer, neue Welten zu entdecken und auch, wenn man kein SciFi-Fan ist, erlebt man doch, was die Raumfahrt mit den Menschen anrichtet, und das am eigenen Körper.
Dieser Rausch nach mehr, dieser Rausch, über sich selbst hinauszuwachsen und etwas zu vollbringen – und dabei die unglaublichsten Dinge zu erleben … Manches davon ist so irre, dass es unmöglich erscheint – und dem entgegen steht, dass dies hier keine Mockumentary oder Fake-Doku ist, sondern ausschließlich Archivmaterial verwendet und damit zu 100% auf glaubwürdige Quellen zurückgegriffen wurde.
Und von Raumfahrt mal abgesehen: Zeitgleich erlebt man, wie diese Welt funktioniert, wie politisch manche Sachen gehandhabt werden und bekommt einen wunderbaren Einblick in menschliche Wesenszüge, die das Potenzial haben, immer die abartigsten Dinge aus allem zu schlagen.
Fly, Rocket Fly ist ein Kinoerlebnis, dem man sich unter keinen Umständen entziehen sollte. Ich weiß nicht, warum man so zurückhaltend mit der Presse umgeht oder auch sonst nichts von diesem Projekt hört und sieht, aber ihr habt als Zuschauer die Möglichkeit, die kleinen Säle zu füllen und dem Verleih zu zeigen, dass genau so etwas gerne geschaut wird – es lohnt sich und ist dermaßen spannend und unterhaltsam, dass der Kinoabend auf jeden Fall gesichert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Deutschland vor der USA im Weltraum?
Dieser Film erzählt eine unglaubliche und zu 100% wahre Geschichte und deckt dabei menschliche und politische Machenschaften auf, ohne auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen. Es ist DIE dokumentarische Überraschung überhaupt, die jeden einzelnen, der sie bereits gesehen hat, absolut verblüfft hat.
Ein .kinoticket für diesen Film zu lösen, ist nicht nur lohnenswert, sondern Pflicht! Geht da rein und lasst euch von dieser unfassbaren Story mitreißen!

 
Nachspann
❌ wartet nicht mit neuen Sequenzen auf, man darf also wieder nach draußen und in den Himmel starren. 🙂
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Fly, Rocket, Fly
Length: 90 Min.
Rate: FSK 12

7 Tage in Entebbe

Daniel Brühl gilt als deutsches Schauspielwunder und tatsächlich erfreuten sich auch einige Kinonachbarn an meiner Seite, als sein Name auf der Leinwand auftauchte und man wusste: Dieser Film wird wieder richtig gut!
So manch einer beschwert sich zwar über die zunehmende Anzahl “wahrer Begebenheiten”, die derzeit wie am Fließband abgespult und durch die Ränge in den Filmtoplisten gezogen werden, Fakt ist aber: Es ist eine funktionierende Möglichkeit, heutige Generationen, die quasi mehr oder weniger im hermetisch abgeriegelten Whatsapp-Gruppendiskussions-Zirkel aufgewachsen sind, die Geschichte der Welt zu lehren und sie aus vergangenen Taten und Fehlern der Menschheit lernen zu lassen.
Nach der Vorstellung habe ich mit einigen gesprochen, die die Live-Aktivitäten damals noch im Fernsehen verfolgt haben und quasi “aus erster Hand” erzählen konnten, wie es war und dass dieser Film das auch unglaublich gut rüberbringt.
Das Thema ist ernst – brandheiß und mit unglaublicher Sorgfalt beleuchtet worden und die Kombination, mit der man hier an die Erzählweise herangeht, ist bislang einzigartig.
Ich glaube, nur sehr wenige, aufgeschlossene Menschen werden diesen Film in seiner Gänze begreifen und ihn als das Kunstwerk verstehen, dass er tatsächlich ist. Es gehört allein schon übermenschliche Körperbeherrschung dazu, das zu vollführen, womit man im Nachspann verwöhnt wird – und ich glaube, dass diese Art Darstellung von vielen einfach missverstanden wird, weil eben mal absolut keine Standarderwartungen ausgeführt und erfüllt werden, sondern man sich völlig neu mit geschichtlichen Ereignissen auseinandersetzen muss aus einer Warte heraus, die so manch einem vielleicht nicht von Anfang an schmeckt.
Und die Riege an Schauspielern vollführt hier wahre Wunder: Es wird so überzeugend, ehrlich und realitätsgetreu gespielt, dass wirklich keine Zweifel an der Echtheit der Erzählung bestehen und man sich sehr gut in die Lage dessen hineinversetzen kann, auch wenn mir das von “politischer Seite” manchmal etwas zu “plump” wirkte. Die Inszenierung an sich ist aber den Besuch auf jeden Fall wert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Was einem hier vorgelegt wird, ist hochkarätige Kunst auf ganz hohem Niveau!
Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde fürs Kino erzählbar aufbereitet und von einer Mannschaft erneut zum Leben erweckt, die ihre Arbeit wahrlich versteht! Die Bilder, die Inszenierung und das Gesamtwerk gehören für mich weder zu Dokumentation, noch zu Unterhaltung, sondern sind wahrhaftige Kunst, die zu würdigen dem Standard-Zuschauer wohl schwer fallen dürfte.
Versprecht mir, dass ihr trotz allem in diesen Film geht – Avengers: Infinity War ist bis dahin noch nicht ausgekämpft, sondern der läuft nächste Woche noch genauso.

 
Nachspann
Zieht euch diese Körperbeherrschung rein – auch wenn es vielleicht absurd wirkt … probiert es mal aus – es ist unfassbar, was uns da vorgesetzt wird. Haut nicht vorher ab.
Kinostart: 03. Mai 2018

Alibi.com

Früher hat man das französische Kino ausnahmslos gelobt. Der geniale Einfallsreichtum und die unverbrauchte Frische gegenüber den ausgedienten Hollywoodschinken war eine völlig neue Erfahrung im Kino.
Mittlerweile haben sich einige Schauspieler zu internationalem Ruhm emporgearbeitet, die nun – gleichsam wie in der großen Filmschmiede – zum Aushängeschild mutieren und dafür sorgen, dass die Hinter-den-Kulissen-Arbeiter nicht mehr soooo sorgfältig beim Auswählen ihrer Sprüche und Einfälle sind, da man sich auf bereits erreichte Erfolge stützt und darauf hofft, dass die aktuellen Werke daran anschließen.
Und genau dieses Eingefahren sein, dass sich damit ausbreitet, macht mir als Vielkinogänger und Filmjunkie extreme Unlust, denn ein zweites Hollywood ist nicht nur überflüssig, sondern befreit uns damit auch von der Andersartigkeit und Vielfalt, die mit internationalen Filmerschaffern einhergeht. Und genau diese Vielfalt sollten wir erhalten.
Alibi.com dreht den Spieß nun wieder um und orientiert sich an den ursprünglichen Werten französischer Komödien: Man stellt keine bekannten Leute auf die Leinwand, sondern sorgt sich wieder um einen herausragenden Plot, der mit Genialität besticht und den Zuschauer von Anfang an auf einen unglaublich irren Trip durch die Filmgeschichte mitnimmt.
Es ist wieder an der Zeit, die Zuschauer darauf vorzubereiten, dass man zum Verstehen all der vielen Anspielungen unglaubliches Filmwissen und Vorkenntnisse mitbringen sollte, um das gigantische Ausmaß an Gags hier voll auszuschöpfen.
Bei einigen Dingen wird nachgeholfen und so manche Alliteration verstehen auch Unmündige, und genau das hat mir Anfang der Woche im Saal extrem Spaß gemacht: Man wurde für sein Filmwissen belohnt und durfte von einem Lacher zum anderen segeln.
Der einzige Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte, ist folgender: Ab einem gewissen Punkt nimmt sich der Film selbst nicht mehr wirklich ernst und driftet dabei etwas spurverloren über die Geschwindigkeit, die er anfangs aufgebaut hat. Ohne dabei sein Ziel wirklich zu verlieren, erlebt man während dieser Fahrt einen Moment der Unsicherheit, der zwar zum Ende hin wieder aufgefangen wird, aber aus einem möglichen sensationellen Erfolg “nur” einen Kinofilm macht, den man zwingend mit Freunden in vollen Sälen besucht haben sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die typisch gewordene French Comedy wurde durchbrochen und durch ursprünglichen Wind ersetzt, der die Segel wieder herrlich weit aufbläht und hier für ordentlich Fahrt sorgt.
Das enorme Ausmaß an filmübergreifenden Gags ist allein einen Besuch wert und die Idee als solches sorgt definitiv für Spaß in den Reihen.
Schnappt euch ein paar Freunde, fahrt ins nächstbeste Kino und genießt die Show – es lohnt sich!

 
Nachspann
Selten so gelacht. Also: Sitzenbleiben!
Kinostart: 3. August 2017

Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Ein Freund meinte zu mir: “Es ist nicht schlimm, wenn du ihn nicht gesehen hast, es ist aber auch nicht schlimm, wenn du ihn gesehen hast.” und sprach damit dem Film einen studentisch-professionellen Auftritt zu.
Und in der Tat: Es ist endlich mal nicht das samtweiche 3D-Rendering, welches man sonst aus animierten Filmen so kennt, sondern man hat sich anderer Technik bedient und damit wieder mehr dem Independent-Kino zugewandt. Dieser Schritt macht sich auch im Drehbuch und bei den darin befindlichen Problematiken bemerkbar. Man wollte sich wieder auf den Inhalt konzentrieren und ließ die Technik (aus Kosten- oder anderen Gründen) mal außen vor, um ein liebenswürdiges Stück Kinderfilmgeschichte zu schreiben, dass sich durchaus sehen lassen darf.
Dabei erleben die kleinen Tierchen im Laufe ihres Jahres einiges an Erlebnissen, die zwar typische Merkmale aufweisen, jedoch genauso Parallelen zum Leben eines Kindes ziehen und damit Hilfestellung für Entscheidungen im jungen Alter geben. Die unterschwellige Moral, die hier im Hinblick auf Freundschaft, Ziele erreichen und Über sich hinauswachsen gegeben wird, ist löblich und wurde überzeugend dargestellt und umgesetzt.
Dass man es als Erwachsener eher schwer hat, die ganze Laufzeit über voll bei der Stange zu bleiben, geht in der Aufmerksamkeit und Begeisterung der jüngsten Kinozuschauer gänzlich unter, denn man ist genügend damit beschäftigt, die Kleinsten zu beruhigen und in diversen Szenen über das Geschehene aufzuklären.
 

.kinoticket-Empfehlung: Damit hat man einen Film, den man Kids auf jeden Fall bedenkenlos vorsetzen kann, aus der man nicht nur eine positive Moral, sondern auch löbliche Grundsteinlegung fürs weitere Leben ziehen kann.
Die Independent-anmutende Animation ist erfrischend anders und sorgt auch hier wieder für ein Stück Abwechslung im Pfuhl der sonstigen Animationsfilme.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten.

True Story

Zeitungen haben in der Geschichte der Menschheit schon immer eine große Rolle gespielt und mit dem urtümlichen Gedanken reiner Nachrichtenlieferungen ging auch schon immer der süße Duft von Irritation, Meinungsbildung und Verschwörung einher. Je größer die Zeitung, umso packender das Potenzial an möglicher Verworrenheit, derer Geschichten entstammen, die durchaus würdig für die verfilmte Umsetzung auf Kinoleinwand sind.
True Story ist so eine Geschichte, in der Michael Finkel, glamourös gespielt von Jonah Hill, einem Geheimnis auf die Spur geht und einen Menschen kennenlernt, der sein Leben gehörig durcheinander bringt.
Was mich beim Schauen zutiefst beeindruckt hat, war das Portraitieren der unterschiedlichen Charaktere, die diesen Film beleben. Die Art des Herantastens, das Zusammenfinden, der Hass und die Freundschaft – all das wurde hervorragend von Regisseur Rupert Goold umgesetzt. Franco und Hill liefern sich hier ein Duell der Meisterklasse und überzeugen beide mit Schauspielkunst, bei der man wahrlich von Können reden darf. Die sonstigen, zumeist blödeleibehafteten Filme, in denen Hill gerne eine Hauptrolle übernimmt, darf man getrost beiseite legen, denn hier wartet er mit einer Professionalität auf, die einen an The Insider erinnern lässt, in dem Pacino und Crowe selbiges erbringen.
Erfreulich zu sehen, dass auch die jüngeren Schauspieler meiner Jugend langsam erwachsen und ernsthaft werden und durchaus anspruchsvolles Kino abliefern können. Das Ende des Films ließ einen zwar etwas betreten zurück, da es sich hier jedoch um eine wahre Geschichte handelt, blieb den Machern kaum etwas Spielraum für kreative Freiheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf die Verfilmung von Büchern steht, darf sich dieses Werk durchaus auch mal zu Gemüte führen, in dem nicht nur ein weiteres Buch verfilmt, sondern auch mal gezeigt wurde, wie ein Buch entsteht.
Die schauspielerischen Leistungen überzeugen derart, dass man die Ernsthaftigkeit der Lage und die charakteristischen Ausprägungen der Emotionen jeder Partei glaubhaft abkauft und somit nicht nur professionell unterhalten, sondern auch intellektuell ein wenig gefordert wird.
Ein Film, der einen für knapp anderthalb Stunden in eine Welt entführt, die der Normalbürger in der Regel nur von der anderen Seite des Spiegels kennt. Sehr interessant und ob der Dialoge ein Werk, dass Tiefgang-suchende Kinogänger sehr wohl anzusprechen weiß. Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier wurde klassisch alles bereits im Hauptartikel gesagt.

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