.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Afroamerikaner

Green Book – Eine besondere Freundschaft

© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Inzwischen wurde dieser Film bereits mit einigen Auszeichnungen und auch bei der Mutter der Krönungsprozesse – den Academy Awards – mit reichlich Nominierungen bedacht, und das zu guter Recht. Kürzlich durfte sich eine große Fangemeinde der Sneak Previews über diesen Titel freuen und dabei ist etwas passiert, das – zumindest in meinem Kino – vorher noch nie vorgekommen ist: Bei den Bewertungen wurde 100% top erreicht!

Und das sagt tatsächlich etwas aus.

Green Book bewegt sich zwar zeitlich wieder in vergangenen Tagen, verarbeitet dabei aber eine aktuelle Botschaft und das auf eine Weise, die förmlich nach Nachahmung schreit! So galant ein so exzessives Thema zu umgarnen, dem Zuschauer einfach die Fakten zu präsentieren, ihn aber nicht in die Bedrückung zu reiten, sondern trotzdem lachen zu lassen, gleichsam aber einprägsam zu vermitteln, was es bedeutet, so von allen behandelt zu werden – hier haben die Macher ein Meisterstück geleistet!

Selten war ein ernstzunehmender gesellschaftlicher Kahlschlag so unterhaltsam und kurzweilig, selten wurden die grässlichen Eigenschaften des Menschen mit so viel Kultur und Esprit verknüpft, selten hat es so viel Spaß gemacht, sich mit einem der düstersten Kapitel der Menschheit auseinanderzusetzen.

Ja, das alles hört sich ziemlich wirr an. Auch, wenn dieses Jahr bei den Academy Awards viele Filme dabei sind, die es redlich verdient haben, ausgezeichnet zu werden: Dieser hier zählt zu denen, die man vorher definitiv gesehen haben sollte – und zwar nicht, um ihn irgendwie zu pushen, sondern weil er einfach 100% spitze ist.

In meinen Augen haben beide – Viggo Mortensen und Mahershala Ali – verdient, mit den Goldjungs nach Hause zu gehen, auch wenn das Ergebnis sicher anders aussehen wird. Gleichsam hätten die Drehbuchautoren und Plot-Schreiber verdient, honoriert zu werden, auch wenn deren „Einfälle“ auf wahren Ereignissen beruhen und die Story damals tatsächlich so stattgefunden hat.

Und da hört‘s nicht auf: Der Soundtrack … diese Musik ist absolut meins! Ein Titel nach dem nächsten, die verschiedenen kulturellen Ausflüchte, der Beat, die Sound-Totale im schwarzen Kinosaal: Hier braucht‘s die richtigen Boxen, um das vollends ausleben zu können und man tut sich selbst einen Gefallen, doch den größeren Saal zu buchen, statt im Dorfkino zu schauen, auch wenn der Film in seiner Aussage dort genauso wirkt.

Ihr merkt: Je mehr Arbeitsbereiche man vom Film aufdeckt, umso mehr erkennt man, dass an den 100% was wahres dran ist. Und das lässt für mich nur einen Schluss zu:

.kinoticket-Empfehlung: Geht rein! Unbedingt!

Hier gibt es absolut nichts auszusetzen: Nichts an der Geschichte, nichts an der Umsetzung, nichts an den Charakteren, nichts am Setting, nichts am Soundtrack, nichts an der Aussage, nichts am Humor, nichts am ganzen Film: Das Ding ist ein absoluter Volltreffer und muss von jedem von euch gesehen werden!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 31. Januar 2019

Original Title: Green Book
Length: 130 Min.
Rated: FSK 6

Blackkklansman (mit Gewinnspiel)

Man meint immer, das Leben böte einem unzählige Möglichkeiten und wenn man dann die Geschichte der Menschheit bestaunt, stellt man fest, dass sich irgendwie alles in einer sich immer wiederholenden Zeitschleife verheddert hat. So zumindest macht es mal den Anschein. Nichts aus der Geschichte gelernt, wie man so schön sagt.
Umso erschreckender, dass diese Ereignisse, die in den frühen 1970er Jahren in Amerika tatsächlich so passiert sind, heute immer noch brandaktueller denn je sind und von gefährlicher Brisanz zeugen. Dieses heiß diskutierte Thema jetzt aber unterhaltsam, urkomisch und mit einer Entertainment-Wirkung auf die Leinwand zu bannen, gehört zu den Mammutaufgaben, denen sich Spike Lee gestellt hat, was ihm in meinen Augen auch hervorragend gelungen ist.
Mein Problem damit ist folgendes: Ich habe selbst bei Facebook schon oft bemängelt, dass man mit dem Kritisieren und Zeigen von miserablen Zuständen in sozialen Netzwerken eben jene Zustände unterschwellig auch fördert, weil ihnen Plattformen geboten werden und diese Krankheiten öffentlich zur Schau gestellt werden. Wer also Bilder von Tierquälerei teilt, sorgt gleichzeitig auch dafür, dass der Pool solcher Grausamkeiten niemals aufhört, weil er sich selbst damit verantwortlich macht, diese Dinge zu verbreiten und ihnen Gehör zu schenken und damit eben auch zu “unterstützen”.
Geht man jetzt von der beschränkten Denkweise solcher Fanatiker aus, denen es scheißegal ist, in welchem Zusammenhang Dinge veröffentlicht werden, hat man hier ein wunderbares Werk, dass die Abarten dieses Klans öffentlich zur Schau stellt und man sich sabbernd davorstellen und “goiiiillll” lallen könnte.
Die denkende Bevölkerung wird dem zwar absolut nicht zustimmen, die Plastizität der dargestellten Weltanschauungen brennt sich allerdings extrem ins Hirn und sorgt hier für übermäßig viel Öffentlichkeit, auch wenn der Film dazu die richtigen Zusammenhänge herstellt und das Prädikat “besonders wertvoll” redlich verdient hat.
Manch einer bemängelte ebenfalls die Länge des Werks, die ich zwar auch leicht am oberen Limit reizend, jedoch nicht übertrieben fand, da die Menschen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten, auch gerne darin eintauchen und deshalb für sie der Film gerade lang genug ist.
BlacKkKlansman ist definitiv taugliches Unterrichtsmaterial, was den Verlauf der Geschichte unserer Welt angeht und sollte von vielen gesehen und diskutiert werden, damit derartige Abartigkeiten endlich verstanden und folglich ausgemerzt werden können. Und seinen Spaß hat man dabei auch noch, wenn auch etwas anders, als beim .trailer angenommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet keine Komödie, sondern einen bierernsten Film über eine wahre Begebenheit, der topaktuell ist.
Dann passt die Sache und macht auch im Kino richtig Spaß. Der .trailer verleitet ein wenig zu falschen Erwartungen und führt daher eher zu Enttäuschung, der Film an sich ist spitze gemacht und ob seiner Wahrheit auch erschreckend und offenbar.
Reingehen erwünscht, und darüber nachdenken natürlich auch.

 
Nachspann
❌ bietet keine weiteren Extras, das vorzeitige Verlassen des Saals wird also nicht bestraft.
Kinostart: 23. August 2018
 
G E W I N N S P I E L
Universal Pictures International hat für meine Leser ein kleines Giveaway zum Kinostart bereitgestellt, das ich nun unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlosen darf.
Es handelt sich dabei um zwei großartige DIN-A1-Plakate des Films.
Blackkklansman-1
Wer daran Interesse hat, darf bis einschließlich Mittwoch, den 29. August 2018 hier im Beitrag kommentieren. Die Plakate werden anschließend unter allen Kommentatoren per Zufallsauswahl via random.org verlost.
Gebt bitte hierzu eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch zum Zweck der Adressabfrage erreichen kann, um euch im Gewinnfall die Plakate zuschicken zu können. Alle erhobenen Daten werden nur zur Auswertung des Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und anschließend gelöscht.
Ich drück euch die Daumen und wünsche natürlich viel Spaß im Kino bei dieser unglaublichen Geschichte!

Creed – Rocky's Legacy

Die Alten werden älter, vergangene Zeiten reihen sich in die Geschichtsbücher ein und manche begehren davon nochmal auf und rufen historische Erinnerungen wach, um damit zu signalisieren, dass sie noch nicht untergegangen sind.
Dieses Gefühl hatte ich, als Sylvester Stallone mit seiner The Expendables-Reihe anfing und so ziemlich alle bekannten Helden vergangener Jahrzehnte zusammentrommelte, um nochmal einen großen Coup zu landen.
Was daraus geworden ist, ist längst Filmgeschichte. Jedoch denkt man bei Stallone nicht nur an seine heldenhaften Zeiten im Wettstreit mit Arnold Schwarzenegger, sondern verbindet ihn auf jeden Fall mit einem: Rocky.
Die inzwischen in die Jahre gekommene Filmreihe umschließt neben vier Rocky-Fortsetzungen und Rocky Balboa nun noch einen weiteren Teil, der sich geschichtlich mit in die Story einreiht, in dem Stallone sein Vermächtnis nun nicht im Nirgendwo enden lässt, sondern ruhmreich an die Spielerschaft unseres Jahrzehnts abgibt.
Man merkt, dass dieser Mann alt geworden ist und fühlt sich als Zuschauer direkt zurück in die 90er versetzt, wo er die Glanzblüte seiner Zeit feierte. Ganz im Sinne der “old school”-Methoden gibt er seinen Namen nun nicht für billige Cremes oder Weichspülmittel her, sondern übergibt innerhalb der Filmwelt seine Berühmtheit an neue Schauspieler, die von ihm lernen und in seine Fußstapfen treten sollen.
Somit hat man nicht das Gefühl, einem Reboot erlegen zu sein, sondern empfindet es eher als eine Art Staffelstabweitergabe, die die Geschichte zwar erneut aufzurollen versucht, dabei aber nicht in Nostalgie schwelgt oder Altbekanntes wiederkäut.
Sehr bewundernswert fand ich die klare Struktur, mit der man sich auch hier keineswegs von neuartigen Methoden hat beeindrucken lassen, sondern nicht nur wörtlich, sondern auch faktisch hinter den Kulissen nach den klassischen Motiven gedreht und somit eine Geschichte erzählt hat, die zwar ganz klar im Box-Genre anzusiedeln ist, jedoch nicht – wie bei Tanzfilmen oft der Fall – das Schema F hirnlos abfrühstückt um möglichst vorhersehbar zur Ziellinie zu kommen.
Klar darf man hier keinerlei Vergleiche zu z.B. Southpaw ziehen, der storytechnisch wesentlich brutaler und eindringlicher von der Leinwand herunterpolterte, sondern sollte eher einen Hauch von Spectre in die Wertung einfließen lassen, denn Rocky ist in diesem Genre fast schon das Maß der Dinge und somit einer von den Großen. Dementsprechend viel Ruhe und Bodenständigkeit findet sich hier wieder.
Es geht eben nicht im klassischen Sinne um die Ziel- und Sinnfindung eines Lebens, sondern die Erzählung wird mit sehr viel Ruhe, Ausgeglichenheit und Zeit zum Nachdenken in den Saal getragen und schwängert dort vor sich hin. Sollte man sich also auf die heiße Action freuen, die frenetisch zum Mitjubeln aufruft, ist man mit dem Griff zu Southpaw wesentlich besser bedient. Hat man Zeit für eine Story, die auf Bodenständigkeit und Niveau setzt, dann ist Creed – Rocky’s Legacy die richtige Wahl. Fans von Boxsport kommen hier definitiv auf ihre Kosten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die alten Filme aus der Rocky-Reihe mochte, sollte sich auf jeden Fall den neusten Teil nicht entgehen lassen.
Freunde von Boxsport und Nostalgiker der 90er kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Sympathisanten von Sylvester Stallone und Michael B. Jordan.
Die Geschichte wird nicht wiedergekäut, sondern differenziert-perspektivisch neu überarbeitet und somit gelungen in unser Jahrzehnt transportiert. Dabei fallen die unübersehbaren Trends der 90er schwer ins Gewicht und hauchen dem Gesamtwerk eine nostalgische Frische ein.

 
Nachspann
darf man gemütlich über sich ergehen lassen, da hier nicht nur mit Buchstabensalat gearbeitet wird. Also ganz gelassen, genau wie vorher in dem Film.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén