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Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Jason Bourne

Juhu, endlich wieder ein Jason Bourne-Film, der auch die konservativen Kinogänger wieder ins große Wohnzimmer lockt und die Geschichte von … Jason Bourne erzählt, die wir alle in äh … vier vorherigen Teilen bereits ausführlich kennengelernt haben.
Genauso fühlt man sich, wenn man den Titel liest, den Trailer sieht und schließlich ins Kino spaziert, um zu schauen, was daraus nun geworden ist.
Jason Bourne gehört für mich zu den Großen im Filmbusiness, der eine weitreichende Masse an Menschen erreicht und somit auch internationale Werte vermitteln kann, die dem Zuschauer eingeprägt und somit lehrreich untergeschoben werden können, während der unwissend im Kino sitzt und sich angeblich unterhalten lässt.
Und zu unterhalten weiß der Film in seiner Weise schon, auch wenn für den eingefleischten Cineasten die tatsächliche Offenbarung irgendwo fehlt, denn alles war schon mal da, alles hat es schon mal in irgendeiner Form gegeben und so wirklich beeindruckend und neu ist dabei nichts.
Dass man in puncto Action und Aufruhr nun die Schrauben etwas angezogen hat, dass alles ein klein bisschen größer und gewaltiger erscheint und man sich wohl auch irgendwo darüber im Klaren ist, dass die mysteriöse Verschwiegenheit um die Person selbst nun komplett hinfällig ist, darüber wussten wohl auch die Macher Bescheid. Insofern hat man den “Sinn” des Films ein wenig verloren und dabei aber nicht wirklich den großen Absprung auf das Erzählbrett vieler neuer Geschichten geschafft, sondern hier tatsächlich wieder mal ein klassisches Aufwärmen alter Geschichten vorgenommen, die einfach nur effektträchtig und audio-visuell beeindruckend auf die Leinwand konzipiert wurden.
In einer Größenordnung wie dieser hätte ich dabei etwas mehr erwartet und habe etwas bedauert, dass man die Chance verstreichen ließ, hier wieder einen Schritt weiter in Richtung Konkurrenzprodukt zu gehen, das völlig neue Maßstäbe als Orientierung für weitere Filme ansetzt und somit wieder etwas völlig begeisterungsfähiges in die Lichtspielhäuser bringt. Stattdessen fühlt man sich eher, als hätte man ein wenig den Hang zum Übertriebenen genutzt, um mit anderen bewusst übertreibenden Filmen mithalten zu können und hier eben nicht nur klassische Geschichten zu erzählen, sondern eben auch mit Gigantismus zu spielen, was aber ganz und gar nicht ins Modul dieser Filmreihe passt, sondern sie eher unglaubwürdiger macht.
Okay, ich jammere hier auf hohem Niveau, denn der Film lohnt sich schon für einen guten Kinoabend, dafür ist er professionell gemacht und technisch sowie schauspielerisch auf hohem Niveau, allerdings sollte man nicht zu viel erwarten, denn die große Offenbarung bleibt wie gesagt aus.
 

.kinoticket-Empfehlung:Wer großes leistet, von dem darf großes erwartet werden.
Und diese Erwartungen werden ein bisschen enttäuscht, auch wenn der Film selbst als solides Machwerk dasteht und mit seiner Art tatsächlich zu unterhalten weiß. Als Kenner der Vorfilme und als eingefleischter Kinogänger hat man allerdings zu hohe Erwartungen und erlebt daher ein klein wenig Ernüchterung sobald der Abspann über die Bildfläche rollt.

 
Nachspann
folgt in üblicher Weise ohne Szenen oder Teaser fürs nächste Produkt.

James Bond 007: Spectre

Heiß herbeigesehnt, mittlerweile von Millionen Menschen bereits gesehen: Hier kommt nun endlich die lang gewünschte Rezension zu James Bond 007: Spectre.
 
Dass James Bond in einer anderen Liga agiert als alle anderen Filme, wissen wir jetzt bereits seit 1962. Immer wieder wurde mit dem Schaffen seiner Filme gezeigt, dass man sich hier völlig aus dem sonst üblichen Blabla aus Hollywood ausgliedert und eine eigene, völlig vergleichsfreie Messlatte anlegt, an der all seine Filme zu bewerten sind. Kein Kritiker käme auf die Idee, einen Bond mit etwas anderem zu vergleichen – nicht nur, weil der Vergleichsfilm chancenlos absacken würde, sondern weil man mit Bond selbst keinerlei Ansprüche erhebt, vergleichbar zu sein.
Sind bei anderen Filmen die Auswahl der Darsteller mehr oder weniger nebensächlich, entwickelt sich das bei Bond schon fast zur religiösen Zeremonie, an der sich hinterher ganze Kulturkreise orientieren und wild darüber spekulieren, wer nun der bessere und wer der schlechtere Bond ist.
Ich bin ein Kind, das in den 90ern aufgewachsen und folglich mit Pierce Brosnan ganz grün geworden ist. Unschwer vorzustellen, dass ich mit der Verkündung von Daniel Craig anfangs wirklich meine Schwierigkeiten hatte, was sich nicht nur dadurch äußerte, dass ich mich vehement weigerte, mir seine Filme anzusehen.
All dies änderte sich mit Skyfall, den ich dann auch zum Anlass nahm, mir die vorherigen Craig-Streifen am Stück reinzuziehen, um wieder auf dem Laufenden zu sein.
 
 
Das Problem des Reboots
Mittlerweile sind wir beim 24. Bond-Film angelangt, was allein an sich schon unvergleichbar mit anderen Filmreihen ist. Nicht nur die Höhe des Budgets, das sich vom 1. Film mit 1.3 Millionen US$ mittlerweile auf unvorstellbare 300 Millionen US$ gesteigert hat, sondern auch die weltweite Bekanntheit und markenträchtige Schwere innerhalb unseres Planeten sind bis dato unübertroffen.
Mit Craigs erstem Film Casino Royale wurde ja irgendwie ein Reboot der Bond-Reihe eingeführt, was uns wieder zurück an die Anfänge des fiktiven Spions stellt und quasi den Schauplatz komplett neu eröffnet.
Und genau hieran stören sich meiner Meinung nach viele Zuschauer unserer Zeit: Wir sind viel zu Bond-verwöhnt, um uns wieder mit einfacheren Dingen zufrieden zu geben. Die Superlativen wurden bei jedem Bond-Film wieder und wieder ausgereizt und übertroffen, so dass man irgendwann in Höhen ankommt, die die Realität verlassen und beginnen, lächerlich zu wirken (was man dieses Jahr gezielt an Fast & Furious 7 erleben konnte: Geile Action, aber absolut übertrieben).
Genau auf diesen Zug wollten die Macher des aktuellen Films nicht aufspringen. All dies äußerte sich schon am Trailer, der eben relativ unspektakulär über die Leinwand flimmerte und im Prinzip nichts anderes sagen musste, außer: “Es gibt einen neuen Bond, geh rein.”
Und genau das tut die Menschheit: Sie geht rein. Nicht nur in Großbritannien (der Heimat des Spions) spielte der Film ein Rekordergebnis ein, sondern auch in vielen anderen Ländern dieser Welt hat er jetzt schon Rekorde gebrochen.
Die Mitarbeiter des Kinos und Security-Beauftragten haben sich hinterher mit mir darüber unterhalten und gemeint, dass viele negative Kritiken der Zuschauer laut wurden, dass die Richtung, in die sich Bond entwickelt, zu düster sei, zu unspektakulär, zu wenig witzig.
Mit Skyfall hat man in meinen Augen auch einen stimmungstechnischen Düsterness-Grad erreicht, der fast schon an The Dark Knight und dessen Größe erinnert und mit einigen Geschehnissen mächtig in der Welt von Bond aufräumt. Das finde ich jetzt aber nicht unbedingt schlecht, sondern sehe es eher als eine Art Auftakt in neue Gefilde, die unsere Zeit widerspiegeln und nicht krampfhaft versuchen, die 60er oder 70er mit ihrem authentischen Humor und spitzfindigen Charme in dieses Jahrzehnt zu kopieren.
Genau das rechne ich Craig hoch an: Er macht sein Ding (auch wenn er immer sagt, er will nicht) und kreiert eine neue Art von Bond, die eben nicht nur auf Witz und Humor aus ist, sondern sehr viel mehr auf Emotionalität geht und damit auch die menschlichen Züge des Spions zur Geltung bringt. In Spectre findet er langsam wieder zu sich, die Stimmung wirkt gelöster, lockerer – ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, man spürt, dass er langsam Spaß am Agentenspiel zu haben beginnt, aber er ist sich seiner Sache klar und liefert ein Ergebnis, das wieder Lichtblicke in die Düsterness bringt, die man mit den vorherigen Streifen eingeführt hatte.
Gerade bei Charakteren wie Q oder M (meiner Meinung nach top besetzt) merkt man doch, dass irgendwo versucht wurde, Bond nicht altern zu lassen, damit noch genügend Spielraum für viele weitere Filme bleibt, in denen sich die Zuschauer suhlen und das Schauspiel genießen können.
Ob Craigs Unlust jetzt nun perfektes PR-Marketing (die Leute reden immerhin über ihn und Bond) oder tatsächlich wahr ist, sei dahingestellt. Fakt ist: Spectre bricht Rekorde und beweist damit, dass die neue Richtung, die man mit der geschichtlichen Bereinigung der Filmreihe begonnen hat, die richtige war.
 
 
Komposition, Sound, Atmosphäre
Spectre setzt hier ganz klar nicht auf Action, Superlativen-Hype oder anderes Imponiergehabe, sondern eher auf eine breitflächig solide Fundierung, die sich nicht zuletzt in den Tönen dieses Films widerspiegelt. Der Soundtrack (ich muss ihn haben!) und Score dieses Films zeigt einmal mehr, dass hier nicht nur Potenzial liegt, das ausgeschöpft werden kann, sondern man mit dem Komponieren der Musik selbst völlig neue Dimensionen erschafft, die man danach selbst erklimmt.
Die Trächtigkeit, das subtile Andeuten bekannter Melodien, die sich längst als eigene Marke in jedem Kopf dieser Welt fest eingebrannt haben, all das wurde wunderbar umschifft, umspielt und liebevoll in unsere Ohren gelegt und damit soundtechnisch eine Basis geschaffen, auf der sich Bond exzellent ausbreiten und seine Geschichte neu formieren kann.
 
Schau dir die Welt an: Chaos!
Dass Bonds Erlebnisse reine Fiktion sind, ist ja per Definition festgeschrieben. Dass sich die Macher mittlerweile aber nicht mehr nur an rühmlich erzählten Geschichten laben, sondern selbst zum Hinweisgeber aktueller Missstände mutieren, sei ihnen hoch angerechnet.
Einer der Punkte, die ich am aktuellen Film mehr als genossen habe: Die bitterböse, todernste Konfrontation mit aktuellen Problematiken, die im Sumpf der Verwirrung – angestiftet durch Medien, Politik und hirnbefreite Wutbürger – gerne mal im Tagesgeschehen untergehen. Szenen, in denen M spricht und Wahrheiten auf den Tisch legt, die sich jeder zu Gemüte führen sollte.
Während wir mit Asylpolitik, Flüchtlingen, Neonazis und Pegida, den Brüchen in der Einheit einer EU und anderen wichtigen Themen beschäftigt sein sollten, spielen sich hinter den Kulissen noch viel größere Themen ab – und die Welt geht ins Kino und schaut sich Bond an – ohne dabei hinzusehen. Und ich weiß nicht, was erschreckender ist: Die Realität auf der Leinwand und Offensichtlichkeit der Dinge, oder dass gerade das vom Zuschauer systematisch ausgeblendet wird mit der allzeit funktionierenden Lüge eines “Das ist doch nur Film”, denn genau das ist es nicht: Nur ein Film.
Spectre ist der wirtschaftlich perfekte Beweis einer Offenlegung dessen, was in unserer Zeit mehr denn je schief läuft und dringend von der breiten Bevölkerung mit Aufruhr und Erregung angegangen werden sollte, statt sich mit billigen Parolen abzugeben und hier und da ein bisschen “Meinungsfreiheit” daherzuplappern.
Dass genau dieses öffentliche Denken immer mehr in die Wirtschaft abrutscht, sieht man allein schon daran, dass bei der Werbung vor dem Film absolut jeder seine Hausaufgaben perfekt gemacht hat.
Im Ernst – ich hatte bereits während dem Werbeblock so meine Zweifel, ob es der Film hinterher noch bringt, ein noch höheres Niveau anzuzetteln, oder man hier gnadenlos in der Marketing-Perfektion versinkt. JEDER Trailer – selbst von vorher bekannten Produkten oder Diensten – wurde neu komponiert und glänzte mit einem hoch angesiedelten Niveau, das mich einfach nur erstaunt zurückließ. Es hatte fast etwas magisches und mir war bereits nach wenigen Minuten klar: Die Industrie hat ihre Hausaufgaben mehr als erledigt! Superbowl-Niveau!
Die Frage ist also: Bleiben wir dabei, passive Zuschauer zu sein und uns über Dinge aufzuregen, die schlichtweg belanglos sind, oder schließen wir uns als Masse den Gedanken an, die großartige Filmemacher auf die Leinwand schmeißen und damit nicht nur an unsere Menschlichkeit, sondern an Verstand, Vernunft und andere ethische Aspekte appellieren?
 
Der angekettete Löwe schreit, die wahre Macht aber liegt in der Ruhe!
Kritikpunkt der einen, Lobesangelegenheit von mir: Die offensichtliche Ruhe, mit der man hier ins Gericht zieht.
Jeder weiß, dass lautes Gebrüll oft nur die Vorankündigung von heißer Luft ist, wahre Macht besteht aus Ruhe und leisen Tönen. Und obwohl Spectre ein Werk ist, das nicht nur völlig neue Richtlinien in den Kinos und Köpfen der Menschheit setzt und sogar außerhalb vom Kino eine unglaublich wirtschaftliche Macht hat, wurde hier gezielt auf Ruhe gesetzt.
Leute, es gibt Szenen, in denen man als Zuschauer vor Respekt und Ehrfurcht erschaudert, in denen es völlig still ist. Genau diese machtschwangere, erhabene und überlegene Ruhe ist eines der Dinge, in denen sich Spectre mit Hingabe badet. Hier ziehen Soundtrack, Action-Anteil, Dialoge und Filmzeit gleichermaßen mit: Man wird geführt in eine neue Art von filmischer Gelassenheit, die das Wort “Größe” und “Gereiftheit” völlig neu definiert.
Und ganz anders als so mancher Wutbürger positioniert sich Bond hiermit auch wieder als ruhiges, gelassenes und reflektiertes Vorbild und zeigt, dass wildes Ausarten, hühnerhaftes Schreckgespenst-an-die-Wand-malen und andere Formen von künstlich herbeigeführter Panik wegen irgendwelchen Belanglosigkeiten nicht nur nicht erwachsen, sondern völlig unangebracht sind. Eine klar erteilte Rüge an Teile unserer Gesellschaft, ohne dabei mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern in erhabener Weise vorzuleben, wie es besser geht.
Und dafür meinen tiefsten Respekt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Worten wie “Pflicht”, “Anschauen” und Co. brauche ich nicht um mich zu werfen: Das tut sowieso nicht nur jeder, sondern gehört zum guten Ton.
Was hier geboten wird, ist eine zu Recht rekordverdächtige Weiterführung einer neuen Ära Bond, deren Einzelheiten ich nicht nach nur diesem einen Film kritisieren und bewerten wollen würde.
Mein Tipp: Gebt Bond noch 5-6 Jahre, dann sind wir wieder auf einer neuen Hochblüte, in der wir alle gemeinsam über uns selbst hinauswachsen können und Werke erschaffen, die uns so richtig den Boden unter den Füßen wegknallen.
Spectre liefert dafür eine gelungene Grundlage, die noch lange keinen Anspruch darauf erhebt, selbst perfekt zu sein. Der Weg dorthin ist allerdings kein weiter mehr.

 
Nachspann
Die Musik …. schmacht …. und der obligatorische, fast schon verzichtbare Hinweis am Schluss … ach, bleibt einfach sitzen.

Hitman: Agent 47

Mit spektakulären Szenen im Trailer kündigte sich der Nachfolger zu Hitman an, eine Computerspielverfilmung, in der es durchaus etwas rabiater zugeht.
Waren die Gegebenheiten im ersten Teil noch sehr elegant, neu und durchaus überraschend, trumpft man im zweiten Teil mit … so rein gar nichts auf. Es ist professionell verfilmt, die Effekte sind unangefochten, die Ästhetik gleichbleibend mit dem Vorgänger, nur die Story hängt sowas von tierisch hinterher, dass einem teilweise schlecht vor Augen wird.
Waren Stellen der Erzählung schon durch die vielleicht ungewollte Spoiler-Aktivität im Trailer bereits vorhersehbar, trifft man im Film selbst dann auf so viel Undurchdachtheit, dass man hier nicht mehr von einem Meisterwerk reden kann, sondern allemal von lieblos zusammengestückelten Spiel-Partikeln, die irgendwie einen Film ergeben, der seinen Sinn in den Untiefen des Nichts sucht.
Andere Filme, die ebenfalls im fiktiven Bereich angesiedelt sind, begründen ihren skurrilen Charakter wenigstens mit mehr oder weniger plausiblen Gründen, hier jedoch wird man knallhart vor Fakten gestellt und hat gefälligst darüber keine Fragen zu stellen.
Es ist, wie es ist, weil es ist, wie es ist. Und dieser Zustand ist extrem unbefriedigend. Kein Mitfiebern, kein Charme, keine Empathie mit den Darstellern, sondern eher das Gefühl steriler Charaktere, die stumm ihren Dienst tun und brav bis zum Ende des Films funktionieren. Ironischerweise ist der Hauptcharakter ja genau darauf ausgelegt, jedoch fehlt mir dabei so sehr das Leben innerhalb des Films, das selbigen erst atmen lässt.
Als Zuschauer für mich war’s fast schon eine Qual, die Laufzeit hindurch bei der Stange zu bleiben, da gibt es wesentlich bessere Alternativen, die tatsächlich unterhalten und charmant mitreißen. Schade, denn auf diesen Film hatte ich mich wirklich gefreut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn der erste Teil wieder eine tolle Idee in die Landschaft der Filmemacher katapultierte, Agent 47 enttäuschte mich auf ganzer Linie durch Sterilität, dem Fehlen von Charme und Herz sowie einer plausiblen Geschichte.
Das hier gezeigte setzt Regeln, von denen keiner weiß, woher sie stammen sollen und verlangt von einem ab, dass man das Vorgesetzte brav schluckt. Und das fällt teilweise eben sehr schwer.

 
Nachspann
liefert eine Szene, die wohl den Ausblick auf weitere Teile freischaufelt. Hoffen wir, dass hier dann wieder richtig angezogen wird, damit auch Hitman zu einem Film-Epos wird, bei dem man sich auf die folgenden Teile freut.

Codename U.N.C.L.E.

Inspiriert durch eine Serie aus den Sechzigern… das lässt Menschen wie mich sofort in Nostalgie schwelgen, denn – auch wenn mein Jahrgang noch etwas jüngerer Natur ist – das Wissen, dass es die Jungs zu damaligen Zeiten echt drauf hatten, ist auch bis zu meiner Generation durchgedrungen. Hoffentlich.
Codename U.N.C.L.E. merkt man auf jeden Fall seine durchtriebene Geschichtslastigkeit an, mit der locker flapsig durch die Zeit geführt wird. Das Zusammenspiel der beiden Agenten lässt in mir den tiefen, sehnlichen Wunsch aufkeimen, dass daraus eine große Filmreihe wird, an der wir uns auch noch nach zehn Jahren erfreuen dürfen. Hier wird – und das ist spannend – mal mit dem ersten Teil eine Introduktion geführt, die etwas höchst potenzielles in den Raum wirft und vorstellt. Dass mal nicht gleich das volle Pulver im ersten Teil verschossen wird, sondern quasi das Prequel der Startschuss ist, hat es glaube ich in der Filmgeschichte so noch nicht gegeben.
Man kann und sollte hier auch keine Vergleiche ziehen. Die Anmut und humoristische Eleganz, mit der die Schauspieler jeder für sein Land in die Presche springen und ihren Teil der Abmachung einzuhalten versuchen, ruft beim Zuschauer das reinste Vergnügungsgefühl auf den Plan. Der vielgezogene Vergleich “James Bond meets Oceans Eleven” hinkt meiner Meinung ein bisschen, denn beide Parteien sind für sich jeweils eine völlig andere Welt, die mit dem hier beschriebenen Titel gar nichts gemein haben.
Und darin liegt auch das Alleinstellungspotenzial: Man kupfert mal wieder nicht ab, sondern besinnt sich auf eigene Ideen, die eine so liebenswürdige Echtheit generieren, die den Film auf jeden Fall sehenswert macht. Das hier ist einfach nicht Bond und man möchte es auch nicht sein. Und das ist gut so.
Somit bleibt ein Machwerk, das vor neuer Energie und kreativem Schöpfungsgeist nur so blüht und eine geniale Frische ins Land der ausgereizten Ideen bringt, mit der nicht nur neue Meeresluft aufkreuzen, sondern hohe Wellen geschlagen werden können.
Hoffen wir, dass die Macher den Wink verstehen und das Publikum diesmal nicht so blöd ist und dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt, so dass wir alle die Flut an geilem Kino noch zu Lebzeiten erleben dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Da es sich hier um den Auftakt einer Serie handelt, die man großartig ins Kino portiert, sollte man sich selbst den Gefallen tun und später behaupten können, man sei von Anfang an dabei gewesen.
Bond-Liebhaber wissen um das Gefühl, wie es ist, mit einer Filmreihe groß zu werden und genau das könnte hier auch der Fall sein: Der Startschuss einer genialen Serie in Kinofilm-Format ist gefallen und man erobert die Leinwand und legt einen fulminanten Auftakt mit einer unterhaltsamen, witzigen, spritzig-frischen Komödie auf den Tisch, an der sich einfach jeder Cineast bedienen sollte.
Also Augen auf im Straßenverkehr, Karre abstellen, .kinoticket lösen und dann vergnügliche 116 Minuten abschalten und den Alltag vergessen. Es lohnt sich!

 
Nachspann
zeigt anfangs noch Bilder im authentischen Stil, beim Switch auf den schwarzen Lauftext darf man dann wieder in diese Realität rennen.

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