.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Alexander Skarsgard

Niemandsland – The Aftermath

Niemandsland - The Aftermath

© 2019 Twentieth Century Fox

Das Plakat gibt einen wunderbaren Vorgeschmack davon, wie sehr einen Vorurteile täuschen können. Worauf habt ihr Bock, wenn ihr derartige Bilder seht und wieder mal (wie so oft in Deutschland) nicht wisst, was “The Aftermath” bedeutet?

Ich verrat’s euch nicht, schick euch aber zwingend in den Film, der wartet nämlich mit einer wunderbaren Bildprofessionalität auf und erzählt eine sagenhafte Geschichte, die man so ganz sicher nicht erwartet hätte. Wie ich zu Jason Clarke stehe? Schaut bei Friedhof der Kuscheltiere nach. Und der Rest vom Titel-Fest arbeitet genauso abartig, dass man im Kino sitzt und die Show einfach feiert.

Es ist der Hammer, wie man so eine Zeit, so ein Thema mal so ganz und vollkommen anders anpacken kann und dem Zuschauer nichts aus der Klischee-Mottenkiste liefern braucht, sondern hier einen Titel vorstellt, der seine Aufmerksamkeit redlich verdient hat.

Würdigt sie … indem ihr ein .kinoticket besorgt, eure Freunde schnappt und diesen wunderbaren Film in einem Kino eurer Wahl genießt.

.kinoticket-Empfehlung: Eine Sichtweise, die so allein auf weiter Flur steht, dass man sie einfach ansehen muss: Wie hier an das Thema rangegangen wird, ist überaus beeindruckend.

Eingebettet in tragreiche Geschichten und eine ansonsten hervorragend umgesetzte Bild-Pracht bekommt ihr hier genau das, was niemand erwartet hätte.

Reingehen!

Nachspann
❌ man rennt nicht gleich aus dem Kino, wenn die Schwarzblende einsetzt, es kommen aber auch keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: The Aftermath
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

Dirty Cops – War on Everyone

Genau wie bei den Präsidentschaftswahlen in den USA sind auch bei Dirty Cops – War on Everyone die Meinungen geteilt. Die einen hassen, was die anderen lieben und vice versa.
Fakt ist: Dirty Cops punktet hier mit extrem schwarzem Humor und einer biederen Trockenheit, die Grenzen zum toleranten Geschmack nicht nur überschreitet, sondern gar nicht wahrzunehmen scheint. Der Peak lautet hier: Flucht nach vorne und direkte Konfrontation mit den unschönen Themen – und zwar auf die bitterste Art, die es gibt.
Und genau das macht diesen Film für mich zu einem sensationellen und sehenswerten Stück Filmgeschichte: Man überträgt das Verantwortungsgefühl in die Hände zweier Persönlichkeiten, die Recht vertreten und Ansehen in der Gesellschaft genießen – und selbiges mit Füßen treten. Die – man möchte fast schon sagen – Gleichgültigkeit, mit der hier mit ernstzunehmenden Situationen umgegangen wird und die Geradlinigkeit, mit der man dieses Verhalten bis ganz zum Schluss auf Kosten des Heldentums durchzieht, schreit geradezu nach Applaus.
Man will sich hier nicht profilieren. Boxt nicht mit Argumenten, appelliert nicht an den Verstand oder setzt welchen voraus, sondern man unterhält einfach ganz klassisch mit einer Art, die Menschen wie ich, die Allgemeinheit verabscheuen, einfach nur lieben können.
Ich hatte während des Films meine helle Freude an den Wesenszügen der beiden Hauptdarsteller und freue mich schon auf den Kinostart, damit ich mir diesen Film definitiv nochmal ansehen kann. 
Der Cast ist hervorragend und besticht mit seiner Schauspielweise auf glanzvolle Art, die Kaputtheit dieser beiden Typen wird exzellent rübergebracht. Dass viele mit dem Film ihre Schwierigkeiten zu haben scheinen, erklärt sich mir nur durch ihre Verbundenheit zu den allgemeingültigen Werten, die sie auf der Leinwand mit Füßen getreten sehen und dadurch keinerlei Sympathie mit den Charakteren aufbauen können, die ihre eigenen Moralvorstellungen ignorieren – ein huldvolles Beispiel gelebter (Anti)-Toleranz in Europa.
Und genau diese Ehrlichkeit, mit der man hier an die Front zieht und losprügelt, fasziniert mich. Die Grenzen in diesem Ausmaß zu überschreiten, dass die Verurteilungswürdigkeit schon wieder in Frage gestellt werden darf, ist ein Schachzug, den ich mir von manchen Politikern gerne wünschen würde – und die Tatsache, dass es hier Angestellte des Staates sind, die diese Verbrechen ausüben, zeigt wieder eins: Im Kino ist alles möglich – und dafür liebe ich es.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Freude ist groß bei Freunden von zutiefst schwarzem Humor, die bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen und wissen, dass das alles nur ein Film ist, der eines will: Erstklassig unterhalten.
Die große Errungenschaft liegt hier eindeutig in den Dialogen und der Kaltschnäuzigkeit, die man an den Tag legt und damit eine Geschichte erzählt, über die definitiv gesprochen werden kann.
Ich gehe gerne nochmal rein und kann jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun, auch wenn streckenweise etwas längere Passagen sind, die den Push etwas verlangsamen – der Film als solches lohnt sich dennoch.

 
 
Nachspann
ist wie üblich ohne weitere Szenen und Blabla. Also gerne aus dem Saal rausgehen.

Legend of Tarzan (3D)

Ja, ich weiß: Zur Zeit wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, neu verfilmt. Der gemeine Kinogänger kann es nicht mehr sehen, alles quillt angeblich neu aus den Macherpistolen und wird uns aufgewärmt und irgendwie “schlechter” wieder vorgesetzt, weil die Ideologie des neuen Einfalls fehlt und Hollywood irgendwie die Ideen auszugehen scheinen.
Stopp! Oben gesagtes mag in vielen Fällen stimmen und das Computerisiert-Überreizte mag die Genialität einer guten Story überholt und vom Thron der Filmseele gestoßen haben, was in vielen Fällen zu einer miesen Überarbeitung eines ursprünglich tollen Films führt, der einfach nochmal Geld in die Kassen spülen und die Zeit bis zum nächsten schlechten Einfall überbrücken soll.
Pustekuchen! Legend of Tarzan schleudert hier eine Form von Film auf den Tresen, der endlich wieder einmal das Attribut “episch” verdient. Und ich mein das Ernst: Nicht nur optisch überzeugt man hier auf einem Niveau, bei dem Farben, Look und Stimmung derart aufeinander abgestimmt sind, sondern auch der Sound prügelt dir um die Ohren, dass es nach langer Zeit mal wieder erwähnenswert ist, die Augen nach dem Score aufzuhalten, denn der vermittelt hier eine Schwere, die nicht in Worte zu fassen ist.
Genauso beschreibungsunwürdig ist die Form der Kommunikation, die man in diesem Film anwendet. Wer seine lieben Schwierigkeiten mit The Jungle Book (3D) hatte, weil der zu kindisch, zu abgehoben, zu unrealistisch war, der wird nun mit einer Erwachsenenversion belohnt, die sich nicht nur in punkto Erzählweise, sondern auch bei allen anderen Rafinessen würdig erwiesen hat und hier mit einer Form von Genialität glänzt, die man sehr sehr lange Zeit im Kino nicht gesehen hat.
Dank Christoph Waltz könnte man fast auf die Idee kommen, Quentin Tarantino hätte sich neu erfunden und würde als Jüngling ein weiteres Mal die Herzen der Kinosüchtigen begeistern, jedoch ist die Mitarbeit von selbigen hier nicht vorhanden. Stattdessen überrascht man mit einer gekonnten non-verbalen Kommunikation, die alles bisher dagewesene mal eben in den Schatten stellt und in meinen Augen ganz großes Kino produziert: Epische Momente, die vor Coolness, angedeuteter Brutalität und überbordender Größe nur so glänzen und dabei zu keinem Zeitpunkt auch nur den Anschein erwecken, hier nicht noch mehr PS unter dem Arsch zu haben, als ohnehin schon über die Leinwand kracht.
Und genau dieser Fakt hat mich rückwärts mit offenem Mund wieder aus dem Kino fliegen und sprachlos werden lassen: Das einzige Wort, das hier klar ausdrückt, was ich in diesem Film empfunden habe, ist: EPISCH!
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein, es ist keine brühwarme Auffrischung oder Reinszenierung alten Materials, sondern eine völlig berechtigte, überzeugende und wuchtige Story, die hier mit enorm viel Kraft, Ausdrucksstärke und Bildgewalt über die Bühne rollt und jeden Zuschauer auf seine Weise erreicht.
Der Look, der Sound, die Brachialität und Urgewalt, die man hiermit auf den Zuschauer loslässt, sucht seinesgleichen und liefert endlich wieder einen Film, der die Langeweile des Sommerlochs eiligst verschwinden lässt.
Und wenn man sich nur für diesen Film aufmacht und ins Kino bewegt: DAS lohnt sich definitiv!

 
Nachspann
beinhaltet keine nachfolgenden Momente, Szenen oder Bilder.

Zoolander No. 2

Filme mit Ben Stiller und Owen Wilson sind in der Regel von Natur aus schrill und überzogen merkwürdig. Wenn dann allerdings im Cast noch Leute wie Justin Bieber, Penélope Cruz, Katie Couric, Christiane Amanpour, Jane Pauley, Will Ferrell, Justin Theroux, Milla Jovovich, Joe Scarborough, Natalie Morales, Soledad O’Brien, Don Lemon, Billy Zane, Kristen Wiig, Kiefer Sutherland, Susan Boyle, Benedict Cumberbatch, Olivia Munn, Naomie Campbell, Willie Nelson, Katy Perry, Sting, Alexander Skarsgard, M.C. Hammer, John Malkovich, Anna Wintour, Alexander Wang, Marc Jacobs, Tommy Hilfiger, Kate Moss, Valentino Garavani, Dan Abrams, Mika und Rakim Mayers auftauchen, dann weiß man spätestens, dass es sich hier nicht um schrulliges altes Kino zweitklassiger B-Güte handelt, sondern ein Streifen generiert wurde, bei dem die Creme de la Creme sich zusammensetzt und ein Stück auf die Bühne zaubert, das Ansinnen, Edelmütigkeit und Esprit ausstrahlt: Zoolander No. 2. Und der Cast ist in meiner Aufzählung noch nicht vollständig!
Noch nie ist mir begegnet, dass im Abspann so oft Herself / Himself auf der linken Seite gestanden hat, wie in diesem Teil.
Mein Eindruck vom Film, der komischerweise nirgendwo angeteasert oder im Trailerpool der Filmindustrie aufgetaucht ist, war schlicht und ergreifend von dem Gedanken geprägt, dass sich die Mode- und Hollywoodgrößen hier zusammengetan haben, um der Welt etwas zu präsentieren, das sie nicht versteht.
Denn so doof und überzogen dämlich, wie man hier die Pointen der Geschichte darstellt, kann eigentlich gar kein Mensch sein. Das Problem dabei ist nur: Allein durch den gewaltigen Soundtrack und Filmscore schafft man es als Zuschauer absolut gar nicht, dem Glauben zu verfallen, hier wäre irgendwer nicht bei Sinnen. Schon in den ersten Minuten des Films denkt man: Bond bekommt Konkurrenz – und zwar gewaltige.
Ich habe mir den Spaß mal erlaubt und einem Freund ein paar Ausschnitte aus dem Score vorgesetzt, ohne ihm zu sagen, was das ist. Seine Reaktion: “Könnte aus einem Actionfilm oder einem anderen Filmepos sein.”
Right. Denn die Ohren gewöhnen sich nicht nur an das Mission: Impossible-Gefühl, sondern suhlen sich geradezu in dem professionellen Wahnsinn, der uns in farbigen Bildern hier auf der Leinwand begegnet.
Und diese Form von melodisch absolut größenwahnsinniger Kunst wird nicht von jedem verstanden. Aus diesem Grund spazierte auch der ein oder andere Zuschauer mit ärgerlicher Miene mitten in der Vorstellung plötzlich aus dem Saal und kehrte nicht wieder.
Und das ist auch mein Empfinden: Dieser Film wurde für Menschen wie Karl Lagerfeld gemacht und erinnert eher an den Governors Award als an die breite Masse. Hollywood feiert sich selbst und setzt dabei auf Kuchenstücke, die der Hansmüller von der Straße eben nicht kennt und auch nicht probieren will.
Verschwinden aus diesem Grund die Spielzeiten bereits wieder aus den Kinosälen?
Ich persönlich war inzwischen 2x drin und würde sofort auch noch ein drittes Mal gehen, denn eines ins ungeschlagen: Das musikalische Erlebnis und die ungezwungene Form von skurriler Kunst.
Und davor ziehe ich meinen Hut – auch wenn die Story absolut dämlich ist – ist das riesengroße Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier trifft sich die Creme de la Creme zur fürstlichen Abendgala und feiert sich selbst: Zoolander No. 2 ist nicht nur selbstironisch, sondern fährt mit einer Entertainmentproduktion auf, von der sich viele Abendshows eine große Scheibe abschneiden sollten.
Allein der Soundtrack ist es wert, sich diesen Streifen zu Gemüte zu führen. Auf den Rest muss man sich einfach einlassen und die unterschwellige Professionalität spüren, die Stiller hier mit seiner Produktion an den Tag legt.

 
Nachspann
hat ein ziemlich coolen Song als schrilles Musikvideo am Start, das man auf jeden Fall mitnehmen sollte. Danach kommt nichts weiter.

The Diary of a Teenage Girl

Sex ist salonfähig geworden. Das steht spätestens seit The Diary of a Teenage Girl fest, indes der Film in den 70ern spielt und eine Ära neu entfaltet, die von körperlicher Nähe geprägt war.
Der Durchschnittskinobesucher wird hier in einen Sturm von Bildern und Worten geworfen, mit denen die meisten scheinbar nicht klarzukommen scheinen, nicht anders lässt sich mir erklären, weshalb sich im Laufe der Spielzeit der halbe Saal stückweise leerte.
Was man hier bietet, sind Bilder, die nicht nur förmlich vor arte-Intellekt brüllen, sondern einen derart umwirbeln, dass man darin ertrinkt. Nischenkino feinster Güte mit schlecht spielenden Schauspielern – so denkt man anfangs – die eine Geschichte erzählen, die diverse Tabus nicht nur anreißt, sondern überwältigend bricht und grenzüberschreitend zur Schau stellt.
Genau hierin liegt scheinbar auch die Crux vergraben: Man weiß als Zuschauer jetzt nicht, ob man über die Dummheit, Naivität, bodenlose Provokation jetzt lachen (und humoristische Einlagen hat der Film durchaus genügend), oder sich angewidert zur Seite drehen und damit beweisen soll, dass man in Sachen Toleranz und “leben lassen” so rein gar nichts aus der Moderne gelernt hat.
Dass es sich hier nicht um Pornografie, sondern um durchaus wohlüberlegte Form von Kunst handelt, zeigen die immer wieder eingeflochtenen Comic-Animationen, die nicht nur ihren ganz eigenen Stil prägen, sondern wahrlich zu begeistern wissen.
Die adäquate Balance zwischen “ficken” und “Liebe” wird hier galant umspielt und immer wieder mit Ausbrüchen, Lehrversuchen, Moral und Rebellion umrissen – und genau das fasziniert einen, nachdem der Film zu Ende und ein, zwei Tage ins Land gegangen sind, dann doch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kost zum Abschalten und zu Gunsten der puren Unterhaltung ist das hier definitiv nicht.
Ein interessantes Gesellschaftsportrait der sexuellen Freizüge der 70er Jahre eingebunden in visuelle Achterbahnfahrten und tabubrechende Szenen dann doch. Hier muss man während des Schauens mitdenken, die Zeit und damals vorherrschende Moral verstehen und sich zudem in den Geist einer Teenagerin hineinversetzen können, die ihre ganz eigene Welt offenbart ohne dabei vorm Publikum vorgeführt zu werden.
Und diesen Scherenschnitt sauber und präzise auf die Leinwand zu bringen ist für mich hohe Kunst.

 
Nachspann
provoziert ganz zum Schluss nochmal recht nett 😉

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén