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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Amy Adams

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

Nocturnal Animals

Es gibt hin und wieder Trailer, die irgendwo nichtssagend sind und dennoch so ein feinfühliges Rausfluppen aus der Allgemeinheit tangieren, das unterschwellig mitschwingt und so manchen Langzeitkinogänger zärtlich ankratzt.
Genau so ein Fall ist Nocturnal Animals, der auf den ersten Eindruck merkwürdig erscheint, man das Gesehene setzen lassen muss, hier und da eine positive Wertung aufnimmt und sich schlussendlich richtig darauf freut.
Strike – was meine Vermutung und mein Hauptwunsch für die Sneak Preview diese Woche angeht – es war Tom Fords neuestes Werk, das nicht nur als film noir wieder berauschende Maßstäbe setzt, sondern eine überraschend packende Story beschreibt, die ich diesmal sogar mega gerne als Buch gelesen hätte.
Die für ihn typischen Charakterzüge mit Achtung vor der Eleganz, Anmut und dem stilistischen Design seiner Schauspieler, dass teilweise bereits schon auf Kosten des Plots in den Himmel gekürt wurde, zieht auch hier wieder kräftig an der Wichtigkeitsleine und beweist, dass es eben ein echter Tom Ford ist.
Stimmung kommt auf jeden Fall auf und das düstere Schauspiel nährt sich im Zuge seiner Episoden immer mehr von den Interpretationsmöglichkeiten, die man als Zuschauer dazu investiert und sich somit irgendwo selbst sein Bild des Geschehens macht – ganz im klassischen Sinne hervorragenden Kinos.
Da ich eh ein Fan von film noir bin und diese Darstellungsmethode liebe, das düstere, das unerreichbare, zerbrochene, markante und trächtige Wesen dieser Filmart total mag, war nicht nur ein Grund, weshalb dieser Titel bei mir voll eingeschlagen hat.
Dazu kommt einer meiner Lieblingsschauspieler – Jake Gyllenhaal – der auch hier wieder eine hervorragende Performance abliefert und dem das Drehbuch – wieder einmal – auf den Leib geschneidert erscheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für hervorragende Unterhaltung mit Anspruch, Anmut und Eleganz als empfehlenswertes Stück Filmgeschichte zu gebrauchen.
Die Erzählweise, Verschachtelung der Ereignisse und das Rüberbringen der Atmosphäre sind hier wieder einmal vom Konzept her gründlich durchdacht und mit Hingabe und Liebe zum Detail umgesetzt, ohne dass man sich dazu zu sehr in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verirrt.
Herausragend, so darf es gerne weiter gehen!

 
Nachspann
Es bleibt der übliche Schuss vor den Bug, der den Zuschauer entlässt und ihm Zeit zum Nachdenken gibt. Diese Zeit wird durch nichts weiteres unterbrochen.

Arrival

Beide Daumen gedrückt, hoffend darauf, dass exakt dieser Titel in die Kinos flattert, wenn es wieder heißt: Sneak Preview. Meine Erwartungen wurden … übertroffen.
Der Trailer mutete mit einigen Actionszenen an und sprach damit unverblümt die Riege Popcornkino an, die man aus der Masse rausholen und in die Kinosäle bringen wollte. Diesbezüglich wird Arrival wohl viel negative Kritiken ernten, denn der Film entbehrt jedweder aufgesetzter Durchschlagskraft und entfaltet seine Stärken ganz wo anders.
Sehr zur Freude meiner einer. Es wird schwer, nicht zu spoilern und euch trotzdem davon zu überzeugen, die Vorstellungen zu stürmen, denn der Lohn wird groß sein.
Die Power steckt hier abartigst in den Vorbereitungen zu diesem Film. Konkret in den Ideen, den Gedanken, dem Brainstorming, das man der Schaffenskunst hier vorauseilen hat lassen. Da hat sich jemand übelst Gedanken um etwas gemacht, die Dinge hinterfragt, Tellerränder überschritten und das gesamte Machwerk in seine Idee verpflanzt, damit es selbst das beste Beispiel für die Botschaft abliefert und quasi als Referenz der Moral herangezogen werden kann.
Nach dem Film spült man entspannt zum Ausgang hin mit dem Gefühl, absolut beruhigt und zufriedengestellt zu sein, nur um hinterher festzustellen, dass der Film mit einer immensen Geschwindigkeit abgespult wurde, die sich erst durch Nachdenken im Nachhinein ergibt.
Philosophischer Tiefgang auf Wunsch im Kopf des Zuschauers? Oh ja! Möglichkeiten zur Interpretation dieses absurden Themas, das vom Namen her zwar bekannt, von der Umsetzung so aber völlig neu ist? Oh ja! Ich sag nur: Bonusmaterial. Hoffen wir alle, dass das die Spielzeit des Films deutlich überschreitet.
Dennis Villeneuve schafft es hier, Spannung zu erzeugen, die teilweise sogar Gänsehaut auf dem Rücken entblättert, und verzichtet dabei auf jederlei ablenkende visuelle Eindrücke. Allein der Look des Films ist ein paar Diskussionen wert, denn hier wurde wirklich auf allerhöchstem Niveau gearbeitet. Ich war fasziniert von der einheitlichen und doch alles durcheinanderbringenden Art, die hier kongruent durch die Spielzeit durchgezogen wurde und in einem Finale gipfelt, dass niemanden enttäuschen dürfte.
Doch nicht nur die Kulissenbauer, Designfetischisten und Bühnenprofis haben hier ganze Arbeit geleistet, sondern alle Bereiche, die einem Film zuträglich sind, arbeiten hier in einer Synergie zusammen, die etwas oscarreifes produziert, das im Kino einfach nur eines macht: Begeistern.
Jóhann Jóhannsson zum Beispiel, der seinerseits auch schon verantwortlich für den Soundtrack von Sicario war, hat hier wieder einmal mit Selbstübertreffen gepunktet und einen Beat kreiert, der nicht nur in völlig andere Dimensionen entreißt, sondern als alleinstehendes Werk eine derartige Überzeugungskraft mitbringt, dass man zum Schauen des Films zusätzlich empfehlen kann, ein paar Euro für den Soundtrack hinzublättern.
Hier ein brachiales Ereignis vorzuführen, ohne dabei an die superlativen Exponate zu stoßen, die von Hollywood in derlei Situationen aufgefahren werden, sondern gegenteilig die Reize zu minimieren um dann einen Effekt zu erzielen, der um so vieles größer ist – wow!
Ihr merkt schon – ich komme ins Schwärmen, und das ist gut so. Arrival ist die Art Film, die es für mich dauerhaft geben könnte, bei der – realistisch betrachtet – der kreative Geist der Schöpfer jedoch zwingend an seine Grenzen kommt, bevor die Show überhaupt gestartet ist. Arrival gehört zu den Filmen, die man nicht einmal, nicht zweimal, sondern viele Male gesehen haben sollte, um alle Wesenszüge zu entdecken, die tief in den profilstarken Vorbereitungen drin stecken, die man vor dem ersten Paukenschlag gemacht hat.
Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg und andere Schauspielgrößen hier auflaufen zu lassen, zeigt, dass der Sinn für tiefgründiges Kino auch in Hollywood noch nicht ausgestorben ist und ich hoffe – ich bete – für viele Auszeichnungen, um genau diese Art Unterhaltung nach vorne zu pushen, die den Geist anspricht, das Denken erfordert und die Zuschauer dazu animiert, wieder selbst in die Materie einsteigen zu wollen und sich nicht nur mit plumpen Animationen und stupidem Geballer zufrieden zu geben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Absolutes Pflichtprogramm.
Dieser Film bringt alles mit, was ich von einem exzellenten Streifen erwarte. Hier wurde vor der Produktion an Details gefeilt, die sich erst im Nachhinein ergeben und in ihrer Intelligenz und Durchdachtheit derartig überzeugen, dass wir wohl lange auf “Nachahmerfilme” warten dürfen.
So viel exzessive Atmosphäre, so eindrückliches Entführen in eine Geschichte und deren Tiefe, so eine überzeugende Soundstärke und visuelle Bildgewalt, die auf ein Minimum reduziert ist, habe ich selten bis gar nicht erlebt.
Wenn es ein Wort geben müsste, dass diesen Film treffend beschreibt, dann: AbsoluteBegeisterung!
Geht rein und genießt die Show – endlich wieder mal eine Story, für die sich jeder einzelne Cent verdammt lohnt!

 
Nachspann
kommt keiner, allerdings erhält man hier nochmal eine heftige Dosis Sound, die man unbedingt mitgenommen haben sollte. Nicht umsonst ist das halbe Kino sitzen geblieben.

Batman v Superman: Dawn of Justice (3D)

Ein – inklusive Kinowerbung – 3-Stunden-Stück per .kinoticket-Kauf auf die To-Do-Liste zu setzen erfordert für manch einen wohl doch eine gehörige Portion Respekt vor dem eigenen Durchhaltevermögen. Und mit dieser Laufzeitansage begibt man sich auch gleich mal seitens der Macher auf episches Terrain, das einige Stolperfallen bereithält.
 
Mehrere Superhelden unter einem Hut
Meiner Meinung nach einer der gravierendsten Punkte, die man Batman v Superman: Dawn of Justice andichten kann: Hier müssen mehrere Welten miteinander vereint werden und durch die Charaktertiefe eines Batman und das düstere Höhlenloch, aus dem er gekrochen kommt, schafft man das eben nicht mehr ganz so einfach wie bei den vergleichsweise metallglatten Avengers, deren Aufgabe es im Nachhinein ja wohl eher nur war, die 14jährige Kinderriege zu unterhalten.
Batman ist für Erwachsene und zeugt hier von einer Welt, die durchtrieben, bösartig und vielschichtig ist. Superman hingegen war auf der Leinwand eher die aalglatte Vorstellung von superlativen Effekten gepaart mit dem hervorragenden Look eines Henry Cavill, der seinerseits eben nicht dafür gemacht ist, einen Helden zu mimen, der mehr kann als nur gut auszusehen. Er erschafft kein Profil, er erschafft keinen Charakter – was seinem Part im Film diesmal schon eher positiv zugute kommt, jedoch verblasst seine Darstellung dadurch im Rampenlicht des mit sich selbst zweifelnden Batmans und fordert den düsteren Höhlenhelden daher eher dazu auf, sich auf das Niveau der Allgemeinheit herabzulassen, um ihm gehörig die Birne zu waschen.
Dass sich im Zuge dessen dann noch weitere Epos-Helden etablieren und auf den Olymp der Comicgötter stellen wollen, lässt drei Stunden Laufzeit fast zu einer Farce verkommen, denn der Platz, auf dem sich die einzelnen Charaktere entwickeln dürfen, ist mehr als knapp bemessen.
 
Der Verzicht auf bekannte Elemente vergangener Tage
Stellt euch die Dialoge eines Jeremy Irons mal gesprochen von Michael Caine vor. Ersetzt dann den zeitweise gesichtslosen Daredevil-Versager mal mit dem rühmlich-bösen Christian Bale und achtet darauf, was in eurem Kopf passiert: Richtig! Diese Konstellation ist in meinen Augen einer der Gründe, weshalb The Dark Knight vorzüglich an allen anderen Streifen konkurrenzlos vorbeizieht und auch in 50 Jahren noch einer der Filme sein wird, die sich nicht mit anderen Filmen gleich welcher Art vergleichen lassen. Er hat einfach funktioniert und hier die Welt von Gotham mehr als präsentabel auf die Leinwand gebracht – Christopher Nolan erschuf einen Allzeitklassiker, der die Filmgeschichte maßgeblich geprägt hat.
Snyder, dem viele nichts, ich aber durchaus etwas abgewinnen kann, durfte hier halt nur nochmal am Kuchenteig schnüffeln und ist selbst eben nicht der Bäcker, der auf der cineastischen Nobelpreisverleihung steht und hier großartige Lorbeeren kassiert. Er hat seinen eigenen Stil, der er meines Erachtens nach auch großartig umsetzt (man bedenke z.B., mit welch stilistischer Einführung man die beiden Helden anfangs geschichtlich auf Vordermann bringt) und zeigt hier ganz klar anders positionierte Stärken als es ein Christopher Nolan tun würde. Dieser hat sich nämlich in die hinteren Ränge gesetzt und gemeinsam mit Hans Zimmer nur noch Spuren seines Schaffens am Gesamtwerk hinterlassen.
Da sind auf einmal zwei völlig verschiedene Welten, zwei großartige Soundtrack-Komponisten, zwei völlig verschiedene Facetten zweier Superhelden, die in einer einzigen Geschichte zusammenfinden müssen, was zwangsweise zu Abstufungen in der Eleganz perfektionierter Erzählungen führen muss. Superman wird Tiefe angedichtet, die Batman geklaut wird, um irgendwie einen korrelierenden Faktor zu erschaffen, auf dem sich all diese Elemente miteinander verbinden.
Und ein Publikum, das von Nolan in der Vergangenheit derart verwöhnt wurde, hat es dann eben schwer, mit neuen Maßstäben mitzuhalten und die Akzeptanz dafür aufzubringen, dass sich manche Dinge jetzt einfach geändert haben und man damit leben muss.
Interessant fand ich, dass Jesse Eisenberg von der Presse eher vorbeugend verrissen wurde, weil gerade seine Figur eine derjenigen war, bei denen nahezu alles gestimmt hat. Mal ganz im Ernst: Welches Werk hat dieser Junge in der Vergangenheit angepackt, in dem er nicht vollständig überzeugen konnte? Ich möchte nicht zu denjenigen gehören, die solche Dialoge wie in The Social Network auswendig lernen mussten. Und auch in diesem Film überzeugt er durch seine derart authentische Darstellung eines – man möchte fast schon sagen – zweiten Jokers, dass einem fast die Spucke wegbleibt und jede seiner Szenen zu einer cineastischen Gourmeterfahrung wird. Selbst wenn er in seinem gespielten Wahnsinn nur in die Kamera schaut, erlebt man als Zuschauer hier vollkommene Schauspielkunst, denn der Wahnsinn spiegelt sich in seinen Augen wieder und zeugt davon, dass Jesse seine Rollen nicht nur spielt, sondern tatsächlich auslebt.
Aus dem Grund jetzt zu behaupten, Batman v Superman: Dawn of Justice wäre nicht so toll gewesen, finde ich als etwas ungerecht, denn Snyder hat tatsächlich geschafft, in gewisser Weise wieder Größe auf die Leinwand zu bringen, auch wenn er an dem Experiment, viele Welten in einer zu vereinen, gänzlich scheiterte. Vielmehr hat man das Gefühl, alles wird jetzt nur noch schleierhaft in die Szenen gewebt, um überall etwas, aber nirgendwo etwas handfestes im Raum stehen zu haben, das der ganzen Sache Seele einverleibt.
Daraus resultieren dann zeitweise anklingende Perfektionslücken, die den Zuschauer aber dennoch kaum spüren lassen, wie schnell die Zeit vergeht – denn selbst ohne Pause in der Vorstellung kam mir die Spielzeit fast schon lächerlich klein vor, als der Abspann über die Leinwand nudelte. Action gibt’s auf jeden Fall gewaltig und wenn die Kinos das Prinzip verstanden haben und die Anlage ordentlich aufdrehen, dann macht der Streifen auch in Sachen Entertainment richtig Freude. Die unbestritten superlativen Kämpfe haben es auf jeden Fall in sich und sind würdig, den Film auf den Status eines Epos zu erheben, wo er sich mit anderen genialen Machwerken in Zukunft messen lassen darf.
Ich für meinen Teil werde definitiv noch eine Vorstellung dieser Art besuchen und dann schauen, wieviel von meiner anfänglichen Begeisterung geblieben ist, kann mir aber jetzt kaum vorstellen, dass sich da großartig was dran ändern wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kommt damit klar, dass hier neue Seiten aufgezogen werden und The Dark Knight niemals vergleichbar sein wird – hakt die Anhänglichkeit an die Vergangenheit ab und gebt der Sache eine Chance, dann wirds ein Schlachtfest der Action und Epik.
Niemand verlangt, dass Altes weitergesponnen wird und genauso, wie wir uns damit abfinden müssen, dass unser Lieblings-Bond hin und wieder mal neu besetzt wird, so müssen wir damit Vorlieb nehmen, dass perfekt funktionierende Konstellationen nach gewisser Zeit begraben werden um Platz für Neues zu schaffen.
Ich seh es positiv: So ist sichergestellt, dass mir die “Anfänge” von Batman immer positiv in Erinnerung bleiben werden, denn die nolansche Dark Knight-Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen. Und würde man jetzt weitermachen, könnten an der Fassade dieser ikonischen Stilblume kleine Macken entstehen und das würden denk ich noch viel weniger Menschen verkraften als die Tatsachen, denen man sich in diesem Werk hier stellt.
Also Schwanz einziehen, sich mit reichlich Popcorn und Getränken eindecken, das Handy lautlos ins Schließfach packen und sich dann einfach mal drei satte Stunden lang berieseln lassen – glaubt mir, am Ende macht’s euch doch Spaß!

 
Nachspann
erwartet hab ich ihn schon, gekriegt aber nicht: Hier darf man nach Anbrechen der weißen Lauftext-Zeichen gern damit beginnen, sich wieder aus dem Kinosessel rauszuschälen. Ein paar Meter weiter im Boden sitzt man am Schluss auf jeden Fall.

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