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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Anne Hathaway

Glam Girls – Hinreißend verdorben

Glam Girls

© 2019 Universal Pictures International

Ich mag Rebel Wilson mittlerweile eigentlich echt gerne … ihr Niveau ist nicht glänzend, aber sie macht ganz solide Filme, die eben keinerlei Anspruch erheben, sondern einfach nur unterhalten wollen – und das auch irgendwie schaffen.

Nun haben wir aber ein, nein zwei Probleme:

1964 – Bedtime Story. Mit Marlon Brando in der Hauptrolle.

Yes. Da kommt’s her.

Ein Remake gibt’s auch bereits:

1988 – Dirty Rotten Scoundrels. Mit Legenden Steve Martin und Michael Caine in den Hauptrollen.

Und in diese Vorbild-Rollen sollen nun nach dem Millennium-Break Stars wie Anne Hathaway und Rebel Wilson steigen?

Versteht mich nicht falsch, ich weiß, dass die Originale heute keiner mehr kennt oder die Säle stürmen würde, würde man sie erneut screenen. Dass die “überholt” sind, ist eine Sache. Da wäre dann aber irgendwo noch der Millennium-Break: Dieses magische Zeitalter, als alles Geile auf einmal nur noch Scheiße war und kein Abklatsch mehr. In der Musik, in der Comedy, in der Kunst, bei Filmen: Früher hattest du Comedy und konntest beim einen mehr, beim anderen weniger lachen, aber irgendwo hatte alles Niveau und einen gewissen Anspruch.

Und mit fortschreitendem Zeitalter haben sich immer mehr peinliche Dinge etabliert, die immer mehr Humor von der Leinwand gewischt und durch oberpeinliche Fremdscham ersetzt haben, die heute in teilweise geistigem Dünnschiss mündet, der noch nicht mal mehr zum Himmel schreit, sondern einfach nicht da sein sollte.

Und im Rahmen dieser “Filmreihe” – wenn man so möchte – kommen nun eben Stars der heutigen Generation, mit denen die Jugend zwar namentlich etwas anfangen kann, die aber auch keinerlei Anstalten machen, den Anspruch und das Niveau von damals zu bedienen um dem Film gegenüber gerecht zu werden.

Und genau das spürt man deutlich, denn der Streifen ist keineswegs mitreißend oder sowas von wahnsinnig humorvoll, dass man vor Lachen einfach nicht mehr kann, sondern verhält sich viel zu abgehalftert und einfallslos im Vergleich zu seinen Originalen.

Durch teilweise viel zu stupide Gag-Kopien trägt man hier nicht mehr zu pointierten Höhepunkten bei, sondern lässt alles irgendwo im Nirgendwo versickern, stellt hier und da durchaus ein, zwei witzige Momente auf die Waagschale, die aber auch keinerlei Konsequenzen oder Notwendigkeit bedürfen, weil sie im Film danach einfach null angeschnitten werden.

Damit hinkt der Film seinen eigenen Jokes eigentlich nur permanent hinterher und liefert hier alles – außer irre Spaßigkeit. Und damit hat man die großen Fußstapfen des Vorbilds eindeutig verlassen und endet irgendwo in der Wüste der Vergessenheit, in der sich in 20 Jahren niemand mehr umsehen und nach Schätzen buddeln will.

Dabei hat Hathaway eigentlich das Zeug dazu, in dieser Rolle zu brillieren, aber sie geht im Schein einfach unter und liefert eben nicht die Höhepunkte, zu denen sie bereit ist. Gleichermaßen reduziert man Wilson viel zu sehr auf die “dumme Außenseiterin”, wahrscheinlich auch ein Grund, wieso man einer solchen Person keine ernsthafte Hauptrolle zumutet – und das ist erbärmlich und traurig, denn ich bin der Meinung, diese Frau kann wesentlich mehr als solche Schulhof-Charaktere wiedergeben.

.kinoticket-Empfehlung: Meine anfänglichen Erwartungen und die Vorfreude auf diesen Film wurden maßlos enttäuscht, auch wenn der Film hier und da mit ein paar witzigen Momenten auftrumpft: Das Gesamtkonzept kackt einfach ab und stirbt an seiner eigenen Planlosigkeit.

Das Drehbuch ist schlecht, die Jokes teilweise absolut humorfrei und einen Sinn hat das auch alles nicht: Wenns dann noch wenigstens zum Schreien komisch wäre… aber auch das ist es eben nicht. Schade.

Nachspann
✅ Seltsam: Irgendwie fand ich’s extrem unkomisch, aber es ist halt eine elendig lange Sequenz, der nur absolut der Sinn fehlt: Bleibt … geht … was immer ihr wollt.

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: The Hustle
Length: 94 Min.
Rated: FSK 6

Im Netz der Versuchung

Im Netz der Versuchung

© 2019 Universum Film GmbH

Wollt ihr mal wieder so richtig Gänsehaut erleben?

Matthew McConaughey steht ja nicht gerade für die besten Mainstream-Filme, sondern hat seine ganz eigene Marke und zählt mit seiner Person zu den wenigen Menschen, die ich immer noch als nicht austauschbar bezeichne. Er kann einen Film tragen und mit seiner Präsenz für Momentum sorgen.

Ein weiterer Punkt, der oft vernachlässigt wird: Die Musik. Der Score eines Movies macht dessen Seele aus – das zeigt sich immer wieder daran, dass die Bilder ohne Ton weniger gut funktionieren wie umgekehrt. Setzt man hier ein falsches Instrument ein, wirkt zu “lasch” oder ist nicht ehrlich genug (Synthesizer statt Orchester), kann dies dem Film maßgeblich schaden.

Mit Musik erzeugt man das “What the Fuck”-Moment, was ansonsten nur noch ein Plot wirklich gut kann. Und selbst der glänzt mit einer originellen Idee und spannt den Zuschauer den ganzen Film über wahnsinnig auf die Folterbank, so dass dieser bis zum Schluss eigentlich endlich mal wieder einen spitzenmäßig erzählten Film geliefert bekommt.

Dazu kommt glänzende Kamerarbeit, wunderschöne Totalen, eine im wahrsten Sinne des Wortes brauschende Stimmung und etwas, dass ich gerne öfters im Kino sehen möchte: Dieser Drive, mit der dieser Film in die Erzählung eintaucht und danach nicht an Geschwindigkeit und “Vorwärtsdrang” verliert, ist einfach zum Reinlegen.

Über die Auflösung kann man vortrefflich streiten, das ändert nichts daran, dass bis dahin der Film einfach nur offenstehende Münder produziert und mir damals seit langem wieder einmal etwas gegeben hat, dass ich bis dahin sehr vermisst habe: Wahrlich funktionierendes Kino.

.kinoticket-Empfehlung: Bam. Wham. WHAM WHAM WHAM!

Und dann geht’s los und bleibt so: Die orchestrale Wucht vögelt sich hier mit instrumentalen Bildern zu einem berauschenden Höhenflug, der im Vorbeiziehen noch einen fantastischen Plot aufs Tableau packt und mit wunderbar gecasteten Schauspielern eine immer häufiger auftretende Erscheinung zum besten gibt: Abgefuckt-geiles Kino, dass unfassbar gut unterhält.

Diesen Film muss man mindestens 1x gesehen haben. Ich werde ihn suchen und auf jeden Fall nochmal reingehen. Promise.

Nachspann
❌ Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 02. Mai 2019

Original Title: Serenity
Length: 107 Min.
Rated: FSK 12

Ocean’s Eight

Ocean’s Eleven. Danach … Twelve. Und … Thirteen. Alles mit Männern. In Hauptrollen. Geht gar nicht, in einem Zeitalter der Inklusion, des Genderwahnsinns, der Gleichmacherei, wo immer es geht. Right?

Genau dieses Beispiel gab es schon mal … mit Ghostbusters. Gab’s auch schon mal. Mit Männern. In den Hauptrollen. Ging gar nicht. Musste man also neu machen und hat einfach alles durch die Bank weg weiblich besetzt.

War scheiße. Oder so naja. Auf jeden Fall nicht überragend, sondern hatte so den faden Beigeschmack des “Wir machen das jetzt nur, um die Frauenquote zu erfüllen, egal, ob die was können oder nicht.”

Ocean’s Eleven war geil. Geiler Heist. Geile Typen. Geiler Style. Der Film lebte vom Heist und flutschte durch das coole Obermachogehabe der Jungs, die es einfach astrein durchgezogen haben.

Und jetzt kriegt ihr das alles mit Frauen. Mööööööp.

Was ist euer erster Gedanke?

Meiner war: “Scheiß Genderwahnsinn! Macht doch einfach alles kaputt durch irgendeine Quote.”

Und die Wirklichkeit?

Schaut sowas von geil anders aus. Wir haben Sandra Bullock. Diese Frau ist nicht bekannt für posende Überfliegerrollen, sondern wird eher von uns für ihr Understatement geliebt. Das hat sie irgendwo auch in den letzten Jahren geprägt und ich möchte schon fast sagen, es wurde zum Markenzeichen von ihr. Damit muss man sich abfinden.

Oceans’s Eight funktioniert nämlich genauso. Geiler Heist, geile Frauen, geiler Style! Hier wurde die weibliche Kiste ausgepackt, aber man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, man macht dies nur wegen der Frauenquote, sondern der Film hätte damals genauso als erster erscheinen dürfen und hätte mit Sicherheit genauso abgeräumt!

Die Ladies haben’s einfach voll drauf! Sind witzig, reichern den absolut treffsicheren Heist durch ihren Style komplett an und liefern damit das für die männliche Zuschauerschaft wohl begehrenswertere Ensemble ab, die nun in ihrem ersten Teil grandios abliefern und daraufhin hoffentlich den zu vermutenden Ocean’s Nine und … Ten nachliefern.

Sprich: Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen und dieses mal gibt’s keine Genderwahsinns-Enttäuschung, sondern das Ding zieht bis in die letzten Ecken und macht einfach komplett Spaß!

Allein schon das Aufgebot, dass man am Set fährt, ist einen Blick in den Film wert! Die Kulissen, der Beat, die Geradlinigkeit und die Crew – es passt einfach alles und macht selbst als Mann total Spaß, an dieser Odyssey teilzunehmen.

.kinoticket-Empfehlung: Keine Frauenquote, kein Verweiblichen etwas bereits dagewesenen, sondern ein komplett funktionierender, berauschender und eloquenter Streifen, der mit weiblicher Starbesetzung glänzt und dem männlichen Vorbild in absolut nichts nachsteht.

Hier hätten genauso die Frauen den Anfang machen können – der Heist ist gleich geil, die Sympathie und Coolness wirkt genauso gut und ich freue mich schon, wenn der Titel endlich anläuft und ich ihn – evtl. in einer Ladies Night nochmal schauen kann.

Daumen hoch!

Nachspann
❌ braucht ihr nicht ausharren, hier kommt nichts weiter.

Kinostart: 21. Juni 2018

Original Title: Ocean’s 8
Length: 110 Min.
Rate: FSK 0

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (3D)

Ihr fandet den Trailer verrückt?
Der Film ist es auch.
Wer Teil 1 gesehen hat, kann in der Fortsetzung genauso viel Irrsinn erwarten, wie jemand, der bis dato noch keinerlei Alice-Erfahrungen gemacht hat.
Das tolle daran: Die Verrücktheit grenzt nicht etwa an unkönnerisches Produzieren bei Filmen und dem selbstironischen Darstellen der eigenen Unfähigkeit, sondern persifliert die geradlinig-ausgerichtete Filmwelt als solches mit nahezu unüberschaubarer Verquirltheit und liefert hier einen Reigen an Farben, Formen und irrsinnigen Einfällen, die an ideellem Einfallsreichtum kaum zu überbieten sind.
Wir sind Alice. Und wir feiern den Quatsch einfach gebührend mit einem dementsprechend großen Publikum weltweit ab. Möge der Film zu Ruhm gelangen und die Kinos voll sein, denn genau so etwas bezeichnet man in der modernen Welt schlichtweg als Kunst. Und zwar unverwechselbar.
Wenn man in der subtilen Geschichte nicht mitkommt, bleiben immer noch die kongenialen Farben und Formen, die sich anzusehen allein schon eine Hirnbefriedigung darstellen.
Lohnt sich der Gang ins Kino? Das 3D? Kann man das alles stoisch bewerten und auf die Waage mit anderen Titeln werfen um daraus dann irgendwelche firlefanzigen Kritik-Fetzen zu ziehen und resultierend daraus reinzugehen oder nicht?
Nein. Man sollte einfach reingehen und sich den Wahnsinn mit Herzliebe ins Hirn schießen lassen und die Show bis zum Ende genießen. Es lohnt sich. Versprochen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Film mit Sacha Baron Cohen, in dem man ihn nicht wiedererkennt.
Umgeben von surrealem Wahnsinn in eine Geschichte verpackt, die keine ist, sondern einfach nur vor fantastischen Wundern glänzt. Ein Farben-Fest der Superlative, das den Geist anregt und das trockene Gemüse im Hirn mal so richtig durchputzt.
Reingehen!

 
Nachspann
Anfänglich noch nett in 3D gehaltene Animationen regen zum Warten an, das Ende ist dann aber nur noch musikalisch-tonaler Art. Wer darauf warten möchte, darf dies gern tun.

Man lernt nie aus

In diesem Film wird man als Zuschauer wunderbar in die Welt älterer Menschen integriert, in ihren Alltagsablauf involviert und gerade als jüngerer Zuschauer bekommt man sehr wertvolle und intime Einblicke in das Leben nach der Arbeit.
Gerade diese Art von einfühlsamem Näherbringen einer Generation, die man als Jugendlicher vielleicht nicht ganz so versteht, empfand ich bei diesem Film mehr als erfrischend.
Der Spaßfaktor mag wohl zeitweise etwas auf der Strecke bleiben, da hier zwar schon anspruchsvolle Komik eingebaut wurde, jedoch hatte ich oft das Empfinden, de Niro möchte, darf aber nicht wirklich. Keine Ahnung, ob diese Rolle nun eine Fehlbesetzung ist oder das Drehbuch anders hätte geschrieben werden müssen, jedoch kam er meiner Meinung nach nicht so zum Schuss wie man es von seinen älteren Filmen gewöhnt ist.
Das gleiche gilt umgekehrt für Anne Hathaway, die den meisten in Verbindung mit diesem Film wohl contentbezogen als “Dienerin” von Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada bekannt sein dürfte – eine Rolle, die ihr Auftreten in Hollywood bezeichnend geprägt hat. Hier versucht man wohl, sie nun in die Fußstapfen Streep’s treten zu lassen. So nobel dieser Versuch erscheint, so elegant versinkt man damit im Abgrund, denn ihre Persönlichkeit kommt an die Stärke und Unerreichbarkeit einer Meryl Streep niemals heran.
Wenn es diese jugendliche Unbeholfenheit ist, die man hier hat zeigen wollen, so kam die nicht so ausdrucksstark und berührend rüber, wie es umgekehrt in Der Teufel trägt Prada der Fall gewesen ist. Interessanter wäre hier wohl gewesen, Robert De Niro auf Meryl Streep loszulassen und dabei zuzusehen, was passiert.
So blieb in meinem Fall ein fader Beigeschmack in einem Film, der an sich nicht schlecht ist, aber eben auch nicht so richtig aus sich raus kommt und die Katze komplett aus dem Sack lässt. Schade eigentlich, denn das Potenzial dazu hätte man auf jeden Fall gehabt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine oscargeprägte Besetzung bedient hier ein Drehbuch-Klischee, das mit frischen Ideen aufwartet und dabei nicht so richtig aus sich rauskommt.
Hätte man Robert De Niro etwas mehr freie Hand beim Agieren und Schauspielern gelassen, wäre daraus wohl etwas sehr viel bedeutsameres geworden.
So bleibt es ein Film, der in der oberen Liga angesiedelt ist, aber kaum über den Rand anderer guter Filme hinausragt.

 
Nachspann
gibt es keinen, man darf also fröhlich aus dem Saal spazieren.

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