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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Arena

Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Detective Pikachu

© 2019 Warner Bros. Ent.

Zur Zeit ist ein interessantes Phänomen in Deutschland (und ich schätze auch, international) zu beobachten: Durch Avengers: Endgame merken die Kinos auf einmal, was sie leisten müssen, wenn man den Wunsch, dass sie häufig und regelmäßig besucht werden, tatsächlich bewahrheiten würde. Die Kinos merken, dass die OV-Vorstellungen in Deutschland sehr wohl gefragt sind, weil einerseits bereits längst genügend internationale Besucher innerhalb dieses Landes wohnen, die gar kein gutes Deutsch können respektive einfach das Original direkt ansehen wollen, andererseits aber auch genügend Deutsche immer mehr Gefallen daran finden, sich die originale Version eines Films anzusehen.

Zum anderen merkt man, dass an den Behauptungen, VoD würde Kino aussterben lassen, auch ein gewisser Mythos-Faden hängt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Aussagen wie “Kino ist bald tot” enden spätestens dann, wenn du in einer Abendvorstellung versuchst, vom Einlass zum Klo zu gelangen und dabei nicht die Hälfte deines Films zu verpassen. Durch Endgame sind die Lichtspielhäuser zum ersten Mal seit langem wieder so richtig rappelvoll und von überall her hagelt es klagen, weil man im Kino auf einmal was arbeiten muss und die ewige Rumsteherei längst passé ist. Willkommen im Gastgewerbe – meiner Berufsbranche. Da ist sowas Alltag.

Diese ganzen auf den ersten Blick unschönen Umstände sind aber auch eines: Die riesige Chance, einer unglaublichen Vielzahl an Menschen endlich zu präsentieren, was Kino tatsächlich kann, um sich von den restlichen Konsum-Möglichkeiten von Filmen abzusetzen.

Ich werde demnächst Gast einer Vorstellung von Deutschlands erstem, vollwertigen Dolby Cinema(™) und werde euch natürlich hier im Blog darüber berichten. Ein weiteres Zeichen, dass Kino noch lange nicht tot ist und auch hier hinter den Kulissen mächtig gearbeitet wird, um zukunftsfähig zu bleiben.

Ich vertrete auch weiterhin die Position, dass sich Streaming-Anbieter, Verleihe und Kinos zusammentun müssen, um in Zukunft ein vollwertiges Angebot für den Endkunden zu präsentieren, bei dem jeder Zweig bedient wird und es am Ende dem Zuschauer überlassen bleibt, wann er wo welches Medium konsumiert. Es ist genügend für alle da und es täte jeder gut daran, wenn man verstehen würde, dass Zusammenarbeit hier das perfekte Mittel zum Zweck ist.

Stichprobe: Würde der Beginn der finalen Staffel von Game of Thrones exklusiv 2 Wochen vorab im Kino ausgestrahlt werden, würdet ihr nicht reingehen wollen?

Jeder säße drin – allein schon, weil das unbeschreibliche Gefühl einer Community mit 500 weiteren Menschen im Saal etwas auslöst, dass man zu Hause kaum selbst herstellen kann. Und natürlich, weil man mitreden möchte.

Und wenn man dann die ersten 4 Folgen im Kino gesehen hätte, wer von euch würde später nicht auf Netflix oder Co. weiterschauen wollen? Nur, weil ihr ins Kino gegangen seid, schaut ihr die Serie später unter keinen Umständen mehr im Portal?

Schwachsinn.

Genau das müssen die Anbieter kapieren.

Warum ich das alles erzähle?

Pokémon Meisterdetektiv Pikachu bedient sich der Möglichkeit, zu zeigen, was er kann und läuft parallel zum Schreckens-Publikumsmagneten Avengers im Kino an. Und dieses Werk wird – wie glaube ich momentan so ziemlich alles neben Avengers – im Kino nur süß und müde belächelt auf die Seite geschoben, denn Säle ohne den Master-of-Endboss-Film sind in der Tat zur Zeit relativ ruhig.

Und genau das ist bei Meisterdetektiv Pikachu ein Fehler. Obwohl der Streifen eine Freigabe für FSK 6 bekommen hat, bin ich der Ansicht, dass Kids hier nicht in erster Linie das Zielpublikum sind, sondern vielmehr diejenigen, die damals mit Pokémon gespielt haben und jüngst auf den neuen Pokémon Go-Zug wiederaufgesprungen: Die Geschichte wird lebendig gemacht und in meinen Augen verdammt gut erzählt.

Dabei fährt Warner fast schon positive Disney-Avancen auf, indem man hier eine unglaubliche Vielzahl an Gimmicks, Easter-Eggs und Entdeckenswertes in die Bildfläche packt, die es fast schon notwendig erklärt, den Film mehrere Male anzuschauen, um überhaupt alles entdecken zu können.

Der Plot ist völlig okay und der Pokémon-Welt angepasst, das bezaubernde an dem Film ist aber wieder einmal das, worin Kino absolut großartig ist: Eine Welt auferstehen zu lassen, die die Grenzen unserer Realität überwindet und uns in ein Reich eintauchen lässt, dass wir dann tatsächlich mit bloßen Augen sehen, hören und erfühlen und um uns herum existent werden lassen können.

Hier hat man unfassbar detailverliebte, technisch ausgereifte Arbeit geleistet, sie in Bilder gepackt, die ordentlich und präzise von der Leinwand scheinen und dabei nicht übertrieben, sondern den anmutigen Charme der “mies designten” Originale genussvoll eingegliedert, so dass am Schluss einfach ein Film entstanden ist, in dem sich alt, mittelalt und jung (Warum muss sowas in den Köpfen der Erwachsenen immer ausschließlich für Kinder sein?) wohl fühlen.

.kinoticket-Empfehlung: Hier nicht rein zu gehen, wäre ein Fehler: Man lässt eine ganze Kindheit zu neuem Leben auferstehen und liefert eine fantastische Welt, die sich in Detailverliebtheit und überraschend vielen Entdeckbarkeiten offenbart und dazu noch eine sanftmütige Geschichte erzählt.

Dabei hält der Film einige Überraschungen parat und bildet den Auftakt zu einer hoffentlich fortgesetzten Filmreihe – zumindest sieht das an einigen Stellen bereits jetzt scharf danach aus.

Nachspann
✅ Da kommt’s her – wunderschön anzusehen, also bleibt sitzen und genießt die Nostalgie 🙂

Kinostart: 09. Mai 2019

Original Title: Pokémon Detective Pikachu
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6

Ferdinand geht STIERisch ab! (3D)

Ich weiß, ich bin reichlich spät mit diesem Titel – aber bevor er ganz aus den hintersten Rängen der Kinos verschwindet, sollt ihr auch hierzu noch eine angemessene Rezension bekommen.
Und keine Sorge, meine Langatmigkeit hat nicht etwa etwas damit zu tun, dass diese Filmkritik negativ ausfällt. Ganz im Gegenteil: Hier drin verbirgt sich viel mehr Herzlichkeit, Liebe, Erziehung zu guter Moral und gutem Verhalten, als man anfangs glauben mag.
Womöglich haben so manche Biofreunde, Tierschützer, PETA-Befürworter oder andere Naturfetischisten anfänglich ein wenig Schwierigkeiten mit dem Thema und gehen auf die Barrikaden, dass Kindern jetzt solcher “Unfug” als toll verkauft werden soll, aber wer sich ruhig und angemessen hinsetzt und sich die Zeit nimmt, dieses Werk vollständig auszuwerten, wird feststellen, dass der Film überhaupt nichts Schändliches oder Verurteilenswertes zu bieten hat, sondern viel mehr für eine gute und nachahmenswerte Lebensweise wirbt – und damit ein vorbildliches Beispiel für Bildung bereits in jungen Jahren ist.
Genau hier liegt womöglich oft die Schwierigkeit, wenn es um solche brisanten Situationen geht und man mit Radikalen über derartiges diskutieren will: Dass oft gar kein Wille daran vorhanden ist, sich der Sache mal vollständig anzunehmen und es in Ruhe auszuwerten. Zeit genug bietet der Streifen und am Ende geht man fast mit ein paar Tränchen in den Augen wieder aus dem Saal.
Interessant: Während des Spiels die Kinder im Saal zu beobachten, die sich gegenseitig aufmunterten mit Sätzen wie “Keine Angst, Filme gehen immer gut aus.” – daran merkt man doch, dass er sein Publikum definitiv erreicht und mitreißt und somit beste Lektüre für die Jüngeren ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Aber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene liefert Ferdinand geht STIERisch ab! genügend Material, dass man als hilfreich, bildungswirksam und emotional berührend bezeichnen kann: Solange er noch in den Kinos zu finden ist, nehmt ihn mit – egal, in welchem Saal.

 
Nachspann
ebbt sachte in Text ab und braucht daher nicht ausgesessen zu werden.
Kinostart: 14. Dezember 2017

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