Armin Rohde

All posts tagged Armin Rohde

So viel Zeit
© 2018 Universum Film GmbH

 

So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Wer liest gerne?
Ich schon – allerdings hatte ich noch nie einen Schinken von Jussi Adler-Olsen in der Hand. Das könnte sich nach diesem Film sehr wohl ändern.
Mittlerweile zwei Mal im Kino gesehen und beim zweiten Mal noch genau die gleiche Wirkung wie beim Premiere-Schauen: Es haut dich schlichtweg um.
Hier kommt Stil ganz groß raus. Der seelische Zerbruch inmitten wunderschöner Bilder, das Flanieren um die Persönlichkeiten der Menschen mit Einblick in die Tiefen ihrer Empfindungen und Gefühle – die pervers-göttliche Ordnung und dessen Durcheinanderbringen auf sensationell hohem Niveau wiedergegeben: Das beschreibt für mich das Wesen dieses Krimis.
Nach der ersten Vorstellung bin ich zufällig auf die Blu-rays der ersten beiden Teile gestoßen, die ich mir ebenfalls sofort gekauft und gesichtet habe – und war zum ersten mal von den Lobhuldigungen auf der Coverrückseite nicht enttäuscht, weil die es meines Erachtens auf den Punkt bringen: Unterhaltung auf großartigem Niveau.
Hier wird mit Zeit, Ruhe, Spannung, Plot-Forttrieb und vielen anderen, wunderbaren Filmmitteln gearbeitet, die es keine Minute langweilig im Kino werden lassen. Das Verfolgen der altbekannten Charaktere macht für Adler-Olsen-Fans sicherlich richtig Spaß – mich hat dieser Schriftsteller durch Erlösung definitiv gewonnen und ich werde mir jede weitere Fortsetzung der Buchverfilmungen dieses Autors mit Genuss ansehen und mich darin verlieren. Sollte man alle Bücher verfilmen, dürften es ja inzwischen sechs Filme werden – dies hier ist Teil 3 nach Erbarmen und Schändung.
Dass man in den nördlicheren Ländern ja sowieso eine galante Art hat, Filme zu produzieren, haben vergangene Jahre immer wieder bewiesen. Erlösung ist meines Erachtens nach jedoch ein Höhepunkt in der Geschichte dänischer Filme, den hierzulande jeder im Kino gesehen haben darf, der dem Genre “Krimi” etwas abgewinnen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich Dinge wie Tatort oder andere Kriminalgeschichten anschaut, der kommt an diesem Wunderwerk der Erzählungen nicht vorbei.
Der Film holt dich ab und katapultiert dich in eine Welt, aus der es schwer wieder rauszukommen scheint. Das innere Zerwürfnis der Protagonisten wurde düster-melancholisch umgesetzt und absolut fabelhaft auf die Leinwand projiziert. Bessere Unterhaltung in diesem Bereich der Filmkunst ist wohl nur schwerlich herzustellen.
Auf jeden Fall rein – solang er noch läuft!

 
Nachspann
Mit dem Schlusswort folgt das Ende: Hoffen wir, dass die Macher den Pfad des Verfilmens nicht verlassen.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment

Das ich mich gern über Trailer auslasse und die geteaserte Variante davon weit besser finde, als wenn alles schon verraten wird, dürfte den Lesern dieses Blogs nicht entgangen sein.
Mit The Jungle Book hat man wieder eine solche Kombination ins Feld geworfen – ein Trailer, der unsäglich begeistert (gerade in 3D!) und einer, der so la la ist und in mir schon die Ängste hervorgerufen hat, die Deutschen hätten sich der Reinszenierung dieses Klassikers angenommen.
Wenn sowohl das eine als auch das andere auf dem Markt ist, befindet sich das Endprodukt dann irgendwo zwischendrin? Nach dem Lösen eines .kinotickets und der anschließend besuchten Vorstellung kann ich näheres dazu sagen.
Let’s go!
Auf den Plakaten wird mit “atemberaubend und in brillantem 3D” geworben und die Frage des Personals, ob sich der 3D-Aufpreis lohnt, kann ich hier ungeniert mit “Ja” beantworten. Endlich mal wieder ein Film, der Live-Elemente enthält und bei dem das 3D richtig fetzt. Und zwar so wirklich. Die räumliche Dynamik zerteilt das Kino hier in zwei Hälften: Die eine, die nicht im Saal ist und der ganze Rest. Leinwand und Saal verschmelzen miteinander und sorgen dafür, dass man sich als Zuschauer inmitten des Geschehens wiederfindet. Damit liefert man dem Kunden endlich mal genau das, was die Werbung verspricht: Ein brillantes 3D-Erlebnis der Extraklasse.
Die Geschichte um Mowgli mag wohl jeder kennen (ich gehöre wieder zu der Sorte, die in ihrer Kindheit damit verschont wurde), von daher vermag ich nicht zu sagen, ob man das Remake nun gut oder schlecht inszeniert hat und gehe damit als völlig unvoreingenommene Person an die Sache.
Die Tatsache, dass Mowgli hier mit Tieren spricht, mag anfangs etwas befremdlich und unprofessionell wirken, spiegelt schlussendlich aber genau das wider, was man sich heute im Alltag manchmal zu wünschen wagt: Die Sensibilisierung für die Natur und den Odem des Lebens. Damit wirft die Thematik schon fast ein historisches Licht auf das Machwerk, dessen Moral sich eher antiken Werten verschreibt, als in der Moderne als leuchtendes Beispiel für ein gutes Leben zu gelten.
Und vielleicht sollte man sich genau dieser Tatsache annehmen und damit beginnen, zumindest teilweise wieder darauf zu bauen, was die Hauptfiguren dieses Films dem Jungen zu vermitteln versuchen. Als Erwachsener fühlt man sich komplett zurück in seine Kindheit katapultiert, indem man dank 3D mitten in eine Welt gestellt wird, in der alles noch in Ordnung zu sein scheint und Probleme keine solchen mehr sind, vergliche man sie mit den Konfrontationen von heute.
Ob dieser Fakt nun unendlich gut tut, weil man genügend Zeit hat, die Umstände zu genießen und wenigstens für ein paar Minuten aus dem Grauen unserer Zeit gerissen wird, oder es einen eher zu Tränen rührt, weil man daran erinnert wird, was die Welt um uns herum irgendwo verloren hat, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Tatsache ist, dass dieser Coup ein unglaubliches 3D-Meisterwerk ist, das sich in Sachen Technik absolut nicht zu verstecken braucht. Manch einer wird wohl auch bedauern, dass in puncto Inhalt etwas “schlendrianig” gearbeitet wurde und man sich ob der vielen Eindrücke und imposanten Szenen nicht so recht entscheiden konnte, in welche Richtung die Story nun fließen soll, aber das finde ich verzeihlich und stemple es eher auf die klassische Simplizität runter, deren Grundkonsens im ganzen Film gewahrt wird.
Schlussendlich sind es die eindrucksvollen Momente, das unglaublich genaue Darstellen großartiger Szenen, die überwältigende Imposanz, mit der die Bilderflut hier von der Leinwand donnert, die das Werk zu einem sehenswerten Stück Kinogeschichte machen. Der durchschlagende Büchererfolg wurde hier gefühlt wieder etwas außen vor gelassen, der dürfte allerdings auch jedem bekannt sein und braucht deshalb im Jahr 2016 nicht erneut erklärt und durchgekaut werden. Stattdessen hat man sich sehr präzise und mit unglaublich großartiger Hingabe zum Detail dazu verschrieben, hier zu beweisen, dass wir in einem neuen Kinojahrhundert angekommen sind, in der mit der Technik zu arbeiten so plastisch möglich ist, dass völlig neue Ebenen der Unterhaltung geschaffen und dem Zuschauer präsentiert werden können.
Insofern verbleibt mir, die eingangs gestellte Frage mit einem eindeutigen “Ja” zu beantworten, das Ergebnis ist irgendwo zwischendrin, bildet damit aber keineswegs Vorlage für einen Kinoflop und nähert sich auch nicht an die “Technik schlägt Inhalt”-Filme an, sondern liefert ein sehr gemütliches und auch soundtechnisch in sich vollkommenes Werk, bei dem sowohl Jung als auch Alt ihren Spaß haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde von Disney werden sowieso eine Vorstellung besuchen und auch der Rest ist dazu eingeladen, sich die Geschichte optisch und technisch aufbereitet neu anzusehen.
Der große Griff ins Klo, den man bei dem schlechteren Trailer vermutet hatte, blieb Gottseidank aus und die überragende Begeisterung schlug bei mir auch nicht mit der Gewalt ein, die ich dem Teil zugetraut hätte. Dennoch bekommt man hier einen Film, der seine Botschaft ganz anders verteilen möchte und daher meines Erachtens auch nicht mit anderen verglichen werden sollte.
Als Kinofilm der Woche durchaus tauglich und im Rahmen der FSK-Empfehlung auch uneingeschränkt sehenswert!

 
Nachspann
ist wunderbar gestaltet und liefert auch hier wieder unbeschreiblich geile 3D-Szenen. Also sitzen bleiben, bis der erste Akt durch ist, danach darf man sich wieder der heutigen Zeit zuwenden und nimmt hoffentlich ein paar der angesprochenen Werte mit ins echte Leben rüber.

Posted in: .kinofilmrezensionen. Tagged: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Leave a Comment