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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Aufstand

Robin Hood

© 2018 StudioCanal

Robin Hood gehört zu den Geschichten, die jeder als Kind mindestens einmal erzählt bekommen hat. Auch die Filmwelt hat sich darum gekümmert, dass bereits unzählige Interpretationen davon über die Bildschirme geflackert sind und die Lebenden unseres Zeitalters haben sich längst damit abgefunden, dass hier “nichts neues mehr kommen wird”.

Entsprechend verhalten reagiert das Publikum im Saal bei anderen Movies, wenn der .trailer dazu gezeigt wird und man kann die Gedanken in den Köpfen nur erraten: Irgendwie wirkt es, als ob man einen Film herausbringt, der zwar Größe aufweisen könnte, jedoch permanent mit angezogener Handbremse an den Start geht und dadurch niemals richtig aus sich raus kommt.

Ich halte große Stücke auf Taron Egerton und weiß, dass dieser Junge schauspielern kann und finde die Idee, ihn als Jungtalent auf so eine Geschichtsikone loszulassen, durchaus spannend, kann aber verstehen, warum der Stoff hier nicht so richtig zünden will. Es ist genau diese Art von “Blockbuster”, die zwar alles mitbringt, was man für einen Erfolg braucht, jedoch genau wie z.B. The Great Wall dieses gewisse Unbenannte aufwartet, mit dem der Zuschauer nichts anfangen kann.

Die Technik stimmt, die Optik stimmt, der Soundtrack ist große Klasse und extra erwähnenswert, nur schafft man es eben nicht, die Aquaman-Männerbrust-Stärke auf den Jungspund zu übertragen und ihn als “mächtigen Eroberer” zu kennzeichnen, der es tatsächlich mit dem System aufnehmen und hier den exzellenten Widersacher geben kann. Da zeichnen sich dann erste Actionfilm-Lächerlichkeiten ab, die zwar nicht schlecht geschauspielert sind, aber deutlich an Glaubwürdigkeitsdefiziten leiden, die der Zuschauer auch selbst aus keiner Reserve erübrigen kann.

Damit zerstört man ein wenig das Gesamtbild und durch die von anderen Seiten her erzwungene “Wir wollen brüllen und die ganze Zeit auf kampf-männlich machen” lässt man eben nicht zu, dass sich Egerton glaubhaft entwickelt.

Und darunter leidet letztendlich der ganze Film, der hoch explosives Potenzial in sich birgt und irgendwie in den falschen Kanonenrohren entfesselt. Mal schauen, was der Rest von euch dazu zu sagen hat.

.kinoticket-Empfehlung: Egerton als Jungdarsteller in solch einen Geschichtsepos hinein zu hieven ist ein gewagtes Unterfangen, welches Mut beweist, aber mit unglaubwürdiger Männlichkeit entblößt wird.

Dadurch verliert das Gesamtbild an Tragfähigkeit und mündet in einem eher belächelnswerten Film, bei dem zwar das ganze Drumherum stimmt, der jedoch in seiner Hauptaussage zu wenig Kraft mitbringt, um ihn für die Ewigkeit in den Köpfen der Kinogänger zu festigen.

Nachspann
❌ muss man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Januar 2019

Original Title: Robin Hood
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit

Man sollte sich ein wenig Zeit nehmen und das Plakat ganz in Ruhe anschauen und nicht einfach nur drüberfliegen und registrieren, welcher Film dort beworben werden will. Ich finde nämlich, dass die Schöpfer des Plakats den Inhalt des Films sehr gut wiedergeben.
Im Kino erlebte ich wieder einmal den seltenen Moment, dass es mir als eingefleischter Fan von Brutalität und Horror schwer fiel, tatsächlich hinzusehen. Vielleicht, weil man im Hirn diesmal registriert, dass dies eben keine gespielte und einfach nur perfekte Arbeit eines Regisseurs ist, sondern sich solche Szenen auf unserer Erde tatsächlich abgespielt haben. Hierbei trennt sich meiner Meinung nach die Sorte Film, die man sich anschaut und die von den Medien oft fälschlicherweise kritisiert wird. Das eine ist Unterhaltung, die nur dafür geschaffen ist, das Können einiger Weniger zu präsentieren und eine bestimmte Gruppe Interessenten zu entertainen.
Das andere ist messerscharfe Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse und offene Kritik an vergangenen Taten, die nichts mehr mit Kunst, sondern vielmehr mit gesellschaftlicher Relevanz zu vergleichen wären. Letzteres findet in The Birth of a Nation statt. Nicht nur, dass der Regisseur es geschafft hat, hier so emotional und bindend eine Zugehörigkeit zwischen Zuschauer und Darsteller zu erschaffen, sondern er zeigt ein grausames Thema offen und unverblümt und schlägt damit seinen Kunden offensichtlich ins Gesicht, während ihr sie gleichermaßen an die Leinwand fesselt.
Somit erlebt man als Zuschauer einen unglaublichen Trip, der das Entsetzen und den Schmerz fast physisch wahrnehmen lässt. Ich war zutiefst geschockt und habe hinterher einige Minuten gebraucht, um überhaupt wieder Worte aus meinem Mund zu lassen. Was hier gezeigt wird, gehört völlig zu Recht auf eine Leinwand und sollte so viele Menschen wie möglich erreichen, um klarzumachen, in welche Richtung wir uns als Gesellschaft bewegen, wenn politisch alles so weiter läuft, wie ist derzeit der Fall ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: The Birth of a Nation präsentiert dem Zuschauer nicht nur fesselnde Unterhaltung, sondern ist ein Aufschrei sondersgleichen, der historische Ereignisse aufarbeitet und in exzellenter Weise zeigt, welche Grausamkeiten der Mensch zu tun imstande ist.
Die Tatsache, dass der Stoff nicht einfach einem kranken Hirn entsprungen ist, sondern tatsächlich so stattgefunden hat, macht den Kinobesuch umso wichtiger.
Man sollte jedoch einen harten Magen mitbringen und sich darüber im Klaren sein, dass hier kein Kuschelkurs gefahren wird.

 
Nachspann
Nach diesen Dingen braucht man gewiss keinen Nachschlag mehr, und somit kriegt man auch keinen.

Bastille Day

Was den Film ganz von Anfang an prägt, ist seine unglaubliche Liebe zur Natürlichkeit. Alles, was man auf der Leinwand sieht, sprudelt förmlich vor “Das könnte genau so neben meiner Haustüre passieren” und entsagt jeglicher aufgepumpter, amerikanischer Patriotismus-Heldenmanier, die in vielen Blockbustern als Publikumsmagnet genutzt wird. Dieser Titel ist für mich in allen Facetten und Formen ein unglaublich starker Vorbildgeber für jeden Tatort, der mit all seinen Mitteln und Facetten versucht, die Menschen zu unterhalten und neben Bastille Day einfach sang- und klanglos untergeht.
Hier wurde Action-Thriller-Geschichte der besonderen Art geschrieben, die weniger auf die CGI-überladene Zukunft des Kinos als vielmehr in Richtung der 70er ausgerichtet ist, wo den Filmen und Charakteren innerhalb selbiger noch die verschiedensten Eigenschaften zugesprochen wurden, die sich im Laufe des Plots entweder erhärteten oder veränderten.
Hier schickt man gleich drei dieser wichtigen Schlüsselfiguren ins Rennen und bastelt darum eine Geschichte, die nicht nur sensationell unterhält, sondern auch zeitgeschichtlich wahnsinnig aktuell ist und einmal mehr die tief strukturierte Flucht in die Abgründe von Macht und Korruption offenbart. Dieser Coup ähnelt einer Jagd nach der Wahrheit, über die die Öffentlichkeit falsch und unter Anwendung von viralen Hypes bewusst desinformiert wird, so dass der normale Bürger eine gänzlich falsche Auffassung von politischen und kriegerischen Handlungen erhält und entwickelt und darauf basierend der Gefahr von Falschinformationen ausgesetzt ist, die zu völlig surrealen Resultaten in der öffentlichen Wahrnehmung führen.
Dass die Macher alles daran gesetzt haben, immer möglichst nah auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und nicht durch überzogene CGI-Unterstützung die Plattform der Realität zu verlassen, zeichnet diesen Streifen mehr als deutlich aus.
Was auch im Gespräch mit anderen Kritikern offenbar wurde, ist, dass auch in breiterer Reihe die urtümliche Geschichte eher als etwas “lächerlich” (falsches Wort) wahrgenommen wird, da die Ideen hier zwar toll sind, jedoch etwas unwirklich und aufgesetzt wirkten, die Umsetzung derselben aber auf wahnsinnig hohem Niveau stattfindet und somit das Manko der Überzogenheit an einigen Plot-Stellen sehr wohl vergeben werden kann, weil die Arbeit rundherum einfach kritiklos passt.
Genau so war auch mein Empfinden, denn ich hätte mir diese Art “Jagd” auch lieber in einer abendfüllenden, gigantischen Show im Fernsehen gewünscht, die sämtliche Fernsehfilme in den Schatten stellt und dem Zuschauer einfach wahnsinnig hochwertige Kost in die Wohnzimmer liefert. Dafür ist Bastille Day allerdings viel zu wertig, um es einfach im TV abzuspulen und dann auf verschiedensten Kanälen verkommen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich in den 70ern gerne Filme mit Esprit und personell-strukturiertem Charme angesehen hat, die nicht nur überragende Bilder, sondern auch hervorragende Entwicklungen parat hatten, der wird sich mit Bastille Day in vergangene Zeiten zurückversetzt fühlen und kann erneut den totalen Charme dieser Kinoepoche wieder ausleben und genießen.
Fernsehproduktionen können sich nicht nur vorbildliche Inspiration abholen, sondern auch gleich lernen, wie richtig gute Unterhaltung funktioniert, bei der auch die Massen an die Stühle gefesselt werden ohne dabei auf den Geist von Profiltiefe und Sinn hinter dem ganzen zu verzichten.
Dass hier dann auch noch extrem wichtige Aspekte unseres gesellschaftlichen Lebens angesprochen werden, ist für mich die Kirsche auf der wahnsinnig wohlschmeckenden Sahnetorte, die den Film zu einem sehenswerten Event macht, das man sich als Kinoliebhaber auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Schnappt eure Partner/innen, ladet die Eltern und Freude ins Auto dazu und macht euch auf den Weg, um euch diesen Film gebührend anzusehen – es lohnt sich!

 
Nachspann
spielt nur die üblichen Infos durch und liefert keine weiterführenden Szenen oder Bilder.
Kinostart: 23. Juni 2016
Social: https://www.facebook.com/StudiocanalGermany

Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2) (3D)

Es war ein Gedicht, im Kino zu sitzen und diese zeitliche Herausforderung zu meistern. Mit Tribute von Panem ist nun endlich eine Filmreihe vollendet, die nicht mit stupiden Einfällen oder mieser Schauspielerei auffällt, sondern durch überzeugende Darstellungen und vor allem ein exzellentes Drehbuch den Zuschauer auf einer intellektuellen Ebene erreicht, die im Vergleich seinesgleichen sucht.
Hat man im Trailer schon bewiesen, dass man Die Bestimmung und sogar Maze Runner weit abgeschlagen hinter sich lassen will, hat dieser Schachzug nun im finalen Produkt definitiv seine Wirkung entfaltet, denn die gezeigten Szenen schlagen ein wie eine Bombe.
Nicht etwa, weil man auf Action, viel Krach und bombastisches Getöse setzt, sondern vielmehr den Zuschauer dem glorreichen Fall einer Dynastie zuschauen lässt, die viel größere Kreise zieht, als einfach nur eine Geschichte weiterzuspinnen.
Was ich bei Die Bestimmung – Insurgent noch als bitter enttäuschend fand, das Schauspielercharaktere sich zwischen den Teilen als absolut unwürdig entwickelten und in den Folgeteilen nur noch bitter enttäuschten, ist hier völlig gegenteilig: Die Tendenz zum Wahnsinn ist einfach unglaublich!
Gott – wieso nicht einfach immer so? Wo bei Maze Runner die Darsteller irgendwie kindlich waren – man kaufte ihnen ihre Rolle zwar ab, wusste jedoch manchmal nicht wirklich, welches Zielpublikum man damit nun erreichen will – setzt man nun hier auf echte Schauspielgröße, auch wenn die Protagonisten kaum älter als ihre Konkurrenz sind.
Das Element des Schweigens, das des Verstehens, das Reden miteinander, die Suche nach Wahrheit, die offene Aussprache, der Rückhalt, die sinnliche Aneinanderreihung der anfangs fast ertränkten Elemente guten Verhaltens wurden hier auf ihren Höhepunkt getrieben und dem Zuschauer als ethischer Lebensweg präsentiert, dass Menschen wie ich schlichtweg einfach nur am Feiern waren.
Positiv empfand ich auch, dass man diese brachiale Gewalt, die man im Trailer ankündigte, nicht in dieser Form ins Rennen schickte, sondern völlig anders – düsterer – eine entspanntere Form gigantischen Untergangs präsentierte, die weder an die vorherigen Teile mit ihren klassischen Spielen erinnerte, sondern vielmehr zeigt, dass die Bürger Panems erwachsen geworden sind und sich den Herausforderungen stellen, mit denen sie die Unterdrücker konfrontieren.
Das Schauspiel von Snow, Katniss und Peeta muss immer wieder lobend herausgehoben werden. Keine Übertreibungen, kein Möchtegern, keine Absurditäten, man merkt diese drückende Last auf den Schultern der Darsteller, die sich in ihre Rolle tatsächlich reinversetzt und ihre Aufgaben überzeugend auf die Leinwand gebracht haben ohne dabei etwas zu spielen, sondern zu sein.
Die düsterne Beklemmnis zeigt sich nicht nur in den ruhigen, bodenständigen Aktionen der Crew im Film, sondern wird zusätzlich unterstützt von einem sagenhaften 3D, das mit anderen Großwerken dieses Genre locker mithalten kann. Auch hier wieder keine Eile, keine schnellen Schnitte oder irgendwelche panischen Aktionen, sondern eine kontinuierliche Fahrt ins finale Grauen, das mit ruhiger Kameraführung und eindrucksvoller Tiefe zu überzeugen weiß.
Am Schluss geht man tief befriedigt und über alle Maßen beeindruckt mit einer absolut stillen Ehrfurcht wieder aus dem Kino und ist froh darüber, dass wenigstens da Menschen existieren, die “Wahrheit oder nicht?” ehrlich beantworten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Werde ich mir den Film noch ein paar weitere Male ansehen? Absolut!
Und genau das solltet ihr auch tun. Ich weiß, dass für sporadische Kinogänger das Jahresende zur cineastischen Mega-Aufgabe mutiert, da mit Bond und Star Wars noch zwei weitere Blockbuster in den Rängen postieren, die man als Massenkonsument gesehen haben muss, das sollte jedoch keinen einzelnen davon abhalten, sich den ruhmreichen Schluss einer Filmsaga zu geben, die nicht nur eines hervorragend meistert: Authentisch zu überzeugen.
Alles, was ich an sämtlichen anderen Filmreihen der letzten Jahre kritisch bemängelt habe, wurde hier richtig gemacht: PR, Story, Darstellung, Ernsthaftigkeit – Mockingjay Teil 2 ist nicht nur ein Fest für die Sinne, sondern auch für jeden, der ernsthafte und bahnbrechende Unterhaltung sucht.

 
Nachspann
gibt’s keinen, dafür ein definitiv befriedendes Ende mit wunderschönen Bildern und einem würdigen Abgang.

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