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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Axel Stein

Die Goldfische

Goldfische

© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Jetzt wird’s schwierig: Tom Schilling, Jella Haase und viele bekannte deutsche Gesichter starten eine neue Form einer Komödie, die auch beim Vorab-Publikum in der Regel super ankommt und kürzlich seine Weltpremiere in München feierte, wo ich auch auf dem Roten Teppich zugegen war und mich von der Sympathie der Schauspieler und Regisseur/Produzenten überzeugen konnte. Bilder dazu gibt’s weiter unten.

Dennoch hatte ich mit dem Plot gewisse Schwierigkeiten. Ja, das Genre ist nach wie vor eines der schwersten überhaupt: Comedy. Hier wirklich den Geschmack zu treffen ist ob der Vielzahl an Möglichkeiten “Was ist wirklich witzig” kaum zu meistern. Toll ist auf jeden Fall die Idee, die man hier aufzieht und auch die Wendungen und Twists haben mich gewissermaßen erfreut.

Grundsätzlich braucht der Film in meinen Augen aber zu lange, um wirklich in Fahrt zu kommen und setzt dabei ein kleines bisschen zu viel auf “Charakterbildung” und das Rundherum, wo sich viele letztendlich wohl wieder beschweren würden, wenn es nicht so gemacht worden wäre. Wie gesagt: Schwierig.

In dem Teil des Films, der wohl als Höhepunkt wahrgenommen wird, ist der nämlich tatsächlich großartig und liefert ein Gag-Gewitter, bei dem man bestens unterhalten wird und es endlich mal ohne politische Korrektheit und anderen Schwachsinn abläuft, sondern man sich mit den richtigen Darstellern den richtigen Dialogen zuwendet und dem Zuschauer hier Fun und Lachmuskeltraining bietet, dass sich die Balken biegen.

Zudem ist auch die Dichte an Humor so großartig, dass eine Nicht-Empfehlung eine Schande wäre und man auch als großer Deutscher-Film-Zweifler dieses Werk trotz allem im Kino aufgreifen sollte. Der Mehrwert, mit Publikum zu schauen, ist hier fast schon unerlässlich.

Die Reaktionen ist auf jeden Fall landesweit bislang super optimistisch und ich freue mich auf eure Kommentare und Meinungen zu dem Film.

.kinoticket-Empfehlung: Hapert für mich im Plot ein wenig und braucht zu lange, um in Fahrt zu kommen, ist dann aber fast schon unschlagbar und liefert Humor in einer Dichte, die den Kinobesuch definitiv rechtfertigt.

Sollte mit Publikum geschaut werden und liefert eine Bandbreite von deutschen Stars auf, von der andere Filme nur träumen.

Nachspann
❌ muss man nicht ausharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 21. März 2019

Original Title: Die Goldfische
Length: 112 Min.
Rated: FSK 12

Und abschließend gibt’s noch ein paar Eindrücke von der Weltpremiere des Films am 13. März 2019 in München im mathäser Filmpalast, bei der jede Menge Prominenz am Start war. Aber seht selbst 😉

Meine teuflisch gute Freundin

Wir sind wieder im deutschen Kino und man findet auf der Leinwand diesbezüglich fast alles, was hierzulande Rang und Namen hat – zumindest, wenn man die aktuellen Teenie-Stars mal so durchforstet. Dementsprechend kratzt man auch wieder an meiner heiß geliebten Theatersprache und beordert meine Fav-Stars gleich mal in den Keller, weil man so einfach nicht spricht. Aber was soll’s.
Samuel Finzi dürfte meinen Lesern aktuell noch aus HERRliche Zeiten in Erinnerung sein und wenn ich euch jetzt verrate, dass sein vorheriges Projekt Hot Dog war, dürfte jeder wissen, wie meine Sympathien um diesen Darsteller stehen und mit welchen Gefühlen und Erwartungen ich diesen Film begonnen habe.
Die Startvoraussetzungen sind also unterirdisch und genau da setzt wohl auch der Plot an, der – zu meiner großen Überraschung – zwar von vielen kleinen filmischen Gemeinheiten gebeutelt wird, sich daraus aber extravagant empor kämpft und dem Zuschauer, im speziellen dem Zielpublikum, eine wahrhaft sehenswerte Story vorbeibringt, die von Moral und guten Vorbildern geprägt ist und gleichsam durch seine Ungewöhnlichkeit ungemein viel Spaß bereitet.
Wer jetzt mit Anstand und Konservativismus ankommt, so von wegen “Teufel”, “Dämonen” und “Das ist nichts für Kinder, schon gar nicht für meine”, darf diese Vorurteile gerne sofort wieder einstecken, denn davon ist im Film rein gar nichts zu sehen. Schaut euch ein Profilbild des Darstellers an, dann seht ihr alles, was an “Teufelsfratze” im Antlitz erstrahlt – die Kindertauglichkeit ist demnach also gewährleistet.
Vielmehr finden die diabolischen Streifzüge eher in den Handlungen statt, wobei hier angemerkt werden darf, dass der Alltag in deutschen Schulen wohl oftmals wesentlich boshafter ist, als auf der Leinwand gezeigt. So mag wohl auch manch einer die Überschwänglichkeit der guten Seite anzweifeln, die jedoch im Rahmen des Films meiner Meinung nach super ausgelotet dargestellt wurde und fast wie der sprichwörtlich trockene Schwamm vorbildhaftes Verhalten an die Tagesordnung bringt, die unserer Gesellschaft in Teilen heute so arg fehlt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist schon bezeichnend, dass man erst in die Hölle hinabsteigen muss, um moralisch-ethisch vertretbares Handeln zu finden, was metaphysisch betrachtet schon wieder ein glanzvolles Beispiel zum derzeitigen Zustand unserer Welt offenbart.
Das alles in einen kinderfreundlichen Film verpackt, der wieder ehrbares Verhalten lehrt und dabei noch wunderbar unterhält, ist Inhalt dieses Films. Familientaugliche Kost, die gerne im Kino konsumiert werden kann – wer danach noch mit den Kids über das Verhalten der verschiedenen Charaktere spricht, hat pädagogisch alles richtig gemacht! Top!

 
Nachspann
✅ Ist zwar nicht sonderlich wichtig oder Story-vorantreibend, aber es werden alle Figuren nochmal schön bebildert gezeigt.
Kinostart: 28. Juni 2018

Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft

Das Konzept ist ja mittlerweile einige Male durch den Filmwolf gedreht worden und daher entlockt der Titel den meisten Zuschauern wohl nur noch ein müdes Lächeln oder sorgt dafür, dass man gar nicht erst ins Kino geht.
Dabei hat Sony hier tatsächlich einige Register gezogen, um erstklassige Unterhaltung für Kinder zu schaffen, die eben nicht alte Prinzipien wieder neu verpackt an den Zuschauer ausliefern will, sondern in einer bestehenden Welt die alte Crew wieder ins Leben gerufen und alles mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und einem durchaus witzigen, logischen und überaus spannenden Skript versehen, dass den Kleinen auch wirklich Spaß macht.
Diese lustige, verdrehte und irgendwie völlig andere Perspektive könnte man fast schon als Erziehungsmaßnahme begreifen, die viele Alltagssituationen mal völlig neu an die Familie abgibt und damit eine komplett neue Rangordnung auf die Füße stellt, die selbst Erwachsene im Saal zum Lachen animiert.
Und obwohl ich anfangs auch riesige Bedenken hatte (“Oh Mann, noch so ein Film, der wieder nur bekannte Storys neu aufwärmt”), hatte ich am Schluss richtig Freude bei der Sache und würde mir den Streifen sogar nochmal im Kino ansehen, so sich die Möglichkeit dazu ergibt.
Denn selbst wenn man aus der Story ausbricht und sich wieder auf die filmischen Tricks und Umsetzungen stürzt, hat man hier viel zu rätseln, da der Übergang zwischen beiden Welten wirklich exzellent gelöst worden ist und keine halbherzigen Erklärungen und miese Animationen mehr dafür herhalten mussten: Man sieht dem Werk seine Ernsthaftigkeit und detailverliebte Durchdachtheit an.
Und dass man hier nicht durch billiges (oder überladenes) CGI, sondern handwerkliches Geschick beeindrucken will, löst bei mir definitiv Sympathien aus, was ich dem Werk hoch anrechne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Filmischer Spaß, garniert mit einer Portion Ernsthaftigkeit und einer Brise Erwachsensein ohne dabei den spielerischen Geist der Kinder zu opfern – auf technisch hohem Niveau und mit Unterhaltungsfaktor für jung und alt – was will man mehr für einen Familienfilm, bei dem jeder etwas mitnehmen kann.
Auch, wenn es das schon gefühlt zig Mal gegeben hat: Geht trotzdem rein, denn dieser Film wächst über sich hinaus und liefert etwas, dass es so bislang noch nicht gab.

 
Nachspann
Nicht gleich abhauen, da gibt’s noch ein paar Gimmicks.
Kinostart: 18. Januar 2018

Der Mann aus dem Eis

Wenn man sich in den Kinos umschaut, entdeckt man eher die ältere Riege auf den Plätzen, die scheinbar etwas völlig anderes erwartet haben, sofern man die zwischen den Szenen geführten Kurzgespräche à lá “Na, du wolltest unbedingt hier rein, jetzt musst du da auch durch” richtig interpretiert.
Tatsächlich ist das kein Zuckerschlecken, sondern wirft einen zurück in die Zeit vor 5000 Jahren, aus der angeblich der berühmte Ötzi stammen soll und zeigt eine mögliche Variante dieses brutalen Lebens.
Dass dabei weniger auf Tatsachenberichte und vielmehr auf fiktive Erzählungen zurückgegriffen wurde, war einerseits Kritikpunkt der Medien, ist andererseits aber irgendwo logisch. In meinem Umfeld gibt’s zumindest niemanden, der aus dieser Zeit stammt und mir aus erster Hand davon erzählen könnte.
Dennoch macht diese Form der Unterhaltung etwas her: Man könnte beim Schauen fast meinen, man wäre auf eine deutsche Variante von The Revenant – Der Rückkehrer gestoßen – etwas nischiger, etwas natürlicher, aber genauso blutig und brutal und gleichzeitig gefühlvoll: Emotionen sind mehr oder weniger das einzige, das man in diesem Film wahrhaftig versteht, was jedwede Diskussion über Tiefgründigkeit oder höhere Absichten obsolet macht.
Vielmehr möchte man an die Einfachheit und das blanke Überleben erinnern – und stößt so während den unfassbar vielen Naturaufnahmen immer wieder an Gedanken, wie gut wir es heute doch eigentlich haben. Und dafür ist man nach dem Film wieder ein Stück weit dankbarer – was für mich eigentlich schon Grund genug ist, ihn einfach mal anzuschauen. Ob nun im Kino – oder später mal im TV – das bleibt jedem selbst überlassen.
 

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Jürgen Vogel mit kinoticket-blog.de-Macher Benjamin Klob auf der Deutschland-Premiere von Der Mann aus dem Eis

© 2017 Petra Schönberger

 

.kinoticket-Empfehlung: Brutal, blutig und emotional definitiv bewegend: Großartiges Kino basierend auf fiktiven Möglichkeiten des Lebens vor 5000 Jahren.
Jürgen Vogel liefert eine einzigartige Performance und erschafft damit die deutsche Antwort auf The Revenant – Der Rückkehrer.

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, da folgt nichts weiter.
Kinostart: 30. November 2017

Simpel

Wenn man nüchtern auf die Sache blickt, ist es eigentlich nur ein storyschwacher Plot aus deutscher Produktion, die sowieso nicht so wirklich mit etwas auftrumpfen kann. Frage: Wieso kam der Film dann bei den Sneakern so hervorragend an und wurde vorwiegend positiv bewertet?
Weil darin doch etwas steckt, dass so einfach in Worte zu fassen nicht möglich ist. Und damit meine ich nicht mal unbedingt das Schauspiel von Frederick Lau oder Emilia Schüle – wenn davon einer lobend erwähnt werden sollte, dann David Kross, dessen Mimik und Gestik in diesem Werk tatsächlich an Höchstleistungen grenzt, die so durchzuhalten sicher nicht einfach waren.
Ebenfalls lobend erwähnen muss man die Intention des Films, der sich wieder um ein unbekanntes Bild kümmert und es in die Redseligkeit seiner Nation pflanzt, um auch hier wieder unterschwellige Bildung zu leisten, die ich TV und anderen Medien schon länger abgesprochen habe und seit jeher eher auf dem Big Screen suche.
Und finde. Simpel ist nämlich ein herausragendes Beispiel für hochwertiges Kino mit Prädikat besonders wertvoll-Qualitäten, die man durch zahlreiche Besuche in den Sälen belohnen sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Schauspielleistung von David Kross in einem Film, der sowohl unterhält, als auch seinen Beitrag zur Bildung und Kenntnisnahme leistet.
Zwar sind die Elemente durch und durch deutsch und sondern sich damit auch nicht von anderen (schlechten) Produktionen ab, dennoch hat der Film das gewisse Etwas, um seine Zuschauerschaft zu begeistern und sich damit vom restlichen Sud unserer Movieversuche abzusondern und dennoch als sehenswert abgestempelt zu werden.

 
Nachspann
braucht man nicht auszusitzen, diese Anstrengungen werden auch hier wieder mal nicht belohnt.
Kinostart: 9. November 2017

Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (3D)

Vormaterial gibt’s vieles – neben zwei animierten Filmen auch unzählige Folgen von TV-Serien, CDs, Merchandising und Co. – Die Schlümpfe begeistern seit jeher die jungen Generationen mit ihren durchtriebenen Geschichten.
Mit Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf startet man ein neues Abenteuer, dass sich von altem Ballast befreit und einmal völlig neu die Geschichte der kleinen Umtreiber erzählt, die diversen Rätseln auf die Schliche gehen und dabei ihre ganz eigenen Erkenntnisse sammeln.
Die liebenswürdige Machart in Sachen Animation, Sprache, Bildpracht und Farbenerguss lassen dieses Reboot auf der Liste aller Reboots weit nach oben klettern, denn der Aufwand hat sich – in meinen Augen – gelohnt. Nicht nur die Story ist dabei herzerwärmend und verströmt wieder viel Liebe, weckt Neugier und erzählt inspirativ von völlig neuen Möglichkeiten, sondern auch die Vorankündigung im Teaser fand ich PR-technisch mal wieder absolut gelungen.
Dass man hier bedenkenlos mit allen Kleinen hingehen kann, versteht sich von selbst und dass man selbst als Erwachsener seine Portion Unterhaltung und Kurzweil abkriegt, wisst ihr nun auch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer über die Ostertage also nicht weiß, wohin mit der Familie, darf hier gerne zuschlagen und sich für eine knappe anderthalbe Stunde in die blaue Welt der Schlümpfe entführen lassen.
Die Geschichte ist absolut familientauglich, toll animiert und keinesfalls so enttäuschend wie die Remakes von Biene Maja und Co.
Von mir gibt’s ein Daumen hoch!

 
Nachspann
nicht gleich rausrennen, hier kommen noch ein paar Sequenzen, die auch das granatige 3D nochmal so richtig auskosten.

Schatz, nimm du sie

Deutsch. Komödie. Beziehungen & Familie. Drei Gründe für mich, um um diesen Film einen Bogen zu machen. Persönlich hätte ich ihn mir wohl auch niemals angeschaut, denn mein Interesse für so manches Werk erwächst tatsächlich desöfteren aus der Tatsache, dass hier dann wieder eine Rezensier-Möglichkeit mehr da ist und ich so anderen auch etwas Gutes tun kann.
An dieser Stelle sei der Mannschaft aus Augsburg gedankt, in deren Unterhaltung ich reingeplatzt bin und die mir diesen Titel wärmstens empfohlen haben.
Meine Kinoerfahrung war zwar unter aller Sau (Danke, Kempten!), der Film hatte aber durchaus seine Momente, die das deutsche Kino für sich wieder liebenswert erscheinen lassen.
Fakt ist, dass man mal keine Laiendarsteller oder Fernsehheinis, sondern tatsächlich Komiker und Satiriker besetzt hat, die an sich schon mal den wahnsinnig herzerwärmenden Vorteil mit sich bringen, dass sie SPRECHEN können! Und zwar normal! Dadurch erhebt man sich mit Schatz, nimm du sie schon mal aus der Masse mieser deutscher Filme heraus und zeigt einmal mehr, dass dieses Land tatsächlich in der Lage ist, sich international auf den Bildflächen nicht permanent nur zu blamieren.
Auch vom Plot war ich relativ angetan, der zwar im ersten Moment dahingehend anmutet, wie man es aus zig anderen Beziehungskrisen-Filmen kennt. Dadurch, dass man hier aber an Stellschrauben gedreht hat, die quasi völlig andere Themen glorifizieren und damit erneut frischen Wind in die Unterhaltung sprühen, erlebt man durchaus Momente, in denen es einfach Spaß macht, an dieser irren Tour beteiligt zu sein.
Die Konstellationen der einzelnen Darsteller und die verzweigten Verknüpfungen zwischen ihnen bekommen von mir ein saftiges Lob und sind quasi mehr oder weniger der alleinige Grund dafür, weshalb ich euch diesen Film tatsächlich ans Herz lege (auch wenn er bereits schon wieder aus den Kinos verschwindet).
Einige Ideen und Umsetzungen waren tatsächlich so klasse, dass selbst die Outtakes am Schluss nicht mit mehr Witz und Charme punkten konnten, sondern man eher zwischendrin mehrfach lachen musste.
Auch wenn es nicht 100% meinen Geschmack trifft, finde ich diesen Film durchaus besser als andere Beziehungskomödien, die eben alle im Einheitsbrei rumrühren und dabei keinerlei Vergnügen bereiten.
Und ein Wort zum Schluss: Mit Plastiktüten rascheln, während der Film noch läuft, in riesiger Mannschaft durchs Kino rennen und anfangen zu kärchern, obwohl noch Szenen auf der Leinwand laufen, die natürlich bereits in voller Lichtmontur angestrahlt wird, gehört für mich nicht zu dem Ansinnen, dem Kinogast ein erfreuliches Erlebnis zu bescheren. Danke, Kempten!
 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal ein Film aus Deutschland, bei dem ich nicht an der Aussprache rummeckern muss und der sogar noch ein paar überraschende Wendungen und mehrschichtige Verquirltheiten im Plot bereit hält.
Er ist kein meisterhaftes Wunderwerk, hatte aber durchaus seine charmanten Momente und sorgte zumindest in meinem Kinosaal bei dem älteren Publikum für ständige Lacher.

 
Nachspann
Ja, man darf sitzen bleiben, denn es werden nicht nur fast permanent Outtakes gezeigt, sondern es kommt auch noch eine saftige After-Credits-Scene, sofern man die Möglichkeit überhaupt gestellt bekommt und noch was versteht, bei der Kärcherei vom Personal im Kino. Danke, Kempten!

Männertag

Was freuen wir uns alle, endlich sind wieder echte deutsche Männer auf der Leinwand und sie trinken Bier! Yeah – ein Grund, um ins Kino zu rennen und so richtig zu … kotzen!
Wenn das eine großangelegte Kampagne für diese typischen Bierhelme sein soll, dann mag ich der Aktion noch ihren Segen absprechen, für einen Kinofilm war mir aber der Fremdschämfaktor um einiges zu groß, als dass ich hier auch nur eine Blüte Gutes an dem Titel lassen könnte.
Entschuldigung – die Charaktere entspringen wieder mal gefühlt der Feder eines zweitklassigen Praktikanten, dem in seiner Vorlesung langweilig war und der irgendwas mit Bier machen wollte. Und genauso ergreifend sind auch die Auswüchse der Charakterprofile, die man im Film umgehend beleuchtet…. äh … einfach zeigt und da ist er. Yoah, das war’s dann auch. Achso, jetzt passiert dann noch irgendwas … egal, trinken wir erstmal ein wenig Bier.
Ich spreche hier nicht von Vorhersehbarkeit – das ganze Teil ist vorhersehbar. Ich spreche auch nicht davon, dass man nicht allzu ausführlich ins Detail abdriften muss, um eine Person näher zu beleuchten und ihr einen Rahmen und eine Seele zu verpflanzen. Ich spreche davon, den Leuten überhaupt Geist einzuhauchen, um sie fit für die Leinwand zu machen und etwas zu liefern, das dem Zuschauer auch Anreiz bietet, um überhaupt ins Kino zu gehen, wenn man nicht besoffen ist.
Denn nur in besoffenem Zustand kann der Film vielleicht Spaß machen, wenn man nichts mehr von Logiklücken merkt, die idiotische Spielweise der Darsteller billigt und sich nicht über die völlige Realitätsferne aufregt, die hier im Film als gegeben hingenommen und toleriert wird.
Anspruch? Fehl am Platze. Stattdessen hat man ein klein wenig Esprit in die Auswahl der Schauplätze investiert und diesen Punkt auch gleich mal klammheimlich zum eigentlichen Star des Films gekürt, denn sehr viel mehr kommt da nicht mehr – abgesehen vom Bier. O_o
Die aufgesetzte Fröhlichkeit ist bald dahin, der siechend-schmelzende Tiegel an Freundlichkeiten und Moralapostelgetue auch schon zur Stelle, dazu noch eine Brise gequirlte Facebook-Funny-Site-Weisheit und fertig ist der Mix an deutscher Unterhaltung, der uns international wieder ein Stück mehr lächerlich macht.
Und Jungs – ich hab nichts dagegen, wenn man hier Randgruppen anspricht, die inzwischen keine Randgruppen mehr sind und auf Dinge eingeht, die in unserer Gesellschaft Einzug halten und daher auf die Gesprächslisten gehören, damit sich die Bevölkerung damit auseinandersetzt und endlich Licht ins Dunkel bringt und Vorurteile ausräumt – aber so?
Das war für mich einer der größten Rückschritte, die man in diesem Fall überhaupt hat machen können, der für mich eher wieder für mehr Intoleranz und Rassismus wirbt, um dieser Peinlichkeit einfach ein Ende zu setzen.
Auch wenn das ein gut gemeinter Versuch gewesen sein soll – sorry, das ist einfach nur peinlich, beschämend und lächerlich, wie gezwungen und unbarmherzig man damit an dieser Stelle umgeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich versuche immer, das richtige Publikum für den Film zu finden, und da fallen mir an dieser Stelle nur besoffene Kids ein, die etwas professionellere Handyvideos kucken wollen und auf Bier stehen.
Für alle anderen kann sich der Film als ganz tief empfundener Griff ins Klo entpuppen, denn keiner der Schauspieler überzeugt hier mit Leistung und die Story ist auch komplett für die Katz.
Und als jemand, der Horror und Psychospielchen, die weit über den Rand des Üblichen hinausgehen, mehr abgewinnen kann als andere, hab ich zum ersten Mal ein ganz klein wenig Hass für die Pietätlosigkeit empfunden, mit der man hier auf Basis der Emotionen der Zuschauer spielt, auch wenn diese am Schluss dann in die richtige Richtung aufgelöst wird, alles andere hätte man wohl auf den Index geschoben.
Ich würde auf jeden Fall nicht mehr reingehen und kann das auch niemand anderem empfehlen – dafür läuft zur Zeit einfach viel zu viel besseres, mit dem man sich die Zeit im Kino versüßen könnte.

 
Nachspann
darf man abwarten, der ist voll mit Material und das auch bis ganz zum Schluss.

Angry Birds (3D)

Von Milliarden heruntergeladen, von Millionen gespielt und nun als Verfilmung auf der großen Leinwand: Angry Birds.
Der Trailer war Dauerbrenner in sämtlichen Vorstellungen der letzten Wochen und proklamierte hier weder den totalen Durchbruch in der animierten Szene, noch den Rohrkrepierer des Verkaufsschlagers der Spieleindustrie.
Der Film strengt sich wirklich an, beide Vermutungen zu bewahrheiten. Auch hier hat man wieder den Fehler gemacht und den zweiten Trailer rausgehauen, um die Leute bei der Stange zu halten und ihnen Futter vor die Füße zu werfen, damit sie nicht angewidert von dannen ziehen und sich doch etwas anderes anschauen. Daraus resultiert wieder viel zu viel Vorwissen und viel zu viele verschenkte Gags, die dann im Film nur noch mit “Ahh ja” und nicht mehr mit lautem Gelächter beantwortet werden können, was den Spaß am Schauen deutlich mindert.
Ich bin immer ein Freund davon, wenn man unberührt in einen Film geht und vorher einfach gar nichts weiß, was angesichts der Trailerhäufigkeit bei normalen Kinogängern schwer zu meistern war.
Und dementsprechend lau biedert sich dann auch die Story an. Klar, was will man über ein Vieh erzählen, das in einem Shooter-Videospiel Hauptdarsteller war und quasi eher die jüngere Riege unterhalten hat? Den großen Wurf braucht also niemand erwarten und dennoch hat man sich Mühe gegeben, hier eine verwertbare Story auf den Tisch zu hauen, die dreidimensional prächtig umgesetzt ist und somit wieder voll und ganz die Stärken der Animation an dem Ort ausspielt, für den 3D geschaffen wurde: Kino.
Mit seiner schrillen Farbenpracht und der quietschigen Art dominiert man hier die Säle tatsächlich mit dem Charme der Spiele und liefert eher buntes Kinderfernsehen als ernstzunehmende Kinokost. Und genau das könnte Erwachsenen wohl eher zu Schaffen machen.
Obwohl Animation für mich nicht gleichbedeutend mit Kinderfilm ist, sondern durchaus auch unterhaltsam für Erwachsene sein kann, hat man bei diesem Film im Vergleich zu laufenden Alternativen dann doch eher das Gefühl von mittelmäßiger Oberflächlichkeit und dem Wunsch, mit einem Spielehit im Kino noch einmal ganz groß rauszukommen.
Und genau das wird wahrscheinlich auch passieren. Der Sommer und die Ferien werden’s offenbaren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer die Spiele früher unglaublich gemocht hat und in den Charme dieser Welt jetzt nochmal eintauchen will, der hat mit Angry Birds (3D) die Chance, das gebührlich zu tun.
Wer lieber gute Unterhaltung sucht und nicht in nostalgischen Erinnerungen schwelgen möchte, der sollte andere Tickets lösen, denn als alleinstehendes Werk sehe ich eher Schwierigkeiten darin, dem Film seine Größe abzukaufen.

 
Nachspann
Nicht vorschnell aufspringen, hier kommt noch etwas. Also ruhig etwas durchhalten.

Bruder vor Luder

“Dafür musst du besoffen sein, und zwar so richtig – und selbst nicht mal dann würden mich 10 Pferde hier rein kriegen… Wer kann sich nur so was anschauen? So viel Bier kannst du gar nicht trinken, um das zu ertragen!” – um mal das Personal zu zitieren, das sich mit sich selbst unterhielt, als ich den Kinosaal wieder verließ.
Ganz ehrlich? Das Phänomen YouTube geistert an mir auch 2016 immer noch vorbei – ich kann diesem ganzen Clip-Wahnsinn und den semiprofessionellen Marktschreiern der Moderne nichts abgewinnen. Beauty-Tipps hin oder her – wie man mit so viel Gülle (Entschuldigung) auf seinem Twitter-Account so viele Follower anzieht, die einem den Pseudo-Fame-Titel verleihen – ich weiß es nicht. Ich versteh es nicht und werde es auch nie verstehen.
Und dennoch leben wir in einer Zeit, in der diese Pracht meisterlichen Könnens (man möge mir meine Ironie vergeben) auf der gesellschaftlichen Bühne steht und weitreichende Folgen nach sich zieht. Girls, die schreiend vor Glück in Ohnmacht fallen, weil irgendwelche singenden Buben an ihnen vorbeihuschen und sie schräg von der Seite anlächeln … oder war’s jemand ganz anderes, der im Hintergrund von einem platziert ist? Tut mir leid, ich werde schon wieder ironisch.
Aber ich denke, ihr habt nun ein ganz gutes Bild von den Erwartungen, die in mir brodelten, als ich mir – notgedrungen – Bruder vor Luder im Kino angesehen habe.
Und ich könnte mich dafür verfluchen, diesen Film an dieser Stelle nicht zu verreißen. Denn ehrlich gesagt, schaffe ich das nicht. Wieso?
Heiko und Roman Lochmann haben hier mit Hilfe einiger Profis etwas auf die Füße gestellt, das mich in vielen Punkten überraschenderweise echt begeistert hat. Und ich rede hier nicht von der oberflächlichen Geschichte, die von der Presse als vorhersehbar und wendungsarm beschrieben wird – damit mögen sie Recht haben.
Nein, ich rede zum Beispiel von der Herkunftstreue, denen sich die beiden Hauptdarsteller verschrieben haben. Der Film hat seinen ganz eigenen Humor, der sich nicht mit dem Medium “Kino” zu vergleichen versucht, sondern offensichtlich und ehrlich (und Ehrlichkeit ist eine Tugend, die heutzutage auszusterben droht!) damit umgeht, womit die Lochis groß geworden sind.
Und somit schaffen sie für mich den Sprung weg von ihrer Semiprofessionalität und kredenzen einen Film, der YouTube weit hinter sich lässt und überdeutlich aus den Fehlern von Otto WaalkesKartoffelsalat – Nicht fragen! gelernt hat.
Heiko und Roman stellen sich dem Phänomen der Neuzeit und arrangieren sich im Drehbuch mit ihrer Scheinbekanntheit auf selbstironische Weise und vervollkommnen damit eine Form selbstkritischer Betrachtungsweise, die mich ebenfalls echt überrascht hat. Kein Rumgepose, kein “Weg da, jetzt kommen wir”, sondern sich selbst auf die Schippe und die ganze Kiste nicht ganz so ernst zu nehmen … gekonnt zu Papier gebracht!
Desweiteren hat Constantin Film im Hintergrund extrem hervorragende Arbeit geleistet. Dieses Label hat ja in jüngster Vergangenheit schon oft seinen Sinn für Feinfühligkeit bewiesen und einige Filme auf den Markt geschmissen, die dafür sorgen, dass sich Deutschland international nicht ausschließlich blamiert, sondern gezeigt, dass auch deutsche Künstler etwas von ihrem Tun verstehen.
An dieser Stelle sei diesen Herren und Damen mal mein größter Dank ausgesprochen – macht weiter so und hievt das deutsche Kino endlich auf internationale Standards hoch, so dass wir hierzulande nicht mehr ausschließlich auf die Kunst amerikanischen Könnens angewiesen sind, sondern selbst rühmliche Werke produzieren, an denen sich der Kinogänger erfreuen kann.
Ganz und gar unrühmlich verhalten sich die Drehbuch-Lochis, denen ihre Pseudobekanntheit zum Verhängnis wird und die sich – ganz im Stil der alten Schule – auf die Suche nach dem richtigen Weg in punkto Fragen machen, denen sich jeder Jugendliche im Laufe seines Lebens einmal stellt.
Und auch hier haben die beiden bei mir ziemlich hoch gepunktet, denn das Verhalten hat Vorbildcharakter. So irre platt und vorhersehbar der ganze Kruscht ist, so beeindruckt war ich von der unterschwelligen Ästhetik, die sich in den Rollen der beiden widerspiegelte. As said: Kein Gepose, keine absurden Insider, die Nicht-YouTuber nicht verstehen, sondern einfach nur anständiges Verhalten gepaart mit einer neuen Form von Humor, die hoffentlich bald Schule machen und ihre Hochblüte auch in anderen Filmkunstwerken widerspiegeln wird.
Und als Rahmenverpackung bleibt immer noch der Filmtitel-Slogan, der hier eben nicht nur einen ihrer Songs tituliert, sondern für sich selbst eine Botschaft darstellt, der man seine Beachtung zukommen lassen sollte: Nichts ist wichtiger, als das Zusammenhalten von Brüdern in einer Welt, die vor Konsumrausch und Hetze in ihrer hausgemachten Absurdität ertrinkt.
Und diese Message, der sich die Drehbuch-Lochis immer wieder ergeben, ist Gold in der Kehle cineastischen Vergnügens. Gepaart mit ein bisschen YouTube-Charme, stereotypischen Übertreibungen und hammermäßigem Können in punkto Produktion ergibt Bruder vor Luder ein Werk, dass – und ja, ich schreibe es hier wirklich! – ich mir sogar ein zweites Mal ansehen würde, ohne dabei kotzend aufs Klo rennen zu müssen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man darf seine Zweifel ruhig äußern, nachdem man den Trailer gesehen hat und scheinbar im Loch stumpfsinnigen Schwachsinns ersäuft.
Danach sollte man sich bei den Eiern packen, ein .kinoticket lösen (man kann den Titel dem Verkäufer ja leise übermitteln ;-)) und sich den Film mal anschauen. So mies ist der nämlich nicht, wie im Trailer suggeriert wird. Ganz im Gegenteil: Hier wird mit einem subtilen Humor gearbeitet, der genügend Freiraum lässt, um unterschwellige Botschaften zu übermitteln während das Verhalten der beiden durchaus Vorbildcharakter aufweist.
Kurz gesagt: Dieser offensichtlich platte Film hat es sogar geschafft, dass ich (und einige meiner Leser übrigens auch) ihn sich sogar ein zweites Mal antun würden. Und dafür braucht man einiges, um diesen inneren Wunsch bei mir auszulösen.
Also überseht die schlechte PR, nehmt euch ein Herz und schaut ihn euch einmal an – so enttäuscht, wie ihr es erwartet, werdet ihr nämlich gar nicht.

 
Nachspann
Nicht rausrennen, sitzen bleiben! Zum einen kann man beim Soundtrack mit den Händen noch ein bisschen mit tippeln, zum anderen kommt da noch was – und ihr gehört am Schluss zu denjenigen, die wissen, was da noch kommt und sagt nicht “Hups, ich geh immer schon beim Nachspann aus dem Kino raus.”

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