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So viel Zeit
© 2018 Universum Film GmbH

 

So viel Zeit vereint augenscheinlich so ziemlich alles, was in Deutschland Rang und Namen hat und in der Filmbranche irgendwelche Erkennungsmerkmale aufweist. Nicht umsonst sind zwei namhafte Fernsehmogule (ARD Degeto und Sky) maßgeblich in die Produktion involviert.

Genau hier liegt in meinen Augen auch das Problem: Man hat als Leader der deutschen TV-Gesellschaft und Botschafter-Beauftragter endlich mal die Chance, zu zeigen, was man auf dem Kasten hat und wie man eben doch alle Genres und Altersklassen bedienen kann und macht? Wieder nur Musik für die Alt-Generationen und weicht dabei kein Stückchen in die jugendliche Vitalität ab, sondern beschäftigt sich wieder nur mit der abgehalfterten Sterbebett-ZDF-Fraktion, die man in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten so gerne bedient. Dabei wäre die Szenerie prädestiniert dafür gewesen, endlich seine Fühler in jüngere Gefilde auszustrecken und damit der gesamten Bandbreite die Hand zu reichen.

Und ja, es ärgert mich maßlos, dass dieser Geniestreich gar nicht versucht wurde. Also bleibt nur, sich auf die Oldies zu konzentrieren und das Werk auch nur innerhalb der Grenzen des Altersheims zu bewerten.

Beschränkt man sich auf diese Zielgruppe, ist der Film durchaus sehr brauchbar, wandlungsfähig und fährt auch mit einigen Geschützen auf, die durchaus wert sind, dass man sich aus seinem Sesselchen erhebt und den beschwerlichen Weg in den großen, kalten Kinosaal antritt, weil Fernsehen dem hier fast nicht mehr gerecht werden kann, da man ein gewisses Niveau erreicht und auch etwas zu erzählen hat, wofür selbst mir die ARD dann auch wieder zu schade wäre.

Immerhin zählen die auf dem Plakat genannten Schauspieler mittlerweile quasi zum Portfolio deutschen Kinos und gehören nunmal nicht nur in die 22:00 Uhr-Schiene eines Oldie-Senders, wenn es der Film je auf so eine frühe Ausstrahlungszeit schaffen sollte.

Ich für meinen Teil hab ihn mir sogar 2x im Kino angeschaut, und das nicht nur, weil ich Jürgen Vogel mag und sein Schauspiel sehr schätze.

 

.kinoticket-Empfehlung: Verhält sich leider genauso altbacken, wie man es von der ARD erwarten würde und verpasst somit die sensationelle Chance, endlich ein jüngeres Publikum für das Schaffen der GEZ-Mogule zu begeistern, was bei dieser Steilvorlage problemlos möglich gewesen wäre.

Abseits davon hat dieser Film genug zu erzählen, um wirklich im Kino und nicht nur im TV beschaut zu werden, denn er fährt mit einigen Cast- und Plotüberraschungen auf und liefert auch sonst ein solides Bild ab – dass halt leider den Sprung in die Jungvitalität verweigert.

 

Nachspann
❌ aufstehen, rausgehen – dann macht man auch hier glaube ich alles richtig.

Kinostart: 22. November 2018

Original Title: So viel Zeit
Length: 100 Min.
Rate: FSK 6

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Bohemian Rhapsody

© 2018 Twentieth Century Fox

 

Ja, die Natur des Menschen ist es, Musik zu lieben und dabei abzugehen, Musik ist ein Allheilmittel für alles, ist in jeder Situation angemessen, bringt exzessive Gefühle und Emotionen zum Ausdruck und wird überall und schon immer von Menschen praktiziert und gelebt.

Wie beliebt Musik ist, merkt man, wenn man zufällig durch die Fernsehzeitung zappt und dabei feststellt, dass quasi keine einzige Minute des Tages vergeht, in der nicht irgendeine musikalische Darbietung abgefeiert wird. Manche davon sind so la la, manche sind schon ganz ordentlich, manche gehen weit über das Durchschnittsniveau hinaus und manche sind Götter ihrer Welt.

Schaut man sich derzeit um und liest, hört oder sieht hier und da mit, merkt man schnell, dass allerorts eine Band abgefeiert wird, von der garantiert jeder schon mal einen Song gehört hat: Queen. Und ja, das Ganze entwickelt sich langsam zu einem ernstzunehmenden Hype, der durch die Welt grassiert und immer mehr Menschen im Fieber der Hymnengröhlerei in Ekstase verfallen lässt.

Meinereiner war damals noch zu jung, um jetzt mitsprechen zu können, wie man … auf Konzerte gefahren, denjenigen noch live erlebt hat etc. – aber auch mir sind in der Jugend die Songs von Queen über den Tisch gelaufen und ich hab sie gehört. Und geliebt.

Die Jungs haben etwas erschaffen, das einzigartig ist und tatsächlich aus dem Sud der Allgemeinheit leuchtend heraus- und durch Andersartigkeit besticht, die man eben nicht im boomenden Massenwahnsinn der Chart-Songs wiederfindet. Genau hier ist nämlich das Problem: Die scheinbare Grenzenlosigkeit immer neuer Ideen und Ausübungen im musikalischen Genre ist reine Fiktion, denn irgendwann ist alles einmal da gewesen und kommendes nur noch ein Abklang von Wiederholungen.

Diese Wiederholungen bringen zwar Geld, fesseln die Menschen allerdings längst nicht mehr so an die Boxen, wie es die Originale taten – nur dass die Musikbosse so etwas nicht hören wollen, sondern Klang nur deren Geschäft, aber niemals ihre Leidenschaft ist.

Und genau darin liegt der Unterschied zu Queen: Die haben die Leidenschaft quasi neu definiert und sich damit vom Rest deutlich abgesetzt, was ihnen bis heute glanzvolle Verkaufszahlen und ein unüberschaubar großes Publikum verschafft hat. Und wie das passiert ist?

Lasst euch fesseln von den Bildern, die Bryan Singer mit einem großartigen Cast für euch zusammengebaut und leinwandtauglich gemacht hat: Bohemian Rhapsody steht auch in meiner Top 5 diese Woche, und das sehr wohl mit Recht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Das großartige Biopic einer Band, die unsere sowie vergangene und kommende Generationen begeistert hat und wird: Queen!

Rami Malek als Freddy Mercury spielt so großartig, das allein ist den Gang in den Saal wert. Und die inszenierte Musik und Konzerte, das Feeling, dass man damit in diese Räumlichkeiten wirft, ist atemberaubend … sucht euch Dolby Atmos®-Räume und zelebriert diesen Film dort!

 

Nachspann
✅ unbedingt sitzen bleiben – ihr verpasst sonst ein gigantisches Konzert!

Kinostart: 31. Oktober 2018

Original Title: Bohemian Rhapsody
Length: 134 Min.
Rate: FSK 6

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© 2018 Warner Bros. Ent.

 
A Star is Born: einer der Filme, auf den mein Umfeld zur Zeit gerade sehnsüchtig wartet. Viele sehen den .trailer und zerschmelzen, sobald Lady Gaga ihren Mund aufmacht und singt.
Cool. Und ja, auch ich hatte zeitweise dabei Gänsehaut, auch wenn ich dem medialen Hype, der um diese Frau gemacht wurde, unlängst nichts abgewinnen kann.
Als Kinokenner hat man natürlich so seine lieben Bedenken, wenn der Hauptdarsteller gleichzeitig auch Regisseur eins Films ist: Ungeschriebenes Gesetz Nr. X: Sowas geht in der Regel komplett in die Hose.
Fakt 1: Bradley Cooper ist ne unglaublich coole Socke, der schauspielern einfach drauf hat.
Fakt 2: Lady Gaga kann singen.
Fakt 3: Die beiden sind ein unglaublich gutes Team, was diesen Plot angeht.
Und die Bedenken werden … wahr :/ – was allerdings weniger schlecht ist, als ihr jetzt vielleicht denkt.
Der Punkt ist: Der Film ist da. Er hat alle Komponenten, die ein Film braucht und schmeißt sie alle in einen Topf. Sprich: Nichts davon ist wirklich schlecht. Nur die Komposition, das “Umrühren beim Kochen” und zusammenstellen der einzelnen Single-Parts, wie ein Koch es tut, wie ein Dirigent es tut … oder eben: wie ein Regisseur es tut – das fehlt. Da geht Cooper ein wenig der Arsch auf Grundeis.
Sprich: Das Ding hat keinen richtigen Plot, erzählt aber trotzdem eine Geschichte und alle Bausteine, die da so auf dem Boden liegen, sind für sich allein total schön und gemütlich, herzerweichend und geil. Und darum hat man beim Film absolut kein schlechtes Gefühl, fühlt sich verlassen oder ähnliches, sondern der Sound umspült trotzdem die Herzen und: Wenn beide (!!!) den Mund aufmachen und singen, dann löst sich der Boden unter euch allen auf und ihr schwebt in Sphären, von denen ihr vorher nichts wusstet! Die Songs sind alle !!! unfassbar geil und berühren die Herzen!
Allein dafür: .kinoticket lohnt!
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Songs!!!!!!!!!!!!!!
Kurz gefasst: Bradley Cooper ist kein Regisseur, sondern Schauspieler, der Film beinhaltet aber trotzdem alles, um die Menschen mit den unglaublich geilen Songs wegzubashen. Der übliche “Weg” des Plots fehlt einfach ein wenig, die einzelnen Bausteine sind unsortiert aber dennoch unfassbar schön und den Besuch im Kino wert!
Achja: Sucht euch große Säle mit guten Boxen aus – davon lebt der Film!

 
Nachspann
✅ Ihr seid in einem Musikfilm. Und Nachspänne sind die Heimat von Musiksongs!
Kinostart: 4. Oktober 2018
Original Title: A Star is Born
Length: 136 Min.
Rate: FSK 12

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Buchverfilmung: 98% derer, die das Originalwerk gelesen haben, fühlen sich also schon mal angepisst. Ich lese nichts, von dem ich glaube, dass es verfilmt werden könnte, um mir den Filmspaß nicht zu verderben, ergo hatte man mich spätestens nach 3 Minuten und dem ersten Song.
Ja, ich hab eine Schwäche für American Country Music und kann mich an unzählige Nächte erinnern, in denen ich eben jenen Klängen gelauscht habe und meine eigenen Vorstellungen davon hatte.
Und yes, die Umsetzung davon ist dermaßen bombastisch, dass einfach jeder davon begeistert sein muss – einfach, weil im Film dazu alles passt! Farben, Klänge, Publikum, Sound, Kamera, Technik im Hintergrund, Abmischung: Die Songs sind dermaßen geil, dass sie den Film fast allein schon retten.
Gleiches gilt für die Technisierung rund um den Film: Die Crew im Hintergrund hat großartige Arbeit geleistet – und zwar bis in die kleinsten Ecken: Selbst die Casting-Geschichte, die sich über Wochen hinzog, weil man tatsächlich sehr anspruchsvoll auswählen musste, hat hier erstklassige Arbeit geleistet und Leute auf die Bühne geholt, die man von außen vielleicht nicht gleich kennt, die aber in meinen Augen perfekt ausgewählt wurden, um ihren Rollen im Film zu entsprechen.
Mankos? Die Inhalte. Man mag sich über die Moral solcher Filme streiten und ich mag sie aufgrund meiner Spoilerfreiheit jetzt hier auch nicht einzeln zerpflücken und aufschlüsseln .. und meinetwegen, es ist okay, wenn man derart in eine Geschichte packen will und die Leute dazu “bekehren”, auch wenn alles in Love-Liebe und Schnulze ertrinkt.
(P.S: Don’t forget the songs: Die retten wirklich alles!!!)
Die Handlung an sich (Buchvorlage => Gebt also der Autorin die Schuld) ist allerdings derartig kitschig und unglaubwürdig, dass ich sehr gut verstehen kann, wenn dieser Film gemischte Kritiken vom Publikum erntet: Und die fielen in der Sneak Preview tatsächlich super ausgewogen aus – zu etwa gleichen Teilen gut / mittel / schlecht, was meiner Meinung nach absolut zu diesem Film passt, je nach Gewichtungsgrundlage.
Mein Kinobuddy meinte noch: “Warum verschleudert man so viel großartiges Potenzial an so einen mistigen Plot?” – und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer sich wieder einmal richtig in einen Milchbubi verschießen will, oder die weibliche Riege voll auskosten, wer auf gemütlichen Südstaaten-Flair steht oder in Musikwelten abtauchen möchte ohne dabei den trockenen Knuspermüsli-Effekt einer Dokumentation ertragen zu müssen, wer abartig geile Songs genießen und in den erstklassigen Kinoboxen zum Besten gegeben haben möchte, der darf in den Film – und wird ihn lieben.
Wem’s um Story geht und wer da ein paar Ansprüche erhebt, wird gnadenlos enttäuscht und wer beides zu gleichen Teilen wertet, wählt am Ende eben “mittel”.
Ich bin gespannt, was ihr zu dem Titel sagen werdet, ich werde (ob der grandiosen Musik!!!) wohl noch einmal reingehen und mir die Show erneut antun … denn davon hätte ich gern unsäglich viel mehr!
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Musik!!! So etwas großartiges, mitreißendes und absolut exzellent ausgeführtes gehört durch ein Kinobesuch belohnt!
Der Rest vom Film stimmt auch absolut, bis auf den tragenden Teil der Geschichte: Der ertrinkt im süffisanten Südstaaten-Heimatschmonzetten-Kleinbürgertum und kann von Plotversessenen wohl kaum wegignoriert werden.
Wer sich jedoch dafür entscheidet, den Film zu sehen, der sollte es solange tun, solange er im Kino läuft, danach ist auch der absolut rettende Teil der Musik “im Arsch”. Also sagt ja und geht ins Kino, oder lasst es ganz bleiben.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt nicht, man darf gerne rausspazieren.
Kinostart: 16. August 2018

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Sprache ist ein schwieriges Thema. Sprache besteht quasi nur aus Missverständnissen oder den kläglichen Versuchen, so viele als nur irgend möglich davon zu vermeiden. Und das gelingt in der Regel eher schlecht als recht. Der Punkt ist, dass die Menschen alle grundsätzlich einmal davon ausgehen, dass ihr gesagtes Wort vom Gegenüber ganz genauso interpretiert wird, wie sie selbst es tun und sie daher eben exakt das gleiche verstehen müssten, wie man selbst im Hirn interpretiert hat. Und sie werden dann böse, wenn der andere mit anderen Interpretationen anrückt und sogar ausfällig oder wütend über so viel Dummheit und Unfug und Hirnlosigkeit.
Merkt ihr? Ich sage “alle”, “die Menschen”, “sie” und impliziere damit die ganze Welt und schließe völlig aus, dass ich als Person grundsätzlich gerne solche Verallgemeinerungen hernehme, weil mir komplizierte und lange Erklärungen oftmals im “einfachen Gespräch” zuwider sind und ich einfach davon ausgehe, dass mein Gegenüber mich ein wenig kennt und richtig einschätzen kann, dass bei mir solche krassen Aussagen und Worte immer relativ zu verstehen sind und niemals für absolut und korrekt hergenommen werden sollten. “Alle” bedeutet also nicht komplett und vollständig absolut jeder, sondern “einfach die Regel”, “grundsätzlich gehen die meisten”, “wenn man sich so umschaut und nicht gerade auf die berühmte Ausnahme trifft” und damit ist das als relativ zu betrachten, während ich diesen schwierigen und langen Absatz im Gespräch gerne mit “grundsätzlich alle” abkürze, um Zeit zu sparen und aufs Wesentliche zu kommen.
Ihr merkt: Sprache – schwieriges Konstrukt, und die Anzahl und Häufigkeit an Missverständnissen ist riesig! Das Ziel der Sprache ist also, möglichst durch lange Erklärungen und Umschiffen so viele Missverständnisse wie möglich auszuräumen, um so große Übereinstimmung mit dem Gegenüber zu schaffen, wie nur irgend möglich.
Dazu dann: Religion. Ich sehe förmlich schon die brennenden Heugabeln auf mich zufliegen, denn bei Religion können die Menschen erst recht richtig schön aufeinander losgehen und sich gegenseitig bekriegen, da sind dann noch Emotionen im Spiel und Hass, zutiefe Abscheu und gleichzeitig LIEBE zu den eigenen Menschen und der eigenen Religion, Absolutheit gegenüber anderen Weltanschauungen und -ansichten, hier gilt also nicht mehr nur das geschriebene oder gesprochene Wort, sondern da kommt die Emotion und Interpretation zum Einsatz, das Blut kocht hoch und es kommt regelmäßig zu Kriegen, Terror und Gewalt, weil der andere nicht glauben will, was ich glaube, also gehört er weggebombt. Damit könnte man verschiedene Abarten von Religion dann auch beschreiben (Ich weiß, es geht auch anders, aber ich will auf etwas anderes hinaus).
Nimmt man jetzt Sprache bzw. das Unvermögen der Sprache, und mischt es mit Religion und vertraut diesen Komplex dann der Verantwortung und Obhut einer Regierung an, dann kommt sowas wie “political correctness” raus, an der sich Medien, Freischaffende, Künstler, Menschen und andere Wesen den Arsch aufreißen und aus etwas eigentlich wunderschönem etwas vollkommen Verzerrtes und Hässliches machen.
Würde ich (und ich tu’s bewusst nicht, weil ich es krank und abartig finde), hier wirklich politisch korrekt schreiben und immer alles und jeden mit einbeziehen, jedes sprachliche Wehwehchen mit Eventualitäten wattieren und nur noch in Angst und Schrecken leben, ich könnte irgendeine völlig neue, unbekannte und anders interpretierte Form des Seins vergessen und damit “bewusst ausgegrenzt” haben, dann tun mir diese Leute unendlich leid, weil deren Leben so jämmerlich sein muss, dass sie sich tatsächlich von zwei Buchstabenbögen auf einem beleuchteten Display so provozieren und benachteiligt fühlen, dass ihr ganzes Leben in Erschütterung gerät – ich könnte dieses Blog schließen und würde nichts mehr posten, weil dies vernünftiger wäre, als diesem Quatsch untergeordnet zu sein und hier sprachliche Konstrukte auf die Menschheit loszulassen, die zwar politisch korrekt, dafür aber absolut unverständlich und vor allem unlesbar wären.
Dann würde zwar keiner mehr die Inhalte vom Text verstehen, niemand wüsste mehr, was ich zu sagen habe, niemand könnte sich mehr Hilfestellungen geben lassen, welche Filme für ihn toll wären, ABER: Meine Texte wären politisch korrekt.
Ergo: Political Correctness ist das dümmste, was es je gegeben hat, weil es nie darum ging, sondern diese Sache ganz andere Ursachen und Krankheiten in sich trägt, die viel eher zu ändern sind. Das würde an dieser Stelle aber zu weit führen.
Warum schreib ich jetzt hier also erstmal drei Bücher über Sprache, Religion und political correctness, wenn es eigentlich gar nicht darum geht?
Weil Ein Lied in Gottes Ohr wunderbar herrlich damit bricht und es zur damaligen Zeit, als noch niemand in den Medien großartig darüber spekuliert hat, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, eine absolute Freude war, einen derartigen Streifen mit dieser sprachlichen Leichtigkeit und herrlichen Unkorrektheit zu erleben, der wieder auf niveauvollem Spaß basiert und die Menschen sowohl unterschwellig etwas lehrt, dabei aber keine Moralkeulen um sich schwingt, sondern eher in erzählerischer Beschwingtheit ein absolut schwieriges Thema kabarettistisch humorvoll und voller Liebe auf die Spitze der Palme bringt und den Menschen permanente Lachmuskelprovokationen auferlegt, zwischen denen er dieses “hochgradig schwierige Thema” durchackern muss.
Und das macht so richtig tierisch Spaß, ist absolut derb und wird vom Film mit einer Feinfühligkeit und erlesenen Gradlinigkeit angegangen, die allen Ernstes bewundernswert ist, da man zwar den Bogen heftig spannt, es aber kein einziges Mal schafft, ihn wirklich zu überspannen, sondern die Sehne langsam entknotet und entfernt und den Menschen zeigt, dass alles eigentlich gar kein Problem ist, wenn man nur miteinander redet.
Leute: Es ist großartig! Das Drehbuch, die Witze, die Intensität des Sarkasmus und der gegenseitigen Provokation, die Basis und Ebene und das federleichte Dahinsegeln zwischen so vielen Unterschiedlichkeiten und Einzigartigkeiten, was damit ein herrliches Abbild unserer kunterbunten Weltkugel abgibt, in der alle Farben und Formen des Lebens zu finden sind, was uns übrigens von allen anderen Planeten und Kugeln in näherer Umgebung vollständig abhebt.
Dazu noch die Message und fertig ist einer der Kinofilme, die man sich unbedingt ansehen sollte, um nicht eine wichtige Lektion zu verpassen und natürlich: Um mal wieder herzhaft und ausgiebig lachen zu können ohne sich dabei panikartig in alle Richtungen umsehen zu müssen, ob nicht jemand von hinten links grad mit der Waffe der Moral auf einen zielt und soeben abgedrückt hat.
Dieser Befreiungsschlag aus den Fesseln der korrekten Aussprache ist eine absolute Wohltat und der Film beweist, dass dies völlig ohne Kränkungen und Wehklagen passieren kann und der Mensch doch tatsächlich in der Lage sein sollte, diese Dinge zu vollführen, ohne dabei den Planeten in Schutt und Asche legen zu müssen.
Ein Hoch auf diese grandiose Erkenntnis und möglichst viele volle Kinosäle in den nächsten Wochen, wenn dieses Fundstück des Jahres anläuft und endlich der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Ein Tipp von mir: Geht unbedingt rein!
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine großartige Entfesselung aus den erdrückenden Fängen von Sprache, Interpretation und political correctness: Dieser Film bezeugt mit einer Leichtigkeit, dass die ganze Sprachscheiße, die sich einige in letzter Zeit ausgedacht haben, völliger Humbug ist und beweist in klassischer Manier, dass es viel geiler, lustiger und vor allem entspannter genauso geht!
Ein Film, den man zwingend gesehen haben muss, allein schon wegen der bitterbösen Humorspitzen, mit denen man hier den Bogen nicht überspannt, sondern ihn sukzessive aus der Szenerie entfernt und zeigt, dass eigentlich gar kein Krieg herrscht, sondern der ganze Krampf alles menschengemacht ist.
Ein großartiges Lehrstück französischer Filmgeschichte, das mehr kann, als alle Politik in den letzten Jahren zusammengebracht hat. GEHT REIN!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 26. Juli 2018

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Bülent Ceylan ist mir noch bekannt aus den Zeiten, wo ihn noch niemand so richtig kannte, er völlig frisch war und durch etwas Originelles frischen Wind in die ermüdete deutsche Fernsehlandschaft gesprüht hat. Damals hab ich ihn wirklich gemocht und seine Sendungen und Auftritte extra eingeschalten.
Und wie es mit dem Erfolg so ist: Kaum wird man bekannter, kommen die Bosse aus ihren Sesseln hervorgekrochen und werfen mit Verträgen um sich, aus Hobby wird Verpflichtung, aus Genialität wird Wiederholung und irgendwann ächzt der größte Meister unter der Belastung, die der kommerzielle Erfolg mit sich im Handgepäck trägt.
Damals hat RTL ihn unter seine Fittiche genommen und als ich dann Jahre später beim Zappen mal wieder auf ihn gestoßen bin, war ich leicht schockiert. Nicht weiter schlimm, denn als Zuschauer hat man ja immer die Chance, einfach abzuschalten und jeden seiner Wege gehen zu lassen. Genau das hab ich vorerst auch getan.
Inzwischen enttäuscht von der fehlenden Informations- und Unterhaltungsstärke vom TV abgewendet ist mein neues Hobby bekanntermaßen auf die große Leinwand umgeschwungen und da begegnete mir doch kürzlich ein alter Bekannter mit seinem Kinodebüt wieder: Bülent Ceylan.
Mein Humorgeschmack ist das längst nicht mehr und obwohl Ceylan im Interview gesagt hat: “Wir wollen auch später noch mit Stolz auf unsere Arbeit zurückblicken”, ändert das meiner Meinung nach nichts an der Veränderung, die er als (Schauspiel)-Charakter hingelegt hat.
Wie ich immer so schön sage: Kein Film ist schlecht, nur das Publikum ist manchmal das falsche. Es gibt immer Abnehmer für diese Art von Humor und Unterhaltung und deshalb wäre es anmaßend von mir, zu behaupten, dass dieser Film Dreck ist. Da haben andere (Schein)Größen schon wesentlich schlechteres abgeliefert und sind damit richtig auf die Fresse geflogen. Ich denke, Ceylan hat schon recht mit dem, was er sagt: Er ist authentisch er selbst und lebt genau das, was er zu dieser Zeit jetzt verkörpert. Und ich persönlich glaube, dass auch seine Fans in ein paar Jahren noch mit Stolz auf das zurückblicken, was er in diesem Film geleistet hat – nur mein Geschmack ist es eben einfach absolut gar nicht.
Die Songs allerdings – das erkenne ich neidlos an – sind toll gemacht!
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer seine TV-Sendungen liebt, wird an diesem Film genauso Gefallen finden und seinen Spaß haben.
Die Gags sind halt nicht immer der Brüller, sondern befriedigen ein ganz spezielles Publikum, zu dem ich mich diesmal so überhaupt nicht zähle, es aber niemandem absprechen möchte, diese Art des Entertainments zu genießen. Man sollte sich vorher eben einfach nur darüber im Klaren sein, dass dies hier gewollt nicht zum elitären Kreis gehört, sondern man sich ganz gezielt das Publikum vorausgewählt hat. Und denen liefert man genau das, was sie dann auch gerne sehen möchten.

 
Nachspann
Ist mit Outtakes gespickt, bleibt also ruhig bis ganz zum Schluss sitzen. 🙂
Kinostart: 29. März 2018

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Frankreich. Ziemlich beste Freunde. Damit ist eigentlich alles schon gesagt.
Nur, dass der Humor hier noch viel zynischer, sarkastischer, witziger und greifbarer ist. Es macht so viel Spaß, sich mit dem Protagonisten von einem Fettnäpfchen ins nächste zu bewegen, der einen Tag erlebt, den sicher niemand – auch kein Kinozuschauer – mehr so schnell vergessen wird.
Lachen ist vorprogrammiert. Aber sowas von!
Dass sich die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache auf spaßige Unterhaltung verstehen, haben sie mit ihrem Welterfolg bei Ziemlich beste Freunde ja schon längst bewiesen. Allerdings zäumt man das Pferd jetzt nicht wieder von der gleichen Seite auf (“Ah, die, dann muss es ja gut sein!”), sondern generiert einen Plot, der dem Zuschauer die Chance bietet, sehr tief blicken zu lassen und ein Profil zu ergründen, dass in unkontrollierbaren Lachkrämpfen endet.
Und die Situationskomik schreit tatsächlich mit großartigen Tönen in die Welt. Vielleicht braucht man hier und da ein wenig Verweildauer, aber man hat es definitiv geschafft, die Zuschauer mitten ins Geschehen zu katapultieren, die sich nicht mehr als fremde Betrachter, sondern Teil des Geschehens erleben und damit Kino in seiner größten Vollendung genießen dürfen.
Und wahrlich: Das Leben ist ein Fest ist hier wörtlich gemeint: Es ist ein seelischer Gaumenschmaus, diesem Possenspiel beizuwohnen und man wackelt vergnügt wieder zurück ins Leben und hat definitiv keine schlechte Laune mehr, egal, was vorher gewesen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Darum: Reingehen!
Auch wenn dieser Titel sicher nicht in jedem Kino zu finden sein wird: Die Suche danach lohnt sich!
Die üblichen Verdächtigen wie “Frankreich kann Comedy” hier runterzuplätschern, fühlt sich fast schon verräterisch an, denn Das Leben ist ein Fest ist so viel mehr: Herzallerliebst, urkomisch, zum Schreien, herrlich, lustig und in vielen Facetten mit Gefühlen verbunden, die jeder Mensch gerne um sich herum hat.
Also gönnt euch mal wieder etwas und besucht diesen Film – es lohnt sich!

 
Nachspann
nicht sitzenbleiben, geht den Saal zum Reinigen frei 🙂
Kinostart: 1. Februar 2018

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