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Tag: Baum

Under the Tree

Under the Tree

© 2019 farbfilm verleih GmbH

Hafsteinn Gunnar Sigurðsson – muss ich mehr sagen? Lasst euch einfach drauf ein: Under the Tree ist ein oberkrankes, krasses, grandioses Kinostück sarkastischen Ausmaßes, das ich absolut feiere!

Hier ist Lachen angesagt! Mit so bitterbösem Zynismus nimmt man die Vorstadtidylle auseinander und sorgt mit warmherzigem, tiefschwarzem Humor dafür, dass dem Kinozuschauer zu keiner einzigen Sekunde langweilig wird.

Das nicht-amerikanische Non-Mainstream-Kino lässt eine Perle der Filmkultur ganz neu erblühen: Eine Ballade schwarzen Humors, das großartig besetzt und großartig gespielt ist sowie mit herrlichen Pointen punktet.

Genug der Worte: .kinoticket lösen und endlich wieder erfrischend anderes Kino genießen!

.kinoticket-Empfehlung: Black Humor at its best!

Nordisches Kino, Arthouse-Vorzeigestück mit herrlich-düstrem Humor, der seine Pointen exakt austariert hat und dem Kinozuschauer erfrischend anderen Leinwand-Teint liefert.

Spitzenklasse!

Nachspann
❌ birgt keine weiteren Enthüllungen: Dieses Ende ist sowieso schon grandios genug!

Kinostart: 16. Mai 2019

Original Title: Undir Trénu
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12

Das Gesetz der Familie

Brendan Gleeson und Michael Fassbender reichen eigentlich aus, um für diesen Film zu werben. Wer sich die Mühe macht und den zu viel sagenden .trailer ansieht, wird von dem packenden Stimmungskick niedergewalzt, der sich in dem Film ausbreitet.
Die Geschichte findet nicht nur in einer Nische statt, sondern entbehrt jedweder Normalität, die zu Langeweile führen würde. Der Sog in eine Welt vollgepackt mit skurrilen Abenteuern, zutiefst schwarzem Humor und einer herausragenden Mannschaft, die sich durch die Eskapaden schlängelt, bannt gnadenlos jeden, der sich vor der Leinwand versammelt hat.
Die großartige Macht, die man in dem Film verborgen hat, zieht seine gnadenlosen Kreise und offenbart sich als Entdeckung des Jahres: Fassbender und Gleeson sind großartig und spielen sich den Ball mit erschütterndem Ernst auf einer Spielwiese zu, die normalerweise Liebe und Geborgenheit spenden soll, hier aber völlig andere Richtungen einschlägt. Dabei ist nicht mal mehr nur diese so gnadenlose Andersartigkeit besonders, sondern die emotionale Finsternis, die sich in den Köpfen langsam wie ein Virus ausbreitet und alles und jeden befällt, während man im Kino sitzt und über den bitter-schwarzen Humor lachen muss.
Das als Komödie abzutun, würde dem Werk seine Würde rauben. Es als ernsthaften Teil einer Sicario-gleichen Meisterleistung hinzustellen, widerstrebt mir genauso. Ich würde sagen, er liegt zwischen den Fronten und baut sich dort seine Region maßgeblich aus, so dass für den Kinogänger wirklich keine Wünschen offen bleiben und man auf jeden Fall wahnsinnig gute Unterhaltung mit nach Hause nimmt, die auch im Nachklang noch lange zu sehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beeindruckend auf einer großen Spielwiese der verbalen Ausfallmöglichkeiten mit dem Ausreizen bis an die äußersten Enden ohne dabei vom Rand in den Abgrund zu stürzen: Das Schauspiel der Darsteller ist herausragend und die Kongenialität erschließt sich in allen Bereichen.
Obgleich man den Film nicht zwingend in einem Kino gesehen haben muss, macht er in einem vollbesetzten Saal doch sehr viel mehr Spaß als alleine zu Hause auf der Couch, wo seine Wirkung ebenfalls gleichermaßen beeindruckend ist.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, Zeit zum drüber reden darf man sich aber gerne trotzdem nehmen.
Kinostart: 3. August 2017

Sieben Minuten nach Mitternacht

Manchmal gibt es Menschen auf der Welt, die einen Draht zu etwas ganz besonderem haben. Genies. Vielleicht in der Realität total verarmte, verwahrloste oder unscheinbare Typen, die jedoch mit etwas ganz besonderem gesegnet sind. Menschen, die Schicksale erleiden, Menschen, die unglaubliches durchstehen müssen, Menschen, die man an ihre Grenzen bringt und ihnen anschließend einen Arschtritt verpasst und dabei zusieht, wie sie über sich selbst hinauswachsen und dabei etwas Unvergessliches erschaffen.

Ich weiß nicht, wer Siobhan Dowd war, wie sie gelebt hat, und was ihr widerfahren ist, ich weiß nur, dass sie vor Beendigung ihres Schreibens dem Krebs erlegen ist und daher diesen Roman niemals fertigstellen konnte. Dieser Aufgabe hat sich dann Patrick Ness angenommen und damit renommierte Preise, weltweites Aufsehen und einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Ich selbst habe dieses Werk noch nie in den Händen gehalten und kann daher keine Beurteilung darüber abgeben, inwieweit der Film der Buchvorlage gerecht wird, was ich aber weiß, ist, dass hier so dermaßen unglaublich brachiales, herzzerreißendes und zutiefst emotionales Kino geboten wird, um eine Geschichte zu erzählen, die meine persönliche Gefühlswelt jedes Mal bei weitem überfordert hat.

Das erste Mal (ich meine, es war Anfang November 2016) wusste ich nicht, wo ich im dunklen Kinosaal schnell ein paar Tücher kriegen konnte, um mein verheultes, ergriffenes Gesicht wieder einigermaßen alltagstauglich zu machen, während man mir beim zweiten Mal im April diesen Jahres die Frage stellte, ob bei mir alles in Ordnung sei, weil ich so ergriffen im Foyer sitzen würde.

Beide Male war der Film daran schuld. Beide Male war diese unglaubliche Ausdruckskraft, das künstlerische Können und die bildhafte Sprache von jugendlicher Rebellion, die jeden Erwachsenen anspricht und damit das Thema der Generationen galant überspielt, daran schuld – denn beide Male hat man brennende Pfeile auf mein Herz abgeschossen und sich meine cineastische Liebe ohne Kompromisse erkauft.

Mal ernsthaft: Ich hadere auch immer mit mir selbst (und lese deshalb vorzugsweise keine Bücher, von denen ich glaube, dass sie verfilmt werden könnten), ob man nun dem kreativen Freiraum des Geistes die Bühne gewähren und die Fantasie spielen lassen, während man sich langsam durch das geschriebene Wort wälzt, oder ob man sich genüsslich zurücklehnen und die Effekte spielen lassen sollte, um die Geschichte verblümt über die Leinwand rauschen zu sehen.

Ich denke, Sieben Minuten nach Mitternacht schafft beides – denn der Besuch im Kino ist packend und trifft garantiert jedes fühlende Wesen tief in seiner Seele an einem sensiblen Punkt.

Und daran ist nicht nur Sigourney Weaver schuld, der ich seit Alien treu ergeben bin, und auch nicht die Preisträgerin Felicity Jones oder der medienwirksame Liam Neeson, sondern einer der wichtigsten Säulen dieses packenden Stücks ist Lewis MacDougall, der als Jungdarsteller hier mit einer Mimik und berauschenden Ausdrucksart glänzt, die man Kinderdarstellern niemals zutraut.

Im Ernst: Was hat man diesem kleinen Kerl zu schlucken gegeben, dass der so eine abartig-geile Performance hinlegt und sein Publikum innerhalb von Sekunden an sich reißt und es keine Sekunde mehr auch nur einen Millimeter von sich weglässt?

So eine atemlose Jagd nach etwas völlig Unnatürlichem mit einer derartigen Bildkraft und emotionalen Tiefe habe ich selten erlebt. Und ich finde auch bei längerem Nachdenken keine vergleichbaren Filme, die ebenfalls mit solch einer Würde das innere Sterben von Glückseligkeit auf so eine wunderbare Weise darstellen und hier inmitten von Umrahmungen die größte Geschichte aller Zeiten erzählen.

Auf Deutsch: Noch nie war es so erbittert grausam, zu warten, bis man endlich darüber reden darf. Noch nie war es so unsagbar schwer, den Kinostart herbeizufiebern und endlich endlich endlich wieder und wieder in diesen Titel rennen zu können.

Leute? Obwohl mein Limit für UHD-Discs deutlich niedriger angesetzt ist, würde ich ohne zu zögern 49 Ocken auf den Tisch blättern, um das Teil nachts beim Einschlafen, morgens beim Aufstehen und unter tags auf dem Bildschirm rauschen zu sehen und beständig in die Abgründe der Seele des Kleinen abtauchen zu können.

Diese Notwendigkeit, mit der man hier Schmerz illustriert und dem Zuschauer über furchtbare Kanäle zuführt, diese Selbstverständlichkeit, mit der man die kindlichen Anomalien des Denkens überzeichnet und sie der Erwachsenenwelt zugänglich macht, die Vermengung von Alltäglichkeit und den unsagbar tiefen Abgründen kindlicher Ängste in einem Film zu verdeutlichen und jedem – wirklich jedem – nahezubringen, grenzt für mich selbst an ein unglaubliches Wunder.

Und genau so würde ich diesen Film auch bezeichnen: Als ein unglaubliches Wunder, dass den Kinofan und Filmliebhaber packt, umgarnt und anschließend tief in den Sog einer unfassbaren Welt zieht, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Und der einzige Weg zu überleben, ist der des kleinen MacDougall, der in diesem Stück die wohl wichtigste Lektion seines Lebens auf unvergessliche Weise lernt – und dies in der Umsetzung von Juan Antonio Bayona mit uns allen teilt

.kinoticket-Empfehlung: Solltet ihr die Wahl haben, entscheidet euch für die Originalversion mit Untertitel (OmU), denn nur hier schrammt man verbal wieder an der Profiltiefe, wie sie vom Autor wohl vorgesehen war.

Vergleicht einfach mal die Trailer auf YouTube, insofern ihr euch einen Teil der Geschichte bereits vorab zerstören wollt – oder vertraut mir und geht in die Vorstellung.

Wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt.

Nachspann
❌ braucht man nach dieser Gefühlsorgie nicht mehr, sondern eher Zeit zum Verdauen.

Kinostart: 4. Mai 2017

Original Title: A Monster Calls
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12

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