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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Benicio Del Toro

Sicario 2

Sicario war die Wucht – und wer den ersten Teil noch nicht kennt, sollte dies schnellstmöglich nachholen. Nicht nur dramaturgisch ist man besser bedient damit, wenn man die Vorgeschichte zu all dem kennt, sondern der Film als solches ist eine wahre Filmperle, die das Kino in seiner Größe und dem Crushing-Moment revolutionierte.
Mit Sicario 2 verspricht man nun, die Saga fortzuführen und die Bande vollkommen zu entfesseln. Ganz ehrlich? Der .trailer löste Gänsehautfeeling bei mir aus und ich hatte diverse Nervenzusammenbrüche, als man kurzfristig den Release-Termin auf November datierte. Dem ist ja nun gottseidank nicht so.
Tatsächlich entpuppt sich der zweite Teil als ein “Ankommen in der Filmserie”: Man hat von ganz oben das “GO” für die Reihe bekommen, der erste Teil hat sein Geld eingespielt und nun kann’s endlich richtig losgehen! Und das merkt man.
In der Fortsetzung wird’s etwas ruhiger in der Erzählweise, was jedoch nicht heißt, dass es weniger “shocking” wäre. Die Bilder sind genauso beeindruckend, der Style wird beibehalten und man entführt erneut an die Grenzen der Legalität und lässt das Gewitter des Hasses auf den Zuschauer hinab regnen.
Josh Brolin und Benicio del Toro haben schon im ersten Teil verdammt gute Eindrücke hinterlassen, die werden im zweiten Part nicht ganz so düster, jedoch genauso beeindruckend fortgeführt und man spürt, dass der ganze Film eigentlich als riesiger Auftakt für alle weiteren Teile dient. Und damit spiele ich auf das großartige und extrem vielversprechende Ende des Films an, das einen dritten Part quasi unabkömmlich macht. Und den wollen wir auch unbedingt sehen.
Oder um es mit den Worten eines Zuschauers aus dem Männerabend zu sagen: “Wenn ich Popcorn gehabt hätte, wäre danach mehr als die Hälfte über gewesen: der Film hat mich gefesselt. Daheim im TV macht der keinen Spaß, Sicario 2 braucht das Kino, damit er lebt.”
Das bringt es vollkommen auf den Punkt. Möge die Show beginnen, denn mit dem heutigen Donnerstag wird endlich das nächste Sicario-Zeitalter eingeläutet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Part II liefert nun den gigantischen Auftakt für ein Fest des Hasses und der Gewalt, das sich in dieser stilvollen Form seinen Platz auf der Leinwand redlich verdient hat.
Und damit ist nicht die Glorifizierung von Gewalt gemeint, sondern eine stylische Auseinandersetzung mit einem ewig andauernden Thema, dass die USA unlängst “begeistern” dürfte. Brolin und del Toro liefern einmal mehr großartige Arbeit ab und beginnen nun eine hoffentlich lang andauernde Reise durch immer weitere Sicario-Filmteile.

 
Nachspann
❌ einmal mehr der grandiose Soundtrack, der schon im ersten Teil so berauschend war. Weitere Szenen folgen aber keine mehr.
Kinostart: 19. Juli 2018

Avengers: Infinity War (3D)

Einige haben mir nicht geglaubt, als ich geschrieben habe, Black Panther sei nur der sanfte Auftakt für den bevorstehenden Infinity War – und ab Donnerstag prescht eben jener auf euch nieder und mäht alles weg, was es bisher jemals gegeben hat.
Marvel macht seit jeher alles richtig. Figuren einführen, Geschichten liefern, mit denen der Zuschauer sympathisieren kann, das Universum langsam ausgestalten und dann die Brachialität zusammenführen und aufeinander loslassen.
Was andere Labels schmähhaft kopieren und damit kläglich scheitern, Marvel weiß die richtigen Schrauben anzuziehen und liefert etwas ab, bei dem ich nicht gegen den Pressetext wettere.
Leute?
DAS sind Superlativen.
Und zwar welche, die funktionieren!
Ich hatte es schon im Gefühl, dass sie mit Infinity War ein Gewitter auf uns loslassen und habe mich über all jene Meldungen gewundert, die aus Black Panther den “bislang erfolgreichsten Marvel-Film aller Zeiten” machten, denn gefühlt ist der in meinen Augen nur ein armseliger Abgesang auf das, was uns da bevorsteht.
Es ist Dienstag Nacht, ich zähle zu den Gesegneten, die den Film bereits vor die Füße gesetzt gekriegt haben und ich bin seitdem ein paar Kontinente tiefer im Kinosessel festgeklebt und komme nicht mehr hoch!
Äh … Sprachlos!
Und meine Erwartungen waren GIGANTISCH! Okay? Da gehört es normalerweise zum guten Ton, dass man während der Vorstellung dann permanent verarscht, enttäuscht und links liegen gelassen wird – und nichts dergleichen ist passiert: Jeder Blick gefesselt auf die Leinwand mit offenem Mund während ich nicht glauben konnte, dass man aus “Fantasie” so etwas erschaffen kann.
WAHHHHH!!! Jetzt zeigt sich erstmal, womit man in all den Jahren mit dem ganzen “Anteasern” der Machtspitzen überhaupt erst hinaus wollte, auch wenn man vorher beim .trailer manchmal das Gefühl hatte, dass Thanos als kleines rumhoppelndes Männchen kein ernstzunehmender Gegner werden würde, sondern eher eine enttäuschende Figur abliefern…
NEIN!
DEFINITIV NEIN!
Ich würde Avengers: Infinity War mal gelinde gesagt als superlativen Schlag in die Fresse eines jeden bezeichnen – ein Film, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war. Beim Nachspann sitzt du allen ernstes im Kino und fragst dich, ob die es auf die Reihe bringen und diesmal einfach mal keine After-Credits bringen? Weil das so ein niederschmetternder finaler Roundhousekick in die Fresse wäre – und ehrlich gesagt: Es hätte mich nicht verwundert.
Ja, auch ich habe mir die ein oder andere These zum Film im Vorfeld im Internet durchgelesen und mit der gleichen Amüsiertheit wie bei den ganzen “definitiv richtigen Apple-Vorhersagen” verfolgt, was nun denn in Infinity War passieren müsste. Leute? Lächerlich!
Eure Thesen waren allesamt lächerlich. Und wir alle sollten um Vergebung flehen und lernen, dass Marvel tatsächlich kein Filmlabel ist, sondern eine geheime Religion, die nicht nur vorgibt, Götter für die Leinwand zu produzieren, sondern auch im Stande dazu ist, diesen Göttern wahrhaftig Leben einzuhauchen!
Ich weiß echt nicht, was ich dazu sagen soll, außer alles zu revidieren und mich geschlagen zu geben: Seit A Quiet Place – der im “Horror”-Sektor komplett aufgeräumt hat – ist etwas im Kino explodiert und wir alle sind jetzt entweder tot oder erleben gerade das geilste Filmzeitalter, das die Menschheit je hatte.
Infinity War gehört dazu!
 

.kinoticket-Empfehlung: Überlegt euch mal: Es gab 18 (!!!) – ACHTZEHN – Filme, die uns alle darauf vorbereitet haben, dass das hier kommen würde.
Und jeder davon war für sich ein eigener Riesenerfolg. Andere Filmreihen versuchen, immer größer zu werden, Marvel wird immer größer. Nach allem, was sie bisher abgeliefert haben, läutet man mit Avengers: Infinity War nun definitiv ein neues Kinozeitalter ein und hinterlässt tiefe Spuren, die dutzende andere Arbeiten gemeinsam bei weitem nicht wegzudrängen vermögen.
Geht in die größten Kinos die ihr findet – schöpft und kostet das neue Dolby Atmos aus und lasst euch einfach gehörig schön wegbomben – es macht endlich wieder einmal richtig Spaß – und das ohne eine einzige Pause!

 
Nachspann
Es ist und bleibt Marvel.
Kinostart: 26. April 2018

Star Wars – Die letzten Jedi (3D)

14. Dezember 2018 – der Tag, auf den viele Filmfans dieses Jahr hingefiebert haben: Heute ist es endlich soweit – das heiß ersehnte SciFi-Spektakel startet auch hierzulande in den Kinos.

Und dabei reden wir nicht einfach nur von einem Film. Ich meine, seien wir ehrlich: Man kann hinstellen, wen immer man will: Cameron, Nolan, Tarantino oder alle zusammen – kommt Star Wars um die Ecke, spürt jeder Cineast auch auf einmal die Macht, die nicht nur den Filmen innezuwohnen scheint, sondern auch unseren Planeten mächtig im Griff hat. Star Wars hat sich inzwischen zu einer dominierenden Marke etabliert, die nicht nur innerhalb des Kinos das Sagen hat und bestimmt, was um einen herum geschieht.
Wer, was, wieso, weshalb, wo jetzt dazwischen und wie überhaupt?
Fangen wir also mal mit ein klein wenig Erleuchtung für die Nicht-Kenner der Saga (gibt’s die eigentlich?) an und klären ein paar geschichtliche Reihenfolgen:
Alles begann im Jahre 1977 mit Episode IV, die dieses Jahr immerhin ihren 40. Geburtstag feiert und somit selbst schon ein halbes Leben auf dem Buckel hat – gefolgt von Episode V und VI.
Danach (komisch, ich weiß) folgen Episode I, II und III – die innerhalb der Star Wars-Welten allerdings tatsächlich vor Episode IV spielen, gefolgt von dem 2015 erschienenen Star Wars: Das Erwachen der Macht.
Jetzt war irgendwie klar, dass man die Nachfolge-Trilogie auch noch abschließen möchte und dafür braucht man bekanntlich Zeit – ergo schob man noch einen Zwischenfilm (Rogue One) ein, der sich geschichtlich zwischen III und IV bewegt, um jetzt mit Episode VIII zurückzukehren.
Ihr merkt schon: Verwirrung vorprogrammiert. Am einfachsten ist es wohl, sich die Filme in Star Wars-Abfolge anzusehen, dann kann man sich einfach episodenweise vorarbeiten:
Episode I – Die dunkle Bedrohung
Episode II – Angriff der Klonkrieger
Episode III – Die Rache der Sith

Rogue One – A Star Wars Story
Episode IV – Eine neue Hoffnung
Episode V – Das Imperium schlägt zurück
Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Episode VII – Das Erwachen der Macht
Episode VIII – Die letzten Jedi
Episode IX
 (folgt noch)
Außerdem hat Disney-Chef Bob Iger bereits verlauten lassen, dass man nach Abschluss eben jeder dritten Trilogie erneut eine Trilogie in den Ring werfen wird, die das ganze Universum dann völlig neu aufarbeitet und quasi mit neuen Charakteren in neuer Umgebung neue Geschichten erfinden wird: Möge der Kapitalismus beginnen!
Aber keine Angst, das hier wird nicht schon wieder ein Disney-Bashing-Artikel, soll aber eine Sache trotzdem ein klein wenig beleuchten: George Lucas gilt allgemeinhin als Erfinder von Star Wars und wurde für sein Vermächtnis an die Filmwelt ja bereits seit Jahren durch Hyper-Fandom und unsäglichen Erfolg geehrt, den u.a. die für damalige Verhältnisse bahnbrechenden Effekte herbeigeführt haben, die heute eher nur unter nostalgischen Gesichtspunkten im Kino noch funktionieren würden (man erinnere sich an die Einmalvorstellungen von Terminator 2 – Tag der Abrechnung, die dieses 1984er Jahre-Gefühl sehr wohl wieder hervorrufen konnten).
Gleichzeitig besitzen die alten Star Wars-Filme von Lucas (also Episode I bis VI) aber auch einen nicht erklärbaren, mystifizierten Geschichtsteil, der durch unsere Hingespinste genährt am Leben erhalten wird und sich bis heute eine große Fangemeinde erkämpft hat. Dieses Fehlen von SciFi-Stumpfsinn, der eben nicht alles in banalen Gut-gegen-Böse-Schlachten enden lässt, hatte etwas Nichtgreifbares, in das wir alle hineingesogen wurden und wo sich jeder Sympathisant irgendwo wohl drin fühlt.
Und damit führt man das Kino seiner Bestimmung zu: Dem Zuschauer etwas zu bieten, dass ihn aus seinem Alltag entreißt und in eine andere Welt wirft, die ihn von seinen aktuellen Sorgen erlöst oder ihm einfach unfassbar gute Unterhaltung bietet.
Und genau das konnte einem Episode VII nicht mehr in der Fassung liefern. Die Seele bekam Kratzer – das Unantastbare von Star Wars wurde heruntermoderiert und auf einmal salonfähig gemacht, kapitalverschlungen, seltsam. Und dieser Fakt machte mir unglaublich Angst.
Jetzt saß auf einmal nicht mehr Gründer, Erfinder und Genie am Drehbuchross, sondern die ganze Sache wurde an Disney über- und somit irgendwie dem Abschuss freigegeben. Die Tatsache, dass selbst der “Geduldet euch noch ein Weilchen, bis wir endlich mit dem Hauptfilm fertig sind”-Zwischenfilm Rogue One besser als der eigentliche Hauptfilm war, spricht eigentlich für ein erbärmliches Armutszeugnis, dass da veranstaltet wurde. Und tatsächlich erzählen mir so ziemlich alle Befragten in meinen unzähligen Kurzinterviews immer das gleiche: Der siebte Teil war definitiv der schlechteste.
Damit wäre Disney zu wünschen gewesen, sie hätten sich mit dem aktuellen Teil voll auf die Schnauze gelegt und den Verkauf von Lucas rückabgewickelt, um diese Legende in Ehren zu erhalten und nicht weiter dem cineastischen Tod zuzuführen – oder auf deutsch: Meine Erwartungen waren unterirdisch!
Überhaupt sind solche Reboots ein heikles Eisen, das in den meisten Fällen dafür sorgt, dass man sich als Veranstalter gehörig die Finger verbrennt. Selten geht so etwas tatsächlich gut, ohne alte Fans zu verärgern oder etwas Niedagewesenes zu egalisieren. Und obwohl die etablierte Presse die Nähe zu Teil 4 und 1 eher lobend erwähnt, ist eben jene Gleichstellung beim Volk negativ aufgestoßen, die hierin nur eine billige Kopie der einstigen Originale sahen und daher eher gelangweilt waren. Warum auch sollte man sich keinen Film ansehen, der heute (2017) immer noch genauso funktioniert wie 1977? Genau daran bemisst sich die Größe, die dem Urwerk angediehen ist und die es auch niemals verlieren wird.
Aber kommen wir zu den erfreulicheren Tatsachen: Die Tagespresse schreibt Scheiße über den neuen Film, was gleichermaßen bedeutet, dass der neue Teil absolut gelungen ist. Ehrlich gesagt ist er in meinen Augen so hervorragend gelungen, dass man auch als Nicht-Fan und bekennender Von-Star-Wars-Gelangweilter auf einmal mega Bock auf die Filme bekommt und sich schielend in Richtung Blu-ray-Regal bewegt, um doch einmal einen Blick darauf zu werfen: Er unterhält nämlich in einer unvergleichbar lockeren Art und Weise, die zwar hämisch und ironisch sein mag, diese Humorspitzen aber super ausgewogen mit der eigentlich niederdrückenden Atmosphäre vom Star Wars-Universum mischt und dem Zuschauer ein mehr als erträgliches Megaspektakel vor die Füße wirft, dass sich – im Vergleich zum Vorgänger – dann auf einmal doch wieder ernst nimmt und sehr viel Augenmerk auf die inhaltlichen Aspekte wirft.
Fraglich ist allerdings, ob diese Filme dann tatsächlich noch an Kids gerichtet sind oder man sich eher darauf besonnen hat, die Einstigen, die damit aufgewachsen sind, wieder abzuholen und ihnen etwas zu bieten, dass sie an ihre Zeiten erinnert und somit Versöhnung mit den Kindern der 80er schließt.
Hier steckt unfassbares Potenzial drin, dass man sehr austariert und optisch beeindruckend auf die Leinwand bringt und damit wieder zum Tummeln in den Foyers der Kinos einlädt, um seine Filme nicht nur lapidar auf Streaming-Portalen zu schauen, sondern tatsächlich im Kreise von anderen Fans zu feiern. Und diese Kultur ist es doch, die Cineasten das Herz aufblühen lässt und beweist, dass auch 2017 Kino noch zu den benötigten Orten gehört, die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz haben – trotz all des Onlinewahns, der sich in den letzten Jahrzehnten unter den Menschen so ausgebreitet hat.


Ich persönlich kenne kaum eine Filmreihe, die derlei Reaktionen beim Publikum auslöst, zumindest in regulären Kinos nicht. Das Feeling ist einfach gleich ein ganz anderes, wenn man umgeben von Filmfans ist, die nicht nur zum Schauen, sondern zum Zelebrieren ins Kino kommen und einem dann hinterher auch mitteilen, dass dies nicht die einzige Vorstellung gewesen sein wird, die sie besuchen werden.
In den hastig abgefragten Querschnittsmeinungen heute Nacht ergab sich ein deutliches Bild davon, dass der Film bei diesem Publikum (erste öffentliche Vorführung) sehr deutlich an Sympathien dazugewonnen hat und auch die immense Laufzeit von geschlagenen 152 Minuten wurde von keinem als zu lang empfunden. Im Gegenteil: Man will ja Star Wars und kriegt es auch – und dafür braucht es bekanntlich sehr viel Zeit.
Beim Humoranteil scheiden sich ein klein wenig die Geister: Einige sind der Meinung, man setzt damit zu früh ein, andere meinen, es ist zu viel und typisch Disney, würden sich den Film aber trotzdem nochmal anschauen und das höchstwahrscheinlich sogar gleich dieses Wochenende.
Man spürt deutlich, dass Disney damit das Unfassbare gelungen ist und das Publikum durchaus positiv auf den Streifen reagiert. Man weiß zu überraschen, hat unvorhersehbare Spannungsmomente und führt die Erzählung in Richtungen, die vielversprechend sind und damit Lust auf Kommendes säen. Das Mysterium ist wieder da und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Saat aufgehen wird und man den Bann erneut erweckt, der die Fans ins Kino zieht und damit über den Erfolg dieses Teils entscheiden lässt. Das kommende Wochenende wird genau das zeigen.
Und bevor ich’s vergesse: Laserschwert-Schlachten nicht in 3D anzuschauen ist ein Frevel!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Nicht-Fan empfiehlt es sich spätestens jetzt, in den Film zu gehen, denn der hat enormes Bekehrungspotenzial und kann einen mit der Saga wirklich anstecken: Meine unterirdischen Erwartungen wurden rigoros übertroffen und exorbitant getoppt.
Die nostalgische Note zur historischen Vergangenheit ist genauso gegeben wie der Schritt in neue Zeitalter, die früher oder später angetreten werden müssen. Man ist endlich wieder locker, offenbart sich in erzählerischen Stärken und liefert so endlich das, was Teil VII bisher nicht bieten konnte.
Star Wars: Die letzten Jedi macht Spaß und schürt unstillbare Gier nach weiteren Teilen. Weiter so!

 
Nachspann
bleibt After-Credits-Scene-frei, als Fan gehört es sich aber nicht, bei der Ausklangsmusik schon aus dem Saal zu rennen.
Kinostart: 14. Dezember 2017

Sicario

Ich habe Schmerzen. Schmerzen vom Aufschleifen meiner Kinnlade am Boden, die seit den ersten 3 ½ Sekunden des Films permanent dafür sorgte, dass mein Mund ununterbrochen offen stand.
Und für Kinofetischisten wie meinereiner ist es höchste Kunst, wenn ein Macher so etwas fabriziert, das mich gelinde gesagt komplett wortlos werden lässt. Meine Begleitung hatte zumindest riesigen Spaß dabei, mich mal wirklich vollkommen geflasht und breit in den Boden gekloppt zu erleben, denn – mir – fehlen – einfach – die – Worte!!!
Auch Tage danach (der Film lief vor 7 Tagen bei mir in der Sneak) bin ich immer noch unzufrieden bei dem Gedanken daran, wie ich es in meiner Unfähigkeit schaffen soll, Leute wie euch dazu zu bewegen, euren Hintern ins Kino zu schleifen und euch dieses Meisterwerk anzuschauen!
Ganz ehrlich? Dieses Teil erhebt so völlig gar keinen Anspruch daran, sich mit irgendwelchen Blockbustern und Weltrekorden zu messen und generiert dadurch eine derartig unfassbare Größe und Wucht, dass JEDEM (!) Showteilnehmer die Fresse einfach nur offen stand. So einen ruhigen, geschockten, braingefuckten Saal habe ich in meiner Karriere als Kinosüchtling bislang noch niemals erlebt. Es war kein Muckser zu hören – nicht einmal das Knacken von Popcorn zwischen den Zähnen geschweigedenn irgendwelches Rascheln von Plastik-Nacho-Packungen oder Popcorntüten – nichts! Betroffene Stille, betretenes Schweigen, ehrfürchtige und respektvolle Bewunderung – oder auch einfach nur der pure Schock dessen, was man dort zu sehen kriegt.
Kino für Weicheier? Drei Säle weiter – hier kommt Kost auf den Tisch, die nicht nur schwer verdaulich, sondern in höchstem Maße anspruchsvoll ist. Emily Blunt – eine Göttin was Filme dieses Genres angeht. Ihr Gesicht, ihre Ausdrucksweise, ihre Stimme, die Dialoge, die verdrahtete Verzweiflung und der kämpferische Geist – im Zusammenspiel mit Josh Brolin oder Benicio Del Toro – oscarwürdig! Wenn dieser verdammte Streifen nicht mit Anerkennungen überschüttet wird, verliere ich meinen kompletten Glauben an alles, was die Menschheit je ausgemacht hat.
Die Brutalität und zeitlose Zerstörung der heilen Welt, die einem sonst überall vorgesetzt wird – ein Meisterwerk. Du bist nicht davor, du bist auch nicht dabei oder mittendrin, du erlebst diese verdammte Scheiße selbst und vergisst, dass du dich mitten im Kino befindest. So nah an etwas herangeführt, tief reingezogen und verschluckt, verdaut und hinterher völlig verdattert wieder ausgespuckt hat dich noch kein Dino dieser Welt.
Die Gesichter der Menschen beim Verlassen des Kinosaals (übrigens mucksmäuschenstill und in erhabener Demut und respekteinflößender Furcht) wären selbst schon einen eigenen Film wert gewesen, hätte sich jemand die Mühe gemacht und eine Kamera am Ausgang postiert. So etwas abartiges habe ich noch niemals erlebt – nicht in dieser Form, nicht in dieser Masse.
Wenn ihr irgendeinem Menschen etwas gutes tun wollt, dann fesselt ihn, ladet ihn in den Zug oder euer Auto, lasst ihn im Kino wieder frei, nachdem ihr die .kinotickets für Sicario gelöst habt und zieht euch verdammt nochmal diesen Streifen rein.
Freunde von mir berichteten übrigens von genau den selben Phänomenen wie sie mir begegnet sind: Geschocktes Schweigen, absolute Ruhe, der pure Hirnfick schlechthin. Und auf Twitter und Facebook geht es weiter … es geht also nicht nur mir so, sondern das Ding löst tatsächlich weltweit diese Gefühle in Menschen aus.
Was bleibt mir letztlich noch zu sagen, außer…
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn es je einen Grund gab, ein Kino von innen zu besichtigen, dann dieser hier.
So eine abartige Wucht an Bildern, Dialogen und prätenziösen Momenten hat es selten bis nie gegeben.
Was hier geboten wird, schlägt nicht nur bei mir hohe Wellen und forciert dich in eine Welt, die authentischer nicht dargestellt werden könnte.
Sicario hat aber mal sowas von den Nagel auf den Kopf getroffen, dass einem vor Ehrfurcht schon fast schlecht wird. Rein rein rein rein rein – man kann ihn nicht oft genug sehen!

 
Nachspann
braucht dieser Streifen nicht. Der Schock sitzt viel zu tief in den Gliedern, als dass man sich danach noch auf irgendwas anderes konzentrieren könnte.

Escobar – Paradise Lost

Über das Leben des kolumbianischen Drogenbosses gibt es ja mittlerweile schon genügend Presseberichte und Filme. Seine Brutalität ist weltbekannt und nicht umsonst gilt er als einer der brutalsten Menschen überhaupt.
Escobar – Paradise Lost mutet dadurch fast wie ein moderner Pate-Film an, dessen Besetzung eben nicht mehr mit historischen Gesichtern auftrumpft, sondern mit Jünglingen punktet, die man als Peeta Mellark aus Filmen wie Die Tribute von Panem kennt.
Faszinierend zu sehen, dass Josh Hutcherson nicht nur süß aus der Wäsche schauen und perfekt gestylt durch die klinisch reinen Kulissen eines korrupten Systems laufen, sondern so derb überzeugend einen Part innerhalb eines solchen Systems spielen kann, dass einem einfach nur die Spucke wegbleibt.
Die filigrane Charakterzeichnung zeigt nicht nur bei ihm deutliche Nuancen zwischen Gut und Böse und beweist einmal mehr, dass die klassische Rollenverteilung bekannt aus alter Schule heute nicht mehr greift. Was hier abgeliefert wird, grenzt an Genialität, denn nirgends habe ich bisher so wunderbar verworren die Züge von Sympathie und absoluter Grausamkeit zusammen vermischt innerhalb einer Person vorgefunden – wenn man von Der Pate mal absieht.
Hier will man mit Szenen schocken. Dem robinhoodesken Helfersyndrom von Escobar – hervorragend gespielt von Benicio Del Toro – erlegen, findet man sich sympathisierend mit diesem Drogenboss wieder, der zeitgleich durch absolut unmenschliche Härte immer wieder mit Dingen schockt, die einem zeitweise das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Kaum auszuhalten, wie verkrampft man teilweise im Kinosessel sitzt und der Dinge harrt, die da kommen mögen. Spannung pur, denn auch mit trickreichen Wendungen hat man hier nicht gespart.
Wenn die Macher erreichen wollten, dass man im Hirn so richtig gefickt wird und einfach nur fassungslos wieder aus dem Kinosaal spaziert, dann haben sie hier voll ins Schwarze getroffen. Anspruchsvolles Kino, dessen schauspielerische Leistungen zusätzliche Erwähnung finden sollten, denn die darf man ganz weit oben ansiedeln. Endlich mal eine Liebesgeschichte, die keine sein möchte und die dadurch auch funktioniert.
Am Schluss hat man viel Stoff zum Nachdenken und einen Film mehr gesehen, der zu Recht das Prädikat: Wertvoll verliehen kriegen sollte. Arthaus lässt grüßen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Anschauen. So wie schon Shank eine Epochenerneuerung darstellte, so anspruchsvoll und erhaben wird hier Der Pate in die neue Zeit transferiert und super spannend auf die Leinwand gebracht.
Wendungen, Story, und schauspielerisches Können bewegen sich auf ganz hohem Niveau und beeindrucken mit einer Größe, die seinesgleichen sucht.
Definitive Schau-Empfehlung. Rein da!

 
Nachspann
Lohnt sich nur dann, wenn man auf die Musik nicht verzichten möchte. Visuelle Eindrücke bleiben hier aus.

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