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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Bradley Cooper

A Star is Born

A Star is Born: einer der Filme, auf den mein Umfeld zur Zeit gerade sehnsüchtig wartet. Viele sehen den .trailer und zerschmelzen, sobald Lady Gaga ihren Mund aufmacht und singt.

Cool. Und ja, auch ich hatte zeitweise dabei Gänsehaut, auch wenn ich dem medialen Hype, der um diese Frau gemacht wurde, unlängst nichts abgewinnen kann.

Als Kinokenner hat man natürlich so seine lieben Bedenken, wenn der Hauptdarsteller gleichzeitig auch Regisseur eins Films ist: Ungeschriebenes Gesetz Nr. X: Sowas geht in der Regel komplett in die Hose.

Fakt 1: Bradley Cooper ist ne unglaublich coole Socke, der schauspielern einfach drauf hat.

Fakt 2: Lady Gaga kann singen.

Fakt 3: Die beiden sind ein unglaublich gutes Team, was diesen Plot angeht.
Und die Bedenken werden … wahr :/ – was allerdings weniger schlecht ist, als ihr jetzt vielleicht denkt.

Der Punkt ist: Der Film ist da. Er hat alle Komponenten, die ein Film braucht und schmeißt sie alle in einen Topf. Sprich: Nichts davon ist wirklich schlecht. Nur die Komposition, das “Umrühren beim Kochen” und zusammenstellen der einzelnen Single-Parts, wie ein Koch es tut, wie ein Dirigent es tut … oder eben: wie ein Regisseur es tut – das fehlt. Da geht Cooper ein wenig der Arsch auf Grundeis.

Sprich: Das Ding hat keinen richtigen Plot, erzählt aber trotzdem eine Geschichte und alle Bausteine, die da so auf dem Boden liegen, sind für sich allein total schön und gemütlich, herzerweichend und geil. Und darum hat man beim Film absolut kein schlechtes Gefühl, fühlt sich verlassen oder ähnliches, sondern der Sound umspült trotzdem die Herzen und: Wenn beide (!!!) den Mund aufmachen und singen, dann löst sich der Boden unter euch allen auf und ihr schwebt in Sphären, von denen ihr vorher nichts wusstet! Die Songs sind alle !!! unfassbar geil und berühren die Herzen!
Allein dafür: .kinoticket lohnt!

.kinoticket-Empfehlung: Die Songs!!!!!!!!!!!!!!

Kurz gefasst: Bradley Cooper ist kein Regisseur, sondern Schauspieler, der Film beinhaltet aber trotzdem alles, um die Menschen mit den unglaublich geilen Songs wegzubashen. Der übliche “Weg” des Plots fehlt einfach ein wenig, die einzelnen Bausteine sind unsortiert aber dennoch unfassbar schön und den Besuch im Kino wert!

Achja: Sucht euch große Säle mit guten Boxen aus – davon lebt der Film!

Nachspann
✅ Ihr seid in einem Musikfilm. Und Nachspänne sind die Heimat von Musiksongs!

Kinostart: 4. Oktober 2018

Original Title: A Star is Born
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (3D)

“Nein, Schatz, wir bleiben jetzt hier so lange stehen, bis so ein verdammtes Kind kommt und uns dieses Ticket wieder abkauft, der Film ist echt scheiße, glaub mir! Der ist total blöd.”
(Zitat eines Besuchers im Kino an der Kasse, dessen Name ich nicht kenne)

Denken wir einfach mal wieder in Klischees. Nehmen wir die alteingesessenen Omas mit trockenem Streuselkuchen, die brav jeden Sonntag in die Kirche rennen und bei denen es sich nicht geziemt, dumm daher zu quatschen, könnte man obiges Zitat auf jeden Fall verstehen. Wer Guardians of the Galaxy kennt, wird die Fortsetzung lieben. Wer damit nichts anfangen kann, sollte womöglich doch mal einen Blick mehr in die Materie des Films werfen und sich vielleicht sogar den wahnsinnig gut gemachten Teaser anschauen, um einen ungefähren Einblick in das – verständlicherweise – wirre Geschehen dieser Storyline zu ergattern, denn normal ist hier tatsächlich nichts

Viele wissen ja noch nicht mal mehr, dass dieser Teil aus der Reihe der Avengers-Filme entspringt und eines Tages mal Part einer “Wir zeigen alle Marvel-Filme am Stück im Kino”-Session sein könnte. Und bevor ihr großartig suchen müsst, gibt’s … weil heute Sonntag ist und wir alle gelernt haben, dass jeden Sonntag hier Trailer am Start sind …

… den Trailer im O-Ton vom zweiten Teil der Beschützer des Universums. Here we go – präsentiert von © Marvel Entertainment:

BAM. Ich glaube, damit hat man bereits einen ganz guten Eindruck, in welche Richtung sich der Streifen entwickeln wird, jedoch noch längst kein vollständiges Bild davon, was einen wirklich erwartet, nämlich:

  • wesentlich geilere Jokes als vorhersehbar
  • mehr Action
  • mehr Superlative
  • mehr Gagfeuerwerk mit höherer Schlagzahl
  • abartigstes räumliches 3D (Leute, investiert in das 3D-Ticket!!!)
  • und so ein Mega-Pack an irrsinnigem Klamauk, dass Kino einfach mal wieder richtig Spaß macht – ohne nachzudenken und mit ganz viel Popcorn

Wer will, darf auch gern öfters rein – ich werde mir definitiv noch die ein oder andere Vorstellung abgreifen (es lebe die CinemaxX Goldcard ^^) und hoffe, dass es mir sehr viele gleich tun werden – denn Teil 3 dieser Reihe ist bereits angekündigt und soll auch unbedingt produziert werden. Zumindest mal, was meine Meinung betrifft. Denn die Guardians gehören für mich mit zur coolsten Truppe der Avengers und haben bisher alle Ernsthaftigkeit oder Lustlosigkeit mit Humor, Flapsigkeit und zielführender Selbstsatire überspielt und somit jedesmal einen Volltreffer abgeliefert.

Warum man den Film sehen sollte

  • Weil’s kein vernünftiges 3D fürs Heimkino gibt
  • weil der Film überall NICHT wirkt, außer auf einer megagroßen Leinwand mit absolut gigantösen Boxen im Hintergrund
  • weil’s gemeinsam definitiv mehr Spaß macht und man bei der richtigen Lautstärke auch keine Popcornmahlmühlen-Sitznachbarn mehr neben sich stören hört
  • weil Filme wie dieser einfach nur fürs Kino geschaffen sind und nicht für kleinere Displays
  • weil die Guardians eine coole Gang sind, die nichts anbrennen lassen und bei denen auch niemals Langeweile aufkommt – trotz immens langer Spielzeit

.kinoticket-Empfehlung: Also: Ausreden fallen lassen, 3D-Ticket buchen und Abflug ins Kino.

Und zwar, so lange das Teil noch in den großen Sälen gespielt wird! Alles andere ist schwachsinnig, da keine Dorfklitsche das so auf die Reihe bringt, wie ein gigantisches Monsterkino, dass die entsprechende Hardware im Hintergrund hat und bei den richtigen Stellen nochmal auf verstecken Boost zurückgreifen kann.

Witzig, räumlich auf allerhöchstem 3D-Niveau, flott, kurzweilig und irgendwie auch völlig blöd (aber lustig-blöd) – und dadurch total sehenswert.

Nachspann
✅ Wer das immer noch nicht kapiert hat, kriegt für die nächsten 10 Marvel-Filme Sichtverbot: Der Publisher hat immer eine After-Credits-Scene, diesmal sogar mehrere. Also jedes Mal, wenn im Vorspann Marvel auftaucht, bleibt man bitte bis zum bitteren Ende sitzen! Jedes. Einzelne. Mal!

Kinostart: 27. April 2017

Original Title: Guardians of the Galaxy Vol. 2
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12

War Dogs

“Der Film ist eine Mischung aus Lord of War und Wolf of Wallstreet – um einen aus dem Saal zu zitieren, der damit mal nicht ganz unrecht hat.
Man darf von Jonah Hill halten, was man möchte – auch mir ist der Knabe nicht in jedem seiner Streifen wohlgesonnen gewesen, aber was zählt, sind die Fakten und das Trara drumrum. Und da wird auch hier wieder ein geschmackvoll inszenierter Blick auf die Wirklichkeit ins Leben gerufen, der wohl einige Nicht-Denker dazu animieren könnte, die Sülze von Brei zu interpretieren, die einem tagtäglich von Medien wie TV oder Zeitung vorgesetzt wird, um anschließend daraus brauchbare Informationen zu schöpfen, die das verklärte Weltbild des gemeinen Dummbürgers mal ordentlich durch die Mühle rütteln.
Obwohl der Film in punkto Unterhaltungswahnsinn nicht den Adrenalinstoß ausschüttet, den man sich nach dem Trailer wohlweislich erhofft hätte, ist hier dennoch unglaublich wichtiges Gedankengut vergraben, dass schnellstmöglich an alle verteilt werden und in verdaulichen Dosen unters Volk gebracht werden sollte. Und wieder einmal unterstreicht die eigentliche Nicht-Brillanz der Darsteller die Wichtigkeit des gezeigten Themas: Jeder sollte so einen Blick dafür entwickeln, wie es die beiden gleich am Anfang des Films vormachen.
Dass so etwas auf “wahren Begebenheiten beruht”, mag ja manch einer als PR-Masche auslegen und gänzlich glauben, was man im Kino vorgesetzt kriegt, sollte man sowieso nicht. Allerdings lädt War Dogs dazu ein, intensiver über manche Sachen nachzudenken und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen – und genau dafür sind Kinofilme u.a. in meinen Augen gedacht.
Dabei offenbart das Werk nicht nur die Machenschaften der Dinge, die man als Durchschnittsbürger gar nicht mitkriegt, sondern zeigt auch mal öffentlich auf, mit welchen Methoden hier überhaupt vorgegangen wird und worauf es auf der großen Weltbühne des Lebens eigentlich ankommt.
Dieses Wissen wird ja wohlbekanntlich nicht mehr in Schulen vermittelt (wurde es das je?), sondern in Büchern versteckt oder unter Fachkreisen diskutiert, zu denen niemand richtig Zugang hatte. Nun ist es für alle einsehbar auf der Leinwand, eingepackt in feschem Witz, trivialen Humor, spannungsgeladenen Wahnsinn und eine Story, die so verrückt klingt, dass sie tatsächlich wahr sein muss.
Für mich hat sich der Kinobesuch gelohnt und ich bin mir sicher: Solltet ihr ein klitzekleinwenig Spaß daran haben, zwischen den Zeilen zu lesen, wird euch dieser Film unglaublich gefallen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man braucht keine komödiantischen Höchstleistungen erwarten, kriegt aber eine Geschichte geliefert, die einen Kinofilm verdient.
Die Darsteller machen ihre Sache gut, auch wenn da sicher noch Luft nach oben ist, was zählt sind allerdings die Dinge, über die gespielt wird – also das Thema an sich. Und mit welcher Schroffheit und Zügellosigkeit hier umgegangen wird, offenbart eine neue Dimension von Wahnsinn in einer Welt hinter den Kulissen dieser Welt. Das allein macht War Dogs schon zu einem sehenswerten Film.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, aufspringen – rausrennen … macht ihr ja sowieso!

Joy – Alles außer gewöhnlich

Wer in den vergangenen Monaten gut aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass ich gewöhnliches hasse. Ich verachte die Eintönigkeit, das triste Dasein immer wiederkehrender Elemente, die nichts aussagen und im Sumpf einer riesigen, ausdruckslosen Masse untergehen.
Wie sollte es also anders sein, dass mich dieser Filmtitel förmlich ins Kino zerrte und ich den Filmstart kaum abwarten konnte.
Wer Silver Linings gesehen hat, weiß, dass die Kombination aus Bradley Cooper und Jennifer Lawrence einfach nur funktionieren kann. Das Schöne hierbei ist, dass man Lawrence nicht auf ihren Hauptfilm reduzieren muss, um zu spüren, dass diese Frau einfach schauspielern kann. Wahnsinn, mit welchem Eifer und Lebensmut sie in diesem Stück an die Sache geht und nicht nur brillante, sondern triumphierende Arbeit ablegt.
Dass dieses Mädchen in Hollywood auf einer großen Position angekommen ist, ist für mich einer der größten Erfolge des vergangenen Jahres. Filme mit ihr würde ich mir ohne zu zögern sofort ansehen, auch wenn sie mich Unsummen an Geld kosten würden. Warum? Diese Frau kann es einfach!
Nicht nur in Sachen Mimik, Ausdruck, Rebellion und Kampfgeist, sondern auch in den vielen kleinen Dingen, die den Charakter dieser Dame ausmachen, sieht man hier ein Meisterwerk schauspielerischer Kunst in einer Geschichte, die für sich selbst bereits bewundernswert ist.
Bradley Cooper, der kürzlich in Im Rausch der Sterne sein Talent als große Persönlichkeit bewiesen hat, liefert auch hier wieder erstklassiges ab und brilliert ein weiteres Mal mit Lawrence in einem Verbalfeuerwerk, von dem sich so manch anderer Film eine Scheibe abschneiden sollte.
David O. Russell bringt ein Glanzstück zweier Welten akribisch und funktionierend zusammen und beweist, dass Glück und Trauer oft nicht weit auseinander liegen. Erzählend aus dem echten Leben wird hier die Familie einer Frau auseinander genommen, die sich großes vorgenommen hat und vorlebt, wo andere (mich eingeschlossen) längst den Löffel hingeschmissen und der Welt den Stinkefinger gezeigt hätten.
Die Zuschauerschaft hatte Spaß und gleichsam wird man sanft bebombt mit Inszenierungen, die erdrückend, ergreifend und zutiefst emotional sind. Diese Geschichte sollte man kennen – wer das Schauspiel liebt, kommt um diesen Part Film nicht drumrum.
Auch wenn der Trailer vielleicht etwas seltsam anmutete und in einem nicht so richtig die Lust aufs Schauen ins Leben rief, hinterlässt dieser Titel bei mir zumindest tiefe Spuren von Zufriedenheit und innerem Glück. So wunderbar erzählt, so elegant zusammengeflechtet, so ausdrucksstark und kraftvoll inszeniert kam bislang noch keine Story in diesem Genre auf die Leinwand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schnappt eure Tanten, Brüder und Freunde, löst ein .kinoticket und lasst die Show beginnen.
Hier wird garantiert keiner enttäuscht. Die Comedy-Fraktion nicht, die Drama-Fraktion nicht, die Spannungsfanatiker nicht und die Biografie-Bewunderer nicht. Die Vielseitigkeit, mit der hier an bestimmte Themen rangegangen wird, erlebt ihren Höhepunkt im Zusammenspiel zweier Filmhelden, die etwas vorleben, von dem sich nicht nur Moralapostel inspirieren lassen können.
Ein wertvolles Stück Filmgeschichte mit großartigen Darstellern und einer Story, die seinesgleichen sucht. Rein da! Und zwar sofort!

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf sich also getrost nach draußen bewegen.

Im Rausch der Sterne

Sternekoch, Paris, London, Menüs, Küche … zu behaupten, die exzessive Kochkultur sei nun aus dem TV ins Kino übergeschwappt, wäre gemein.
Gemein deshalb, weil es hier nicht um das bloße Zurschaustellen irgendwelcher zweitklassiger Köche geht, sondern eine Geschichte mit derart viel Esprit und Charme erzählt wird, die den Bogen schafft, dabei die Schiene der Realität nicht unbedingt zu verlassen.
Hier geht’s eben nicht um die Kochtipps für Oma in einem billigen Mittagsmagazin, sondern tatsächlich um wahre Größe im Showbusiness der Köche. Im Gespräch mit einem Koch, der eben solche Gefilde aus persönlichen Erfahrungen heraus kennt, habe ich mir sagen lassen, dass die gezeigten Situationen durchaus realitätsnah angelegt sind und hier nicht zwingend übertrieben oder dramatisiert wird.
“Entweder es läuft so wie dort oder so wie es jetzt gezeigt wird. Dazwischen gibt es eigentlich kaum etwas.”
Ob diese Art von Film jetzt dafür sorgt, dass weniger Menschen in den Beruf eines Kochs einsteigen wollen oder der gerade den Zuwachs fördert, weil nicht nur die Problematiken einer Sterneküche aufgezeigt, sondern auch diverse Wunschvorstellungen und Träume ent-wunschdenkt werden, sei dahingestellt.
Fakt ist: Kochen ist eine Kunst, die oberflächlich oder tiefgründig ausgelebt werden kann. Der Film spielt dabei im allerhöchsten Niveau mit und bringt eben jene Größe auch bedeutsam zur Geltung. Allein das Zeigen der verschiedenen Gerichte auf den Tellern dürfte so ziemlich jeden Gourmetliebhaber vom Hocker hauen. Foodporn mit Stil und Eleganz, gepaart mit cholerischer Hypertonie der Emotionen ergibt hier ein Zusammenspiel vieler Schauspielgrößen, die im Team als solches nicht überzeugen, sondern verblüffen.
Bradley Cooper, Emma Thompson, Daniel Brühl, Omar Sy, Sienna Miller – der Film wird von vielen Säulen getragen und mit gefühlsintensivem Bravour über die Ziellinie gebracht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer immer es ins Kino schafft und nicht weiß, was er schauen soll, der sollte sich dieses Werk vornehmen.
Humor, Eleganz, Stil, Krach, Niederlagen und Siege – der Streifen vereint alles, was für einen guten Kinoabend nötig ist und liefert nicht nur sensationelle Bilder herausragender Kost, sondern auch Emotionen, nackte Haut und den Alltag einer Küche im Milieu der Reichen.
Für Anwärter dieser Branche ist der Film fast schon Pflichtlektüre, für alle anderen einfach nur wunderbare Unterhaltung für einen Abend mit berauschenden Bildern für die Sinne.

 
Nachspann
gibt’s keinen, der Saal darf also frühzeitig wieder verlassen werden.

American Sniper

Filmen mit “American” im Titel misstraut der Durchschnittseuropäer ja erstmal von vornherein und packt seine anti-amerikanische Keule aus, um so richtig gegen den Patriotismus und das “Wir sind die Guten”-Gelaber der Amis zu hetzen.

Meine Wenigkeit wurde im Rahmen der diesjährigen Academy Award Verleihung mit Trailern auf diesen Film hingewiesen. Mein erster Gedanke:
“Ein neuer Clint Eastwood? Kino!”

Viel erfahren über den Film habe ich nicht, außer, dass Bradley Cooper mit von der Rolle ist und dass es – was die gezeigten Szenen deutlich machten – wohl nicht um einen jener Streifen gehn würde, die viel Geballer und Patriotismus zeigen, sondern eben wieder ein rühmlich-ruhiger Eastwood auf die Leinwand gebracht werden würde.

Klar war also, dass ich mir das passende .kinoticket für diesen Film alsbald holte und ihn mir im Rahmen des Kinomarathons zu Gemüte führte. Dass es sich hier um die hollywoodangepasst-wahre Geschichte des echten Scharfschützen Chris Kyle handelt, wurde mir dann kurz vor dem Abspann auch klar.

Innere Zerrissenheit

Mein Empfinden im Saal war eher zweigeteilt. Ich war leicht enttäuscht, ob des dokumentarischen Charakters und empfand mich im Film oft zwischen den Szenen hin- und her geschmissen. Mir fehlte der Zusammenhang, mir fehlte das Abholen der Zuschauer und in die Szenen führen, mir fehlte irgendwie die “Größe”, die man von Filmen dieses Kalibers gewöhnt ist.

Meine Erwartungen an einen Unterhaltungsfilm wurden bitter enttäuscht, denn was man hier zu sehen bekommt, ist nicht für den zu Hause Gebliebenen aufbereitet, sondern schildert das abstruse Verhältnis von Soldaten, die aus ihrem Land, aus ihrer Familie herausgerissen und an eine Front gebracht werden, an der es einfach nur abartig zugeht. Dein Leben besteht nur noch aus Teilstücken ohne jede Bedeutung.

Du hast eine Frau. Sie ist schwanger. Du bist im Einsatz. Du kommst wieder, der Bub ist 4 Jahre alt. Du bist wieder im Einsatz. Du kommst nach Hause, er ist in der Pubertät.

Als Zuschauer musst du dich erst einmal umständlich zwischen den Szenen zurechtfinden und da ist auch keiner, der dir dabei hilft. Kein Erzählstrang, kein Drehbuchschreiber, kein Regisseur. Die Story knallt in genau der gleichen Abartigkeit in deinen Schädel und macht dich ein Stück weit genauso wahnsinnig, wie es den Soldaten im Kampf für ihr Land ebenfalls ergeht.

Dazu kommt, dass den Amerikanern der Status “Soldat” noch ein ganzes Stück mehr bedeutet als hierzulande den Europäern, da dort wahre Helden noch gefeiert und rühmlich begraben werden. Hierzulande schaut dies – Informationen eines Bundis nach – dann doch ein kleines Stück anders aus. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, weshalb man sich auf dieser Seite des großen Teiches wohl eher schwer mit solch einer Kost tut. Hat man den Film dann tatsächlich zu recht mit “American” ausgezeichnet?

Der Clou ist der Blickwinkel

Nachdem ich mich telefonisch mit einem Hauptfeldwebel über den Film unterhalten und wir sehr lange darüber diskutiert haben, wurde mir dann auch einiges klar. Dieser Film ist nicht für diejenigen gemacht, die popcornmampfend zu Hause sitzen und sich irgendwelche Kriegspropaganda im Fernsehen anschauen um dann unterhaltend im Kino berieselt zu werden, sondern hier wird gnadenlos aus Sicht der Soldaten gefilmt und geschildert.

Man spürt, wie sehr Cooper sich in den Kriegsgebieten “wohl fühlt” und wie er immer mehr den Bezug zu seiner Familie, zu seinem Leben verliert. Dieses Schwingen zwischen dem Status, den er im Kampf hat in Verbindung mit seiner liebenden Frau, die ihn sehnsüchtig zu Hause erwartet und möchte, dass er sich ihr wieder nähert, wird zum Ende hin fast unerträglich.

Du erlebst mit, wie die Psyche dieses Mannes langsam gebrochen wird, wie er am Ende versucht, dem Leben noch irgendeinen Sinn abzugewinnen und vielleicht die richtige, vielleicht auch die falsche Entscheidung trifft. Am Schluss saß ich im Kino und dachte mir: “Und jetzt? Was soll uns das jetzt alles sagen? Dass Krieg in sich sinnlos ist? Dass er Menschen einfach nur kaputt macht? Dass er enttäuscht? Dass er die Seele von Männern und Frauen schändet und nichts als Leere und Irrsinn zurücklässt?”

Genau das. Clint Eastwood hat hier nicht nur von, sondern auch zu den Soldaten gesprochen und ihnen gezeigt: Es gibt jemanden, der euch versteht. Für die Rekruten ist klar, was es bedeutet, wenn im Abspann keine Musik läuft. Für die Einsatzkräfte ist klar, was mit der “Fernseherszene” gemeint ist. Sie erleben das geschichtliche Zucken von Lebensbruchstücken nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im realen Alltag.

Insofern handelt es sich bei diesem Film tatsächlich um großes Kino, mein Fehler war einfach nur, mit den falschen Erwartungen rein zu gehen.

Der Patriotismus bleibt tatsächlich aus, die Frage nach Menschlichkeit wird allzuoft gestellt, die Ansichten in Sachen Kameradschaft und Zugehörigkeit werden umfassend bearbeitet und die Schwierigkeit besteht nicht darin, dass falsch gefilmt oder schlecht bearbeitet wurde, sondern dass man einfach die falschen Erwartungen mitbringt und nicht weiß, dass es sich hier um einen rein dokumentarischen Film einer wahren Begebenheit handelt. Die nämlich ist irre hervorragend umgesetzt und durchaus kinowürdig.

Der fade Beigeschmack, dass Clint Eastwood hier versucht, gemeinsam mit Publikumsmagnet Bradley Cooper sein Schaffen in die Mainstreamschiene zu pressen, um keine allzu abwegigen Gedanken mehr produzieren zu müssen und “noch mehr Leute zu erreichen”, blieb mir zwar bis zum Schluss erhalten, jedoch finde ich im Nachhinein, dass er genau der richtige für diesen Job war, um die – vielleicht missverständliche – Botschaft gebührend auf die Leinwand zu projizieren.

Leute, die jemanden kennen, der beim Bund ist oder gar Zuschauer, die selbst ihr Leben ihrem Land verschrieben haben, dürften sich in diesem Film sehr wohl aufgehoben fühlen und er trägt auch ein ganz klein wenig mit dazu bei, dass vielleicht die unmenschlichen Handlungsweisen von Soldaten nach Jahren im Einsatz ein wenig besser verstanden werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Schaut euch davor und danach nichts anderes an. Dann hat es dieser Film tatsächlich in sich.

Wer Unterhaltung erwartet, sollte lieber woanders zugreifen. Wen das Thema Menschlichkeit im Bezug auf Krieg interessiert, der wird einen großartigen Film erleben, der es durchaus wert ist, gesehen zu werden.

Nachspann
✅ bleibe ich bei diesem Film schon aus Respekt einfach sitzen.

Kinostart: 26. Februar 2015

Original Title: American Sniper
Length: 132 Min.
Rated: FSK 16

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