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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Brendan Gleeson

Paddington 2

Um mal eins vorweg zu nehmen: Es ist wurscht, ob man sich vorher den ersten Teil angesehen hat oder nicht – fest steht, dass man das spätestens nach dem zweiten dann definitiv nachholt.
Und wenn mich in Zukunft jemand fragt, ob es ein Beispiel dafür gibt, dass der Nachfolger mal besser war als der erste Film, dann werde ich sagen: Paddington 2.
Die Szenen sind – ganz anders als beim ersten Teil – sehr viel mehr aufgeladen mit Situationen, in denen du vor Lachen kaum noch kannst. Ich habe den Film bereits regulär im Kino erneut sichten können und wir waren nur 6 Leute im Saal und es hat sich angefühlt, als wäre das Kino halb voll, wenn man vom Lärm ausgeht, denn die Gäste beim Lachen verursacht haben!
Und davon ist einfach jeder betroffen – ob du willst, oder nicht. Ich würde fast behaupten, Paddington gibt da nur ansatzweise zu erkennen, worauf man sich im zweiten Teil dann einstellen muss und komme daher nicht umhin, euch allen wärmstens ans Herz zu legen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht unbedingt mit jedem, den ihr finden könnt, in diesen Film, denn gerade jetzt gibt es genügend Gründe, wieso man einfach mal wieder unbeschwert und sorgenfrei lachen sollte.
So viel Liebe, Herzerwärmung, Kitschfreiheit, Freude und unbändigen Humor hab ich selbst in den neueren Minions-Filmen nicht finden können.
Ganz großartiges Kino, dass gerne weiter so machen darf!
Sicht-Pflicht!

 
Nachspann
nicht gleich raus rennen, hier gibt’s anfangs noch witzige Szenen.
Kinostart: 23. November 2017
 

Das Gesetz der Familie

Brendan Gleeson und Michael Fassbender reichen eigentlich aus, um für diesen Film zu werben. Wer sich die Mühe macht und den zu viel sagenden .trailer ansieht, wird von dem packenden Stimmungskick niedergewalzt, der sich in dem Film ausbreitet.
Die Geschichte findet nicht nur in einer Nische statt, sondern entbehrt jedweder Normalität, die zu Langeweile führen würde. Der Sog in eine Welt vollgepackt mit skurrilen Abenteuern, zutiefst schwarzem Humor und einer herausragenden Mannschaft, die sich durch die Eskapaden schlängelt, bannt gnadenlos jeden, der sich vor der Leinwand versammelt hat.
Die großartige Macht, die man in dem Film verborgen hat, zieht seine gnadenlosen Kreise und offenbart sich als Entdeckung des Jahres: Fassbender und Gleeson sind großartig und spielen sich den Ball mit erschütterndem Ernst auf einer Spielwiese zu, die normalerweise Liebe und Geborgenheit spenden soll, hier aber völlig andere Richtungen einschlägt. Dabei ist nicht mal mehr nur diese so gnadenlose Andersartigkeit besonders, sondern die emotionale Finsternis, die sich in den Köpfen langsam wie ein Virus ausbreitet und alles und jeden befällt, während man im Kino sitzt und über den bitter-schwarzen Humor lachen muss.
Das als Komödie abzutun, würde dem Werk seine Würde rauben. Es als ernsthaften Teil einer Sicario-gleichen Meisterleistung hinzustellen, widerstrebt mir genauso. Ich würde sagen, er liegt zwischen den Fronten und baut sich dort seine Region maßgeblich aus, so dass für den Kinogänger wirklich keine Wünschen offen bleiben und man auf jeden Fall wahnsinnig gute Unterhaltung mit nach Hause nimmt, die auch im Nachklang noch lange zu sehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beeindruckend auf einer großen Spielwiese der verbalen Ausfallmöglichkeiten mit dem Ausreizen bis an die äußersten Enden ohne dabei vom Rand in den Abgrund zu stürzen: Das Schauspiel der Darsteller ist herausragend und die Kongenialität erschließt sich in allen Bereichen.
Obgleich man den Film nicht zwingend in einem Kino gesehen haben muss, macht er in einem vollbesetzten Saal doch sehr viel mehr Spaß als alleine zu Hause auf der Couch, wo seine Wirkung ebenfalls gleichermaßen beeindruckend ist.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, Zeit zum drüber reden darf man sich aber gerne trotzdem nehmen.
Kinostart: 3. August 2017

Live by Night

Die Generationen vor uns hatten Francis Ford Coppola’s Der Pate, dessen unerreichte Genialität und Zeitlosigkeit bis heute unübertroffen ist.
Nicht umsonst stehen bis dato noch hochpreisige Boxen dieser Trilogie in den Ladenregalen und erfreuen sich auch bei der Käuferschaft immer noch großer Beliebtheit.
An diese unerreichte Meisterleistung hat sich seitdem keiner mehr so wirklich rangetraut. Klar hat man auch in Hollywood versucht, Geschichten dieser Art in neuem Gewand zu verkaufen, aber entweder waren diese Unterfangen schon von vornherein zum Scheitern verurteilt oder haben sich während der Spielzeit selbst ihr Grab geschaufelt. Man versuchte zu kopieren, “auch etwas großartiges zu schaffen” und wenn bei einer solchen Sache nicht alle (auch die unbekannten) Faktoren genauso zusammenkommen, kann das nicht in dem Ausmaß funktionieren, wie es Der Pate vorgemacht hat.
Das zumindest beweist, dass es nur ein echtes Original gibt und alles andere entweder abgekupfert oder schlecht gekonnt wirkt und nie so richtig tief in die Essenz des Films einsteigt. Dabei hat die Thematik, die auch Live by Night aufgreift, so viel Schöpfungskraft und Erzähldichte, dass man hier schier unendliche Storys bereitstellen könnte.
Woran Johnny Depp in Black Mass scheiterte, wo sich Tom Hardy verzweifelt in Legend emporkämpfte, daran erblüht Ben Affleck nun in Live by Night.
Der Film steigt genauso langfristig und solide ein, wie Der Pate, wo es auch erstmal eine geschlagene halbe Stunde dauert, bis man überhaupt in der Sachlage durchsteigt. Man schafft hier genau das gleiche solide Erzählfundament und arbeitet sich bis zum Schluss permanent weiter nach oben.
Salopp gesagt hatte ich größte Schwierigkeiten zu Beginn des Films, ausgehend von den abartig krassen Trailern im Vorfeld, in die Ruhe und Gediegenheit zurückzufinden, die hier konsequent ausgelebt und permanent gesteigert wird. Ist man aber erstmal drin, macht selbst die lange Spielzeit absolut nichts mehr aus, denn Affleck vollbringt das Wunder, in mir den Gedanken hervorzurufen, dass diese Generation nun auch endlich einen eigenen Paten ihr eigen nennen darf.
Der Junge hat ja auch vorher schon mehrmals bewiesen, dass in ihm nicht nur ein schlechter Daredevil sondern ein wahnsinnig guter Regisseur steckt, der durchaus etwas zu sagen hat und dies auch überzeugend auf die Leinwand transportiert bekommt.
So beweist sich im Film oftmals auch die Tatsache, dass er nicht nur an das große Vorbild der ehemaligen Generation X anknüpft, sondern auch dessen Wesenszüge studiert und verstanden hat. Die Liebe zur Familie, der Bezug zum Geschäftlichen, die krassen Gegensätze zwischen Tod und Leben, selbst die Härte der Durchschlagskraft der einzelnen Ziele wurde hier genauso aufgegriffen, wie man es aus Coppola’s Zeiten kennt.
Auch wenn man dem Werk letztendlich den Nachahmereffekt nicht gänzlich absprechen kann, so ist diese Kopie jedoch in meinen Augen sehr gut gelungen und läuft in der zweiten Hälfte des Films dann zur Höchstform auf.
Die floppende Wirkung in den Kinos kann ich mir daher nur durch die durchaus miese PR vorstellen, denn der Trailer macht auch nicht unbedingt Lust auf den Film.
 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des klassischen Kinos kommen mit etwas Vorsprungs-Zeit hier voll auf ihre Kosten.
Mit Live by Night erwächst ein neuer Filmmeilenstein, der den Paten der heutigen Generation darstellt und im Laufe der Spielzeit zu immer höheren Zielen aufläuft und diese herausragend erreicht.
Und nicht nur Story, Hintergründe, Schauspieler und Effekte, sondern auch der Soundtrack zeigt, dass man sich hier im oberen Milieu aufhält.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also aufspringen und raus. Was gibt es eigentlich immer so wichtiges, dass da jeder wie bekloppt rennt?

Assassin’s Creed (3D)

Es kracht wieder im Kino. Vorausgesetzt, man stellt die Lautsprecher seitens der Betreiber leicht überhöht ein und gönnt seinen Besuchern damit, dass die Euros, die jeder für sein .kinoticket in diesem Fall hingeblättert hat, auch wirklich lohnenswert waren.

Denn hier sollte man als Gast tatsächlich in die Taschen greifen und nicht nur die Vorstellung buchen, sondern alle Features mitnehmen, die dieser Film zu bieten hat, auch das 3D. Scheiß drauf, was es kostet.

Wieso? Eingefleischte Fans dieser Spielereihe (ja, es handelt sich tatsächlich um eine Gameverfilmung, die sehenswert ist) strömen sowieso in die Kinos um sich die Adaption in aller Größe zu geben und zu sehen, was Hollywood aus dem Kultspiel gemacht hat.

Mein allergrößter Pluspunkt: Der Sound! Ich sag nur: Wow! Und meine damit nicht ein bekanntes anderes Onlinespiel… – Komponist Jed Kurzel hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und bietet allein schon vom Hören ein Audioexemple, dass weit und breit in der Game-Verfilmungswelt keinerlei Vergleichbares antrifft. Man kann seine Augen schließen und sich einfach von der Wucht der beeindruckenden Impressionen audiovisueller Natur ein paar Kilometer weiter in den Boden rammen und diesen brachial-harten Beat in seiner ästhetischen Schönheit auf sich wirken lassen … wenn die Betreiber des Kinos vorher rechtzeitig in ihre Anlagen investiert haben und diese bei den Vorstellungen auch an ihre Grenzen führen.

So und nicht anders kann ich mir all die negativen Kritiken seitens der Presse und Besucher erklären, die wiederum eines nicht verstanden haben: Filme sind eine Kunst, die es nicht nur zu konsumieren gilt (man trinkt Wein auch nicht aus alten Pappbechern), sondern bei der man nicht nur gezielt seine Filme auswählt, sondern ebenfalls das passende Kino dazu. Und da greift bei vielen die gute alte Faulheitsregel: Warum sollte ich 120 km in ein passendes Kino fahren, wenn es um die Ecke auch eins gibt, das zwar nicht so toll ist, aber den Film genauso zeigt?

Falsch. Falsch falsch falsch! In diesem Fall macht diese lapidar herbeigeführte Entscheidung nämlich den kompletten Film kaputt! Assassin’s Creed lebt von dem Zusammenspiel der Musik, Töne, Effekte und den dazu gezeigten Bildern, die sich nicht unbedingt auf brutale Action ausrichten, sondern in ihrer Gänze als Konstrukt überzeugen, bei dem man nicht von der Story, sondern deren Umsetzung überzeugt wird und anschließend ohrwurmträllernd durch die Straßen schlendert und dafür dankbar ist, dass es Apple Music gibt …

Selbst in der deutsch synchronisierten Fassung greift diese packende Wucht, obgleich die Dialoge noch etwas bescheuerter klingen als im Original, da plottechnisch hier genauso Schindluder getrieben wurde, wie bereits in den Folgespielen, wo auch nicht wirklich mehr auf die Storyline geachtet wurde, sondern man eher auf visuelle Effekte gesetzt hat.

Die Schauspielgrößen (Michael Fassbender, Jeremy Irons, Marion Cotillard) liefern nämlich auch hier allein durchs Rumstehen irgendwo Größe ab, was letztendlich nur durch das Drehbuch selbst kaputtgeschrieben wird, wofür der komplette Crew-Rest aber auch nicht wirklich was kann. Es mag verwunderlich sein, wieso man sich an dieser Stelle für diese Art von Geschichte entschieden hat, wäre da doch so viel mehr Potenzial gewesen, auch erzählerisch noch auf die höchsten Klippen zu steigen, jedoch sollte man das Beschweren darüber lieber den Kolumnisten irgendeiner Zeitung überlassen, sich ein Popcorn schnappen, die Kinoleitung beknien, dass sie die Lautstärke über Normal regelt und die Show einfach genießen.

Der beeindruckende Effekt, den Assassin’s Creed damit bei den Zuschauern hinterlässt, ist auch so ein Epos an sich, worüber sich all jene freuen, die Gäste in einer meiner Vorstellungen sind, denn ich lass es mir niemals nehmen, diesen Film durch zu nischenhafte Boxen in den Abgrund stürzen zu lassen.

Damit lebt oder stirbt er.

.kinoticket-Empfehlung: Wählt zu dem Film das richtige Kino und lasst die richtige Lautstärke einstellen, alles andere macht euch die komplette Vorstellung kaputt!

Sound, die dazu gezeigten Bilder und die Schauspielgrößen, die man dazu gesellt, bilden ein Komplott, das als Ganzes sehenswert ist, sofern man von der packenden Wucht der Szenen audiovisuell in den Sessel gedrückt wird. Ist dies nicht vorhanden (Dorfkinos, TV, Blu-rays oder VOD), ist der Film als solches gar nicht sehenswert.

Wer hier nicht ins richtige Kino geht, der braucht gar nicht erst drüber nachdenken. Alle anderen haben ein Extraerlebnis meisterlicher Klasse, bei dem Story nicht wichtig und Momentum alles ist. Genießt es!

Nachspann
❌ wird keiner geliefert, allerdings gilt auch hier wieder: Sperrt die Ohren auf … es lohnt sich so dermaßen, ich bin immer noch ganz zittrig vor Aufregung!

Kinostart: 27. Dezember 2016

Original Title: Assassin’s Creed
Length: 116 Min.
Rated: FSK 16

Im Herzen der See (3D)

Willkommen bei den Archiv-Tagen. Ich habe mich damals mit so vielen Leuten über diesen Film unterhalten und dabei scheinbar nicht realisiert, wie sich der Alzheimer in meinem Schädel einnistete, denn als ich kürzlich auf diese Rezension verlinken wollte, stellte ich erstaunt fest, dass diese noch gar nicht online ist.
Dabei gehörte dieser Streifen durchaus zu den Titeln, die man sich im großen Kinosaal hätte anschauen können, denn das 3D und die Wucht der Naturgewalten kamen hier echt gut zur Geltung. Über die Story braucht man wohl weniger sagen, denn jeder sollte in seinem Leben mindestens einmal mit Moby Dick in Berührung gekommen sein.
Was mich ein kleines bisschen gestört hat, war der Look des Films. Die Menschen waren zu sauber, zu gepflegt, zu zivilisiert, als dass man ihrer Darstellung abkaufen würde, dass sie schon wochenlang auf dem Meer treiben. Getreu dem Motto “Die Frisur hält” hielten die Hauptdarsteller ihre Visagen immer wieder top frisiert in die Kamera und proklamierten hierbei eher gutes Aussehen als eine schicksalgebeutelte Vergangenheit.
Generell wirkte der Look eher steril, zu gebürstet und gekonnt auf dreckig gemacht, wobei der Dreck hier eben völlig fehlte. Keine Risse in der Haut, kein Schlamm, kein Aufgebrauchtsein, kein Used-Look. Noch nicht mal ansatzweises Bartwachstum, was die Zeitangaben im Film mega unrealistisch erscheinen lässt.
Dadurch mangelt es beim Zuschauen dann auch etwas an Mitleid und -empfinden, weil man den Darstellern ihr Leid einfach nicht ansieht, sondern eher glaubt, dass sie sich diese Dinge krampfhaft von der Rippe spielen und nicht wirklich in ihrer Rolle aufgehen.
Das zerstört ein wenig den Flair der Geschichte und lässt den Marianengraben an psychologischem Terror, den man hier ganz sicher ins Publikum werfen wollte, eher zu einem Dorfbächlein verkommen. Ein kleines bisschen Mitschuld trägt auch die Zurückhaltung in Sachen Wal, der hier eben nicht als schreckenerregendes Monster metaphysischer Größe präsentiert wird, sondern eher nur ein nerviger Geselle in der Vielfalt der Meere ist, der es auf seine ihn provozierenden Feinde abgesehen hat. Schade eigentlich, denn technisch gesehen hat dieser Film echt was auf dem Kasten und hätte in Verbindung mit den anderen Faktoren zu einem richtig guten Werk aufsteigen können.
So bleibt eine weitere Erzählweise einer Geschichte, die sicher auch noch in 100 Jahren erzählt werden wird, die für sich selbst aber keinerlei gesonderte Beachtung bedarf, sondern durchaus als Reboot neu in die Kinos kommen darf – nur diesmal dann eben bitte in glaubwürdig.
 

.kinoticket-Empfehlung: Chris Hemsworth macht hier eine zu gute Figur.
Sein Look ist derart überstyled, dass man ihm das tragische Leiden der in Seenot geratenen Schiffsleute nicht mehr abkauft, da die Frisur einfach zu gut sitzt.
Generell wirkt der Look des Films zu steril, der Dreck fehlt einfach völlig, um den Horror zu untermalen, dem sich die Darsteller in dieser Geschichte stellen mussten.
3D und Technik überzeugen dennoch und hinterlassen einen Film, den es sich ausschließlich deshalb trotzdem anzuschauen lohnt, denn beim Sound und den Effekten hat man auch hier nicht gespart.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man darf den Saal (oder in diesem Fall das Wohnzimmer) also wieder räumen.

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