Bruno Ganz

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The House That Jack Built
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

 

Zuallererst mal eine Warnung: Dieser Film hat von der FSK eine “FSK 18”-Auszeichnung bekommen, was bedeutet, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht ins Kino gelassen werden. Und zwar ohne Ausnahme.

Der Grund: Es werden extreme Gewaltszenen gezeigt, die fernab von “filmischer Freiheit” fungieren und somit verstörend für “Fast-Erwachsene” wirken können. Dazu mal ein paar Gedanken:

Es ist nun schon ewig her, dass wir im quasi frei zugänglichen Kino wieder mal etwas mit dem roten FSK-Label beschauen durften. Unsere Zeit ist so dermaßen verroht, dass von den Verantwortlichen dieser Selbstkontrollfirma per se eher der blaue “FSK 16” vergeben wird und man munkelt in einigen Kreisen, dass es auch hier an Korruption und “Gelddruckerei” nur so grünt und blüht.

Es ist also von Natur aus schon “schwer”, ein FSK-18-Rating zu erhalten und in den Kinos wird man quasi damit dann auch gar nicht groß auf die Leinwände gelassen. Bringt zu wenig ein und ist nicht in der 7-49-Zielgruppe. Schade für die Zuschauer, denen zielgerichteter Inhalt verweigert wird, gut für die Industrie: Denn mit wesentlich weniger Aufwand erhält man wesentlich mehr Zuschauerspektrum und landet daher einen “Hit” nach dem anderen.

Nun ist ja weithin bekannt, dass Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen böses Blut verstreut hat und niemand auf der ganzen Welt sieht in ihm einen Liebesromanautor, sondern quasi jeder weiß, dass er sich als “Skandalregisseur” – wie er von der Presse gerne genannt wird – einen Namen gemacht hat und Dinge auf die Leinwand bringt, die sich andere schlichtweg nicht trauen oder nicht verfilmen möchten.

Und über sein neuestes Werk ist ebenfalls kein Geheimnis, dass über 100 Personen beim Festival in Cannes den Saal angewidert verlassen haben. Und die Presse stürzt sich auch hier wieder drauf – ganz klar: Gefundenes Fressen. So etwas wollen die Menschen lesen, so etwas verkauft sich.

Und dabei übersieht man gerne, dass eben jene Reaktionen von der Presse gänzlich ausblieben und an der “Angewidertheit” eigentlich erstmal gar nichts dran ist – zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es in den Medien behauptet wird.

Der Grund? Ganz simpel: Lars von Trier steht für etwas. Seine Filme proklamieren Unangepasstheit. Eine gewisse Offenheit. Aus ihm sprudelt in vielen Dingen eine bösartige Ehrlichkeit, mit der Menschen nicht umgehen können. Weder im Kleinen, noch in solch monströsen Werken wie seinen Filmen. Und wenn Szenen auf dem Tisch landen, in denen Menschen übel zugerichtet werden, dann passt das so ganz und gar nicht auf ein Festival, in denen Feuilleton-Damen in festlicher Opernball-Abendkleidung im Kino sitzen und sich etwas “Wunderbares” besehen wollen: Die vertragen solchen Stoff nicht, verstehen ihn wohl auch nicht und rennen dann eben aus dem Saal, weil sie sich als “Konsumenten” von Menschenabschlachtungen verraten fühlen und nicht zu der “Oberschicht” gehören wollen, die für das voyeuristische Beschauen von humanistischen Zerstückelungen Geld bezahlt und von uns allen in Hostel so sehr gehasst wurde.

Logische Folge: Diese Herr-, Dam- und Es-schaften (ja, Genderfreunde – es wird immer kränker!) verlassen angewidert den Saal und machen ihrem Ärger offen Luft.

Logische Folge 2: Die Presse hat Futter und schreibt darüber, verdient damit Geld und ist glücklich.

Logische Folge 3: Lars von Trier ist Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Filmfest in Cannes und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich und sein Werk und kompensiert damit ein wenig die verlorene Zuschauerschaft durch das FSK-Rating.

Wenn man so möchte, ist also allen damit geholfen, außer dem Kinogänger selbst. Der wird von voreingenommenen Vorurteilen überschüttet und womöglich in der freien Entscheidung seiner Filmwahl extrem manipuliert. Auch ich gehöre dazu, nicht umsonst “werbe” ich damit, dass meine Meinungen in diesem Blog durchweg subjektiv sind und ausschließlich zu meinem Geistesfundus gehören und niemals als “allgemeingültige” Aussage angesehen werden sollten, sondern allenfalls als “Erfahrungsrichtlinie”, an denen sich zukünftige Filmbesucher orientieren können, um grobschlächtige Fehlentscheidungen bereits im Vorfeld zu vermeiden.

So etwas wird hier extrem schwierig.

Kommen wir also mal zu dem Teil, der meine persönliche Meinung über den Film darstellt:

Ich finde es grundsätzlich erstmal absolut löblich, dass endlich mal FSK 18 auf einer Kinoleinwand zu sehen ist, bei dem diese Freigabe sehr wohl gerechtfertigt ist und man auf ein ganz spezielles Publikum abzielt und keinen Hehl daraus macht, dass hier abartige Dinge passieren: Jeder .kinoticket-Käufer weiß im Vorfeld, worauf er sich da ungefähr einlässt und ist somit schonmal vorsorglich gewarnt. Durch die FSK. Das ist nämlich der wirkliche Zweck dieser Einrichtung, die hier endlich mal vernünftige Arbeit geleistet hat.

Und somit kann man sich ENDLICH mal etwas anschauen, dass diese Auszeichnung auch verdient hat und eben jene Triebe und Wünsche auf der Leinwand befriedigt. Willkommen im “Horror”-Genre.

Lars von Trier hat in seinen Vorgängerwerken bereits den Pfad zur Hölle beschritten und spielt förmlich mit seinem Lebenswerk Dante‘s Göttliche Komödie nach, indem er sukzessive immer tiefer in die Kreise der Hölle steigt und den Zuschauer einfach mitnimmt. Wer sich dann nach dem gefühlt 1000sten Film dieses Regisseurs auf einmal wundert, dass es hier nicht ganz alltäglich zur Sache geht, der hat meiner Meinung nach etwas Maßgebliches einfach nicht richtig verstanden und den bedauere ich dann auch nicht, wenn er Geld für ein Ticket zahlt und nach wenigen Minuten angewidert rausrennt.

Was mich zu dem nächsten Punkt führt: Die FSK-18-Freigabe bezieht sich ursprünglich auf das Alter von Personen, die mit heranwachsenden Jahren eben auch eine gewisse Reife mit sich bringen, die früher irgendwann mal mit verschiedenen Alterszahlen festgesetzt wurde. Gefühlt kann man dies heute nicht mehr so einfach mit einer Alterszahl über den Kamm scheren, sondern müsste genauer differenzieren, in welchem geistigen Zustand derjenige ist und ob die Psyche und das Weltverständnis ebenfalls schon aus der Pubertät entwachsen sind oder man eben einfach nur “dumm” ist und “angeekelt den Saal verlässt”.

Das würde bedeuten, dass in einem Fall dann auf einmal 14jährige im Saal sitzen würden und das zu Recht tun dürften. Und das würde bedeuten, dass manch angegrauter Greis des Saales verwiesen würde, weil er oder sie in ihrem Kopf einfach noch nicht über das Niveau eines 17jährigen hinausgewachsen ist und die Dinge grundsätzlich völlig daneben einschätzt und bewertet. Ich meine – hallo? Lars von Trier! Allein das ist heute bereits eine Aussage. Man braucht nicht viel Recherchearbeit auf sich zu nehmen, um die kaputten Lebensumstände und offen kommunizierten Psychosen dieses Mannes zu kennen und sich dann einen Reim darauf bilden zu können, dass dieser gebildete Herr diese Dinge in seinen Filmen auf eine markante Art verarbeitet und sogar noch zugibt, dass während der Drehs oft Drogen im Spiel sind, die ihn seinen Aussagen nach “produktiver machen”.

Und da wären wir bei dem Punkt, der mir an The House That Jack Built eine unnachahmliche Achtung abverlangt hat: Die gnadenlose, kompromisslose und lückenlose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und der Welt.

von Trier geht hier auf Umstände und Dinge ein, die einerseits erfordern, dass man sich lange (und das lässt die Laufzeit sehr gut zu) damit auseinandersetzt, um überhaupt erstmal in solchen Sphären anzukommen und sich danach umzusehen und am Ende sogar zurechtfinden zu können. Und andererseits werden hier (wieder einmal) Zustände unserer Welt so simpel und aufrichtig gezeigt, dass es einfacher eigentlich gar nicht wäre: Man müsste einfach nur eines tun: Hinsehen.

Diese Aufforderung hat Florian Henckel von Donnersmarck seinen Zuschauern bei Werk ohne Autor bereits offensichtlich gestellt und ist damit erneut in die Riege der Oscar-Nominierten eingestiegen und der Zuschauer hat’s kapiert und macht es?

Nein! Er rennt raus und ekelt sich vor widerwärtigen Darstellungen.

Überraschung: Unsere Welt ist widerwärtig und eklig. Und zwar nicht in Lars von Triers neuestem Film, sondern da draußen – außerhalb der Leinwand, im Sonnenlicht, in der Nacht. Da, wo Menschen sind, geht es übel zu. Es herrschen Kriege, es herrscht Gewalt, Korruption, Ärger, Tötung, Abschlachtung und Verletzung und eine ganze Welt schnappt sich allmorgendlich das Zeitungsblatt in analoger oder digitaler Form und konsumiert diesen Schwachsinn ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

von Trier macht keinen Hehl daraus und zeigt dies auf. In seinem neuen Film. Und dieser Umstand ist genial!

Und er bringt weitere geniale Geniestreiche, die zwar nicht an die Härte und Verbissenheit älterer Werke von ihm heranreichen und böse Zungen behaupten lassen, er versuche nun etwas gequälter auf Provokation zu gehen und den Menschen einfach nur widerwärtig anzufahren – ich denke aber, er hat etwas Grundsätzliches verstanden und einen skurrilen Weg gefunden, dies auch an andere Menschen herantragen zu können, ohne sie einfach nur niederniveaulastig mit dem Kopf in die Scheiße zu drücken.

Auch hier beweist der Regisseur auf eine perverse Art und Weise Respekt gegenüber seinen Zuschauern und führt sie elegant den Weg in die dunkelsten Tiefen der Hölle und darüber hinaus.

Ja, das Ding geht ewig und es braucht einfach seine Zeit, um den Geist zu brechen und den Zuschauer da zu haben, wo er sein muss, um die gegebenen Umstände akzeptieren und “mit ihm leiden” zu können. Und es bräuchte sekundenweise Analyse, um all die verstecken Hinweise, Botschaften und Offensichtlichkeiten herausarbeiten zu können, die in diesem dann doch extrem schnellen Werk verborgen sind: Es ist eine Bibel, dem man ein Lebenswerk verschreiben könnte und immer noch nicht in die Tiefen vorgedrungen wäre, die hier angeteasert werden.

Als ich in den Film bin, wollte ich einfach nur wissen, warum die Leute in Cannes “geflohen” sind. Als ich raus bin, habe ich verstanden, warum er bei den meisten nicht gut ankommt: Sie vertragen diese ungefilterte Ehrlichkeit nicht, die von Trier zu lieben scheint und sie kommen mit den Direktaussagen dazu komplett nicht klar. Das tun Menschen nie. Ein Grund, warum ich diese Spezies selbst oft genug hasse: Weil diese ganzen verdammten Verletzungen nicht wären, wenn manche sich einfach bemühen würden und der Ehrlichkeit im Alltag etwas mehr Freiraum und Bühne einräumen würden, um ihre Wirkung zu tun.

Und wenn man dann nämlich der ganzen Geschichte etwas Zeit gibt, wenn man sich anfängt, darauf einzulassen, wenn man seine dreckigen Vorurteile vom Tisch knallt und die Geschichte erstmal zu Ende erzählen lässt, bevor man urteilt, dann stellt man schnell fest, dass dieser Film sehr wohl etwas zu sagen hat und einfach nur darauf wartet, bis all jene aus dem Saal verschwunden sind, die diese Wahrheiten nicht verdient haben.

Gegen Ende des Werkes wird es dermaßen … mir fällt kein Wort dafür ein …, dass ich fast die Tränen in den Augen hatte und mir dachte: Wie zur Hölle kann es sein, dass so ein kranker Typ es tatsächlich verstanden hat und uns allen eine so präsentable und simple Lösung vor Augen führt und bis heute noch niemand drauf gekommen ist, dass hier tatsächlich ein vollkommener Weg zur vollkommenen Erlösung zu finden ist?

Und damit wandert The House That Jack Built für mich in den Majestäten-Olymp auf und zählt zu den Werken, die definitiv den Weg als Scheibe in die Sammlung finden, denn ich will die restlichen Rätsel ebenfalls noch lösen. So etwas geniales – in so einer genialen Art – hab ich tatsächlich noch nie im Kino gesehen.

In diesem Sinne: Danke für die FSK 18, danke für die Offenheit und danke dafür, was du uns mit diesem Film näher bringen wolltest. Mich hast du erreicht!

 

.kinoticket-Empfehlung: Wie bricht man 1832 Wörter in einen Satz runter?

Gar nicht. Nehmt euch die Zeit und lest den Text, dann wollt ihr den Film entweder garantiert nicht sehen oder das komplette Gegenteil tritt ein: Fakt ist, ihr habt danach definitiv eine Entscheidung getroffen und sie wird die richtige sein.

Ist er für jedermann etwas? Klares nein.

Ist er für niemanden etwas und nur scheiße? Klares nein.

Für mich ein geniales Werk, dass tiefe Wahrheiten ans Licht führt und dabei kompromisslos vorgeht und auch soweit keine erkennbaren Fehler gemacht hat. Die Welt spricht eine andere Sprache und dass heutzutage niemand die ungeschönte Wahrheit hören will oder gar verträgt, ist ja längst bekannt. von Trier spricht sie – und mir hat das außerordentlich gut gefallen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 29. November 2018

Original Title: The House That Jack Built
Length: 153 Min.
Rate: FSK 18

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Der Trafikant
© 2018 TOBIS Film GmbH

 

Der Trafikant entfesselt eine Coming-of-Age-Erzählung, wie sie wahrhaftig im Buche steht: Lange hatten wir keine erfolgreiche und überzeugende Buchverfilmung mehr, die gleich von Anfang an in ihren Bann zog und den Zuschauer ins Geschehen gefesselt hat.

Klar, bei Bruno Ganz auf der Darstellerliste ist manch einer sofort davon überzeugt, dass es etwas werden muss, jedoch passen Ausstattung, Kostüme, Stadtbild, Historie und Dekor hier dermaßen in die Vorstellung, dass nicht mehr zu unterscheiden ist, was Fiktion und was womöglich Realität ist.

Ich liebe so etwas – wenn man richtig tief in eine fremde Welt abtauchen und sich darin ausschmückende, blütenreiche Stories erzählen lassen kann und man für zwei Stunden vergisst, wo man eigentlich ist und was man hier eigentlich grade macht.

Der Trafikant schafft genau das. Auch wenn die Buch-Kenner vermutlich wieder vor den Latz gestoßen werden (ich habe es nicht gelesen), weil man immer versucht, denen, die eine Geschichte bereits kennen, auch etwas anderes und neues zu liefern und manch einer sich in seiner Fantasie womöglich beschnitten sieht: Das Gesamtpaket stimmt und überzeugt nicht zuletzt durch das Schauspiel eines jeden Einzelnen: Man kommt wieder aus dem Saal, möchte sich auch als Nichtraucher eine Zigarre anstecken, seinen Nebenmann/-frau ansehen und sich gegenseitig zustimmen: Das war mal wieder ein richtig guter Streifen!

Auch wenn die Plot-Elemente auf altbekannten Mustern basieren: Das Erfolgsrezept geht hier einfach auf und berührt auf magische Weise die Herzen der Menschen.

Mehr davon!

 

.kinoticket-Empfehlung: Ländliche, herzergreifende Coming-of-Age-Story, die nicht nur mit Plot, sondern auch mit Darstellern, Ausstattung, Set-Design und dem Rest vollkommen überzeugt.

Der Tauchgang in diese fremde Welt ist unheimlich spannend inszeniert, man ist gefesselt und fühlt sich erstklassig unterhalten. Wer immer schon mal eine tolle Story auf der Leinwand sehen wollte: Hier ist die Chance dazu – ergreift sie!

 

Nachspann
❌ bringt keine weiteren Szenen, aufstehen erlaubt! 🙂

Kinostart: 1. November 2018

Original Title: Der Trafikant
Length: 114 Min.
Rate: FSK 12

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The Party

The Party ist definitiv der außergewöhnlichste Film, den ich in diesem Kinojahr innerhalb der Presse gesichtet habe. Nicht nur seine Ambitionen, vollkommen in schwarz-weiß gedreht zu sein, sondern auch sein eigenwilliger Inhalt und seine absolute Dedikation zur exotischen Kunst machen dieses Machwerk zu einem absolut gelungenen Bühnenstück erster Güte.
Die Moral dieser Geschichte erwächst dabei nicht aus langweiligen Handlungssträngen oder anderer Vorhersehbarkeit, sondern besticht mit einzigartiger Originalität und spezifischer Genauigkeit. Man könnte fast meinen, der Raum hinter der Leinwand wurde eröffnet und man befände sich auf einmal in einem Theaterstück jenseits der Masse.
Und alle Schauspieler sind hervorragend gecastet und spielen mit unglaublicher Imposanz und außergewöhnlichem Können. Auch, wenn man inhaltlich im Original nicht immer ganz mitkommt, so beeindruckt doch die aufgebrachte Mimik, Situationskomik und durchtriebene Besessenheit von diesem Plot.
Das Ausarten in immer verwirrendere Zustände einer eigentlich anfangs durchschaubaren Situation erblüht zum Ende hin zu einem Gipfel künstlerischen Schaffens, dem nicht mal der eigene Trailer gerecht zu werden scheint. Die verhaltenen Reaktionen der Arthouse-Kinobesucher auf den Trailer sind absolut ungerechtfertigt, denn der Film bringt viel mehr mit, als sein offensichtliches Aushängeschild verspricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer mal etwas völlig Außergewöhnliches erleben möchte, darf sich gerne ein gemütliches Kino aussuchen und die Show in allen Vorzügen genießen.
Die Abgeschiedenheit zur Realität ist hier eines der Stärken, die The Party während seiner kurzen Laufzeit ausspielt und den Zuschauer hier mit zutiefst bewegendem künstlerischen Können verwöhnt.
Sehenswert und absolut anders als alles andere.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also nach draußen.
Kinostart: 27. Juli 2017

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Heidi

Ein jeder kennt dieses Kinderbuch, nehme ich mal an. Ich persönlich gehöre zu der Minderheit, die es weder gelesen noch in irgendeiner Form gehört oder gesehen hat. Demnach gibt es von mir heute wieder eine Rarität: Die völlig unvoreingenommene Rezension zum gleichnamigen Film Heidi.
Gespielt wird hier mit Stereotypen. Als Kinderbuch eignet es sich wahrscheinlich weniger, tiefenpsychologische Charaktäre einzuführen, demnach hat man alles sehr einfach und oberflächlich gehalten und erzählt die Geschichte in genauso sauberer Manier einfach von der Bank weg.
Was den Film durchweg trägt, ist die sofort aufblühende Liebe zur Natur in den Schweizer Bergen, die auch konsequent gefördert wird. Das Leben dort oben taugt wohl den wenigsten Menschen etwas, als guten Stoff für toll erzählte Geschichten ist es jedoch Gold in den Händen der Geschichtenschreiber.
Umgekehrt wäre diese Idylle selbst auch keine mehr, würden sich mehr als eine Handvoll Menschen dafür interessieren, ihre Lebenszeit dort oben zu verbringen und mit der Natur gemeinsam zu altern.
Der familiäre Zwist, der sich im Laufe der Geschichte immer wieder anderweitig äußert, wird innerhalb des Stereotyps eines jeden Darstellers ausgelebt, so dass beim Betrachten für die älteren Zuschauer keinerlei Interpretationsspielraum für mögliche Weiterentwicklungen bleibt und im Gegenzug dazu von Kindern im gleichen Saal keinerlei Fragen gestellt werden, da schlichtweg einfach alles klar ist.
Das hätte ich mir im Hinblick auf das Erwachsen werden des Films in diesem Jahrzehnt von einer Verfilmung dieser Größenordnung durchaus gewünscht, dass hier nicht nur etwas, sondern möglicherweise sogar viel Freiraum für geistige Ausflüge während des Schauens geblieben wären. Andererseits wäre es dann auch kein Kinder- sondern eher ein Erwachsenenfilm, darüber vermag ich nicht zu urteilen, da ich die Vorlagen nicht kenne.
Nichtsdestotrotz wird das Werk durch den Frohsinn und die überschwengliche Freude von Heidi am Leben erhalten – das tendenzielle Schauen auf das durchaus gesunde Leben in den Bergen würdig vertreten und auch pointiert.
Außerdem finde ich den Cast hervorragend ausgewählt – in jederlei Beziehung. Nicht nur Heidi, sondern auch der Geissenpeter oder Großvater sind hervorragend ausgewählt und spielen ihre Rolle wahnsinnig überzeugend. Hier wurde auf ganzer Schiene beste Arbeit gemacht, bis hin zum kleinsten Darsteller in den kürzesten Nebenrollen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Möchte man sich als Familie einen sauber strukturierten Film ohne großen Hickhack gemeinsam im Kino anschauen, dann ist Heidi genau die richtige Wahl.
Der Weg zurück zur Einfachheit hat hier förmlich sprichwörtlich Einzug gehalten und alle möglichen Interpretationsspielräume vorsorglich ausgeräumt. Dafür erhält man ein leicht verständliches Werk über eine Geschichte, die klare Vorgaben macht und sich an ihre eigenen Regeln hält.
Heidi ist ein Familienfilm, bei dem selbst die jüngsten Zuschauer keine Fragen stellen brauchen, aber 110 Minuten lang durchaus unterhalten werden.
“Wofür ich den Film gut fand, war, dass man sehen konnte, wie wenig Kinder eigentlich brauchen, um richtig glücklich zu sein.” – zitierte eine ältere Dame nach dem Film, die es meiner Meinung nach tatsächlich damit auf den Punkt bringt.

 
Nachspann
Hier läuft nichts spannendes mehr ab, man darf also getrost wieder in den weihnachtlichen Trubel entschwinden.

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